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Schrank aus der Rhön und beispielsweise einem kunstvoll gearbeiteten, altertümlichen Wälgerholz mit eingeschnitzten Modeln finden kann.

Im Raum der gegenwärtigen Kunst wiederholt sich dann im Gesamteindruck etwa das Bild, das wir von der Gaukunstausstellupg des vorigen Jah­res erhielten: die Malerei etwa, die hier gezeigt wird, mag sie nun Landschaften, Porträts oder Fi­gürliches darstellen, mag sie nach Stil und Tempe­rament des einzelnen Künstlers verschieden auf den Beschauer einwirken, erscheint doch allenthalben als Spiegelbild einer neuen Zeit, einer neuen Ge­sinnung, eines neuen Geistes, als Ausdruck dessen, was unser Leben bewegt und unser Lebensgefühl gesteigert hat in den Jahren seit 1933. Als ein Bei­spiel von vielen: ein großes Wandgemälde des Frankfurter Malers Poppe, für den Derwaltungs- bau der Aerztekammer bestimmt; hier sieht man die Gestalt des Führers inmitten des schaffenden Vol­tes, und die figurenreiche Gruppe ist das lebendige Bild einer gläubigen Gemeinschaft und des zukunft­frohen Aufbaues in Deutschland. In der Plastik findet das riesige Gemälde ein Gegenstück etwa in dem wuchtigen Modell zum Opel - Denkmal in Rüsselsheim, das der Bildhauer Hub geschaffen hat. Unter den Malern begegnen uns heimatlich Karl Lenz mit einem hessischen Dorfbild und Schwäl- mer Bauern, B e i t h a n mit dem Schwälmer Schä­fer, Carl Fries mit einer Ziegelei, Ernst Eimer mit einer Spinnerin.

Das von der Reichskammer der bildenden Künste betreute Gebiet erstreckt sich auch auf die Graphi­ker, unter denen die Gebrauchsgraphiker eine Reihe eindrucksvoller und wirksamer Entwürfe zur Schau stellen. Wie der Gauleiter seinerzeit angekündigt hatte, ist diesmal auch die Architektur mit einbezo­gen; eine Reihe von Wettbewerbsentwürfen leiten sinnvoll über zu den bedeutenden Schöpfungen der Landeskultur. Hier zeigt z. B. ein naturgetreu aus­geführtes, großes plastisches Schaumodell die An­lage des Erbhofdorfes Riedrode Im gleichen Raume ist auch die Wohnkultur' mitberücksichtigt; so findet man eine geschmackvolle, und preiswerte Wohnr-aum- einrichtung mit Tisch, Stühlen, Schrank und Truhe, wie sie etwa für das Siedlungshäuschen eines Bauern oder Landarbeiters zu gestalten wäre. Auch Trachten gehören in diesen Raum; die Landes­bauernschaft zeigt einige Modelle der zugleich an­mutigen und hygienisch einwandfreien neuen Bäue- rinnenkleider. Die Gartenkultur, mit besonderer Be­rücksichtigung des Bäuerngartens, wird in hübschen plastischen Modellen veranschaulicht.

Ein bedeutender Raum ist der Presse des Gaues eingeräumt. Hier ist zunächst das Gaupresse­amt mit einer großen Schaufläche vertreten, die sehr übersichtlich die Arbeit der Hauptstellen des Amtes und der Referate seiner Gliederungen vor Augen führt. Zu beiden Seiten eines riesigen Ho­heitszeichens ist in überlebensgroßen Photos der Werdegang der NS.-Presse bildlich dargestellt. Ein in der Mitte des Raumes errichteter Pavillon ist der Reichspressekammer vorbehalten, die hier in einer sehr eindringlichen Form die Bedeutung der Presse für Staat und Volk zur Anschauung bringt. Rund um einen symbolisch gedachtenBrunnen des Geistes", ein Sinnbild der unausschöpflichen Quelle und einer nie versagenden Kraft, sind die 114 Tageszeitungen des Gaugebietes ausgelegt, deren Zeitungsköpfe, in Gruppen zusammengefaßt, einen anziehenden Wandschmuck abgeben. Diese 114 Zei­tungen werden täglich erneuert und können an Ort und Stelle gelesen werden. Die Aufgabengebiete der einzelnen Ressorts in den Schrifkleitungen werden in großen Photos, die an der Innenseite des Pa­villons ringsum angeordnet sind, bildlich angedeu­tet.

Vielfältig anregend und interessant ist ferner die Reichsschrifttumskammer vertreten. In ihren Räumen findet man wertvolles Schriftgut unseres Heimatgaues etwa in alten Ausgaben von Goethe, Brentano, Hölderlin und Schopenhauer ver­treten, daneben die zeitgenössischen Autoren in rei­cher Zahl, wie Binding, Bethge, Lachmann und Schnack, um nur einige aus der Fülle zu nennen. Eine Ausstellung einzelner Verlage und der ver­schiedenen Sachgebiete ergänzt das farbenreiche Bild.

Vom Gauschulungsamt wurde die reich beschickte, sehr übersichtlich gegliederte SonderschauPoli­tisches Deutschland" zusammengestellt, die die politische Geschichte Deutschlands in Dokumenten darstellt, welche nach Möglichkeit den reichen Schätzen des Frankfurter städtischen Archivs ent­nommen wurden. Die Darstellung beginnt mit der Vor- und Frühgeschichte, wofür Bilder von Aus­grabungen, Miniaturen und Plastiken herangezogen wurden, und führt dann durch die Jahrhunderte bis in die neueste Zeit hinein. Hier findet sich eine Fülle des wertvollsten und seltensten Materials, wovon im Rahmen dieses Berichtes nur Andeu­tungen gegeben werden können; wir verzeichnen hier deutsche Kaiserurkunden (Otto II., Heinrich VI.), eine Abschrift der goldenen Bulle, denEwigen Landfrieden", denTheuerdank" auf Pergament, einen künstlerisch ausgeführten Ablaßbrief, die be­rühmten Reformationsschriften Luthers, Schrift­züge von Sickingen und Wallenstein. Dazwischen sind immer wieder zeitgenössische Darstellungen ein­geschoben, die das Bild beleben und ergänzen. Die gesamte Folge endet mit einer Reihe interessanter Dokumente zur Zeitgeschichte und aus der Kampf- Zeit.

Bunt ist die Welt der Bühne, unerschöpflich der Zauber des Theaters auch dann noch, wenn man es gleichsam in seine Wesenselemente auf­gliedert und diese dem Rampenlicht entrückt. Die Bühnen unseres Gaues haben die Schau der Reichs­theaterkammer mit einem reichen und kostbaren Material beschickt; so sieht man etwa von Wies­baden Kostüme, Uniformen, Perücken, lauter Requi­siten berühmter Rollen; in Rüstungen, Figurinen und Szenenbildern wird eine ganze dramatische Literatur lebendig, klassisch und modern. Eine Menge schöner, kleiner plastischer Bühnenbild- Modelle wird gezeigt, der Römerberg ist wie aus einem großen Spielzeugbaukasten getreulich nach­gebildet. Das Hessische Landestheater in Darmstadt wartet sogar mit einer Originaldekoration zur Hermannsschlacht" auf. Das GießenerStadt- t h e a t e r ist ausgezeichnet vertreten mit den Mo­dellen zuViel Lärm um Nichts" undMaß für Maß" von Löffler, zurKlugen Närrin" von Liselotte Erker. Bei der Führung betonte der Leiter der Abteilung, an solchen Modellen könne man sehen, was eine verhältnismäßig kleine Pro­vinzbühne heute zu leisten vermag. Im übrigen sind hier auch die Freilicht- und Wanderbühnen mit interessantem Material berücksichtigt. Auf das große Modell der Huttenfestspiele aus der Stecke!- Burg sei ausdrücklich verwiesen.

Die Reich s musik kämm er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die markantesten Abschnitte des Musiklebens in Hessen-Nassau aus einer Fülle histo­rischen Materials darzustellen. Hier sieht man z. B. die Partitur zu Beethovens Quartett op. 131, Origi-

Neues für den Büchertisch

einzigartigen Blick auf die ganze Cote d'Azur, auf Städte und Dörfer, Wälder und Parks und vor allem weit hinaus auf das Mittelmeer, lieber die Grande Corniche zu wandern oder sie zu befahren ist ein Erlebnis für sich. Erst von ihr aus kann man die ganze Schönheit dieses wundervollen Küsten­strichs recht ermessen. Bei klarem Wetter kann man von der Grande Corniche sogar Korsika und Genua liegen sehen, und nicht weit erheben sich die schnee­bedeckten Alpen...

Man muß sich aber hüten, die Grande Corniche zu verlassen und auf eigene Faust Entdeckungsreisen abseits vom Wege machen zu wollen. Der größte Teil dieses Gebirges befindet sich in militä­rischem Besitz, und überall droht das Schild Betteten verboten!" Eigenartig wirkt es, wenn man hier und da an der Grande Corniche einen einsamen Militärposten im Schrlderhäuschen oder eine in die Felsen hineingehauene Wachstube an­trifft. Irgendwo zwischen den Bergen befindet sich dann wohl auch eine größere Kaserne und ein betonbewehrtes Befestigungswerk, die daran er­innern, daß dieses Gebiet wie zu Daubans Zeiten, der hier starke Fortifikationen angelegt hat, fran­zösisches Grenzgebiet ist, das es zu sichern gilt.

So steht überall neben der fast unwirklichen Schönheit die harte polittsche Wirklichkeit. Die Be­wohner dieses schönen Landes wünschen nichts sehn­licher als die Erhaltung dieses Friedens, um ihrer Beschäftigung, der weiteren Erschließung der Küste für den Verkehr, nachgehen zu können. Mancher aber blickt heute voll Sorge von hier nach Paris, ob dort wohl auch tatsächlich alles getan wird, um alle Reibungsmöglichkeiten und Konflikte auszu­schalten. Man ist hier nicht immer sehr zufrieden mit dem, was Paris tut, und im Grunde hofft jeder, der im Wirtschafts- und Verkehrsleben der Riviera steht, daß die Pariser 'Volksfrontherrschaft bald endgülttg abgelöst werden möchte.

nalhandschriften von Schubert, Briefe von Reger und Wagner, alte Bilder, alte Konzertprogramme, alte Sängerfahnen, interessante Zeugnisse vom Auf­treten des Wunderkindes Mozart und des Geiger­königs Paganini in Frankfurt, der hier, wie es in zeitgenössischen Berichten heißt, angeblich süße Ver­pflichtungen hatte. In Briefen und Bildern wird die Erinerung an berühmte Sängerinnen und Sänger, wie Henriette Sonntag, Adelina Patti und Caruso, beschworen. Kostbare Instrumente und alte Notendrücke aus Darmstädter Druckereiey bilden ein werttolles Anschauungsmaterial beim Streifzug durch die Musikgeschichte unseres Gaues.

Der Rundfunk zeigt auf der Ausstellung den gesamten Sendebetrieb, der sonst unsichtbar und anonym bleibt, in allen Einzelheiten: die Besucher können beispielsweise in dem schalldicht gesicherten Senderaum (der für etwa hundert Menschen Platz bietet, alsogroße Besetzung" gestattet) eine rich­tige Sendung mit allen Einzelheiten, auch mit Proben und Ansagen miterleben; sie werden den technischen Betrieb kennenlernen, die sinnreiche Signalanlage, dasAussteuern" einer Sendung, die Tätigkeit des Regisseurs und des Sendeleiters, die Arbeit im Programmbüro, das hier im Original­betrieb arbeiten wird. Für die Kinder wird eine Kasperlbühne extra errichtet. So kann der Reichs­sender Frankfurt hier fein Programm in allen Teilen der Oeffentlichkeit vorführen. Hinzu kommt eine Menge statistisches Material und ein lehr­reiches Modell, das die Technik einer Übertragung vom Nürburgring veranschaulicht.

Einen besonderen Anziehungspuntt wird der:

Hellmuth Unger: Robert Koch. Ro­man eines großen Lebens. Preis 3,50 RM. Verlag der Deutschen Aerzteschaft, Berlin SW 19. (277.) Der Leipziger Arzt Hellmuth Unger ist als Ver­fasser einer Reihe von an vielen Bühnen aufge­führten Schauspielen bekannt geworden. Aerztliches Fachwissen und dichterische Intuition haben sich also hier zusammengefunden, um uns an einem Riesen in der Welt des deutschen Geistes das Unwägbare des Genies spüren zu lassen. Und daß wir neben diesem Bereich des Unfaßlichen, neben den Wunder­leistungen eines Forschers, in dessen Hirn sich der Sinn für subtilstes Experimentieren mit größter schöpferischer Phantasie verband, auch dem fein­fühligen, bescheidenen wahrhaft noblen Menschen Robert Koch nahekommen dürfen, ist ein besonderer Vorzug dieses schönen Buches.

Fr. W. Lange.

In den Jagdgründen der Mongo­lei unter Räubern, Hirten und Sol­daten. Von Woldemar Graf v. Schwerin. (Verlag von I. Neumann, Neudamm. ©ebb. RM. 5,50.) 267 Der Ferne Osten steht jetzt wieder einmal im Vordergrund des allgemeinen Interesses. In dieser Zeit verdienen natürlich auch die Bücher, die Kunde geben über Land und Leute jenes Teiles Asiens, insbesondere über China, besondere Aufmerksamkeit. xQtin beachtenswertes und inter­essantes Buch über die Mongolei gibt Graf von Schwerin den deutschen Bücherfreunden mit diesem Werk in die Hand. Mit politischen Problemen hat es nichts zu tun; aber mit der anschaulichen und aufschlußreichen Schilderung des -Landes und seiner Bewohner, als Bericht eines aufmerksamen Reisen­den und passionierten Jägers, trägt es doch erheblich bei zum Verständnis vieler Dinge, die sich weit dort draußenam Ende der Welt" abspielen. Die fesselnden Erzählungen werden durch 48 gute Ab­bildungen auf 24 Bildtafeln in schöner Weise be­reichert. Man erlebt beim Lesen ordentlich mit, was der Autor mit den allgewaltigen Mandarinen, den mongolischen Behörden, der Soldateska, mit wüsten Räubern, gutmütigen Hirten und emsig schaffenden Bauern zu erleben und durchzustehen hatte; man begleitet ihn im Geiste hinaus in die weiten Wild­steppen der Mongolei auf interessanten Jagdzügen und nimmt an seinen Abenteuern im chinesischen Bürgerkrieg teil. Kurzum: ein sehr fesselndes Buch, das feinen Leser -bis zuletzt in Spannung hält.

Ernst Blumschein.

FrauimFöhn. Roman von Helyett H o f f- mann-Ostenbos. (Volksverband der Bücher­freunde, Wegmeister-Derlag, Berlin-Charlottenburg. Geb. 2,90 RM.) (261) In bi-'fem Roman erzählt die bekannte österreichische Dichterin von wurzelstarken, kernigen Menschen der Steiermark und Kärntens, jener herrlichen Landschaft, die der Dichterin Heimat ist. Alle die großen ideellen Werte, die ein Heimatroman eines von stärksten Impulsen der Heimaterde erfüllten und mit künstlerischer Kraft gestaltenden dichterischen Menschen in sich birgt, tre­ten in dieser Erzählung plastisch und packend vor das geistige Auge des Lesers. Der herrliche Zauber der erhabenen Landschaft mit ihrer Ursprünglichkeit unb Herbheit, die in biefem Rahmen stehende Le­bensgeschichte der Frau im Föhn, der Jerica Bruck­ner, und des B^rghofbauern, das leidenschaftliche Ringen starker Menschen voller seelischer Kämpfe und Konflikte, das ehrfurcht-heischende Brauchtum eines Dolksstammes, der tief in Blut und Boden verwurzelt ist, alles das packt den Leser bis ins Innerste, dessen Herz mit diesem Heimatroman der

Tagebuchblätter von einer Riviera-Fahrt

Von unterem Or. L. B.-Sonderberichterstaiier.

..Steinhäger-

Urquell

und Cannes. Ost führt hier die Straße unmittelbar am Ufer entlang, in die Felsen hineingehauen oder auch für kurze Strecken durch bas Gebirge selbst. Sie ist kurven- unb kehrenreich, schmiegt sich ganz eng bem Verlauf ber Küste an unb läßt bas bunte, vielfältige Gesicht ber Riviera erkennen. Etwas höher hinauf, ziemlich parallel mit ber unteren, verläuft bieM o y e n n e Corniche" zwischen Menton unb Nizza; sie überquert manchen male­rischen Viadukt, führt durch Pinien- unb Oliven» wälder, berührt viele höher gelegenen kleinen Orte, und auch sie gibt immer von neuem den Blick auf bas blaue Meer frei. Das größte Wunder unver­gleichlicher Landschaftserschließung aber ist bie Grande Corniche", eine Straße, bie sich zwischen Menton und Nizza oft 400, 500 Meter hoch am (Sebirgsranb hinzieht, oft ganz oben auf bem Grat bes Gebirgszuges. Don biefer Granbe Corniche aus hat man fast in jeber Minute einen

Ausführungen immer noch häufig genug hier ver­treten ist, doch mehr und mehr hinter den großen Autobussen zurück. In den Rivieraorten gibt es für diese Autobusse regelrechte Bahnhöfe, deren größter der in Nizza ist. Er besitzt ein eigenes kleines Ver­waltungsgebäude mit Schalterräumen, Gepäckraum, Wartesaal und allem, rvas sonst zu einem Bahnhof gehört. Vor bem Bahnhof aber befinden sich bie Abfahrt-Geleise" mit den ungezählten Richtungs­schildern. Diese großen Autobuslinien vermitteln den Verkehr zwischen Nizza und Cannes, zwischen Nizza, Monte Carlo und Menton, aber auch mit vielen Plätzen im Gebirge, den Boralpen und den Alpen selbst. Es vergeht kaum eine Minute, in der nicht Wagen ankämen oder abführen. Immer herrscht hier regstes Leben und Treiben, und nie­mals ist ein Autobus schwach- ober gar unbesetzt. Wie aber mag es erst zur Zett der Hauptsaison sein!

Man muß selbst einmal mit diesen großen schönen Wagen die ganze Küste abgefahren fein, um den Wert dieser Verbindungsmöglichkeiten richtig ein« schätzen zu können. Unb da ist es notwendig, ein­mal ein Wort über die Straßen selbst zu sagen. Da ist zunächst die sog.Untere Corniche", eine Küstensttaße, die von Menton über Monte Carlo, Monaco, über Nizza nach Cannes und weiter nach Toulon und Marseille führt. Einzig­artig ist vor allem der Abschnitt zwischen Menton

IV.

Zwischen Monte Carlo MdCanms.

Nachdruck verboten!

Cannes, November 1937.

Man muß es den Franzosen lassen, daß sie es verstanden haben, das wundervolle Geschenk, das ihnen die Natur in Gestalt ber Riviera, ber Cött b'Azur, gab, in vvrbilblicher WeisL erschlossen und bem gesamten Fremdenverkehr zugeführt zu haben. Cannes, diese weiße Prachtstadt am Meer, ist vielleicht der typische Beweis für die materielle Umwertung naturgegebener Schönheit. Allerdings Haden ja nicht Franzosen allein diesen gesegneten Küstenstrich zwischen Menton, also der französisch- italienischen Grenzstation, unb etwa Cannes ober auch St. Raphael bebaut unb zu bem gemacht, was er heute ist. Vielmehr haben bie Geld- magnaten aller Völker und Staaten bes Erdballs dazu beigetragen. Sie haben die großen Paläste erstellt, die ihre blendenden Fron­ten weit auf das Meer hinausleuchten lassen, haben die riesigen Luxushotels gebaut, die wohl kaum an irgendeinem Platz der Welt an Ausstattung übertroffen werden dürften, haben die einzigartigen Parks angelegt mit ihren Palmen, Agaven und Aloe, mit ihren Kakteen und ungezählten anderen exotischen Pflanzen, die in diesem milden Klima prächtig gedeihen. Kapital der ganzen Welt ist an der Cote d'Azur investiert.

Aber ob es überall zur Zufriedenheit feiner Besitzer arbeitet?Dieser Sommer war für uns der befte feit vielen Jahre n", sagten bie Direktoren der großen Hotels an der französischen Riviera.Wir haben oft kaum die nötige Zahl von Betten beschaffen können, um den Andrang zu bewältigen." Nun, diese Hochkonjunktur ist, besieht mans bei Licht (unb auch die Hoteldirektoren müs­sen das zugeben), eine Scheinkonjunktur. Zunächst ber Franzose: Er konnte sich in diesem Jahr des fortgesetzten Frankensturzes nur schlecht eine Auslandsreise leisten; er lebte im Ausland zu teuer. So verbrachte er seine Ferien im Inland. Anderseits reisten die Ausländer auf Grund des Frankensturzes in diesem Jahr in Frankreich be­sonders billig. Sehr, sehr viele Engländer sind vor allem in diesem Sommer an die Riviera gekommen und haben mit ihren Pfunden Geld gebracht. Und schließlich kommt hinzu, daß der Franzose über­haupt in den letzten Jahren reisefreudiger al 5 früher geworden ist. So sind denn gerade in jüngster Zeit die Reisegesellschaften, Auto-Fern- unternehmungen usw. wie Pilze aus dem Boden geschossen, die für verhältnismäßig wenig Geld einen wenn auch nicht gerade komfortablen, so doch einigermaßen annehmbaren Ferienaufenthalt an irgendeinem schönen Plätzchen Frankreichs ver­mitteln.

Daß im übrigen das Großkapital ber Welt, das mit beträchtlichen Teilen an der Riviera investiert ist, stärkstens unter den Folgen der Weltwirtschafts­krise leidet, sieht man auf Schritt und Tritt in je­dem Ort. Es gibt hier kaum eine einzige große Billa, kaum einen einzigen fürstlichen Palast, an bem nicht ein Schilb mit ber Aufschrift prangte 3 u vermieten" oberzu verkaufen". Diese Schilder sprechen eine sehr deutliche Sprache. Sie sind der beste Beweis dafür, daß nicht alles Gold ist, was glänzt; daß sich auch hinter dieser glänzen­den Fassade eines der schönsten Küstengebiete ber Welt Frau Sorge bemerkbar macht. Man will Ka­pital flüssig machen, man will einen Besitz ab- ftofeen, ber zwar schön unb angenehm, aber unter den gegenwärtigen Umständen einfach nicht mehr zu halten ist. An manchem dieser Paläste hängt dieses Schild schon seit Jahren, aber niemand kann unb will kaufen. Bezeichnenb übrigens auch hier folgenber Wandel: Während die großen, Riviera- Paläste mit ihren Riesenparks unverkäuflich find, entstehen hier unb ba kleine Villenviertel, einfache Landhäuser, bie jebvch mittleren Ansprü­chen voll genügen. Es ist also eine Umstellung zu erkennen vom pompösen, aber unrentablen Groß­besitz zu einem gefunberen Mittelbesitz.

Born Gesichtspunkt des eigentlichen Zwecks eines Riviera-Aufenthalts, nämlich bem ber Erholung, des Ausruhens, des Schönheitsgenusses mag es ja schließlich auch gleichgültig sein, wie das äußere Gewand aussieht, in das diese Wochen ober Mo­nate berSaison" gekleidet sind. Viele Hoteldirek­toren stehen heute bereits auf dem Standpunkt, daß ihnen der reisende Mittelstand mehr einbringt als alle Großkapitalisten zusammen. Auch die Ho- ttltz stellen sich also mehr unb mehr auf diesen Mittelstand ein. Er ist zweifellos ein ganz beson­ders dankbares Reisepublikum.

Und nickst nur die Hotels profitieren davon, son­dern auch andere Zweige der an der Verkehrswirt- 'chaft teilhabenden Faktoren. Dor allem d i e Autocar-Gesellschaften die den Verkehr auf den großen Rivierasttaßen besorgen. Das Privatauto tritt, wenn es auch in seine luxuriösesten

Fernsehbetrieb bilden, den die Reichspost hier zum ersten Male einrichtet; dieses wurde bis­her nur auf der Rundfunkausstellung in Berlin vorgeführt. Der Fernsehsender auf bem Feldberg im Taunus wird Bilder mit 441 Zeilen unb 25 Dildwechsel mit Zeilensprung übermitteln. Das Pro­gramm wirb vom Fernsehsender Paul Nipkow (Berlin) zusammengestellt. Kabarettoorführungen auf einer kleinen Bühne in ber Ausstellungshalle geben bem Publikum Gelegenheit, sowohl die auf- tretenden Künstler selbst als auch die Jernfehdilder zu betrachten; in der Fernsehstraße sind fünf Emp­fänger aufgestellt, welche die Borgänge auf ber Bühne in Bild und Ton vermitteln. Ebenso ist der Rundfunkentstörungsbienst ber Reichspost vertreten, eine hochfrequente Drahtfunkanlage unb eine Son- berbildtetegraphenstelle würben aufgebaut.

Ein nicht minder lehrreiches, reichhaltiges und interessantes Material bietet endlich auch bie Schau der Reichsfilmkammer. Hier wird beispiels­weise das Film- und Photo-Amateurwesen seiner kulturellen Bebeuttng entsprechend eingehend be­rücksichtigt. Auch die Filmlehrschau der Ufa wird eine bedeutende Anziehungskraft auf das Publikum ausüben.

Dieser Ueberblick mag eine ungefähre Vorstellung geben von dem, 'was auf dem Festhallengelände zusammengetragen wurde, wie vielgestaltig, lebendig unb farbig ein Querschnitt durch das kulttrelle Leben und Schaffen in unferm Gau sich dem Be­sucher barstellt. Heber die Eröffnungsfeier wer­den wir am Montag berichten.

Dr. Hans Thyriot.

steiermärkischen und der Kärntner Welt bis zur letzten Zeile voll tiefer Empfindungen mitschwingen wird. Für den guten Weihnachtsgabentisch kann dieses köstliche Buch empfohlen werden.

Ernst Blumschein.

Marianne und der Pilot. Abenteuer- Roman von Werner M a r t e n s. (Verlag von D''o Janke in Leipzig. Kart. 2,50 RM., Gebd. 3,50 RM.) (225.) Wir haben hier einen Gegenwarts­roman aus unserer früheren Kolonie Deutsch- Ostafrika vor uns. Im Mittelpunkt der fesselnden Erzählung stehen der einstige deutsche Jagdflieger im Weltkrieg unb Luftkilometer-Millionär Michael Bennt unb die Tochter Marianne bes deutschen Pflanzers, bei dem er als Mitarbeiter Aufnahme gefunden hat; eines Mannes, ber sich zwar mit seinem englischen Paß in ber Tasche auch äußerlich ber englischen Herrschaft in Tanganjika, bem ehe­maligen Deutsch-Ostafrika, beugen muß, ber aber im Innern seines Herzens so deutsch geblieben ist, wie er es schon immer war. Prächtige Gestalten treten in biefem temperamentvollen Roman in Er­scheinung, unb in ihnen unb in ihrem Kolonialleben kann ber beutsche Leser bas heutige harte Schicksal unserer deutschen ßanbsleute in jener ehemaligen deutschen Kolonie erkennen. Afrika in allen Schat­tierungen wird dabei vor dem geistigen Auge des Lesers lebendig, der im Rahmen dieser Abenteuer- unb Liebesgeschichte zweier junger deutscher Men­schen in vielseitiger unb pacfenber Weise an unseren einstigen herrlichen Besitz in Ostafrika erinnert wird. Man kann feststellen, baß dieses Buch dem Leser viel Wertvolles gibt. Ernst Blumschem.

Hans Richter: Berliner Pflaster. Roman. _231 Seiten. Geh. 2,70, Seinen 4 Mark. Verlag Scherl Berlin SW 68, 1937. (329) Das bunte Bild, bas, wie jebe Weltftabt, auch Ber­lin an allen Ecken unb Enben bietet, ist in Richters neuem Roman eingefangen. Natürlich kann es nur ein Ausschnitt fein; er ist aber um so reizvoller, als gier Gestalten ins Licht gefteltt finb, die in Ber­kin zum Bild des Alltags gehören, eingegliebert in bas Erwerbsleben ber großen Stabt, auch bort, wo bas geschäftige Treiben mit nicht minber lebhaftem Rhythmus übergeht in Sport unb Vergnügen. So wirb ein Berliner Volksroman phrasenlos in der Sprache ber Großstabt erzählt, aufgehellt von ge­sundem Humor und lebenswahr durch die frisch zu- packende Art, mit der Richter seine Personen grup­piert und die Fäden der Handlung führt.

Georg von d e r Dring: Die Werft­häuser von Rodewarden Roman. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Preis Ganz­leinenband 5 50 Mark. (350) Eisenschiffe be­ginnen um die Mitte der siebziger Jahre die alten, ehrwürdigen Holzkonstruktionen zu verdrängen. Der Eigentümer der Franksenschen Werft an der unteren Weser spürt den Zug der allmächtigen Zeit, die eine Entscheidung fordert zwischen Holz und Eisen. Sein Sohn Frank Franksen baut das erste eiserne Schiff in Rodewarden. Caspar Seeberg, Inhaber der Nach­barwerft, will, starrköpfig und unbelehrbar, von vieler Teufelskunlt, bem eisernen Schiffbau nichts wissen. Der lebendige Fortschrittsgei't bleibt gea-n- über dem sturen Beharren siegreich' bestehen, sieg­reich bleibt aber zugleich die Liebe zweier junger Menschen. Frank Franksen und Juliane Seeberg, gegen alle Tucke unb gegen Not und Tod. Diese Liebe aber, die hier so herb unb rein und beglückend gestaltet ist, bereitet bann schließlich auch zwilchen ben beiben Werfthäusern von Rodewarden den Weg der Versöhnung.