Oberheffen.
Schöner Heimatabend in Hausen.
I Hausen, 7. März. Der Evangelische Frauenchor Hausen veranstaltete in der Wirtschaft Dörr seinen alljährlichen Familienabend. Der Saal faßte eine Fülle von Menschen, wie sie hier wohl noch nie dagewesen ist. Der Abend galt zugleich als Heimatabend der Ortsgruppe Hausen der Heimatvereinigung Schiffenberg. So konnte Pfarrer Steiner, Hausen, in seiner Begrüßungsansprache den 1. Vorsitzenden der Heimatvereinigung Schiffenberg, Oberforstmeister Nicolaus, Gießen, begrüßen, der seine Jugend in Hausen verlebte, und dem so der Abend Heimatklänge vermitteln wollte. Begrüßt wurde ferner der zweite Vorsitzende der Heimatoereinigung, Rektor i. R. Müller, der nun seinen Wohnort in Hausen hat. Ferner waren erschienen der Ortsringleiter des Landschaftsbundes von Volkstum und Heimat, Dr. Michel, Gießen, der 2. Vorsitzende des Gleiberg- vereins, Lehrer Praß, Krofdorf, und Lehrer Zöller, der über 30 Jahre in Hausen tätig war und nach seiner Pensionierung im vorigen Jahr in Gießen wohnt.
Der Abend war umrahmt von Musikstücken, Klavier, Violine, Trompete und Xylophon. Die Lieder des Ehores waren alle heimatlich abgestimmt; der Dirigent, Finanzsekretär Sommer, konnte wieder sein feines, musikalisches Einfühlen in die Lieder hineinlegen, so daß sie verdienten Beifall fanden. Zum Vortrag kamen noch einige Heimatge- dichte, von Frau Steiner, Hausen, verfaßt.
Im ersten Teil des Abends wurden Lichtbilder gezeigt, die Ausschnitte aus den letzten 60 Jahren des Dorfes brachten. Die Anregung hierzu gab ein kleines Zeichenheft, das der Kunstmaler Hofmann aus Frankfurt im Anfang der 70er Jahre gelegentlich feiner öfteren Besuche bei seinen Verwandten im Pfarhaus zu Hausen angefertigt hatte. Das Zeichenbuch befindet sich im Besitze der noch lebenden 86jährigen Tochter des Malers, die bei ihren Verwandten, Familie Wahl in Hausen, lebt. Diese Zeichnungen sind für Hausen von größtem kulturgeschichtlichem Wert, well sie em getreues Dorsbild von damals geben. Hausen, damals das kleine Haufendorf, das mit dem Aufkommen der industriellen Entwicklung nach dem Kriege 1870 als Vorort einer Stadt sich mehr und mehr erweiterte, indem in den folgenden Jahren sämtliche fünf Zugangswege nach Hausen bebaut wurden, so daß man Hausen jetzt ein Strahlendorf nennen könnte. Die Zeichnungen des Malers Hofmann gaben also die Anregung, sie der Gemeinde zugänglich zu machen, überhaupt Bilder zu sammeln, die die Entwicklung der letzten 60 Jahre veranschaulichten. So wurde denn von Haus zu Haus vorhandenes Bildmaterial gesammelt und unter folgenden Gesichtspunkten gezeigt: Wandel des äußeren Dorfbildes, Wechsel in Tracht und Kleidung, Blicke ins dörfliche Leben im Wandel der Zeit, das neue Deutschland im Spiegelbild des Dorfes, ferner Bürgermeister, Lehrer und Pfarrer der vergangenen 60 Jahre. Ungefähr 90 Bilder zogen an den Augen der Zuschauer vorbei, davon die älteste im Dorf befindliche Photographie aus dem Jahre 1866. Mit größtem Interesse verfolgten die Zuschauer den Ablauf der Bilder, da und dort ein bekanntes und vertraues Gesicht entdeckend, und die Jüngeren sahen im Bild, was die Eltern und Großeltern wohl schon manchmal über die Entwicklung des Dorfes erzählt hatten.
Im zweiten Teil des Abends wurde ein drei- aktisches Heimatspiel aufgeführt: „Die Heimat ruft", verfaßt von Pfarrer Steiner und Frau. Es brachte in schlichter Weise zum, Ausdruck, welche
Kräfte die Heimat einem Menschen vermitteln und wie stark der Ruf der Heimat sein kann. Die Darsteller hatten sich gut in ihre Rollen hineingelebt und so das Heimatspiel lebenswahr und eindrucksvoll zur Darstellung gebracht.
So war die ganze Veranstaltung ein Heimatabend im besten Sinne des Wortes, und sie dürfte bei den Zuhörern einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben.
Verein „Kinderfreund und Krankenpflege" Daubringen.
■y Daubringen, 6. März. Dieser Tage fand bei Gastwirt Weimer die gut besuchte Generalversammlung des hiesigen Vereins Kinderfreund und Krankenpflege statt Der seitherige Vorsitzende und Gründer des Vereins, als der Träger des sozialen Werkes, Dekan i. R. G u ß - mann (Gießen) eröffnete die Versammlung und erstattete den Jahresbericht für 1936. Dem Bericht war zu entnehmen, daß der Verein jetzt 323 Mitglieder zählt (die ganze Gemeinde beteiligt sich erfreulicherweise an ihm) und daß fünf Mitglieder durch den Tod ausgeschieden sind. Ihrer wurde ehrend gedacht. — Der Berichterstatter verbreitete sich sodann über die Aufgaben und Pflichten einer Kinderschwester, deren Tätigkeit nicht so bekannt ist, weil sie sich abseits der Oeffentlichkeit abzuspielen pflegt, und die doch so wichtig ist.
Die Pflegearbeit der Krankenschwester vollzieht sich mehr in der Oeffentlichkeit. Die Krankenschwester machte im vergangenen Jahr 5 8 8 3 Pflegebesuche und hatte daneben 15 Nachtwachen. In diesen Zahlen kommt viel Liebe zum Ausdruck. Beiden Schwestern wurde für ihre selbstlose Hingabe und opferwillige Tätigkeit der gebührende Dank der Versammlung ausgesprochen. Auch der Gaben wurde dankend gedacht, mit denen die Anstalt im Berichtsjahre unterstützt worden war. Genannt wurde: die Gemeinde Daubringen, die Bu- derusschen Eisenwerke, die Firma Rinn & Cloos, die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M., die evangelisch-kirchliche Frauenhilfe Daubringen, der Landesverband für innere Mission in Hessen, die Milch- genossenschaft Daubringen, der Spar- und Vorschußverein Daubringen, die Schwestern für erspartes Wirtschaftsgeld, die Amerikanerin Mildred Allach (Chikago) und ein weqgezogener Daubringer Bürger für je eine Spende. Rühmend hervorqehoben wurden auch die vielen, unbekannten Spender von Naturalien an die zwei Schwestern. Sie bedeuten indirekt eine Entlastung der Vereinskasse. So könne man, wenn Einigkeit und Opferwilligkeit in der Gemeinde, wie seither bestehen bleibe, ohne Sorge, ja mit Hoffnung in die Zukunft schauen.
Die Rechnungsablage über Einnahmen und Ausgaben erstattete der Rechner des Vereins, Kassenrechner Braun. Sie war vorgeprüft und für richtig befunden worden. Die Einnahme betrug 3371,72 RM., die Ausgabe 3077,98 RM., so daß 'der Verein mit einem Kassenbestand von 293,74 RM. in das neue Rechnungsjahr hinübergeht. — Im Anschluß an die Entlastung dankte der Vorsitzende dem Rechner für feine selbstlose, freudige Mitarbeit. Die Wahl des Vereinsführers fand mit der Wiederwahl von Dekan i. R. Gußmann ihre Erledigung.
Gängerkreis Ohm-Lumdatal.
'S? Geilshausen, 7. März. In der Wirtschaft von Hofmann fand eine Sitzung des Vorstands des Sängerk^eises Ohm-Lumda- t a l statt, zu dem auch der Vorstand des Gesang
vereins „Germania" Nieder-Ohmen und des Gesangvereins „Jugendmut" Geilshausen erschienen waren. In der Versammlung wurde die Gestaltung der beiden Wertungs singen des Kreises in Verbindung mit den Veranstaltungen der beiden Vereine festgelegt. Das Wertungssingen in Geilshausen soll am 30. Mai statt sind en. Es sollen dabei mehrere Chöre zum Vortrag kommen. Jeder Verein wird einen freigewählten und einen Pflichtchor fingen. Das Wertungssingen in Nieder- Ohmen soll am 6. Juni in der gleichen Weise durchgeführt werden. In Geilshausen werden voraussichtlich 16, in Nieder-Ohmen 18 Vereine beteiligt sein. Wertungsrichter ist Dr. Rudolf Werner (Frankfurt a. M.). Am Nachmittag des Festtages wird der Gesangverein „Jugendmut" Geilshausen auf dem Waldfestplatz die Feier seines 75- jährigen Bestehens begehen. Innerhalb des Fest- zuges ist auch eine Kreiskunügebung vorgesehen. Hierbei wird die neue Standarte ihre Weihe erfahren.
Landkreis Gießen.
= Annerod, 6. März. Am Freitagabend hielt die hiesige Evangelische Frauenhilfe ihren Winterschlußabend ab, zu dem auch die Mitglieder der NS.-Frauenschaft eingeladen waren. Pfarrer Bönning wies in feiner Eröffnungsansprache auf die Zwecke und Ziele der evangelischen Frauenhilfe hin. Der Abend wurde verschönt durch eine Reihe humorvoller Gedichtoor- träge und einige Theaterstücke. Eine Kaffeetafel vereinigte die Teilnehmerinnen des Abends in kameradschaftlicher Unterhaltung. Dabei wurde des Winterhilfswerkes gedacht, dem der Betrag von 12,50 Mark überwiesen werden konnten. Mit dem Gedenken an den Führer fand die Veranstaltung ihren Abschluß.
T Allendorf a. d. Lda., 6. März. Der zum Kreisoerband Gießen gehörende, dem Reichsbund für Leibesübungen abgeschlossene Kleinkaliberschützenverein nahm an einem von der Kriegerkameradschaft Weßmar veranstalteten Freundschaftsschießen teil. Jeder Verein schoß mit zwölf Schützen. Jeder Schütze gab 15 Schüsse ab, davon je fünf stehend freihändig, kniend und liegend. Das Ergebnis war folgendes: Schützenverein Allendorf zusammen 1405 Ringe, Kriegerkameradschaft Wißmar zusammen 1164 Ringe. Bester Schütze des Tages war L. W. F o r m h a l s, Allendorf a d. Lda. mit 153 Ringen. Wenn auch Allendorf mit feinen Leistungen an der Svitze stand, so befriedigte doch das Ergebnis der Schützen selbst keinesfalls, umsomehr, als die seitherigen Resultate des wenn auch noch jungen Vereins ganz bedeutend besser waren. Es mag dies zum Teil an den ungüstigen Witterungsverhältnissen gelegen haben. Die Hauptursache des unbefriedigenden Ergebnisses dürfte aber wohl darin zu suchen sein, daß der Verein seit längerer Zeit wenige oder fast gar keine Schießübungen abgehalten hat. Es ist dem sonst immer strebsamen Verein zu wünschen, daß er seine frühere eifrige Tätigkeit auf feinem idyllisch gelegenen Waldschießstand baldigst wieder aufnimmt und das Versäumte nach- holt, damit er in seinen Leistungen die früher inne- gehabte Stufe wieder erreicht.
(D Allendorf a. d. Lda., 6. März. Der Jungzug III, Fähnlein 22/116 des Jungvolkes veranstaltete im überfüllten Saale des Ferd. Horn einen schön verlaufenen Volksgemeinschaftsabend. Die Pimpfe hatten es sich angelegen fein lassen, den Abend reichhaltig zu gestalten. Fanfarenklänge leiteten den Abend ein. Stammführer Schmulbach erläuterte kurz das Wesen und den Sinn der Veranstaltung und gab dann einen Rückblick auf den Werdegang der Jungvolkbewegung bis zum heutigen Tage, der durch
eine Anzahl Lichtbilder veranschaulicht wurde. Redner betonte auch, daß andere Staaten, wie Italien und England, ebenfalls derartige Organisationen aufzuweisen hätten, doch bestehe insofern ein Unterschied, als diese durch den Staat in's Leben gerufen worden, während unsere Jungvolkbewegung aus sich selbst, aus dem Volk, für den Staat entstanden fei. Ein Theaterstückchen, in dem die brutale Gewaltherrschaft der Feindbundmächte nach dem Weltkrieg bis zur Rheinlandbefreiung zutage trat, wurde von den Jungen gespielt und fand Beifall. Sodann wurden von den Jungen einige gut einge- schulte Lieder der Bewegung zu Gehör gebracht. Im weiteren Verlaufe des Abends zeigten die Pimpfe in bunter Folge luftige Szenen, die mit humoristischen Gesangsvorträgen abwechselten. Das Sieg-Heil auf den Führer beschloß den Abend.
ch Lauter, 6. März. Wie in anderen Dörfern, so ist auch in unserem Dorfe das Kasinohalten ein fester Brauch. Gegen Ende des Winters, ehe die Landfrau durch die Gartenarbeit in Anspruch genommen ist, lädt sie die Verwandten und Freunde zu Gast. Die auswärts wohnenden Gäste kommen am Tage, die heimischen am Abend. Da gibt es zu einer guten Tasse Kaffee allerlei Gebäck. Auch das nötige Gesprächsthema ist bald gefunden. Alles geht ganz gemütlich zu, wenn nicht diese Gemütlichkeit plötzlich durch Lärmen gestört würde. Die jungen Burschen haben nämlich bald herausgefunden, in welchem Haus ein Kasino stattfindet. Dann suchen sie im ganzen Dorf zerbrochene Topfe und alte Blechwaren zusammen, um „Deppe" zu werfen. Nachdem sie genügend altes Gerümpel zusammen haben, schleichen sie vor das Haus, in dem das Kasino stattfindet, und werfen das Gerümpel dort ab. Auch unter der jungen Generation ist dieser Brauch schon heimisch. Denn an den schulfreien Nachmittagen laden die Schulmädchen ihre Schul» kameraden und Schulfreundinnen zum Stricken ein. Hier sind es dann die Schulbuben, die das „Deppe"» werfen besorgen. Die Mädchen laufen dann den Buben nach und versuchen, sie zu ergreifen, um sie mit der Wichsbürste schwarz zu machen. Groß ist ihre Freude, wenn sie einen ergriffen haben, aber in den meisten Fällen gelingt es ihnen nicht. Dadurch, daß die junge Generation diesen Brauch schon übt, ist die Gewähr geboten, daß dieser Brauch nicht ausstirbt.
<> L i ch, 7. März. In unserer Gemarkung soll in Zukunft, entsprechend einer behördlichen Anordnung, eine systematische Schädlingsbekämpfung im Ob ft bau durchgeführt werden. An allen Obstbäumen, die bis zum 20. März nicht behandelt sind, werden die notwendigen Arbeiten auf Kosten des Baumbesitzers von der Stadt vor» genommen. — Der Reichsmütterdienst veranstaltete in unserer Stadt einen Kochkursus. Die Zahl der Teilnehmerinnen ist erfreulich groß. Der Kursus findet deshalb in zwei Abteilungen statt.
Kirche und Schule.
Landkreis Gießen.
6 Dorf-Gill, 6. März. In unserer Kirche wurde von einem Barmer Missionar der China- Film „Wlan" vorgeführt. Der Besuch war sehr gut. lieber 84 Mark konnten der Rheinischen Mission überwiesen werden. Der Film machte auf alle Besucher einen tiefen Eindruck. — Am Sonntag fand in unserer Kirche die Ordination unseres Ortspfarrers Goethe statt. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt. Die feierliche Handlung nahm Pfarrer Eitel von Wolfersheim in Gegenwart von Pfarrer Strack, Münster, und Pfarrer C r u l l, Trais-Horloff, vor.
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