Reiches verliehen. Die Verleihungsurkunde hat folgenden Wortlaut: „Sehr geehrter Herr Geheimrat! Zur Vollendung Ihres 90. Lebensjahres spreche ich Ihnen herzlichste Glückwünsche aus. In Anerkennung Ihrer hohen Verdienste um die deutsche Wirtschaft verleihe ich Ihnen hiermit di e h ö ch st e Auszeichnung des Reiches, den Adlerschild mit der Widmung: ,Dem großen deutschen Wirtschaftsführer!^ Mit den besten Wünschen für Ihr weiteres Wohlergehen bin ich mit deutschem Gruß Ihr (gez.) Adolf Hitler."
Oie Schulzeit
der Mädchen-Oberschulen.
Berlin, 7. April. (DNB.) Die Ueberganas- bestimmungen über die Vereinheitlichung des höheren Schulwesens weisen hinsichtlich der Länge der Schulzeit für Mädchen und Jungen Verschiedenheiten auf.
Bestimmungen für Mädchen an Mädchenschulen:
Die achtjährige Schulzeit tritt erstmalig für die Oberte'rtianerinnen des Schuljahres 1 9 3 6/37 in Kraft. Das Versetzungs- zeugnis dieser Obertertianerinnen berechtigt zum Eintritt in die O II der sprachlichen oder hauswirtschaftlichen Form. Ostern 1 9 4 0 werden sie somit nach achtjähriger Schulzeit zur Rei'seprü- fung zugelassen. Die Untersekundanerin- nen des Schuljahres 19 3 6/37, die Ostern 1937 in eine 0II eintreten, machen ebenfalls erst 1 9 4 0 d i e Reifeprüfung. Es gibt im Schuljahr 1937/38 je eine O II für Obertertianerinnen und eine für Untersekundanerinnen, sowohl in der sprachlichen wie in der hauswirtscbaftlichen Form: beide Formen führen in ^)ret Jahren zur Reifeprüfung. Die Obersekundanerinnen des Schuljahres 19 3 6/37, die Ostern 1937 in eine U I eintreten, machen 1939, nach Besuch der UI und OI die Reifeprüfung. Für die Unter- und Obersekundanerinnen und Unter- primanerinnen des Schuljahres 1936/37 ist somit die Schulzeit noch neunjährig. Da bei den Mädchen kein Mangel an Nachwuchs mit Hochschulreife vorhanden ist, ist ein vorzeitige Verkürzung der Schulzeit nicht notwendig.
Bestimmungen für Mädchen an Jungenschulen:
Die Mädchen, die im Schuljahr 1936/37 von Ostern bis Herbst 1936 bereits eine UI besucht haben, treten Ostern 1937 in den kombinier- ten Lehrgang der Prima an Jungenschulen ein. Es ist ihnen aber freigestellt, um eine Wiederholung des Lehrstoffes zu vermeiden, sich von Ostern bis Herbst 1937 beurlauben zu lasten. Während dieser Zeit können sie eine hauswirtschaftliche Schulung durchmachen. Bei Nachweis einer solchen Schulung ist ihnen im Oktober 1937 der Wiedereintritt in d i e Prima und die Zulassung zur Reifeprüfung zu Ostern 19 3 8 gestattet.
Die Obersekundanerinnen des Schuljahres 1936/37, die Ostern 1937 ebenfalls in die Prima der Jungenschule eintreten, können wohl zu Ostern 1938 zur Reifeprüfung zugelassen werden, das Reifezeugnis ist ihnen aber e r st O st e r n 1939 auszuhändigen bei Nachweis einer erfolgreichen einjährigen hauswirtschaftlichen Schulung. Diese Regelung ist getroffen worden, damit die Mädchen an Jungenschulen hinsichtlich der Dauer der Schulzeit den Mädchen an Mädchenschulen gleichgestellt sind. Die Zahl der Mädchen in der Oberstufe von Jungenschulen fällt zahlenmäßig gegenüber den Mädchen an Mädchenschulen kaum ins Gewicht.
Reichsminister Hilft in Athen.
Besuch der deutschen Schule.
Athen, 7. April. (DNB.) Reichsminister Rust besuchte die deutsche Schule. Oberstudiendirektor Professor Romain empfing den Minister, der die Schule eingehend besichtigte und auch den Unterricht besuchte. Dabei achtete er besonders auf die schwierige Eingewöhnung der griechischen Kinder in die deutsche Unterrichtssprache, deren rascher Fortschritt um so bemerkenswerter ist, als mit der deutschen Sprache zugleich die deutsche Schrift erlernt werden muß. Auf der Terrasse nahm die Hitler-Jugend Aufstellung. Der Minister begrüßte die deutschen Jungen und Mädel und überbrachte ihnen die Grüße der Heimat und die Grüße des Führers. Die Schule hat 400 Schüler und unterrichtet außerdem 385 Erwachsene in Abendkursen. Sie hat 16 hauptamtliche und 12 nebenamtliche, hauptsächlich griechische Lehrkräfte.
In dem Kasino am Badestrand von G l y f a n d a bei Athen gab die Deutsch-Griechische Gesellschaft ein Essen zu Ehren von Reichsminister Rust, an dem außer dem deutschen Gesandten Prinz zu Erbach-Schönberg, griechische Gelehrte und Mitglieder der Athener Gesellschaft teilnahmen. Reichsminister Rust erklärte u. a.: „Ich bin erst seit einem Tage in Athen, glaube jedoch, schon lange hier zu sein. Wir fühlen uns hier nicht fremd, sondern daheim. Wir alle sind mit Homer, der griechischen Tragödie, und mit Plato sozusagen groß geworden." Der Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Gerulanos, gedachte des anwesenden greifen Professors Doerpfeld, der seine Lebensarbeit dem hohen Olympia-Ideal gewidmet habe. Tief sei die Dankbarkeit des Griechenvolkes für die Verkündung des Führers und Reichskanzlers über die Aufnahme der Ausgrabungen in Olympia. Am Abend gab der griechische Erziehungsminister Georgacopulos ein Festessen.
Reform des wirtschastswissenschastlichen Studiums.
Berlin, 7. April. (DNB.) Der Reichs- und Wissenschaftsminister hat das wirtschaftswissenschaftliche Studium auf folgende Universitäten und Hochschulen beschränkt: Universität und Wirtschaftshochschule Berlin, die Universitäten Breslau, Erlangen, Frankfurt a. M., Freiburg, Göttingen, Halle, Hamburg, Heidelberg, Jena, Kiel, Köln, Universität und Handelshochschule Königsberg, Universität und Handelshochschule Leipzig, Universität und TH. München, Universität Münster, Hindenburg-Hochschule Nürnberg, Universität Rostock und Universität Tübingen. Der wirtschaftswissenschaftliche Unterricht bleibt für die Studierenden der Rechtswissenschaften an allen Univer- s i t ä t e n unberührt. Studierenden der Wirtschaftswissenschaft bleibt die Möglichkeit, auch an Universitäten mit solch eingeschränktem wirtschaftswissenschaftlichen Unterricht bis zu zwei Semestern zu studieren. Dagegen sind Diplomprüfungen für Volkswirte, Kaufleute und Handelslehrer nur noch an den genannten Universitäten und Hochschulen möglich.
Gleichzeitig hat der Reichserziehungsminister einheitliche Prüfungsordnungen für Diplom-
Die Selbstverwaltung der deutschen Gemeinden.
Reichsinnenminister Or. Frick aus dem Deutschen Gemeindetog.
Berlin, 7. April. (DNB.) Jrn Reichstagssitzungssaale der Krolloper trat am Mittwochvormittag der Deutsche Gemeindetag zu seiner Jahrestagung zusammen. Der Vorsitzende, Reichsleiter Oberbürgermeister F i e h l e r (München), eröffnete die Tagung mit einem Gruß an die Ehrengäste, deren große Zahl beweise, daß der Wert der Selbstverwaltung von allen Seiten hoch eingeschätzt werde.
Ser Reichsminister des Innern Sr. Trick
führte darauf u. a. aus: Seitdem zum letzten Male die Vorstände des Deutschen Gemeindetages hier zusammenkamen, haben wichtige Gesetzgebungswerke, von denen ich nur die Realsteuer- r e f o r m und das Deutsche Beamtengesetz zu erwähnen brauche, den Einbau der Gemeinden in das Reich weitergeführt. In den Gemeinden selbst haben die stille und zähe Arbeit im Dienste der neuen durch den Vierjahresplan gestellten Aufgaben und der Kampf um die völlige Wieder- gesundung ihren Fortgang genommen. In der G e - meindeordnung hat sich das Dritte Reich unzweideutig zu dem Gedanken bekannt, daß nicht Zentralisation, Befehlsgewalt einer Stelle bis in die letzten örtlichen Einzelheiten hinein das Kennzeichen unserer neuen Verwaltung sein soll, daß vielmehr in dem deutschen Einheitsstaat der Selbstverwaltung der Gemeinden weiter Raum gelassen werden soll, weil die Selbstverwaltung benj deutschen Volke nach seiner ganzen Geschichte und seiner ganzen Veranlagung wesensgemäß ist. Wir haben in der deutschen Gemeindeordnung eine Derfassungsform für d i e Gemeinden gefunden, die eine schlagkräftige und zielsichere Verwaltung unter allen Umständen gewährleistet, eine Verfassungsform, die echter Selbstverwaltung weiten Raum gibt, wenn die Gemeindeleiter die in ihr liegenden Möglichkeiten nutzen. Dagegen sind die Auffassungen für die S e l b st Verwaltung der Gaue noch nicht einheitlich: ich glaube aber, daß die praktischen Erfahrungen, über die wir gerade durch die Umgestaltung der Pro- vinzialverfassung in Preußen im Jahre 1933 heute bereits verfügen, für die endgültige Lösung eine ausgezeichnete Grundlage bieten.
„Es mag auf den ersten Blick wie ein gewisser Widerspruch zu dem Wesen gemeindlicher Selbstverwaltung erscheinen, wenn ich hier die Frage einer gewissen Leistungsgleichheit oder Mindestleistungsfähigkeit der Gemeinden und Gemeindeverbände erörtere. Eine Gleichmacherei oder Schematisierung, die an diese Wurzeln der Selbstverwaltung greift, würde in mir stets ihren schärfsten Gegner finden. Es wird stets eine gewisse Min - de st grenze geben, die erfüllt werden muß, wenn der Selbstverwaltungsträger seiner Aufgabe gerecht werden will. Kann diese Mindestgrenze von einer Gemeinde oder einem Gemeindeverband nicht mehr eingehalten werden, so fallen im Unterbau des Reiches bestimmte Glieder aus und ein Zustand wird herbeigeführt, der in ernsten Zeiten unerträglich ist. Dr. Frick erklärte, er habe in München bereits bestimmte Einwohnerzahlen genannt, 60 000 bis 100 000, innerhalb deren der normale deutsche Landkreis der Zukunft liegen soll. Es werde sich also darum handeln, in einer Reihe Länder größere Landkreise zu schaffen als bisher. Eine derartige Größe der Landkreise sichere auch die Volksnähe der Landkreisverwaltung.
Die Deutsche Gemeindeordnung geht grundsätzlich davon aus, daß jede Gemeinde die Aufgaben der örtlichen Gemeinschaft in Ausschließlichkeit erfüllen soll. Es verbleibt aber eine weitere Gruppe von Aufgaben, die ich als zwischengemein d- lich bezeichnen möchte. Es gilt deshalb, für die nachbarliche Gemeinschaftsarbeit der Gemeinden untereinander geeignete Formen zu entwickeln. Dr. Frick erwähnte die Möglichkeit, daß Gemeinden im Wege vertraglicher Abmachungen in Gemeinfchastsbeziehungen treten, z. B. auf dem Gebiet der Gemeindewirtschaft. Bei bestimmten Fällen bleibe nach der derzeitigen Rechtslage nur die Begründung eines Zweckverbandes, der sich dann in den regelmäßigen Ausbau zwischen Gemeinde und Gemeindeverband einschiebe. Dr. Frick erinnerte daran, daß er in München eine radikale Wiederherstellung der Einheit der öffentlichen Verwaltung durch Zusammenfassung möglichst aller Fachverwaltungen in einer einzigen Behörde als Forderung ausgestellt batte. Selbständig bleibende Sonderverwaltungen müssen in enge Beziehungen zur allgemeinen Verwaltung gebracht werden, indem sie wenigstens einheitlicher politischer Führung unterstellt werden. Nur so ist der Ausgleich der In
teressen der einzelnen Verwaltungszweige möglich. Gerade im Verhältnis der Gemeinden zu den Aufsichtsbehörden begegnen wir immer wieder Sonderanforderungen, die auf dem speziellen Gebiet durchaus berechtigt sein können, der Gesamtlage der Ge
meinde aber nicht gerecht werden. So findet die von uns geforderte Einheit der örtlichen Vermal- tung erst durch die weitere Forderung der Einheit der Verwaltung in der regionalen Instanz ihre Abrundung und Vollendung."
Die Finanzpolitik der Gemeinden.
Die Reihe der Referate wurde dann fortgesetzt durch den Vorsitzenden des Deutschen Gememde- tages, Reichsleiter Oberbürgermeister Fiehler, der erklärte, der gegenwärtige Stand der Gemeindefinanzen werde im allgemeinen durch ausgeglichene Haushalte gekennzeichnet. Die Zahl der notleidenden Gemeinden, Die aus zentralen Fonds unterstützt werde, habe sich stark vermindert. Wohlfahrtshilfe erhielten von rund 1000 Bezirksfürsorgeverbänden nur noch 28, während 1933 noch 983 Bezirksfürsorgeverbände Wohlfahrtshilfe bekamen. Der Gesamtschuldenstand der Gemeinden sei trotz der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durch verstärkte Tilgung z u r ü ck gegangen.. Die Sorge um die nachhaltige Sicherung des Gemeindehaushalts mache die vorsichtige Haltung gegenüber neuen Ausgaben verständlich, um so mehr, als ihnen seit 1933 eine Fülle zusätzlicher Ausgaben übertragen wurde. Diese Umstände bedingten ein Festhalten an dem Grundsatz, daß bei Übertragung neuer Aufgaben auf die Gemeinden ihnen auch zusätzliche Einnahmen zugewiesen werden müssen. Gewiß wirkten sich viele Maßnahmen in der Zukunft auch finanziell günstig aus, die vorerst zum großen Teil allein von den Gemeinden finanziert werden müßten. Dies gelte z. B. auch für die Heimbeschaffung f ü r Die Hitler-Jugend, einer vordringlichen Aufgabe, die im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten durchgeführt werde. Die Vielfalt der gemeindlichen Ausgaben führe auf anderem Gebiete zur Abwehr a 1,1 e r Bestrebungen, die Gemeinde etwa als Milchkuh für Sonderwünsche einzelner Interessengruppen zu betrachten. Die Gemeinden verwalteten die Mittel der Allgemeinheit und Dürften sie nicht für Zwecke privater Organisationen verzetteln. Wenn sich solche Organisationen als notwendig erwiesen, so müßten sie von den von ihnen erfaßten Kreisen s e l b st getragen werden.
Es wäre zu wünschen, daß die Gemeinden in Zukunft wenigstens noch an einer großen Reichssteuer wesentlich beteiligt würden. Ob Ersetzung der Bürgersteuer durch ein Zuschlagsrecht zur Reichseinkommensteuer zweckmäßig sei, müsse dahingestellt bleiben. Im Interesse der Übersichtlichkeit des Gemeindehaushaltes wäre es zu begrüßen, wenn es im Fortschreiten der Reichs
reform gelänge, zu einem G e f a m t f i n a n z- und L a st e na u s g l e i ch zwischen dem Reich und den einzelnen Gebietskörperschaften zu kommen. Auch ein wirklicher Abbau der Finanzzuschläge zu den Werktarifen könne nur im Rahmen der Neuordnung des Finanzausgleiches erfolgen. Bei der engen Verbundenheit zwischen Gemeinden mit Sparkassen und Girozentralen wäre zu wünschen, daß diese Institute wieder aktiv m das Kommunalkreditgeschäst eingeschaltet würden.
Kommunale Energiewirtschaft.
Der geschäftsführende Präsident des Deutschen Gemeindetages Dr. Jeserich ging dann die einzelnen Arbeitsgebiete des Deutschen Gemeindetages durch. In wirtschaftlicher Hinsicht interessiere vor allem die Energiewirtschaft. Wie im einzelnen auch die Neuordnung der deutschen Energiewirtschaft (Gas und Elektrizität) erfolgen müsse, die Gemeinden und Gemeindeverbände seien nicht nur als Verteiler, sondern auch als Produzenten von Gas und Strom nicht wegzudenken. Einer immer weiteren Zusammenballung von Produktionsstätten stünden schwere technische, soziale und volkswirtschaftliche Gesichtspunkte entgegen. Gemeinden und Gemeindeoerbände erstrebten eine Senkung ihrer Finanzzuschläge zu den Werktarifen. Ebenso notwendig wie eine Senkung der Tarife erscheine eine Reform dieser Tarife im Sinne wirklicher Absatzförderung nicht nur im Haushalt, sondern gerade auch in der I n ö u ft r i e und im mittleren Gewerbe. Durch möglichst enge Zusammenarbeit von Arbeitsfront und Gemeinden werde es möglich fein, das Berufsschulwesen so aufzubauen, daß es den immer weiter steigenden Anforderungen der deutschen Wirtschaft genügt. Der Gemeindetag habe den Bau von Kleinsiedlungen und Volkswohnungen in jeder Weise gefördert. Bei der Kleinsiedlung wirke sich leider immer noch hemmend das unüberblickbare Gestrüpp gesetzlicher Bestimmungen und der endlose Instanzenweg aus. Für die Gemeinden gebe es keine Alternative, Eigenheim ober Geschoß- bau. Die Antwort laute: Eigenheim und Geschoß b a u.
Finanzmirlschafiliche Voraussetzungen der Reichsresorm.
Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk wies auf die Notwendigkeit der Unterordnung der Realsteuerreform unter die leitenden Gesichtspunkte der Reichsfinanz- und Wirtschaftspolitik hin, aus denen sich u. a. ergebe, daß keine Senkung des gesamten Steueraufkommens eintreten dürfe, aber die Frage nach einer besseren Verlagerung der Steuerlast zu lösen war. Diesem Ziel diene ein einheitliches Grund- und Gewerbesteuerrecht für das ganze Reich. Das bedeutsamste Stück Vorarbeit für die Reichsreform fei die Vereinheitlichung des Realsteuerrechts und die Erhebung der Gemeinden zu alleinigen Steuergläubigern. Eine verstärkte Heranziehung der Gemeinden bei der Erfüllung der öffentlichen Aufgaben sei erforderlich. Es komme nicht in Frage, daß der den Ländern entstehende Ausfall einfach durch einen entsprechenden Abstrich an den Anteilen der Gemeinden an den Reichssteuerüberweisungen ausgeglichen werde. Es wird vielmehr eine Neuregelung der Verteilung der Aufgaben und Lasten zwischen Ländern und Gemeinden zu treffen fein. Bei der Aufgaben- und Lastenverteilung wird auf die Verschiedenheiten in der Finanz- und Vermögenslage der einzelnen Gemeinden Rücksicht genommen werden. Es ist in Aussicht genommen, den Kreisen eine Lastenausgleichsfunktion für die kreisangehörigen Gemeinden zuzuweisen. Gleichwohl werde ein Finanzausgleich zwischen Land und Gemeinden nicht zu entbehren sein, und zwar sowohl in der Form des speziellen
LastenausgleiHs auf einzelnen Verwaltungsgebieten als auch in der Form der Finanzzuweisungen nach einem sozialen Schlüssel. Diese Ausgleichsmaßnahmen werden indessen nicht zu einer völligen Angleichung der Gemeindefinanzen aneinander führen; ein solches Ergebnis wäre auch unerwünscht, da die einzelne Gemeinde nicht der Verantwortung einer eigenen sparsamen Finanzwirtschaft enthoben werden soll. An Hand einiger Beispiele wies der Minister auf die besonderen Schwierigkeiten hin durch die sehr unterschiedliche Anspannung der Realsteuern und der Bürger st euer in den einzelnen Gemeinden. .
Lanorat Ludwig (Saalfeld) sprach dann über: „Ausgaben der deutschen Landkreise." Der Landkreis ist der Bezirk im Verwaltungsaufbau, in dem sich die lebendige Berührung zwischen Staatsgewalt und Volk vollzieht und in dem auch der Berührungspunkt zwischen Staatsund Selbstverwaltung liegt. Beide zur gegenseitigen Ergänzung und Befruchtung miteinander zu vereinen, ist die große, dem Landkreis gestellte staatspolitische Aufgabe. Die Wichtigkeit dieser Aufgaben erfordert, daß auch im Landkreis alle Kräfte der Selbstverwaltung lebendig gemacht werden. Das führt zu der Forderung, daß der Landkreis feine Ausgaben durch eigene Organe und in eigener Verantwortung löst. Ausgehend von den Erfahrungen mit dem bisherigen Kreisverfassungsrecht entwickelte Landrat Ludwig die Fragen, die eine neue Kreisverfassung hier zu lösen hat.
Volkswirte, Diplomkaufleute und Diplomhandelslehrer erlassen. Bis zum 30. September 1938 steht es den Kandidaten frei, sich nach der bisherigen oder nach der neuen Ordnung prüfen zu lassen.
Führer des politischen Katholizismus vor dem Volksgerichtshof.
Der Zusammenarbeit mit kommunistischen Hetzern angeklagt.
Berlin, 7. April. (DNB.) Vor dem Volksgerichtshof begann ein voraussichtlich mehrere Wochen dauernder Prozeß gegen sieben An- geklagte, der aufschlußreiche Enthüllungen bringen wird über die geheime Zusammenarbeit zwischen katholischen Priestern und kommunistischem Treiben zur Verwirklichung der von der ehemaligen KPD. erstrebten katholisch-kommunistischen Einheitsfront. Dem 34jährigen Kaplan Josef Rosfaint aus Düsseldorf wird vorgeworfen, daß er sich als Betreuer der Düsseldorfer „Sturmschar" des katholischen Jungmänneroerbandes in Gemeinschaft mit Funktionären des kommunistischen Jugendverbandes, die eine Wiederaufrichtung dieser aufgelösten Organisation erstrebten, besonders rege für diese hochverräterischen Ziele eingesetzt hat. Ihm hat der 32jährige Franz S t e b e r aus Matgendorf (Mecklenburg) als „Reichsführer" der Sturmschar zur Seite gestanden. Ferner der 36jährige Kaplan Karl Kremer aus Remfcheidt. Nach dem Ergebnis der Voruntersuchung hat der Generalsekretär des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands, der 46jährige Kaplan Jakob Clemens aus Düsseldorf, der geistliche Vorgesetzte Rossains, dessen hochverräterische Betätigung in voller Kenntnis ihrer
staatsfeindlichen Ziele geduldet. Der 33jährige Mitangeklagte Peter Himmes aus Düsseldorf hat von einem kommunistischen Funktionär eine hochverräterische Druckschrift eiitgegengenommen. Ein weiterer Lieferant von Hetzschriften war der 33- jährige Hermann Jülich aus Düsseldorf. Rossaint hat einen kommunistischen Funktionär Schwip ° p ert nach seiner Flucht nach Holland im November 1935 mit Geld unterstützt, ihn gewarnt und mit politischen Informationen versehen. Für die Beweisaufnahme sind 27 Zeugen und ein auswärtiger Sachverständiger geladen.
Oie Sonderstellung der Deutschen in Güdwest.
Anfragen im Kapstadter Parlament.
London, 7. April. (DNB.) Im südafrikanischen Parlament kam es zu einem lebhaften Wortwechsel zwischen dem Oppositionsführer Dr. SDlalan und dem Ministerpräsidenten General H e r tz o g über die Maßnahmen der Unionsregierung gegen das Deutschtum in Südwestafrika. Dr. Malan erklärte, es wäre besser gewesen, wenn die Regierung in ihren Bemühungen, ein harmonisches Verhältnis in Südwest aufrechtzuerhalten, versöhnlicher gewesen wäre. Die einzige Lösung der Probleme in Südwest könne auf dem Wege freundschaftlicher Zusammenarbeit mit Deutschland erzielt werden. General H e r tz o g erwiderte, daß die Unionsregierung bem deutschen Bevölkerungsteil in Südwest stets äußerst freundschaftlich gegenübergestanden habe. So habe man z. B. der deutschen Sprache die Gleichberechtigung mit Englisch und Afrikanisch gegeben. Etwas Un
heilvolles, das nicht zu der glücklichen und befriedigenden Entwicklung des Friedens beitrage, sei jedoch in das Verwaltungsleben von Südwest hereingebracht worden. Das deutsche Element habe Maßnahmen wie die Einschüchterung früherer Deutscher eingeführt, die Staatsangehörige der Union geworden seien. Die Regierung könne einen solchen Zu st and nicht mehr länger dulden. Sie sei gezwungen worden, energische Maßnahmen zu ergreifen. Die Regierung werde jedoch ihr Möglichstes tun, stets in freundschaftlicher Weise gegenüber dem deutschen Bevölkerungsteil zu handeln. Er bedauere, daß der deutsche Gesandte ihm die deutsche Protestnote ausgehändigt und es für nötig erachtet habe, sie zu veröffentlichen.
Unterschlagene Millionen in den „Schatzkammern" de« Gpls.-Henkers.
Moskau, 7. April. (DNB.) Nachrichten über riesige Unterschlagungen des verhafteten ehemaligen GPU.-Henkers Jagoda werden amtlich nicht mehr bestritten. Gleich nach der Verhaftung wurden in der pompösen !ciUa und in den Diensträumen des Juden Herschl Jehuda Haussuchungen durchgeführt. Sie haben Bargeld in Höhe von einigenMil- lionen Rubeln, ferner größere Beträge in Gold und ausländischen Devisen sowie zahlreiche Wertgegenstände zutage gefordert. Der Jude Jehuda sammelte Millionen, und in den sowjetrussischen Elendsgebieten lauert der Hungertod. Die Sowjets erklären, es sei der Beweis erbracht, daß Jagoda aus der Sowjetunion über Mandschukuo und Japan habe fliehen wollen. Im Keller dieses seltsamen „Arbeiterführers" hat man nicht weniger als 700 große Flaschen französischen Champagners gefunden.


