Oberhessen.
Gegen die Diphtherie.
* Schotten, 9. Januar. Das staatliche Gesundheitsamt des Kreises Schotten veröffentlich einen Aufruf an die Eltern, in dem es auffordert, die Kinder durch die Diphtherie-Schutzimp- f u n g vor weiteren Diphterieerkrankungen zu schützen. In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, daß die Zahl der Diphtherieerkrankungen in Schotten und in dem Nachbardorfe R a i n r o d noch nicht nachgelassen hat, der vorige Sommer auch nicht, wie sonst, eine Verminderung, sondern eine Zunahme der Diphtheriefälle brachte. Die Krankheit hat in einer Anzahl Fälle leider zum Tode der Patienten geführt. Nunmehr sollen in Schotten und in Rainrod alle Kinder vom 2. bis 14. Lebensjahre der Diphtherie-Schutzimpfung unterworfen werden, um dadurch der Seuche wirksam Einhalt zu gebieten. Es sei besonders darauf hingewiesen, daß die Schutzimpfung durchaus ungefährlich ist. Mit den Impfungen wird in etwa acht Tagen begonnen werden. Steckbrieflich verfolgteZigeuner gestellt
* Ruppertsburg (Kreis Schotten), 8. Jan. Ein Hausierer und sein Neffe aus Gießen hatten gemeinsam mit einigen Zigeunern in einer hiesigen Wirtschaft gezecht. Gegen 22.30 Uhr verließen sie das Lokal. Der Neffe, ein Schirmflicker, war von einem Zigeuner eingeladen worden, bei ihm im Wagen zu übernachten. Ahnungslos folgte er der Einladung und trug noch dem Zigeuner sogar ein Bündel Heu. Ob nun unterwegs in der Dunkelheit zwischen den fahrenden Leuten ein Streit ausgebrochen ist, ist unbekannt. Jedenfalls wurde der junge Gießener durch Messerstiche im Gesicht übel zugerichtet. Durch seine Hilferufe aufmerksam geworden, eilten hiesige Burschen herbei. Der Zigeuner war aber schon verschwunden. Den Verletzten brachte man ins Dorf, wo er auf Veranlassung unserer Ortspolizeibehörde durch Dr. M a s j i n g, Laubach, verbunden wurde. Am anderen Morgen stellte die Gen- damerie Laubach sofort Nachforschungen an. Der Täter scheint vorläufig entkommen zu sein. Unter den noch anwesenden Zigeunern konnten zwei weitere steckbrieflich verfolgte Zigeuner fest gestellt werden.
Brand in Unter-Lais.
* Unter-Lais, 9. Jan. Gestern vormittag brach in Unserem Dorfe Feuer aus. Im Anwesen des Landwirts Friedr. Bach I. war die Scheune in Brand geraten. Das Feuer griff auch auf die Stallungen Über. Trotz des energischen Eingreifens der örtlichen Feuerwehr war es nicht möglich, die Scheune und den Stall zu erhalten. Glücklicherweise gelang es, die übrigen umliegenden Gebäude zu schützen. Der Schaden ist erheblich, lieber die Ursache des Brandes sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.
Einbruchdiebstahl in einerGastwirtschast
* Höchst a. d. Nidder, 9. Jan. In der Nacht zum gestrigen Freitag erhielt die Gastwirtschaft Heinrich Reul unliebsamen Besuch von Einbrechern. Den Dieben fielen 80 Mark Bargeld, 20 bis 30 Tafeln Schokolade und 15 Pfund Margarine in die Hände. Die Polizei ist mit den Ermittlungen beschäftigt. Sachdienliche Mitteilungen sind an die Kriminalpolizei Gießen oder an die nächste Gendarmeriestation erbeten.
Missionssonntag am 10. Januar 1937.
Bon Dekan Widmann, Schotten
Wir sind in großer Not.
Nehemia 9, V. 37.
Der Missionssonntag, seit fast hundert Jahren in unserer evangelischen Landeskirche am ersten Sonntag in der Epiphanienzeit gefeiert, lenkt auch diesmal wieder mit besonderer Eindringlichkeit Gedanken und Blick der Christenheit auf das Werk der Mission unter den Heiden. Er will aufs neue darauf Hinweisen, daß Mission, d. h. Verkündigung des Evangeliums in aller Welt, daß das Anbieter! des in Jesus Christus erschienenen Heils nicht eine Liebhaberei einzelner, etwa besonders für die Mission interessierter und arbeitender Kreise, sein darf, sondern daß es sich darum handelt, jener Liebespflicht nachzukommen, welche die Heilige Schrift mit dem Worte ausdrückt: „Gott will, daß allen Menschen geholfen werde und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen". Die Erfüllung dieser Pflicht ist keineswegs Privatsache: sie geht die ganze Kirche und die ganze Christenheit an: sie ist einerseits Kraft unermüdlicher und barmherziger Liebe, das ewige Licht und die ewige Wahrheit denen zu bringen, die beides noch nicht kennen: anderseits ist sie gehorsame Ausführung des Befehls, den der Herr der Kirche selbst gegeben hat: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur!" An diesen beiden klaren Zielsetzungen des Missionswerkes: Liebe und Gehorsam darf nicht gerüttelt, auch nichts davon abgeschwächt werden. Wer es tut, handelt wider Gottes Gebot. Mission ist und bleibt Gottes Sache und darum auch Sache jeder christlichen Gemeinde, wie der Gesamtkirche.
Unsere deutsch-evangelische Heidenmission, welche während der letzten zehn Jahre auf allen ihren Arbeitsfeldern im siegreichen Vormarsch begriffen war, ist in der Gegenwart an einem entscheidenden Wendepunkt ihrer geschichtlichen Entwicklung angelangt. Der 808-Ruf: „Wir sind in großer Not!" klingt uns mit ungeheurem Ernst entgegen aus allen Kundgebungen der Leitungen der Missionsgesellschaften und aus allen Berichten der Berufsarbeiter draußen auf den Missionsfeldern. Krisenzeit ist angebrochen für die Mission. Daß sie zu leiden hat unter Devisennöten, leuchtet unmittelbar ein; und daß diesen Nöten die ganze Arbeit angepaßt werden muß, ist ebenfalls klar. Die größte Krise aber ist dadurch bedingt, daß in der ganzen Welt der unchristliche Geist des alles zerstörenden Bol
schewismus, der sich in allererster Linie auswirkt als Todfeindschaft gegen Gott und Christus, sein Wesen treibt, die Völker an frißt und erfüllt mit seinem zersetzenden Gift. Gerade die Mission und ihre fern von der Heimat auf einsamen Vorposten stehenden und kämpfenden Boten erleben dies alltäglich und bezeugen diese Tatsache von der immer größer werdenden Ausbreitung der unheimlichen und dämonischen Mächte des Antichristentums. Notzeit ist da für die Sache Gottes und damit auch für die Mission.
Wenn auch der Herr der Geschichte die Mission diesen schwere»! Weg führt und sie gezwungen ist, sich in ihrer Arbeit auf das Allemotwendigste zu beschränken, so darf die Christenheit doch niemals mutlos und verzagt werden, sie darf nichts aufgeben von dem, was ihre Pflicht ist, sie muß immer wieder hinhören auf den Ruf Gottes und in feinem Befolg nicht Nachlassen im tapferen Glauben, im freudigen Nnsatz zum Dienst für das Reich Gottes, in williger Tat zum Opfer und im ernstlichen Gebet für das Missionswerk. Letzten Endes gilt doch die Verheißung: „Die Rechte des Herrn behält den Sieg!"
Auf dem dunklen Hintergrund der großen Not heben sich ja doch freundliche Bilder genug ab, di? zeigen, wie es trotz allem vorwärts geht auf den Missionsfeldern. Die Basler Mission, die in einem großen Teil von Gemeinden unserer Lnndeskirche bodenständig ist, berichtet, daß auf der G o l d k ü st e, ihrem ältesten Arbeitsgebiete, die dortige große Kirche der 60 000 Christen fortlaufend wächst. Aus Kamerun kommt die erfreuliche Nachricht, daß ganze Stämme und Sippen kommen, um das Evangelium zu hören. In Indien erschließen sich immer mehr die Gruppen der „Kastenlosen" der Botschaft von Jesus Christus. Eine gewaltige Tauf- bewegung geht auf der großen Südfeeinfel Borneo bis tief in das Inland hinein. Und aus China wird gemeldet, daß durch die treue Arbeit vieler eingeborenen Evangelisten gerade bei der jungen Generation offene Türen für Gottes Sache geschaffen werden.
Missionssonntag! Er will aufrufen zur Pflicht der Liebe und des Gehorsams. Und mag er auch große Not uns sehen lassen, die Missionsgemeinde läßt sich nicht erschüttern in dem Glauben: „Größer als der Helfer, ist die Not ja nicht!"
Canbrirte Gieffen
<£ Leihgestern, 9. Jan. Seinen 84. G e - burtstag kann am nächsten Dienstag, 12. Jan., der Zimmermann und Landwirt Johs. E i f f L, Hindenburgstraße 30, dahier, in bester Gesundheit, begehen. Der Hochbetagte besitzt noch eine für fein Alter erstaunliche geistige Frische und nimmt an allem Zeitgeschehen regen Anteil.
s. Lang-Göns, 8. Jan. Nach dem standes- amtlichen Register wurden im Jahre 1936 in unserer Gemeinde 36 (18) Kinder geboren, 15 (9) Ehen geschlossen und 16 (9) Todesfälle verzeichnet. Die eingeklammerten Zahlen gelten für das erste Halbjahr 1936. Gegenüber 1935 ist besonders hervorzuheben, daß die Anzahl der Geburten um 50 v. H. (1935: 24) gestiegen ist, während Eheschließungen und Todesfälle fast dieselben Zahlen aufweisen.
* Inheiden, 8. Jan. Vom 18. bis 31. Januar veranstaltet der Reichsmütterdienst im Deutschen Frauenwerk einen Lehrgang in Hauswirtschaft und Kochen. Da ein
Doppelkursus vorgesehen ist, können sich alle Frauen, die sich über zeitgemäßes Kochen unterrichten wollen, bei der Leiterin der Ortsfrauenschaft anmelden. Der Zusammenhang zwischen dem eignen Haushalt und der Volkswirtschaft wird hier gründlich erklärt und beim praktischen Kochen neue Gerichte, ihre Zubereitung sowie die Rezepte dazu gebracht.
Preußen.
Kreis Detzlar
* Wetzlar, 8. Jan. Nach einer Mitteilung der hiesigen Kriminalpolizei hat in der Weihnachtswoche ein 22 Jahre altes Mädchen aus dem Scheckbuch ihrer Dienstherrschaft unberechtigter Weise acht Scheckformulare herausgenommen und damit bei der städtischen Sparkasse 45 0 R M. abgehoben. 150 RM. benutzte das Mädel zum Einkauf von Weihnachtsgeschenken, wo die restlichen 300 RM. geblieben sind, ist noch unbekannt. Die raffinierte Diebin ist geständig.
JOCHHEIM
<£ Rodheim a. d. Bieber, 8. Jan. Di« Ortsgruppe Launsbach des Reichsluftschutzbundes veranstaltet gegenwärtig in Rodheim im Mantschen Saale einen Luftschutz-Schulungslehr» a a n g, der gestern abend durch den Ortsgruppen» leiter, Lehrer Wagner (Launsbach), eröffnet wurde. Da hier bereits im vorigen Jahre mehrere solcher Kurse abgehalten wurden und von dem gegenwärtigen Scyulungslehrgang wieder insgesamt rund 300 Personen erfaßt werden, dürfte nunmehr wohl in unferni Orte die Schulung aller Erwachsenen im Luftschutz fast restlos durchgeführt sein. Das beweist einmal die Rührigkeit und das Pflicht- bewußtsein der verantwortlichen Männer der Ortsgruppe Launsbach, zum andern aber auch, daß die Notwendigkeit des Luftschutzes selbst auf dem flachen Lande allgemein erkannt worden ist und überall mit Ernst und Eifer auf diesem Geoiete gearbeitet wird.
Ein Mörder hingerichtet.
LPD. Frankfurt a. M., 8. Jan. Die Justizpressestelle Frankfurt a. M. teilt mit:
Am 8. Januar 1937 wurde im Zuchthaus Freiendiez der am 1. Februar 1913 geborene Willi Albert Schönwetter aus Dauborn hinge rschtet, der vom Schwurgericht in Limburg wegen Mordes zum Tode verurteilt worden ist.
Schönwetter hat am 27. Dezember 1935 in der Nähe von Dauborn, Kreis Limburg, die 22 Jahre alte landwirtschaftliche Arbeiterin Erna Lang, die von ihm schwanger geworden war, ermordet, um sich seinen Verpflichtungen gegenüber dem Mädchen und dem zu erwartenden Kind zu entziehen.
Zwei Autodiebe feffgeuommeu.
LPD. Frankfurt a. M., 8. Jan. Seit vier Wochen gingen fast täglich Meldungen über g e • stohlene Autos bei der Kriminalpolizei ein. Die Wagen sind sowohl in den späten Nachtstunden als auch am Hellen Tage von der Straße weggefahren worden. Ob die Autos in belebten oder ruhigen Straßen standen, spielte dabei keine Rolle. So entftanb der Verdacht, daß hier eine Bande am Werk ist, die mit großer Gerissenheit arbeitet. Nach eingehenden Ermittlungen gelang es jetzt der Polizei, die Täter f e st z u n e h m e n. Es handelt sich um den 24jährigen Walter Thomas und den gleichaltrigen Karl Schuhmann
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Die beiden Verfasser des vor kurzem er schienenen Kommentars zum Reichsnatur jchuhgeseh haben hier auf Grund ihrer langjährigen Erfahrungen und ihres weitgehen den Einblicks in das Werden der neuen Na- 'urfchuhverordnung, die nun für das ganze Reich gilt, die Verordnung und alle dazugehörigen bisher erschienenen Ergänzungsbestimmungen nach juristischen, verwaltungs- technischen, wissenschaftlichen und praktischen Gesiä'tspunklen ausführlich erläutert und geben Damit federn eine gründliche Aufklärung, der mit dem Naturschutz, mit der Natur überhaupt, sei es beruflich oder als Liebhaber und Naturfreund, in Berührung steht. Nicht nur die amtlichen Stellen, nicht nur Wissenschaftler, Lehrende und Lernende, Tier- und Pflanzenfreunde, nicht nur Erzieher, Richter und Rechtsanwälte müssen über die Fragen des Naturschutzes unterrichtet sein, sondern auch botanische Vereine, Na- turalien-u. Herbarien.Handlungen und Lehrmittelgeschäfte, Präparatoren, Ausstopfer, Pflanzenfamm« ler, Schmuckreisig-verkäufer, Kranz- Kindereien und die mit der Uber« roachunq der Märkte beauftrag en Beamten, Feldhüter, Polizeistellen ulm. Bestellungen durch alle Buchhandlungen
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Zäpfchen
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anderer Menschen benutzen. Läßt sich die Benutzung nicht vermeiden, so muß man beide Hände vor den Mund halten. Weder Nadeln noch Messer noch Streichhölzer eignen sich als Zahnstocher. Fertige Holzzahnstocher sind billig zu kaufen.
Zahntechniker, siehe Dentist.
Zander. Hechtbarsch, Fogas, wohl- schmeckende, bis 1% Meter lange Barschart, die gekocht mit würziger Tunke gereicht wird, aber auch aebacken gegessen wird.
Zäpfchen. 1. weiches, von Schleimhaut überzogenes Gebilde von wurstförmigem Aussehen, welches am hinteren Ende des Gaumens vom Gaumendach herabhängt und die Mundhöhle gegen den Kehlkopf abschließt. Dieser Verschluß ist sehr wichtig, daß die Speisen nicht beim Schlucken in den Kehlkopf gelangen. Ist das Zäpfchen mitsamt dem Gaumensegel, seinem Ansatz, gelähmt, wie es häufig nach Diphtherie vorkommt, so ist Verschlucken sehr häufig. 2. Zäpfchen sind eine bestimmte Form von Arzneimittel, die aus einem Medikament und Kakaobutter bestehen und zur Verabreichung von Medikamenten in den After Verwendung finden. Glyzerin- und Seifen-
zäpschen find als Abführmittel beliebt.
Zapfenstreich, das militärische Signal am Abend, bei dem der Soldat, der Stadturlaub halte, in die Kaserne zurückgekehri sein muß. Der große Zapfenstreich wird bei festlichen Gelegenheiten vom Militärkorps gespielt.
Zaponlack, dickflüfiiger. farbloser Lack, der sich als Schutzüberzug für Metalle und Glas eignet.
Zaun, die Begrenzung des Gartengrundstückes, soll immer dem Landschaftsbild angepaßt sein. Holzzäune find Drahtzäunen vorzuziehen. Letztere durch Bepflanzung mit Schlingern (s. Rankpflanzen) verschönen. Z. soll schmücken, Schutz vor Eindringlingen und Ernschlüpfen von Tieren geben. llberslüfiige Schmuckornamente vermeiden.
Zaunkönig, etwa 10 cm langer Vogel mit braunem Federkleid, der sich mit Vorliebe an Hecken und amWafier aufhält. Er bleibt das ganze Jahr über an seinem Standort.
Zecke, Holzbock, 2 mm langes Ungeziefer, das sich mit dem Kopf in die Haut von Hunden, Schafen, aber auch von Menschen einbohrt. Der Versuch, sie gewaltsam zu entfernen, führt oft dazu, daß der Kops stecken bleibt und Entzündungen entstehen. Zecken fallen ab, wenn man sie mit Benzin oder Öl betupft.
Zeder (Cedrus), Nadelholz, als Atlas- und Libanonzeder angepflanzt. Der Einzelbaum durch aufrechtstehenden Zapfenschmuck überaus wirkungsvoll.
Zedieren (Zession), s. Abtretung.
kein Dieb
beehrt mehr Ihren schönen Garten, wenn Sie einen Drahtzaun darum haben. Doppelte Freude macht Ihnen dieser Zaun aber erst, wenn er oir dem guten Crapo-Drahtgeflecht ist von
3 •' ‘ infer, Gießen, am Oswaldsgarken, Fernsprecher 2145/2146.


