Theaterbesuch-ein Geschenk.
Don Dramaturg Günter Winkel.
Noch nie hat das Theater eine solche Förderung erfahren, wie im nationalsozialistischen Deutschland. Die Führer des deutschen Volkes sind selbst kunst- beaeifterte Männer, die zu den regsten Theaterbesuchern gehören. Für sie ist es dayer auch eine Selbstverständlichkeit, daß jeder Deutsche Träger und Förderer der deutschen Kultur in der Welt sein muß, denn der Bau des Reiches braucht das Fundament einer hohen Kultur. Diese nationale Verpflichtung ist aber zugleich ein schönes Geschenk für jeden Deutschen, denn der Theaterbesuch gibt ihm unvergängliche Werte für sein tägliches Leben. Unerschöpfliche Kräfte der Heiterkeit und des Frohsinns strömen ihm hier entgegen.
Durch die neue Preisgestaltung wird es in der kommenden Spielzeit im Gießener Theater möglich sein, daß wirklich jeder Volksgenosse sein Theater besuchen kann, und so hat unser Stadttheater das Ziel erreicht, „deutsches Volkstheater" zu sein. Es ist jedem Volksgenossen möglich, als Platzmieter an allen Vorstellungen teilzunehmen.
Der Spielplan umfaßt die zugkräftigsten Werke der Musik, der klassischen und der modernen Weltliteratur. Die Oper bringt u. a. „Don Juan", „Wildschütz", „Bohöme", „Troubadour", „Cavalleria rusticana"; das Schauspiel sieht vor: „Maß für Maß", „Sommernachtstraum", „Wilhelm Tell", „Penthesilea", „Demetrius"; moderne Dramen, Gefell chaftsstücke und Lustspiele. Die Operette bringt tn hrem vielgestaltigen Spielplan u. a. „Das kleine Ho konzert", „Nacht in Venedig", „Die lustige Witwe , „Die Geisha". Außerdem finden wieder Morgenfeiern und Gastspiele statt. Jeder Volksgenosse, gleich welchen Standes, hat die Möglichkeit, an diesen großen Ereignissen teilzunehmen.
Große künstlerische Ereignisse haben der Gießener Spielzeit 193o/37 ihr Gesicht gegeben. Das Stadttheater darf sagen, daß es sein Versprechen gehalten hat. Wie die große Zahl der Neuanmel- oungen für die Spielzeit 1937/38 beweist, werden die Leistungen des Stadttheaters in der vergangenen Spielzeit anerkannt, und man verspricht sich für die kommende Spielzeit so viel genußreiche Theaterabende, daß keiner gern abseits stehen möchte.
Da die Verteilung der Mietplätze bereits im Gang ist, ist sofortige Anmeldung dringend geboten.
Polizeimaßnahmen
gegen Verkehrssünder.
Vom Kommando der Schutzpolizei in Gießen wird uns mitgeteilt:
Die Polizei schritt in der Zeit vom 27. August bis 2. September einschl. gegen Verkehrssünder mit folgenden Maßnahmen ein:
Gegen Führer von Fuhrwerken mit 8 Verwarnungen und Belehrungen;
geaen Radfahrer mit 93 Verwarnungen und Belehrungen und mit 114 Anzeigen;
gegen Führer von Kraftfahrzeugen mit 45 Verwarnungen und Belehrungen und mit 65 Anzeigen;
geaen Fußgänger mit 43 Verwarnungen und Belehrungen und mit 25 Anzeigen.
Abschlußprüfungen
an der Heeresfachschule.
Am 7. und 8. September fand in der Neuen Pestalozzischule die diesjährige mündliche Abschlußprüfung II und am 9. September die Abschlußprüfung I unter dem Vorsitz des Truppenunterrichtsleiters, Fachstudiendirektor B o u ch h o l tz, statt. Dem Prüfungsausschuß gehörten ferner an Major Lange als Vertreter des zur Zeit abwesenden Standortältesten, die prüfenden Lehrer der Heeresfachschule und die Vertreter der Anstellungsbehörden. Nachstehende Behörden waren vertreten: Reichsfinanzverwaltung Darmstadt; Reichsbahndirektion Frankfurt a. M.; Reichspostdirektion, Abteilung Darmstadt, Frankfurt a. M.; Hessische Landesregierung Darmstadt (für die Staatsund Gemeindebehörden). Außerdem wohnten der Prüfung bei der Fürsoraereferent beim Generalkommando IX. AK. in Kassel, Oberstleutnant B l o - meyer, sowie die Fürsorgeoffiziere aus Gießen, Marburg und Wetzlar. Als Gast war auch ein Vertreter des Reichstreubundes Gießen zugegen.
Der Abschlußprüfung II (Berechtigung zum (Eintritt in den gehobenen mittleren Beamtendienst) unterzogen sich 16 Feldwebel im 12. Dienstjahr. Diese 16 Prüflinge haben alle bestanden: Feldw. Bär, Feldw. Bergmann, Wachtm. Cuny, Feldw. Eckermann, Obfeldw. E ck a r d t, Feldw. Fuß, Feldw. Hasselbach, Feldw. Hilln- hütter, Feldw. Jung, Feldw Müller, Feldw. Paul, Feldw. Seibel, Wachtm. Schmidt, Wachtm. E. Schneider, Feldw. L. Schneider, Feldw. Stock.
Der Abschlußprüfung I (Berechtigung zum Eintritt in den einfachen mittleren Bürodienst) unterzogen sieh 6 Feldwebel und 2 Dersorgungsanwärter. Auch diese 8 Prüflinge haben alle bestanden: Feldw. Conrady, Vers.-Anw. Euler, Feldw. F a u st, Feldw. Finke, Vers.-Anw. K r e u t e r, Feldw. von Obstselder, Obfeldw. Schellhaje, Obfeldw. Schindler.
Zwei von der Heeresfachschule Büdingen zur Prüfung überwiesene Feldwebel bestanden ebenfalls die Abschlußprüfung I: Feldw. Briese, Feldw. F r ä b e l.
Gießener Dochenmorktpreiie.
* Gießen, 11. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Vi kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 12, Wirsing, Vt kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 6 bis 9 Mark, Weißkraut, % kg 8 Pf., 5Ö kg 5 bis 6 Mark, Rotkraut, kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 8 bis 9 Mark, gelbe Rüben, kg 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 12, Spinat 20 bis 25, Römisch- kohl 8 bis 12, Bohnen, grün 18 bis 25, gelb 18 bis 25, Erbsen 20 bis 35, Feldsalat, Vio 10, Tomaten 15 bis 18, Zwiebel 8 bis 10, Pilze 45 bis 50, Kartoffeln, kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,50 Mark, Frühäpfel, % kg 10 bis 25 Pf., Falläpfel 5 bis 6, Pfirsiche 25 bis 45, Brombeeren 30 bis 33, Preiselbeeren 35, Birnen 5 bis 25, Zwetfchen 10 bis 15 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Enten 1 bis 1,10 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 40, Salat 9 bis 11, Salatgurken 5 bis 30, Einmachgurken 1% bis 3, Endivien 9, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
Tierschutz ist wichtige Kulturarbeit.
Mitgliederversammlung des Tierschutzvereins Gießen.
Der Tierschuhoerein hielt am gestrigen Freitagabend unter Leitung seines Vorsitzenden, Schlachthofdirektors Dr. Keller, im „Frankfurter Hof" eine Mitgliederversammlung ab.
In seiner Einladung sprach der Vorsitzende zunächst über die weitgehenden Aufgaben, die den Tierschutzvereinen im Dritten Reich zugewiesen sind, wobei er betonte, daß kulturell hochstehende Völker von jeher dem Tierschutz ihre besondere Aufmerksamkeit geschenkt hätten. Der Tierschutzverein habe nicht nur die Aufgabe, die Tiere vor Mißhandlungen und Quälereien zu. schützen, er fei auch mit dazu berufen, die Menschen xu einem wertvollen Denken und Fühlen zu erziehen.
Im weiteren Verlaufe der Versammlung sprach der Vorsitzende über die Verordnung zum Schutze der wildwachsenden Pflanzen und der nichtjagdbaren wildlebenden Tiere. Er sprach über das Verbot, wildwachsende Pflanzen mißbräuchlich au nutzen oder ihre Bestände zu verwüsten, sowie stano- ortfrembe oder ausländische Gewächse in der freien Natur auszusäen oder anzupflanzen. Weiter be- handette er die Bestimmungen über den Schutz der nichtjagdbaren wildlebenden Vögel, erläuterte die Maßnahmen gegen unbeaufsichtigte Katzen, um sich dann mit dem Schutze der übrigen nichtjagdbaren wildlebenden Tiere zu beschäftigen. Bei der Besprechung der Bestimmungen über das Verbot der Aussetzung ober Ansiedlung gebietsfremder ober ausländischer nichtjagbbarer Tiere wurde vom Redner auf die weittragenden Folgen der seinerzeitigen
Einführung der Bisamratte in Böhmen hingewie- fen.
Anschließend an den Vortrag berichtete der Vorsitzende über die praktische Arbeit des Vereins auf dem Gebiete des Tierschutzes. Dabei ließ die Art der Behandlung und Bearbeitung der zur Kenntnis kommenden Fälle von Mißhandlungen und Quälereien von Tieren erkennen, welche wertvolle Arbeit der Tierschutzverein auch den Spruchstellen leistet.
In der folgenden allgemeinen Aussprache wurde darauf hingewiesen, daß die Amseln, sobald sie in größeren Mengen auftreten, in Gärten weitgehenden Schaden anrichten und auch den kleineren Singvögeln nachstellen. Letzteres gelte auch für den soa. Würger (Neuntöter). Es wurde deshalb vor- geschlagen, anzuregen, daß diese beiden Vogelarten nicht unter die Schutzoorschriften fallen. Außerdem beschäfttgte sich die Versammlung mit der Behandlung angefetteter Hunde und mit der Ueberwachung der Verschickung von Tieren nach auswärts.
Weiter regte der Vorsitzende für die künftigen Versammlungen Vorträge über spezielle Fragen des Tierschutzes an. Zu diesen Vorträgen sollen die beteiligten Kreise (Landwirte, Hufschmiede usw.) hin- zugezogen werden, außerdem ist beabsichtigt, mit dem Naturschutzverein zwecks gemeinsamer Arbeit in Verbindung zu treten. Ebenso wurde die Frage des Beitritts zum Vogelschutzverein Hessen erwogen. Schließlich machte der Vorsitzende noch interessante Mitteilungen über die Einbürgerung Des Uhu und die Nützlichkeit des nur noch selten vorkommenden Fischreihers.
preisangeln und Karpfenfest.
Der Fremdenverkehrsverein Gießen veranstaltet am morgigen Sonntagnachmittag an dem Teich an der Schlageteranlage ein Preisangeln, für das etwa 60 Sportangler von Gießen auf 600 Meter Ufer» länge ihre Mitwirkung zugesagt haben. Es handelt sich darum, den außerordentlich reichen Bestand an guten Karpfen und sonstigen Fffchen in diesem Teich zu einem Teil der gebotenen Perwertung zuzuführen. In dem Teich sollen sich nämlich Karpfen im Gewicht von vier, fünf und sechs Pfund je Fisch befinden, also reichlich kräftige Burschen, die es schon verdienen, daß sich Die Hausfrauen mit ihnen beschäftigen und sie in der Pfanne oder im Siedwasser gebührend behandeln.
Das Preisangeln bildet den ersten Abschnitt eines großangelegten Fischzugs, bei dem es aller Voraussicht nach einen reichen Fang geben dürfte. Bei dem Preisangeln werden die an den Angelhaken gegangenen Karpfen in Behältern gesammelt, um sie auf dem Wege über den regulären Fischhandel der Verwertung zuzuführen. Nach allem, was man bisher hörte, wird man durch diesen Fischzug nicht nur qualitativ vortreffliche, sondern auch im Preis annehmbare Karpfen für den Familientisch bekommen, so daß viele Äolksgenossen sich dieses schöne Fischgericht einmal werden leisten können.
Den zweiten Abschnitt und zugleich Höhepunkt des großen Fischzuges wird ein K a r p f e n f e st bilden, das am Samstag und Sonntag nächster Woche, also am 1 8. und 19. September, auf dem Ufergelände am Teich bei der Schlageteranlage stattfinden soll. Die Vorstandsmitglieder des Fremdenverkehrsvereins und Pertreter der für diese Veranstaltung als Interessenten in Betracht kommenden Behörden haben in einer Besprechung am gestrigen Freitagabend in großen Umrissen die Vorbereitungen für dieses Fest behandelt. Dabei wurden die Vorschläge des geschäftsführenden Vorstandes des Verkehrsvereins gutgeheißen. Nach den Planungen wird auf dem Ufergelände an der Schlageteranlage ein Festzelt errichtet, das bei schlechtem Wetter geschlossen werden kann, mithin den ungestörten Aufenthalt der Besucher ermöglicht. Am Samstagnachmittag wird das Fest mit Konzert und Tanz im Festzelt eröffnet werden. Natürlich wird es auch an weiterer Unterhaltung, sowie an Erfrischungsmöglichkeiten nicht fehlen. Für Sonntag, 19. September. 8 Uhr morgens, ist der große Karpfenfang vorgesehen. Durch sachgerechte Helfer wird die Karpfenausbeute aus dem Teich in bereitstehenden Kübeln geborgen werden. Die Besucher werden dabei viel Interessantes zu sehen bekommen, außerdem auch durck ein Frühschoppenkonzert unterhalten werden. Am Nachmittag wird das Fest bei Konzert und Tanz, Kinder- estzug und sonstigen Ueberraschungen seine Fort- etzung finden. Dabei wird Gelegenheit geboten ein, gesottene oder gebratene Karpfen genießen zu können. Ferner ist geplant, auf dem Festplatz eine Ochsenbraterei zur Versorgung mit einem guten Stück Difenbraten einzurichten. Am Abend wird ein großes Feuerwerk die Unterhaltungsdarbietun
gen noch bereichern, Musik und Tanz werden außerdem die Stunden kurzweilig gestalten. Damit jedermann Gelegenheit hat, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, soll das Eintrittsgeld außerordentlich niedrig gehalten werden, um die Stunden zu einem wahren Volksfest werden zu lassen.
Das Preisangeln in Gießen.
Der Wert und die Bedeutung des Preisangelns am morgigen Sonntag wird — wie man uns schreibt — von den Mitgliedern des Reichsverbandes deutscher Sportfischer, Bezirk Gießen, darin erblickt, daß alle am Preisangeln ^Beteiligten die Fischweid unter genau den gleichen Verhältnissen ausüben. Aus diesem Grunde sind auch besondere Bedingungen für Das Preisangeln festgesetzt worden, insbesondere Beschränkungen in Der Ausübung des Sports auf ein bestimmtes Angelgerät, Verbot aller sonstigen Hilfsmittel, wie Anfüttern vor und beim Preisangeln usw., die sonst gewöhnlich zu besserem Erfolg führen, ebenso sind die Fangmittel genau bestimmt. Durch diese Maßnahmen wird die Menge der gefangenen Fische wesentlich verringert.
Eine besonders günstige Gelegenheit bietet sich den Sportfischern insofern bei dieser Veranstaltung, als sie in den von ihnen befischten Gewässern, in erster Linie in der Lahn, kaum Gelegenheit haben, Karpfen zu fischen. Die Mehrzahl der Teilnehmer steht also bei Dem Preisangeln vor etwas ganz neuem in ihrem bisher betriebenen Angelsport und muß sich nun ganz auf Die besondere Art des Fanges einstellen. Das Hauptinteresse der Teilnehmer wird sich darauf verlegen, den Fisch, der ihn mit einem Anbiß beehrt, sicher dem nassen Element zu entführen, ohne dabei Gefahr zu laufen, daß dem angeschlagenen Fisch Befreiungsversuche, sei es in Form von Fluchten, Sprüngen oder durch Abschütteln des Hakens, gelingen.
Diese Vorgänge werden auch für die Zuschauer zu spannenden Momenten werden. Die Zuschauer werden dadurch sicherlich zu der Auffassung getan» gen, daß es gar nicht so einfach ist, einen am Angelhaken befindlichen, sich stark wehrenden schwereren Fisch sicher zu landen. Gewiß, das Sportangeln bietet nicht dauernd derart spannende Momente, es treten auch mehr oder minder lange Pausen im Anbeißen der Fische ein, aber einen sportgerechten Angler verdrießen diese Pausen nicht. Er prüft in diesen sein Fischgewässer, fein Angelgerät und nicht zuletzt feine Ausdauer und feinen Sporteifer.
Es ist bei dem Preisangeln auch weniger Gewicht darauf zu legen, daß möglichst große Mengen Fische erbeutet werden, als darauf, im vorgeschriebenen Rahmen sich sportgerecht zu betätigen und in den Zuschauern das Verständnis für die edle Fischweid zu wecken und zu fordern.
Falls des Fischerschutzherrn Petrus Gunst über Dem Preisangeln waltet, wird den Erwartungen des Sportanglers in feinem Sport und Der Zuschauer im Beobachten Des Verhaltens Des Sportanglers und der Fische bestimmt Rechnung getragen.
Aus den Gießer er Gerichtssälen.
Große Strafkammer Gießen.
Gestern hatte sich der Josef D ä tz e l aus Ulrichstein wegen Unterschlagung im Amt usw. vor der Großen Strafkammer des hiesigen Landgerichts zu oerantroorten. Der Angeklagte, der bereits 23 Jahre im Postdienst tätig ist, war früher am Postamt Mainz beschäftigt. Dort führte er jedoch einen leichtsinnigen Lebenswandel, der ihm nach mehrmaliger fruchtloser Verwarnung durch seine vorgesetzte Behörde schließlich eine Strafversetzung nach Ulrichstein eintrug. Hier ging es eine Zeitlang gut, bald fiel er jedoch wieder in das alte Fahrwasser zurück. Bei seinem lockeren Lebenswandel reichte natürlich sein bescheidenes Gehalt als Briefträger nicht aus, und so vergriff sich der Angeklagte an den ihm anvertrauten Geldern. Erstmalig im Juni 1937 wurde am Postamt Ulrichstein ein Betrag von 12 Mark reklamiert. Die angestellte Untersuchung ergab, daß das Geld ordnungsgemäß eingegangen und an den Angeklagten zur Auszahlung weitergeleitet worden war. Der Angeklagte zahlte die Summe jedoch nicht an den Empfänger aus, sondern steckte den Betrag in die eigene Tasche und fälschte auf dem für den Empfänger bestimmten Postabschnitt dessen Namen. Dasselbe Manöver wiederholte er in vier weiteren Fällen, und er eignete sich auf diese Weise 170 Mark widerrechtlich an. In einem weiteren Falle hatte ihm eine Frau aus Köddingen 17 Mark zur Einzahlung mit- gegeben, die er ebenfalls nicht abführte, sondern für sich behielt. Der Angeklagte war in allen Punkten geständig und gab selbst an, er habe den notigen Halt verloren. Das Urteil lautete wegen fortgesetzter schwerer Amtsunterschlaqung in Tateinheit, fortgefetzter schwerer Urkundenfälschung im Amt,
sowie einer weiteren Amtsunterschlagung auf eine Gesamt st rase von zwei Jahren Zuchthaus und 80 Mark Geldstrafe, sowie fünf Jahre Ehrverlust. Zwei Monate und die Geldstrafe gelten durch die Untersuchungshaft als verbüßt.
Sodann stand Der gleichfalls am Postamt Ulrichstein beschäftigte Ludwig Ruppenthal aus Helpershain wegen des gleichen Vergehens und wegen Sittlichkeitsverbrechens vor der Strafkammer. Der Angeklagte hatte sich ebenfalls mehrfach an Geldern, die er in dienstlicher Eigenschaft empfangen hatte, vergriffen. Von zwei Einwohnern seines Bestellbezirkes erhielt er einmal je 12 Mark mit dem Auftrag, Jnvalidenmarken in gleicher Hohe mitzubringen. Er brachte jedoch nur für je 6 Mark Marken mit, mit dem Bemerken, es feien nicht genügend vorrätig gewesen. Den Restbetrag steckte er in seine Tasche. Kurze Zeit später erhielt er von einem Bürgermeister seines Bezirkes einen Betrag von 15 Mark zur Einzahlung bei Der Post aus- gehändigt. Der Angeklagte quittierte diesen Betrag, machte jedoch keinen Eintrag im Postbuch und behielt auch diese Summe für sich. In einem weiteren Falle erhielt er von einer alleinstehenden Witwe 20,96 Mark. Mit diesem Bettag sollte er eine Nachnahme einlösen. Dies tat er jedoch nicht, sondern verwandte den Betrag ebenfalls für sich. Weiterhin hatte der Angeklagte eine Postanweisung über 100 Mark auszuzahlen. Nachdem er Den Empfänger mehrmals nicht zu Haufe angetroffen hatte, steckte er auch diesen Betrag kurzerhand ein und quittierte auf dem Postabschnitt mit dem Namen Des Empfängers. Der Angeklagte war bis auf einen Fall geständig, wurde jedoch auch hierin restlos überführt. Weiterhin legte ihm die Anklage zur Last, sich bei seinen Bestellgängen an minderjährigen
Kindern, die er allein im Hause antraf, vergriffen 3u haben. Der Angeklagte bestritt dies in vollem Umfang und räumte nur einen Fall mit einem allerdings schulentlassenen Mädchen ein. Da dem Angeklagten die andern Fälle nicht nachgewiesen werden konnten, mußte er in diesem Punkt frei- gesprochen werden. Im übrigen lautete das Urteil wegen fünffacher Amtsunterschlagung, zweifacher Urkundenfälschung im Amt und eines Falles der tätlichen Beleidigung auf eine Gesamtzucht, haus st rase von einem Jahr und sechs Monaten und 70 Mark Geldstrafe. Hiervon gelten ebenfalls zwei Monate und Die Geldstrafe durch die Untersuchungshaft als verbüßt.
Die nächste Anklage wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung richtete sich gegen Den Friedrich Seipp aus Berstadt. Der Angeklagte erhielt von einem Freund ein Sparkassenbuch über 2500 Mark zur Aufbewahrung ausgehändigt, da dieser, der von Beruf Fuhrmann ist, das Buch nicht überall mit hinnehmen wollte. Das Geld stammte aus Waisengeldern, Die Der Vormund des Freundes bei der
Ruhl Sehersweg Nr. 67
adiO Telephon Nr. 3170
eparaturen i89?d
Sparkasse in Nidda angelegt hatte. Der Angeklagte übernahm kurze Zeit später das Haus feiner Großeltern. Um sich die nötigen Mittel zu beschaffen, trat er u. a. auch an feinen Freund mit Der Bitte heran, ihm 1000 Mark von Dem Sparbuch zu leihen, womit Dieser auch einnerftanDen war. Der Angeklagte hob Daraufhin 1000 Mark von Dem Konto ab. Da er jedoch durch die Ausgabe einer bisher betriebenen Kolonialwarenhandlung immer mehr in finanzielle Schwierigkeiten geriet, hob er nach und nach ohne Wissen Des andern die gesamte Summe fast restlos ab. Dabei legte er der Bezirks- sparkasse in Nidda gefälschte Vollmachten vor. Mittlerweile beabsichtigte der Freund, sich zu verheiraten, und er wollte zu diesem Zweck bei der Sparkasse sein Guthaben abheben. Dabei wurde ihm die Eröffnung zuteil, daß sich nur noch sage und schreibe 44 Mark auf dem Konto befanden. Der Angeklagte hatte vom Schöffengericht wegen dieser Tat unter Zubilligung mildernder Umstände fünf Monate Gefängnis erhalten, gegen die er bezüglich Des Strafmaßes noch Berufung verfolgte. Die Große Strafkammer hob auch das Urteil Des Schöffengerichts auf, erhöhte jedoch in Anbetracht Der Gemeinheit Der Tat unD Der Schwere Des 23er» trauensbruchs Die Strafe auf sieben Monate Gefängnis. In Der Urteilsbegründung hob Der Vorsitzende hervor, daß eine Derartige Gesinnung unD Handlungsweise nicht schwer genug geahndet werden könne, und bezeichnete es im übrigen als ein starkes Stück, daß der Angeklagte trotz seiner geringen erstinstanzlichen Strafe überhaupt Berufung eingelegt habe.
** Arbeitsjubiläum. Am heutigen Samstag, 11. September, konnte Herr Bernhard Beck aus Gießen als Betriebsschlosser bei der Firma Bän- ninger G. m. b. H., Gießen, auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Um 8 Uhr vormittags versammelten sich, wie bei diesen Gelegenheiten üblich, die Leiter der Firma und die Arbeitskameraden an dem festlich geschmückten Arbeitsplatz des Jubilars zu einer schlichten Feier. Es wurden hierbei Herrn Beck durch den Betriebsführer, Herrn Karl B ä n n i n » ger, besonderer Dank und Anerkennung für die in 25 Jahren Der Firma geleisteten Dienste ausgesprochen und die vielseitigen Fähigkeiten des Jubilars hervorgehoben. Ferner wurden noch von sieben Vertretern der Gefolgschaft, darunter auch von einem Lehrling, in schonen Worten Glückwünsche dargebracht. Dem Jubilar wurden sowohl von der Firma als auch von der Gefolgschaft wertvolle Geschenke überreicht.
** Viehmärkte in Gießen. Am nächsten Dienstag findet hier Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt. Für Mittwoch, 22. September, ist Schweinemarkt vorgesehen.
** Den Perletzungen erlegen. Vor einiger Zeit ereignete sich im Rangierdienst des hiesigen Bahnhofes ein schwerer Unfall. Der 49 Jahre alte Rangieraufseher Wilhelm Volk, Krofdorfer Straße 30, wurde im Dienst so schwer an beiden Beinen verletzt, so daß Amputationen notwendig wurden. Der bedauernswerte Mann lag schwer darnieder. In jüngster Zeit stellten sich nun Komplikationen ein, denen der schwer Verunglückte erlag.
** Unfälle. Ein sechsjähriger Junge aus Dec Schulstraße murDe Dieser Tage von einem Hund heftig ins Bein gebissen. Das Kind mußte sofort zur Behandlung in die Chirurgische Klinik gebracht werden. — In der oberen Frankfurter Straße geriet ein Mädchen, das mit dem Fahrrad unterwegs war, gegen einen Kraftwagen, kam xu Fall und mußte mit einer leichten Gehirnerschütterung in ärztliche Behandlung gebracht werden.
Jtunbfunfprogramm
Sonntag, 12. September.
' 6 Uhr: Hafenkonzert. 8: Von München (aus Nürnberg): Reichssendung: Appell der SA., SS., NSKK., NSFK. in der Luitpold-Arena mit der Rede des Führers. 9: Frohe Musik am Sonntagmorgen. 10.30: Chorgesang. 11.15: Höhenwege des Lebens. 12: Musik am Mittag. 14: Für unsere Kinder. 14.30: Heiter und bunt! 15,30: „Das Kragenknöpfchen". Heitere Szene. 16: Sonntagnachmittag aus Saarbrücken. Musik zur Unterhaltung. Als Einlage: Sport des Sonntags. 18: Weniger Bekanntes von guten Bekannten (Paul Lincke). 19.40: Sportspiegel Des Sonntags. 20: Don München (aus Nürnberg): Reichssenduna: Nachrichten. 20.10: Von München (aus Nürnberg): Reichssendung: Reichsparteitag Nürnberg 1937 — vom Appell der SA., SS., NSKK., NSFK. — vom Vorbeimarsch vor dem Führer am Adolf-Hitler-Platz. 22: Von München (aus Nürnberg): Reichssendung: Nachrichten. 22.15: Sportberichte am Sonntag. 22.30: Wir bitten zum Tanz. 24 bis 1: Nachtmusik. Die Oper der Gegenwart.
Hlontag, 13. September.
6 Uhr: Choral, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8 30: Musik am Morgen. 9.30: Nur Kassel: Nachrichten. 10: Brüderchen unD Schwesterchen. Märchenspiel von Gertraude Knab. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Deutsche Scholle. 12: Schloßkonzert, 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Schloh- konzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei von zwei bis drei. 15: Volk und Wirtschaft. Wir kaufen ein Auto. 15.15: Für unsere Kinder. 16: Nachmittagskonzert. 17.55: Schaltpause. 18: Reichssendung: Reichsparteitag 1937. Äon Den Vorführungen Der Wehrmacht mit Der ReDe Des Führers. 20: Schluß Des Parteikongresses mit Der ReDe Des Führers. 22: Nachrichten. 22.20: Festliche Musik. 24: Großer Zapfenstreich der Wehrmacht vor Dem Führer.


