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die Fahrt zu Blau nordost

Artilleristen nach

Aus -er Gia-t Gießen

Gelände in

daruf ebenfalls ein, und später

in die Arme, der das Geschrei gehört hatte

und

15 Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

Bis Kellgren einmal den Humpen hob:

»Beim Roßhuf des Teufels! Man sollte meinen, es müßte ein besserer Wein im Keller zu finden sein als dieser giftgrüne Säuerling! Man sollt' dem Kellermeister einmal auf die Nähte gehn!'

Gyllenborg wischte sich den weinfeuchten Bart.

»Reckt hast! Wir werden ihm ein wenig das Bäuchlein massieren, wenn er sich nicht darauf be­sinnt, was ein rechter Reitertrunk ist!'

Sie standen lärmend auf und verließen den Saal. Der alte Leuthold hockte indessen mit Troll im Weinkeller. Da polterten schwere Reiterstiefel die steinerne Treppe herab. Sporen klirrten durch den Gang. Unter einem Fußtritt flog die Tür zum Ge­wölbe auf. Jetzt war es also so weit!

»Troll faß an!' kam es leise, aber fest und scharf von den Lippen des Alten.

Wieder schoß der Hund auf das Faß zu. Das oft geübte Kunststück gelang auch diesmal. In dickem, rotem Strom floß der edle Burgunderwein zu Boden, als die beiden Schweden eintraten.

Kellgren hatte den Vorgang sofort erfaßt. Mit einem Fluch stürzte er hinzu und holte zu einem Fußtritt aus. Aber der Hund schlüpfte gewandt zwischen seinen Beinen hindurch und rannte an Gyllenborg vorüber, zum Gewölbe hinaus.

Gyllenborg rührte sich nicht. Mit seltsamen Blicken starrte er dem Tier nach.

Kellgren schloß den Hahn mit einem harten Griff. Mit einem erneuten Fluch kam er zum Anführer zurück.

Der aber hob den Arm:

.Schweig...!

Er sah über seinen Spießgesellen hinweg, als hätte er vergessen, wo er sich befand, als tauchten andere, ferne Bilder vor seinen Augen auf...

Meine alte Mutter hatte auch so einen Hund.. kam es nach einer Weile langsam und merkwürdig schwer von seinen Lippen.

Wir fuhren ederauswärts bis V i e r m ü n d e n, wo Rot fckon allerlei Verteidigungsmaßnahmen vorbereitet hatte. Brückensperrung durch Draht, ja die Sprengung der Brücke natürlich nicht im Ernst, MG.s in Feuerbereitschaft, starke Postie­rungen, alles war gerüstet zum Empfang von Blau.

Zunächst gings zur Artillerie von Rot ostwärts von Frankenberg. Auch dort alles in großer Spannung. Die Soldaten standen eifrig beobachtend am Scherenfernrohr. Die Tele­phonisten kamen nicht von der Strippe weg. Der Batteriechef gab seine Befehle. Jeder merkte, auch die vielen, vielen Zivilisten, daß hier'bald eine Wendung eintreten würde. Und schnell kam sie. Stellungswechsel. Die Annahme ging dahin: Die Batterie liegt unter starkem feindlichem Artillerie­feuer, also fort in eine neue Stellung, die westlich Frankenberg und westlich der Eder auszumachen war. Im Handumdrehen war alles abgebaut, und schon nach wenigen Minuten rückte die Batterie ab.

Dann stand der harte, allen menschlichen Gefühls entwöhnte Reitersmann wieder, ohne sich zu rühren. Die blaugrünen Wasser der heimatlichen Fjorde mochten vor seinen Augen auftauchen. Ein lang­gestrecktes Haus vielleicht, eine weite Halle und darin saß wohl am Spinnrocken einsam die Mutter .. Saß und dachte des Sohnes und wartete seit Jahr und Jahren auf seine Heimkehr. Mochte manche Mutter auf die Heimkehr ihres Sohnes warten! Mochte manche Mutter in Liebe und Leid vergebens warten ...!

Meine alte Mutter...' Es war, als ob dies Wort noch immer durch das Gewölbe klänge und in tausendfachem Echo von den Wänden widerhallte.

Durch Gyllenborgs Gestalt ging plötzlich ein Ruck. Er wandte sich zur Seite. Die Schloßherrin stand vor ihm.

Einen Augenblick lang lagen die Blicke der beiden stumm ineinander. Dann wandte die greise Frau den Kopf.

,Hol' den Ehrenhumpen, Leuthold'

Der Alte gehorchte wortlos und verschwand. Die Schloßherrin wandte sich Gyllenborg wieder zu:

,Jch mußte füglich Schlimmes von Euch erwarten, Herr. Aber wer seiner alten Mutter noch so gedenken kann wie Ihr, der mag wohl doch kein schlechter Mensch sein. Erlaubt, daß ich Euch den Willkommenstrunk im Ehrenhumpen reiche.'

Leuthold kam mit dem Humpen zurück. Auf einen Wink seiner Herrin füllte er ihn mit dem edlen Burgunder. Sie nahm ihm das schwere Trinkgefäß aus den Händen und reichte es dem Schweden.

,Es ist viel Leid und Kummer im Muttersein verborgen. Leert den Humpen auf das Wohlergehen Eurer alten Mutter.'

Gyllenborg nahm das Gefäß mit seltsam ernsten Blicken entgegen.

,Habt Dank für dies Wort', sagte er mit rauher Stimme.

Dann setzte er den mächttgen Humpen an die Lippen. Mit einem einzigen langen Zuge leerte er ihn bis auf den Grund.

Wenige Minuten später war die Reiterschar wieder auf dem Schloßhof versammelt.

,Ausgesessen!' ertönte Gyllenborgs Kommando.

Ohne sich umzusehen, sprengte er an der Spitze der Schar über die Schloßbrücke, hinaus in den dämmernden Abend."

Zurück ging wärts von

sieliebevoll" in Empfang nahm. Rent ras.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Verfolger" nicht mehr erkennen konnten. Sie lie­fen in den Wald hinein und geradewegs dem För­ster i ~

Heißer erster Kampftag im Manöver -er 9. Division *

Bei Sonnenschein un- Regen im ersten Herbstwin- K»ämpfe ostwärts von Frankenberg bis an-ie E-er.

p-

lVon unserem im Manövergelände vMenden Schrlstleiier.)

Frankenberg. Hier war der

Vorstoß gegen Rot energisch im Gange. Dicht bei Geismar kam es, während die Infanterie sich unermüdlich vorarbeitete, zu lebhaftem B e -

Aber es sollte bis zum späten Abend nicht mehr losgehen.

aer stMtzW ,

hörten der Rückfahrt zur Leitung die eherne Stimme gewaltigen Waffe erdröhnen.

grandioses Bild dieses Gefechts bei stark zunehmen- der Dunkelheit!

Von hier mngs nach 19 Uhr hinein nach Fran- kenberg. Rot und Blau lagen überall noch im lebhaften Feuergefecht, selbst an den Brücken und in den Straßen des Städtchens bellten hefttg die MG.s und peitschte das Schützenfeuer. Noch bis gegen 21 Uhr ging die Schießerei zwischen Rot und Blau im Bereich des Städtchens hin und her. Dann schlief das Feuer allmählich ein.

Wir fuhren weiter in d-'ch Änmarfchgelände von Blau hinein. Hier trafen, uw die ersten 116er aus Gießen, die cr»uf Motorfahrzeugen und be­ritten im Vormarsch rjjaäm. Bei mersh au- s e n trafen wir G i e tze » e r Artillerie, zu­erst Gefechtsbagage .ukchcidie Feldküche, später auch eine Gießener Bafftnrin Feuerstellung. Mit fro­hem Herzen wurde-niHküße ausgetauscht. Ein Blick in die Feldküche 3'2rate, daß gute Bohnensuppe mit tüchtigen Brocken Ptttbflecsch darin kochte, die den

schuß zweier Flieger durch Flieger- a 0 w e h r - M G.s. Schon sank die Dunkelheit immer mehr herab auf die Landschaft, die Flieger kreisten aber immer noch über der Infanterie von Blau und erhielten von dieser starkes Abwehrfeuer. Ein

Nach unserem gestrigen Drahtbericht aus H-a u- bern kehrten wir noch einmal kurz zum ,^eld- herrnhügel" auf der Höhe 417 westlich Hauckern zurück, wo die Leitung, d. h. der Divisionskomman­deur Generalleutnant O ß w a l d mit seinem 45tab, hielt. Noch ein kurzer Ueberblick, dann gingen wir auf Fahrt" ins Gelände. Zunächst,; fuhren wir hinüber zur Artillerie von Rot, die dicht ostwärts von Frankenberg mit einigen Bcitterien in Feuerstellung stand. In einer kleinen Apfelbaum­anlage hatten die Geschütze eine gut getarnte Stel­lung in einer Geländefalte gefunden, etma 600 Me­ter weiter ostwärts auf einer Hügelkuppe hinter einem kleinen Gebüsch war tie Beobachtungsstelle aufgebaut. Don hier hatte man einen weiten Blick ins Gelände. Gelegentlich krachte ein Artillerieschuß, um anzukünden, daßdie Krone aller Waffen" auf dem Posten JeL Und dabei viel Volk als Zuschauer.

Unser Besuch galt dann der Infanterie von Rock. Vielfältig im Gelände verdeckt und verteilt war sie postiert, und scharf hielt sie Ausschau nach Blau, dem Feind. Da lagerten lichte Schützenlinien, dort standen Panzerabwehrkanonen, an anderer Stelle waren die MG.s fein getarnt in Stellung gebracht, Meldefahrer flitzten auf Motor­räder hm und her, Autos sausen über die Straßen und querfeldein; ein buntes und bewegtes und doch fo außerordentlich sinnvolles Bild dieser in strenger Ordnung arbeitende militärische Apparat; ein im höchsten Maße fesselndes Bild.

Auf der Fahrt von Rot hinüber zu Mau kom­men wir bei Friedrickshausen plötzlich in ein lebhaftes Feuergefecht zwischen den Spitzen der Infanterie von Rot und Blau, die sich im Handumdrehen mit starker Feuerkraft ineinanderverbissen". Die Maschinen- aewehre knatterten mit aller Kraft von Linie zu Linie, das Schützenfeuer peitschte lebhaft hin und her. Die Schiedsrichter hatten alle Hände voll zu tun, viele Kämpfer auf beiden Seiten wurden außer Gefecht gesetzt, dieToten" undVerwun­deten" ließen sich die Ruhepause gerne gefallen. Schneidig war eine Handlung von Blau, III/JR. 116, von dem ein Unteroffizier und zwei Mann mit raschem Zugriff ein vonToten" umlegenes MG. schneidig an sich brachten und den Feuer- kampf gegen Rot mit Dauerfeuer energisch fort-

Zurück zur Höhe 417 bei Haubern, dem Feldherrnhügel". Die Gefechtshandlung entwickelte sich immer mehr, da Blau mit seinen Kräften nun stärker gegen Rot vorging. Währenddessen arbeitete dasGehirn" der Schlacht, die Leitung, unermüd­lich an den Kartentischen, am Scherenfernrohr, an den übrigen Geräten, gingen Meldungen ein usw.

*

Gegen 15.30 Uhr rollte der Angriff der In­fanterie von Blau auf breiter Front beider­seits der Höhe 417 vorbei gegen Rot in nordwest­licher Richtung in ungefährer Linie auf F ran­ke n b e r g vor. Schützentrupps überall im Gelände. MG.s wurden von Stellung zu Stellung gebracht, um immer wieder die Feuerwirkung gegen den Feind zu richten. Infanteriegeschütze wurden ein­gesetzt. Artilleriefeuer. Dazu Fliegeraufklärung gegen Rot. Ein außerordentlich fesselndes Bild. Mit ge- waltiaer Spannung folgte alles Zivilvolk dem Ver­lauf des Gefechts. Wir hatten schon längst wieder die Fahrt von der Höhe angetreten, um den Kampf in unmittelbarer Nähe zu verfolgen.

Annelore schrak zusammen und erhob sich un­willkürlich.

Da löste sich auch Wolfgang v. Achenbach aus seiner Haltung und trat einen Schritt vor.

Ein bißchen Romanttk ist manchmal ganz gut Ich habe Fräulein Annelore die Geschichte oes Schwedenfasses erzählt. Aber eigentlich wollten wir nur eine Flasche Wein holen. Und es wird Zeit, wieder daran zu denken, denn sonst wird Birk- hammerchen noch ungnädig."

Er ging zu einem der Schränke, besann sich aber, trat an einen anderen Schrank und entnahm ihm eine verstaubte Flasche, die offenbar schon viels Jahre gelegen hatte.

Na, na!" scherzte Stefan etwas krampfhaft. So einen feudalen Jahrgang heute? Wir werden recht leichtsinnig, alter Herr"

Hat alles seinen Sinn, mein Junge. Uebrigens wenn du glaubst, nichts zu versäumen, könntest du uns bei der Vertilgung behilflich fein."

Er wartete einen Augenblick, bekam aber keine Antwort. Stumm griff er - wieder in den Schrank und entnahm ihm eine zweite Flasche.

Annelore hatte den Leuchter ausgenommen.

Wenn du uns mit Dem Licht voraufgehen willst", wandte Wolfgang v. Achenbach sich an Stefan.

Schweigend trat Stefan auf Annelore zu, um ihr den Leuchter abzunehmen. Wie eine goldgelbe Wolke stand der leise wehende Lichtschein einen Augenblick zwischen ihnen. Annelore hielt die Augenlider ge­senkt. Stefan sah ihre langen, dunklen, an den Spitzen leicht aufwärts gebogenen Wimpern vor sich.

Er griff nach dem Leuchter. Für einen kurzen Augenblick berührte er dabei ihre Hand. Ein war­mer Strom durchrann ihn. Mit einem Ruck trat er zurück.

Fräulein v. Dirkhammer hatte inzwischen drei Weingläser besorgt. Als sie Stefan unerwartet mit eintreten sah, erhob sie sich stumm, um ein vierter Glas zu holen.

Dann saß man bei dem herrlichen alten Rotwein zusammen, der wie Herzblut dunkel in den Gläsern flammte. Stefan befand sich in einer seltsame« Stimmung. Ihm war, als schwebte er mitten in einer Wolke, von der er willenlos davongetragen wurde. Willenlos das kannte er gar nicht. Und oas gab es ja gar nicht! Und doch...

Fortjetzung folgt u

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führten, während dieToten"^nmnzelnd daneben­lagen.

Die große Schlange" auf dem Kriegspfad.

Chingachgook, die große Schlange, schlich spähend am Waldrand entlang und schwang das Tomahawk drohend gegen die feige Jrokesenbrut, die hinter diesem oder jenem Baum versteckt sein mochte. Dazu bißdie große Schlange" von Zeit zu Zeit herz­haft in ein riesiges Schinkenbrot, nach dessen Wohl­geschmack zu schließen, es ganz ordentliche Jagd­gründe zu fein schienen, in welche die NSV. den edlen Häuptling, anders Karlchen Müller aus der Seestraße in Berlin, verschickt hatte. Seine Quar­tiergeber jedenfalls waren einfach knorke. Die fteundlichen Bauersleute hatten es verstanden, das Herz des frischen Jungen im Nu zu erobern.

Aber da, was war das? Beinah wäre dergro­ßen Schlange" vor Schreck der Schinken von der Stulle gerutscht: Steuerten da nicht drei verdäch- ttae Bleichgesichter über die Prärie auf die Feld­scheune zu? Rasch verdrückte Der Häuptling Den Rest des Brotes, fuhr sich mit Dem Handrücken über Den Mund, murmelte ein entschlossenesHugh" und pirschte sich kunstgerecht an Die Scheune heran. Diese war so ein GebäuDe, wie ihr es sicher schon auf euren Fahrten gesehen habt, an Den Seiten of­fen unD eigentlich nur aus Tragpfeilern unD Dach bestehend und bis oben hin mit (Betreibe gefüllt.

Karlchen kroch also an der einen Seite entlang und sah ganz, ganz vorsichtig um die Ecke. Was er da erblickte, ließ sein Herz erstarren. Die drei gro­ßen Bengel, Die sich auf ihrer WanDerung dieses luftige und billige Nachtquartier gesucht hatten, waren Dabei, es sich recht bequem zu machen. Na­türlich hatten sie als erstes die Zigaretten hervor­geholt unD rauchten, daß Die Funken flogen. Vor Wut ballte Die große Schlange Die Fäuste. Oft ge­nug hatten sie geraDe in der letzten Zeit in Der HI. davon gesprochen, wie notwendig das deutsche Volk auch das letzte Körnchen Getreide braucht, wie stark aber auf Der anDeren Seite durch Leichtsinn unD Gleichgültigkeit entstandene Brände alljährlich von der Ernte zehren.Sein" Bauer hatte das ganze Jahr über geschuftet, um das letzte aus Dem Boden herauszuholen, unD diese Dummen Burschen würden ihn in wenigen Minuten um die Frucht seiner Arbeit bringen!

Was sollte er tun? Hingehen und sie anschnau- zen? Dann würden sie ihn Doch nur verhauen unD weiterrauchen. Ins Dorf laufen nach Hilfe? Das waren zwanzig Minuten hin und zwanzig Minuten zurück, inzwischen konnte das Unglück längst ge­schehen fein. Dem Jungen kamen fast Die Tränen vor Ratlosigkeit; aber plötzlich hatte er einen glän­zenden Einfall. Er rief ganz laut:Vater, Fritz, Otto! Kommt mal schnell, hier rauchen ein paar Lausekerle in Der Scheune!"

Dann wechselte er wie ein Wiesel den Platz und antwortete, so tief er nur konnte:Na warte! Die wer' ich aufn Schwung bringen!"

UnD von einer Stelle mit wieDer anderer Stimme: Wo sinD se Denn? Wo sind fe denn? Ich komm' schon mitn Knüppel!"

Hei, wie die ungebetenen Gäste flitzten! Zum Glück war es so dunkel geworden, daß sie ihre

HoööBöifföOtliöflSW!

Roman von Bernhard Lonzer.

Urheb erre chtss chutz:

Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.

Frankenberg, 13. 9. 37.

21 Uhr.

Die Truppen Der 9. Division haben einen an­strengenden Tag hinter sich. Nicht minder die Män­ner Der Presse, wenn sie Wert Darauf legten, auf Dem .Kriegsschauplatz" etwas zu sehen, um ihren Lesern allerlei berichten zu können. Die Schlachten­bummler nahmen gleichfalls allerlei an körperlichen Strapazen auf sich. Denn es gab ja auch für tüch­tige Marschierer und Radfahrer reichlich zu schauen im GelänDe. UnD an beiden Besuchergruppen Pressemännern und Schlachtenbummlern, natürlich in stärkstem Maße auch Schuljugend fehlte es nicht. Man sah überzeugend, daß es ihnen sehr viel Freude bereitete, mit unseren Soldatenim Felde" zu sein. So zogen sie im Kraftwagen oder zu Fuß kreuz und quer durch Das Gelände, hin zur In­fanterie, mit Spannung zur Artilleriestellung sowie zu Den übrigen Waffen, natürlich auch in die Nähe Der Leitung, weil sie hier doch beimGehirn" Der Schlacht weilten. Bis in die Dunkelheit hinein waren sie alle treue Begleiter unserer Soldaten, selbst in der Finsternis des späten Abends hielten sie unerschütterlich bei den Postierungen in Fran- fenberg aus, wobei sie es gleichermaßen mit Rot und Blau hielten, die sich hier teilweise nur auf wenige Schritte gegenüberlagen. Wenn es Dann bei Der Schießerei zwischen hüben und Drüben auch in allernächster Nähe krachte, so sprangen sie wohl mit kurzem Satz zur Seite, aber amDurchhalten" ließen sie sich nicht hindern. Der Manöverkrieg in Der Nacht hielt eben Das Interesse von jung unD alt unvermindert im Schwünge.

, .. __ ry-«ttrftrengenben Dienst treff­liche Stärkung cje6ratf)t haben wird. Gegen 13 Uhr sahen wir südoMH von Römershausen mo» tarifierte-lschw-M Artillerie herankommen und im lerfteüung gehen. Ein Artillerieflie-

Blau hatte auf der ganzen Linie bis gegen 21 Uhr das Oftufer der Eder erreicht, in Frankenberg aber hatte sich Rot festgesetzt. Das Westufer der Eder wurde von Rot besetzt. Bei diesem Stand des Kampfes gingen Die Truppen kriegsmäßig Da zurRuhe" über, wo sie sich ge­raDe befanden, alsim Feldquartier auf hartem . Stein".

Dienstag früh bei lagesgrauen sind heftige Kämpfe nordwärts Frankenbers um die Uebergänge über Die Eder zu er­warten. B.

Gloria-Palast (Seltersweg):Mädchen-Pensio­nat."- Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Gauner im Frack." Herbstmarkt (Messe).

Gauleiter Sprenger übernimmt die Schirmherrschaft fürNund um Schotten".

NSG. Das Vogelsberg-RennenRund um Schot- ten", das von Der NSKK.-Motorgruppe Hessen am Sonntag durchgeführt wird, ist das größte motor­sportliche Ereignis im Gau Hessen-Nassau. Es findet seine besondere Unterstützung durch Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger, der nunmehr auch die Schirmherrschaft für das traditionelle Rennen übernommen hat. Gauleiter Sprenger zeigt damit erneut, daß er Die Wichtigkeit Des Motor- und Renn- sportes voll anerkennt und auch bereit ist, ihm größt­mögliche Förderung angedeihen zu lassen.

BOM.-Llntergau 116.

Betr. Sch w i mm abteilung. Das Schwimm­training Der JM.-Schwimmabteilung fällt bis zum Beginn des Wintertrainings im Volksbad aus. Wiederbeginn wird bekanntgegeben.

Die JM.-Schwimmwartin.

Stamm-Mieter und Hitler-Jugend!

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die Grundlage eines Theaters ist sein Stamm­publikum. Jene Verbundenheit, die das Theater braucht, um Gutes wirken zu können, kann nur von einem Publikum Herkommen, das sein Theater kennt und es in seiner Arbeit und in seinen Er­folgen treu begleitet. Hier in Gießen besitzen wir einen ungewöhnlich zuverlässigen Stamm von ftän- bigen Theaterbesuchern. Ja, man kann sagen, baß bas Gießener Theater mit seinem Stammpublikum, bas mit großer Begeisterung unb Treue an ihm hängt, fast beispielhaft ist.

Um aber auch ber Jugenb dieses Beispiel immer wieder vor Augen zu führen und aus ihren Reihen für die Zukunft aufnahmebereite und begeisterte Theaterbesucher zu finden, hat das Stadttheater Gießen diese Aufgabe praktisch in Angriff genom­men. Denn was wird aus dem Werke der Väter und Großväter, Die einst das schöne Theater der Stadt Gießen als einDenkmal bürgerlichen Ge­meinsinns" errichteten, wenn wir nicht die Jugend dahin bringen, auch wieder mitverantwortlich für das Wachsen und Gedeihen dieser Kunststätte zu wirken? Darum ergeht an alle Eltern der Ruf: schickt euere Kinder ins Theater, laßt sie teilneh­men an demTheaterring der Hitler- Jugend", damit Die Zukunft eures Theaters ge­sichert ist! Diesem Zweck Dient Die große Werbever-

Wolfgang v. Achenbach hatte seine Schilderung beendet. Gespannt und aufs höchste gefesselt, hatte Annelore ihm zugehört. Jetzt richtete sie sich mit einem hörbaren Atemzug auf.

Wie schön! Wie interessant! UnD wie wunder­voll Sie zu erzählen verstehen! Man erlebt das alles richtig mit."

Wolfgang 0. Achenbach gab keine Antwort. Er sah nach Der offenen Kellertür. Undeutlich zeich­neten sich dort die Umrisse einer männlichen Ge­stalt ab. Die er schon feit einiger Zeit hatte stehen sehen.

Es war Stefan. Er war nicht in den Wald ge­gangen, wie er vorgehabt hatte, war nur ein paar­mal durch Den dunklen, sturmgeschüttelten Park gelaufen unb bann wieder auf Den Hof zurück- gekehrt, um sein Zimmer aufzusuchen. Vom Hof aus hatte er Den eigenartig matten, flackernden, ganz ungewohnten Lichtschein im Keller bemerkt. Nach kurzer Ueberlegung war er hinuntergegangen.

Er hörte die (Stimme des Großvaters schon von der Treppe aus. Und er ahnte, wem dieser von Den alten Geschehnissen erzählte. Er wollte wieder umkehren, aber er ging doch weiter leise, daß niemand ihn hörte.

Dor dem Eingang zum Gewölbe war er dann stehengeblieben, wie gebannt von Dem Bilde, Das sich ihm darbot: der dunkle, fast schwarze Hinter­grund der Kellerttefe, der mattwehende Kerzenschein, der die ehrwürdige Gestalt des Großvaters umfloß, und davor davor Annelore Hill»ach in ihrer ver­sunkenen Haltung, die beinahe etwas Weltent­rücktes hatte. Wie mattes Gold floß der Schein der Kerze über ihr Gesicht, um Das Dunkelblonde Haar, über die regungslos verschlungenen Hände und gab ihren Augen einen tiefen Glanz.

Stefan stand und stand. Gegen feinen Willen. Ihm war, als täte er etwas Verbotenes. War es dieser Gedanke, Der seine Pulse so eigenartig klop­fen ließ?

Jetzt sah er Den Mick des Großvaters stumm auf sich gerichtet. Zögernd, wie unter einem Zwang, setzte er sich in Bewegung und trat in das Ge­wölbe. Seine Lippen zeigten ein starres Lächeln.

Das ist ja eine recht romantische Angelegen­heit ...!" sagte er mit einer Stimme, die ihm selber fremb klang.

Wir schkU'.ten uns dann im Vormarschgelände des rechte Ni'Flügels von Blau weit vor dessen Front;üm. Aber hier war alles noch imtiefsten Frieden", nur ein vereinzelter Sicherungsposten oont ^Rot an einer wichtigen Straßengabelung er- tfinerte an den Manöverkrieg.

*

Wieder ging die Fahrt zurück nach Dem fahnen­geschmückten Frankenberg, durch das Kolon­nen von Rot rasselten, anscheinend schon auf dem Abmarsch nach rückwärts, während am Ortsaus­gang nach Osten zu die Feldküchen mit Essenaus­gabe beschäftigt waren. Postierungen der Infanterie von Rot, unb vorgeschobene Kräfte sicherten weiter­hin gegen Blau.