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Mittwoch, 17.§ebruar 1957
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
M.4Ü Zweites Blatt
Aus dem Reiche der Frau
PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS
sind
der Tunik
375
Frohe Mutter.
Don Hedwig Forstreuter
Untere liebe Kartoffel.
Don Frida Aisch, Snd-Nnuheim.
hndeistee entlassene mit olbüdung. Ziel: eite (trüber Ein« tarnen genannt), lenaudi Kothen n diulgeld RM. 17.«, bengebühren.
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gegeben, erst lose gemischt, dann zusammengeknetet. Als Gewürz Zitrone, Vanille und Zimt. Der Teil wird dann ausgerollt, in handgroße Quadrate geschnitten, die man mit Obst füllt, übereck zusammenrollt und zum Hörnchen biegt. Mit Eiweiß oder Milch bestreichen. Bei nicht zu starker Hitze backen. Zur Füllung muß man unter gekochtes Obst, das gut abgetropft ist, etwas geriebenen Zwieback geben. Die Füllung darf nie zu feucht sein.
Gebackener Kartoffelrand. Am Tag vorher gekochte Kartoffeln werden gerieben. Unter 500 Gramm gibt man 1 Eßlöffel zerlassene Margarine oder Butter und 2 Eigelb. 60 Gramm geriebener Käse, eine Prise Muskatnuß und der Schnee der Eier werden darunter gezogen. Eine Kranzform wird mit Fett und Semmelbrösel vorbereitet, der Teig hineingefüllt und lichtbraun gebacken. Dann stürzt man ihn auf eine heiße Schüssel und füllt in
werden kann. Kragen und Saum abgesteppt.
Ein kürzerer Schoß, ein roter g ü r t e l, Kragen und Manschten Pique geben wieder ein ganz
Saftantrieb durch die Strahlen der Frühlingssonne verhindert.
Ebenso wichtig wie die Arbeit im Garten draußen ist die Arbeit, die wir jetzt im Zimmer für den Garten zu erledigen haben. Do ist vor allem die Gartenplanung, d. h. das Ueberlegen, mit welchem Gemüse wir die einzelnen Gartenbeete bestellen wollen. Erst danach kann der Samenbedarf festgelegt und die Bestellung gegeben werden.
Zu der Gartenplanung muß man wissen, daß gutgedüngter Boden für starkzehrende Gemüse — Kohlarten, Gurken, Tomaten, auch Spinat u. a — vorbehalten bleibt, daß dagegen Wurzel- und Rübengemüse wie Sellerie, Mohrrüben, Petersilie und dgl. stark unter Madenfraß leiden würden, wollte man sie auf frischgedüngten Boden säen. Sie gehören auf das Land, welches bereits ein stark zehrendes Gemüse getragen hat.
Bohnen — ob Busch- oder Stangenform —, Puffbohnen, Erbsen und dgl. werden am besten gedeihen, wenn man ihnen eine Gabe Humus, also gut verrottete und gesiebte Erde gibt. Teilt man von Anfang an das zur Verfügung stehende Gartenland richtig ein, so wird man mit dieser sogenannten Dreifelderwirtschaft — wie es in der Landwirtschaft genannt wird — gut vorankommen. Man braucht, sodann nur einen Teil des Gartens mit Dünger zu versehen, das zweite Gebiet als Nachfrucht zu bestellen und für den dritten Teil Komposterde bereitzuhalten.
Bei der Samenbestellung vergesse man nicht die einjährigen Gewürzkräuter, wie Dill, Borretsch, Kerbel (von dem sogar eine Aussaat bereits am Küchenfenster gemacht werden kann), Bohnenkraut, Majoran, Basilikum (besonders würzig für Tunken und Salate). Von den staudenartigen Gewächsen, wie Pimpinelle, Zitronenmelisse, Salbei, Thymian, Estragon, Tripmadam, Rosmarin und Lawendel wird man zweckmäßig die beiden letzteren als Jungpflanzen bestellen, während die ersteren in dem Ende Februar oder Anfang März zu packenden Mistbeet ausgesät werden und bereits in wenigen Monaten die in der Küche gebrauchte Würze liefern.
Wildleder- aus gestepptem anderes Bild.
buchen. Eine Stunde Backzeit.
Hörnchen. 500 Gramm gekochte, geriebene Kartoffeln werden lose mit 300 Gramm Zucker, •400 Gramm gesiebtem Mehl, 2 Päckchen Backpulver und 4 großen oder 5 kleinen Eiern zusammen-
Wie man ein einfaches, dunkelblaues Wollkleid durch verschiedene Garnituren gänzlich verändern kann, zeigt unsere heutige Modeskizze.
Das Kleid selbst ist etwas glockig in vier Bahnen geschnitten, schließt hoch am Halse, hat zwei schräg eingeschnittene Rocktaschen und lange, in der Achsel etwas gezogene Aermel.
Figur 1 zeigt nun, wie durch eine dreiviertel lange Tunik, einen schmalen Rollkragen aus dem Kleidmaterial und durch eine Schärpe aus schottisch-karierter Seide das Kleid verändert
Der Hausgatten im Winter.
Don Otti JRofyr.
V. A. In gleichmäßigen Schollen liegt die Gartenerde umgegraben, so daß Schnee und Frost eindringen können und die Erdkrume mürbe machen können, lieber die Schollen wurde staubfeiner Aetz- kalk gestreut, um den kalkarmen Boden mit diesem wichtigen Stoff anzureichern. Ist nun auch der Komposthaufen ganz durchgearbeitet und umgesetzt, hat er gleichfalls seine Kalkgabe erhalten, so können wir den Gartengeräten eine Weile Ruhe gönnen. Sie, die uns den ganzen Sommer über m fleißiger Arbeit gedient haben, sollen aber gleichfalls ihre Pflege haben, zumal sie zu der Zeit, wo der Garten uns voll beschäftigte, notgedrungen vernachlässigt werden mußten. Blankgearbeitet sind Hacken und Spaten ohnedies, alle anhaftenden Erdteilchen werden sorgfältig entfernt und die Gisen- teile leicht überfettet. Ebenso werden Grabgabel und eiserne Harken behandelt, während bei den hölzernen Harken nachgesehen werden muß, ob nicht der eine oder andere Zahn fehlt und neu geschnitzt oder befestigt werden muß.
Schöne Wintertage führen uns aber dennoch hinaus in den Garten. Wir freuen uns uber den sich reichlich zeigenden Blütenansatz der Baume, schneiden hier und da ein Reis, das wir zur Veredelung gebrauchen wollen und bewahren es in der Erde eingeschlagen an (auch vor Sonne) geschützter
haben noch eine wichtige Arbeit im Obstgarten, die wir möglichst an frostfreien Tagen verrichten. Mit einer Drahtbürste — evtl, unter Zuhilfenahme eines Baumkratzers — bürsten wir kräftig die Rinde, besonders der älteren Obstbaume ab, legen jedoch rings um den Baum ein Tuch, um den Abfall aufzufangen. Wir müssen immer wieder mit Erstaunen feststellen, wieviel Schädlinge sich fest in die Rinde eingenistet haben, die wir nun zum Nutzen unseres Obstes vernichten können. Em leichter Kalkanstrich kann dem gesäuberten Obst- baumstamm nicht schaden, zumal er zu starken
(F r 2.)
schließlich kann noch, wie natürlich jeder andere Kragen oder etwa eine Schleife ein Westchen aus elfenbeinfarbener Ripsseide zu dem Kleide getragen werden. (Figur 3.) Perlmutterknöpschen und ein" schmaler Gürtel mit Perlmutterschnalle schließen die kleine Weste. H.
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13uni 1935 gätz
Ländliche Frauenberufe.
Einer der aussichtsreichsten Berufe für die junge Mädelgeneration, die zu Ostern die Schule verlaßt, ist der der staatlich geprüften ländlichen Haushalt s p f l e g e r i n. Der Weg zu ihm fuhrt uber eine zweijährige praktische Lehrzeit in landwirtschaftlichen Betrieben, an die sich eine zweijährige, praktisch und theoretisch bestimmte Ausbildung an einer Landfrauenschule anschließt. Die Ausbildung umfaßt alle fraulichen Arbeiten des ländlichen Haushalts wie Kochen, Backen, Schlachten, Einmachen, Geflügelhaltung, Jungviehaufzucht usw. sowie Buchführung, Gesundheitspflege, Ernährungslehre, Kinderpflege- und Beschäftigung, Heimgestaltung. Daneben wird Unterricht in Fragen des deutschen Bauerntums, der Kultur- und Staatskunde und der Volkswirtschaft erteilt
Wo wird nun die ländliche Haushaltspflegerin gebracht? Auf Gütern, in Internaten, Kinderheimen, Versorgungsbetrieben, Lazaretten, Sanatorien u. dgl. Anstalten. Besonders groß ist die Nachfrage nach geschulten Kräften von großen Bauernwirtschaften und Gütern, deren Hausfrau zu ihrer Un- terstützung und gelegentlichen Vertretung einer menschlich und fachlich geeigneten Hilfe bedarf.
Spezialisierte ländliche Frauenberufe sind die der Gärtnerin und der Geflügelzüchterin. Zu letzterem führt eine zweijährige mit einer Prü- ung abschließende Lehrzeit in einem anerkannten Betriebe. Nach fünf Jahren weiterer praktischer Arbeit kann die Prüfung als Geflügelzuchtmeisterin oder als Geflügelzuchtleiterin abgelegt werden. Persönlichkeiten, die sich besonders zur Wirtschaftsberatung eignen, können an besonderen Lehrgängen des Reichsnährstandes teilnehmen und als Geflügelzuchtberaterin Anstellung finden.
Aehnlich ist der Ausbildungsgang für die fünf« tige Gärtnerin. Durch den Besuch eines Seminars für den hauswirtschaftlichen Gartenbau kann die Lehrbefähigung erlangt werden. Im Arbeitsfeld der Gärtnerin "wird die Beratungsarbeit und der Schulgarten auf dem Lande einen breiten Raum einnehmen.
Ein besonders verantwortlicher ländlicher Frauenberuf, der an seine Trägerin große pädagogische und organisatorische Forderungen stellt, die sich mit gründlichem fachlichem Wissen und praktischen Fähigkeiten verbinden müssen, ist der der landwirtschaftlichen Haushaltungslehrerin Er verlangt eine sechsjährige Ausbildungszeit. Neben die eigentliche Lehrtätigkeit tritt für die Lehrerin der landwirtschaftlichen Haushaltungskunde eine umfangreiche wirtschaftsberatende Tätigkeit.
Der einfachste ländliche Frauenberuf, der vorwiegend auf praktische Fähigkeiten abzielt, ist der der ländlichen Hausgehilfin. In einer zweijährigen Lehrzeit auf einem Gut oder einem geeigneten Bauernhof werden die jungen Mädchen in allen ländlich-hauswirtschaftlichen Arbeiten unterwiesen. Eine erfolgreich bestandene Abschlußprüfung vor der Landesbauernschaft gibt die Berechtigung, eine Stellung als ländliche Wirtschaftsgehilfin zu bekleiden.
lieber alle Fragen der landwirtschaftlichen Frauenberufe, Möglichkeiten, Ausbildungsgang. Unterrichtsanstalten usw., geben die Landesstellen des Reichsnährstandes Auskunft. D. S.
die Mitte allerlei Gemüse oder auch ein Fleischgericht wie Lungenhaschee, Gulasch, Fleischklöße mit pikanter Tunke. (Tomaten, Sardellen, Kapern.)
Kartoffelpudding. 125 Gramm Pflanzenfett wird zu Sahne gerührt. 125 Gramm Zucker, 6 Eigelb, die abgeriebene Zitronenschale und 6 bittere Mandeln dazugetan 625 Gramm am Tag vorher gekochte, geriebene Kartoffeln werden zuerst lose mit 4 Eßlöffeln geriebenen Brötchen, dann mit den anderen Zutaten" durchgerührt und zum Schluß der Eisschnee daunter gezogen. In gut vorgerichteter Form im Ofen backen oder eineinhalb Stunden im Wasserbad kochen. Dazu gibt es Hagebuttentunke. 100 Gramm getrocknete ausgekernte Hagebutten werden in einem halben Liter Wasser ganz weich gekocht, durchgeschlagen, mit einem Teelöffel Kartoffelmehl gebunden, mit Zucker gesüßt und etwas Honig gewürzt
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Mattentorte. 3 Eigelb werden mit Gramm Zucker und etwas Zitronenschale verrührt. 750 Gramm Malte (Weißkäse), gut ausgedruckt, wird dazu gegeben. In 750 Gramm kalte gekochte (geriebene Kartoffeln gibt man 2 Hände voll Korinthen und siebt 2 Eßlöffel Kartoffelmehl, 2 Eßlöffel Weizenmehl und 1 Päckchen Backpulver darüber. Dann mengt man die mit Eiern und Zucker vermischte Matte mit dem Löffel gründlich darunter, Zieht zum Schluß lose den Schnee der drei Eier darunter und bäckt die Torte bei mäßiger Hitze in gut vorbereiteter Form eine Stunde.
Biskuit. 725 Gramm roh gewogene, geschalte geschnittene Kartoffeln werden mit etwas Salzwasser weich gekocht, gut abgegossen, abgevampft uno noch warm durch die Maschine gedreht. 175 Gramm Zucker werden mit drei Eigelb schaumig geruhr, mit Salz und etwas abgeriebener Zitrone gewürzt. Die 3 Eischnee darunter gezogen und zum Schluß, Iam besten mit dem Schneebesen, die heißen Kartoffeln. Alles wird noch eine gute halbe Stunde gerührt und vor dem Abfüllen in die mit Butter und geriebenem Brot vorbereitete Backform in den erkalteten Teig ein Backpulver gesiebt. Im nicht zu heißem Ofen 40 bis 50 Minuten backen
Streuselkuchen. 1000 Gramm lose durch- geriebene gekochte Kartoffeln werden mit 150 Gramm Weizenmehl, 170 Gramm Zucker, 1 Lack-. Pulver, 1 paar Tropfen Bittermandelöl und etwas •Qbgeriebener Zitrone lose durcheinander gemengt. 'Eine Backform, Küchenwunder ober Springform, ÖJQt man leicht mit Fett ausgestrichen und mit geriebenem Weißbrot bestreut. Hier hinein krümelt :man in Flöckchen zwei Drittel des Teiges. Darüber !gibt man beliebiges gekochtes Obst, das auf einem iSieb abgetropft ist. Als oberstes Schicht wird der !Reft des Teiges darüber gestreut. Eine Kleinigkeit »Zerlassene Butter und Zimtzucker verschönern den
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plastische Fußpflege.
Don E Pauli.
' Solange man jung ist, machen einem die Füße verhältnismäßig wenig zu schaffen, vorausgesetzt, daß man das passende Schuhwerk trägt, was in unserer aufgeklärten Zeit sogar ausnahmsweise von der Mode unterstützt wird. Erst wenn wir „in Oie Jahre" kommen, melden sich die Füße und rächen sich für jede Vernachlässigung, durch die verschiedensten Schmerzen an den verschiedensten Stellen. Dann kommt die Reue zu spät, und die Erkenntnis, daß die Füße, auf denen der ganze Körper ruht, von frühester Jugend an sorgfältig hätten behandelt werden müssen, kommt erst recht zu spät.
Ein vielfach verkannter Feind der Elastizität ist die Hornhaut, die die Beweglichkeit des Fußes sehr stark hemmt, und die sich im Anfangsstadium sehr leicht entfernen läßt. Häufige, möglichst tägliche, nicht zu kurz bemessene Fußbäder weichen mit der Zeit die Hornhaut so weit auf, daß sie mit Bimsstein abgerieben werden kann. Abschaben mit dem Rasiermesser hat schon manchem Laien eine Blutvergiftung eingebracht. Dem Fußbad soll stets gute Seife zugesetzt werden, und nun kommt es darauf an, die Fußmuskulatur zu kräftigen. Das geschieht, indem man dem Fußbad eine Handvoll Salz, am besten Staßfurter Salz zusetzt. Abgehärtete, jüngere Menschen, die keine Neigung zum Reißen haben, und auch sonst gesund sind, sollten Wechsel-Fußbäder nehmen, d. h. abwechselnd die Füße in heißes und in kaltes Wasser stellen und ein paar Minuten darin lassen. Gute Wirkungen erzielt man, wenn man verschiedene Arten von Fußbädern nimmt, täglich ein anderes. Seifenbäder sollen Wechsel- und Salzbäder ablösen, statt des Abtrocknens wird ein kräftiges Frottieren empfohlen, von den Zehen aufwärts. Zum Schluß kommt die Bürste an die Reihe, je kräftiger, desto besser. Man beginnt mit einer nicht zu scharfen Bürste und wechselt, sobald sich die Haut daran gewöhnt hat. Nach dem Fußbad werden sehr empfindliche Sohlen und Zehen und deren Zwischenräume mit Hirschtalg ober Hautöl eingerieben. Wer seine Füße sorgfältig behanbelt, wird : kaum jemals an „kalten Füßen" leiden, und auch keine Frostbeulen bekommen, denn diese schlairau- i benben Scheiben sind Zeichen von unzureichender Durchblutung des Körpers, meist auch noch mit Kopfschmerzen verbunden, Leiden, die durch eine vernünftige Fußpflege behoben werden.
Streckbewegungen der Sohle und der einzelnen' : Zehen erhalten sie beweglich und beugen dem Spreiz- und Senkfuß vor, das tägliche Massieren erhält die i gute Form des Fußes und verbessert sie, wenn bi» , Schäden noch nicht zu groß finb, sogar bie Baller» l können im Anfangsstabium burch Massieren beseitigt , werben. Zur Fußpflege gehört bas rechtzeitige Der- , schneiben ber Nägel, ehe sie eingewachsen finb. [ Hausfrauen, die den ganzen Tag „auf den Bei« > nen sind", tragen im Haus am besten die leichten i „Schwesternfchuhe", sie find mit Stützen verarbeitet - und schützen vor vorzeitiger Ermüdung. Geschmol- - lene Füße werden nachts hochgelagert, sie schwellen > nach längerer Ruhe wieder ab, wenn keine organischen Leiden vorliegen.
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A. 1
Ein unvergeßlicher Eindruck meiner Kinderzeit ist ein Sonntagmorgen mit zwei Freundinnen und ihrer Mutter. Wir spielten an einem Wiesenhang unb bie Mutter ber Freundinnen setzte sich zu uns. $a sie setzte sich wirklich unb wahrhaftig zu uns auf bie Wiese, ihr blaues Kleib bauschte sich beim Niedersetzen luftig um sie herum, ihr rosiges blondes Gesicht leuchtete über einem weißen Kragen. Ich sah sie in maßlosem Staunen an, benn ich hatte , eine vielbeschäftigte unb rastlos fleißige Mutter, jie ein großes Haus und eine vielköpfige Familie iu versorgen hatte. Ich kannte meine Mutter am l' Misch, die Suppe austeilend, und am Herd, Eierkuchen backend. Hinter dem Stopfkorb, wo sie Berge von zerrissener Wäsche bewältigte, am Zu- chneibetisch, wie sie mit ber Näherin über bie kleid- ainfte Form eines Kinderkittels beriet. — In allen liefen Bilbern unb Stellungen kannte ich meine . Witter — auf einer Blumenwiese mitten unter i hren Kinbern hatte ich sie nie gesehen. In ihrer 'aft übergroßen Pflichttreue unb Arbeitsamkeit hatte ie bies sündhaft leichtsinnig unb vielleicht auch
■ unter ihrer Würbe gefunben.
Heutzutage benfen bie Mütter natürlicher unb •freier; sie wissen, baß sie burchaus nichts an jAutorität einbüßen, wenn sie mit ihren Kinbern foielen, als seien bie Altersgrenzen aufgehoben. Sie jinb heiter mit ihnen unb schenken ihnen bas beste, mos eine Mutter geben kann: ihre Zeit und ihr -uneingeschränktes Interesse. Lieber lassen sie einmal im Haushalt fünfe grabe sein als bei ben Kinbern.
: llnb bas i st. r i ch t i g so!
Versäumnisse an toten Dingen lassen sich wieder I nachholen; was an Kinderseelen versäumt wurde, I niemals. Ob die Wohnung einmal weniger in der t Woche staubgesaugt wird, ob die Hähne iü Bade- I ftube und Küche, das Silber im Kasten und die I Fensterscheiben einmal nicht „überholt" wurden und I nicht ganz so blinken wie sie sollten, das ist nicht I Wesentlich. Aber daß zwischen Eltern und Kindern I ein niemals unterbrochenes Vertrauensverhältnis I besteht, baß bie Kinber wissen: zu ben Eltern kann I ich mit allen meinen Klagen unb Fragen kommen, sie meinen es am allerbesten mit mir, sie wollen mir helfen, unb bei ihnen bin ich geborgen, dies k allein ist wichtig unb nötig. Dann wirb bie Kmd- I heil wirklich eine helle Landschaft, in der das Kind I Luft und Licht und Wachstum für Leib und Seele I hat. Und bie Trübungen ber Entwicklungszeit, Die I seelischen Nöte, bie jebe heranreifenbe Seele heim- I suchen, sie gehen bann vorüber wie Wolken, welche I die Lanbschaft wohl zeitweise beschatten, aber nie- I Müls ganz verbüftern können.
,7*3 Grad 1 ialde gut kwölkt,-4
chneesall,-8(^ Neuschnee. L'
B für Berufs^ chinen • Schreite aphie und ate fächern.
für das neue S6ti-
?tr. 32.
M
S Me wichtig eine gesunde und heitere Mutter für i ihre Kinder ist, wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Wir erinnern uns, wie reibungslos und glatt das Leben lief, wenn die Mutter wohlauf und guter Stimmung war, während alles erschwert -und gehemmt vor sich ging, wenn Mutter Kopfschmerzen hatte oder gar ein paar Tage im Bett „•hegen mußte. Dann klappte nichts recht, unter der Aussicht des Mädchens gerieten weder das morgendliche Anziehen noch das Frühstück rechtzeitig und ordentlich, von den Schularbeiten und dem Rest -es Tages gar nicht zu reden. Brauchte man Rat bei einer Schreibaufgabe, wollte man Puppende chirr zum Spielen haben oder hatte eine dringende Frage auf dem Herzen — die Mutter fehlte überall. Man durfte nicht zu ihr. Oder wenn doch, nur für kurze Minuten und es war keine Möglichkeit, feine Nöte, Sorgen und Fragen loszuwerden. Ein Druck lag über dem ganzen Hause, und wir Kinder, obgleich wir es nicht aussprachen, fühlten in diesen Krankheitstagen, die uns von der Mutter trennten, vorahnend die Schauer einer größeren und endgültigeren Trennung.
Aehnlich, wenn auch nicht ganz so drückend, war e5, wenn wir spürten: Mutter trägt an einer Sorge, sie ist betrübt ober mübe Dann wagte sich unser unbefangenes Kinberwesen nicht hervor, wir wurden selbst unfroh unb trübe unb atmeten erst auf, befreit von einer Last, wenn Mutter wieder ein frohes Wort und ein Lachen fand.


