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Ausbruch -er polnischen Äaiion.

-Uon unterem Or K.-Berichterfiaiter.

Warschau, März 1937.

Der Geist des Marschall Pilsudski hat durch den Mund des Obersten Koc die polnische Nation zu neuem Aufbruch aufgerufen. Was ehedem die Persönlichkeit des toten Nationalheros vermochte, soll durch eine tragende Idee ersetzt werden, durch das ideologische Programm, dessen Verkündung von allen Parteiungebundenen mit so viel Hoffnung, von den der Regierung abgewandten Kreisen aber mit vorgefaßtem Zweifel erwartet wurde. Die po­litische Erklärung des Obersten Koc verdient, daß man sie sachlich und unter Beiseitelassung aller Ge­fühlsmomente prüft. Es ist die Stärke und zugleich die Schwäche der Erklärung, daß sie keinerlei Ueberraschung brachte, daß sie sich auf die Verkündung längst bekannter, nur in dieser präzisen Zusammenfassung noch nicht erlebter Grundsätze beschränkte, die von der überwiegenden Mehrheit des Polentums schon längst erhoben und im ein­zelnen verkündet waren.

Die Stärke liegt darin, daß die bereitgehaltene Kritik Feine Ansatzpunkte findet und damit das Ab­seitsbleiben der noch bestehenden Parteien mit dem Odium persönlicher, egoistischer und dem Gemein­wohl entgegenstehender Motive belastet, was die Vermutung nahelegt, es werde den Regierungs­männern gelingen, die Parteiführungen zu unter­graben und ihnen das Fundament der Massen zu entziehen. Denn eine Aufrechterhaltung und mög­lichste Vermehrung der Wehrbereitschaft, eine Vor­rangstellung der katholischen Religion, die Ausschal­tung des Judentums aus der Herrschaft über die Wirtschaft, eine Beaufsichtigung der Wirtschaft durch den Staat, die Verbreiterung der Agrarreform, die Zwangsregelung sozialer Konflikte und die strikte Ablehnung des Kommunismus, das wollen fast alle Polen, ausgenommen vielleicht die­jenigen, die direkt durch die zu treffenden Maß­nahmen berührt werden, aber auch unter diesen wird sich die Bereitschaft, zu opfern, gewiß noch einstellen, wenn sie durch Verallgemeinerung blei­benden Nutzen verspricht.

Die Schwäche des Unternehmens ist es, daß die staatstragende Idee nicht sofort greifbar vorhanden war, daß sie erst in mühevoller monatelanger stiller Schreibtrscharbeit gefunden werden mußte und, als sie nun das Licht der Oeffentlichkeit erblickte, kein zündender Funke wurde, sondern alte leuchtende Gedanken wie in einem Hohlspiegel auffing und in erhöhter Stärke zurückstrahlte/ Es wird sich auch noch als hinderlich erweisen, daß die breite Masse des Volkes ein selbständiges politisches Denken nicht kennt, sondern dieses den Faktoren überläßt, von denen ihr geistiges Leben überhaupt gelenkt wird, wie z. B. der Kirche, oder daß sie die Güte politischer Maximen nach dem persönlichen sozialen oder wirtschaftlichen Nutzen beurteilt, wie es in der Arbeiterschaft und im polnischen Bauerntum noch überwiegend der Brauch ist.

Ob das Programm des Obersten Koc deshalb ein Wendepunkt in der Geschichte Polens wird, ist eine Frage künftiger Entwicklung. Man muß dabei den ernsten Bemühungen der herrschenden Kreise um die Untermauerung des an sich intakten Staatsge­füges durch eine geschlossene von einheitlichem Geist getragene Nation stärkste Beachtung und Anerken­nung entgegenbringen. Aber es ist noch keine, ge­wonnene Schlacht, wenn die Regierungspresse, die den Plan erklärlicherweise voll unterstützt, ganze Listen von nationalen Verbänden verschiedenster Art als Träger des neuen Programms aufzählt, denn diese Verbände sind selbstverständlich von Männern des heutigen Regierungslagers geführt, und deren Zustimmung ist noch nicht identisch mit der Bereit­schaft der Gefolgschaft. Schon heute zerbricht sich die Arbeitergruppe unter Führung Moerac- zewskis den Kopf darüber, wie sie ihre Haltung for­mulieren soll, da das Koc-Programm jeden Klassen­kampf ausschließt und den Begriff der sozialen So­lidarität dafür setzt, der in den Köpfen dieser ehe­maligen Marxisten nur zu einer Befestigung der Herrschaft des Kapitals führen kann. Auch die Konservativen der Wilnaer Prägung haben bereits angekündigt, daß sie abseits zu stehen wün­schen, da sie mit verschiedenen Persönlichkeiten im Regierungslager nicht einverstanden sind, unter denen sie ausdrücklich den Kattowitzer Wojewoden Grazinski nennen. Die Vertreter der katholi­sch e n K i r ch e, die in Polen als politischer Faktor zu werten ist, haben eine abwartende Stellung be­zogen und diese in einer Verlautbarung niederge­legt, die ein Meisterstück diplomatscher Verbrä­mungskunst ist. Es heißt darin, daß sie sich ihrer geschichtlichen Mission bewußt sei, daß sieauch wei­terhin" zur wahren Konsolidierung, zur Festigung des Friedens und der Eintracht in Polen beitragen werde und dem Gebot der Stunde entsprechend die Wehrfähigkeit stärken werde. Die Geistlichkeit werde fernerhin über den Parteien und ihren Kämpfen stehen und das Wohl der Gesamtheit im Auge haben. Das war vielleicht nicht immer so, denn viele Geistliche haben als Parteimänner in den Parla­menten gesessen. Worauf es ihnen heute ankommen mag, ist, abzuwarten, ob die Regierung jetzt ent­sprechend der Erklärung einer ausgesprochen katho­lischen Kulturtendenz Raum geben'wird. Die Hoff­nungen der Geistlichkeit sind nicht sehr groß in die­ser Hinsicht, es hat sie bereits stutzig gemacht, daß antiklerikale Verbände, wie die Jugendorganisation Legion Mlvdych" und der linksradikale Verband der polnischen Lehrerschaft sich dem Obersten Koc zur Verfügung gestellt haben.

Dem ideellen Programm fehlt noch der äußere Rahmen. Daß die ersten Ansätze für eine Or­ganisation in einem städtischen Bürgerkomitee der Hauptstadt geschaffen wurden, hat' seinen tiefen Sinn. Die bäuerliche Volkspartei nämlich hat eine Absage erteilt. Sie will weiterhin auf dem Standpunkt ihres letzten Kongresses stehen, und dieser war gegenüber der Regierung oppositionell. Die so sehr umworbene Nationale Partei ist aus ihrer Oppositionsstellung auch noch nicht her- ausgetreten. Man geht wohl nicht fehl, wenn man den Widerstand in der Furcht der Parteileiter vor dem Verlust der Führung sucht. Die L i n k s o p Po­sition aber denkt überhaupt nicht an Anschluß. Ihre Gegnerschaft nahm man den Nationalen zu­liebe von vornherein in Kauf. Trotz aller Wider­stände aber trägt Koc einen beachtenswerten Opti­

mismus zur Schau. Schon rüstet er zu einem groß­zügigen Organisationsfeldzug im ganzen Lande. Er sammelt nicht Parteien, sondern national be­geisterte Menschen.

Kleine politische Nachrichten.

Die gegenwärtig in Berlin stattfindenden deutsch-französischen Wirtschaftsver­handlungen haben zum Abschluß einer ersten Vereinbarung geführt über die Finanzierung des deutschen Reiseverkehrs zur Pariser Weltausstellung vom Mai bis Oktober 1937. Die allgemeinen Verhandlungen entwickeln sich in normalen Bahnen.

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In Bern fanden zwischen Staatsminister Her­mann Esser, Präsident des Reichsfremdenver- kehrsverbandes, sowie weiteren Persönlichkeiten des deutschen Fremdenverkehrs und Vertretern des schweizerischen Fremdenverkehrs Besprechungen

statt über die Reiseverkehrsbeziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz. Die Besprechungen führten zu einer weitgehenden Annäherung und werden demnächst in Deutschland weitergeführt.

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Der schweizerische Ständerat hat mit 24 gegen 8 Stimmen für das neue Ordnungs­gesetz die Drinalichkeitsklausel angenommen. Da­mit wird das Gesetz auf dem Wege des dringlichen Bundesbeschlusses erlassen und bedarf keiner Volksabstimmung mehr wie feine beiden Vorgänger, die vom Volk verworfen wur­den. Der Nationalrat wird erst in der Som­mersession das neue Ordnungsgesetz beraten.

Das englische Königspaar veranstaltete einen Empfang für die am Hof von St. James be­glaubigten Diplomaten. Als Vertreter Deutsch­lands nahm Botschafter von Ribbentrop mit dem Stabe. der deutschen Botschaft in London an dem Empfang teil.

Leipziger Allerlei.

Was die Hausfrau auf der Leipziger Messe interessiert.

Von unferm 3* * ^.-Sonderberichterstatter.

Die Leipziger Messe ist eine Fundgrube von Neuerungen für den Haushalt. Fast in jedem Messehaus und in jeder Halle des Ausstellungs­geländes werden Geräte und Einrichtungen gezeigt, die die Hausfrau angehen ober für den Besitzer eines Eigenheimes von Wert sind. Man sieht, welche volkswirtschaftliche Bedeu­tung die eigentliche Haushaltsindustrie besitzt und wie sie ihrerseits auf die Entwicklung von Ver­arbeitungsmaschinen Einfluß gewinnt. Daß die Frage der W e r k st o f f e auch auf diesem Gebiete zum Ausdruck kommt, läßt die ungeheure Vermeh- runa von Gegenständen aus Kunstharzen und Preß­massen erkennen. In vielen Fällen wird der Ver­braucher den Erzeugnissen nicht mehr die Art der Werkstoffe ansehen, sondern von den neuen Far­ben und Formen so entzückt fein, daß er ihnen vor den bekannten den Vorzug gibt. Oder gefällt etwa ein weißemailliertes Bügeleisen dem Auge weniger als das vernickelte, an dem man nur zu leicht blinde Stellen entdeckt? Auch fand man ein Bügeleisen, das mit Wasser gefüllt war, das durch eine elektrische Beheizung in Dampf verwandelt wurde. Der Dampf tritt in feinem Strahl an der Spitze des Bügeleisens aus und bewirkt eine An­feuchtung der Wäsche, die ihr Einsprengen über- flüssia macht. Auch muß ein neuartiger Bügler erwähnt werden, der nicht mehr aus Eisen, sondern aus Aluminium gefertigt ist und durch seine erhöhte Heizleistung das Anpressen der Plättsohle an bas Wäschestück erspart. Für das Bügeln der Wäsche sind neue Geräte entwickelt worden. So ein kleiner Heimbügler, der eine 60 Zentimeter lange Bügelwalze besitzt, gegen die von der Seite eine beheizte Bügelmulde gegengedrückt wird. Die Bügelwalze, die elektrisch angetrieben wird, ist an beiden Seiten frei, so daß man auch mit breiten Wäschestücken daran arbeiten kann. Aehnliche mit Gas ober Elektrizität beheizte Bügler werben auch mit Handantrieb ausgestattet und sind für die Aufstellung auf einem Tisch, also ohne Unter­bau, gedacht. Die Frage der Beheizung kann, wenn ©asorenner vorgesehen sind, auch da gelöst werden, wo kein Gasanschluß vorhanden ist. Für diesen Zweck besorgt man sich kleine tragbare Propangas­flaschen, die man nebenbei auch zum Betrieb von Gaskochern im Wochenendhaus usw. benutzen kann.

In neuer Form zeigen sich auch die Näh­maschinen. Sie sticken und stopfen, säumen und nähen Knopflöcher, fertigen Teppiche und stellen Verzierungen an Wäschestücken und Handarbeiten her. Auch findet sich die Nähmaschine in gedrängtem Zusammenbau mit Elektromotor und Nählicht im. Koffer oder versenkt in einem Damenschreibtisch, um möglichst wenig Platz in der Wohnung zu be­anspruchen. Die ParoleKampf dem Verderb" hat einen sichtbaren Aufschwung in Kühlge - räten hervorgerufen. Der gasgeheizte Kühlschrank präsentiert sich heute in dem Elektro-Kühlschrank ebenbürtiger Form, ohne täglich mehr als ein Kubikmeter Gas zu verschlingen. Auch unter den I elektrischen Kühlschränken sind eine Reihe neuer Typen entstanden, bei denen die letzten Erkennt-1

nisse der Kühltechnik verwirklicht wurden. Daneben findet man Kühlgeräte, die mit Wassereis und Salz ober mit Trockeneis (fester Kohlensäure) betrieben werben. Als Neuerung sei schließlich ein Klein­kühler erwähnt, den man beim Bebarf von Küh­lung erst einmal eineinhalb Stunden auf den Herd stellt ober burch einen Spirituskocher erhitzt, um bann drei Stunden lang dicke Eisblöcke damit zu erzeugen. An Stelle der Eisblöcke lassen sich auch ein bis zwei Liter Speiseeis zum Gefrieren bringen.

Für die Küche stellen die neuen Formen der Herde einen erfreulichen Fortschritt dar. Es ist aelungen, dem Herd den Charakter einer Kochma­schine zu nehmen und ihm das Ansehen eines Wohnmöbels zu geben. Zur Erleichterung der Hausarbeit und gleichzeitig zur Ersparnis von Me­tallen hat man auf vernickelte Beschläge und Ver­zierungen verzichtet und alle Flächen und Kanten mit einer schönen freundlichen Emaille überzogen. Für die Elektroherde setzt sich mehr und mehr die Glühkochplatte durch, auf der man jedes Kochgeschirr verwenden kann. Wer also beim Woh­nungswechsel auch die Kochenergie wechselt, braucht nicht mehr um die Beschaffung von Spezialgeschirr für den Elektrokochherd zu sorgen. Die Frage der Warmwasserbereitung ist insofern fortge­schritten, als die Warmwassergeräte mit Koch­st u f e n ausgestattet sind, die die Entnahme von siedendem Wasser für die Bereitung von Getränken gestatten. Unter den in ansprechender Form mit ge­schlissener Platte erschienenen Koh len Herden möge eine Ausführung erwähnt werden, bei der die mit drei Kochlöchern versehene Herdplatte drehbar ist. Man will auf diese Weise das Hin- und Her­schieben der Töpfe und ein Hantieren über der heißen Kochplatte vermeiden.

Für die Ausstattung der Küche sind einige neue Aufwaschtische entwickelt worden, deren Auf­waschbecken unter der Tischplatte hervorgezogen werden und bei Nichtbenutzung den Raum der Küche nicht beanspruchen. Zur Platzersparnis sind auch die Küchen bestimmt, in die ein Kühlschrank als Mittelteil eingebaut wird. Bei dieser Anord­nung erreicht man vor allem eine bequeme Zu­gänglichkeit der Kühlräume. Auf dem Gebiet der Beleuchtung ist durch Herabsetzung des Strom­verbrauchs. und geschickte Anordnung der Leuch­ten Neues geschaffen worden. Von besonderem In­teresse sind die Lampenglocken aus Neo- ph an glas, die die Gegenstände in natürlichen Farben erscheinen lassen. Auch sind für besonders sparsame Leuchten Lampen entwickelt worden, die einen kleinen Transformator in sich bergen und nur wenige Watt Strom verbrauchen. Sie eignen sich für die Beleuchtung von Korridoren, Schlaf- und Kinderzimmern und für die Kenn­zeichnung für Nacht- und Treppenlicht, für die Markierung von Notausgängen, Feuermeldern und Polizeiruf. Diese Einzelheiten sind Kleinigkeiten. Ihre Bedeutung jedoch steigt zu namhaften Wer­ten, wenn man sich vergegenwärtigt, daß sie für einen großen Teil der siebzehn Millionen deutschen Haushalten anwendungsfähig sind.

ie sieht es in -er Wirtschaft aus?

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Die neue Reichsanleihe mußte um 200 Millionen Mark erhöht werden, da das Anlage- bebürfnis des deutschen Kapitals und der Spar­gelder die Erwartungen überstieg. Die langfristige Anlagemöglichkeit ist auf dem deutschen Kapital­markt sehr beliebt. Prioatdiskonten und die Reichs­wechsel wurden von den anlagesuchenden privaten Stellen festgehalten und darüber hinaus benutzten sie die Reichsanleihe zu Neuanlagen, zumal der Zeichnungspreis und die Bezahlungsart bekanntlich günstig find und die Verzinsung besser ist als die der Pfandbriefe. Wenn das Reich nicht auf einmal eine größere Anleihe aufnahm, die ohne Zweifel ebenfalls gezeichnet wäre, so handelte es richtig, da ohne wesentliche Störung des privaten Kapital­marktes die Reichsfinanzbedürfnisse gedeckt werden sollen. Der Weg, nach und nach, je nach der Lage des Kapitalmarktes, Reichsanleihen aufzulegen, hat sich als durchaus richtig erwiesen.

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Noch immer hält d i e R o h st o f f h a u s s e, die seit über Jahresfrist zu beobachten ist, an. Die Preise für die wichtigsten Rohstoffe und Nahrungs­mittel liegen seit Mitte des vergangenen Jahres bis Februar 1937 um nahezu 25 v. H. über den damaligen Preisen. Im Februar lag der durch­schnittliche Preisstand an den Weltrohstoffmärkten nur noch um 17. v. H. unter dem des Jahres 1929. Diese Entwicklung beruht, wie das Institut für Konjunkturforschung in seinem neuesten Wochen­bericht in einer ausführlichen Untersuchung fest­stellt, zum großen Teil darauf, daß einmal die Er­zeugung landwirtschaftlicher Güter 1936 infolge der allgemein außergewöhnlich ungünsti­gen Witterungsöerhältnisse so knapp war, daß sie nicht mit der Nachfrage Schritt hält. Zum anderen darauf, daß die Gewinnung der Rohstoffe in­folge verschiedenster Anbaueinschränkungsbestim­mungen nur mäßig gewachsen war. Auf der ande­

ren Seite entwickelte sich unter dem Einfluß des weltwirtschaftlichen Aufschwunges im letzten Jahr 'ein beträchtlicher Verbrauch. Eingeengt wurde das Angebot noch dadurch, daß viele Be­triebe ihre Lagerbestände aus Furcht vor weiteren Rohstoff-Preiserhöhungen über den Bedarf hinaus vergrößert hatten, und daß weiterhin die Rohstoff­vorräte ohnehin schon in den letzten Jahren stärker zurückgegangen waren. Das neue englische Rüstungsprogramm mit all seinen Folge­erscheinungen trägt schließlich auch noch dazu bei, die Lage an den Weltrohstoffmärkten noch stärker anzuspannen.

Gerade dieser letzte Punkt ist es gewesen, der die unvermeidliche internationale Spekulation auf den Plan rief, die jetzt die Preise über das erfor­derliche Maß hinaus in die Höhe treibt. Bemer­kenswert war die Steigerung des Z i n n p r e i s e s, der auf dem Londoner Markt von etwa 250 Pfund zu Beginn dieses Monats auf 276,75 Pfund stieg. Man glaubt, daß die Festsetzung des internationa­len Zinnausschusses für das zweite Vierteljahr auf 100 v. H. der Erzeugung nicht der Nachfrage ge­nügt. Am Kupfermarkt zogen die Preise wei­ter an, aber die Zurückhaltung der Abgeber hält an. Auch Blei stieg, wurde aber im Preise zum ersten Male durch Zinn geschlagen. Die Verringe­rung der Bestände an Kautschuk kam in erhöh­ten Preisen zum Ausdruck. Baumwolle lag sehr fest, ebenso Wolle. Auf den internationalen Getreidemärkten machte sich ebenfalls die starke Nachfrage der Zuschußländer in Preissteige­rungen geltend. Dagegen lag der Kaffeemarkt stetig, auf dem internationalen Oel ° und Fett- markt konnten sich die Preise erholen und auch Zucker wurde international höher bewertet.

Allerdings ist nicht zu verkennen, daß vor allem unter dem Einfluß der Spekulation die Preisge­barung auf den Rohstoffmärkten einen ausgespro-

Eine Geburtstagsgabe für Neichsminister Dr. Krick.

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Ein besonderes Geschenk wurde Reichsinnenminister Dr. Frick zu seinem 60. Geburtstag zuteil. Im Treppenhaus seines Ministeriums am Königsplatz wurden drei Glasfen st er nach Entwürfen des Reichsbeauftragten für künstlerische Formgebung, Professors Schweitzer (Mjölnir), eingesetzt. In der Mitte zeigen die Fenster das Hoheitszeichen und an den beiden Seiten Sprüche des Führers und aus derEdda". (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

chen ervösen Charakter hat. Eine andere Frage ist es, ob für die Rohstoffpreise auch weiterhin mit steigender Tendenz zu rechnen ist. Das Institut für Konjunkturforschung ist der Ansicht, daß bei einer weiteren Ausdehnung öer Erzeugung, die ohne Frage für eine ganze Reihe von Rohstof­fen gegeben ist, eher Preisrückschläge zu er­warten sind. Bei den landwirtschaftlichen Erzeug­nissen, die Jahre hindurch unter Dürre zu leiden hatten, wird auch wieder ein günstiges Erntejahr zu erwarten sein. Die Ausdehnung der Anbauflä­chen für Baumwolle, Jute und Seide wirkt eben­falls preissteigenden Tendenzen entgegen, dasselbe gilt für Wolle und für Nichteisenmetalle, nicht aber für Kautschuk, da hier das Ausmaß der überalter­ten Baumbestände gewiß Schwierigkeiten für die Produktionssteigerun'g mit sich bringt. Zusammen­fassend läßt sich daher feststellen: die bisher im großen und ganzen einheitliche Belebung der Roh- stoffpreise wird wahrscheinlich durch eine unter­schiedliche weitere Entwicklung abgelöft werden, d. h. für Wolle, Kautschuk, Erdöle und Eisenerze rechnet das Institut für Konjunkturforschung mit einem Preisanstieg, für die produktionsmäßig angerci- chertew Erzeugnisse dagegen nicht. In jedem Fall bestätigt sich durch die Entwicklung an den Welt­rohstoffmärkten wiederum die Richtigkeit der deut­schen Wirtschaftseinstellung, sich durch das Einsetzen der Rohstoffhausse nicht verwirren zu lassen und den eigenen Bedürfnissen so weit als möglich im Inland genügend Deckung zu verschaffen.

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Es ist eine anerkannte Tatsache, daß jeder Sius» landaufenthalt den Blick weitet und die Be­urteilung der täglichen Lebensoorgänge sicherer macht. Insbesondere trifft dies für den jungen Kaufmann zu, für den ein Auslandaufenthalt eigent­lich unerläßlich ist. Demgegenüber sind die Schwie­rigkeiten bekannt, die gerade einem Auslandaufent­halt gegenüberstehen und die durch nationalrotrt= schaftliche Belange, die immer noch wichtiger sind, gegeben sind. Da ist es gut zu wissen, welche segens­reiche Tätigkeit der vor einigen Jahren gegründete Ausschuß für den Austausch junger Kaufleute in Berlin leistet, eine Tätigkeit, die um so wertvoller ist, als die Schwierigkeiten des Handels auf den Weltmärkten und die Hemmnisse, die im Handel von Land zu Land zu überwinden sind, nicht geringer geworden sind. Eine sorgfäl­tige Ausbildung des kaufmännischen Nachwuchses ist also mehr denn je notwendig. Die Absicht des Ausschusses besteht darin, ttotz der Devisenschwierigkeiten möglichst vielen jungen deut­schen Kaufleuten das Ausland zu erschließen. Er führt dies durch, indem er im Austausch junge Ausländer nach Deutschland holt, die hier ihre Kenntnisse erweitern und arbeiten können. Es wird dem betreffenden jungen Mann in Deutschland eine auskömmlich bezahlte Stellung verschafft unter der Voraussetzung, daß ein junger deutscher Kaufmann in dem betreffenden Lande denselben Vorteil ge­nießt. Bis heute hat bereits mit einer ganzen Reihe von Ländern inner- und außerhalb Europas ein solcher Austausch in den verschiedensten Wirtschafts­zweigen mit dem größten Erfolge stattgefunden.

Am 4. März konnte ein Jubiläum gefeiert wer­den, das von den meisten Volksgenossen nicht be­merkt wurde, das aber trotzdem einen außerordent­lich wichtigen Abschluß darstellt. Das Versailler Diktat hatte für Deutschland den Verlust seiner sämtlichen überseeischen Kabel zur Folge. Obwohl Deutschland an der Herstellung über­seeischer Telegraphenverbindungen führend beteiligt war, wurden ihm nach dem Weltkriege diese Ver­bindungen genommen aus der Zielsetzung heraus, den deutschen auswärtigen Handel, wo es ging, zu stören und zu unterbinden. Auch die wichtige Kabel­oerbindung zwischen Deutschland und Nordamerika über d i e Azoren ging ver­loren. Desto verdienstvoller war es von der Deutsch- Atlantischen Telegraphengesellschaft (DAT.), alsbald nach Friedensschluß an einen Neuaufbau der Kabel­verbindung zwischen Deutschland und USA. heran- zugehen, jedoch sollte es noch manche Jahre dauern, ehe Deutschland wieder eine eigene Kabeloerbin­dung besaß. Am 4. März 1 927 endlich konnte das nach den neuesten Errungenschaften der Technik hergestellte Kabel EmdenAzoren dem Betrieb übergeben werden. Auf den Azoren findet das Kabel einen automatischen Anschluß an ein gleich-

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