li. 155 Erstes vlatt
187. Jahrgang
Mittwoch, 7.ZuliM7
Giehener Anzeiger
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General-Anzeiger für Oberhefsen
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3 Manner und Motoren.
acht- Ter hätte es noch vor wenigen Jahren für mög- dunt fch Hehalten, daß einmal die Deutschen zu Lehr- iei. ern des amerikanischen Autorennsportes auf- üd n würden, daß einmal der Tag kommen würde, hcr :a >ie deutschen Fahrer, die Maschinen und Mo- nem 31 ti der deutschen Autofabriken, die Er- ts- ruimisse der deutschen Reifenindustrie nar6 isnie Besten der Welt selbst von den Yankees an- 1 rlcnnt werden. Heute ist dieser Tag gekommen.
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toi dem triumphalen Sieg der Mercedes- n Auto-Union-Wagen im Neuyorker ZaNd e r b i l t - R e n n e n haben die Amerikaner ffilirt, sie würden schon im nächsten Jahr ihre 1er und Wagen erstmalig zu den großen mo- ortlichen Veranstaltungen in Europa etttsenden. Vereinigten Staaten erkennen damit die große, i drohende Gefahr, sie könnten den Anschluß ie von Deutschland geführte Weltklasse des Mo- mnsportes verlieren — eine Vorstellung, bei ffein echter Amerikaner ruhig schlafen kann, i die UdA. gelten nun einmal über den ganzen «all als das führende Autoland, und vollen diesen Vorrang am allerwenigsten ver-
tilbn, Daft die deutschen Wägen auf einer Bahn lie- m, Jie ihren besonderen Eigenarten durchaus nicht tchr sünstig war, und daß die Industrie des klas- lungen Mm Landes der ins Riesige gesteigerten Auto- ber'jll (itrP'ation gerade für dieses Rennen selbstver- stmilich die besten Pferde aus dem Stall geholt md dir h-Üi Um so eindrucksvoller ist die, Tatsache, daß d ie iinerikanischen Rennwagen, die ja als Spitzen- Barten- Uiihmgen der dortigen Fabrikation anzusehen sind, a-Q^niobdcnb des ganzen Rennens niemals eine nen- ^ireiten nteninoerte Rolle gespielt haben. Außerdem konnte K*n amerikanischer Fahrer placieren, mit Aus- «Avon Mays, der aber keinen amerikani- v 'm.,, fcner sondern einen italienischen Wagen fuhr. o. Sur' alle Begleitumstände können die Größe und ;L -^d ie Bedeutung des Sieges der deutschen Autofabri- kittiln über die ersten Marken des amerikanischen
tei-n. Und Deutschland darf sich rühmen, diesen toten internationalen Wettbewerb entfesselt zu ^b*i! Denn die vom Führer 1933 befohlene Mo- ri^rung allein hat es zuwege gebracht, daß zu- idt die deutschen Grand-Prix-Rennen ihren alten lag erneuerten, daß dann in Frankreich, in der W eiz, in Italien und anderen europäischen Län-
Mch Del verlieren.
Jtan darf nun gespannt fein, wie die amerika- vi hm Fahrer und Wagen abschneiden werden, xr r sie im kommenden Jahr die großen europä- s r Autorennen mitbestreiten. Man sage nicht, J'-ipies alles eine sinnlose Sportfexerei sei, deren Kosten und vielfältige Gefahren nicht im Ein- 'tfrig stünden mit den wirtschaftlichen Resultaten nin.r gesünderen, langsameren Entwicklung. Das Straßenrennen ist vielmehr der gegebene ^Khtmacher der Motorisierung, es liefert den ^bftruf teuren und Technikern eine Fülle wert- iiolstzr Erfahrungen, es befruchtet in kaum vor- t t Ihrem Maße den Serienbau der gängigen Per- amn und Kraftwagen, es hebt mittelbar den i.itiiisftanbarb ber breiten Schichten eines Volkes, }iiot vielen Tausenden Arbeitern Beschäftigung ir! Brot, und es ist nicht zuletzt verantwortlich 'ifcie Aktivierung der nationalen Handelsbilanz, öto -Ansehen, das sich deutsche Rennfahrer und Riknuaschinen in den letzten Jahren im ganzen M-lcmd erworben haben, trug zu einem erheb- i'hs» Teile dazu bei, daß man jenseits der Gren- i^ncuf unsere Leistungen im Kraftwagenbau auf- rr'eif m wurde, daß allein von 1933 bis 1936 der Sifyird von Personen- und Lastkraftwagen sich
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(s _ern. So ist denn ein edler, friedlicher Wettstreit s ' !ffeen den Völkern entstanden, die nach der Sie- e*rau Msnlrne öer_ motortechnischen Vervollkommnung
9bn: nents nur unterstreichen.
freulicherweise hatte das amerikanische Pu- >Mrn sportliche Fairneß genug, die erdrückende legenheit der deutschen Rennwagen in unge- yifrrmiter Begeisterung anzuerkennen. Wir wollen i »toi« nicht verkennen, daß diese Begeisterung zum t 1 natürlich auch auf das Konto amerikanischer
sil- tfta daß schließlich in Afrika und Südamerika i, die 'int neue Epoche des Motorrennsportes anbrach, und r'kglÄtet von einer fast ununterbrochenen Folge sicher Siege.
Ulsmani) in den Vereinigten Staaten und schon , Mr nicht die Fachindustrie im vielgerühmten „Land ’ij irrllutos" hätte sich wohl träumen lassen, daß bei ersten Zusammentreffen deutscher und nord- ' iftieäkanischer Rennwagen auf der Roosevelt-Bahn r '*no ii l euyork der erste, ber zweite und der vierte ’eF°.e.n Eiitc-rmagen von Deutschland gestellt wer- ie*016 Xin imürbe. Hinsichtlich der technischen und wirt- |(Mid)en Bedeutung dieses Sieges im größten a jtcennen von USA. muß man außerdem beden-
'o-dsucht geht, die beispielsweise bei dem — bis- )1 steilich noch von niemandem sonst erreichten! — R ji iwechsel im Sekundentempo als vor einer noch
«sehenen Zauberei schlechthin aus dem Häus- h 11gerät. Aber Technik und Stil der deutschen z y werden auch drüben in Amerika als gerade- r; imponierend empfunden. Abgesehen von der Wp artigen Qualität der deutschen Wagen fand m g die verblüffende Kurventechnik ber beutschen jiitr bit gebührende Anerkennung; das will viel tr in einem Lande, dessen eigene Rennfahrer jiijiirise bei diesem höllischen Kamps ein Rennen in sify amerrkanischem Risikostil fuhren. Aber selbst 't völlige Rücksichtslosigkeit der amerikanischen F ir r gegen ihre Maschinen und gegen sich selbst nmrichte ihnen nicht einmal einen Platz zu sichern, kil darf nicht unerwähnt bleiben, daß die deutschen 5W r bei diesem Rennen auch insofern auf un- j'iiDCNnte Verhältnisse stießen, als die Bahn im B des Rennens stellenweise schlüpfrig zu rae:5in begann, da die amerikanischen Wagen unten ) f-.n sind und beispielsweise in den Kurven ge-
©erneue Grenzkonflikt in derMandschnrei
Ernste Beurteilung in Tokio.
Tokio,?. Juli. (DRB. Funkspruch.) Der Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte die bereits gemeldeten Zusammenstöße zwischen japanisch-mandschurischen Grenztruppen und Truppen der Roten Armee. Sie fanden in der Nähe des
Mishan
Hankasees am Grenzstein 42 statt. Die Sowjettruppen haben die Grenze dreimal über- ch r i 11 e n. Nach heftigem Kampf wurden sie dann auf sowjetrussisches Gebiet zurückgetrieben. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes bezeichnet die Lage als sehr ernst, zumal der kürzlich er- olgte Amur-Zwischenfall nur nach erheblichen Schwierigkeiten habe beigelegt werden können. lieber die von Moskau behauptete Besetzung der Bolsh oi-Jnsel durch japanische Truppen nach ber Räumung durch die Truppen der Roten Armee lägen, noch keine näheren Informationen vor. Diese Angelegenheit bedürfe aber keiner weiteren Erörterung, da die Bolshoi-Jnseln zum
mandschurischen Gebiet gehören und daher jederzet zur Stationierung japanischer Truppen verwendet werden können.
*
Moskaus neue Angriffsserie in Fernost, die die japanische Geduld wieder einmal auf eine harte Probe stellt, unterscheidet sich von den bisherigen dadurch, daß einmal nach wiederholten schweren Angriffen mit stärkeren militärischen Formationen in offizieller Form eine Art von Genugtuung an geboten, dann aber an einem ganz anderen, räumlich weit entfernten Punkt der sow- jetrufsischen Angriffsbasis ein neuer V o r st o ß gemacht wird, der — scheinbar — mit dem ersten nichts zu tun hat. Dieser Anschein wird planmäßig auch bei dem jetzigen Angriff an ber mandschurischen Ostgrenze in der Nähe der Stadt M i h s h a n nördlich vom Hanka-See erweckt, die etwa 600 Kilometer Luftlinie von dem Schauplatz des sowjetrussischen Kanonenbootvorstoßes auf den Amur entfernt ist. Der Punkt des neuen russischen Angriffs ist insofern bedeutsam, als dieser Angriff ausgeht von der am weitesten nach Südosten vorgeschobenen bolschewistischen Basis mit dem militärischen Kernpunkt W l a d i w o st o k. Die mandschurisch-russische Grenze verläuft dort im allgemeinen von Norden nach Süden und zwar längs des U s s u r i, eines Nebenflusses des Amur. Da dieser Teil des nordostmandschurischen Zipfels weit in sowjetrussisches Gebiet hineinragt, begrenzt von dem Flußdreieck Amur,Sungari und Ussuri, andererseits ber sowjetrussische Angriffspunkt dort liegt, wo westlich des Hanka-Sees russisches Gebiet tief in das mandschurische einbringt, so scheint es sich bei ben sowjetrussischen Angriffen ber letzten Wochen um die ersten Dorfühler für eine spätere große Abschnürungsaktion des nordöstlichsten mandschurischen Gebietes zu handeln. Nach japanischen Feststellungen stehen an der Amur-Front zehn sowjetrussische Infanterie- und drei Kavallerie-Divisionen, zu denen noch eine Unzahl kleinerer selständiger Grenzsorma- tionen kommt. Zum Gros dieser Truppen gehören tausend Panzerwagen, ebensoviele Flugzeuge und eine ungewöhnlich große Menge schwerer Artillerie sowie eine Anzahl Fliegergeschwader. In Wladiwostok sind insgesamt hundert Kriegsschiffe aller Kategorien zusammengezogen. B. R.
mehr als verdreifachte, der von Krafträdern sich versiebenfachte. Also auch unter dem Gesichtspunkt ber Rentabilität muß bas internationale Straßenrennen unbedingt bejaht werden. Höher freilich steht uns noch die Ehre, in diesem Wettbewerb der führenden Autoproduktionsländer heute unangefochten an der Spitze zu liegen. Deshalb begrüßen wir es mit besonderer Freude, daß Amerika sich entschlossen hat, an diesem weltumfassenden Kampf der Männer und Motoren teilzunehmen und seine Kräfte auf europäischem Boden mit den unsrigen zu messen. Ev-
Amerika bewundert die deutschen
Rennwagen.
Die amerikanischen Motorsportbegeisterten haben am Montag einen Begriff von der Leistungsfähigkeit der deutschen Rennwagen und dem unerhörten Können ihrer Fahrer bekommen, wie sie ihn vorher einfach nicht für möglich hielten. Straßenrennen wie Europa sie seit Jahren bei den „Großen Preisen" der einzelnen Nationen immer wieder erlebt, kennt man in USA, der Heimat der Bahnrennen, kaum. So mußten Verlauf und Ausgang des Rennens um den traditionsreichen V a n- d e r b i l t - P o k a l, der durch den großartigen Sieg Bernd Rosemeyers nun für ein Jahr an 'Deutschland gefallen ist, wie eine Sensation wirken. rr , ,
Die Neuyorker Morgenpresse berichtet spaltsnlang von diesem großen Rennen, das zu einem einzigartigen Triumph der deutschen Auw- Union- und Mercedes-Benz-Wagen wurde So schreibt „New York Times": Wie leistungsfähig die deutschen Wagen und wie außerordentlich die Fahrkunst der Rosemeyer, Caracciola, von Delius und Seaman gewesen sei, gehe am besten daraus yer- vor, daß die Gesamtzeit Rosemeyers u m 17 Stundenmeilen besser gewesen sei als die des Vorjahressiegers Tazio Nuvolan auf Alfa Romeo. Rosemeyer habe auf ber Roosevelt-Rennbahn bei Neuyvrk bewiesen, daß er des Titels Europameister würdig sei. Semem technischen^Kon- nen, Elan und feinen kämpferischen Eigenschaften verdanke er diesen (Erfolg. „Jjeralb Tribüne betont, daß der scharfe Wettbewerb zwischen den immer sichrenden deutschen Rennwagen die Zuschauer wahrend des ganzen Rennens in Spannung gehalten habe. Auch der Leistung des überaus forsch und energisch fahrenden Engländers Seam an, der auf Mercedes den zweiten Platz belegte zollt man große Anerkennung und hebt besonders hervor, daß der lunge Brite, trotzdem er tanken muhte, für die letzte Runde nur 51 Sekunden benötigt habe.
Die Vorgänge in der österreichischen Strafanstalt Garsten.
Wien 6. Juli. (DNB.) Zu den Vorgängen in der Strafanstalt Garsten (Dberöfterreid)), die zu einem Hungerstreik der Häftlinge führte, schreibt die halbamtliche „Politifche Korrespondenz :
Nach Beginn bes Hungerstreiks würben bie Häftlinge vorn Hauptkommissar ber Strafanstalt, bem Ersten Staatsanwalt bes Kreisgerichts in Steyer, einzeln über bie Ursachen ihres Verhaltens befragt. Sie erklärten übereinftimmenb, baß sie mit bem Hungerstreik ihrer Unzufriebenheit barüber Ausbruck geben wollten, baß sie noch keiner Begnabigung teilhaftig geworben finb, während andere Häftlinge, die nach ihrer Meinung die gleichen ober noch schwerere Delikte begangen haben, bereits auf freien Fuß gesetzt wurden. Die Frage, ob schlechte Behandlung im Gefängnis ben Anlaß gegeben habe, in ben Hungerstreik zu treten, würbe von ben Häftlingen ausnahmslos unb entschieben verneint. Am Samstag um 16 Uhr teilten bie Häftlinge dem Direktor ber Strafanstalt mit, baß sie ben Hungerstreik bebingungslos aufgeben.
VetteßWg des Wawel-KschMs?
Warschau, 7. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der Konflikt zwischen ber polnischen Regierung und bem Krakauer Erzbischof Fürst Sapieha scheint unmittelbar vor ber Schlichtung zu stehen. Am Dienstag fand eine erneute Besprechung des Warschauer päpstlichen Nuntius C o r t e s i mit dem polnischen Außenminister Beck statt und am Mittwoch trifft in Jurata, dem Erholungsaufenthalt des Staatspräsidenten, ber Krakauer Bischof Rosponb mit einem Brief bes Erzbischofs Fürst Sapieha an den Staatspräsidenten ein, auf Grund dessen der Konflikt vermutlich beigelegt werden wird. In der Zivilkanzlei des Staatspräsidenten sind die Gesuche der Abgeordneten und Senatoren auf Einberufung des Parlaments eingelaufen, das die Nationalisierung des Krakauer Wawelschlosses mit den polnischen Königsgräbern und dem Grab Pilsudskis entscheiden soll.
ÄeutscheZugen d vor polnischen Richtern
Bromberg, 6. Juli. (DNB.) 3n konih begann der Prozeß gegen 22 Deutsche, die Mitglieder der Deutschen Bereinigung sind und in der Zeit vom April bis Juni d. 3. verhaftet wurden. Unter den Angeklagten befinden sich auch Dr. jur. Gero Freiherr von Gersdorss und stud. phil. Armin Droh von der Hauptgeschäftsstelle der Deutschen Vereinigung. Die Anklage macht allein 22 Deutschen zum Vorwurf, daß sie auf dem Gute kensau im Kreise Tuchel nach dem Muster der deutschen Arbeitslager ein Schulungstager errichtet hätten mit dem Ziel, die politische Aufklärung der Teilnehmer in einem für den polnischen Staat ungünstigen Sinne durchgeführt und ihre Ausbildung zu tüchtigen Ortsgruppenleitern vor den staatlichen Aufsichtsbehörden geheimgehalten zu haben. Die Angeklagten stehen im Aller von 18 bis 24 Jahren mit Ausnahme der hochbelaglen Geschwister Wehr, die als 3nhaber des Gutes kensau gleichfalls angeklagt sind.
Das Wippinen-pw-lem.
Von unserem K.G.S.-Berichierstaiier.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Washington, Juni 1937.
Das Problem der philippinischen Unabhängigkeit ist schwierig. Im März 1934 beschloß der Bunbes- kongreß ber Vereinigten Staaten, ben Philippinen im Jahre 1 946 völlige Souveränität zu gewähren; vorausgehen sollte, von 1936 an, eine zehnjährige Vorbereitungszeit, während ber bie Inseln als „Commonwealth" sich allmählich an bie Freiheit gewöhnen sollten. Man gestattete ben Filipinos, sich eine Verfassung zu geben unb einen Präsibenten zu wählen. Das haben sie getan, unb Quezon ist ber erste Präsibent, ein geschickter Politiker unb einer ber Vorkämpfer für Unabhängigkeit seines Vater- lanbes.
Aber währenb ber zehnjährigen Periode haben sich bie Vereinigten Staaten wichtige Rechte vorbehalten. Zunächst unterstehen die außenpolitischen Angelegenheiten nach wie vor der Washingtoner Regierung. Aenderungen der Verfassung können vom Präsidenten der USA. verboten werden. Die Vereinigten Staaten unterhalten dort weiterhin ihre bewaffnete Macht, zu Lande und zur See. Das Ober st e Bundesgericht in Washington bleibt das höchste Gericht für bie Inseln. Gesetze, bie gegen internationale Verträge ber Vereinigten Staaten verstoßen oder die finanzielle Stabilität ber Philippinen gefährben, können von Präsibent Roosevelt aufgehoben werden, und er kann eingreifen, wenn ihm Ruhe und Ordnung gefährdet erscheinen. Also die Vorrechte sind sehr weitgehend, weitgehender, als das bekannte „Platt Amendment" in der Kubanischen Verfassung, das erst kürzlich mit Einverständnis Roosevelts aufgehoben worden ist. Grundsätzlich wichtig ist ber Punkt, baß alle Maßnahmen für Befreiung ber Philippinen nicht auf einem Vertrag, sondern auf einseitiger Willenskundgebung des amerikanischen Parlaments beruhen und daher von diesem jederzeit geändert werden können.
Mit Beginn der „Karenzzeit" endete bas Amt des amerikanischen Gouverneurs. Dafür wurde e i n Kommissar (High Commissioner) als Vertreter des Präsidenten der USA. nach Manila gesandt. Der Kommissar hat wie ein Prokonsul des alten Roms das Recht, alle Akten einzusehen und feinem Mißfallen über Beschlüsse ber philippinischen Regierung Ausdruck zu geben. Der soeben neuernannte Kommissar ist McNu11, früherer Präsident des amerikanischen Kriegsveteranenverbandes (American Legion) unb Gouverneur bes Staates Indiana, wo er nach bem Urteil seiner Gegner als „faschistischer Diktator" regiert hat. Er ist ein enger Freund Roosevelts unb wird von manchen als wahrscheinlicher Nachfolger Roosevelts im Jahre 1940 genannt. Diese Voraussage ist zweifellos verfrüht, denn heute weiß man noch nicht, was sich bis 1940 ereignen und ob nicht das Volk verlangen wird, daß Roosevelt entgegen aller Überlieferung eine dritte Amtsperivde übernehme.
Präsident Quezon hat nun von Präsident Roosevelt verlangt, daß er die Philippinen schon 1938 oder 1939 völlig freigebe, anstatt erst 1946. Daraufhin hat bie amerikanische Regierung alsbald einen Sachverständigen-Ausschuß eingesetzt, ber nun prüfen soll, welche wirtschaftlichen und politischen Wirkungen bie Erfüllung dieses Wunsches haben würde. Erste Pressemeldungen, daß Amerika dem Wunsch bereits zugestimmt habe, beruhten auf einem Mißverständnis bes betreffenden amerikanischen Korrespondenten. So weit ist es noch nicht, denn selbst Quezon wünscht nicht, sein Land nun plötzlich in bie kalte Außenwelt gestoßen zu sehen. Er hofft aüf politische Freiheit mit bevorzugter Behanblung philippinischer Einfuhr nach Amerika.
Hiermit sind die Amerikaner durchaus nicht einverstanden. Sie sind nur aus wirtschaftlichen Gründen überhaupt zu dem Entschluß gebracht worden, die Unabhängigkeit für 1946 zuzugestehen, und sie haben sich selbst darüber hinaus Stützpunkte für die amerikanische Flotte Vorbehalten. Gewiß drängen gewisse pazifistische Kreise auf Freigabe der Philippinen, um jede Möglichkeit eines Krieges mit Japan auszuschalten, und in den Kreisen der amerikanischen Armee hält man die Inseln für einen verlorenen Posten, ber im Kriegsfall doch nicht zu halten sei, die Armee wünscht daher Zusammenfassung und Ausbau der amerikanischen Abwehr in Hawaii. Aber bie Flotte unb an= bere Kreise möchten bie Philippinen nicht aufgeben; sie rechnen sogar bamit, baß bie Aleuten und Guam zu Flottenstützpunkten ausgebaut werden, und sie rechnen vor allem mit militärischer Benutzung der Flughäfen, bie Amerika jetzt im ganzen, großen Gebiet bes Stillen Ozeans überall einrichtet. Für die amerikanische Flotte steht ber Feind im Pazifik, und auch im Auswärtigen Amt denkt man nicht daran, sich an ostasiatischen Dingen zu desinteressieren, wenn man auch unter Roosevelt das nutzlose Protestieren wegen Mandschukuo usw. nicht fortgesetzt hat.
Wenn trotz dieser politisch-strategischen Erwägungen die Unabhängigkeit der Philippinen für 1946 beschlossen wurde, so lag das an dem starken Druck gewisser Jnteressenten-Gruppen. Zunächst wollten die amerikanischen Gewerkschaf tendie freie Einwanderung von Filipinos unterbinden, da diese besonders an der Westküste als starke Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt lästig sind. Besonders aber sind für Abstoßung der Philippinen die A g r a r k r e i s e, bie an Zucker, Hanf, Pflanzenölen interessiert finb und die Einfuhr dieser Erzeugnisse der Philippinen durch eine Zollmauer a b- dämmen wollen. Diese Einflüsse sind auch jetzt


