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RS.-Gemeinjchaft ..Kraft durch Freude". Omnibuofahrl zum RennenRund um Schollen".

Am 19. September 1937 führen wir obiae Fahrt durch. Der Teilnehmerpreis beträgt einschließlich Eintritt zum Nennen 2,90 R2H. Abfahrt um 7 Uhr am Haus der Deutschen Arbeitsfront, Gießen. An­meldungen nimmt die Kreisdienststelle Gießen ent­gegen. 5836D

Kreisfilmstelle.

Don der Gaufilmstelle Hessen-Nassau der NSDAP, wird im Monat September der Tonfilm St and sch ütze Bruggler" im Kreise Wet- terau an folgenden Terminen vorgeführt:

9. September in Holzheim, 10. September in Gambach, 11. September in Lang-Göns, 12. Sep­tember in Grohen-Linden, 13. September in Rei­chelsheim, 14. September in Afsenheim, 15. Septem-

Aus der Giadi Gießen.

Die Holunde« beeren sind reis!

Am Eisenbahndamm, am Waldesrand, an Hecken und Zäunen, in Gärten und Parkanlagen, überall wächst der anspruchslose Holunderstrauch und gibt nun den Vögeln willkommene Nahrung. Aber auch uns Menschen. Wer kennt nicht die dunklen Beeren, aus denen wir so schönes Mus und so köstlichen Saft Herstellen? Viele wissen freilich nicht, welche Kräfte der Holunderstrauch in sich birgt. Ein Volks- sprichwort sagt von ihm, man solle den Hut vor dem Hollerstrauch abnehmen, weil er so viel Segen spende. , .

Wahrlich, er ist es wert, daß wir ihn auch tn unfern Gärten nicht vergessen. Da ist eine Seite der Gartenhütte noch ohne Belaubung, da ist der Komposthaufen noch offen, da steht eine kahle Wand: für alle diese Plätze eignet sich der Holunder. Er wächst schnell und bedarf keiner Pflege.

Seine Blüten schenken uns den bekannten Fliedertee, der schweißtreibend wirkt. Er ist deshalb in jeder Hausapotheke anzutreffen. Auch können wir aus den Blüten ein erfrischendes Getränk für die heißen Sommertage bereiten. Ebenso können wir die Blätter des Hollerstrauches gut gebrauchen. Bei Entzündungen, Insektenstichen usw. Aerquet- schen wir frische Blätter und legen sie auf die Ge­schwulst. Die heilende Wirkung wird nicht aus- bleiben.

Und nun leuchten die Beeren am Hollerstrauch! Die Vögel kommen in Scharen und holen sich ihren Teil. Aber auch für uns gibt es noch genug. Wir wiss.n doch, daß sich die Vögel nicht das Schlech­teste aussuchen. Das Gelee aus reifen Holunder- beeren ist ganz vorzüglich. Schon die Farbe lockt. Von keiner Gartenfrucht, abgesehen von der Brom­beere, erhalten wir so prachtvoll gefärbtes Gelee.

Die Beeren können wir aber auch trocknen und für die langen Wintermonate aufbewahren. Wir erhalten so em gutes Mittel bei Durchfall.

Ja, der Holunderstrauch hat es in sich. Wir wollen ihn deshalb nicht vergessen und seine Beeren sammeln.

Unfern Vorfahren war der Hollerstrauch ein heiljger Baum. In seinen Zweigen wohnte Frau Holle. Nach dem Volksglauben kann der Holunder allerlei feindliche Einwirkungen fernhalten. Deshalb putzte man hölzerne Geschirre und Hausgeräte mit [einen Blättern, damit kein Wurm hineinkäme. Die Toten erhielten ein Kreuz aus Holunderholz, und der Kutscher des Leichenwagens hatte statt der Peitsche einen Holunderstab in der Hand.

Uns Buben aber gaben die dicken Holunder­stengel, aus denen das weiche Mark entfernt wurde, die schönsten Knall- und Spritzbüchsen. Und brauch­ten wir den Holunder nicht auch beim Unfertigen der Pfeile für den Flitzbogen?...

Für jeden hat der Holunderstrauch etwas bereit, und noch heute singt und klingt es im Volkslied Unterm Hollerstrauch"... H.

Dornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast, Selterswea:Versprich mir nichts!". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Das Schweigen im Walde". Hausbesitzeroerein Gießen: 20.15 Uhr Kühler Grund", Neuen Säue, Hauptversammlung.

ber in Nieder-Wöllstadt, 16. September in Ober Eschbach, 17. September in Harheim, 18. Septem­ber in Nieder-Erlenbach, 19. September in Wölfers- heim, 20. September in Reiskirchen, 21. September in Münzenberg, 22. September in Londorf, 23. Sep­tember in Allendorf (Lda.), 24. September in Treis (Lda.), 25. September in Heuchelheim, 26. Septem­ber in Ober-Mörlen, 27. September m Watzenborn- Steinberg, 28. September in Steinbach, 29. Septem­ber in Garbenteich.

Ein Film vom Land Tirol. Inmitten Himmel- stürmender Berge der Dolomiten kämpfen pracht- volle Tiroler Bauerngestalten gegen Trommelfeuer und Naturgewalten. Die starken Eindrücke des Kriegsgeschehens und das stille Dolomitendorf hin­ter der Front mit seinen fröhlichen, urwüchsigen Menschen werden jedem Besucher des Films zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden.

Zugendschuhkammern in Darmstadt und Mainz.

Wie die Iustizpressestelle Darmstadt mitteilt, sind nach einer Verfügung des Reicksministers der Ju­stiz auf Grund des neuen Gesetzes über Iugend- fchutzkammern für den Bezirk des Oberlandesge­richts Darmstadt Jugendschutzkammern bei den Landgerichten in Darmstadt und Mainz mit Wir­kung vom 1. September 1937 ab vorgesehen.

Oer W.esenweg zum Phiiosophenwaid ist nur für Fußgänger.

Einer der schönsten Spaziergängerwege in un­mittelbarer Nähe der Stadt ist der Wiesenweg vom Gericht aus nach dem Philoso- p h e n w a l d. Für die Anlage und die Unterhal- hing dieses Weges, wie auch für die Sitzgelegen­heiten für ältere Leute und rrchde Wanderer hat die Stadt in anerkennenswerter Weise von jeher viel getan, und sie bringt ständig noch Opfer für den ordnungsmäßigen Zustand dieses selbst bei regnerischem Wetter gut begehbaren Weges. Damit diese schöne Spaziergangsrnögli.chkeit den Volks­genossen unbeeinträchtigt als Stätte der Erholung erhalten bleiben soll, sind an den beiden Enden des Weges Schilder und Sperrzeichen ^angebracht, die klar und eindeutig verkünden, daß dieser Weg nur für Fußgänger bestimmt ist.

Dennoch muß man immer wieder die bedauer­liche Feststellung machen, daß diese Derkehrsvor- schrift sehr wenig Beachtung findet. Dor allem sind es Radfahrer und Radfahrerinnen gelegentlich konnte man aber auch schon Motorradler bemerken die sich nicht im geringsten um das Verbot des Fahrens auf diesem Wege kümmern, und dabei auch kaum Rücksicht nehmen auf die Fußgänger. Wagt es ein Spaziergänger, einem derart rücksichts­losen Verkehrssünder auch nur eine bescheidene Mahnung und einen Hinweis auf die Verkehrsvor­schrift für diesen Weg zuzurufen, so erhält er nicht feiten mindestens eine höhnische Bemerkung, wenn nicht sogar noch gröbere Worte, ja sogar Drohun­gen fallen. Leider befinden sich unter den lieber- tretern dieser Verkehrsvorschrift häufig auch junge Männer, die sonst alltäglich in guter Disziplin zu leben gewohnt sind, und von denen eine solche Mißachtung einer wohlbegründeten Vorschrift nicht erwartet werden dürfte. Einen erheblichen Teil der Verkehrssünder stellen die Schüler und Schülerin­nen, denen man allenfalls jugendlichen Unverstand als Milderungsgrund zubilligen könnte. Dennoch kann die Nichtachtung einer im Interesse der ge­tarnten Bevölkerung und zum berechtigten Schutze Der Fußgänger erlassene Verkehrsvorschrift nicht entschuldigt werden.

Es wäre au begrüßen, wenn zunächst durch Be­lehrung in Den Schulen und innerhalb der inter­essierten Arbeitsbereiche eindeutig auf die Sper­rung dieses Weges für jeden Fähr­verkehr hingewiesen, außerdem die Verkehrs­polizei unmittelbar an Ort und Stelle Verkehrs­sünder belehren und verwarnen würde. Wenn aller­dings diese Verwarnungen fruchtlos bleiben soll­ten, mühte die Polizei mit den Uebertretern der Vorschrift ein ernstes Wort reden. Man darf aber wohl hoffen, daß ein derartiges Erziehungsmittel sich erübrigen wird, zumal jedermann die Möglich­keit hat, auf dem parallel zu dem Wiesenweg ver­lausenden Radfahrerweg entlang der Schlageter- antage in ausreichender Weise radeln zu können.

Gießener wochenmarktpreNe

* Gießen, 9. Sept. Aus dem heutigen Wochen- marki kosteten: Deutsche seine Molkereibutter, XA kg 1,57 Mark, seine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 6 bis 9 Mark, Weißkraut, % kg 8 Pf., 50 kg 5 bis 6 Mark, Rotkraut, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 8 bis 9 Mark, gelbe Rüben A kg 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 12, Spinat 20, Nömischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 18 bis 25, gelb 18 bis 25, Erbsen 20 bis 35, Tomaten 15 bis 18, Zwiebeln 8 bis 10, Pilze 45 bis 50, Kar­toffeln, neue, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf-, 50 kg 3,50 Mark, Frühäpfel, kg 10 bis 25 Pf-, Fallapfel 5 bis 6, Pfirsiche 40 bis 45, Bromberen 30 bis 33, Preiselbeeren 35, Birnen 5 bis 25, Zwetschen 10 bis 15 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 69, Blumen- kohl 10 bis 40, Salat 9 bis 11, Salatgurken 5 bis 30, Einmachgurken VA bis 3, Endivien 9, Oberkohl- rabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.

** Straßensperrung. Die Kirch st raß 4 wird während der Dauer der Messe vom 11. bis ein­schließlich 19. September täglich von 11 bis 23 Uhr für den gesamten Durchgangsverkehr gesperrt.

Lpd. Zweijähriges Studium für den Dolksschullehrerberuf bleibt. Wie die zuständige Abteilung der Hessischen Landesregie, rung mitteilt, verbleibt es, entgegen anderslauten­den, auch in die Öffentlichkeit gelangten Reibun­gen, nach einer Feststellung des Reichserziehungs- Ministeriums bei dem zweijährigen Studium der künftigen Volksschullehrer und -lehrerinnen an den Hochschulen für Lehrerbildung. Das Studium ist gebührenfrei.

** Saunen der Natur. In der Licher Straße, unweit der Arkaden an der Earl-Vogt- Strahe, xeigt gegenwärtig ein Kastanienbaum be­sondere Launen. Er trägt nicht nur die jetzt rei­senden Früchte, sondern zu gleicher Zeit auch frische Blüten, junge und jüngste Blättchen, und schließlich auch Blätter, die sich herbstlich zu färben beginnen und im Abfallen begriffen sind. Wir entsinnen uns, daß an dieser Stelle die Kastanienbäume schon öf­ters mit solchen Merkwürdigkeiten aufwarteten.

Aus her engeren Heimat.

Zm Güterbahnhof Lich tödlich verunglückt.

* LIch, 8. 6ept. Im hiesigen Giiterbahn- h o f fand man heute gegen 9.30 Uhr den Ziegelei­besitzer Heinrich Schmidt VIII. von hier mit sehr schweren Verletzungen an beiden Bei­nen, die fast abgefahren waren, bewußtlos zwi­schen den Gleisen der Rangieranlagen auf. Der bedauernswerte Mann hatte sich in die Gleisanlage begeben, vermutlich, um nach einem von ihm er­warteten Güterwagen zu sehen. Dabei wurde er von einer Rangierabteilung über­sah r e n und an beiden Seinen sehr schwer ver­letzt. Er wurde sofort nach Gießen in die Klinik überführt, wo er im Laufe der Nachmittagsstunden an seinen schweren Verletzungen gestorben ist.

Unfälle auf dem Lande.

Der 13jährige Sohn des Maurers Glatthaar aus Göbelnrod und der 30 Jahre alte Klemp­ner Franz Ba 1 he aus Watzenborn-Stein- berg mußten mit Unterschenkelbrüchen in ärztliche Behandlung gebracht werden. Die 20jährige Zi- garrenarbeiterin Liselotte Renk aus Staufen­berg erlitt durch einen Sturz eine Gehirnerschüt­terung und eine erhebliche Verletzung am Hinter­kopf. Eine schwere Gehirnerschütterung erlitt der 38 Jahre alte Lagerarbeiter Wilhelm G u st aus ©arbenteid). Der 18jährige Lehrling Kurt Hernitz mußte sich mit einer schweren Knieoer- » ärztlicher Behandlung unterziehen. Samt- erunglücfte wurden in Die Chirurgische Klinik nach Gießen eingeliefert.

Landkreis Gießen.

Klein-Linden, 8. Sept. Durch persönliche Werbung gelang es, in unserem Orte eine Orts­gruppe des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland ins Leben zu rufen. Sie umfaßt bereits über 50 Mitglieder. Die Leitung der Gruppe hat der Krankenpfleger Bruno Schuchardt, Frankfurter Straße, überkommen, die Kassengeschäfte führt Lehrer Otto von hier. Hoffentlich lassen die zahlreichen Berichte, die die Zeitungen über die völkische Not unserer Brüder jenseits der Grenzen bringen, noch viele Volksge­nossen den Weg zum VDA. finden.

/X Großen-Linden, 8. Sept. Nun hat auch unser Ort eine Feuer-Alarmsirene erhalten. Sie wird elektrisch betrieben und wurde im Turm- aufbau des neuen Schulgebäudes aufgestellt, so daß sie sich ziemlich im Mittelpunkt des Ortes befindet. Am Samstagnachmittag fand der erste Probe­alarm statt. Er konnte bis in die entferntesten Teile des Dorfes vernommen werden.

8. Lang-Göns, 6. Sept. Auch in unseren Wäldern gab es Heuer sehr viel Brombeeren. Fast täglich zogen viele Einwohner hinaus, um die reifen Beeren zu sammeln. Leider konnten sich die letzten Beeren wegen der großen Trockenheit nicht mehr voll entwickeln. Trotzdem brachten die vier Klassen der hiesigen Volksschule am Freitag noch eine ansehnliche Menge zusammen, aus der die NS. -Frauenschaft wertvolles Gelee für die NSV. kochen konnte. Die beiden Ob er kl as­

sen hatten vor den Ferien außerdem den Flachs von den Gemeindeäckern gerupft und eingebracht.

<D Watzenborn-Steinberg, 7. Sept. Der in der Dampfziegelei Gail in Gießen beschäf­tigte Aufseher Jakob Häuser XI. von hier ist in den Ruhe st and getreten, lieber 45 Jahre war er im Betriebe als Leiter von 25 Arbeitskameraden der Gefolgschaft im Versand und der Sortiererei tätig, wo er als vorbildlicher Angestellter seine Pflicht erfüllte. Zu seinem 25- und 40jährigen Ar- beitsjubiläum wurden ihm von der Betriebsführung in würdiger Weise Anerkennungen und Ehrungen zuteil. Der 66 Jahre alte, sehr rüstige Herr wird sich in seiner Landwirtschaft weiterhin betätigen.

> Garbenteich, 7. Sept. Am Samstag konnten Schreinermeister Ludwig Stumps und Frau Marie, geb. Becker, das Fest der silber­nen Hochzeit feiern. Aus diesem Anlaß brachte der GesangvereinVictoria" am Abend dem Sil­berpaar ein Ständchen und verschönte die Feier durch einige Liedervorträge. In besonderer Würdi­gung als treuer Pfleger des deutschen Liedes und eifriges Mitglied des Vereins wurde der Silber­bräutigam durch den Dereinsführer zum Ehrenmit­glied ernannt und mit einer künstlerischen Urkunde ausgezeichnet.

Q] Ettingshausen, 7. Sept. Am vorigen Sonntag fand das diesjährige Preisschießen des Kyffhäuserbundes Ettingshausen statt. Es wurden schösse Leistungen erzielt. Eine große Anzahl Schützen konnte für sich je 36 Ringe buchen, so daß es erst beim Stechen zur eigentlichen Entscheidung kam. Die Preise verteilten [ich wie folgt: 1. Preis Philipp Sehrt, 2. Rich. Schmidt, 3. Heinrich Blei, 4. Phil. Keil IV., 5. Heinrich Schomber, 6. Karl Blei usw. Es kamen schöne und wertvolle Gegenstände als Preise zur Vertei­lung. Anschließend blieb man noch gemütlich bei­sammen. Am Samstagabend hielt der hiesige Obstbauverein eine Mitgliederversammlung ab, in der insbesondere über die richtige Bebandlung und Verwertung des Obstes gesprochen wurde.

Kreis Friedberg.

ch Butzbach, 6. Sept. Die F r ü h o b st ° und Zwetschenernte der ausgedehnten städtischen Obstanlagen wurde öffentlich versteigert. Die Preise waren dem knapp mittleren Kernobst und dem ge­ringen Zwetschenertrag entsprechend. Letztere ga. en am Baum 4 bis 5 Mark pro Zentner. Die N S.- Frauenschast hat das F a l 1 o b st auf den Po- vinzialstraßen und städtischen Obstanlagen gefam lt und daraus Marmelade hergestellt. Das ansehn: he Ergebnis wurde der NSV. überwiesen. Weiche Obstverwertungen sind im Gange. Gestern wurde im nahen Walde das Evangelische G e - meindejugendsest abgehalten, an dem sich einige hundert Kinder und viele Erwachsene betei­ligten. Nach einem gemeinsamen Liede und einer Ansprache von Pfarrer Linden st ruth trugen Kinder Gedichte und Lieder vor. Spiele und szenische Darstellungen boten weitere Unterhaltung. Alle Kinder erhielten je einen großen Stollen, dazu noch Hefte, Bleistifte und andere Schreibutensilien. Das Schlußwort sprach Pfarrer Schneider. Die beiden hiesigen Wandervereine Vogelsberger Höhen-Club und Taunusbund unternahmen bei

WWWMM!

Roman von Bernhard Lonzer.

Urheberrechtsschutz:

Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.

11 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Annelore Hildach als Assistentin...? Unmöglich! Ganz und gar unmöglich ...!

Ein beinahe harter Zug grub sich plötzlich in sein Gesicht. So kalt und ablehnend war seine Miene, daß Annelore es wie einen eisigen Hauch über sich hinqehen fühlte.

Verzeihung", sagte er mit schmalen Lippen, aber das das ist wohl ein kleiner Scherz. Oder ein Irrtum."

Er sah nicht, daß ein jähes Rot Annelores Schlä­fen färbte.

Aber wieso denn?" widersprach Suse.Warum denn?"

Wolfgang v. Achenbach hüllte sich noch immer in Schweigen. Er hielt es nicht für angebracht, sich jetzt zu äußern, denn er kannte Stefan. Und er verstand ihn. Aber er war entschlossen, sich im ge­eigneten Augenblick für Annelore einzusetzen. Und wenn der Junge bei seiner Ablehnung verharrte, bann nahm man Annelore Hildach eben als Haus- tochter zu sich. Darüber hatte der junge Herr glück­licherweise nicht zu bestimmen.

Peinlich war die Situation natürlich für das junge Mädchen. Ganz außerordentlich peinlich! Empfand Stefan das denn nicht?

Annelore hatte sich mit herben Lippen aufgerich­tet. Sie sah an Stefan vorbei, zu Suse hinüber. Aber ihr war, als spräche sie in einen weiten, leeren Raum hinein:

Ein Scherz nein... Aber ein Irrtum war der Gedanke wohl wirklich, wie wir jetzt sehen. Wir haben unüberlegt gehandelt, Suse..."

Ihr Ton schien Stefan zu treffen. Er sah chr herbes Gesicht vor sich, ihren seltsam verschwom­menen Blick. Der harte, ablehnende Zug auf sei­nem Gesicht verlor sich. Wieder fuhr er sich mit der

mich wohl nicht ganz formgerecht benommen. Aber das kommt mir doch so überraschend... Die Vorstellung, daß Sie sich um die Stellung der Assi­stentin bewerben könnten, erschien mir im Augen­blick so so geradezu absurd, daß ich wirklich nur an einen Scherz ober einen Irrtum glauben konnte. Aber wir können ja mal barüber reben. Wenn Sie glauben"

Langsam war bas dunkle Rot auf Annelores Ge­sicht wieder zurückgeflutet. Sie hob die Augen zu ihm auf. Er erinnerte sich nicht, ihre Augen je­mals so gesehen zu haben. Er hatte solche Augen überhaupt noch nicht gesehen! Das waren Augen, deren Blick sekundenlang ein wundes, wehes Men­schenherz enthüllte...

Dieser Gedanke rührte und beengte ihn zugleich. Mas war mit ihr? Litt sie um den verstorbenen Vater? Sie hatte sehr an ihm gehangen, wie er sich jetzt erinnerte. Oder litt sie Not? War es die Not, die sie zwang, sich einen Beruf zu suchen?

Annelores Sttmme schwankte noch leicht, als sie jetzt erwiderte:

Es würde nur dann Zweck haben, darüber zu reden, wenn es Ihnen möglich sein würde, nicht die Dame in mir zu sehen, sondern irgendeine be­liebige Person, die als Bewerberin um eine frei- werdende Stellung auftritt."

Ihr Blick war jetzt wieder ganz klar und ruhig. Und ihre Worte erleichterten Stefan erheblich. Im­merhin war und blieb die Sache peinlich, denn man mußte nun wirklich verhandeln! Aber es war doch ganz und gar unmöglich, Annelore Hildach als Assistentin um sich zu haben!

Unmöglich, Stefan von Achenbach? Warum un­möglich?

Das ist ein sehr snmpathischer Standpunkt. Man kann im Dienst wirklich keine persönlichen Rücksich­ten nehmen", sagte er härter und schärfer, als er vielleicht wollte.

Ganz klar und ruhig kam Annelores Stimme:

Ich erhebe feinen Anivruch auf bevorzugte Be­handlung. Dienst ist Dienst."

Er empfand ihren Ton fast als Zurechtweisung Schön...!", versetzte er ein wenig gereizt, sich in den Schultern reckend. Dann zog er sich einen Stuhl heran und ließ sich nieW.

. S'e hnh-n Ihrem Viter allistt"rt, wenn ich

Hand über die Stirn. ,Z- '' .. I...... .2,

Verzeihung, gnädiges Fräulein, ich ich habe! nicht irre?" fuhr er geschäftsmäßig fort.

Jawohl. Mein Vater war ja in den letzten Jah­ren schon immer leidend. Und ich hatte selbst großes Interesse an der Sache."

Bald waren sie in ein intensives Gespräch über fachwissenschaftliche Dinge verwickelt. Frage um tfrage stellte Stefan. Es war ein regelrechtes Exa­men. Stefan war sich bewußt, daß feine Fragen weit über das hinausgingen, was man von einer Assistentin gemeinhin verlangte und verlangen konnte. Er suchte förmlich nach einem schwachen Punkt, der es ihm ermöglichte, zu sagen:Be- baure, Fräulein Hildach. Ich fürchte, Sie sind den Anforderungen doch nicht gewachsen." Und er ärgerte sich über sich selber, daß er das tat, denn er wußte, daß es ungerecht war.

Knapp und treffend kamen Annelores Antwor- tcm, ohne Zögern, ohne jedes Sichbesinnen. Sie schien gar nicht zu fühlen, daß sie examiniert wurde. Es war, als ob sie in ihrem ganzen Leben weiter nichts getan hätte, als sich mit dem Studium ber Augenheilkunde zu befassen.

Stefan gab es schließlich auf. Er kam sich vor, als hätte er eine Niederlage erlitten. Mit gerötetem Ge­sicht lehnte er sich zurück.

Sie würden hier mit Wohnung nehmen müs­sen ...", glaubte er einen Trumpf ausspielen zu können.Das wäre unbedingt Voraussetzung. Ich weiß nicht, ob Ihnen bas zusagen würde ob Ihre Frau Mutter damit einverstanden sein würde..."

Es würde sich ohne weiteres ermöglichen tasten." Sie würden auch außerhalb der eiaentlichen Dienststunden zur Verfügung stehen müssen, den Patienten Gesellschaft leisten, ihnen ovrlesen ..."

G'wiß. Ich werde ja ohnehin nicht wissen, was ich mit meiner freien Zeit anfangen soll."

Da gab er sich geschlagen Irgend etwas brannte geheimnisvoll in ihm. Er fühlte sich überrumpelt. Nicht durch das Mädchen dort, sondern einfach durch die Tatsache, daß er sich nicht wehren konnte gegen das, was er abmehren wollte. Durch das Schicksal also. Durch das Schicksal, das ihm dies Mädchen an die Seite stellen wollte. Wie es ihm lchon einmal eine Frau in den Weg geführt hatte...

Schön", sagte er,wir wollen es versuchen Wann können Sie antreten?"

Jederzeit." . -

Gut. Zum Ersten also. Aber wir sind uns klar darüber, daß ber Dienst persönliche Dinge aus­schließt. Es würbe mich bei meiner Arbeit beein­trächtigen, wenn ich persönliche Rücksichten zu neh­men hätte."

Annelore sah mit unsicherem Blick an ihm vor­über.

Darüber bürste volle Klarheit herrschen."

Stefan schwieg. Eine tiefe Falte stand steil über seiner Nasenwurzel.

Jetzt meldete sich Wolfgang v. Achenbach:

Nun, was Ihre freie Zeit anbetrifft, Fräulein Hildach ich hoffe, daß Sie uns recht viel davon widmen werden. Es geht bei uns recht kläglich ein­sam zu. Wir können ein bißchen Leben, ein bißchen Sonnenschein wirklich gebrauchen. Ich möchte Sie also, wenn es Ihnen recht ist, gern so gewisser­maßen als Haustöchterchen verpflichten. M.in Enkel wird ja nichts dagegen einzuwenden haben."

Stefan richtete sich auf.

Fräulein Hildach kann über ihre freie Zeit na­türlich nach Belieben verfügen."

Mit einem warmen, dankbaren Blick wandte Ann-llore sich dem Schloßherrn zu.

Sie sind sehr oütig, Herr von Achenbach ..."

Stefan fand, daß er nun eigentlich wieder hätte gehen sollen. Aber er blieb. Gegen seinen Willen. Und er grollte sich selbst deswegen.

Suse lenkte das Gesvräch in andere Bahnm, und Annelore ging allmählich mehr aus sich heraus. Immer m'taer beobachtete Stefan sie im stillen. Sie hatte sich in der Tat vrachtvoll entwickelt, wie man ganz nüchtern und unbefangen zua-'ben muhte. Aber mußte man sich nicht erst richtig zwingen, nüchtern und unbetannen zu sein?

Ohne daß er es wollte, drängte sich ihm ein B"r- oleich auf: Gloria Rettner und Annelore Hild--ch. Das war kein Vergleich, in feiner Beziehung Aber wie kam er überhaupt dazu. Vergleich" anzustell"n?

Eins stand jedenfalls fest: dies Mädchen w '-rde ihn ftören und beunruhigen, solange es da sein würde. Warum? Vielleicht weil er einmal In­teresse für sie gehabt hatte?

Aber war man ihr denn irgendwie verpflichtet? fiatte man überhaupt jemals wieder an sie gedacht? War die Stelle da drinnen in der Brust, wo das Herz saß, nicht tot und leer...?

Fortsetzung folgt