Ur. 105 viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag, 8. Mai 1937
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Der Glauberg—unwissenschaftlich gesehen
Der Ringwall im Osten.
Frühmittelalterliche Hausfundamente an der Nordstrecke des Ringwalles.
Das Ringwalltor an der Enzheimer Pforte.
Gefäße aus der keltischen Periode (800—400 v. Ehr.)
Vorgeschichtlicher Brunnen.
Herd- und Abfallsgruben eines bronzezeitlichen Hauses.
vermag; die den Blick auf Mensch- lenkt, auf den Kampf um die Er- Volk und Art. und zurückführt in der unser Volk heranwuchs, in Rot gestählt wurde, um ausdauern zu
zu vermitteln heitsgeschichte Haltung von eine Zeit, in und Kampf können.
Vogelsberges, des Spessarts, des Taunus und der Rhön.
Nur an einigen Stellen verrät sich das Wirken der menschlichen Hand im Landschaftsbild. Da, rechts am Wall ist ein Suchgraben auf einer Länge von etwa 40 Meter in die Erde geschnitten, der sich scharf abhebt. An der südlichen Seite innerhalb des Walles ist ein gleicher Graben eingeschnitten worden. Gegenwärtig sind die Arbeiter dabei, sowohl den Wall der Vorburg, wie auch den Ringwall an-
Modell der Glaubergfestung mit Hauptburg auf der Höhe, Vorburg am Nordhang.
Beschaffung von Auslandsurkunden.
EPNH. Wie bekannt, ergeben sich bei der Beschaffung von Urkunden zum Nachweis der arischen Abstammung, sofern diese aus dem Ausland und besonders den abgetrennten Gebieten bezogen werden müssen, große Schwierigkeiten. Der Evangelische Verein für Deutsche Ansiedler und Auswanderer E. V.. Berlin C 2, Monjouplatz 10, ist auf Grund feiner ausgedehnten Beziehungen zum gesamten Auslande und seiner guten Verbindungen zu den einzelnen Kirchen und Pfarrämtern in der Lage, in scheinbar aussichtslosen Fällen zu helfen. Außerdem ist der genannte Verein bereit, Nachforschungen nach vermißten Familienangehörigen im Auslande anzustellen Möglichst genaue Angaben sind zu diesem Zwecke erwünscht.
Durchschnitt des Ringwalles, der seinen Aufbau aus verschiedenen und verschieden alten Schichten zeigt.
baut hat, daß der Glauberg eine dauernd besiedelte Stammburg der Völkerwanderungszeit war. eine fränkische Trutzburg und eine Reichsburg der ottonisch - staufischen Zeit getragen hat und schließlich als Raubritternest um 1360 zerstört worden ist. Viele Grundmauern von Häusern und Teilen der Burg sind freigelegt worden und lassen erkennen, in welcher Weise das Hochplateau bebaut war.
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Wenn auch noch nicht alles auf dem Glauberg wissenschaftlich geklärt ist, so ist es doch reizvoll genug, rund um den Berg zu streifen, den Nimbus des Ehrwürdigen und Geheimnisvollen auf sich wirken zu lassen und in Augenschein zu nehmen, was es hier alles zu sehen gibt. Im östlichen Teil des Berges kommt es einer Kammwanderung gleich, wenn man auf dem schmalen Pfad des Walles der Vorburg entlang und aufwärts geht und der Wald dann plötzlich steil aufsteigend in den Ringwall übergeht, von dessen höchstem Punkt aus fast die ganze Hochfläche überschaubar ist. In den einzelnen hohen Fichten und Eichen rauscht der Wind, hoch und frei.stehen die Bäume über der Landschaft. Wie eineHeide liegt das Hochfeld selbst vor dem Beschauer und jetzt, in diesen schönen Tagen des Mai, flimmert die Luft über den Gräsern. Von den größten Höhe des Ringwalles aus schweift der Blick weit in die Runde, über die gesegneten Gefilde der Wetterau zu den Höhen des
zuschneiden. Wahrhaftig, ein solcher Schnitt durch den Wall sieht aus, als fei er mit einem riesigen Messer ausgeführt, so sauber und wie mit dem Lineal gezogen sind die beiden Schnittflächen. Dabei ist das Erdreich Schaufel um Schaufel abgehoben. und zwar mit aller Sorgfalt, damit keine Spur verwischt oder vernichtet wird, die irgendwelchen Aufschluß geben kann. Und an dem sauberen Schnitt selbst vermag der erfahrene Wissenschaftler manches abzulesen, was dem Laien ewig verborgen bleiben würde. An den verschiedenen Erdschnitten und Steinlagen, die hier zutage treten, studierte der Wissenschaftler die Entstehungsgeschichte desWal- les. Demnächst soll der 15 Meter hohe östliche Teil des Ringwalles angeschnitten werden, eine Arbeit, die zwar sicherlich neue wertvolle Aufschlüsse geben wird, aber auch eine Fülle der Verantwortung bringt, die technisch schwierig zu bewältigen ist.
Und hoch erstaunt wird der Besucher dieses landschaftlich so bevorzugten und von mancherlei Sage umraunten Berges vor einem uralten Brunnen stehen, den schon die Menschen der Vorzeit angelegt haben. Wie tief er sein mag, weiß man nicht, da er im Laufe der Jahrhunderte bis zu feinem oberen Rund verschüttet worden war. Selbst ein kleiner Teich ist oben anzutreffen, der ebenfalls seit undenklichen Zeiten den Bewohnern als Wasserstelle gedient haben mag und ummauert worden
Dera beschäftigt, mag es nicht verwehrt fein, seine Eindrücke wieoerzugeben, wenn er gegebene Grenzen wahrt.
Wer auf der Straße von Nidda nach Büdingen kurz vor Selters aus dem jetzt herrlich frifd) grünen Buchenwald herauskommt und — die Kenntnis der Landschaft vorausgesetzt — mit den Augen den Glauberg sucht, wird ihn unschwer finden. In südöstlicher Richtung liegt, langgestreckt und mählich aus dem Tal aufwachsend, der sagenhafte Berg. Er wäre wahrhaftig ein Berg wie viele andere, wenn nicht eben und gerade in jüngster Zeit sein Name zu einem Begriff geworden wäre. Zu Füßen des Berges breitet sich ein herrliches Land aus. Die Orte Glauberg und Stockheim liegen unmittelbar am Fuße des Berges, näher grüßt der grazile Kirchtum von Effolderbach, weiter links das freundliche Selters. Im Talgrund weiß man die lustig plätschernden Wasser der Nidder Ein gesegnetes Land! Kein Wunder, daß es die Menschen seit Jahrtausenden als Wohnsitz zu schätzen wußten ...
ist.
Wieder an anderer Stelle wurden Mauern freigelegt, die nach ihrer Form erkennen lassen: hier stand ein Tor! Unmittelbar dabei sind noch Mauerteile eines Turmes innerhalb des Ringwalles zu erkennen in der Form 'eines unregelmäßigen Vierecks. Ueberall wurden Grundmauern freigelegt, und es wird eines Tages möglich sein, die Gebäude, die hier oben standen, die Burg, die Wohnhäuser der Gefolgsmannen, der Soldaten ober Knechte zu rekonstruieren, sei es auch nur in einem Modell, rote es bereits von den Wallanlagen besteht. Aus allem aber läßt sich erkennen, daß im Laufe der vergangenen Jahre eine große Arbeit geleistet worden ist.
In einem kleinen Museum, das in einem Raum des „Jakob-Sprenger-Haus" untergebracht ist, ist vieles von dem aufbewahrt, was gefunden wurde und man weiß dem Schutzherrn und Förderer der Ausgrabung, dessen Namen dieses Haus trägt, auch Dank für diese Einrichtung, die jedem Besucher Einblick in das Geleistete und Ueberblitf über das Vorhandene gewährt. Ungern verabschiedet man sich von der sonnigen Höhe, die neben dem Erlebnis der Landschaft so vieles andere
Seit über vier Jahren wird der Glauberg wissenschaftlich erforscht. Es hat sich allmählich überall herumgesprochen, daß auf dem Berge Ausgrabungen gemacht werden und in systematischer und zielsicherer Arbeit allem nachgegangen wird, was über die Besiedelung des Berges und feiner Umgebung Aufschluß geben kann. Viel wurde schon darüber geschrieben! Von Berufenen und von Unberufenen. „Berufen" im letzten Sinne des Wortes ist eigentlich nur der Leiter der Ausgrabungen. Dem „Unberufenen" aber, der sich im Geiste mit dem Elau-
Vom Dorfe Glauberg aus — das Dorf ist jetzt umgeben von einem Kranz blühender Bäume — führt eine gute Straße hinauf und bis dicht an die Stätten der Ausgrabungen heran. Aufgeschlossenen Besuchern wird die Atmosphäre des Besonderen, die den Berg umgibt, bald bewußt werden, beson- d-ers wenn er sich unter sachkundiger Begleitung d-en Berg erwandert und allen Erscheinungen, die chm hier begegnen, feine Liebe schenkt. Bald wird ihm vor allem bewußt werden, daß der Berg Menschheitsgeschichte erzählt und von Menschen beuchtet, die vor Taufenden von Jahren lebten, litten, lömpften und starben. Hier kämpften die Menschen der Vorzeit um ihre Existenz, um ihren Bestand cis Stamm oder Volk. Denn der Glauberg war das, was man eine Fliehburg nennt, in der sich tar Volksstamm mit allen seinen beweglichen Gütern immer dann verbarg, wenn Feinde das tffene Land und die Wohnstätten bedrohten. Hinter Stäben und Wällen, hinter Palisaden und Mauern nar Schutz, insonderheit dann.' wenn Wälle und Mauern einen solchen Berg krönten.
Der Ringwall krönt den Berg im wahrsten Sinne les Wortes! Unschwer und allenthalben sichtbar, -lieht er sich um das Hochplateau des langgestreckten Äerges. Nicht überall ist er gleich hoch, überall aber verrät er das Walten der menschlichen Hand, und der Natur ist es selbst über Jahrtausende hinweg richt gelungen, ihn abzutragen. Die Befestigungs- onlagen bestehen aber nicht lediglich aus dem Ring- vall, vielmehr zeichnet sich am Nordabhang des Berges noch eine weitere Wallanlage zur Verteidigung des flacheren Vorfeldes ab. die auch heute noch tlar zu erkennen ist. Es wird sich nun wohl jedermann fragen: Welchen Zweck und welchen Erkenntnissen sollen nun die Ausgrabungen dienen? Die [frage ist kurz beantwortet: An Hand der Ausgrabungen soll festgestellt werden, zu weichen Zeiten, Don welchen Völkern und auf welche Art der Glauburg befestigt wurde, da dadurch die Kriegszeiten. b?r Ginzug neuer Völkerschaften, kurz die politischen Ereignisse in der Siedlungsgeschichte des Rhein- Main-Gebietes gekennzeichnet sind und auch ein Ueberblitf über die Entwicklung des Befestigungs- öefens zu gewinnen ist.
Es geht uns weniger um „Funde", sagt der Leiter der Ausgrabungen, als darum, die Besied- lungs- und Befestigungsgeschichte des Glaubergs zu erkennen und dadurch einen politischen Querschnitt durch die Vor- und Frühgeschichte zu erhalten. Die Funde dienen vor allem dazu, das Alter der Wohn- und Wehranlagen festzustellen. Die Forschungen sind zwar noch nicht abgeschlossen, aber es steht fest, daß die bodenständige Bevölkerung sich von der Steinzeit an stets dem Glauberg anvertraut und seine Wälle in Stand gehalten, verstärkt ober weiter ausge-


