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Ur. 238 (Erffes Blaff

187. Zahrgang

Vienrtag, 12 Oktober 1037

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Frankreich und England erörtern die italienische Antwortnote.

pariser Besprechungen.

DieStellungnahrnedes britischen Kabinetts soll abgewartet werden.

Paris, 12. Okt. (DNB. Funkspruch.) Einer Besprechung zwischen Außenminister Delbos und Ministerpräsident Chautemps über die Lage nach der italienischen Antwortnote wohnte auch der stellvertretende Ministerpräsident Leon Blum bei. Später hatte Delbos im Quai d'Orsay eine drei- viertelstündige Aussprache mit dem englischen Bot­schafter in Paris, Sir Eric Phipps, über das gleiche Thema. Es ist wahrscheinlich, daß nach den notwendigen Beratungen mit den Ministern der Landesverteidigung die ins Auge gefaßten Beschlüsse in einem Ministerrat bestimmt wer­den, der voraussichtlich am Donnerstag zusammen­treten wird, nachdem die englische Regierung am Mittwoch ihre wöchentliche Zusammenkunft ab geh al­ten hat.

In gut unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß die Frage der Wiedereröffnung der Py­renäen-Grenze gestellt sei. Ein etwa dahin­gehender Beschluß würde eine Entsendung franzö­sischer Truppen nach Spanien vollkommen aus­schließen, er würde sich auf die Aufhebung des Sondervisums beschränken, das in Anwen­dung des Nichteinmischungsabkommens eingeführt wurde, d. h. also mit anderen Worten, er würde sich beschränken auf die Wiederherstellung des nor­malen Paßausstellungsverfahrens. Die Freiwilligen­anwerbung würde keinen anderen Charakter als einen rein individuellen annehmen. Anderseits würde die Freiheit der Durchfuhr durch Frankreich für vom Ausland nach Spanien ge­schicktes Material wieder hergestellt werden. In Frankreich selbst könnten allein die privaten Fabriken in der Lage sein, ihre Erzeugnisse frei zu liefern, während die verstaatlichten Fabriken ihre Lieferungen der französischen Armee Vorbehalten müßten. Aber ein solcher Beschluß würde in sei­nen Anwendungsmöglichkeiten eine ganze Stufen­reihe umfassen, die die Leiter der Politik Frank­reichs nur in llebereinftimmung mit denen Londons festlegen würden.

DerPetit Parisien" hebt hervor, daß es nicht genüge, wenn Großbritannien gegen eine Wieder- öffnung der Grenze keinen Einspruch erhebe, oder die Grenzöffnung lediglich dulden werde. Denn damit die allgemeine politische Linie zwischen England und Frankreich restlos eingehalten werde, müßte der freie Waffenhandel nach Spanien zu jeder Zeit von England und Frankreich wieder hergestellt werden. Sonst würde die Grenz­öffnung als eine von Frankreich allein er­griffene Maßnahme erscheinen, und Frankreich i n eine vorgeschobene Stellung bringen, was um jeden Preis zu vermeiden sei, damit England im Falle unvorhergesehener Folgen a n Frankreichs Seite bleiben könne

London neißt M Vorsicht.

London, 12. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Lon­doner Presse behandelt die Möglichkeiten, die sich nach der Ablehnung Italiens, an einer Drei-Mächte- Konferenz teilzunehmen, noch ergeben. Bor allem interessiert sie dabei die Art der Zusammen­arbeit Englands und Frankr eich s.

Daily Telegraph" meint, das französische Ka­binett werde erst einen Tag nach der Sitzung des englischen Kabinetts zusammentreten. Frankreich wolle sich also nicht eher zu einer Aktion entschlie­ßen, ehe es nicht der britischen Unter­stützung sicher sei. England aber wünsche eben­so genau zu wissen, was Frankreich beabsichtigt. Es lägen Anzeichen dafür vor, daß Frankreich sich jetzt weniger mit dem Gedanken einer Oeffnung der Grenze nach Spanien befasse, als vielmehr mit der Bedrohung seiner M i t t e l m e e r v e r- binbungen. Das Labour-BlattDaily Heralb" sagt, die Möglichkeit, daß England der Oeffnung der französischen Grenze nur zustimmen wollte, wenn die Grenze ganz geöffnet werde, d.h. so­wohl für Salamanca, wie für Valencia, sei nie­mals erörtert worden, es sei immer nur von Waffenlieferungen an diegesetzmäßige Regierung" die Rede gewesen. Ferner sei die Idee, daß Eng­land und Frankreich eine friedliche Besetzuno der Baleareninsel Minorca in Erwägung zogen, schnell aufgegeben worden.

Daily Erpreß" glaubt, daß Chamberlain und Eden dem Kabinett eine vorsichtige Politik vorschlagen würden, um die Spannung zu vermin­dern. Sollte das Kabinett diese Politik gutheißen, so glaube man, daß die französische Regierung ihre Drohung der Grenzöffnung nicht wahrmachen werde. Sollte Frankreich es aber dennoch tun, dann würde England es moralisch unterstützen, aber nicht mehr. Das Blatt mahnt mit einem Hinweis auf die Truppenverschickungen Italiens nach Li­byen und die Vorgänge im Fernen Osten, sich aus allen internationalen Wirren herauszuhalten. AuchDaily Mail" undNews Chronicle" meinen, daß London eine vorsichtige Haltung ein- nehmen werde. Als letzten Ausweg werde man den Nichteinmischungsausschuß nochmals mit der Erörterung des Freiwilligen-P r-o- b l e m s befassen.

Militärische Maßnahmen in Aegypten.

Kairo, 11. Okt. (DNB.) Nach bisher weder be­stätigten noch dementierten Meldungen soll der Chef der englischen Militärmission in Aegypten, General Cornwall, die ägyp­

tischen Behörden ersucht haben, im Hinblick auf die Unsicherheit der internationalen Lagealle öffentlichen Arbeiten, soweit sie strate­gische Bedeutung haben, zu beschleu­nigen, insbesondere den Bau der im englisch - ägyptischen Vertrag vorgesehenen Straßen und Bahnen im Westen Aegyptens. England beabsichtigt nach diesen Meldungen ferner, seine Luftstreitkräfte in Aegypten zu ver- st ö r k e n, und soll daher die ägyptische Regierung ersucht haben, unter Hinweis auf Artikel 14 des Vertrages mit England alle Landungsplätze für die englischen Flugzeuge zur Verfügung zu stellen.

England

nicht her Polizist in aller Weit' Eine Mahnung des britischen Luftfahrt­ministers.

London, 12. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der englische Luftfahrtminister Lord Swinton lehnte es in einer Rede ausdrücklich ab, daß England etwa die Rolle des Polizisten in der gan­ze n Welt spielen sollte. Es gebe nichts verrück­teres als Leute, die gegen die Rüstung stimmten, gleichzeitig aber die Regierung von Zeit zu Zeit bestimmen wollten, sich hier und dort in jeden

Streit einzumischen, was England unver­meidlich in einenKrieg führen müßte. Das sei eine Verrücktheit. England sei entschlossen, stark zu bleiben, und zwar stark für den Frie­den. Das Luftrüftungsprogramm, das die Luft­rüstung gegenüber der früheren etwa verdrei­fache, sei für Friedenszeiten beispiellos, lieber die Rekrutierung äußerte sich Lord Swinton sehr optimistisch. Die Menschen kämen nicht aus England allein, sondern aus dem ganzen Empire. Die starke Luftrüstung sei die beste Frie­denssicherung für England.

Italienische Truppen nach Libyen.

Rom, 12. Okt. (DNB.) Nach einer Meldung der Agenzia Stesani sind von Neapel aus an Bord der DampferLiguria" undPiemonte" die vier Infanterie-Regimenter Nr. 60 bis 63 nach Libyen ausgefahren. Zu den Truppentrans­porten nach Libyen wurde erklärt, daß diese Trans­porteauch wenn die Verhältnisse Italien nötigen sollten, noch weitere Truppen zu entsenden, i n keiner Weife Aegypten alarmieren sollten." Wenn Italien seine Garnisonen in Libyen verstärke und vielleicht weiter verstärken werde, so geschehe dies aus politischen Notwendigkeiten, die mit der Position und der Politik Aegyptens nichts zu tun hätten.

Bolschewistische Greuel in Asturien.

Erschütterndes Schicksal der durch den nationalspanischen Dormarsch von den roten Mordbrennern befreiten Stadt Eangal de Onis.

Salamanca, 11. Okt. (DNB.) Im national- spanischen Heeresbericht vom Sonntag heißt es: A ft u r i e n : An der Ostfront griffen unsere Trup­pen erneut mit außerordentlicher Heftigkeit an. Alle feindlichen Stellungen am oberen Teil des Sella-Flußes, die der Gegner für unein­nehmbar hielt, wurden erstürmt. Die Olicio- Berge wurden in ihrer ganzen Ausdehnung besetzt. Ferner zahlreiche Höhen und Dörfer, weiter das Sejuenco- und Larriera-Gebirge, sowie die Stadt Cangal de Onis, die von den Bolschewisten vollständig in Brand g e ft e cf t und zer­stört worden ist.

Alle öffentlichen Gebäude wurden in die Cuff gesprengt. Wo sie standen, klaffen tiefe Sprengtrichter. Die Altäre der Kirchen und alle Kunstgegenstände sind auf einem öffentlichen platz in nicht wiederzugebender Weise geschändet und beschmutzt wor­den. Die Kirchen wurden gesprengt und in Brand gesetzt. Fast die ganze Bevölke­rung der Stadt ist von den Bolschewisten unter grauenvollen Umständen abgeschlachtet worden. Wan sand unter den zusammengestürz­ten Häusern überall die verbrannten Ceichen der Einwohner von Eangal de Onis, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Ein Teil der Ceichen deutet darauf hin, daß die

unglücklichen Bewohner der Stadt bei lebendi­gem Ceibe angesteckt worden sind. Die spanische Nationalregierung hat in einem Ausruf vor aller Welt gegen das unerhörte Zerstürungs- werk der Bolschewisten in Asturien p r o t e st erhoben, ein Zerstörungswerk, das allen Grund­sätzen der Menschlichkeit und Humanität hohn spreche und zu dem grauenvoll st en gehöre, das jemals auf spanischem oder überhaupt aus europäischem Boden geschehen sei.

Die von den nationalen Truppen am Montag durchgeführten Operationen gehörten zu den s ch w i e r i g st e n, die bisher an der Asturien- front stattgefunden haben. Die nationalen Kolon­nen mußten teilweise enge, zwischen steilen Fels­wänden durchführende Straßen passieren, die unter feindlichem Feuer lagen. Dank der guten Unter­stützung durch die Flieger und geschickte Umgehungs­märsche hatten die nationalen Truppen verhältnis­mäßig geringe Verluste. Die bis 2100 Meter an­steigende Bergkette Tatico im Westen des San- Justo-Bergpasses wurde von den nationalen Trup­pen besetzt. Don diesen Stellungen aus wird das gesamte Allertal beherrscht. Durch die Operationen am Montag ist eine einheitliche Front aller natio­nalen Kampfverbände hergestellt worden, die für die kommenden Kampfhandlungen von großer Be­deutung ist.

Oie Berliner Zusammenkunft einWendepunkt der europäischenGeschichte Eine glücklichere Lösung, als der Genfer Völkerbund muß alle Völker zusammen­führen, die guten Willens sind.

Eine Ansprache des ungarlschenÄeichsverwesers

Budapest, 12. Okt. (DNB. Funkspruch.) Bei einem anläßlich der Enthüllung des Ma­rine-Ehrenmals zu Ehren der deutschen und österreichischen Marineabordnungen veranstalteten Festessen hielt der ungarische Reichsverweser Admi­ral von Horthy eine Ansprache, in der er etwa ausführte: Es war ein Unglück für unseren Erd­ball, daß die schwere, verantwortungsvolle Auf­gabe, die im Jahre 1919 in Paris zu lösen war, nach Ansicht aller objektiv und gerecht denkenden Menschen schlecht g e l ö st wurde. Abgesehen von den unglücklichen Friedensbestimmungen hätte man meinem Gefühl nach je einen Völkerbund für Europa, für Amerika u n d Asien schaffen müssen, mit einem Forum für Welt- fragen für alle drei in Genf. Europa wird zu den Konferenzen der asiatischen und amerikanischen Staaten auch nicht zugelassen. Es klingt auch paradox, daß Haiti Mitglied des Völkerbundes ist, die Vereinigten Staaten dagegen nicht, sowie kleine europäische Staaten, dagegen das Deutsche Reich und praktisch genommen Italien nicht.

Doch die Stunde der Mißerfolge ist die geeignetste, um daraus Lehren und praktische Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Nachdem eine große Illusion zu­sammengestürzt ist, muß mit logischem Verstand eine glücklichere Lösung gefunden werden. Ich bin überzeugt, daß Deutschland und Ita­lien die große Sorge um Europa zusammenge­führt hat, und hoffe mit Zuversicht, daß die Zu­

fammenEunft in Berlin einen Wende­punkt der europäischen Geschichte be­deuten wird. Der Bolschewismus hat durch Vernichtung der Intelligenz die Welt nicht erlöst und konnte den ewig ringenden, kämpfenden und arbeitenden Menschen, der für sich und seine Familie erwerben muß, nicht besiegen. Ich glaube und hoffe, daß sich mit der Zeit alle Völker, die guten Willens sind, denen das Schicksal der Mensch­heit und der europäischen Kultur am Herzen liegt, zusammenfinden werde.

Nie leeren Räume.

London, 11. Okt. (DNB.) Auf einem Kongreß in der Guildhall, wies der konservative frühere Schatzkanzler Lord Home auf die Gefahr hin, die aus der zu schwachen Besiedlung der britischen Dominions und Kolonien entstehe. Gewisse Nationen trachteten nach anderen Gebieten, um sich ausbreiten zu können. Man könne deutlich beobachten, wie diese ihre Blicke auf das britische Weltreich richteten in dem Gedanken, was sie aus den unbebauten und ,unbe­völkerten Gegenden machen würden. In der Tat sei die Auswanderung aus den übrigen Teilen des britischen Weltreiches nach dem übervölkerten England größer geworden als umgekehrt. Es sei aber eine für das britische Weltreich lebenswichtige Aufgabe, die bei weitem zu gering bevölkerten Gebiete mit eng­lischem Blut zu besiedeln.

Holland rüstet aus.

Don unterem Str.-Äerichtersiatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Amsterdam Oktober 1937.

Mit dem üblichen Zeremoniell wurde die neue Sitzungsperiode der niederländischen Generalstaa­ten durch die Königin eröffnet. Dieser Tag ist seit jeher ein besonderes Fest für die schaulustige Haa­ger Bevölkerung. Die Königin begibt sich in der historischen goldenen Kutsche in feierlichem Aufzug aus ihrem Stadtschloß nach dem Rittersaal im Bin­nenhof, wo die Abgeordneten beider Häuser, die Minister und zahlreichen Würdenträger in Gala­uniform sie erwarten. Diesmal bot der feierliche Aufzug besonderes Interesse, weil die Ehrenwache von Mannschaften des Ersatzbataillons der Kolo­nialtruppen gestellt wurde. Zwar paßten die neu- eingeführten grünen Bambushüte der Kolonialsol­daten schlecht zum holländischem Regentage, doch ließ sich die Menge durch die Ungunst des Wetters we­nig stören.

Der Höhepunkt der kurzen Eröffnungsfeier war, wie immer, das Verlesen der Thronrede durch die Königin. Holland regiert heute eine Koali­tion der drei konfessionellen Par­teien. Die prote st antischen Antirevo­lutionäre stellen in der Person des Minister­präsidenten C o l i j n den Vorsitzenden des Mini­sterrates, und haben zwei weitere Ministersitze inne, zwei Ministerien befinden sich in Händen der eben­falls protestantischen Christlich-Histori­schen Partei, während die Römisch-Ka­tholische Staatspartei zahlenmäßig das Uebergewicht im Kabinett hat. Diese Zusammen­stellung des Kabinetts, die innerlich eine Reihe von Gegensätzen birgt, war auch maßgebend für den Inhalt der Thronrede. Ein Teil der heute zum Kabinett gehörigen Minister der Römisch-Katholi­schen Staatspartei gehörten seinerzeit zu den glü­hendsten Verfechtern der Guldenabwer­tung. So mußte der Wirtschastsminister Steen- berghe das vorige Kabinett Colijn verlassen, weil er sich im Jahre 1935 mit allzu großer Of­fenheit für die Abwertung eingesetzt hatte, was da­mals den allgemeinen Richtlinien der Regierung widersprach.

Mittlerweile haben die Abwertungsbemühungen der Kreise um Steenberghe Erfolg gehabt. Seit einem Jahre i st der Gulden abgewertet und seit Juni ist Dr. Steenberghe wieder Mitglied des Kabinetts. Wohl im Hinblick auf diese Tatsache wird in der Thronrede mit großem Optimismus von der Wiederbelebung der holländischen Wirt­schaft im Zeitabschnitt seit der Abwertung gespro­chen. Ob der Umfang dieses Optimismus' berechtigt ist, wird von holländischen Blättern, soweit sie nicht der R. K. Staätspartei angehören, stark in Zweifel gezogen. Die künstliche Herabsetzung des Gulden- kurses hat Holland freilich auf den internationalen Märkten manchen Vorteil gebracht und die Aus­wirkungen der allgemein steigenden Weltkonjunktur konnten für Holland, insbesondere was die Schiff­fahrt angeht, durch die Abwertung noch vertieft werden, doch hat sie keine wesentliche Er­leichterung in der Arbei t s m ark11age gebracht und noch immer ist die Zahl der Arbeits­losen mit über 400 000, gemessen an der Gesamt­zahl der Bevölkerung erschreckend hoch zu nennen.

In der Thronrede wird denn auch zugegeben, daß die Regierung sich weiter bemühen wolle, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Auch die überaus optimistischen Ausführungen über die Lage Nie - derländisch-Jndiens werden von einem Teil der Presse skeptisch beurteilt. Man verweist auf die kürzlich aufgelegte Konversionsanleihe für Nie- derländisch-Jndien, die lange nicht be^i gewünschten Zeichnungserfolg aufzuweisen hat. Durch die Er­höhung der Preise für Kolonialprodukte ist in den letzten Monaten in Niederländisch-Jndien viel Geld verdient worden. Aber vorläufig scheinen auch dort die maßgebenden Unternehmungen an die Dauer­haftigkeit der Konjunktur nicht zu glauben, denn bisher sind noch lange nicht alle die Arbeitskräfte wieder eingestellt worden, die zur Zeit der Krise dem allgemeinen Personalabbau zum Opfer fielen.

Entsprechend der Zusammenstellung der Regierung wird in der Thronrede hervorgehoben, daß p o l i - tiv christliche Grundsätze den Ausgangs­punkt aller Handlungen der Staatsgewalt bilden werden. Das große Amsterdamer BlattDe Tele- graaf" bedauert in seiner Stellungnahme zur Thronrede, daß dieser Teil des Regierungspro­grammes sich auf Worte beschränke und unterläßt es nicht, seine Leser recht unverblümt auf die Hohl­heit gerade dieser Ausführungen hinzuweisen.

Für den ausländischen Beobachter sind die Teile der Thronrede von besonderem Interesse, die die Aufrüstung Hollands zu Gegenstand haben. Die Notwendigkeit einer solchen Aufrüstung wird in der Rede mit der allgemeinen Weltlage begrün­det und nachdrücklich bargelegt. Es kann also keinem Zweifel unterliegen, daß das Kabinett Co- lifn große Anstrengungen machen wird, um die Rüstungen Hollands und Niederländisch-Jndiens in starkem Maße zu erhöhen. Die Regierung wird denn auch bereits von der holländischen Presse als Rüstungskabinett bezeichnet. Unmittelbar nach der Thronrede wurde der holländische Haus­haltsplan für 1938 bekannt, der für den or­dentlichen Haushalt bei einer Ausgabenhöhe von 703,2 Millionen Gulden einen sichtbaren Unter­schuß von 13,2 Millionen Gulden aufweist. Der tatsächliche Unterschuß ist jedoch bedeutend höher und beträgt nach Mitteilungen des Finanzministers 84,7 Millionen Gulden. Der Haushalt des Vertei­digungsministeriums sieht eine Erhöhung der militärischen Ausgaben um 46,4 Millio­nen Gulden gegenüber dem Jahre 1937 vor. Ja