Samstag, 10. Zull 1037
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien)
Nr. 158 viertes Blatt
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Die EHW.-Schweine im Heibertshäuser Hof gedeihen prächtig.
Fünf Kameraden im Gießener Ernährungs-Hilfswerk.
Im Sammelwerk unterwegs.— (Aufn. [4|: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Kinder bringen gern die Abfälle an die Tür.
die
(Nachdruck verboten.)
42 Fortietzung.
Aber sonst war die Wiederherstellung jenes Schützen- grabenmorgens von Pinsk ziemlich gelungen. Ein nebeloerhangenes Vorgelände war da, vier feldgraue Männer und ein mäßiger Abklatsch des Kosakenmädchens Donka. Der Schlachtenlärm war vorbereitet und würde hoffentlich klappen. Sehr förderlich war dem Ganzen das unsichere, eben erst aufkommende Licht, das Personen und Gegenstände erkennen ließ, ohne sie überdeutlich zu machen.
„Paßt schon", urteilte Kern und blies die flackernde Nachttischkerze aus, die nicht mehr vonnöten war.
„Meinst?" fragte Fogg zweifelnd. Er stak in seiner vom Speicher geholten mottenzernagten Reiteruniform, Stahlhelm auf, Gasmaske um.
„Leut', mir ist so gspaßig zumute", lächelte der Gsodmair und griff sich in die Halsbinde. Dann schnupfte er rasch und aufgeregt.
Fogg fand allerlei zu bekritteln und mehr als einen Regiemangel an seinem Werk.
Die viel zu kurze und wegen des Bauches vorn klaffende Hose des Kern bot einen höchst unmilitärischen Anblick. Daß Fenzl eine Zivilhose zum Waffenrock trug, mochte noch hingehen. Daß der Gsodmair an Equipierung aber nur einen zu engen Jnfanteriemantel hatte auftreiben können, war stilwidrig. Auch das, was Donka Stransky vorstellen sollte, bereitete ihm Sorge. Denn die Anna bedurfte der allergrößten Phantasie und Nachsicht. Ihre Beine schlotterten in Kanonenstiefeln, die sich nach oben in jene eng anliegende Seemannshose fortsetzten. Die Stelle des verschnürten Waffenrockes vertrat ein in aller Eile umgefärbter Pullover, und statt der hohen Kosakenmütze hatte sie die Krimmerpudelhaube von Kerns Vater auf.
Kritisch betrachtet, sah dies alles mehr nach Fast- nacht als nach Schützengraben aus, aber man mußte halt den guten Willen für das Werk neh- men und sich denken, der Ameiser werde es schon nicht merken. Sie alle empfanden ähnlich wie der Bürgermeister, aber nur er hatte diesem Gefühl ein Tor gelassen.
„Wir fangen jetzt an, Manner; es wird langsam Zeit" flüsterte Fogg und trat ans Fußende von Amei'sers Bett. „Geht an euren Platz, und dann gibst deinen Buben draußen das Zeichen, Fenzl. Und du, Anna, hast nichts zu tun als das Maschinengewehr zu bedienen und dich ans Fenster zu stellen. Los jetztl"
Martl zu erforschen. Aber so viel Verstellung gab's denn dann doch nicht. Der Bursche sah besorgt und
Die Wagen des Ernährungshllfswerkes der NSV. sind im Gießener Stadtbild bereits zu einer vertrauten Erscheinung geworden. Und die Hausfrauen haben auch schon das richtige Ohr für das aufrufende Klingelzeichen, jene rasch verständliche Aufforderung, Kuchen-Abfälle an die Haustür zu bringen. Ja, es ist schon so, daß sie dieses Glockenzeichen häufig genug geradezu erwarten, um die Gemüseabfälle, die Kartoffelschalen usw. aus dem Hause
sein gedämpft, und dann können in täglich zwei großen Mahlzeiten die Schweine darüber herfallen. Hundert Schweine fallen denn auch darüber her, werden dick und fett dabei. Und darauf kommt es an! Das ist der ein-
und nehmen die Schüssel oder den Eimer gleich wieder mit.
Die Frage liegt nahe: Wieviel Zentner Abfälle werden wohl täglich gesammelt? Antwort: rund 30 Zentner! In der Zeit vom 19. Mai (dem Tag, da mit der Sammlung überhaupt begonnen wurdet bis zum 26. Juni (dem Tag der jüngsten Erhebung des Aufkommens) wurden insgesamt 52 000 Kilogramm Küchenabfälle gesammelt. Eine ganz respektable Menge, die bisher in den Mülleimer zu wandern pflegte und völlig unausgenutzt blieb! Die bisher gesammelten Mengen wurden nun verfüttert und auf einem recht natürlichen Wege in Fleisch und Fett umgesetzt, da sie ja einer systematisch betriebenen Schweinemast dienstbar gemacht werden. Die großen volkswirtschaftlichen Vorteile liegen auf der Hand! Diese Abfallverwertung stellt, das wird sich mehr und mehr beweisen, einen wichtigen Beitrag für unsere Volksernährung dar! Hier also dient jede Hausfrau einer hochwichtigen Sache, welche die kleine Mühe der Sammlung der Ge- müseabfäll" rechtfertigt. Auch die kleine Mühe der Unterscheidung von „brauchbar" und „unbrauch-
zirk. Auf einer solchen Tagesfahrt werden durchschnittlich je 40 Straßen (ohne Nebenstraßen) passiert. Um 7.30 Uhr geht es los, und bei einer Mittagspause von einer Stunde wird bis 17 Uhr gearbeitet. Gemächlich fahren die Wagen durch die Straßen, gemächlich müssen sie fahren, damit den Hausfrauen genügend Zeit bleibt, ihre Gefäße mit den Abfällen vor die Tür zu stellen oder an den Wagen zu bringen. Aufmerksamen Auges sehen sich natürlich die Sammler nach den (sehr verschiedenartigen) Behältnissen um, und sie haben es auch längst spitz, wo die Frauen die Abfälle bereitzustellen pflegen. Oft kommen natürlich auch Kinder damit gesprungen
treuherzig drein. . , ,r ,
„Dann hat mich Ihr Vater eben ein bißchen
verkohlt; er hat das hingestellt, als ob der Pfarrer bloß noch Amen zu sagen bräuchte. Na, dann werden wir uns halt wieder vertragen", sagte die
sassung der Kuchenabfälle m unserer Stadt zu werfen. Das Stadtgebiet ist für diesen Zweck in zwei Bezirke geteilt. Mit zwei Wagen wird das ganze Sammelwerk bestritten. Jedem Wagen ist also em Bezirk zugeteilt. Zu jedem Wagen gehören drei Sammler und em Kutscher. Die Sammler haben sich ihren Bezirk wiederum geteilt, sie fahren die eine Hälfte heute ab die andere morgen. So kommen sie im Laufe einer Woche dreimal durch ihren ganzen De-
Kotzdonner, dieser Ameiser, dieser gute Bursche, machte ihm ehrliche Sorge. Lag teilnahmslos im Bett, aß nichts, rührte sich nicht und dämmerte nut halboffenen Augen einfach vor sich bin. Wenn das nur gut ging. Der Prozeß auf der Lunge war fast abgeklungen, Fieber keines mehr, komischer Fall. Es machte den Eindruck, als hätten sich Geist und Seele auf die Wanderschaft begeben und strolchten in einem Zwischenreich herum, das nicht mehr diesseits und noch nicht jenseits war; als hätten sie es satt, sich mit all diesem Erdenkram herumzubalgen, mit keifenden Ehefrauen, mit Entzündungen und anderen Geschichten.
Wenn ich nur einen Schimmer hatte, was man da noch unternehmen kann? seufzte Fogg bekümmert. Habe doch schon alles versucht, Hautreize, Einspritzungen, belebende Mittel. Irgend etwas Starkes müßte es sein, meinetwegen eine Roßkur, die ihn aufrüttelt und um die Ecke reiht. Und zugleich ein Stimulans, das ihn seelisch in die Zange nimmt und nicht mehr losläßt.
Fogg schob, wie es seine Art war, Hande in Den Taschen, umwölkt und mißvergnügt durchs Zimmer. Tür, Fenster, Fenster, Tür, viele Male. Plötzlich geriet, weiß Gott durch welche Ideenverbindung, jener indianische Medizinmann in seine Gedankenbahn, der drüben mit allerlei Mumpitz einen Knaben wieder flottgemacht hatte, der in einen totenschlas- ähnlichen Zustand gefallen war. Wenn man Aehn- liches, abgewandelt und mutatis mutandis selbstverständlich, bei Ameiser versuchen würde? Wissenschaftlich war das Verfahren ja nicht gerade, möglicherweise auch nicht ganz gefahrlos, und medizinische Kanonen würden todsicher den Kopf schütteln. Aber helfe, was helfen mag, und besser als nichts, besser als dieses ratlose Zuwarten war es vielleicht doch.
Nach langer Ueberlegung kam er mit sich >ns reine. Wohlan, er wird es wagen! Es gab kern
anderes oder besseres Mittel. Zuvor aber mird er seinen Plan mit dem ganzen „Beritt durchbesprechen. Auch die Anna, der eine wichtige Rolle zufiel, mußte eingeweiht werden.
„Also, Jost, ich bin so weit; komme gut ohne mich aus, und wenn du mich brauchst, schickst du ganz einfach", sagte das Mädchen, durch den Turspalt hereinlugend. Anna trug ein Körbchen am Arm und sah appetitlich aus wie stets.
„Ja, ja", erwiderte Fogg gedankenversunken, und nahm seinen Marsch durchs Zimmer wieder auf. Es war eine hervorragende Tugend des anderen Geschlechts, immer im falschen Augenblick herem- zuplatzen. , ,
Um nach dem Postbotenhäuschen zu gelangen, mußte Anna durch das ganze, langgestreckte Dorf und noch ein gutes Stück drüber hinaus. Vor dem Kaufladen der Oberhimmer stieß ste auf den Martl, der sich eine Peitschenschnur gekauft hatte.
„Gruß Gott, Fräulein Anna! Auch em wenig iPa,Iad)"? sagte die Anna kurz und schnellte ihre etwas zu klein geratene Nase nach oben was Ab- wehr und Hochmut ausdrucken sollte. Sie schritt einfach an dem Marti vorbei und lieh ihn stehen. Aber der ließ sich nicht so nur nichts, dir nichts °b- speisen und stieg ihr mit seinen angen Bemen nach^ hoppla, warum so pressant? hab ich Ihnen was getan? haben Sie leicht etwas gegen mich? fragte er erstaunt und konnte sich das Gebaren der ^Mese" «widerte^,pitzig: „Wenn ich Ihnen raten dars Herr Gsodmair, sind Sie vorsichtig unb geben Ei, sich nicht so viel mit anderen >ungen Mädchen ab mit mit zum Beispiel. Ihre Braut konnte das verflucht übelnehrnen."
Welche Braut?" .
'Die Moosrainer-Theres, natürlich. Die mit den 9000 Markeln, die Stattliche, Große, Saubere , er- iOjffiie kommen S' denn auf die? Das ist doch Blech, mit Verlaub. Der will ich doch gar nichts. Ay jetzt weiß ich, woher der Wind weht. Mein Vater hat Ihnen diesen Floh ins Ohr gesetzt Erst heut früh haben wir deswegen wieder einen Krach mitsammen gehabt. Er will durchaus, daß 'ch d.e Theres nimm, und ich mag nicht.
Die Anna hob flink den Kopf, um die Miene des
bar" lohnt! Die Hausfrau braucht sich nur die Frage vorzulegens „Kann ich einem Schwein zumuten, dieses und jenes zu fressen? Zur Ehre unserer Gießener Hausfrauen sei es gesagt, daß die Entscheidung über aut und böse richtig getroffen wird.
Täglich zweimal leeren die Sammler ihre Wagen: mittags und abends! Die Abfälle werden zunächst in eine Scheune an der Rodheirner Straße gebracht und dann, sobald die genügende Menge vorhanden ist, mit einem Lastkraftwagen zum Hofgut Heibertshausen bei Daubringen gefahren. Dort wird in großen Kes-
zige und tiefe Sinn der Sache!
Eine Million Schweine soll, so will es die Reichsleitung der NSV., im ganzen Reiche auf die geschilderte Weise gemästet werden. Für unsere Ernährungslage bedeutet dieses Vorhaben fast em „Ei des Columbus". Zum mindesten aber einen ganz gehörigen und wertvollen Beitrag.
Die Wagen, in denen die Abfälle in unserer Stadt gesammelt werden, dürften den Gießenern trotz ihres fast neuen Aussehens gute alte Bekannte sein. In ihnen wurde früher der Müll gesammelt. Sie wurden lediglich überholt und neu eingestrichen. Die Stadt stellte sie der guten Sache zur Verfügung. Die Sammler wurden mit zweckmäßiger Kleidung, dem Lageranzug der NSV., ausgerüstet Sie haben in der Zeit ihrer bisherigen Tätigkeit schon manche Erfahrung gesammelt. Die Sammler wissen, daß da, wo Kaninchen oder gar Ziegen im Hose bzw. im Stalle stehen, wenig zu holen ist — auch in den unmittelbar benachbarten Häusern nicht. Das liegt in der Natur der Sache. In der inneren Stadt gibt es dafür um fo mehr zusammenzutragen. Trotzdem gegenwärtig der Anfall an Kartoffelschalen gering ist, zeigt das Aufkommen doch eme st e t i g e Steigerung. Ein sicheres Zeichen dafür, daß der Sinn der Sache verstanden wird.
Ein Besuch im Hofgut Heibertshausen läßt einen weiteren tiefen Einblick in die Aktion des Ernah- runqshilfswerkes gewinnen. 100 Schweine find dort in vorbildlichen Boxen für das EHW. untergebracht. Sie kamen vor einigen Wochen dort an, und zwar aus oldenburgischen, schleswig-holsteinischen und aus
hannoverschen Zuchten. Sie kamen im Gewicht von 40 bis 60 Kilogramm an, also so, daß sie sofort zur Mast ausgestellt werden konnten. Der bisher erzielte Erfolg ist bereits offensichtlich. In wenigen Wochen hat eine Anzahl Tiere schon bis zu einem Gewicht von 90 Kilogramm zugenommen. Die Mast wird als S ch n e l l m a st durchgeführt und soll in vier Monaten, also zu Anfang Oktober, abgeschlossen sein. Man hofft, bis dahin die Tiere auf ein Gewicht bis zu 140 Kilogramm zu bringen. Für die Schnellmast wird in erster Linie der Küchenabsall verwandt, unter geringem Zusatz von Kraftfutter. Die Molkerei Grieb (Gießen) liefert außerdem kostenlos tag» lich viele Liter der stärkehaltigen Molke. Die Schweine, die in den Boxen des Heibertshäuser Hofes für das EHW. zu Gast find, gehören der Raffe nach dem „Deutschen Edelschwein" und dem „Veredelten Landschwein" an. Selbstverständlich stehen die Tiere unter ständiger tierärztlicher Kontrolle, die ehrenamtlich Dr.Buding übernommen hat.
Die Unterbringung der Tiere im Heibertshäuser Hof stellt übrigens eine vorläufige Lösung dar. Die Schweine werden Anfang Oktober ihren Boxen verlassen, um ihrer Bestimmung entgegengeführt zu werden. Für die zweite Mastreihe ist an eine anderweitige Unterbringung gedacht, da ja auch die Ställe im Heibertshäuser Hof wieder dem gutseigenen Betrieb dienen sollen. Es ist nämlich beabsichtigt, unweit unserer Stadt, am unteren Hardthof, eine große Stallanlage zu schaffen. Diese neuen Stallungen sollen zum 1. Oktober belegfertig sein und insgesamt 180—200 Tiere aufnehmen können. Die Ernährung ist schon jetzt für 150 Schweine so gut wie sichergestellt.
Mit der Errichtung einer größeren Stallanlage bei Gießen werden natürlich mancherlei Vorteile, insbesondere hinsichtlich des Abfalltransportes, verbunden sein. Für die Zukunft ist ferner vorgesehen, in der Abfallsammlung eine Vereinheitlichung vor- zunehmen insofern, als zu einem tragbaren Preis einheitliche Holzeimer ausgegeben werden, die in Haus oder Hof zur Aufstellung gelangen und allen Hausbewohnern zur Unterbringung der jur die Schweinefütterung verwertbaren Küchenabfälle zugänglich fein sollen. Diese Lösung wird der Sache von der ästhetischen Seite her dienen, so daß also die Haus- ober Hofeingänge nicht mehr durch die verschiedenartigsten Gefäße verunziert werden.
*
Insgesamt läßt sich sagen, daß das Ernährungs- Hilfswerk in unserer Stadt marschiert — Dank der Mithilfe der Gießener Hausfrauen; dank aber auch des Einsatzes derer, die an der Sache unmittelbar mitzuarbeiten berufen sind. .
Am 15. Juli werden die 100 Schweine im Heibertshäuser Hof einer genauen Gewichtsübervrü- fung unterworfen. Der Erfolg der bisherigen Arbeit wird dann in klaren, unmißverständlichen Zahlen auszudrücken sein. Und das Ergebnis soll dann auch jeder Hausfrau (soweit sie bisher dem EHW. abseits stand) Anlaß und Ansporn sein, ebenfalls mitzuhelfen an einer großen Ausgabe, die eine Sache unserer ganzen Volksgemeinschaft ist!
Anna versöhnt. n
„Bloß vertragen, Fräulein Anna? Das ist nur schier ein bissel zuwenig", grinste der Marti.
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„Ich krieg' den Vater schon noch herum.
, Und überhaupt, hören Sie, was soll ich auf so einem Hof? Den ganzen Tag Mist breiten und Kartoffeln hauen mag ich fein nicht", wendete sie trotzig ein. , .
Der Vater, das ist einer! Hat er Ihnen das auch weisgemacht? Dafür haben wir doch das Gesinde, und ich werde doch nicht zugeben, daß meine Frau lauter Dreckarbeit tut", sagte der Marti entrüstet Warum bleiben Sie denn stehen? Sie müssen wohl zum Ameiser? Ach so. Also wie haben wir's dann miteinander, Annerl?" fragte er kühn.
„Wenn Sie Ihren Vater so weit haben, können Sie ja mal wieder nachfragen", lachte die Anna und huschte durch das Türchen in den Ameiser- Garten . .,, .
Der Marti stieß ein Juchzer aus und schleuderte sein Hüt! in die Höhe. *
Im Morgengrauen des nächsten Tages begaben sich im Arneiser-Häuschen seltsame Dinge.
In der Schlafkammer des Postboten, die nach rückwärts und zu ebener Erde lag, machten sich fünf uniformierte Gestalten zu schassen indem sie den Kleiderkasten verrückten, die Fensterflügel aus- hänqten und das Bett mitsamt dem Pattenten so stellten, daß des Kranken erster Blick beim Erwachen durch die Fensteröffnung ins Freie fiel. Bor dem Fenster lag eine gegen den Weißelbach zu sanft abfallende Wiese, über der dichter Frühnebel hing. Da und dort ragte em Weidenstrunk ober der dunkle Ast eines Obstbaumes aus dem ziehenden verwölkten Dunst. Da auch die Vorhänge, die Bilder und die Blumenstöcke aus der Kammer entfernt waren, blieb lediglich ein Stuck hellgrau getünchter Mauer rechts und links vom Fenster- durchbruch übrig, das illusionsstörend wirken konnte.
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Vornan von Walther Kloepffer
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.
zu bekommen. Lebhaftes Bedauern bann, wenn bas Klingelzeichen überhört wirb! Notfalls kommt es den Frauen auf einige rasche Schritte nicht an, um den Wagen einzuholen, der vielleicht gerade um die nächste Ecke biegt. Jede rechte Hausfrau ist sich dessen bewußt, daß man Küchenabfälle kaum auf eine schönere, sinnvollere und zweckmäßigere Art aus dem Hause bekommen kann. Zudem kann man sich noch von dem Bewußtsein tragen lassen, ohne sonderlichen Aufwand und ohne Unkosten ein gutes Werk zu tun! Nur etwas guter Wille ist nötig! Unsere Gießener Hausfrauen haben bisher schon bewiesen, daß es ihnen daran nicht mangelt. Dank ihrer Unterstützung läßt sich behaupten, daß das Ernährungshilfswerk schon ein Erfolg geworden ist und ein noch größerer zu^werden verspricht.
Das EHW. hat sich in seiner organisatorischen Durchführung infolge des tatkräftigen Einsatzes des Beauftragten für das Ernährungs-Hilfswerk (mit dem für unsere Stadt die Kreiswaltung Wetterau der NSV. betraut ist) rasch und gut entwickelt. Es lohnt sich, einen Blick auf die Systematik der Er-


