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Der Herzog von Windsor besichtigt Vertins Musterbetriebe.

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einer Denkschrift an die Zweite Kammer legt der hol­ländische Verteidigungsminister einen umfassenden Plan für die Modernisierung des Materialbestan­des von Heer -und Flotte vor und berichtet gleich­zeitig über weitgehende auf diesem Gebiete bereits erfolgte Maßnahmen. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Mitteilung, über die Anlage von zahl­reichen unterirdischen Befestigungen an Flußübergängen und anderen strategisch-wichtigen Punkten, die, wie angenommen werden kann, zum größten Teil bereits vollendet ist.

Besondere Aufmerksamkeit scheint die Regierung jedoch der Erhöhung der Rüstungen in Riederländisch-Jndien zu widmen. Hier handelt es sich vor allem um Verstärkung der Flotte und der Flugwaffe. Letztere spielt bei der Verteidigung des weit ausgebreiteten Archipels be­greiflicherweise eine besondere Rolle. Man wird in der Annahme nicht fehlgehen, daß die jetzt durch den holländischen Verteidigungsminister aufgezeig­ten Rüstungspläne nur den Anfang darstellen. In der Thronrede wird denn auch darauf verwiesen, daß zur Durchführung der Regierungsabsichten auf dem Rüstungsgebiet besondere finanzpoli­tische Maßnahmen notwendig sein werden. Holland wird begreiflicherweise in seinen Rüstungen niemals den Stand einer Großmacht erreichen kön­nen, doch scheint der ernstliche Wille vorzuliegen, mit den gegebenen Mitteln das Größtmögliche zu erreichen. Durch die bevorstehende Verlänge­rung der Dienstzeit, deren Ausgaben im vorliegenden Haushaltsplan noch nicht berücksichtigt sind, wird der Umfang des stehenden Heeres be­deutend erhöht. Die Zahl der Offiziere und Unter­offiziere soll darüber hinaus eine wesentliche Ver­größerung erfahren, die zum Teil durch die Akti­vierung von Reserveoffizieren und -Unteroffizieren verschiedener Altersklassen durchgeführt werden soll.

Die Ereignisse im Fernen Osten lassen vom hol­ländischen Gesichtspunkte alle diese Maßnahmen unbedingt notwendig erscheinen, daher finden die Rüstungspläne der Regierung innerhalb der Be­völkerung allgemeine Zustimmung, obgleich das holländische Volk jahrelang einer starken marxistisch­pazifistischen Propaganda ausgesetzt gewesen ist. Unter dem Druck der Verhältnisse haben aber selbst die holländischen Marxisten in dieser Frage ihren GrundsatzAbrüstung um jeden Preis" über Bord geworfen. Trotzdem gibt es auch hier noch merk­würdig anmutende Erscheinungen. So hat die hol­ländische Regierung kürzlich ein Arbeitslager für Kriegsdien st Verweigerer eingerich­tet, wo diese Leute entsprechend einem Gesetz aus dem Jahre 1924 mit Forst- und Deicharbeiten be­schäftigt werden, wobei die Aufsicht über diese Dienstpflichtigen nicht einmal der Militärbehörde zusteht. An dieser Regelung nimmt selbst das demo­kratischeHandelsblad" starken Anstoß und be­zeichnet es als eine Unmöglichkeit, daß Leute, deren Besitz und Familien im Ernstfall durch andere verteidigt werden müssen, hier eine V o r - zugsstellung genießen. An diesen und man­chen anderen Beispielen kann man feststellen, daß das holländische Volk gewillt ist, seine Mehrbarkeit zu erhöhen.

Der Jahrestag

hes Kärntner AbstimmungSsieges.

Wien, 11. Okt. (DNB.> Die Wiederkehr des Tages, an dem nach der Volkserhebung der Kärnt­ner auf Grund der Abstimmung vom 10. Oktober 1920 die von den Siegermächten ausgeklügelten Pläne auf Abtrennung Südkärntens zuschanden wurden, ist am Sonntag von der gesamten Be­völkerung des Grenzlandes festlich begangen wor­den. Schon am Vorabend loderten von den Höhen der Karawanken die Freudenfeuer, die Jugend ver­anstaltete einen Fackellauf von drei Orten' des ehe­maligen Abstimmungsgebietes nach Klagenfurt, wo auf dem Hauptplatz ein riesiger Scheiterhaufen ent­zündet wurde. Am Sonntag, dem eigentlichen Ab­stimmungstag, fand in S t. I a k o b im Rosental, das seinerzeit dem Feinde Stück um Stück wieder abgerungen werden mußte, die Gedenkfeier statt, bei der Führer und Mitkämpfer des Befreiungs­kampfes der historischen Stätten gedachten. Zum Schluß gelobte ein Sprecher im Namen der Ju­gend, getreu dem Vorbild ihrer Väter und Brü­der, die Freiheit der Scholle als höchstes Vermächt­nis zu wahren und alle Kräfte einzusetzen für die Zukunft der deutschen Heimat.

$ er!in, 11.Okt. (DNB.) Der Herzog und die Herzogin von Windsor trafen in der Reichs­hauptstadt ein. Auf dem Bahnsteig waren u. a. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, der stellvertre­tende Gauleiter Staatsrat G ö r l i tz e r und Haupt­mann Wiedemann von der Adjutantur des Füh­rers erschienen. Dem Herzog wurde durch die Ber­liner Bevölkerung ein herzlicher Empfang zuteil. Der Herzog stattete in den Mittagsstunden unter Führung von Reichsleiter Dr. Ley einem Groß­betrieb in Berlin-Marienfelde einen mehrstündigen Besuch ab. Nach einer eingehenden Besichtigung der Werksanlagen, wobei sich der Her­zog, wie unser Bild zeigt, mit zahlreichen Ge­

folgschaftsmitgliedern unterhielt, wohnte der Herzog einem Werkkonzert bei, das vom Landesorchester Gau Berlin ausgeführt wurde. Am Nachmittag lei­stete das Herzogspaar einer Einladung des Reichs­leiters Dr. Ley zu einem Tee in dessen Berliner Wohnung Folge. An diesem nahmen Reichsminister Dr. G o e b b e l s und Gattin, Botschafter von Rib­bentrop und Gattin, Hauptdienstleiter Staatsrat Schmeer, Hauptamtsleiter Selzer, der stell­vertretende Gauleiter Staatsrat G ö r l i tz e r und der engere Mitarbeiterstab Dr. Leys teil. Es wurden Filme aus dem Schaffen der Deutschen Arbeitsfront und der NSG.KdF." gezeigt, die das lebhafte In­teresse des Herzogspaares fanden. (Bild: Scherl.)

Mobilisierung

-erverborgenen" Arbeiiskräste.

Oie wirtschastliche Bedeutung der Bevölkerungspolitik.

Ein Vortrag des Aeichsfinalizministers.

Berlin, 11.Okt. (DNB.) Am Montagnachmittag wurde in der Technischen Hochschule der von der Deutschen Wirtschaftswissenschaft­lichen Gesellschaft veranstaltete erste Tag der deutschen Wirtschaftswissenschaft eröffnet. Der Präsident der Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft, Professor Dr. Karl Bräuer, konnte eine stattliche Anzahl führender Persönlichkeiten aus Partei, Staat und Wehrmacht und allen Zweigen der deutschen Wirtschaft begrüßen. Dann sprach Reichsfinanzminister GrafSchwerinvonKro- s i g k. Man habe in der Wirtschaftsentwicklung der vergangenen vier Jahre zwei ganz verschiedene Phasen zu unterscheiden, die erste, in der es darauf angekommen sei, durch das Mittel der Kredit- a u s w e i t u n a die in Lagervorräten und dem Heer der Arbeitslosen vorhandenen Reserven dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit nutz­bar zu machen, und die zweite, in der es sich darum handelt, einen Ausgleich zwischen den großen nationalpolitischen Aufgaben, vor allem der W e h r - haftmachung und den verfügbaren Kräf­

te n zu schaffen und die der Produktionsaus­weitung gezogenen Grenzen zu erweitern.

Soweit die erwähnten Grenzen sich in der Roh- ftoffverknappung zeigten, müsse diese Verknappung durch eine zielbewuhte Förde­rung des Exports, durch die energische Durchführung des V i e r j a h r e s p l a n s und bis zur Durchfchreitung desEngpasses" durch eine Zuteilung der Rohstoffe nach e iner Dringlichkeitsliste überwunden werden.

Der Minister bat bei dieser Gelegenheit, nickt auf die großartigen technischen Erfindungen, wie die Vistra oder die Buna, die falsche und irreführende BezeichnungErsatzstoffe" anzuwenden. Man denke ja auch nicht mehr daran, den Rübenzucker oder das Aluminium Ersatzstoffe zu nennen. Soweit die Grenze in den verfügbaren Arbeitskräften liege, sei der richtige Arbeitseinsatz zu einem der wichtigsten und schwierigsten Probleme gewor­den. Es sei aber falsch, anzunehmen, daß die ein­zige Arbeitsreserve nur noch in der halben Million registrierter Arbeitsloser liege.

Daß die Zahl der Arbeitsstellen gerade im letzten Jahre sehr viel stärker zugenommen, als

die Arbeitslosenzahl abgenommen habe, be­weise, daß die Mobilisierung derver­borgenen" Arbeitskräfte noch in stär­kerem Umfange möglich, aber auch notwendig sei. Auf weite Zukunft gesehen, sei diese Mobi­lisierung allerdings im wesentlichen abhängig von dem Zuwachs junger Menschen. Die Frage der Vevölkerungszu- oder -abnahme fei mithin nicht nur unter dem großen national­politischen Gesichtspunkt des Fortbestandes oder Unterganges der Ration, sondern auch unter dem rein wirtschaftspolitischen Gesichts­punkt, daß ein Volk Kinder ebenso als Arbeitsreserve wie als Motor der Wirtschaftsentwicklung brauche und unter der sozialen Last einer zunehmenden Ver­greisung zusammenbrechen müsse, die große Schicksalsfrage.

Der Minister erklärte hierbei, daß Geburtenpolh- tik primär in einer Einwirkung auf die Gesinnung bestehen könne, und daß die staatlichen Maßnahmen der Steuererleichterung, der Kinderbeihilfen usw., die einmal in einen Familienlastenaus- gleich einmünden müßten, nur materielle und da­mit sekundäre Maßnahmen seien, die aber notwen­dig seien, um einen Gesinnungswandel praktisch zu ermöglichen und den staatlichen Willen für einen solchen Wandel zu dokumentieren.

Der Minister führte zum Schluß aus, daß Deutsch­land nicht etwa die A u f r ü st u n g brauche, um seine Wirtschaft in Gang zu halten. Das große Ziel, den Lebensstandard des deutschen Vol­kes zu heben, umfasse eine solche Fülle von Auf­gaben, die jetzt zum großen Teil zurückgestellt werden müßten, daß wir vor einem Rückfall in Arbeitslosigkeit keine Sorge zu haben brauchten.

Lugend und Luftfahrt.

Zwei Preise für Förderung der Erziehung des Nachwuchses der Lustfahrtforschung.

München, 11. Okt. (DNB.) Im Ballsaal der Münchener Residenz fand ein Empfang anläßlich der Tagung der Hauptversammlung der Lilienthal- Gesellschaft für Luftfahrtforschung statt, die der bayerische Ministerpräsident veranstaltete. Unter anderem sah man Reichsminister Rust, Staats­sekretär General der Flieger Milch, General­major U d e t, General der Artillerie von Rei­chenau, die Luftattaches auswärtiger Mächte, den Präsidenten der Lilienthal-Gesellschaft, Mini­sterialrat B ä u m k e r, sowie einen großen Kreis führender Persönlichkeiten der Luftfahrt, der Luft­fahrtforschung, der Industrie, darunter Dr. Ecke­ner, Geheimrat B o s ch, Dr. K r u p p von Bohlen- Halback, und als Gast der Tagung Oberst Lind- b e r g h, außerdem zahlreiche Offiziere der Luft­waffe und des Heeres.

Beichserziehungsminister jRuft

wies auf die große Bedeutung der Erziehung der deutschen Jugend zu Mut und Tatkraft, Tapferkeit und Einsatzbereitschaft hin In diesem Sinne sei vor allem die Bedeutung der Luft­fahrt zu würdigen. In dem Bestreben, auch weiterhin durch besondere Maßnahmen ipi Bereich deutscher Wissenschaft und Erziehung die Luftfahrt- sorschung und den hierfür notwendigen Nachwuchs zu fördern, stelle er dem Präsidium der Lilienthal- Gesellschast zwei Preise zur Verfügung, die alljährlich am Todestage Lilienthals zur Verteilung kommen sollen.

Durch den Lillenthalpreis in Höhe von jährlich 5000 Mark sollen demjenigen deutschen Abiturienten einer höheren Schule die materiellen Voraussetzungen für das S t u- dium der Luftfahrttechnik und -Wissenschaft geschaffen werden, die auf Grund des Entscheides eines vom Präsidium der Lilienthal-Gesellschast und mir gemeinsam zu berufenden Ausschusses am würdigsten ist, diese Förderung zu erhalten. Der Ludwig- prandtl-preis zur Förderung der F l u g- Physik in Verbindung mit dem Flug­modellbau in höhe von jährlich 3000 Mark soll an einer oder mehreren höheren deutschen Schulen verkeilt werden, die die jeweils b e st e n Jahreslei st ungen auf den ge-

Oer Köter.

Von Peter Benedix.

In einer kleinen Stadt des nordamerikanischen Staates Pennsylvania wohnte ein Herr namens William Brown.Herr" ist eigentlich zu viel ge­sagt undwohnte" auch, denn er hatte keine Woh­nung und hielt sich nur in der Stadt auf, indem er in seiner freien Zeit irgendwo unterkroch, die andern Stunden aber seinem Beruf nachging, der eigentlich auch kein Beruf war, obwohl er davon lebte. Er war nämlich Einkäufer, das heißt: er kaufte nur ein, wenn gerade niemand im Laden war, denn er mußte billig einkaufen, weil er nicht viel Gelt hatte. Zudem stand er nicht allein und mußte noch für ein Kind sorgen, das eigentlich auch kein Kind war, obwohl er es deswegen nicht we­niger liebte, sondern ein Hund, eine Art Hund, wie sie manchmal entstehen, wenn ihre Herren nicht Obacht geben und sie aus den Augen verlieren, was in einem so großen Lande wie Amerika leicht Vor­kommen kann. Trotzdem liebte, wie gesagt, Mister William Brown diesen Hund, vielleicht allein schon aus einem dunklen Kameradschaftsgefühl heraus, denn auch bei ihm hatte man nicht viel Obacht gegeben, als er entstand. Und aus den Augen ver­loren hatte man ihn auch.

So fanden die zwei einander auf der Straße, und da der Mensch sein Herz, sofern er eins hat, an etwas hängen muß, William aber in diesem Punkt keine besonderen Ansprüche mehr machen konnte, denn er war schon reichlich über die erste Jugend hinaus, und was fein Einkommen betraf und seine Garderobe, nun da würden Sie doch nicht einen Augenblick den Kopf drehen, mein Fräulein, nein! Nein, da hatte auch Mister Brown keine übertriebenen Vorstellungen. Ebensowenig wie dieser Hund. Der schon froh war, daß er bei Nacht, einer kalten Nacht, jetzt einen warmen Fleck hatte und ihm eine Hand einen Brocken hinhielt oder ihm übers Fell strich, was eine entschiedene Besserung seiner Umstände bedeutete, wofür er dankbar war, dankbarer vielleicht als das im all­gemeinen der Fall zu fein pflegt Denn das ist nun einmal so: der Mensch kann sich an vieles er­innern, aber für manche Dinge haben Hunde oft ein besseres Gedächtnis.

Die zwei lebten also gut, so gut miteinander, wie man lebt, wenn man miteinander zufrieden ist, sich niemand um einen kümmert und niemand dritter sich einmischt. Da aber Mister Brown in seinem Beruf mehr und mehr Erfolg hatte, ging es ihm wie anderen Leuten auch: er wagte sich zu weit vor.

Da mußte man doch anfangen, sich um ihn zu kümmern, und dieser Mann hieß Policeman ... Das Folgende brauche ich nicht zu erzählen. Das kann sich jeder denken. Nur vielleicht das Resultat nicht. Das lautete: Acht Monate.

Vor der Tür des Gebäudes, in dem man Wil­liam Brown die Mitteilung von diesem Resultat machte, wartete inzwischen jemand auf ihn, jemand den man nicht hineinließ, obwohl es fein nächster Angehöriger war. Nämlich Billy, wie ihn Brown getauft hatte. Der saß da und wartete, bis fein Herr wieder herauskam, denn für ihn war es ein Herr.

Der kam aber nicht nur heraus, sondern er mußte wieder hinein. Wegen der acht Monate.

Es war das zwar ein anderes Gebäude, aber für Billy war das insofern gleich, als er wieder drau­ßen blieben mußte. Doch was hatte das zu sagen! Sein Herr würde ja bald wieder herauskommen. Er kam ja auch aus den Läden immer gleich wie­der heraus.

Da aber der Hund nicht wußte, was das hier für ein Laden war, denn bei ihnen hatten sie diese Einrichtung nicht, wartete er geduldig. In der Ge­duld hatte er ja auch früher schon eine gute Aus­bildung erhalten. Er saß daher den ganzen Tag über und die darauffolgende Nacht vor der Tür dieses Hauses und wieder den Tag und wieder die Nacht und so weiter. Das heißt: er saß nicht nur, nein, denn schließlich sich hinlegen und einmal schlafen mußte er auch. Auch einmal fortgehen an den Fluß und trinken oder nach Abfällen sich um­sehen. Wobei es ihm wieder zustatten kam, daß er so stütz schon auf eigenen Füßen stehen mußte. In dieser Beziehung hatte er entschieden einiges vor­aus vor dem fetten Mops da drüben im Fenster, der faul und schläfrig auf seinem Daunenkissen lag, um mit dem großen Kalbsschnitzel fertig zu werden, das er verdauen mußte. Der hätte sich wohl kaum zu helfen gewußt in seiner Lage.

Dafür sah sich auch niemand außer seiner Herrin nach diesem Mops um, dagegen war Billy nach

einem Monat schon eine Berühmtheit. Die ganze Stadt sprach von ihm, und jeder, der ihn noch nicht gesehen hatte, ging einmal an dem Gefängnis vor­bei, um zu sehen, wie er dort Tag und Nacht vor der Tür saß und wartete. Sofern er gerade zu sehen war und nicht im Augenblick für seinen Unter­halt sorgen mußte. Was er aber von Monat zu Monat seltener zu kün brauchte, denn die Leute sahen sich ihn nicht nur an, sondern sie brachten ihm auch etwas mit. Diesem elenden kleinen Kerl von Hund, der nicht einmal ein richtiger Hund war, und dem etwas gelang, was bisher auch dem größ­ten Politiker Amerikas nicht gelungen war. Und zwar ganz ohne Absicht gelang es ihm, nämlich eine ganze Stadt auf die Beine zu bringen und unter einen Hut. Selbst die schwerfälligsten Leute gerieten in Bewegung und die kühlsten entdeckten bei sich noch einen kleinen Rest von Wärme. Und als ge­borene Republikaner sogar ein überraschendes Be­dürfnis nach einem Zeichen äußerer Anerkennung, denn es wurde beschlossen, dem Hunde einen Orden zu verleihen, einen Halsbandorden. Darauf sollte das alte, ein wenig verblaßte und aus der Mode gekommene WortTreue" geschrieben stehen.

Im übrigen war die Stadt wie andere Städte auch und stand am Tag und zur Stunde der Ent­lassung vor dem Gefängnis, um zu sehen, was ein kleiner, elender Köter tun würde, wenn da jetzt ein alter zerlumpter Vagabund und Langfinger aus der Tür trat, auf den eben dieser kleine struppige Kerl vor eben dieser Tür acht Monate gewartet hatte.

Kops an Kopf standen sie, um das zu sehen, was sich kaum erzählen läßt. Trotzdem brachten ein paar Neuyorker Blätter darüber einen Bericht, dem ich entnehme, daß die meisten der Anwesenden es auch nicht viel besser gesehen haben als ich, der ich nicht dabei war. Die hinteren, weil ihnen die vorderen im Weg waren, und die vorderen... ja, bei denen war es verschieden: die einen sahen ganz gut, andere weniger, weil ihnen beim Zuschauen etwas in die Augen gekommen sein soll. Denn ähnliches hatte man auch in Amerika noch nicht erlebt, und nur weil Billy in einer so guten Haut steckte, hat es chn nicht vor Freude zerrissen, als sein Herr er- schien.

Viel aber fehlte nicht, denn es war eine förm­liche Explosion, ein Feuerwirbel von Freude, als ob ein ganzer Schwarm von Billys um die Beine

des Alten herumschwirrte und nicht bloß dieser eine kleine struppige Kerl.

Zurück zum Bart.

Bognor, der englische Badeort, hat den Ehrgeiz, der Mittelpunkt eines Feldzuges zu werden, der die englische Herrenwelt zu der Zeit um 1860 zurück- führt, als Bärte die große Mode waren. Schon versammelt sich eine Schar junger und alter Herren um Mr. de Jersey, den Ruser im Streit, der stolz darauf ist, daß er schon als Einundzwanzigjähriger einen Bart getragen und seitdem nie wieder auf- gegeben hat. Er ist fest überzeugt, daß ein Bart öie äußere Erscheinung eines Mannes wesentlich verbessert, und so will er dieGesellschaft zur Ver­breitung des Bartes", die es schon einmal gegeben hat, wieder ins Leben rufen.Die Frauen sind unser großer Feind", erklärte er,sie weigern sich hartnäckig, etwas mit Männern zu tun zu haben, die es der Natur gestatten, ihre Gesichter zu ver­bessern. Es ist reine Eifersucht. Sie wissen im Grunde ihres Herzens genau, daß Bärte die Männer verschönern und vornehmer aussehen lassen." C. K.

Zeitschriften.

Zu den bisher wenig bekannten Wunderwel- ten, die die Kamera erst entdeckte, gehören die Farb­fenster großer Kathedralen. Mit einprägsamen photographischen Ausschnitten und einer ganzseiti­gen Farbtafel entstand im Oktoberheft derneuen I i n i e" (Verlag Otto Beyer, Leipzig. Preis 1 Mk.) ein Loblied auf dieseWunder der Kathedralen". Ricarda Huch schrieb den Begleittext. Von den reichen Möglichkeiten der Filmkamera, hinter die Geheimnisse zu kommen, gibt das deutsche Kultur­filmschaffen, dem der AufsatzEntschleierung der Geheimnisse" gewidmet ist, ein Abbild. Afrika, unseren Großeltern noch ein geheimnisvoller Erd­teil, stellt sich bereits als Urlaubs- und Ausflugs- land zur Verfügung. Wer im Lande bleiben will, wird auf einer Herbstfahrt zu Deutschlands Wein­strömen feuchtfröhlichen Trost finden Abzuraten ist jedoch vor jener Tragödie des Amüsements, die Friedrich Lust in einer Chronik des menschlichen Unverstandes gestaltete. Der Modeteil gibt den Auftakt zur neuen Herbstmode.