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Nr. 287 Erstes Matt

187. Jahrgang

Donnerstag, y. Dezember W57

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Die chinesischen Seezölle.

Don unserem ©r. E.Berichterstatter.

Sudeiendeuische Künstler in Berlin.

Konrad Henlein eröffnet in Berlin die erste Gudetendeutsche Kunstausstellung.

Nachdruck verboten!

Hongkong, Ende November 1937

Viel erörtert wird hier die Frage, wie sich die nächste Entwicklung Chinas gestalten mutz, wenn es den Japanern gelingt nach und nach alle Ver­tragshäfen m ihre Gewalt zu bekommen Ja­pan ist nicht mehr weit vSn diesem Ziele entfernt, zumal es heute schon Schanghai und Tien­tsin beherrscht, also die Häfen die f a st d e n ge­samten Ertrag der Seezölle hereinbrin- gen Die Zentralregierung hatte gewiß schon Be­trächtliches geleistet, sie hatte es auch fertigqebracht. für die Verbesserung der Wege viel zu tun, aber sie war noch immer weit davon entfernt über einen regelrechten öffentlichen Staatshaus­halt zu verfügen Noch immer mutzten die See­zölle dazu verwandt werden, die öffentlichen Ausgaben zu decken, wie die Seezölle auch dazu dienten, den Zinsendienst für die Aus­landsverschuldung zu leisten

Die Gesamteinnahme Chinas aus Seezöllen und Abgaben, die ohne Ausnahme in den Seehäfen er­hoben wurden, betrugen 1936 rund 325 000 000 Silberdollars, was gegenüber 1935 eine Zunahme von rund 9 000 000 Dollars bedeutet Auf die eigent­lichen Seezölle entfallen davon 136 000 000 Dollars, wobei a u f Schanghai mehr als zwei Drittel kommen. China hat auch 1936 im Ver­gleich zu 1935 seinen Autzenhandel beträchtlich entwickeln können, was auch zu Beginn 1937 der Fall war, bis dann im Sommer der Rückschlag ein­trat Die amtliche Statistik Chinas gibt den Wert der Einfuhr für 1936 mit 553 000 000 Dollars an. den Wert der Ausfuhr mit 362 000 000 Dollars so datz ein Einfuhrüberschuß oon rund 1 9 2 0 00000 Dollars das Ergebnis war Auch dieser Außenhandel hat sich zum größten Teile über Schanghai abgewickelt das, wenn auch die Seezölle berücksichtigt werden, wirklich als die Herzkammer für den Handel und für die Finanzen Chinas bezeichnet werden mutz

Es ift viel davon die Rede, datz die Seezölle auch den Auslandskredit Chinas aufrechter­halten müssen, schon in Hinsicht darauf, daß aus den Seezöllen auch der Zinsendienst geleistet wird Im Verhältnis zur Größe Chinas ist diese Auslandsschuld nich5 beträchtlich denn sie übersteigt nicht einmal drei Milliarden Dollars, so daß selbst bei der vergleichsweise hohen Zinsrate nur ein ge­ringer Teil der Gesamtzölle für den Zinsendienst in Frage kommt Da aber auf der anderen Seite ein regelrechtes öffentliches Steuer- und Finanz­system nicht besteht, so wird jede Regierung ge­zwungen sein, auf die Seezölle sowie auf die an­deren, m den Häfen erhobenen Abgaben zurückzu­greifen Diese Abgaben bilden überhaupt eine bunte Musterkarte, denn es gibt nicht nur Seezölle schlecht­hin, sondern alle möglichen Ergänzungen und Zu­schläge, die irgendwie mit dem Hafenverkehr zusam­menhängen

Die Geschichte der Seezölle ist nur aus den be­sonderen Verhältnissen Chinas zu erklären, vor allem daraus, daß das Kaiserreich keinen öffentlichen Staatshaushalt kannte Es war üblich, daß, wenn die Kaiserlich Chinesische Regierung in Europa oder in Nordamerika An­leihen suchte oder Kredite aufnahm, in den Prospek­ten den Satz einzufügen, daß die Kaiserlich Chine­sische Regierung kein Budget und keinen Budget­vorschlag veröffentliche Der Ertrag der Seezölle wurde aber schon vor dem Boxeraufstand von 1900 der Kaiserlichen Regierung oder der Verwaltung überlassen, bis zur Abwicklung der sog. Borer- Entschädigung an die an der Niederwerfung der Boxer-Unruhen beteiligten fremden Machte der Rückgriff auf die Seezölle unvermeidlich war Trotz der Revolution von 1911, die den Sturz der Mandschu-Dynastle nach sich zog, also beträchtliche Wirren auslöste, wurde der Dienst der Auslands­schuld insbesondere aber die Leistungen aus der Boxer-Entschädigung unverändert aufrechter­halten

Es war wohl auch die Absicht der Zentralregie­rung, oon dem Seezollsystem aus zu einer Neu­ordnung der öffentlichen Finanzen zu gelangen, ohne die sich ausgiebige Auslandanleihen und Kredite schwer oder gar nicht beschaffen lassen Die europäische Rundreise des Finanzministers der Zentralregierung, Dr H H K u n g des Schwa­gers des Marschalls Tfchiangkaifchek, im Sommer 1937 diente ja auch dazu neue Kredite aufzuneh­men mit dem Hinweis auf die finanztechnische Neuördunq Chinas. Diese war ja schon mit den währungspolitischen Maßnah men be­gonnen worden, die 1935 scheinbar ein Wagnis waren, sich aber verhältnismäßig schnell und ein­fach durchsetzen konnten Die Zentralregierung baute auch darauf, auf eine gute Ernte gestutzt die Aus­fuhr steigern zu können um auf der anderen eeite für die technische und industrielle Entwicklung Ma­schinen und Ausrüstungsmaterial herelnzubekom- men. Der Ausfuhrwert dieser Ernte reicht an eine Milliarde Dollar heran

Diese Entwicklung tst durch die A u s e i n a n d e r- setzung mit Japan sehr gründlich unter­brochen worden Die Frage ist allgemein- was soll aus China werden, wenn die öffentlichen Ein­nahmen. also die Seezölle 'n jeder Form, von den Japanern nicht nur kontrolliert sondern auch jeder­zeit beschlagnahmt werden können Aller- oings haben die japanischen Militärs zunächst zu­gesichert, datz eine erhebliche Aenderung nicht ein»

Unter starker Beteiligung wurde die 1. Sudeten­deutsche Kunstausstellung im Kronprinzen-Palais in 'Berlin eröffnet Unter den Ehrengästen sah man den österreichischen Gesandten Dr -Jng. T a u s ch i tz. als Vertreter des italienischen Botschafters Marchese A n t i n o r i, Vertreter der Gesandten der Tschecho­slowakei, Jugoslawiens und derSchweiz. Reichsleiter B o u h l e r Generalinspektor Dr -Jng. Todt, den Obmann des Deutschen Kulturverban- des Professor Geßner, den Führer des Bundes der deutschen Pfarrer Wehrenpfennia und den Vorsitzenden des Deutschen Turnveroandes Professor Bernhard.

Rach Begrüßungsworten des Reichsbeauftragten für künstlerische Formgebung Professor Hans Schweitzer dankte der Ehrenvorsitzende der Sudetendeutschen Kulturgesellschaft Dr. Dr h. c. Erwin Guido Kolbenheyer allen an dem Zu­standekommen der Ausstellung Beteiligten. Dann sprach der Führer der Sudetendeutschen Partei, Konrad Henlein.

Daß heute in Berlin zum ersten Male eine Ge­samtausstellung unserer völkischen Künstler eröff­net wird, so führte er aus, erfüllt uns Sudeten­deutsche mit besonderer Freude und Genugtuung. Unsere Künstler sind Zeugen einer schöpferischen Bewegung, die das gesamte deutsche Volk bis in seine Tiefen und also auch über alle Grenzen hinweg durchströmt. Sie zeugen für ihre Heimat wie für die innere Einheit unseres deutschen Wesens

Henlein gab dann einen Ueberbltd über die große Kulturleistung des Sudetendeutschtums in der Vergangenheit. Indem das deutsche Volkstum die Sudetenländer durch die Mühsale vieler Ge­schlechter zum Kulturboden gemacht habe, hätten sie sich dort ein ewiges Heimatrecht erworben. Unsere Heimat, die einst reich war ist arm ge­worden, und trotz alledem unsere Künstler wol­len den Beweis liefern, daß uns ein reiches und ein treues Herz geblieben ist. Diese Werke mögen jedem Beschauer sagen: Es ist das gleiche deutsche Herz, das in' uns allen schlägt, der gleiche deutsche Geist, der in uns allen wirkt In den Sudetenländern ist aus gemein­samer Wurzel ein neuer deutscher Kulturwille ent­facht, der aller Welt verkünden will: Diese 3Vs Millionen starke Volksgruppe steht als lebendiges Glied in der Kulturgemeinschaft aller Deutschen in der Welt! In diesem Sinne erklärte Konrad Henlein die 1. Sudetendeutsche Kunstausstellung in Berlin, die auch noch eine Reihe anderer deutscher Städte besuchen wird für eröffnet

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Unser Bild zeigt den Führer der Sudetendeutschen Konrad Henlein (in der Mitte mit der Brille) und den Vorsitzenden der Ausstellungsleitung Professor Hans Schweitzer (in Uniform) in der Ausstellung. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Hodza vertröstet.

Ungerechte Minderheitenpolitik ein Verbrechen.

Prag, 8. Dez (DNB.) Amtlich wird eine Rede veröffentlicht, die der tschechoslowakische Minister Präsident Dr Hodza nn Staatshaushaltsausschuß gehalten hat Der Ministerpräsident ersuchte jene umGeduld" diebesondere Erwartungen an den Regierungsbeschluß zur sudetendeutschen Frage vom 18 Februar 1937 geknüpft hätten, denn diese Erwartungen hätten s i ch ,n i ch t so rasch erfüllen können" Die radikale tsche­chische Anschauung wiederum daß der Regierungs

beschluß für die nationalen tschechischen Interessen schäolich sei, sei unbedingt abzulehnen, weil sich niemand einer gerechten und der ganzen Welt verständlichen Losung des Nationalitätenproblems der Tschechoslowakei widersetzen könne. Wenn deut­scherseits eine raschere Durchführung des genannten Beschlusses verlangt werde, so könne man dem nur zusammen. Dr. Hodza meinte, es seienjedoch seither ernsthafte und wesentliche Fortschritte" gemacht worden Eine ungerechte Minderheitenpolitik in der Tschechoslowakei wäre eine infektiöse Fäulnis, ja ein Verbre­chen gegen die Tschechoslowakei, die fein verant­wortlicher Tscheche oder Slowake jemals begehen würden." Die Regierung werde daher den Weg w e i t e r g e h e n , der am 18.2. ängetreten wurde.

treten soll, aber es steht außer Frage daß, wenn der Widerstand Chinas wächst, Japan nicht zulassen kann und wird, daß die Seezölle irgendwie für neue Auslandkredite und für Rüstungszwecke als Pfand ober Sicherheit dienen Hier zeigt sich auch schon, wie wichtig es ist, daß Japan sich nicht da­mit begnügen kann, irgendwelche Außenbezirke Schanghais oder anderer Dertragshäfen zu besetzen, sondern daß es imstande sein muß, den gesamten Vertragshafen zu überwachen Daran ändert sich auch durch die Konzessionen in Schanghai nichts, denn weder die Internationale Niederlassung, noch das französische Vertragsgebiet sind gegen Zugriffe der japanischen Militärbehörden gefeit Ohne die Beherrschung der Konzessionen kann Japan die Seezollverwaltung gar nicht wirksam kontrollieren, denn es muß zunächst einmal geklärt werden, wem diese Seezollverwaltung zunächst unterstellt ist Ja­pan wird nicht dulden, daß irgendein Teil der See­zölle oder der Zolleinnahmen überhaupt weiter wie bisher an die Zentralregierung abgeliefert wird, zumal dann nicht, wenn diese Zentralregierung den militärischen Widerstand iortzusetzen und zu orga­nisieren sucht.

Tatsächlich ift die finanzielle Schlagader der See­zölle für die Zentralregierung so gut wie unter­bunden denn außer Schanghai kann Japan auch in Tientsin, in Tsingtau und Kanton sowie in allen anderen Vertragshäfen eine Kontrolle ausüben. Nun -ließe es sich denken, daß die Gläubiger nicht müßig bleiben werden, zumal hinter den Gläubigern die Regierungen sowohl in London als auch in Washington und Paris stehen Allerdings kommt hier wieder in Betracht daß für den Zinsendienst der gesamten Auslandsverschuldung nur em Teil der Seezölle auszukehren ist. Hier brauchte es also keine Schwierigkeiten zu geben, wenn unbedingte Sicherheit dafür bestünde, daß sich an dem Überseeverkehr der Vertragshäfen zu­nächst und auch in Zukunft nichts ändert Aber es steht heute schon fest, daß der Seeverkehr von und nach Schanghai so zurückgegangen ist. daß nur noch ein Bruchteil an Seezöllen und Ab­gaben hereinkommt Die Hoffnung, die hier und in den Häfen Südchmas gehegt wird, daß der Um­schlag oon Schanghai sich nach Kanton ver­ziehen könnte/ ist wenig begründet Die Japaner liegen ja heute schon vor Hongkong und Kanton und haben strategisch wichtige Inseln besetzt, um zu verhindern, daß sich die chinesische Regierung mit Kriegsmaterial eindecken kann Japan wird wohl auch nicht dulden, daß diese Versorgung mit Kriegsmaterial über die Häfen Französisch-Jndi- chmäs vor sich geht, daß also die Eisenbahn aus Jndochma nach Hünan hierfür benutzt wird

Freilich gewinnt alles ein anderes Gesicht, so­bald die Japaner darangehen, das eroberte Gebiet

ähnlich zu organisieren rote das m Mandfchukuo geschehen ist, sofern es gelingt, die Ordnung in Schanghai wiederherzustellen Wenn der Schiffs­verkehr in den Häsen nicht den Gewaltsamkeiten und Zufälligkeiten der Kriegführung ausgesetzt ist, wird sich wohl bald alles wieder einrenfen, wie es vorher auch war. Dazu sind die Werte, die in Schanghai und in anderen Vertragshäfen ange­legt find doch zu beträchtlich, um sie ohne weiteres im Stich zu lassen Die Engländer allein schätzen ihre Kapitalanlagen in Schanghai auf 150 000 000 Pfund und die Vereinigten Staaten werden wohl noch mit einer erheblich höheren Anlage aufwarten können Es ist aller­dings das Ziel Japans, wirtschaftlich den chinesischen Markt an sich zu ziehen Aber das 'st ja die Auf­gabe oon morgen während es die Aufgabe von heute ist, politisch und militärisch China soweit zu sichern, daß von hier aus der Expansion Japans in Ostasien keine Gefahr drohen kann Die Verfügung über die Seezölle, also über die wirklichen Staats­einnahmen Chinas, bietet für das eine wie für das andere Ziel eine gewiße Garantie Japan hat es auch in dieser Auseinandersetzung mit China sehr gut verstanden, den Gegner da zu treffen, wo er am empfindlich st en ist.

Oer /Ring um Nanking.

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----o 5 km

UM WALLUNG u. STRASSE 1------*

Schanghai, 9 Dez. (DNB. Funkspruch.) Nach japanischen Meldungen schließt sich der Ring um Nanking immer feftet Eine japanische Abteilung erreichte den Militärflugplatz Tatschiatichiao südöst­lich von Nanking Weiter haben die japanischen Streitkräfte auf dem linken Flügel der Wuhu-

Front die Stadt Ningguofu besetzt und damit den chinesischen Truppen jede Rückzugsmöglichkeit in Richtung Hangtschau und Hueitschau abge- fchnitten. Zwei Abteilungen haben Chilinmen, acht Kilometer östlich des Purpurberges, besetzt. Zwei andere Abteilungen bezwangen T a i s ch a n, etwa zwölf Kilometer südlich von Nanking. Nach der Einnahme von Suantscheng (Ningkuo) haben japanische Abteilungen Fan.gtzun. 16 Kilo­meter südöstlich von Wuhu, eingenommen. Die Kämpfe bei Fangtzun sind noch im Gange

Das japanische Oberkommando hat den Befehls» Haber von Nanking durch ein kurzbefristetes Ul­timatum zur Uebergabe aufgefor­dert und zugleich die noch in Nanking verbliebe­nen Vertreter der ausländischen Mächte gebeten, in diesem Sinne auf bas chinesische Ober­kommando einzuwirken. Die Japaner haben die Mächte ferner aufgefordert, ihre Schiffe und Landfahrzeuge von chinesischen Truppen­zusammenziehungen und militärischen Anlagen möglichst weit fernzuhalten oder sie aus der Kampfzone überhaupt zurückzuziehen Die japanischen Streitkräfte könnten keine Verantwor­tung für die Sicherheit solcher Fahrzeuge überneh­men Sechs japanische Bombenflugzeuge unternah­men am Mittwoch einen Angriff auf d i e militärischen Anlagen der großen süd­chinesischen Hafenstadt Kanton sowie auf die Kanton Hankau - Bahn.

Tschiangkaischek acht an die Front.

Hankau, 8. Dez. (DNB.) Der Vizepräsident des Reichsvollzugsamtes Dr. K u n g dementiert in einer Unterredung mit dem Vertreter des DNB. die Gerüchte über einen Rücktritt Tfchiangkaischeks. Dr. Kung erklärte, der Marschall habe Nan­king verlassen und sich an die Front be­geben, um dort die Leitung der militärischen Ope­rationen zu übernehmen. China mache eine schwere Zeit durch. Es müsse große Opfer bringen, um einen ehrbaren Frieden zu erreichen. Nach Mel­dungen aus gut unterrichteter Quelle soll Marschall Tschiangkaischek nun das Gros der chinesischen Armee und die Luftflotte im Gebiete NantschangKiukiang zusam­menziehen. Auf dem Jangtse in der Nähe oon Kiukiang wird eine starke Schiffssperre fertig- gestellt.