Ii 266 viertes Matt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Merheffen) Samstag. lZ. November 10^7
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Untersuchung von Milch.
Rick in ein Laboratorium des Hessischen Chemischen Untersuchungsamts.
oft, umfangreich und
iiebeanstandete Probe
Bei der Mineralwasser-Untersuchung.
Bestimmung des Alkohols im Blute.
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Das ging
weil sie von er glaubte?
Das hatte wie oft und mündlich und
sie
Er
Mikroskopische Prüfung von Gewürzen usw.
Qualität beweisen können, dürfen keinen oder nid)t zuviel Zucker, vor allem kein Wasser enthalten. Die so beliebt gewordenen Obstsäfte müssen in rueler Hinsicht einer strengen Prüfung standhalten (lila).
Und dann ist die Milch ein wichtiges Kapitel, das das Chemische Untersuchungsamt in unserer Stadl in einer besonderen Abteilung viel beschäftigt. Wie ist der Fettgehalt, hat ein Wasserzusatz stattgc- f und en, wie ist die Reinlichkeit, die allgemeine
Es gibt Leute, die ihre Phantasie mit einem möglichen Einkommen, einer unmöglichen Provision oder einem Lotteriegewinn so anfüllen, daß diese Summe ihr angenehmer Begleiter wird. Während öder Arbeit gaukelt sie ihnen alle käuflichen Freuden des Lebens vor. Die Mußestunden beherrschen Träumereien darüber, was man mit dieser -summe anfangen wird. Die öde Zahl ist ein Zauberstab, der das Leben vergoldet. Man fährt zwar heute Elektrische. Aber man hat schon ein Recht auf Kleinwagen, die vorüberfahren, herabzusehen. Denn bald wird man unter Achtzylindern wählen. So weit ist man in seinen Ueberlegungen schon. Man schwankt nur noch zwischen drei verschiedenen Marken.
So ging es Harry Engemann. Die magische Zahl „Sechzigtausend" fiel ihm schon beim Aufstehen ein und machte seine sonst morgenmüden Bewegungen geschmeidig. Sie machte das Leben erträglich.
' Die Sehnsucht nach Blondine zerriß ihn nicht mehr Rein, sie erhob ihn. Denn wenn er sechzigtausend Mark besaß, dann würde er das Madel wie jede andere bekommen. Dann würde er auch ein freier Mann sein. Denn um die Summe zu bekommen, mußte seine Frau ja — etwa bei einem Autounfall — ,
Uebrigens wollte er Blandine heute einmal wie
der anrufen. Er hatte ihr ein paar Tage Ruhe gelassen, weil seine Gedanken damit beschäftigt waren sich auszumalen, wie es werden sollte, wenn er mit ihr zusammen wäre.
Blandine war sehr zurückhaltend. Denn erstens saß Frau Professor Diehl in der Nähe des Telephons. Und dann —
„Wie geht es Frau Molny?" fragte Blandine. Sie tat es natürlich, um ihn abzuwehren.
„Danke", sagte Harry Engemann.
Und sie hätte sehr wenig Zeit, weil eine ihrer Freundinnen sie jetzt dringend brauche. Und die andere sei verlobt. Und ihre Mutter wolle sie doch auch mal sehen.
„Ich Sie aber auch", sagte Harry.
Nein, in dieser Woche hätte sie wirklich gar keine Zeit. „Und bitte Frau Molny herzlichst zu grüßen."
Der Teufel soll Frau, Molny holen! dachte Harry. Wütend hängte er ein.
War das Mädel nun so raffiniert, daß sie sich mit keinem einließ, der sie nicht heiraten konnte? Oder war sie so anständig wie sie tat? Einerlei, er war blind in sie verschossen. Und er mußte sie haben!
Aber sie würde ihre Zurückhaltung niemals aufgeben, solange er verheiratet war. Außerdem hatte er ja kein Geld, um mit ihr zu leben.
Wenn er nun eines Tages mit seiner Frau eine Spazierfahrt machen würde. Ohne Chauffeur. Eine Lust- und Liebesfahrt. In seinem eigenen Wagen, der ihm auf den leisesten Druck hin gehorchte?
Dabei konnte man doch einen Unfall haben. Und es konnte einer dabei bleiben und der andere heil davonkommen.
Ganz unverbindlich malte er sich den Vorgang aus. Denn wer tut so etwas im Ernst? Aber es wurde sein Zeitvertreib.
Dann nahm er eines Tages seinen Wagen und fuhr hinaus. Dort, wo es menschenleer war, suchte er eine geeignete Stelle. ,
Das Ganze war natürlich Spielerei, sagte er sich. Und fuhr wieder nach Hause.
Blandine ließen die Telephongesprache nicht mehr so kalt, wie sie es sich gewünscht hätte. Immerhin war es ein eleganter junger Mann, war es ein Künstler und ein Mensch aus besten Kreisen, der da um sie warb Er war ein reifer Mann und ein Mann, der gut aussah. Und der sie nicht ver-
verlor.
Daß er sie so fanatisch liebte, hing wahrscheinlich damit zusammen, daß er so viel älter war als sie. Lissie hatte ihr das neulich erklärt. Siehst du, gerade weil Lutz sechzehn Jahre älter ist als ich, bedeutet die Verbindung mit mir für ihn die zweite Jugend. Er ist mir so dankbar.
Während Lucienne wie immer schwer arbeitete um Träume darzustellen, die sie gern selbst geträumt hätte, während sie sich tapfer mit der Chargenrolle und mit ihrem Kummer darüber herumbalgte, fuhr Harry oft allein an die Stelle, vier im Spiel für den Unfall ausersehen hatte.
Forljetzung folgt.
Am Brutschrank.
(Aufnahmen [6|: Neuner, Gießener Anzeiger.)
„Wer vorsätzlich einem der Verbote zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft. Der Versuch ist strafbar. Ist durch die Tat eine schwere Körperverletzung oder der Tod eines Menschen verursacht worden, so ist die v Strafe Zuchthaus bis zu zehn Jahren; daneben kann auf Geldstrafe erkannt werden."
In den Strafmaßen drückt sich deutlich das hohe Verantwortungsbewußtsein aus, das gerade die Staatsführung des Dritten Reiches der Volksgesundheit, wie auch der Gesundheit des einzelnen, entgegenbringt. Es ist klar, daß sich die Gerichtsbarkeit bei Strafzumessungen gegen Sünder im Wesentlichen auf das Urteil des Fachmannes, hier des Wissenschaftlers, des Lebensmcktelchemikers, stützt. Ebenso klar ist es, daß für die umfangreichen Untersuchungen Einrichtungen vorhanden sein müssen, die die exakte Feststellung von „gut" und „böse" gestatten. FiU den Bereich der ehemaligen
griente ihr vertraulich entgegen.
„Na, Frollein, da sind Se in Ihrer Feinheit^ den Falschen reinjefallen", sagte er höhnisch. „Soviel Taschengeld wie der hab' ick lange!"
Und trotzdem — n
Und außerdem die unsagbare Art, in der er damals im Treppenhaus mit ihr gesprochen hatte. Da war sein wahrer Charakter zum Vorschein gekommen Unsinn, konnte man das den wahren Charakter eines Mannes nennen, wenn er bis zum Weißglühen brannte vor Eifersucht und Schmerz, " " ihm fortging, zu einem andern, wie
gessen konnte, obwohl sie aus seinem Gesichtskreis verschwunden war.
Sie stürzte sich manchmal fast blind in die Arbeit, um den Gedanken zu entgehen, wie es wohl fein könnte, wenn sie jetzt nachgeben würde.
Warum eigentlich nicht? Bei Lissie Arndt ging alles nach Wunsch. Die Frau ihres Lutz hatte in die Scheidung gewilligt. Sie würden in absehbarer Zeit heiraten können.
„Du glaubst nicht, wie unmöglich diese Ehe war", hatte Lissie ihr neulich gesagt.
Oh, sie glaubte das schon. Es gab so unmögliche Ehen. Unmöglich und unnatürlich war es schließlich, daß ein Mann so viel jünger als seine Frau war Und die beiden lebten kaum in einer Ehe. Nein, sie nahm Frau Molny nichts, was sie noch besaß. Harry hatte sicher schon lange keinen Gedanken mehr an feine Frau gehabt, bevor sie ins Haus kam. Er betonte das ja immer wieder.
er ihr doch schon alles erklärt. Und eingehend Solange sie dort war, später telefonisch!
___ ihr auch ein. Das konnte ihr eher schmeicheln, hatte er gesagt,, daß ein Mann, der andere haben konnte, ihretwegen so die Fassung
worden war.
Der Butter geht man mit Untersuchungen über den Wassergehalt zu Leibe, der nur einen gewissen Prozentsatz betragen darf. (Im übrigen stellte das Untersuchungsamt fest, daß sich die Qualität der Butter durch die Herstellung in modernen Molkereibetrieben — im Gegensatz zur früheren Bauernbutter — bedeutend gehoben hat.) Käse müssen je nach Sorte bestimmte Fettprozente aufweisen und die Angabe der Fettprozente auf der Verpackung muß der Wirklichkeit entsprechen. Eierteigwaren müssen gesetzlich vorgeschriebene Eimengen enthalten, dürfen nicht künstlich gefärbt sein; naturreiner Honig darf nicht mit Kunsthonig verfälscht sein, Kunsthonig seinerseits muß bestimmten Anforderungen entsprechen. Speiseeise werden von den Lebensmittel- chemikern nicht weniger sorgfältig „unter die Lupe" genommen.
Wurst wird auf Wassergehalt und eventuellen Starkemehlgehalt sowie auf den Zusatz von verbotenen Konservierungsmitteln untersucht,Branntwein und Liköre auf den Gehalt an Alkohol, und an Rauchwaren nttiß fest- gestellt werden, ob sie tatsächlich — entsprechend der Anpreisung — „nikotinarm" oder „nikotin- i frei" sind. Weine müssen i in strenger Prüfung ihre
schwand im gelben Salon.
Einen Augenblick stand sie unschlüssig, wohin sich wenden sollte.
Da sah sie Franz Lüdtke, der von oben kam.
I ist ein tief beruhigendes Gefühls zu wissen,, nf das „Auge des Gesetzes" nicht nur über die j jfoung in den größeren Räumen der Straßen > erSörfer und der Städte wacht, sondern im wahr- neu Sinne des Wortes auch üher unserem Früh-
Ruten ausgehauen werden; sofern die Fälle böswillig geschehen sind, soll der Täter mit dem Tode bestraft werden—" Eine unmißverständliche Sprache! Heutzutage agen die Gesetzgeber anders. Nach der neuesten Verordnung vom 17. Januar 1936 treffen den Sünder, wenn auch nicht Strafen an Leib und Leben, o doch erhebliche Freiheitsstrafen ober aber emp- indliche Geldstrafen. Eine der Strafbestimmungen dieses jüngsten Gesetzes lautet wörtlich:
Lebensmittel-Untersuchung im Dienst an der Volksgesundheit.
und nachdrücklich genug. Verwarnung oder gar Strafe ist die Folge.
Zwar werden Missetaten auf dem Gebiete der Lebensmittel-Verfälschung ober der Feilhaltung von schädlichen oder ungenießbar gewordenen Lebensmitteln nicht mehr so geahndet, wie es z. B. in der ersten nachweisbaren Reichsoerordnung aus dem Jahre 1532 u. a. heißt:
„Wer in böser Absicht oder gemeingefährlicher Weife, Maße, Waagen, Gewichte, Spezereien oder anderes Kaufmannsgut fälscht und als ehrlich gebraucht, oder ausgibt, der soll in empfindliche Strafe genommen, des Landes verwiesen ober an seinem Leibe mit
folgen könnte. Sie wollte hinunter, wo Menschen waren, bie sie kannten unb vor ihm schützen würben. Lucienne, die Leute.
Er vertrat ihr ben Weg.
„Wenn Sie wochenlang mit mir poussiert haben, ober mit mir Auto gefahren finb, bann hat Sie meine Frau nicht gestört.
Unb jetzt brücken Sie sich. Wenn man Ihnen bie Rechnung vorlegt, fällt Ihnen plötzlich meine Frau ein." Er lachte Hohn.
Ein Schritt würbe hörbar. Jemanb kam vom zweiten Stock bie Treppe hinunter.
Harry Engemann ließ Blanbine los unb ver-
?iii(5tifd), über unserer Mittags- und Abendkost! Jttmr steht fein Polizeibeamter hinter uns — viel- i iel~ setzt die Wachsamkeit des Gesetzes, des Staats über unser Wohlergehen einige Etappen früher . in .mb so, daß wir gar nichts davon merken. Nur jwi Volksgenossen, durch deren Hände die Lebens- init I auf ihrem Weg von der Produktionsstätte zum 1 (er räucher gehen, wissen um das sporadische Auf- 1 iupen Links Beauftragten der Polizei, der unver- m t aus den Beständen des Produzenten, Groß- I efranten oder Kleinhändlers Proben nimmt und ■iner verschwindet. Wenn diesem unangemeldeten i-ßei ch kein „dickes Ende" folgt, dann ist alles in :)rhiung! Wenn irgendeine Probe nicht den Ansorde- ur-en entspricht, die an Lebensrnittel gestellt werden itüacn, so merkt es derjenige, aus dessen Beständen ~ ' entnommen wurde, rasch
Provinz Oberhessen ist es das „Hessisch e C Hern i s ch e U n t e r s u ch u n g s a m t" in Gießen, Hitlerwall 19. ...... . ,
Umfassend und vielfältig ist der Arbeitsbereich dieses chemischen Untersuchungsamtes, bas in {einen äußeren Erscheinungen weniger ben Charakter eines „Amtes" trägt, sondern ein einziges großes Laboratorium barstellt, in bem nach ben neuesten Methoben gearbeitet wirb. Der Arbeitsbereich des Untersuchungsamtes ist in umfangreichen gesetzlichen Bestimmungen festgelegt, unb für alle Lebensmittel bestehen Vorschriften als Richtlinien, wie sie beschaffen, wie sie bezeichnet sein müssen, was sie enthalten ober nicht enthalten, wie ober wie sie nicht hergestellt sein bürfen.
Unschwer zu erkennen, welche Bebeutung unserem Untersuchungsamt beizumessen ist! Wie vielfältig sinb bie Aufgaben, bie bas Gesetz dem Chemischen Untersuchungsamt stellt! Die Arbeit des Chemischen Untersuchungsamtes greift gewissermaßen mitten hinein in unser volles Menschenleben. Es gibt kein Lebensmittel, das nicht in regelmäßigen Abständen einer Untersuchung unterworfen wurde. Und die Proben werben nicht nur bei Fabrikanten, sonbern beim Großhänbler unb vor allem auch beim Kleinhändler genommen. Interessant zu hören, wie oerschledenartig bie Ziele ber Untersuchungen an Lebensmitteln sind!
Mehle, um gerade beim täglichen Brot zu beginnen, werden auf das Ausmaß der Ausmahlung untersucht und die Beimischungen überprüft, ob sie den neuesten Verordnungen zur Sicherung unserer Ernährung entsprechen, das Brot selbst wird ständigen Kontrollen unterworfen, Milchbrötchen werden auf Wasserzusatz und Milchgehalt geprüft und bei Feingebäck darauf gesehen, daß es nicht als mit Butter gebacken bezeichnet und verkauft wird, wenn in Wirklichkeit Margarine verwandt
blanbine setz! sich durch
JRomon von
L-ans-Joachim Freiherr» von Reihenstein
Copyright by Carl Duncker
Ä Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
„szch habe' versucht, den Haushalt billiger cinzu- hsen, indem ich ihn diesem tüchtigen Mädchen be.gab. Sie hat ihr möglichstes getan. Aber sie i iqt mir heute ohne ersichtlichen Grund. Wahr- hsulich gibt sie es auf. Und ich möchte es am töten auch aufgeben", sagte sie rnude. „Vielleicht c>i)6t du einen Rat?"
Üoein, Harry wußte keinen Rat. Er hatte jetzt U an anderes zu denken. Blandine wollte fort. Wien gestern wollte sie plötzlich fort. Das bedeutete u schlimmere Absage für ihn als die von Stone.
Äs war es keine vorübergehende Laune oder ktüchternheit, daß sie ihm heute auswich.
Sie wollte ihm einfach davonlaufen
• Melleicht wußte sie, daß er kein Geld hatte.
Smi Treppenabsatz stellte er sie. Nach allem, was e ieute durchgemacht hatte, verließ ihn die.gelost- bh.irrschung, als er sie vollkommen beherrscht sah. '„Sie sehen wohl, daß hier nichts mehr los ist. |me er höhnisch. ' . .
Mandine versuchte wortlos an ihm vorbeizu-
MIN.
r&r packte sie brutal am Arm.
jL^iergeblieben. Das könnte Ihnen so passen, jetzt b. jFeine spielen. Mal wieder mit jemand anders Üiierenfabren, ja? Haben Sie sich diesmal auch eh Haus ausgesucht, wo er das Portemonnaie hat? !.,tzch weiß wirklich nicht, was Sie meinen? {Harte Blandine .
> „Zlötzlich wissen Sie nicht, roäs ich meine. 2U5 Lc mit mir spazierengefahren sind, -haben Sie auch nicht gewußt, was ich meine? Das inmbbrot durfte ich Ihnen bezahlen. Aber wenn Ke bezahlen sollen, sticht Sie die Feinheit! Er ite sie losgelassen, während er sprach. .
;]tie versuchte wieder an ihm oorbeizukommen. if e getraute sich nicht einmal die Treppe - hinaus u hr Zimmer zu gehen, aus Angst, daß er ihr


