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Mittwoch, 12.MI 1957
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 108 Zweites Blatt
Erhebungen in den Adelsstand.
London, 11. Mai. (DNB.) Anläßlich seiner Krönung hat König Georg VI. traditionsgemäß zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens in den Adelsstand erhoben. Zum Earl, dem höchsten Grad innerhalb der verschiedenen Ränge der Peers, wurde der Vater der Königin, Lord Strathmore, ernannt. Zum Peer von England mit dem Titel eines Discount wurden ernannt Sir Robert fj o r n ß, der konservative Abgeordnete und frühere Minister, sowie Sir Herbert Samuel, ehemaliger Führer der Liberalen Partei Englands. Zum Peer von England mit dem Titel Baron wurden ernannt u. a. Sir John C a d m a n, der Generaldirektor der Englisch-Irakischen Oel- und Petroleumgesellschaft, sowie Admiral Sir Ernle Chatfield, Erster Seelord und Chef des englischen Flottenkommandos. Unter den Empfängern des Hosenbandordens befinden sich Marquis of Exeter, der Herzog von Norfolk, der Herzog von Beaufort, der Carl of Strathmore.
Kleine politische Nachrichten.
Vor dem Landwirtschaftlichen Real- und Personalkredit ist eine geeignete Kreditberatung und Kreditbetreuung von großer Bedeutung. Staatsrat M e i n b e r a ist beauftragt worden, zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Form sich diese Aufgabe durchführen läßt. Der Reichsbauernführer hat Staatsrat Meinberg zu diesem Zweck von dem Amt als Reichsobmann des Reichsnährstandes entbunden und den Bauer Gustav B e h r e n s mit der Führung der Geschäfte beauftragt.
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Der türkische Außenminister, Rüschtü Aras, trifft am 16. Mai in B u k a r e st ein. Rüschtü Aras wird Zusammenkünfte mit dem rumänischen Außenminister und dem Ministerpräsidenten haben. Wahrscheinlich wird er auch von König Carol empfangen werden.
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Der ungarische Reichsoerweser hat den neuen deutschen Gesandten Dr. von Erdmannsdorf zur Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens empfangen. Dem feierlichen Akt wohnten der Chef der Zioilkanzlei des Reichsverwesers, Geheimer Rat von Vertesfy, und der stellvertretende Außenminister Baron A p o r bei.
Büchertisch.
— Frühlingsblumen. Ein Blumenbilderatlas von M. Schuhmacher. 174 naturgetreue Abbildungen auf 40 Tafeln in Leporelloform. Mit besonderem zugehörigem Textheft. Preis der in Leinen gebundenen Ausgabe (Taschenformat) 4,— RM. im Otto Maier Verlag, Ravensburg. — (137) Wer von uns kennt die Blumen? Wer kann erzählen, was alles er gesehen hat, wenn er heimkommt von einem Weg durch Wald, Wiesen und Felder? — Die Vielen, die sich nicht in eingehendem Studium botanische Kenntnisse erwerben können, sollen mit den Atlanten von Schuhmacher — es ist noch ein zweiter über „Sommer- und Herbstblumen" erschienen — die bei uns häufigen Pflanzen auf eine einfache und sinnfällige Weise bestimmen und kennenlernen können. So kam man für diese Atlanten auf den Gedanken, die Pflanzen nach den Farben ihrer Blüten zu ordnen. Die Blumen sind also auf den Tafeln so nach Blütenfarben geordnet, daß immer die gleichfarbig blühenden Pflanzen auf einer Tafel zusammenstehen, daß es weiß-, gelb-, rot-, blau- und grünblütige Tafeln gibt. In den einzelnen Farbtafelgruppen ist wieder nach den Standorten (Wälder und Gebüsche, Wiesen, Weiden und Raine, Aecker, Gärten, Wege usw.) unterteilt. Die Naturtreue der Bilder ermöglicht eindeutiges Bestimmen. Die Texthefte enthalten eine kurze Beschreibung jeder im Atlas abgebildeten Pflanze, Angabe des Standortes und der Blütezeit. Es ist kinderleicht, mit diesen Büchern unsere Blumen kennenzulernen. Solche Bücher sollten deshalb nie in der Tasche oder im Rucksack fehlen, wenn wir uns auf die Wanderschaft machen.
Zeitschriften.
— In den „Berliner Monatsheften" (Zeitschrift für neueste Geschichte, Berlin W. 15, Quaderverlag August Bach), widmet dem vor 20 Jahren erfolgten Eintritt der Dereiniaten Staaten in den Weltkrieg Konteradmiral a. D. Arno Spindler eine umfassende, das gesamte heute bekannte Quellenmaterial auswertende Studie. In einem Nachruf auf Sir Austen Chamberlain berichtet Staatssekretär a. D. Dr. Richard v. Kühlmann über sein letztes politisches Gespräch mit dem verstorbenen britischen Staatsmann. Aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes wird ein bisher unveröffentlichter Brief Friedrich von Holsteins, dessen Geburtstag sich in diesem Monat zum 100. Male jährte, mitgeteilt. Das Schreiben wirft interessante Schlaglichter auf Holsteins Handluna während der Bismarckkrise 1890. Eine bisher unbekannte Zeichnung Holsteins von Anton von Werner ist erstmalig veröffentlicht. Professor Dr. Eugen von Frauenholz, München, gibt auf Grund der Memoiren Lloyd Georges einen fesselnden Beitrag zu dem Thema „Politik und Kriegführung 1918 .
— „Das Innere R e i ch" (Herausgeber: Paul Alverdes und K. B. v. Mechow; Verlag Albert Lan- gen/Georg Müller, München) bringt im Mai-Heft zwei wertvolle, umfangreiche Dichtungen, eine reife, von tiefem menschlichen Verstehen getragene Erzählung von Ina Seidel: „Eine hohe kurfürstliche Kommission sucht den Pfarrer Lennacker heim", dann ein Komödie des Dichters Joachim von der Goltz: „Das Meistermädchen." Wohl verlegen beide Dichtungen die Handlung in vergangene Zeiten, aber es leuchtet aus ihnen doch das immer gültige menschliche Wesen deutscher Gestalt. Auf großes Interesse dürfen auch die übrigen Beiträge rechnen, vor allem eine Reihe von Uebertragunqen englischer Gedichte (z. T. besorgt von Friedrich Bischoff) und der Aufsatz des schottischen Dichters Neil M. Gunn über die Erneuerung in der schottischen Literatur der Gegenwart, der für uns Deutsche gerade bei der jetzigen Lage der Dichtung aufschlußreich ist: zeigt er doch, daß der bewußte Rückgriff auf die arteigenen Werte, auf Heimat und Volkstum notwendig mit der Selbstbesinnung eines jeden Volkes zusammenhängt. Unter den Umschau-Beiträgen heben wir hervor die Bemerkungen Paul Appels über den Bildhauer Fritz Schwarzbeck, von dem einige Arbeiten wiedergegeben sind, weiter die klugen Betrachtungen Willy Kramps über die Rolle des Menschen im amerikanischen Film und Otto Brües' Aus- > führungen über den Sinn der Denkmalpflege.
Oer Krönungsiag in London.
Millionen brechen am frühen Morgen zur Gpalierbildung in Westminster auf.
London, 12. Mai. (DNB. Funkspruch.) Mit ungeheurem Gepränge wurde in den Mittags- stunden des Mittwoch in einer Feier von wahrhaft mittelalterlichem Glanze das Oberhaupt des Britischen Reiches, Albert Friedrich Arthur Georg aus dem Hause Windsor als Georg VI. in der historischen Westminster-Abtei der Hauptstadt Englands zum König von England gekrönt. Am aeschichtlichen Ereignis nahmen mit dem britischen Volk, den Kronländern und Kolonien die Abgesandten von mehr als 60 Nationen und unter ihnen als der Vertreter des Führers und Reichskanzlers der Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg teil.
London im Glück.
Als in der Nacht zum Mittwoch der „Big Ben" im Glockenturm des Parlaments dröhnend d i e Mitternachts st un de verkündete, strahlte die Krönungsstadt noch in hell st em Glanze. Die Freude der Erwartung ließ die Londoner und ihre Gäste nicht schlafen. Singend und jubilierend durchzogen sie die Straßen, um immer wieder von neuem die beispiellos prächtige, in ihrer Ausdehnung und Farbenpracht fast erdrückende Ausschmückung zu bewundern. Ganz London schien auf den Beinen zu sein, und in W e st m i n st e r, dem Stadtteil, der der Schauplatz der Krönungsfeier sein wird, waren — wie an den Vortagen — die Menschenmassen beinahe hoffnungslos eingekeilt. Das tat ihrer strahlenden Laune übrigens keinerlei Abbruch. Erst als es schon wieder zu tagen begann und der Morgen seinen ersten Schimmer über das bunte Bild breitete, wurde es stiller. An das Nachhausegehen dachten die wenigsten. Sie machten es sich, so gut es ging, auf den Tribünen, in den Fensternischen und Haustüren, auf den Bänken oder auch auf den Rasenflächen der vielen öffentlichen Anlagen bequem. So sicherten sie sich schon jetzt, viele Stunden vor dem Beginn der Feier, ihre Sitze.
Menschen über Menschen!
Fast noch in der Nacht setzte der Zustrom der Massen ein. Die Verkehrsmittel hatten zum Teil durchgehenden Betrieb, die Mehrzahl aber begann um 4 Uhr in der Frühe, das Menschenheer in die Innenstadt zu schaffen. Don allen denen, die nun „mit Kind und Kegel", mit Abzeichen, Bändern, Blumen und Fähnchen in den Händen Westminster zustrebten, war kaum einer, der sich nicht für den ganzen Tag mit Proviant, aber auch mit Decken, Klappstühlen oder anderen improvisierten Sitzgelegenheiten beladen hatte. Die Bevorzugten dieses Tages, die Teilnehmer und die Ehrengäste mußten ebenfalls früh aufstehen. Viele von ihnen hatten bereitsum6UhrihrePlätzeinderWest- minsterabtei, andre strebten um dieselbe Zeit die Sammelpunkte zu erreichen. Mit klingendem Spiel zogen aus den großen Truppenlagern im Kensington- Park die Ehrenabordnungen in den Stadtkern, und immer länger wurden die Kolonnen der Polizisten, die zu ihren Einsatzstellen rückten. Um 7 Uhr waren alle Tribünenplätze, sowohl die öffentlichen als auch die privaten, schon dicht besetzt. Aber noch immer spien die Untergrundbahnen, die Straßenbahnen und die Außenlinien der Omnibusse, die an dem Streik nicht beteiligt sind, neue Massen aus.
Zn der Westminster-Ab^ei.
In dem schönen gotischen Bau der Westminster- Abtei brennt noch das Licht, als die e r st e n Besucher kommen. Eine Viertelstunde nach der Oeffnung der zwölf Eingänge um 6 Uhr früh sind die schönsten Ränge und das Mittelschiff bis zum Chor, der sich etwa in der Hälfte quer durch das Mittelschiff zieht, besetzt. Die Abtei ist in Kreuzesform gebaut. Genau in dem Schnittpunkt des Mittelschiffes und der beiden Seitenarme sind die Throne für den König und die Könitz i n errichtet. Zu dem des Königs führen fünf, zu dem der Königin, der zur linken des Königsthrones steht, drei Stufen. Während der Mittelgang ebenso wie die angebaute Empfangshalle vor dem Westtor mit dem blauen Velour belegt ist, bedeckt diesen Verbindungspunkt bis zu den Stufen des Hochaltars ein goldfarbener Teppich. Auch in die beiden Kreuzesarme sind Ränge eingebaut, deren höchster bis zu den Rosetten des Nord- und Südtores reicht.
Während zur Rechten des Königsthrones hinter den Sesseln die Prinzen königlichen Blutes und die männlichen Mitglieder des e n g - lischen Hochadels ihre Plätze haben, ift ber gleiche Rang auf der Seite des Thrones der Königin den weiblichen Adelsmitgliedern vorbehalten. Auch die vordersten Reihen des ersten Ranges werden noch von Mitgliedern des Adels besetzt. Hinter ihnen folgen, wie auf dem gesamten zweiten Rang der beiden Seitenschiffe, die Mitglieder des Parlaments.
Auf dem Chor, der den Mittelgang überquert, hat das Musik ko rps der Reitergarde mit Fanfaren und Kesselpauken seinen Platz. Hier steht auch di- neue Orgel, die heute zum erstenmal gespielt wird. Im oberen Rang in der Richtung auf den Hauptaltar ist der Westminster-Chor untergebracht.
Das Ehorgestühl zu ebener Erde wird auf der rechten Seite von den Vertretern der ausländischen Staatsoberhäupter eingenommen, hier ist inmitten der im Schmucke ihrer Diamanten und Edelsteine funkelnden re- gierenden indischen Fürsten in der ersten Reihe auch Generalfeldmarschall v. Blomberg zu sehen. Den Vertretern der Rationen gegenüber siht das Diplomatische Korps, in der ersten Reihe der deutsche Botschafter und Frau v. Ribbentrop.
Vor den beiden Thronen steht ebenfalls in Richtung zum Altar der Krönungsstuhl Eduards des Bekenners, jener schlichte Eichenstuhl, dessen Untergrund der berühmte Stein von Scone bildet, auf dem früher die schottischen Könige gekrönt wurden. Vor diesem steht ein Betpult und rechts davon sieht man die beiden Staatssessel, die der König und die Königin während des Gottesdienstes bis zur eigentlichen Krönung einnehmen. Alle diese Sessel sind mit scharlachroter Seide bespannt und tragen in prächttger Goldstickerei
hier wird der englische Krönungszug vorbeiführen.
Eine anschauliche Luftaufnahme von dem Weg, den der englische Krönungszug nehmen wird. Im Hintergrund sieht man (rechts) die Westminster-Kirche, wo die Krönung stattfindet. Im Vordergrund erkennt man riesige Tribünenanlagen, die zum Teil bereits überdacht wurden. (Associated-Preß-M.)
das Wappen des Königs und der Königin. Die Brüstungen aller Ränge sind mit goldgelbem Tuch verkleidet, in das die Königskrone und die Rose von Tudor in blau eingewebt wurden. Für die näheren Familienangehörigen des Königs ist eine Loge bestimmt, die hinter den beiden Staatssesseln liegt, während auf der gegenüberliegenden Seite die Blutsverwandten der Königin in der „Queens Gallery" ihre Sitze haben. Alle Plätze in der ganzen Kirche wurden mit königsblauem Samt überzogen, der die Jnittalien des Königspaares trägt.
Der Hochaltar zeigt in dem Aufbau eine Darstellung des Abendmahles, prächtige goldene Leuchter bilden mit den kirchlichen Geräten den einzigen Schmuck. Die drei Stufen, die zum Altar hinauf- führen, bedeckt ein großer kostbarer Teppich. Zu beiden Seiten des Altars befinden sich Durchgänge, die zu einem Raume führen, in dem der Schrein Eduards des Bekenners steht.
Der Krönungszug kommt.
Als in der Feststraße die zur Spalierbildung kommandierten Truppen aufmarschieren, die sich erstmalig in der Geschichte Englands in einer neuen blauen Uniform präsentieren, kommt Bewegung in die Massen. Sie wissen, daß nun der Krönungszug seinen Anfang nimmt. Vor dem Buckingham-Palast sind die ersten Karossen aufgefahren. Auf einem der inneren Höfe kommen Hofautomodile, zugleich öffnen sich die schmiedeeisernen Tore des Mittelportals und auf die Minute pünktlich verläßt als erster Wagen des Zuges die mit zwei schweren Brauereipferden bespannte historische Kutsche des Sprechers des Unterhauses das Schloß. Neben diesem hat der Lordmajor von London in feiner Amtstracht in der Allonge-Perücke Platz genommen. Dann kommen einige Mitglieder der königlichen Familie, die mit freundlichen Zurufen und heftigem Fähnchenschwenken begrüßt werden.
Nach kurzem Abstand folgten die G ä st e des königlichen Hauses, die Vertreter der Staatsoberhäupter, und zwar zunächst die Mitglieder königlicher Häuser nach dem englischen Alphabet und bann die Vertreter ber anberen Nationen in ber Reihenfolge, in der die Botschafter dieser Länder in der englischen Hauptstadt beglaubigt sind. Den Beginn des Zuges macht der Vertreter des Kaisers von Japan, Prinz Chichibu mit der Prinzessin, im nächsten Wagen folgt der Graf von Flandern, ber Bruder des belgischen Königs, und dann kommen mit besonderem Beifall bedacht, die Kronprinzessin Juliana von Holland mit dem Prinzen Bernhard. Die Kronprinzen und Kronprinzessinnen von Norwegen, Schweden und Dänemark, der Prinzregent und Prinzessin Paul von Jugoslawien, Prinz Kyrill von Bulgarien, der Kronprinz von Griechenland und Prinz Mohammed von Aegypten, sämtlich mit Herren und Damen ihrer Begleitung, sind die nächsten.
Der Vertreter Brasiliens eröffnete die Reihe der übrigen Nationen. Man erkennt hier den Vertreter Italiens, Graf G r a n d i, den amerikanischen Abgesandten Gerard, den französischen Außenminister D e I b o 5 , den polnischen Außenminister Beck und die Delegierten Chinas. In einem der nächsten Wagen folgt der Vertreter des Führers und Reichskanzlers G e n e r a l f e l d m a r s ch a l l von Blomberg in großer Uniform mit dem Marschallstab in der Hand, begleitet von Admiral Schultze. In prächtiger Gewandung erscheint der Vertreter des Königs von Siam, bem, der Schweizer Gesandte in London, Paravicini, der österreichische Staatssekretär des Auswärtigen, Dr. Schmidt, der tschechoslowakische Ministerpräsident Dr. H o d z a , der finnische Außenminister Holsti, der ungarische Außenminister, zumeist im schlichten Schwarz ober im Diplomatenfrack, unb zahlreiche exotische Fürstlichkeiten folgen.
Die nächste Gruppe bes Zuges finb bie Wagen ber Premiermini st er von Englanb, Kanaba, Australien, Neuseelanb, Sübafrika unb der Vertreter der überseeischen Besitzungen und des Kaiserreiches Indien. Alle diese Wagen werden von Polizeimannschaften oder Truppen ihrer Länder hoch zu Roß eskortiert.
Der Jubel schwillt beträchtlich an, als die P r i n- zen und Prinzessinnen der königlichen Familie, ebenfalls eskortiert, erscheinen. Dabei werden die Kinder des englischen Königs
paares, die elfjährige Prinzessin Elisabeth und die sechsjährige Prinzessin Margret-Rose, die in einer Kutsche mit der Schwester des Königs, der Prinzeß Royal, fahren, besonders herzlich begrüßt. Vom Marlborough House, ihrem Wohnsitz, schließt sich an die Glaskutsche der Königin- Mutter Mary, an deren Seite die Königin vonNorwegen, die Schwester König Georgs V., Platz genommen hat, am
Fast um die gleiche Zeit erscheinen im Portal des Buckingham-Palastes ein Offizier und vier Reiter der Leibgarde-Kavallerie, die den Zug des Königs eröffnen. Mit geschulterten Hellebarden folgen ihnen in ihrer mittelalterlichen Tracht mit den weißen Halskrausen unb den eigenartigen flachen Hüte bie Pala st Wächter.
Die Kavallerie, Artillerie, eine berittene Batterie mit ihren Geschützen, die Ordonanzoffiziere und Flügeladjutanten aller Waffengattungen der englischen Wehrmacht, Abordnungen der kolonialen Do- minien-Osfiziere, ein großes berittenes Musikerkorps der Leibgarde-Kavallerie, zwei Divisionen der königlichen Eskorte und die indischen Ehrenflügeladjutanten des Königs schließen sich an.
Der Erzbischof von Canterbury, Dr. Lang, beim Verlassen der Westminsterabtei nach der letzten Generalprobe für die Krönung. Er wird König Georg VI. die Königskrone auf das Haupt fetzen. — (Scherl-Bilderdienft-M.)
Die goldene Kutsche kommt.
Mit acht prächtigen Windsor-Grauschimmeln bespannt und mit Postillionen auf den Leitpferden, rollt, von Lakaien begleitet, die prächtige goldene Staatskutsche heran, deren Seitenwände mit allegorischen Darstellungen verziert sind, während goldene Tritonen mit bem Dreizack ankünben, daß dieser Wagen den Inhaber der Krone des meere beherrschenden Britanniens trägt.
Den Wagen begleiten an den Seiten der Kommandeur der Krönungstruppen, Feldmarschall Earl of Cavan, der Kommandeur der königlichen Eskorte und der Träger des königlichen Banners. Dann folgen die Brüder des Königs, die Herzoge von Gloucester und Kent, der Hof des Königs, Offiziere der Leibgarde und Staatskaleschen mit Mitgliedern des königlichen Hauses.
Der König trägt die karminrote Staatsrobe über weißen Seidenhabit und die mit Hermelin besetzte Staatshaube mit einer Goldquaste; die Königin ein mit Gold und Edelsteinen besetztes elfenbeinfarbenes Seidenkleid. Auf dem ganzen Wege ist das Königspaar Gegenstand fortgesetzter begeisterter Huldigungen, für die es unermüdlich dankt.


