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Ur. 208 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiaer für Gberhesfen)

Dienstag, 7.8eptember 1057

Einsatz der Frau.

Aus der Stadt Gießen.

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Zum Reichsparteitag wurde im Gewerbemuseum in Nürnberg eine AusstellungEinsatz der Frau in der Nation" eröffnet. Diese Darstellung versinnbildlicht die einheitliche Kraft, die in dem Deutschen Frauenwerk liegt. (Scherl-Bilderdienst-M.)

In der Landesgewerbeanstalt führt die Reichs­frauenführung anläßlich des Reichsparteitages 1937 eine Ausstellung durch, die nach den Plänen und Ideen der Reichsfrauenführerin aufgebaut ist, und denEinsatz der Frau in der Nation" veranschaulicht.

Der erste Raum, die Ehrenhalle, versinn­bildlicht, daß zum Aufbau der Nation der gemein­same Einsatz von Mann und Frau nötig ist. Zum ersten Mal werden im Rahmen dieser Ausstellung auch Frauen geehrt, die ihre Aufgabe aus bestimm­ten Lebensgebieten des Volkes erkannten und die zu erfüllen sie sich bemühten.'Mit Zahlen und Bil­dern wird ein Ueberblick über die gewaltigen Lei­stungen der Frau im Weltkrieg gegeben; aus ihm geht hervor, daß im Sommer 1916 schon 3 600 000 Frauen in kriegswirtschaftlicher Arbeit standen.

Der zweite Raum ist dem Anteil der Frau an dem Kampf der Bewegung gewidmet, der aufopferungsvollen Arbeit des Deutschen Frauen­ordens, des Opferringes und der NS.-Frauenschaft. Dokumente aus den Kampfjahren berichten, wie die Frauen die Verwundeten pflegten, für die Fa­milien der Gefangenen sorgten, wie sie arbeitslose SA.-Männer betreuten, wie sie sammelten und ar­beiteten, um verdienten SA.-Männern eine Weih­nachtsfreude zu machen. Für alle Frauen, die als Kameraden deutscher Männer im Ringen um ein starkes freies Deutschland zu allen Zeiten Opfer ge­bracht haben, ist eine Frau herausgestellt: Katha­rina Grünewald, die am Parteitag 1929 in Nürnberg ermordet wurde.

Der nächste Raum zeigt das Wirken der Frau im Dritten Reich, die Organisation der NS.-Frauenschaft und des Deutschen Frauen­werkes, sowie das Aufgabengebiet des Reichsmütter­dienstes und der Abteilung Volkswirtschaft - Haus­wirtschaft. Bis zum Juni 1937 hat danach der Reichsmütterdienst in 54 000 Lehrgängen, in denen 3000 hauptamtliche, fachlich vorgebildete Lehrkräfte wirkten, 1 140 000 Frauen und Mädchen geschult. In Deutschland sind zur Zeit vier Reichsmütter­

schulen und 220 ständige Gaumütterschulen vorhan­den. Die Frauen arbeiten mit in der NS.-Dolks- wohlfahrt, im Winterhilfswerk, im HilfswerkMut­ter und Kind", im Bereitschaftsdienst des Roten Kreuzes, in der freiwilligen Erntehilfe, in den Glie­derungen der Partei und den ihnen angeschlossenen Verbänden. Das Ziel der Abteilung Volkswirt­schaft und Hauswirtschaft ist es, die 17,5 Millionen Hausfrauen so heranzubilden, daß sich die deutsche Volkswirtschaft aus jede Hauswirtschaft verlassen kann. Welch gewaltige Arbeit in dieser Hinsicht schon geleistet wurde, geht daraus hervor, daß in den Winterhalbjahren 1935/36 und 1936/37 an 33 080 hauswirtschaftlichen Kursen über 1 Million Frauen te^lgenommen haben.

Der vierte Raum der Ausstellung bringt von Frauen geschaffene handwerkliche und kun st handwerkliche Spitzenerzeug­nisse, die von den verschiedenen Gauen des Reiches zusammengetragen sind. Dieser Raum soll zeigen, welchen Anteil die Frau am Kul­turschaffen der Nation hat. Neben schönen Webereien, Stickereien, Keramiken, Holzschnitzereien stehen Werke deutscher Dichterinnen

Der berufstätigen Frau ist der nächste Raum gewidmet. 11,5 Millionen Frauen stehen in Deutschland im Berufsleben, von denen 4,7 Millio­nen verheiratet sind. Den höchsten Anteil hat die Landwirtschaft mit 4,65 Millionen, dann folgen die Industrie mit 2,758 Millionen, der Handel und Verkehr mit 1,9 Millionen.

Im letzten Raum sehen wir Bilder aus der Tätigkeit der Ausländsabteilung der Reichs- irauenführung. Ein großes Modell führt vor Augen, wie aus der Vielheit der einst vorhandenen zersplitterten Frauenverbände und -gruppen, die sich gegenseitig absonderten, heute eine große ge­schlossene Gemeinschaft im Deutschen Frauenwerk entstanden ist.

Klemer Flughafen.

Von Wiche m (Siebert

Wir stehen am Rande eines der schönen Buchen- und Fichtenwälder Rügens. Um uns rauschen die Kronen der mächtigen Bäume, vor uns ausgebrei­tet liegt der Selliner See, eingefaßt von Wiesen, Weiden und Aeckern. Langsam schreiten wir auf den See zu, auf dessen Fläche zweimal am Tage eine Lufthansa-Maschine niedergeht, die Erholungs­suchende aus allen Teilen unseres Vaterlandes, aber auch aus dem Auslande an diese schöne Stelle Rü­gens bringt und regelmäßigvollbeladen" wieder den Rückflug antritt. Wir wollen Zeuge des im­mer interessanten Schauspiels von Ankunft und Ab­flug sein, eines Schauspiels, das diesmal noch be­sonders anzieht, weil die Fläche des Selliner Sees das Rollfeld ist.

Doch wo sind die Wahrzeichen eines Flughafens, wo die Hallen, Schuppen, Abfertigungsstellen, wo sitzt der Wetterwart, wo ist der Funkraum? Das alles ist in diesem kleinen Flughafen weder vor­handen noch nötig. Nur die Flagge der Lufthansa und ein mächtiger an die Wand des Fährhauses genagelter Verkehrsplan geben Zeugnis von dem Stützpunkt der Hanse. Mehr ist auch nicht notig, wird doch jeder Urlauber in Sellin und den um­liegenden Rügenbädern schon bei seiner Ankunft von seinen Freunden und Bekannten mit der Fes - stellung empfangen, daß es am nächsten Nachmit­tag zum Selliner Fährhaus geht: um 0>er bei einer Tasje Kaffee auf grünem Rasen unter schat­tigen Bäumen zu der sich stets zahlreich versam­melten Gemeinde der Luftfahrt-Freunde zu stoßen.

Da ist am Ufer kaum noch ein Stuhl frei. Und an keinem Tisch fehlt der Photoapparat. Ja, einige besonders Eifrige haben ihre Apparate bereitsin Stellung gebracht", um auf feinen 5aU den rich­tigen Augenblick zu verpassen Natürlich fehlt der blinde Alarm" nicht, als eine Maschine am Hori­zont auftaucht Alles stürzt mit wenigen e dritten ans Ufer. Doch der heranbrausende Flieger dringt etwas anderes: die neuesten Zeitungen. Ties geht er über einem Nachbargrundstück herunter, wirst seine Zeitungspakete ab und verschwindet hinter hem nächsten Wald. Und noch einmal fährt alles hoch. Doch Flieger unbekannter Herkunft sind es, die aufkreuzen, die aber täglich allein oder in Gruppen irgendwelchen Zielen zustreben. Man sieht nach der Uhr und stellt brummend fest, daß noch ganze fünf Minuten bis zur^Ankunft der Lufthansa- maschine fehlen, also gar kein Anlaß vorhanden ist, nun bei jedem Motorengeräusch den Nervösen zu spielen.

Und richtig: auf die Minute genau erscheint die aus Stettin über Swinemünde heranfliegende Luft- hansamaschine über dem Selliner See, geht herunter, streift erst ganz leicht mit ihren Schwimmern die spiegelblanke Küche, um sogleich aufzusetzen. Zur Seite spritzt das schäumende Wasser, dann liegt das Flugzeug ruhig. Brummend dröhnt das Ge­räusch des Motors zu uns herüber, die wir nun alle Kopf an Kopf am Ufer stehen. Spannung herrscht bei denen, die noch niemals Zeuge der An­kunft eines Wasserflugzeuges waren, Spannung bei den anderen, die mit ihren Photoapparaten auf­geregt herumhantieren. Langsam rauscht das Flug­zeug heran, kommt immer näher und wendet nun. Ein Helfer an Land zieht die Maschine vollends an die holzverkleidete Landungsstelle, die kleine Rolltreppe wird herangeschoben, die Kabinentür geht auf, und der erste Fluggast klettert heraus. Wo mag er wohl, wo mögen die anderen die Luft­reise nach Rügen angetreten haben? Wir horchen etwas später herum. Der eine kam aus Stuttgart, ein anderer aus München, eine Reisende aus Prag, eine andere von Basel. Wenige Stunden haben alle

nur gebraucht.

Zehn Minuten später haben die neuen ^luggäfte Platz genommen. Und die Photofanatiker stehen wieder schußbereit da. Ein paar Schritte müssen wir zurücktreten, der Motor wird angeworfen, und hinaus geht es auf den See. In halbem Bogen wird das andere Ufer angesteuert. Dann wendet die Maschine gegen den Wind. Noch em paar Augenblicke, es geht los Sie sagt über die Wa - serfläche hinweg, hinter ihr bleib eine dicke Was­serstaubwolke. Rechts und links spritzen die Was- ermassen hoch. Der halbe See ist. durchquert letzt das zweite Drittel, plötzlich löst sich die Maschine von der Seefläche, sie schwebt, und schon ent chwm- det sie am Horizont Man macht Kehrt, dreht einen Film weiter und packt seinen Photoapparat wieder ein. Der Kaffee ist zwar inzwischen kalt geworden, aber was will das angesichts dieses fesselnden Er­lebnisses schon bedeuten?

sich der Garten des Fährhauses, und gehen. Doch an der Dezimal- einmal Halt gemacht Einen Stuhl ruatH UH. i . und stellen nacheinander unser Lebendgewicht fest. Ganz genau wie das-bei den Gepäckstücken geschieht, die die Lusthansa^ver räch­tet Sie wird uns nicht böse sein, daß wir unerlaub­terweise von ihren Einrichtungen Gebrauch gemacht haben Aber in diesem kleinen, nur im Sommer geöffneten Flughafen, gibt es keine Verbotstafeln und keine Vorschriften, keine Polizei und keine Be­amten. Und das ist gut so. Um so freundlicher ist

«die (Erinnerung.

Langsam leert Auch wir zahlen waage wird noch

Altweibersommer.

Ganz ohne Uebergang, sanft und weich, tritt der Herbst in diesem Jahre seine Herrschaft an. Es ist kein wildes, stürmisches Hereinbrechen wie beim Frühling, sondern ein stilles Hinübergleiten. Un­bemerkt, für viele kaum fühlbar, ist es gekommen.

DerAltweibersommer" ist da. Das sind die Tage, an denen die weißen Fäden fliegen. Sie kün­den uns den -Abschied des Sommers.

Sind es nur Tage für unsere alten Weiblein und Männlein? Der Volksmund spricht vomAltweiber­sommer". Ja, der richtige Sommer ist dahin, wenn auch die Sonne noch so freundlich und so warm strahlt. Aber ist die Zeit eben nicht so heiter und froh, so gütig und verklärend wie das Antlitz der alten Frauen, die noch da und dort in den Anlaaen auf den Bänken ruhen und diesen letzten Gruß Des Sommers dankbar entgegenehmen? Die Hitze ist nicht mehr so drückend, die Sonne nicht so uner­bittlich wie im Hochsommer Und doch leuchten alle Bäume und Blumen im wunderbaren Abglanz des Himmelslichtes, in einer weichen harmonischen Far­bentönung. Das sind die rechten Erholungsstunden für unsereAlten".

Altweibersommer! Fern im Himmel sitzen die Schicksalsgöttinnen und spinnen am goldenen Spinn­rad. Träumerisch lassen sie die weißen Fäden zur Erde gleiten. Sie umfangen uns legen sich fest an unsere Kleider und spinnen sich ein in das Haar. Sie wollen erinnern an die schönen, ahnungsvollen Stunden des Frühlings, an die segensreichen des Sommers. Zu gleicher Zeit aber mahnen sie uns, daß nun der Abschied kommt von den leuchtenden Sonnentagen und milden Nächten. <

Oder sind es die Schicksalsfäden, die die altgerma­nischen Nomen für jeden einzelnen Menschen spin­nen? Sie fliegen durch die Lust, der Wind treibt sein lustiges Spiel mit ihnen. Bald hängen sie an Zäunen, an Sträuchern oder an den Stoppeln. Sind es Schicksalsfäden für uns?

Weiße Fäden uns umschlingen, Glocken läuten, Glocken klingen, immer leiser, immer linder ..

Unbeirrt durch den Sonnenglanz und das Him­melsblau rüsten sich die Zugvögel zur großen Wan­derfahrt. Sie wissen, was die Zeit des Marien- garns für sie bedeutet.

Uns Manschen wollen die Mariensäden sagen, daß diese schönen Nachsommertage helfen und wir­ken, damit sich alles vollende in der Natur. Das Jahr geht zur Neige. H.

Horttofuen

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast, Seltersweg: ,Pat und Patachon im Paradies". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Das Schweigen im Walde" Modeschau im Cafe Amend von 16 bis 20 Uhr.

hausbesiherverein Gießen

Nächsten Donnerstag abend außerordentliche Hauptversammlung; u. a. Wahl eines neuen Der- einsführers.

Das Butterqewicht.

Eine grundsätzliche Entscheidung.

Fwd. Eine Entscheidung von grundsätzlicher Be­deutung für den Butterhandel wurde von der Vier­ten Großen Strafkammer zu Frankfurt a. M. ge­fällt. Der Einzelrichter hatte einen Buttergroßhänd­ler wegen Mindergewichts von Halbpfundpaketen zu 150 RM. Geldstrafe verurteilt. Der Richter hatte sich auf den Standpunkt gestellt, daß das Butter­gewicht 250 Gramm betragen müsse und das Pa­pier nicht mitgewogen werden dürfe, und daß die handelsübliche Toleranz von 2 v. H. nur von dem Netto- und nicht von dem Bruttogewicht in Betracht komme. Gegen das Urteil legte der Angeklagte Be­

rufung ein und legte dem Gericht Gutachten des Berufsoerbandes und des Reichswirtschaftsmini- fteriums vor, wonach nur das Bruttogewicht maß­gebend ist und auch die handelsüoliche Toleranz nur bezüglich des Bruttogewichts in Betracht komme. Die Strafkammer erkannte auf die be­antragte Freisprechung aus erwiesener Unschuld und bürdete sämtliche Kosten der Staatskasse auf.

Hitler-Jugend.

Bann und Jungbann 116.

Die Sing- und Spielschar des Bannes und Jung- bannes 116 tritt heute, Dienstag, um 20 Uhr in Uniform am Stadttheater an. Schriftliche Benach­richtigungen werden in Zukunft nicht mehr durch­gegeben.

Neue Ortsbausatzung.

Für das Gelände zwischen Friedhofsallee und der Marburger Straße in der Stadt Gießen ist eine neue Ortsbausatzung erlassen worden, die von dem Oberbürgermeister jetzt zur öffentlichen Kennt­nis gebracht wird und damit in Kraft tritt.

NSLB., Bezirks-Verein Gießen-Land.

Der Bezirks-Lehrerverein Gießen-Land veran­staltete am Samstag, vom schönsten Sommerwetter begünstigt, einen Familienausflug nach Braunfels. Die Beteiligung war sehr stark. Weit über 100 Personen versammelten sich in Gießen, um mit der Bahn nach Braunfels zu fahren. Vom dortigen Bahnhof ging es auf dem schattigen Höhenweg durch herrlichen Wald mit schönen Ausblicken auf die Seitentäler nach dem Städtchen Braunfels. Während der Kaffeepause begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Rektor Siegfried (Großen-Linden), die Teilnehmer und betonte den hohen Wert solcher Familienzusammenkünfte, bei denen man einmal die tägliche Arbeit vergessen könnte und bei Unter­haltung und Tanz rechte Erholung fände. Die meisten Mitglieder besuchten sodann mit ihren An­gehörigen das schön erhaltene Schloß mit seinen sehenswerten Sammlungen. Bei gemeinsamem Ge­sang und Tanz vergingen die Stunden viel zu schnell. Mehrere Postomnibusse brachten die Teil­nehmer am Abend wieder zum Bahnhof Braun­fels, von wo die Heimfahrt angetreten wurde.

90 Jahre alt

Das seltene Glück, ihren 9 0. Geburtstag feiern zu können, wird am morgigen Mittwoch, 8. September 1937, der Lehrerswitwe Frau Marie C o r d i n u s , Gießen, Licher Straße 74, zuteil. Die Jubilarin, die feit 1878 verwitwet ist (ihr Mann war Lehrer in Bindfachfen), erfreut sich noch voller geistiger Rüstigkeit und nimmt regen Anteil an allen Vorgängen des Lebens; sie versäumt keine Radioübertragung bei Reden des Führers und an­derer Persönlichkeiten, und sie freut sich über jeden Fortschritt im Neuaufbau des Reiches. Frau Cor - v i n u s ist langjährige Insassin des Damenhauses des Landes-Alters- und Pflegeheims; sie zog im Jahre 1928 nach dessen Fertigstellung, als die An­stalt das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens feierte, dort ein, wo sie glückliche und zufriedene Jahre verlebte. Im letzten Jahre hatte sie nach die besondere Freude, ihren Enkelsohn, Pfarrer Cor - oinus, im gleichen Heim als Pfarrer amtieren zu sehen. * C. H.

* Polizei im Kampf gegen Ver­kehrssünder Die Polizei mußte in der Woche vom 20. bis 26. August wieder gegen eine stattliche Anzahl van Verkehrssündern einschreiten. Führer van Fuhrwerken wurden in 7 Fällen verwarnt bzw. belehrt, Radfahrer gelangten 19 zur Anzeige, und 54 wurden verwarnt bzw. belehrt. Kraftfahr­zeugführer wurden in 49 Fällen zur Anzeige ge-

Erich Weiland, erster Held und Bonvivant.

mit der ich 14 Städte der USA. bereifte. Mai 1935 Heimkehr. 1935/36 Altmärkisches Landestheater. 1936/37 Heidelberg. (2Iufn.: Stadttheater-Archio.)

Erich Weiland, der als erster Held und Bonvivant an das Gießener Stadttheater verpflich­tet wurde, schreibt über seinen Werdegang:

Geboren in Berlin-Treptow. Als erblich belastetes Theaterkind erhielt ich Unterricht bei Richard Ger-

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ner, Serafine Dötfchy und Ernst Wilhelmy. Erstes Engagement: Großes Schauspielhaus Berlin (1927). In derselben Spielzeit durfte ich im Deutschen Thea­ter (Berlin) inOscar Wilde" mit Rudolf Forster spielen. Dann Volksbühne, Kammerspiele. Thalia- Theater usw. Ein Film (Boykott" mit Theodor Loos und Lil Dagover) brachte mich zur Emelka nach München. Die zur Entwicklung eines jungen Schauspielers so notwendigen Klassiker waren da­mals in Berlin unmodern, daher Spielzeit 1932/33 Landestheater Meiningen. Dann ließen Reisefieber und Erlebnishunger einen alten Plan zur Wirk­lichkeit werden, nämlich nach Amerika zu fahren und am 1- Dezember 1934 batte ich eine Truppe deutscher Schauspieler in Chikago zusammengestellt,

Lichtspielhaus:

Das Schweigen im Walde".

Ganghofers RomanDas Schweigen im Walde" hat dem gleichnamigen Peter-Ostermayr- Film der Ufa eine Reihe brauchbarer, zum Teil sogar recht dankbarer Motive geliefert: vor allem eine großartige, überaus malerische Kulisse; Berg- und Waldlandschaften in ihrer natürlichen Schön­heit, vom Kameramann Karl Altenberger vor­züglich photographiert Das Drehbuch (Charlie A m - berg und Josef Dalman) kann und will die romanhafte Vorlage nicht verleugnen, aber die Auswahl der Hauptelemente ist nicht ohne Geschick auf einer wirksamen Gegenüberstellung kräftig be­tonter Gegensätze aufgebaut- idyllisch-romantische Partien (wst die, welche die Titelgebung begründet) wechseln mit dramatisch-spannenden; Liebe und Eifersucht, Intrigen und Mißverständnisse, Jagd- und GeselUchaftsszenen bilden eine im Spielfilm erprobte Mischung; auch volkstümliche und heitere Episoden fehlen keineswegs. Ein verheerender Waldbrand als Racheakt eines verschmähten Lieb­habers, Verfolgung und Kampf und zum guten Ende die Rettung eines geliebten Mädchens aus der schon von den Flammen eingekreisten, einsamen Berghütte geben dem Film zulStzt noch eine be­trächtliche /Steigerung Der Spielleiter Hans Deppe hat die verschiedenartigen Szenen mit viel Verständnis für (Eigenart und St'lsorm des Gang- hoserschen Romans gegeneinander abgewogen auch ein Ensemble gebildet, das großenteils feine Eig­nung für derartige Aufgaben früher bereits be­wiesen hat Hansi Knoteck ist die sanfte und schlichte junge Malerin auf der einsamen Hütte; Paul R ' ch t e r als Herr doü (Ettingen wirkt mimn- lich-leutselig und symvathisch wie immer Käthe Merk und Gustl S^ark-Gstettenbauer geben in gut gesehenen Umrissen das zweite Paar. Als Hauvtträger der Gegenhandlung bewähren sich Hermann Ehrhardt und Rudolf ch ü n d l <> r. H A. Schletta w und Friedrich Ulmer nicht zu vergessen zwei Charakterköpfe, an denen Gang­hofer selbst wahrscheinlich seine Freude gehabt hätte.

*

Das vielseitige Vorprogramm bringt u. a. einen Filmschwank der Ufa, einen kleinen Ueberblick über die Herbstmode die reichhaltige Wochenschau und einen Kulturfilm mit Bildei n aus China, die in An­betracht der Ereignisse im Fernen Osten sehr aktuell zu nennen sind. Hans Thyriot.