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mehr entgegengenommen werden: UF. 16/37 vom & 6. bis 14. 6. 37 Berchtesgadener Land. UF. 29/37 vom 25. 6. bis 2. 7. 37 Allgäu-Pfronten, rr UF. 40/37 vom 13.7. bis 27.7.37 Rügen. VF. 41/37 vom 15. 7. bis 25. 7. 37 Schliersee. UF. 51/37 vom 29. 7. bis 7. 8. 37 Allgäu-Pfronten. UF. 62/37 vom 9. 8. bis 16. 8. 37 Berchtesgadener Land. UF. 64/37 vom 11. 8. bis 23. 8. 37 Reit im Winkel. UF. 69/37 vom 17. 8. bis 28. 8. 37 Allgäu-Pfronten. SF. 103 vom 5. 7. bis 13. 7. 87 Norwegen (gesperrt für Frauen).

Ferienwanderungen.

Wir machen darauf aufmerksam, daß sämtliche Ferienwanderungen noch frei sind. Wenn auch die betreffenden Urlaubsfahrten gesperrt sind, so ist doch dse damit verbundene Wanderung noch offen. An­meldungen können jederzeit erfolgen.

Hitler-Zugend Bann 116 Gießen.

Vetr.: Generalprobe zum Wehrmachts-Grohkonzerl am 1Z. März.

Alle Jugendgenossen, insbesondere alle Schüler dtzs Standortes Gießen, treten am Samstag, 13. März, um 8.30 Uhr (morgens) am Ludwigsplatz tm. Wir werden der Generalprobe des Wehrmacht- Großkonzertes beiwohnen. Die Schulen der Stadt Gießen haben für dieses Konzert allen Schülern Ur­laub erteilt. Angetreten wird im vorschriftsmäßigen Winterdienstanzug.

Belr.: Verlorenes HI. - Ehrenzeichen.

Am Sonntag, 28. März, wurde auf dem Wege Kaiserallee Wieseck das HI. - Ehrenabzeichen Nr. 22 061 verloren. Abzugeben auf der Personalstelle des Bannes 116.

Belr.: Dienst der Hiller-Jugend, des VDM. sowie des DJ. am 12. März.

Am kommenden Freitag, 12. März, treten die Gefolgschaften 1/116, 2/116, 3/116, 4/116, SZ., alle Sondereinheiten, Standort Wieseck, Standort Klein- Linden, alle Einheiten des BDM. Gießen, sowie die Führerschaft des gesamten DJ. in Gießen pünkt­lich 20.30 Uhr an der Volkshalle an. Das Fahnen­liedUnter der Fahne schreiten wir" ist bis Frei- rag zu lernen.

7!SLB., Fachschaft Höhere Schule.

FachschaftDeutschkunde".

Nächste Sitzung am Freitag, 12. März, um 16 Uhr pünktlich in der Oberrealschule.

Vortrag:Die Balladendichterin Agnes Miegel".

Feuerlöschzüge in Grün !

DNB. Durch einen Runderlaß des Reichsführers SS. und Chefs der deutschen Polizei werden die Feuerlöschfahrzeuge, die bisher roten Anstrich hat­ten, in ihrer Farbe den Polizeifahrzeuqen angegli­chen. Die Fahrzeuge der Feuerlöschposizei werden in Zukunft grünen Anstrich erhalten und werden auch nicht mehr, wie bisher, ein Stadtwappen, son­dern das Hoheitszeichen der Polizei führen.

Verbot von Klaffenwimpetn in den Schulen.

LPD. Wie der Reichsstatthalter in Hessen Landesregierung, Abt. VII mitteilt, ist gemäß einem Erlaß des Reichserziehungsministers bei ge­schlossenem Auftteten der Schulen die Hakenkreuz­flagge zu führen. Das Mitführen anderer Fahnen

Trachtenschau in Lana-Göns.

A Lang-Göns, 8. März. Am heutigen Tage besuchten etwa 60 technische Lehrerinnen aus dem ganzen Hessenlande, die zur Zeit in einem Schu­lungslager in Schlitz weilen, unser Dors, um die alte Hüttenberger Tracht kennenzulernen. In einem Schulsaale waren die Prachtstücke der bunt­farbigen Kleidung, wie man sie früher trug, aus­gebreitet. Man sah da die schönsten Röcke, Mutzen, Hals- und Brusttücher, Schleifen,Hellercheskragen", Bänder, Schuhe, Hauben u. o. a. Zahlreiche Fami­lien hatten ihre Schränke geöffnet und die schönsten Stücke zur Schau gestellt.

Die Gäste waren auch des Lobes voll über die ausgestellten Kleidungsstücke. Besonderes Interesse erregten die alten Handarbeiten. Diele Röcke, Mutzen usw. waren aus Samt, die Tücher fast nur aus Seide, alle farbenprächtig bestickt. Auf den Stickereien glänzten dann noch Glasperlen und glitzernde Knöpfchen. Auf kleinen Stühlchen saßen sog. Brautpuppen, die ganz vorschriftsmäßig ange­zogen waren.

Um aber auch das Malerische der alten Tracht recht anschaulich und lebendig oorzuführen, hatten acht Mädchen, in verschiedenen Lebensaltern, die Kleider ihrer Mutter (oder Großmutter) angelegt. Sie bildeten natürlich den Mittelpunkt der kleinen Versammlung im Schulfaal. Auch einerichtige" Braut war dabei. Die alte Brautmutter von Lang- Göns, Frau Kath. Heß, hatte es sich nicht nehmen lassen, ein Mädchen mit dem aus Blumen, Bändern und Perlen bestehendenBrauthang" zu schmücken. Das war eine Arbeit, die nahezu eine Stunde währte.

Da war es denn auch natürlich, daß zahlreiche Photoapparate gezückt wurden, um die schöne Trachtengruppe festzuhalten. Zum Abschied sangen die Lang-Gönser Mädchen das sog. Nationalbied. Die Gäste waren begeistert und sangen den Kehr­

reim mit. Mit herzlichen Dankesworten für das Gebotene schieden die Besucherinnen aus unserem Dorfe.

Die Mädchen in der Tracht ließen es sich aber nicht nehmen, in einem kleinen Aufzug durch die Straßen zu ziehen. Das war ein ungewohntes Bild, und die alten Leute glaubten sich in ihre Jugendzeit zurückversetzt. Denn es ist doch io: die Hüttenberger Tracht in unserem Dorfe ist im Aussterben begriffen, und ob Versuche, sie wieder einzuführen, gelingen, ist fraglich. Die letzte Frau, die im Schmuck der Tracht und desBrauthanges" zum Traualtar schritt, ist heute 38 Jahre alt. Um die Jahrhundert­wende waren es noch etwa 10 Kinder, die in der Tracht in die Schule ausgenommen wurden. Diele von ihnen haben sie inzwischen abgelegt und sind neumodisch" geworden. Die schönen weißen, ge­stärkten Hauben, die zum Abendmahlsgang getragen wurden, sind seit etwa 20 Jahren verschwunden. Nun gehen alle älteren Frauen mit dem Kopftuch in die Kirche. Man kann diese Umstellung bedauern, aber nicht ändern.

In einem Menschenalter wird in unserm Dorfe die Hüttenberger Tracht wohl vollständig verschwun­den sein. Um so mehr gilt es, die noch vorhandenen Schätze sorgsam aufzubewahren, damit sich auch die Nachfahren von uns einmal ein Bild von der far­benfrohen Kleidung machen können. Man sieht ja öfters, daß die schönsten seidenen Brusttücher ein­fach als Schutzdecken über Nähmaschinen usw. ge­hängt werden. Dafür sind sie eigentlich zu schade.

Es ist deshalb unsere Aufgabe, hier einmal an­zuregen, daß diese alten Schätze etwa in einem Hei­mat- oder Dorfmuseum vorschriftsmäßig aufbewahrt werden. Wenn jede Familie nur ein Kleidungs­stück stiften würde, dann wäre schon eine sehr reich­haltige Ausstellung geschaffen. Wer macht den An­fang. G.

schütz fällt unter die Strafbefttmmungen der §§ 0 und 10 des Luftschutzgesetzes.

Bon der Universität.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

Der Reichs- und Preußische Minister für Wissen­schaft, Erziehung und Volksbildung hat am 13. Fe­bruar 1937 dem Dr. habil. Arnold S ck e i b e in Gießen die Dozentur für das Fach Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung verliehen und ihn der Philo­sophischen Fakultät, II. Abteilung, der Universität Gießen zugewiesen.

Volks - Gemeinschaftsabend beim Fähnlein »Armin".

Die Pimpfe vom Fähnlein 1/116Armin" hatten in der vergangenen Woche die Werbetrommel nicht vergeblich gerührt. Der Saal des Studentenheims am Leihgefterner Weg war am Samstagabend nahezu überfüllt, als das Jungvolkfähnlein singend, mit Fahnen und Wimpeln, einzog und dann noch eines jener Lieder sang, deren Melodien und Texte immer wieder mitreißen.

Nach einem kurzen Vorspruch und nach kurzer Begrüßung durch den Fähnleinführer hielt Jung-

WöWWKM

Schuhcreme

und Wimpel ist grundsätzlich verboten. Nur bei besonderen Gelegenheiten, insbesondere Jubiläums­feierlichkeiten urtd dergleichen, dürfen neben der Hakenkreuzfahne auch solche Fahnen mitgeführt werden, die eine alte lieb erlief erung verkörpern.

OieBerechtigungeinesZieifezeugniffes einer dreijährigen Frauenschule.

LPD. Der seinerzeit nur für den Bereich der Preußischen Unterrichtsverwaltung und das Saar­land ergangene Erlaß des Reichserziehungsministers über die Berechtigung des Reifezeugnisses einer dreijährigen Frauenschule ist durch den Reichsstatt­halter in Hessen Landesregierung in der gleichen Weise für seinen Amtsbereich übernommen worden. Danach berechtigt das Reifezeugnis einer dreijährigen Frauenschule von Ostern 1937 ab: 1. zum Studium an den Hochschulen für Lehrerin­nenbildung nach Maßgabe der allgemeinen Bestim­mungen über die Aufnahme an Hochschulen für Lehrerbildung: 2. zur Vorbereitung für die Prü­fung für das künstlerische Lehramt (mit Turnen als Ergänzungsfach) nach Maßgabe der allgemei­nen Bestimmungen über die Aufnahme in die be­treffenden Hochschulen; 3. zum vollen Studium der Wirtschaftswissenschaften und zum Diplomhandels­lehrerstudium; 4. zum Studium an dem Berufs­

pädagogischen Jnstttut (Gewerbelchrerinnenausbil- dung), falls die nötige Praxis nachgewiesen und die Eignungsprüfung bestanden wird; 5. zum Ein­tritt in einen verkürzten (IVejährigen) Lehrgang zur Ausbildung als Kindergärtnerin und Hortnerin; 6. zum Eintritt in die Frauenschulen für Volks­pflege; 7. zum Eintritt in den einjährigen Lehr­gang an den Instituten für Leibesübungen an den preußischen Universitäten.

Bertriebsgenehmigung für Lustschuhgegenstände.

Lpd. Nach § 8 des Luftschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 bedarf der Vertrieb von Luftschutzgegenftän- den der Genehmigung. Mit der Erteilung derarti­ger Genehmigungen ist die Reichsanstalt für Luft­schutz, Berlin SW. 29, Friesenstraße 16, beauftragt worden.

Einzelfälle geben Veranlassung, daraus hinzuwei­sen, daß sich diese Genehmigung nicht etwa dadurch erübrigt, daß das Reichspatentamt dem Hersteller des Luftschutzgegenstandes einen patentrechtlichen Schutz erteilt, oder daß andere Stellen etwa sonst noch erforderliche Genehmigungen zum Vertrieb oder zur Einfuhr des Gegenstandes aussprechen.

Ein Vertrieb von Luftschutzgeräten ohne die er­forderliche Genehmigung der Reichsanftalt für Luft­

bannführer Siaurd Taesler eine Ansprache, in der er sich besonders an die Eltern wandte. EL stellte zunächst den Eltern das Wort vor Augen, das der Führer im Hinblick auf die Jugend als dis Garanten der deutschen Zukunft ausgesprochen hatte, ein Wort, in dem die Notwendigkeit der Hitler-Jugend begründet liege. Die Jugend müsse erzogen werden zu starken Trägern des National* sozialismus, denn das Dritte Reich sei nicht fiih kurze Zeit geschaffen. Aus der Jugend müsse sich die Bewegung immer wieder erneuern. Die Jugenn werde einst den Staat tragen und das Volk von morgen sein. Die Hitler-Jugend als Organisation sei aus ihrem Kampfcharakter heraus zu einem Erziehungsfaktor geworden. Die Hitler-Jugend habe einen schweren Weg hinter sich, denn sie habe alles, was sie heute besitze und was sie sei, erst erkämo- fen müssen. Die Organisation stehe! Und es werde weitergearbeitet! Der Hitler-Jugend komme es zu­nächst darauf an, daß aus den Pimpfen Kerle wer­den, und wenn sie eines Tages in die HI. einge­gliedert werden, so soll ihnen die notwendige welt­anschauliche Schulung zuteil werden. An den Eltern sei es, dafür Sorge zu tragen, daß die Pimpfe gut ausgerüstet und pünktlich im Dienst fein könnten. In diesem Jahre solle jeder Junge für 14 Tage an einem Lager teilnehmen können. Auch hier fei das Verständnis und die Förderung der Elternschaft nötig. Die Pimpfe und die Hitler-Jungen werden in diesem Jahre in einem großen Gebietslager, dem Baldur-oon-Schirach-Lager", im Vogelsberg zu» fammengefaßt, und das Lager werde den Jungen wieder manches große Erlebnis bringen. Auch feien wieder Fahrten in das Ausland und in das Grenz­land vorgesehen. Mit all diesen Maßnahmen werde, so schloß der Jungbannführer, das Volk von mor-

Das Mädchen mit dem Gilbechaar.

Roman von Anny von panhnys.

23. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Nach der Suppe begann Graf Rethel zu berich­ten:Herr Radix ist angekommen, ich war bereits bet ihm im Hotel Continental. Er hat seine junge Frau mitgebracht."

Güncher Grevenstein trank einen Schluck Wein.

So, so, ist der also glücklich hier gelandet! Und im Continental wohnt er? Zufall, weil doch auch Mabel dort wohnt." Er wartete, bis der Fisch serviert war, und fragte dann lässig:Ma­dame Radix ist wohl so ein richtiges Kleinstadtkind?"

Graf Rethel sah in Gedanken die schone junge Frau in dem tiefschwarzen Kleide vor sich, das die Weiße ihrer zarten Haut, die köstliche seltene Farbe ihres Haares so besonders heroorhob und erwi­derte:Du wirst sie ja kennenlernen." Er dachte: Wirst schön die Augen aufreißen, wenn du das Kleinstadtttnd siehst!

Laut fuhr er fort:Ich werde Herrn und Frau Radix natürlich bitten, uns an einem der nächsten Abende das Vergnügen zu machen. Graf Cidoure und seine Frau fordern wir dann auch auf, und Mabel Jonson ebenfalls. Ich habe Radix schon von dir und von der Adoption erzählt. Da sieht er na­türlich in dir meinen Sohn, und weil Mabel doch im Continental wohnt, unterrichte ich ihn auch über deine Verlobung mit ihr. Ich meine, das macht sich ganz gut, nicht wahr?"

Günther war restlos zufrieden mit sich. Wie eine richtige Hochstaplerkarriere mit Heiratsschwindel und einer von seinem jetzigen Standpunkt aus sehr klei­nen Geldschwindelei fing seine Existenz nach dem Unglück an, aber rasch machte er den großen Sprung nach oben. Noch ein paar Wochen, dann war er Francois Graf de Rethel, und mit der steinreichen Mabel Jonson als Frau standen sei­nen Zukunftswünschen wohl viele Ziele offen.

Er war in der besten Stimmung, und weil er Gegenwart und Zukunft im rosigsten Lichte sah, be­merkte er gar nicht, daß es ab zu wie Schatten über die Stirn des Grafen huschte.

Nach dem Essen hatte sich Günther mit Mabel Jonson verabredet. Er chauffierte sein Auto heute selbst, und als Berchold Radix und Franziska am Nachmittag aus dem Hotel traten, sahen sie das auffallende elegante rote Auto vor dem Eingang warten. Ein Herr in grauem Mantel und grauem Hut, mit dunklem Spitzbart und von hoher schlan­ker Figur, verließ eben den Führersitz.

Franziska sah den Herrn nur sehr flüchtig. Ein Bart verändert ein Gesicht stark, ein Spitzbart noch

besonders. Keine Ahnung hatte die junge Frau, wem sie da eben begegnet war. Und Günther hatte das aus dem Hotel tretende Paar überhaupt nicht bemerkt, das gleich in den Reihen der hier lebhaft vorbeiflutenden Passanten verschwunden war.

Berthold Radix äußerte zu Franziska:Das rote Auto muß dem zukünfttgen Sohn des Grafen ge­hören, unb ich nehme an, er war es, den wir eben sahen. Er trägt einen Spitzbart wie der Graf, scheint aber mehr Geld zu haben als der. Der alte Lebemann nimmt sich auch keinen Sohn nur aus Pietätsgründen wegen der Namenserhaltung und um nicht so allein zu sein. Die sentimentalen Phra­sen glaube ich ihm nicht. Geld ist das Zaubermittel gewesen, was den Grafen für einen Sohn be­geisterte."

Er hatte seinen Arm in den seiner Frau gescho­ben, und sie wanderten nun beide, in bester Laune ihre Eindrücke unterwegs austauschend, der Made­leinegegend zu.

In der Vertretung war alles zum Empfang vor­bereitet. Das Staunen über die schöne blonde Frau, die in korrektem Französisch jedem ein paar freundliche Worte sagte, konnte keiner ganz ver­bergen. Der Graf geleitete den Chef und seine Frau in die Ausstellungsräume, die sehr geschmack­voll hergerichtet waren. Man ließ sich nieder und sprach über das Geschäft, über Absatz und Umsatz. Anfangs mischte sich Franziska nicht ein, erst als ihr Mann eine Frage an sie richtete, erklärte sie mit freundlichem Lächeln:Soviel ich gesehen habe, ist alles sehr gut und schön hier, aber ich bebaute, wenn ich meine Meinung äußern barf, daß man bei aller Tüchtigkeit der Vertretung etwas rück­ständig ist. Wer sich aber heute nicht nur behaup­ten sondern sich sogar noch verbessern und vervoll­kommnen will wie die Radio-Radix, darf nicht die kleinste Kleinigkeit außer acht lassen, die den Absatz heben könnte und die Marke immer wieder zu etwas Besonderem stempelt. Unsere Apparate, un­sere Röhren sind erstklassig; da es aber noch mehr erstklassige Marken gibt, gilt es, immer Besseres zu leisten. Man darf also nicht im Schatten der alten Madeleinekirche auf bisherigen Erfolgen aus- ruhen."

Der Graf blickte Berthold Radix fragend und ver­stimmt an.

Der machte eine leichte Handbewegung.

Meine Frau liebt keine Halbheiten, folglich redet sie auch nicht durch die Blume; vor allem ist sie in der Branche äußerst tüchtig, arbeitet völlig selbständig neben mir, daß sie genau so offen spre­chen darf, als ob ich es selbst täte. Ich bitte des­halb die Herren, meine Frau als gleichwertigen Ge­schäftspartner zu betrachten."

Donnerwetter! dachte Graf Rethel etwas ver­blüfft. Nicht im Traume wäre es mir eingefallen, in der schönen schlanken Blondine mehr als eine verwöhnte Frau zu sehen.

Das Gespräch ging weiter. Franziska erklärte genau, was sie hier in der Vertretung auszusetzen hatte. Vor allem störte es sie, daß die Räume in der ersten Etage lagen.

Hinunter in die Schaufenster mit den Appara­ten!" rief sie,Jeder Vorübergehende muß sehen können, was die Radio-Radix bietet, und muß im­mer wieder daran erinnert werden. Dann brauchen wir Lichtreklame. Auffallende, leuchtende Licht­reklame!"

So schlug sie Zug um Zug Neuerungen vor, bis dem Grafen der Kopf brummte. Es war doch bis­her alles ganz gut auch so gegangen.

Er wagte schließlich eine ähnliche Einwendung.

Franziska lächelte ihn freundlich an.

Natürlich ist's bisher auch so gegangen, Herr Graf, und es würde auch wohl noch ein Weilchen so weitergehen. Aber die Zeit verlangt eine ge­schickte Werbung."

Der erste Buchhalter sah die Sprecherin mit leuchtenden Augen an, ebenso der erste Reisende, der eine sogenannte Verkaufskanone war. Beide hatten dem Grafen schon Aehnliches gesagt, er aber hatte stets vornehm abgewehrt.

Berthold erklärte:Meine Frau und ich bespre­chen immer alles ausführlich miteinander, und wir werden morgen vormittag mit Ihnen zusammen­beraten, wie wir das. Beanstandete ändern wollen. Jetzt aber möchte ich die Herren einladen, heute mittag im Hotel Continental unsere Gäste zu sein. Um ein Uhr, wenn ich bitten darf."

Die drei ©ingelaöenen verneigten sich, Franziska reichte ihnen die Hand, und dann ging das Ehe­paar.

Auf der Straße blieb Berthold stehen, lachte Franziska vergnügt an.

Mädel, da oben bist du ja zwischengefahren wie eine kalte Seebrise! Der Graf sah ganz verblüfft aus."

Franziska lachte auch.

Auf diese Weise ließ sich das Großreinemachen schnellstens erledigen, du hättest denen doch das Notwendige rücksichtsvoll nur tropfenweise beige­bracht."

Es wurde ein ganz vergnügtes Mittagsmahl, und für den Abend verabredete sich der Graf mit dem Ehepaar zu gemeinsamem Bummel. Er hatte nun Franziska Radix wiedergesehen, hatte ihr beim Speisen gegenübergesessen und sich bereits an ihr Gesicht gewöhnt, das ihn zuerst so erschreckt hatte.

Er tröfttete sich wieder, daß der Name Karsten in Deutschland wohl alltäglich war, und blonde Frauen mit grauen Augen mochte es auch genug dort geben. Vor allem hatte er die Gewißheit, daß die schöne Frau ihn zum erstenmal im Leben sah, daß sie nichts, gar nichts mit ihm zu tun hatte. Aber erstaunlich war diese Aehnlichkeit mit einer anderen trotzdem, sie störte ihn sehr, und er dachte schon jetzt mit leichtem Aufatmen an den Tag, da

die blonde Frau wieder aus Paris verschwinden würde. Allzufern war dieser Zeitpunkt nicht. Da­mit endete dann zugleich der Spuk, der ihm eine Vergangenheit lebendig gemacht, die er beinahe ver­gessen hatte.

Oder doch nicht? War da nicht trotzdem manch­mal ein böses Erinnern gewesen, wenn er sich in seinen vier Wänden allein befunden?

Karsten! Der Name ärgerte ihn. Warum mußte die schöne Frau nur gerade diesen Familiennamen tragen und aus der kleinen thüringischen Stadt stammen? Warum, warum?

Es mußten doch Zusammenhänge da sein, Zu­sammenhänge mit der Vergangenheit. Aber was gingen sie ihn an? Die Jahre hatten das Einst ausgelöscht, waren darüber hinweggegangen, so wie Sturm und Regen über ein ungepflegtes Grab fegen und es dem Erdboden gleichmachen.

18.

Franziska stand vor dem Toilettenspiegel im Hotelschlafzimmer und machte sich für die kleine Abendgesellschaft im Palais Rethel zurecht.

Berthold Radix meinte nachdenklich:Dieser Adoptivsohn scheint über reiche Mittel zu verfügen, denn nur er kann dem Grafen zu dem Wohnen im Palais Rethel verhalfen haben. Vor einigen Jahren schüttete mir der alte Herr einmal sein Herz aus und behauptete, es wäre der glücklichste Tag feines Lebens, wenn er wieder unter dem Dache des Hauses schlafen dürfte, in dem die Rethels schon vor ein paar hundert Jahren glän­zende Feste gegeben haben. Ich bin wirklich neu­gierig auf den Sohn, den er sich ausgesucht hat."

Franziska legte eine Kette von kleinen Perlen um, die sie von ihrem Manne als Verlobungsgeschenk er­halten. Sie trug das Abendkleid mit den vielen Fältchen und Rüschen. Es stand ihr wundervoll, die Machart betonte noch die Schlankheit ihrer Gestalt.

Berthold betrachtete sie verliebt.

Ich begreife nicht, daß ich so lang an dir vor­beigehen konnte", lächelte er, und sie legte die Arme um seinen Hals.

Ein Glück ist's für uns beide, daß wir uns ge­funden haben."

Er küßte sie, aber er war traurig, daß sie noch immer nicht sagte:Ich habe dich lieb, Berthel, so lieb wie du mich! War die Erinnerung an den Maskenball und den Mann, der sie geküßt, noch so mächtig in ihr?

Franziska blickte auf die Uhr, die auf dem Toi­lettentisch lag.

Ich glaube, es ist Zeit, aufzubrechen, Berthel."

Sie küßte ihn, und unwillkührlich dachte sie, daß es viel hübscher wäre, wenn sie sich beide allein einen gemütlichen Abend machen würden. Aber das ging nicht, sie wurden bereits erwartet.

____ (Fortsetzung folgt!)

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