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Reisen, Bäder und Sommerfrischen

Mrzkurg.

Von Wilhelm Hausenstein.

Würzburg ist vor allem, mitten inne und auch nach allem, eine eindringliche Darstellung des geist­lichen Motivs. Auch das bürgerliche Leben der köstlichen Stadt, so lebhaft und unbefangen es ist, so heiter, so wohlig, scheint auf den geistlichen Charak­ter der Stadt bezogen und durch ihn vermittelt, und dies bis zum heutigen Tage, obwohl der geist­liche Grund der Stadt schon alt ist. Denn es war Bonifatius selbst, der 741 das Bistum gründete. Späterhin Fürstbistum, in den Tagen Napoleons auf ephemere Weise weltliches Kurfürstentum und Großherzogtum, hat Würzburg seine eingeborene geistliche Natur aber bis in die Gegenwart immer wieder erneuern können: ein wahrer Born ekkle- «en Daseins. Geistlichen Ursprungs ist auch stitut, das, uralt, zu den ruhmvollsten Ueber- lieferungen der Stadt gehört: die 1402 gestiftete Universität.

Man fühlt das geistliche Motiv schon beim An­kommen. Die vielen Kirchtürme melden es an wie Zeigefinger. Man zählt ihrer wohl ein Dutzend; Kuppeln und Türme am Käpple droben, dies eigen­tümlichealla turca Würzburgs nicht einmal mit« gerechnet. Dicht versammelt und wie in freudiger Erregung weisen die Kirchtürme zum Himmel em­por: vom Dom, von der Marienkirche, vom Neu­münster, und wie die Gotteshäuser alle heißen.

Wie aber dem kirchlichen Dasein einer Stadt so oft das Heitere, ja Paradiesische der Landschaft, der Luft, des Himmels, des gesamten schaubaren und fühlbaren Wesens verbunden ist, so auch hier. So schön gelegen wie Bamberg, ja wie Salzburg und Passau von großartigem Frohsinn durchzogen wie diese Städte, von einem Leuchten durchglüht und erwärmt, von dem einer kaum noch sagen könnte, ob es ehe physisch oder metaphysisch ist, klimatisch oder geistig und geistlich, hat Würzburg Überdies noch den besonderen Zauber edler und gepflegter Fruchtbarkeit, deren Gleichnisse ringsum die kost­baren Weinberge mit der hellen, ein wenig stein­roten Erde sind. Um diese Stadt wuchs auch der Wein, den Goethe trank. Ein schöner Fluß, erfreu­lich schimmernd und blinkend unter der Sonne, er­frischt und spiegelt das beglückende Antlitz dieser Stadt, und trägt jene Zeichen, jene Geheimnisse und Offenbarlich ketten besonderer Bewegung herein, die einer Stadt nur von durchfließenden Wassern ge­schenkt werden. Dergestalt vollendet sich die Erschei­nung dieser unterfränkischen Schönheit, die schon in ihrem angeregten Wechsel von lebendigem, rotem Sandstein und von funkelndem Schiefer zu den Sinnen spricht.

Im Innern der Stadt betonen sich Achsen nicht eben stark. Die Stadt ist gehäuft, gedrängt und in sich gleich. Die eigentlichen Straßen sind Der Main Drunten und die Brücke, die, von barocken Heiligen­gestalten wie mit Standorten und Flaggen belebt, über das schiffbare Wasser hinübersetzt. Muß man Würzburg in der Mitte feiner Hälften suchen, so aber auch hinter feinen fränkischen Giebeln und Fachwerkfronten, hinter den gesunden Steinfassa­den seiner Renaissance und feines Barock: in seinen schönen Höfen. Juliusspital und Universität geben bedeutende Beispiele.

Gleichmäßig ist die Stadt mit Zeugnissen der ge­schichtlich wechselnden Stile durchwirkt: von der Ro- :mantif der Burkardikirche und des schlank fteigen« iben Domäußeren zu der feinen Gotik der Marien- fapelle und zu den empfindsamen Bildnerwerken ibes Tilman Riemenschneider, deren Schön- Iheit, bürgerlich und geistlich gleichermaßen subli- :miert, im Museum und in den Kirchen gesunden :wird; von Riemenschneider, der zart und distingu­iert ist, ob er auch gegen seinen Bischof rebelliert,

bann weiter zu den Kundgebungen der Renaissance und des Barock. Das Innere des Doms ist reifste, barocke Renaisfancepracht von römischer Größe; das Tabernakel läßt an Bernini denken. Die barocke Ausstattung der Augustinerkirche Gold zu Gold, ist ein betäubender Ueberfluß. Das Neumünster, dem 18. Jahrhundert verdankt, bestätigt die schwellende Fülle, den schwelgenden Geist, aber auch die echte Potenz des Zeitalters. Zu allem kommt, um die Mitte des Jahrhunderts vollendet, die f ü r ft b i = schöfliche^ Residenz, die an Bedeutung mit Versailles wetteifern mag. aus Aufträgen der bi­schöflichen Grafen von Schönborn hervorgegan- aen, von Johann Balthasar Neumann und Jo­hann Lukas Hildebrandt ins Werk gesetzt. Die Stadt, sonst eher dicht, öffnet sich zu einem ebenso weiten, ja ungeheuren als wohlgeformten Schloß­platz. Der Bau selbst, auf unterscheidende Art in gelbem Sandstein errichtet, schiebt nach dem sicheren Schema eines Barock, das klassisch ist, die seitlichen

Trakte vor, um mit dem Mittelbau in vornehmer Zurückhaltung zu verharren. Das Treppenhaus ist einquasi una fantasia im vollsten, repräsentabel- sten Stil der Epoche. Zimmer und Sälen genügen den äußeren Ansprüchen und raffiniertesten künst­lerischen Empfindlichkeiten der verwöhnten Aera. Tiepolo hat verschwenderisch Fresken gemalt. Noch in der süßen Luft von Würzburg wird der Schloßgarten zur Oase.

Doch auch der kleine Alltag ist eine Würzburger Chance: der Markt mit Gemüsefrauen und Besen­bindern; die wache Bevölkerung, der die Lebendig­keit eines weintrinkenden Schlages aus Hellen Augen spricht; eine Fischküche, die Stille und Däm­merung einer schwärzlich nachgedunkelten Wein­stube, wo der goldene Würzburger glänzt wie ein Licht. Man sitzt und denkt der vielen großen deut­schen Seelen, die in dieser Stadt durch den Tod gegangen sind von Walther von der Vogelweide bis zu Wilhelm Leibl.

Unvergeßliche Ostsee.

Von Anion Schnack.

Herrliche Ferientage am Meeresstrand. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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Jedesmal, wenn ich von der Ostseeküste zurück­kehre, nehme ich eine Handvoll kleiner Muscheln mit, Fundstücke sorgenloser und glücklicher Ferien­tage, ebenso wie die paar Perlen des Bernsteins, die ich unter die wunderlichen und zierlich gezeich­neten Meerschalen gemischt habe. Immer, wenn ich die spielerischen Kleinigkeiten der unerschöpflichen Natur betrachte, genieße ich noch einmal das Ge­schenk freier und schöner Tage und die holde Selig­keit und Erquickung, die in jeder Stunde lagen.

Aus den Muscheln höre ich die Brandung rauschen, die unter Springen und Tanzen ein wei­ßes Band um die Küste legt; in deren Sturmzorn oder in deren weiches Spiel ich gesprungen bin und deren weiße Zungen an mir hinaufgeschlagen sind,

mit der ich gerungen und gekämpft habe, die mich gepeitscht und gebeizt, gebrannt und bespritzt hat, und deren flüchtigen Leib ich festzuhalten versuchte, fröhlich gemacht unb selig gemacht, und die mich mit ihrer flutenden Umarmung erquickt hat.

An der splitterigen Bernsteinperle hängt noch ein Sandkorn, einsames Sandkorn aus einem schönen Meersommer, eines der unzählbaren Mil­liarden, geringstes Stück eines zusammengeriebenen Urgebirges, und wo dieses einsame Sandkorn lag, war ein heißer, sonnengewärmter, den Fuß und die Haut liebkosender Hügel dieses Sandes, hatte die Sonne eingesogen und die hohe Sommerglut aus- gespeickert und der Wind ging wie ein Ritter mit klirrenden Sporen durch den steifen Strandhafer.

Die mitgebrachten Muscheln haben mir das Rau« schen der salzigen Wasser eingefangen und aufbe­wahrt, das herzberuhigende Rauschen, das zu Träu­men verführende Rauschen, das Rauschen, welches sich mit den Stößen des Windes vermählte, der die großen Wolken in die Himmelsecken gleich uner­reichbaren und unersteigbaren Gebirgen geschoben hat. Das waren herrliche Winde, unter deren An­hauch Körper und Geist leicht, federnd, klar und gestrafft geworden sind und manche herrischen Wünsche in das Blut trieben: Weltfahrerwünsche, Seefahrergedanken, Wikingerlust.

Muscheln und Bernstein erinnern mich an den Duft der Küste, der einer der herrlichsten Düfte für mich ist, weil sich das herbe Salz, das aus den Kiefernwäldern gekochte bittere Harz, die Frische des Wassers und der faule Dunst ausgeworfenen und trocknenden Tangs zu einer beseligenden, und wunderbaren Stärke mischt.

Deswegen bleibt mir die Ostseeküste ein unver­geßliches Erlebnis, das aus vielen schönen Einzel­heiten zusammengesetzt ist, aus Wasser und Sand, aus Wald und Wolke, aus Sturm und Meeresstille aus Sonne und Segel, ein Bild der Abwechselung, schön oder düster, heiter oder zornig, blendend von der silberglänzenden Metallplatte des lichtdeschenk- ten Wassers oder unruhvoll und dröhnend unterm Sturmpflug des Windes.

Wanderfahrten.

SchollenJägerhausPetershainer HofGötzen Schollen.

Von dem freundlichen Kreisstädtchen Schotten führt uns diese Wanderung durch einen der schön­sten Teile des Vogelsbergs Weiße Ringe leiten uns in westlicher Richtung einen Fußpfad aufwärts zum Falltorhaus und hierauf auf der Kreisstraße nach dem idyllisch im Horlofftale gelegenen gastlichen Forsthaus Jägerhaus. Hinter dem Anwesen stehen noch die Ueberrefte einer Kirche des vor Jahrhun­derten untergegangenen Dorfes Ruthardshaufen. Nunmehr folgen wir blauen Ringen, ein reizendes Tälchen entlang, dann ein kurzes Stück durch schö­nen Hochwald. Bei der Straße BetzenrodAlten­hain überrascht uns ein herrlicher Ausblick auf den tief im Grunde des Seentales gelegenen Dberfeener- hof, umgeben von steilen bewaldeten Anhöhen, alle überragt von der Alten Höhe (537 Meter). Auf un­serem weiteren Weg bietet sich nochmals ein präch­tiger Rückblick bis zu den Bergen des Lahntals, selbst der Dünsberg ist deutlich sichtbar. Durch viel Wald gelangen wir jetzt zum Forsthaus Peters­hainer Hof, wo Erfrischungen zu haben sind. Hier verlassen wir unser seitheriges Zeichen und gehen weißen Dreiecken nach durch Wald und Feld nach Götzen, wo wir die Staatsstraße erreichen und auf dieser, immer hübsche Blicke in das Niddatal ge­nießend, nach unserem Ausgangspunkt Schotten zu­rückkehren. Dauer der Wanderung 5 Stunden.

GießenLindener MarkRindsmühleGießen.

Diese lohnende Wanderung, die höchstens drei Stunden beansprucht, beginnen wir an der Universi­täts-Bibliothek und folgen der vom VHC. Gießen vor einigen Jahren angelegtne roten T-Markierung. Sie führt uns den Erdkauterweg entlang am Gail- schen Tonwerk vorbei zum Wald und in diesem auf schönen Wegen zur Theodorsruhe, wo das Zeichen endigt. Hier erfreuen wir uns an dem prächtigen Schiffenbergblick, den wir von der Schutzhütte haben. Wir gehen nun mit gelben Punkten, die später nach links führen, bis zur nächsten Schneise, wo eine Tafel nach rechts zur Rindsmühle hinweist. Eine lange Waldschneise führt uns bis nahezu an das Anwesen, das wir beim Verlassen des Waldes liegen sehen. Auf der Rindsmühle ist gute Einkehr. Der weitere Weg geht über die Leihgesterner Straße und jenseits am Waldrand entlang bis zum Bahn­körper. Längs Der Bahn wandern wir auf hüb­schen Pfaden heimwärts, halten uns am Ende des Waldes rechts und kommen später über den Wart­weg wieder zur Stadt.

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Lymphe, 1. die aus den Gewe­ben nach Austausch der Stoffe abfließende Gewebsflüssigkeit (also außer dem Blut noch eine Körperflüssigkeit), die für unfern Körperhaushalt große Bedeutung hat. Sie füllt als schwach-gelbliche Flüssigkeit alle Lücken und Spalten zwischen den Bellen sämtlicher Körpergewebe. Von den Spalten gelangt sie in eigene Lymphgefäße, die auch in unseren Armen und Beinen sind u. durch deren Bewegungen zum Herzen hingetrieben werden. Auch in der Bauchhöhle ist ein starker Stamm des Lymphaefäß- spstems, der die verflüssigten Nahrungsstoffe aus dem Darm dem Blut zuleitet; 2. Impfstoffe, im bes. Sinne die den Impfftoff enthaltende Flüssigkeit der Kuh- pockenpusteln.

Lnloform, Desinfektionsmittel, Lösung von Formaldehyd.

Lysol, giftiges Desinfektionsmit­tel, das Kresol enthält und daher nur sehr vorsichtig in schwachen Losungen verwendet werden darf Lysolvergiftung. Anzeichen: Krämpfe, Atembeschwerden, Er­brechen und andere Z. Sofort warmes Waster mit doppeltkoh­lensaurem Natron geben, stark abführen, viel trinken lasten und Arzt rufen!

Lyzeum, höhere Mädchenschule.

Lupine, Eartenblume, blüht MaiJuni blau, weiß, rosa, gelb und in blauweiß gemischten Far­ben. Staude wird leicht aus Sa­men gezogen eignet sich vorzüg­lich als wirkungsvolle Masten- pflanzung für Böschungen und Bahndämme. Ausschneiden der ausgeblühten Blumen bewirkt zweite Blüte im Herbst. Feld­lupinen werden als Futter- und Gründüngungspflanze angebaut. Deutschen Forschungen ist es ge­lungen. eine Lupine ohne Brtter- st-off zu züchten

Lupus (siehe Hauttuberkulofe). Lüster, leichter Baumwollstoff mit eigenartigem Glanz, der zu Herrensommerjacken verarbeitet wird.

Lüster, andere Bezeichnung für Kronleuchter.

Lnt'cher, Eummipfropfen, der K'ndern zur Beruhigung in den Mund gegeben wird aber ent­behrlich ist und vielfach unhygie­nisch behandelt wird. Wird ein Lutscher verwendet so muß er peinlich sauber gehalten werden. Luxus, lat. übermäßiger Auf­wand, der meist die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältniste über­steigt.

Lumphdrüsen find Saftdrüsen, die in die Bahn der Lymphge­fäße eingeschaltet sind und ge- wistermaßen als Filter für die Lymphe dienen.

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Machandelbaum, andere Vezeich- Madeirawein, von der poriugie- nung für Wacholderbeerbaum. sischen Insel Madeira stammen- Made, s. Obstmade. der Südwein, vielfach auch Mus-

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