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Ur. 234 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Donnerstag,?. Oktober W37

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Deutsches Volk, hilf mit!

An das deutsche Volk!

3m Jahre 1933 wandte sich die Regierung des neuen Deutschlands angesichts eines Heeres von weit über sechs Millionen Arbeitslosen zum erstenmal an die Ration, um den Opfern des überwundenen Systems über die ärgste Rot des Winters hinwegzuhelfen. Das deutsche Volk legte damals den Grundstein zum Winterhilfswerk, dem größten sozialen Werk aller Zeiten. Die Gesamtleistung der Winterhilfswerke seit 1933/34 beträgt

1 490760834 Reichsmark.

Die Winterschlachten der vergangenen Zahre sind Ruhmesblätter unserer Volksgemeinschaft, ein unwiderlegliches Zeugnis für den Erfolg nationalsozialistischer Erziehungsarbeit. 3m Winter 1937/38 gilt es, die bisherigen Ergebnisse noch zu steigern. Deutsches Volk hilf mit!

Vertin, den 5. Oktober 1937.

Der Führer und Reichskanzler und die gesamte Reichsregierung.

Vertrauen und Einigkeit.

Britischer Wirtschastshistoriker berichtet über seine Oeutschlandreise.

SeuM-and wünscht nur vernimMe Dinge.

London, 7. Okt. (DNB. Funkspruch.)Keine Spur von Arbeitslosigkeit, ein Geist des Ver­trauens und der Einigkeit." Zu dieser Erkennt­nis gelangte der Wirtschaftshistoriker an der Uni­versität Cambridge Dr. C. R. Fay nach einer Reise durch Deutschland und die norwegischen Lan­der in einer Zuschrift an denDaily Telegraph". Er sei während des Mussolini-Besu­ches in Berlin gewesen und habe mit Pro­fessoren und Arbeitern gesprochen und dabei fest­stellen können: Abscheu vor dem Bolsche­wismus, der in Finnland allerdings ebenso stark gewesen sei, wie in Deutschland, weiter die wirk­liche Lebensfreude eines jeden Deutschen. Der Geist des Vertrauens und der Einigkeit stehe in jedem Gesicht. Nahrungsmittel und Getränke seien in genügendem Maße und zu vernünftigen Preisen überall vorhanden, die Milch sei sogar zwei­mal so billig wie in England. Man sehe keine herumlungernden Menschen und keinen Schmutz. Die Beständigkeit des wirtschaftlichen Lebens werde vor allem von dem deutschen Volke heroorgehoben und gepriesen.

Als besonderes Merkmal hebt Dr. Fay den deutschen Wunsch nach Rückgabe der Ko­lonien hervor. Aus dem Munde von Nor­wegern habe er die Frage gehört, warum England nicht etwas tun könne, um diesem deutschen Wunsch gerecht zu werden. Auch in Finnland und Schweden sei man der Meinung gewesen, daß England in irgendeiner Weise der deutschen Forderung entgegen­kommen sollte. Mit größter Bewunderung stellt Dr. Fay dann fest, daß Deutschland mit erstaunlicher Geschicklichkeit in vier Jahren eine Wehrmacht geschaffen. Straßen gebaut und zur gleichen Zeit dem Volke Brot gegeben habe.

Abschließend heißt es in der Zeitschrift:Täu­schen wir uns nicht in dem Gedanken, das neue Deutschland breche zusammen. Ich möchte nur wünschen, England und Frankreich wären so unbesiegbar. Das deutsche Volk und seine Regierung sind vernünftig: sie wünschen nur vernünftige Dinge, und es wird keinen Frieden geben, bis man diesen Forderungen gerecht wird."

Vorposten -es Deutschtums.

Zehn Zahre Karpathendeutsche Partei.

Konrad Henlein fordert ein Zusammenleben von Gleichen unter Gleichen.

Preß bürg, 6. Okt. (DNB.) Zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Karpathendeut­schen Partei war auch Konrad Henlein er­schienen. Er führte aus:Die Einheit zwischen den Karpathendeutschen und den Sudetendeutschen ist naturgewollt und gesund gewachsen. Das Band, das sich um die Kameraden von Asch bis in die Wälder Karpathorußlands schließt, umschließt eine Volksgruppe, welche nicht verstandesmäßige Er­wägungen und taktische Ueberlegungen zusammen­gefügt hat. Den harten Kampf, den Sie heute um die Erhaltung ihres Volkstums zu bringen haben, den führen Sie im Dienste des Gesamt­deutschtums. Ihre Vorpostenstellung bedeutet die Aufgabe, Brücke zu sein zwischen den geschlosse­nen deutschen Sprachgebieten. Wie ich es schon immer entschieden abgelehnt habe, wenn das Su­detendeutschtum der unloyalen Haltung gegenüber dem Staat bezichtigt worden ist, so wiederhole ich diese Feststellung auf karpathendeutschem Boden mit Nachdruck. Liegt nicht vielmehr gerade die Auf­

gabe der deutschen Minderheit in den Karpathen­ländern darin, durch ein gerechtes Zusam­menleben aufder Ebene »Gleiche unter Gleichen* mit den anderen Minderheiten des Staates die Tatsache, daß unser Staat ein N a t i o - nalitätenstaat erster Ordnung ist, vor Augen zu führen, andererseits aber auch durch die Art des Zusammenlebens der Minderheiten unterein­ander den Beweis zu liefern, daß ein Nationali­tätenstaat nicht Inbegriff von Unord­nung und Unzufriedenheit zu sein braucht! Wir haben die Aufgabe, den anderen Völkern des von ihnen bewohnten Raumes Vorbild zu sein." *

Während der Feier hatte sich vor dem Gebäude eine brüllende Menge von Kommu­nisten versammelt, die unter Schreien und Toben die Auslieferung Konrad Henleins an sie verlangte. Die Polizei säuberte den Platz, so daß Zusammenstöße vermieden werden konnten. Einige der größten Schreier wurden verhaftet.

Opfernde Ration.

Zum fünften Male findet sich das deutsche Volk zu jener wunderbaren Opfergemeinschaft zusam­men, die das Winterhilfswerk trägt. Den Spenden­den und den Sammler, sie beide hat der Führer in seinem Appell auf der großen Kundgebung in der Deutschlandhalle zu Beginn des neuen Winter- hllfswerks die Garanten für das Gelingen auch dieses Werkes genannt. Zn Millionen und aber Millionen Groschen fließen die Beiträge durch ein weit verästeltes System feinster Kanäle in dem breiten Strom zusammen, aus dem das Winter- hllfswerk seine Kraft schöpft, um allen denen zu helfen, die auf der Schattenseite des Lebens ge­boren wurden, ohne aus sich heraus die Möglichkeit zu haben, ihre Zukunft freundlicher zu gestalten, und allen denen beizuspringen, die ein widriges Geschick aus ihrer Lebensbahn geworfen hat. Aber daß dieser Strom unermüdlich opfernder Nächsten­liebe im Fluß bleibt, in zweckentsprechende Gaben umgewandelt und dorthin weitergeleitet wird, wo die Not am größten und die Hilfe am nötigsten ist, dazu bedarf es der großartigen Organisation der National­sozialistischen Volkswohlfahrt mit ihrem Riesenheer freiwilliger Helfer, die nicht nur sich keine Mühe ver­drießen lassen, von Straße zu Straße, treppauf, trepp­ab an jeder Tür zu klopfen, um die Gabe eines jeden zu erbitten, der sich zugehörig fühlt, dieser einzig­artigen Opfergemeinschaft, sondern auch Zeit und Kraft unermüdlich und ohne Rücksicht auf persön­liche Bequemlichkeit einsetzen, um aus den ihnen anvertrauten Spenden an Geld, Naturalien, Koh­len, Bekleidung, den denkbar größten Nutzen für die Riesenarmee ihrer Schützlinge, die vom Winter­hilfswerk betreuten Volksgenossen herauszuholen.

Wer einmal sich eingerecht hat in das Heer der Sammler oder als wirkendes Mitglied der NS.- Volkswohlfabrt einen Blick getan hat in die weit­verzweigte Arbeit des Winterhilfswerks, der hat eine Ahnung davon bekommen, wieviel selbstlose Liebe zur Sache, wieviel idealer Schwung, aber auch wieviel organisatorisches Verständnis und wie­viel praktischer Ueberblick, welch feiner Takt und welch tiefe Menschenkenntnis hier zusammenkom­men müssen, um im besten Sinne einer sozialen Aufgabe gerecht zu werden, der wird aber auch die größte Hochachtung denen entgegenbringen, die immer strebend sich bemühen, wahre Sozialisten der Tat und Verkünder einer praktischen Volks­gemeinschaft zu sein, und er wird alles, was an ihm liegt, tun, um ihnen die zwar schöne, aber auch schwere Aufgabe, die sie sich aestellt haben, nach Kräften zu erleichtern in der lieber,^eugung, daß seine Gabe, und möge sie auch für ihn wirk­lich ein Opfer bedeuten, wie es der Führer von jedem Volksgenossen verlangt, erst durch jene Treue om Werk, mit der sich die Armee der freiwilligen Helfer für ihre Aufgabe einsetzt, ihren Zweck er­füllen kann, die Not zu lindern, dem Elend zu steuern, Niedergebrochene wieder aufzurichten, Ver­zagten Mut zu machen und allen Mühseligen und Beladenen, Einsamen und Verlassenen die Gewiß­heit zu geben, daß auch sie Glieder unserer großen deutschen Volksgemeinschaft sind, die sie nicht ver­gißt, vielmehr sie liebevoll in ihre Arme zieht, sie schützt aegen die materielle Not des Winters und sich müht, auch den seelisch Bedrückten Helfer zu sein zu einer freudigen Bejahung des Lebens.

Das Durchdringen zu einer solchen Auffassung ist für uns alle, die wir vielleicht mehr oder weniger innerlich unbeteiligt die Sammeltätigkeit des Win- terhilfswerks über uns ergehen ließen, der erste Schritt auf dem Wege eines bewußten Sichindienst- stellens, das der Führer in seiner großen Rede in der Deutschlandhalle andeutete, als er sagte:Das Winterhilfswerk soll uns alle erziehen, das natio­nale Ideal in ein sozialistisches zu verwandeln." Wir sollten uns alle dessen bewußt werden, daß das Zusammenstehen in der Not in einemVolk von Brüdern" gelernt sein muß und geübt werden will. Wir können von den Volksgenossen, die das Leben nicht mit Glücksgütern gesegnet hat, kein freudiges Bekenntnis zu den großen nationalen Zielen unse­res neuen Reiches erwarten, wenn wir selbst uns nicht zu den sozialen Zielen dieses Reiches bekennen. In dem Stolz, Bürger dieses Reiches zu fein, in dem Glücksgefühl, teilzuhaben an feiner neugewon­nenen Größe und Macht, an dem wirtschaftlichen Aufschwung und der kulturellen Gesundung, wird jeder eine Verpflichtung sehen, sein Ganzes einzu- setzen für die innere Einheit unseres Volkes, das un­erläßliche Fundament für die Bewahrung des Er­reichten und die Bewältigung neuer großer Auf­gaben, die wir auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens vor uns sehen. In dem Erkennen und dem Erfüllen der sozialen Sendung, für die das Winter­hilfswerk der alljährliche Prüfstein ist, liegt die große Kraftouelle der Nation. Sie immerfort zu er­neuern, den Born nationaler Energien unversiegbar zu machen, kann uns kein Opfer zu klein sein. Der Führer hat es einen Tribut der Vernunft ge­nannt, die Versicherung der deutschen Volksgemein­schaft gegen den politischen Wahnsinn und der aus ihm drohenden Rückkehr zu Zerrissenheit und Ohn­macht. Tun wir olle unsere Pflicht auch wieder in den kommenden Monaten, stärken wir die Volksge­meinschaft mit der jedes einzelnen Dasein und Le­bensglück untrennbar verknüpft ist, durch unser freudig doraebrachtes Opfer, durch unsere freudig geleistete Hilfe, dann schaffen wir mit am Bollwerk der Einheit unseres Reiches, an dem Neid, Miß­gunst und Uebelwollen ebenso zerschellen werden wie Versuche der Zersetzung und Aufspaltung, die früher einmal in unserem Volk einen so nahrhaften Boden gefunden haben.

Die wahrhaft stolzen Zahlen, die der Rechen­schaftsbericht Hilgenfeldts über die Leistungen des

vorjährigen Winterhilfswerks bekanntgegeben hat, mögen uns ein Beweis sein, daß wir auf dem rich­tigen Wege sind, und ein Ansporn, nicht nachzu­lassen in einem Sozialismus der Tat, das der Füh­rer im tiefsten Grunde ein christliches Werk ge­nannt hat. Der erfreuliche Rückgang der vom Win­terhilfswerk Betreuten infolge der Beseitigung der Arbeitslosigkeit Hand in Hand mit dem von Jahr zu Jahr zu verzeichnenden Anwachsen der für das Winterhilfswerk aufgebrachten Mittel, macht es in steigendem Maße möglich, beträchtliche Summen des Aufkommens für Zwecke zu verwenden, die Er­krankungen des Volkskörpers vorbeugen, statt erst dann helfend einzugreifen, wenn sie bereits zu schweren Schädigungen geführt haben. Dem dient in erster Linie das H i l f s w e r kMutter und Kind", denn was könnte schöner und zugleich nütz­licher sein und so ganz in der Linie der national­sozialistischen Bemühungen um einen im Kern ge­sunden Volkskörper liegen, als die vorbeugende Fürsorge für die Mütter unserer Jugend, den Trä­ger der Zukunft unseres Volkes? Auch aus diesem 1 Gesichtswinkel gesehen, ist unser Opfer für das Winterhilfswerk ein Beitrag jur Sicherung von Leben und Fortbestand der deutschen Nation.

Dr. Fr. W. Lange.

Schlechtes Wetter auf dem spanischen Kriegsschauplatz.

Salamanca, 7. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der nationale Heeresbericht vom Mittwoch lautet:

An der Asturienfront dauerte das schlechte Wetter fort und verhinderte jede Operation. Unsere Truppen besetzten le­diglich Corral de la Tojora. An der Westfront In­fanterie- und Artilleriefeuer. 19 Rotmilizen liefen zu uns über. Auch an der Leon- Front herrschte starker Regen und dichter Nebel, so daß jede zusammenhängende Operation unmög­lich gemacht wurde. Eine Kolonne führte die Be­setzung zwischen der Landstraße Tarna und der Landstraße Condal de Forca weiter fort. Auch in der Sierra Torno erweiterten unsere Truppen ihre Stellungen. In Aragon wurden einige feindliche Angriffe im Sektor Sabinanigo abgeschlagen. Bei der Südarmee: Nichts neues. Feindliche Flie­ger warfen über mehrere andalusische Orte Bom­ben ab und verursachten Verluste unter der Zivil­bevölkerung.

Kankreichs Kanlonalwahlen.

Don unserem Kr.-Äerichierstatter.

Nachdruck verboten?

Paris, 6. Oktober 1937.

An den beiden Sonntagen des 10. und 17. Okto­ber finden in Frankreich Kantonalwahlen statt. Da­bei werdenG e n e r a l r ä t e" undArrondis­sementsräte" gewählt, und zwar nach allge­meinem geheimem Wahlrecht. Auf jeden französi­schen Kanton entfällt mindestens ein Generalrat und ein Arrondissementsrat. Wählbar sind nur ein­getragene Wähler, die im Departement der Kandi­datur wohnen oder besteuert werden, nach dem be­kannten französischen Wahlsystem. Ein Generalrat kann nicht gleichzeitig Arrondissementsrat sein, doch ist die Ausübung eines Abeordneten- oder Senats­mandats möglich. Der Arrondissementsrat darf auch nicht Vater, Großvater, Urgroßvater, Sohn, Enkel, Bruder oder Schwager eines Mitgliedes desselben Arrondissementrates sein. Höhere französische Be­amte dürfen sich in keine der beiden Versammlungen wählen lassen.

Der Generalrat ist sozusagen das Parlament des Departements, das durch die Gesetze von 1799, 1871 und 1926 eingerichtet wurde. Jedes Mitglied dieser Versammlung muß wenigstens 25 Jahre alt sein. Es wird für sechs Jahre gewählt, und zwar so, daß alle drei Jahre die Hälfte der Räte neugewählt werden. Diese Versammlung hat Fragen von allgemeinem Gemeindeinteresse, die Verteilung der direkten Steuern auf die einzelnen Arrondissements, die Verwaltung des departemen­talen Staatsgutes, Revision der Wahlsektionen und provinzielle Belange zu bearbeiten. Wenn Kammer und der Senat gewaltsam aufgelöst oder am Zu­sammentritt gehindert sein sollten, so spricht die französische Verfassung den Generalräten das Recht und die Ausgabe zu,Delegierte" zu erwählen, denen in diesem Falle die Landesoerwaltung pro­visorisch obliegen würde: jedoch ist dieser Fall bis­her noch nie eingetreten. An den Kantonalwahlen ist nicht beteiligt der Generalrat des Departements Seine, dessen 80 Pariser Stadtverordnete und weitere 40 Generalräte aus den Vororten gelegent­lich der Gemeindewahlen gewählt werden. Die Generalräte stehen dem Präfekten, d. h. dem ver­waltungsmäßigen Oberhaupt eines jeden Departe­ments zur Seite.

Die Arrondisfernentsräte stehen dem Unterpräfekten zur Seite, und setzen sich zusam­men aus je einem Vertreter eines Kantons, doch muß jede Arrondissementsoersammlung wenigstens neun Mitglieder haben. Bei den letzten diesbezüg­lichen Gesetzen 1926 wurden 106 Arrondissements aufgelöst und anderen einoerleibt. Der Arrondisse­mentsrat befaßt sich meist mit Steuerfragen: er kann unpolitische Meinungsäußerungen zu lokalen Belangen von sich geben. Gewisse Arrondissements wie Saint-Denis und Sceaux besitzen keine Ver­sammlungen mehr, wohl aber senatswahlberechtigte Arrondissementsräte. Damit ist die wichtigste Eigen­schaft dieser beiden Körperschaften erwähnt. Der S e- n a t wird in Frankreich nur von den Abgeordneten, Generalräten und Mitgliedern der Arrondissements­oersammlungen gewählt. Somit ist der Senat nur ein mittelbarer Ausdruck des Volkswillens, der dabei immer erst durch das Sieb der kantona­len Wahlmaschine laufen muß. Zur allgemeinen Erklärung sei noch hinzugefügt, daß Frankreich sich zusammensetzt aus 90 Departements, 279 Arron­dissements, 3024 Kantonen und 37 981 Gemeinden.

Bei den bevorstehenden Kantonalwahlen müssen im ganzen 3600 Sitze neu besetzt werden, und zwar sind 1909 Generräte und 1691 Arrondisfernentsräte Zu wählen. Bei jeder Kantonalwahl werden die Generalräte der einen Hälfte aller französischen Kantone neu gewählt, und die Arrondifsementsräte der anderen Hälfte aller Kantone. So wieder­holen sich jetzt also die Wahl en von 19 31, die zusammen gefaßt folgendes Ergebnis gebracht hatten: 1102 radikalsoziale Generalräte, 641 natio­nalgesinnte und gemäßigte Generalräte, 160 sozial­demokratische Generalräte und 6 kommunistische Generalräte. Damit waren schon die damaligen Kantonalwahlen ein großer Erfolg der Linken ge­wesen, die praktisch mit 1262 Sitzen nur 641 ge­mäßigten und rechtsgerichteten Generalratsmitglie­dern gegenüberstanden. Gewiß machte sich damals diese überragende Linksmehrheit nicht besonders gel­tend, da es 1931 noch keine Volksfront gab; Sozialisten und Kommunisten standen damals den Radikalsozialen gegenüber sehr viel mehr in der Opposition als etwa der Durchschnitt der national- gesinnten Elemente. Hatten 1931 die Radikalsozia­listen allein schon die Mehrheit aller zu wählenden Generalräte gestellt, so werden sie heute aber auch büßen müssen für jene Politik der inneren Schwäche in den Jahren 1932 und 1933, die schließlich zu dem Blutbad von Februar 1934 geführt hatte.

Man wird das diesjährige Ergebnis nicht mit den Wahlen von 1931 vergleichen dürfen, da ja in­zwischen die Volksfront auf der Bildfläche erschienen ist. Natürlich entsteht durch diesen Links­block eine größere Geschlossenheit bei den Wahl» oorgängen, fo etwa in schwierigen Fällen die Ein­heitskandidatur im zweiten und stellenweise sogar schon im ersten Wahlgang. Aber dieser Umstand allein kann niemals ein Anwachsen der Volksfront im Vergleich zu 1931 erklären, wie ihn französische Nechtskreise vorhersagen. Hierfür gibt es tatsächlich nur drei Ursachen: die seit Jahren und Jahrzehn­ten sprichwörtliche Uneinigkeit unter de B französischen Rechts - und Mittelpar« teien, die schon erwähnte Schwächepolitik der Radikalsozialisten in einer Zett, als sie fast die alleinige Regierungsgewalt in Händen