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Prof. Dr. phfl. Walter Georgll, Darmstadt: Dr.-Jng. Hansen, Berlin-Adlershof; Dr.-Jng. Lürenbaum, Berlin-Adlershof: Prof. Dr.-Jng. Schmidt, Braunschweig: Professor Dr. phil. Schmidt, Berlin-Adlershof: Dr.-Jng. Seydel, Berlin-Adlershof. Zu außerordentlichen Professoren wurden ernannt: Dr.-Jng. Freiherr von Han­del, Berlin-Adlershof: Prof. Dr. phil. Stuch - ten, Berlin: Dr.-Jng. Te i chmann, Berlin- Adlershof.

Eine Erklärung Rosenbergs zur Freiheit der Naturwissenschaftlichen Forschung.

Berlin, 8. Dez. (DNB.) Aus gegebenem An­laß gibt der Beauftragte des Führers für die ge- famte geistige und weltanschauliche Erziehung und Schulung der NSDAP., Reichsleiter Rosen­berg folgende parteiamtliche Stellung­nahme bekannt:

Verschiedene Probleme der Kosmophysik, der ex­perimentellen Chemie und der vorzeitlichen Erd­kunde wurden in letzter Zeit durch eine größere Anzahl von Veröffentlichungen in den Vordergrund des Interesses gerückt. Vom nationalsozialistischen Standpunkt aus stellen die behandelten Fragen na­turwissenschaftliche Probleme dar, deren ernste Prü­fung und wissenschaftliche Untersuchung jedem Forscher frei steht. Die NSDAP, kann eine weltanschauliche dogmatische Haltung zu diesen Fragen nickt einnehmen; daher darf k e i n P a r - tei genösse gezwungen werden, eine Stel­lungnahme zu diesen Problemen der experimen­tellen und theoretischen Naturwissenschaft als parteiamtlich anerkennen zu müssen. In der Schulung der gesamten Bewegung, soweit -diese Themen überhaupt behandelt werden, ist diese Hal­tung mit allem Nachdruck zu berücksichtigen.

Der Philosoph Ludwig klages 65 Jahre alt.

Ludwig K l a a e s , der bedeutende deutsche Philo­soph und Graphologe, vollendet am 10. Dezember sein 6 5. Lebensjahr. Klages, 1872 in Hannover geboren, studierte zunächst Naturwissenschaften. All­mählich wandte er sich der Philosophie und der Psy­chologie zu. Seine Arbeiten auf dem Gebiete der Psychologie führten ihn zum Studium der Aus­druckskunde und auf das Gebiet der Grapholoaie, als deren erster Vertreter er gilt. Das deutsche Geistesleben verdankt Klages vor allem eine durch­greifende Revolutionierung des Denkens. Erbitterter Gegner des blutleeren Formalismus hat Klages der Philosophie durch eine neue Besinnung auf die Le- bonswerte Blut, Seele, Volkstum und Gemeinsinn die Bahn zu einem neuen deutschen Denken ge­öffnet. Einst von dem jüdischen Literatentum er­bittert befehdet, wurde er kurz nach der national- sozialistischen Erhebung vom Kultusministerium zu Gastvorlesungen an die Berliner Universität be­rufen. Ausgedehnte Vortragsreisen führten ihn in fast alle europäischen Länder, wo er als Vertreter des neuen deutschen Geisteslebens gefeiert wurde.

Deutscher Opernabend in Antwerpen.

Ein festlicher Opernabend, aufs sorgfältigste vor­bereitet durch den Intendanten Mutzenbecher in Zusammenarbeit mit dem Generalintendanten Spring des Opernhauses Köln, wurde dem musikalischen Antwerpen geboten. Aus Anlaß eines Jubiläums der dortigen Gesellschaft zur Förderung der flämischen Oper wurde Siegfried Wagners OperS ch w a r z s ch w a n e n r e i ch" in der Kö­niglich-flämischen Oper aufgeführt. Die Leitung lag in den Händen Karl Elmendorf fs. Die Mit­wirkenden stellte das Opernhaus Köln und das Nationaltheater Mannheim. Das Werk, seine szenische Ausstattung und die Leistung der Aus- führenden wurde mit starkem Beifall ausgezeichnet. Das Haus war von einem festlichen Publikum gefüllt. Königin-Mutter Elisabeth hatte sich vertre­ten lassen. Erschienen waren der Bürgermeister Huysmans, der Minister Wau ter s, der Gouverneur der Provinz, Baron Holvoet, und von deutscher Seite der Gesandte Freiherr von R i ch t h o f e n , Landesgruppenleiter Schulze. Ge­sandtschaftsrat Dr. von Bargen und Vizekonsul Dr. H o r t h. Frau Winifred Wagner, die durch Erkrankung ihres Sohnes am Erscheinen verhindert war, hatte ein Telegramm gesandt, das mit Bei­fall ausgenommen wurde.

400-3af)rfeier

der portugiesischen Universität Coimbra.

In der Aula der portugiesischen Landesuniversi­tät fand die feierliche Begrüßung der ausländischen und portugiesischen Abordnungen statt, die zur 4 00-Jahr-Feier der Universität ein» getroffen waren. Der portugiesische Staatspräsident Carmona hatte in letzter Minute absagen müs­sen Er ließ sich durch den Landtagspräsidenten Dr. Reis vertreten. Das Diplomatische Korps, dar­unter der Vertreter Deutschlands, Gesandter Baron von Hoyningen-Hüne, trafen in Coimbra ein. Im Festsaal der Universität ging der Ju­biläums-Festakt vor sich. Nach der Festansprache des Rektors und einem Vortrage über die geschicht­liche Bedeutung der ältesten portugiesischen Bil­dungsstätte hielt als Vertreter der deutschen Uni­versitäten Professor L a u t e n s a ch (Greifswald) eine Ansprache. Er führte dabei u. a. aus, daß die Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und der Universität Coimbra uralt seien. Schon Damiao de Gois habe Deutschland als Vertreter Portugals im 16. Jahrhundert besucht, und seither seien dauernde fruchtbare Kulturbeziehungen zwischen den beiden Ländern vorhanden. Das ganze deutsche Volk- er» kenne bewundernd Portugals nationalen und kul­turellen Wiederaufstieg an und wünsche, daß der Besuch deutscher Professoren ditz kulturellen Bande zwischen beiden Völkern noch weiter festigen möge. Professor L <r u t e n s a ch schloß mit einem Hoch auf Portugal, das mit einem begeisterten Hoch auf Deutschland erwidert wurde. Anschließend spra­chen die Vertreter der übrigen Länderdelegationen. Zum Schluß ergriff der portugiesische Erziehungs- Minister P a ch e c o das Wort, der die Aufgabe der akademischen Jugend im Staate umriß und'den Zusammenhang zwischen Volksgemeinschaft, Staat und Wissenschaft herausstellte.

Reue pflanzen auf unserem Boden.

ZdR. Wer im letzten Sommer das deutsche Land durchwanderte, wird auffällige Veränderungen im Aussehen der deutschen Fluren bemerkt haben. Durch die Erzeugungsschlacht sind auf unseren Fel­dern nicht nur Raps und Rübsen, Flachs und Hanf, die in Deutschland zwar seit Jahr­hunderten bekannt, aber fast in Vergessenheit ge­raten waren, wieder in stattlichem Maße in Er­scheinung getreten. Darüber hinaus haben sich auch zwei völlig neue Pflanzen, der Körnermais und die Süßlupine, in den letzten Jahren durchgesetzt. Der Körnermais war noch 1933 in Deutschland, wenn man von Baden absieht, so gut wie unbekannt. Die Gesamtanbaufläche von Kör­nermais betrug im Jahre 1933 nur etwa 2500 Hek­tar. 1936 wurde dagegen bereits eine Anbaufläche von 19 300 Hektar und 1937 sogar eine solche von 38 300 Hektar erreicht. Allein im letzten Jahr hat sich also der Körnermaisanbau nahezu verdoppelt.

Diese Entwicklung ist volkswirtschaftlich durchaus zu begrüßen und vom Reichsnährstand bewußt ge­fördert worden, denn der Körnermais bringt auf leichten Böden im allgemeinen doppelt so hohe Er­träge wie Roggen und Hafer, nämlich 20 bis 28 Zentner je V« Hektar. Diese Erträge können natur­gemäß nur dann erzielt werden, wenn das für die deutschen Verhältnisse geeignete und von den deut­schen Pflanzenzüchtern in den letzten Jahren ent­wickelte Saatgut verwendet wird. Ausländischer Mais ist für den Körnermaisbau in Deutschland nicht geeignet. Im übrigen hat sich der Körnermais­anbau vor allem in Ostdeutschland in den letzten Jahren überaus schnell entwickelt. Neben dem Kör­nermaisanbau Hut auch der Anbau von Muis zur

Grünfutter- und Silagegewinnung von Jahr zu Jahr zugenommen. Während 1933 zu diesem Zweck 41 230 Hektar mit Mais bestellt wurden, waren es im Jahre 1937: 67 396 Hektar. Die Gesamt-Mais- anbaufläche belief sich in Deutschland im Jahre 1937 demnach auf rund 105 000 Hektar.

Die andere Pflanze, die neben dem Körnermais­anbau in den letzten Jahren in ungewöhnlichem Maße ihren Einzug in die deutsche Landwirtschaft gehalten hat, ist die Süßlupine. Im Jahre 1937 wurden in Deutschland an Süßlupinen bereits 47 664 Hektar zur Körner- und Grünfuttergewin­nung angebaut. Im vergangenen Jahr waren es 25 000 Hektar. Die Anbaufläche hat sich also auch hier in einem Jahr nahezu verdoppelt. Der Süß- lupinen-Anbau ist heute schon fast ebenso groß wie der Anbau von Bitterlupine zur Körnergewinnung, der von Jahr zu Jahr mehr zurückgeht. Das ist wirklich eine stürmische Entwicklung, wenn man sich daran erinnert, daß dje Süßlupine vor wenigen Jahren in Deutschland noch völlig unbekannt war und damals erst von Professor Baur (Münche­berg) aus der Bitterlupine entwickelt wurde. Auch diese Pflanze ist insbesondere für die leichten und mittleren Böden Deutschlands, und zwar als Ei­weißfutterpflanze von besonderem Wert. Sie wird vor allem als Silagepflanze für den Osten immer mehr an Bedeutung gewinnen und so eine gesunde Grundlage für den Viehstapel schaffen. Die schnelle Einführung dieser beiden neuen Pflanzen, des Körnermaises und der Süßlupine, ist ein gutes Zeugnis für die Aufgeschlossenheit und Bereitschaft, mit der das deutsche Landvolk an der Erzeugungs- fchlacht mitarbeitet. Dr. C1

Ä

er trinkt das meiste Bier?

Interessante Zahlen einer kleinen GetrSnkegeographie.

Die internationale Verbrauchsstatistik zeigt uns das überraschende Bild, daß der Deutsche mit seinem Bierkonsum keineswegs an der Spitze der Völker steht. Diesen Ehrenplatz nimmt vielmehr der Belgier ein, der annähernd dreimal soviel trinkt wie der Deutsche. Ja, Deutschland steht nicht einmal an zweiter Stelle in der Pierstatistik: kein anderer als der Engländer macht dem Deutschen diesen Platz stteitig, wobei der Bierverbrauch des einzelnen Engländers um ungefähr 20 v. H. größer ist als der Bieroerbrauch des Deutschen. In die Spitzengruppe gehören auch noch der Schweizer mit einem Verbrauch von rund 60 Litern (dock ist diese Zahl infoferp irreführend, als auch der Kon­sum der Fremden dem Schweizer zugeschrieben wird), ferner die Dänen mit über 50 und die Schweden mit über 40 Liter.

Liegen die Franzosen im Rennen um die höchsten Bieroerbrauchsziffern auch weit hinten, fo halten sie im Weinverbrauch jedenfalls weit­aus die Spitze. Die Menge schwankt mit Der Ernte, doch kann man im Durchschnitt einen Verbrauch von 160 Liter je Kopf rechnen, wobei in manchen Jah­ren wesentlich höhere Zahlen erreicht werden. Der Italiener kommt mit seinen 100 Litern bei weitem nicht an den Franzosen heran, übertrifft aber noch knapp den Spanier und Portugie­sen, die im Durchschnitt rund 90 Liter zu sich neh­men. Eine beachtliche Rolle in der Weinstatistik spielen sonst nur noch die Schweizer und Ungarn. Wir Deutsche fallen weit ab.

Die vergleichende Feststellung des Schnaps- verbrauchs ist insofern schwieriger, als nicht überall eine scharfe Scheidung zwischen dem Trink­verbrauch und dem industriellen Konsum gemacht wird. Aber auch das uns zur Verfügung stehende Zahlenmaterial läßt erkennen, daß die Faustregel je östlicher desto mehr" für den Konsum scharfer Getränke nicht unbedingte Gültigkeit hat. Sicherlich wird allein schon aus klimatischen Grün­den im Norden und Osten mehr Schnaps gettunken als im Süden und Westen Europas. Und wenn in

Estland der Schnapskonsum sogar zur Grundlage eines Konjunkturbarometers gemacht worden ist, so bedeutet das nichts anderes, als daß hier die wissen­schaftliche Konsequenz aus der Tatsache gezogen wird, daß der Schnaps ein konjunkturempfindliches Volksgenußmittel ist. Entspricht der große Schnaps­konsum im Osten unserer Vorstellungswelt, so darf man das gleiche nicht vom großen Schnapsverbrauch unseres westlichen Nachbarn, des französischen Vol­kes, behaupten: auf jeden Franzosen entfällt ein Verbrauch von mehr als 2,5 Liter reinen Alko­hols, womit der Franzose in Westeuropa weitaus an der Spitze steht. Auch in Dänemark, Schwe­den und Holland wird mehr Schnaps getrun­ken als bei uns. Noch stärker zurück steht aber trotz seiner Vorliebe für Whisky der Engländer.

Der Verbrauch von Kaffee und Kaffee-Ersatz übertrifft hepte den Verbrauch von Bier und Wein in den meisten Ländern. Unter Zugrundelegung eines Umrechnungsschlüssels vom 1:20 (d. h. 20 Li­ter Flüssigkeit auf ein Kilogramm Kaffee) würden z. B. in Deutschland jährlich 40 Liter Kaffee und einschließlich des Kaffee-Ersatzes zirka 80 Liter je Kopf verbraucht, in Frankreich 80, in Bel­gien 100 und in den nordischen Ländern so­gar 120 bis 140 Liter. Nur in England ist der Kaffeeoerbrauch ganz geringfügig, denn hier ist der Herrschaftsbereich des Tee s. Ein sehr großer Tee­verbraucher ist in Europa neben England auch noch Holland, wo rund 1,50 Kilogramm je Einwoh­ner verbraucht werden, gegen mehr als 4 Kilogramm in England und nur 0,08 Kilogramm bei uns. Gleichzeitig hat Holland auch im Kakao verbrauch mit über 4 Kilogramm eine führende Stellung. Wenn bei uns in Deutschland der Pierverbrauch im Vergleich zur Vorkriegszeit um 40 v. H., der Schnapsoerbrauch um mehr als 50 v. H. gesunken ist, so ist das keine Einzelerscheinung: die gleiche Entwicklung können wir in allen Ländern beobach­ten, wobei der Grad des Rückganges freilich ver­schieden ist.

Ein Riesenauge für das

-ÄV

ettatt.

In Kalifornien entsteht das größte Fernrohr der Erde.

Die berühmte Mount-Wrlson-Sternwarte in Kali­fornien baut zur Zeit das größte Fernrohr derWelt. Die ungeheuren Geldmittel, die für das neueste Wunderwerk der astronomischen Forderung erforderlich sind, wurden von der Rockefeller- Stiftung bereitgestellt. Es handelt sich um das größte Instrument, das bisher gebaut wurde. Gegenüber dem jetzigen Fernrohr, mit dem die ge­nannte Sternwarte schon seit vielen Jahren ar? beitet, das ein Hundertzöller ist, wird das neue ein Zweihundertzöller werden. Da der englische Zoll rund 2,5 Zentimeter beträgt, so ergibt sich ein Durchmesserwert von rund 5 Meter, woraus ein Flächenwert von etwa 20 Quadratmeter folgt. Alle großen Instrumente werden als Spiegelteleskope gebaut, wobei das Herzstück ein gut gerundeter und sorgfältig geschliffener Hohlspiegel ist. Eine Haupt­sorge ist dabei, daß das Material möglichst wenig unter Wärmeschwankungen leidet: denn daraus können sich kleine Verzerrungen der Spiegelober­fläche ergeben, die dem Bild schaden.

Im März 1934 schritt man zum Guß des F ü n f- meterspiegels, der in den Corning-Glas- werken bei Neuyork ftattfanb. Dort wurden 20 Tonnen, also 400 Zentner, Borsilikatglas in feurig flüssigem Zustand in eine große Form gegossen, ein Porgang, Der mehrere Stunden dauerte. Die Guß­form hatte Reihen von Rippen, um an der Rück­seite des Spiegels Maße und Gewicht zu sparen. Leider lösten sich in der Hitze einige Teile der Guß­form ab, wodurch die Symmetrie der Masse gestört wurde. So wartete man die vollständige Abkühlung des Glasblocks gar nicht ab, sondern nahm im

Dezember desselben Jahres einen zweiten Guß vor, der sich als erfolgreich erwiesen hat.

Wohlbehütet wie ein Säugt ng...

Die Abkühlung der großen Glasmasse, die beim Guß eine- Temperatur von etwa 13 00 Grad Celsius hatte, dauerte fast ein ganzes Jahr. Sie mußte ganz langsam und gleichmäßig vor sich gehen, um ein einwandfreies Stück zu ergeben. Mit der größten Vorsicht wurde die Heizung des Raumes reguliert, in dem der kostbare Glasblock lag. Kein Mensch durfte diesen Raum betreten. Durch ein Fenster wurden die Apparate betrachtet, die über den Zustand der Luft Auskunft gaben.

Gegen Ende des Jahres 1935 konnte man den Abkühlungsprozeß als abgeschlossen be­trachten. Vom Technologischen Institut in Pasadena in Kalifornien waren Fachwissenschaftler gekommen, um ihre Gutachten abzugeben. Pei genauer Unter­suchung des aus seiner Zelle befreiten Glasblocks konnte man an einzelnen Stellen feiner Oberfläche Blasen und Risse sehen, die man auf eine Unter­brechung der Heizung zurückführt. Man hofft, daß diese Schäden nur an der Oberfläche haften und beim Schleifen vollständig beseitigt werden können. So wurde das Produkt der Corning-Glaswerke für würdig gehalten, in Pasadena eine weitere Pe- arbeitung zu erfahren, die es zu einem Hohl­spiegel machen sollte. Ein Extrazug der Eisen­bahn führte das wuchtige Wertstück von Neuyork dorthin, vom technischen Personal begleitet. Dem Wagen, der die Masse tragen mußte, hatte man eine besondere Konstruktion gegeben.

Es fft wahrlich keine leichte Aufgabe, vor bfe man das Technologische Institut am Fuße des Mount Wilson gestellt hat. Daß der Schleifprozeß gegen vier Jahre andauern fang, ist für den Laien recht erstaunlich. Man bedenke, daß die Glasfläche zuerst annähernd eben ist. Sie soll aber eine zweck­mäßige Rundung bekommen. Man hielt es für richtig, zuerst die Rundung einer Kugelklappe her­zustellen und diese dann in die gewünschte para­bolische Form überzuführen. Die letztere muß ge­rade wegen des großen Maßstabes mit äußerster Präzision ausgeführt werden, damit der Spiegel ein ganz fehlerfreies Bild liefern kann. Aber auch das auserwählte Borsilikatglas ist der Eigen­schaft aller Materie unterworfen, sich bei der Er­wärmung auszudehnen. Die Reibung beim Schlei­fen erzeugt diese Wärme, die natürlich mit der Arbeitszeit zunimmt. Um also jede Zerrung des Materials zu vermeiden, wird die Arbeit meistens nach einer halben Stunde abgebrochen und am nächsten Tag wieder fortgesetzt. In dieser langen Kunstpavse können die Glasmoleküle sich wieoer beruhigen und ihre Energie ausgleichen, ehe der neue Angriff einsetzt.

Aluminium liefert die Glanzschicht.

Zur Herstellung von Spiegelteleskopen hat man früher eine dünne Silberschicht über die hohe ge­schliffene Glasfläche gelegt. Doch zeigte sich, daß die Glanzschicht infolge der Oxydation des Silbers allmählich matt wurde. So ist man jetzt dazu ge­kommen,.dem Aluminium den Vorzug zu geben. Dies wird auch dadurch gerechtfertigt, daß die Aluminiumschicht in viel höherem Grade ultra­violette Strahlen zurückwirft, die bei der photogra­phischen Aufnahme von Himmelsobjekten eine wich­tige Rolle spielen. Natürlich ist es eine spezielle Aufgabe der Technik, eine recht gleichmäßige Alu­miniumschicht auf die polierte Glasfläche zu brin­gen. In Pasadena wird man sie durch Zerstäubung des Metalls lösen, das ein elektrischer Strom über die Glühtemperatur hinaus erhitzt. Ein absolut luft­dichter Raum, aus dem die Luft bis zum Hoch­vakuum ausgepumpt wird, muß den Riesenspiegel umgeben, damit der heiße Aluminiumstaub auf der abgekühlten Unterlage eine Glanzschicht von der er­wünschten Vollkommenheit erzeugt. Man hofft, daß diese Schicht einen hohen Grad von Haltbarkeit besitzen wird, der eine später notwendige Reini­gung mit Wasser und Seife verträgt.

Nach etwa zwei Jahren wird Der Fünfmeter- fpiegel ganz fertiggestellt fein. Dann muß er in eine Montierung hineingebaut werden, die natür­lich auch außerordentliche Dimensionen besitzt. Schon lange haben Konstruktionsingenieure die Pläne dazu gezeichnet und die Verteilung der Massen berechnet. Nicht weniger als 500 Tonnen, also 10 000 Zentner, wird das Material wiegen, das für die Montierung gebraucht wird. Stark wie eine Eisenbahnbrücke muß der ganze Aufbau sein, während einzelne Teile den Wundern der Feinmechanik einer Taschenuhr entsprechen. Das Hauptproblem rft aber, daß die schwere Himmels­kanone mit einem Minimum von Kraftaufwand i n jede beliebige Richtung gebracht werden kann. Durch Ausbalancierung aller größeren Massen und durch Oellagerung der Achsen will man er­reichen, daß ein Elektromotor von einer halben Pferdekraft genügt, um das Riesenfernrohr nach Wunsch zu lenken.

Wie weit wird das Riesenauge reichen?

Gegen 250 Millionen Lichtjahre trennen uns von den fernsten Nebelwelten, die den bisherigen Instru­menten erreichbar waren. Wenn das neue Fernrohr alle Hoffnungen erfüllt, wird es den Blick des Men- fdjen nochviermalfo weit tragen. Ungezählte Sternenwelten, die bisher im Dunkel lagen, wer­den uns zur Kenntnis kommen. Die bedeutsame Frage, ob das Weltall sich wirklich ausdehnt und dabei die weit entfernten Spiralnebel in imm£r schnellerem Fluge mit sich führt, kann dann auch wohl zur Entscheidung gebracht werden. Da jedes Teleskop in erster Linie die Strahlen sammelt, die in sein Rohr hineingehen, so ist die Fläche des Hohl­spiegels von einer großen Bedeutung. So vereinigt der Fünfmeterspiegel viermal soviel Licht, wie das bisher größte Instrument der Mount-Wilson-Stern- warte mit einem t)alb so großen Durchmesser. Dieser Umstand wird namentlich für die Photogra­phie von Sternspektren günstig sein. So werden wir noch gründlicher erfahren, welche chemischen Elemente in der Lichthülle der Fixsterne glühen und mit welcher Geschwindigkeit die neuen Sterne ihre Stoffe in den Weltraum schleudern. Auch brauchen wir noch viel Aufklärung über die Natur der seltsamen weißen Zwergsterne. Manche Fragen aus dem Gebiet der Planetenwelt werden neu behandelt werden, wenn das Titanenauge, wie die Amerikaner es nennen, die Planetenscheiben in größerem Ausmaß zeigt. Natürlich werden auch unsere Kenntnisse über den Mond eine Bereiche­rung erfahren, wenn wir kleinere Gebilde auf seiner Oberfläche, die bisher auf der Grenze der Sichtbarkeit lagen, deutlich erkennen können. D. S.

Wetterbericht

des Reichswetterdlenstes. Ausgabeort Jranffurt.

lieber Frankreich hat sich ein kräftiger Sturm- wirbel ausgebildet, der auch in Westdeutschland zu verbreiteten Niederschlägen führt, die im Gebirge als Schnee fallen. Die unbeständige und in den Nie­derungen milde Witterung wird morgen voraus­sichtlich anhalten, die Intensität der Niederschläge aber nachlassen.

Aussichten für Freitag: Bewölkt bis bedeckt, zeitweise Niederschläge, im Gebirge als Schnee, Tagestemperaturen um 5 Grad, Winde um West.

Aussichten für Samstag: Weiterhin un­beständig, voraussichtlich kälter.

Lufttemperaturen am 8. Dezember: mittags 1,9 Grad Celsius, abends 2 Grad; am 9. Dezember: morgens 1,1 Grad. Maximum 2,9 Grad, Minimum heute nacht 0,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. Dezember: abends 1,2 Grad: am 9. De­zember: morgens 1,2 Grad. Niederschläge 1,6 mm.

Das berühmte Winter-Oel!