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Nr 260 viertes Blaff

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag. 6. November |<)37

Ein Blick in die Lesehalle am Selfersfor.

Am Zeitschriftenschrank in der Lesehalle.

Jede Buchausgabe wird registriert.

(Aufnahmen [4]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Es darf nicht erwartet werden, daß diese all­monatliche Notiz immer wieder zu irgendwelchen weiterreichenden Gedankengängen des Lesers führt. Die Notiz wird zur Kenntnis genommen! Man hat vielleicht auch andere Sorgen! Und doch! Uninter­essant ist es nicht, dieser kurzen Aufzählung einmal einige Gedanken zu widmen, oder aber die" Tätig­keit der Leihbibliothek einmal näher zu betrachten. Die wenigen Zahlen in diesen Rechenschaftsberich­ten lassen eine Fülle ausschlußreicher Betrachtungen zu. Welche Arbeit ist schon allein damit verbun­den, um die vielen Bücher, die im Laufe eines Monats in dem kleinen Torhäuschen an der Neuen Däneumgeschlagen" werden, aus einer Hand in die andere zu bringen, zu registrieren, möglicher­weise anzumahnen, die Lesegebühr zu kassieren und was dergleichen Verwaltungsarbeit mehr ist. Wie aufschlußreich ist es ferner, an Hand des Monats­berichtes zu vergleichen, w o das Interesse der Leser und Leserinnen liegt. Das Hauptinteresse gilt der erzählenden Literatur! Das ist nicht weiter verwunderlich! Menschen, die täglich im meist doch mmer gleichen Rhythmus der Arbeit und der Pflichten stehen, wollen das Erlebnis, das ihnen vielleicht das eigene Leben versagt, im Buche und in den Schicksalen anderer finden. Manche Leserin, mancher Leser findet den Weg zur Oeffentlichen Lücherhalle, weil er sein Wissen auf einem ganz bestimmten Gebiete erweitern will. Wieder andere vollen erfahren, wie es in anderen Erdteilen aus- ieht und erbitten Bücher von Reisen und Aben- euern. Die Jugend aber auch sie zählt zu den ständigen Gästen in der Bücherhalle hat wie chon zu der Väter Zeiten ihre Freunde in der ßrärie, in fernen Ländern, liebt die Helden der ! Ubenteuer und die kühnen Forscher. 10 000 Bände in grober Schätzung hat die Oeffentliche Zücherhalle zur Ausleihung zur Verfügung! Wahr- d astig, man kann sagen:Wer vieles bringt wird nanchem etwas bringen", wenngleich Altmeister Goethe nicht an Leihbibliotheken gedacht haben mag, Lls er dieses Wort schrieb.

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Die Gießener Oeffentliche Bücherhalle ist eine Schöpfung des Lesehallenvereins, der etwa Aus- cnng der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts ge­

10000 Bücher für Die Volksgemeinschaft.

Ein Blick in Vie Arbeit der Gießener Oeffentlichen Bücherhalle.

Allmonatlich gibt die Verwalterin der Gießener Oeffentlichen Bücherhalle in gedrängtester Form einen Rechenschaftsbericht über die Arbeit dieser gemeinnützigen Einrichtung und läßt damit wissen, in welchem Maße die Bücherei in Anspruch ge­nommen wird. In diesen kurzen Berichten, die regelmäßig kurz nach Monatsschluß imGießener Anzeiger" veröffentlicht werden, heißt es dann etwa:

Im September 1937 sind 1794 Bände aus­geliehen worden. Davon kamen auf Zeitschrif­ten 15, Gedichte und Dramen 7, Erzählende Literatur 1121, Jugendschriften 222, Länder­und Völkerkunde 111, Kulturgeschichte 7, Ge­schichte und Biographien 190, Kunstgeschichte 17, Naturwissenschaft und Technik 41 usw. usw."

gründet wurde. Männer fanden sich damals zu­sammen mit dem Willen, einem großen Kreis von Volksgenossen gute Literatur zu vermitteln. Dieser Grundsatz beherrschte das Streben des Vereins bis aus den heutigen Tag Zwar der Gießener Lese- hallenoerein ist heute keine große Organisation mehr, seine Funktion hat aber insbesondere, was die wirtschaftliche Seite anbetrifft, eine andere Kör­perschaft übernommen: die Stadt Gießen. All­jährlich wird em angemessener Betrag zur Verfü­gung gestellt, der nicht nur die verwaltungsmäßige Aufrechterhaltung der Bücherei ermöglicht, sondern in erster Linie der Neuanschaffung von Werken dient. Fast alljährlich werden über 200 neue Werke angekauft und in die Bücherei eingestellt. Die Bü­cher werden ausschließlich vom Gießener Buch­handel bezogen. Zwischen dem Buchhandel in un­serer Stadt und der Oeffentlichen Bücherhalle herrscht das beste Einvernehmen. Es besteht kein Zweifel darüber, daß also die Oeffentliche Bücher- Halle durchaus als ein wirtschaftlicher Faktor zu be­werten ist. Darüber hinaus ist sie in erster Linie eine Einrichtung von hohen sozialen Werten. Viele Volksgenossen befinden sich nun einmal nicht in der Lage, sich alle diese Bücher anzuschaffen, die sie zu lesen wünschen. Hier hilft die Bücherhalle und erfüllt alle Wünsche. Niemand wird sagen können, daß es ihm nicht möglich fei, die Bücherhalle in Anspruch zu nehmen Jedes Buch wird je Woche für 2 Pfennig ausgegeben. Wer ein Buch 14 Tage lang behalten will, muß 6 Pfennig dafür aufbringen. Für die Kulturwerte, die hier vermittelt werden, sind diese Pfennige ein unverhältnismäßig gerin­ger Betrag.

In den Verzeichnissen der Bibliothek liest man die Namen der besten Dichter und Erzähler. Viele Werke von Forschern und Wissenschaftlern stehen in den hohen Regalen, die bis zur Decke des Rau­mes reichen. Aus allen Gebieten der Wissenschaft, der Kunst, der Technik usw. sind Bücher vorhanden und stehen den Wissensdurstigen zur Verfügung.

Viele Volksgenossen wissen diese Einrichtung voll zu würdigen! Die Oeffentliche Bücherhalle hat etwa 1000 ständige Leser; davon sind 800 Erwachsene und 200 Jugendliche. Den größeren Teil der Leser­schaft stellen die Frauen, wenngleich damit zu rech­nen ist, daß die Bücher, die sie mit nach Hause bringen, nicht nur von ihnen selbst, sondern oft­mals auch von Angehörigen gelesen werden. Der Kreis der Leser ist also erheblich größer, als es die Zahl der ausgestellten Lesekarten ausweisen kann. Insbesondere in der jüngsten Zeit hat die Zahl der jugendlichen Leser zugenommen, da man sich ent­schloß, mehr als bisher, gute Jugendschriften ein­einzustellen. Sehr lebhaft interessiert sich die Jugend das sei hier kurz erwähnt für die Literatur, in der das große Ereignis des Weltkrieges aus be­rufener Feder geschildert wird. Die reifere Jugend bevorzugt häufig geschichtliche Werke. Die Erwach-

Viele Volksgenossen finden sich zu den Ausgabestunden in der Bücherei an der Neuen Bäue ein.

Jenen interessieren sich in erster Linie für die erzählende Literatur

Die ganze Arbeit der Ausgabe und der Herein­nahme der gelesenen- cher vollzieht sich in ver­hältnismäßig wenigen Stunden. Die Bücheraus­gabe erfolgt jeweils am Mittwoch in der Zeit von 19 bis 21 Uhr und am Samstag von 17 bis 21 Uhr, also während 6 Stunden der Woche. Die Arbeit der Bücheraus­gabe ist rsicht immer leicht. Schwierig ist be­sonders die Behandlung jener Leser, die schon seit Jahrzehnten zu den Gä­sten in der Bücherhalle im Torhaus an der Neuen Bäue zählen. Unter ihnen sind viele, die schon eine große Anzahl der-

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß durch die Oeffentliche Bücherhalle in unserer Stadt ein nicht unbedeutendes kulturelles Werk geleistet wird. Der Stadtverwaltung Gießen, die in den letzten Jahren der Bücherei außerordentliche Förderung hat angedeihen lassen, verdient dafür Dank und Anerkennung. Der Verwalterin und ihren beiden jungen Helferinnen wird man jene Hochachtung nicht versagen, die allen denen gebührt, die im schweren öffentlichen Dienst stehen. Und nicht zu­letzt verdient die Bücherhalle mit ihren reichen Be­ständen den Zuspruch, den sie bereits hat.

Neben der Bücherhalle besteht auch noch eine öffentliche Lesehalle (im Torhaus am Seltersweg), die ebenfalls allen Volksgenossen zur Verfügung steht. Dort liegt eine stattliche Anzahl der bedeutend­sten deutschen Tageszeitungen auf, zahlreiche Zeit­schriften finden sich in dem Austauschregal, an dem jedermann nach Belieben wählen kann. Im Winter ist die Lesehalle geheizt, und es kann nicht weiter verwundern, daß auch sie gerne und viel in -An­spruch genommen ist. Fast zu allen Stunden des Tages, die sie geöffnet ist, findet man Männer über die Zeitungen gebeugt, eifrig lesend, vor. Große Sülle herrscht ijn Raum und jedermann nimmt auf den Nachbar am Tisch Rücksicht. All­morgendlich werden die Zeitungen ausgewechselt.

Die Arbeit sowohl in der Bücherhalle, wie in der Lesehalle sind ein Dienst an der Volksgemeinschaft, der um so höher einzuschätzen ist, weil er es jedem Volksgenossen möglich macht, an den Ereignissen unserer Zeit, an den Kulturgütern unseres Volkes und fremder Völker, schließlich aber auch an den Errungenschaften der Wissenschaft und der Technik, wie auch an den Schöpfungen der Kunst teilzuhaben. In diesem Sinne erfüllen Bücherhalle und Lese­halle große Aufgaben. N.

cher gelesen haben. Die

Verwalterin, Frl. Johanna Vogt, die schon seif 20 Jahren den Dienst in der Bücherhalle mit gleicher Geduld versieht, hat es bann schwer, zu beraten und Zu empfehlen. Es ist selbstverständlich, daß es unter jenen, die die Bücherei in Anspruch nehmen, große Unterschiede gibt Die eine Leserin ist sehr wähle­risch und ein anderer Leser ist mit dem zufrieden was ihm aus dem Schatz der guten Bücher der Bücherhalle empfohlen wird. Und sicherlich fährt er damit auch nicht schlecht, denn schlechte Bücher be­finden sich nicht in der Bücherei! Es ist selbstver­ständlich, daß auch unsere Gießener Bücherhalle einer sorgfältigen Betreuung unterliegt. Die Büche­rei untersteht, wie jede andere Bücherei, in unserem Vaterlande, einer staatlichen Aufsicht. Die Gießener Bücherei wird von derLandesstelle für das Büche- reiroefen in Hessen" betreut und beraten.

Selbstverständlich wird in den umfangreichen Be­ständen peinliche Ordnung gehalten. Jedes Buch hat seinen bestimmten Platz, und die Verwalterin und ihre Helferinnen wissen genau, wo dies oder jenes geforderte Buch sofort zu greifen ist. Nur von dieser Grundlage der Ordnung aus ist die rasche Erfüllung der Wünsche der vielen Bücherfreunde möglich. Und diese Ordnung findet auch in der Kartei ihren Niederschlag. Wessen Aufmerksamkeit es entgehen sollte, das eine ober andere Buch wiederzubringen, wird höflich daran erinnert.

Die Leser wissen das, was ihnen an Gutem in der Bücherhalle geboten wird, sehr wohl zu schätzen. Die Bücher werden von den Lesern meist gut be­handelt. In der Bücherei legt man Wert darauf, daß auch ben Forberungen ber Hygiene entsprochen wirb. Eine ganze Reihe von Büchern ist in jene abwaschbaren Einbänbe gebunben, wie sie bas Einkaufshaus für deutsche Volksbüchereien" in Leipzig an die Bücherei gibt. Selbstverständlich werben auch biese Bücher durch den Gießener Buchhandel bezogen.

Vlandine setzt sich durch

Vornan von

Hans-Joachim Ireiherrn von Reihenstein

Copyright by Carl Sünder

18 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Greta Schade sah in einem pfauenblauen, auf dem Rücken nicht vorhandenen Samtkleid sehr sHön und hochgewachsen aus. Bei künstlicher Be­leuchtung sah man nicht, daß ihr überpflegtes Haar schon anfing, unnatürlich zu schimmern.

Was haben wir denn heute vor?" fragte Dok­tor Kapp überrascht, als er bei ihr eintrat.

Wir wollen doch in die »Bete Noire1. Wir haben neulich mit Schrader davon gesprochen."

Davon weiß ich ja gar nichts", sagte Kapp erstaunt.

IAuch gut! Hauptsache: ich will!" entgegnete @reta kampfbereit.Und ich gehe auf alle Fälle bm. Du bist ja sowieso nicht dafür angezogen."

Was willst du denn ausgerechnet in der Jjete Moire1? Ich weiß nicht, ob das ein Lokal ist fir ein Mädchen, das etwas auf sich hält."

JDu meinst wohl, du bist berechtigt, mich auf al en Wegen zu überwachen?" fragte sie spöttisch, damit ich ja feinen Schritt breit vom Tugend- psad abweiche, was?"

,Na, immerhin!" erwiderte Kapp, ,Bete Moire1 - das ist doch nicht ganz das rechte für dich."

Gerade weil Greta nicht Großstädterin war, liebte sie es, sich so zu geben, wie man sich ihrer iliesicht nach benehmen mußte, wollte man groß- slodtisch und mondän erscheinen. Sie setzte eine süf- jifinte Miene auf, als sie nun sagte:Du glaubst loch hoffentlich nicht, ohne dich ginge es nicht! Du bilDeft dir am Ende gar ein, du seiest meine erste - i! Liebe!"

.Sehr geschmackvoll von dir, das zu betonen!

,Ah, eifersüchtig, mein Teurer?" entgegnete sie mit Genugtuung.

.Ich werde mich hüten, auch noch auf deine früheren Gefühle eifersüchtig zu sein. Du gibst mir ja in der Gegenwart Anlaß genug dazu."

Wie bitte?5'

.Na, zum Beispiel Schrader/

Das schöne Mädchen wahrte, was sie für vor­nehme Ruhe hielt.

Ich kann nicht leugnen, daß er sich weniger spießig gibt als du."

Wenn er dir besser gefällt, bann geh doch mit ihm aus!" tobte Kapp.

Greta lächelte mokant.Das ist ein Gedanke. Eigentlich sind wir beide ja lange genug zusam­mengewesen."

Red nicht so dumm!"

Na, du mußt schließlich zugeben, daß es all­mählich langweilig wird mit dir."

Du bist mir eine süße Puppe!" knirschte Kapp, griff rasch nach Hut unb Hanbschuhen unb schlug mütenb die Tür hinter sich zu

Harry Engemann war ziemlich genau über Blan- bines Zeiteinteilung unterrichtet. Daß sie an die- sem Sonntag ausging, wußte er längst.

Zufällig traf er sie in ber Diele, als er her­unterkam. Zufällig staub fein Wagen fahrbereit vor ber Tür unb es war zufällig auch Benzin darin.

Wollen Sie fort?" fragte er erstaunt.

Ja, ich bin in Wannfee mit meinen Freun­dinnen verabredet."

Da kann ich Sie hinfahren."

Sie fuhren durch den Vorfrühling. Blondine fog durstig die frische Lust ein. Sie genoß diese seltene Fahrt. Sie fuhren in die Avus ein. Er drehte auf.

Ach, bitte, nicht so schnell!"

Mechanisch hob er den Fuß auf dem Gaspedal etwas an.

Angst?" Er drehte sich lachend zu ihr.

Nein", sagte sie.Aber es ist nicht zu schön, um so durchzurasen?"

Achtzig Kilometer ist doch kein Rasen."

Für Sie wohl nicht. Aber mir tut es leid. Ich komme sowieso zu früh, weil ich ja mit dem weiten Weg zum Bahnhof und der Stadtbahnfahrt gerechnet habe."

Wann wollen Sie da fein?"

Um halb vier "

Dann machen wir noch einen Umweg, wenn's Ihnen recht ist."

Haben Sie denn noch Zeit?"

»Mehr Zeit, als mir lieb ist."

Blondine wußte, daß sie Lucienne nichts nahm. Denn die schlief am Sonntag stets bis gegen fünf Uhr.

Auch Horry brachte der Frühling auf andere Gedanken. Wenn man nun sechzigtaufend Mark hätte, dachte er, während er glücklich dahinbrouste, dann könnte man sie entführen.

Die sparsame Hedwig Georgi hatte, als sie wie­der einmal an der Reihe war, ben Vorschlag gemacht, im Sommer bie monatlichen Sonntags­zusammenkünfte ins Freie zu verlegen. Sie woll­ten sich broußen treffen und jebe sollte ihren Kaffee unb Kuchen allein bezahlen. Denn da sie kein Heim besaß, wurde es ihr zu teuer, fünf kleine Fräulein in eine Konditorei zu führen. Die jungen Singer waren glücklich, ins Freie zu kom­men. Greta Schade führte das neue Frühjahrs- foftum mit Zubehör aus. ßiffie Arndt trug we­nigstens einen neuen, selbst garnierten Hut. Blon­dine hotte ein paar Veilchen angesteckt. Hebwig fing an, sich wegen ihrer sehr bebürftigen Haut mit Mandelkleie zu waschen und duftete enblich einmal ein bißchen.

Aber am meisten hatte ber Frühling bei ber kleinen Ilse eingeschlagen. Rotwangig unb fröh­lich war sie. Mit blanken Augen lachte sie alle unb alles an.

Man saß hoch über bem Wannsee. Traumhaft Ichön lagerte unten bas blosse Wasser. Der sonn­tägliche Gegensatz bes stillen Walbes am Horizont unb ber aus ber Stabt heraus eilenben Autos unb Menschen schuf jene eigenartige Ferienstimmung ber Umgebung einer großen Stabt.

Als ber buftenbe Dampf aus ben heißen Kaffee­tassen aufstieg und bie Torten mit Schlagsahne vor ben Mäbchen standen, da begann Ilse schüchtern:

Ich habe euch etwas zu faaen."

Etwas Schönes?" fragte ßiffie.

Ilse errötete. ,Ha, etwas sehr Schönes."

Hedwig hatte den ganzen Mund voll Kuchen mit Sahne.Für uns auch schön?" fragte sie.

Ilse kramte etwas aus ihrem Täschchen heraus.

Die Verlobung ihrer Tochter Ilse mit Herrn Sparkassenrendant Wolter Siebe! beehrt sich anzuzeigen

Frau verw Major Gehrke geborene Möller."

Unb falls ihr bas noch nicht glaubt ..."

Sie gab auch noch bie zweite Seite zum besten: Meine Verlobung mit Fräulein Gehrke, ältesten Tochter usw.

Wolter Siebel, Sparkassenrendant."

Ein backfischhafter Begeisterungssturm brach los. Als er sich langsam legte, griff ßiffie Arndt nach bem Wasserglas, in bem Blandines Veilchen stan­den und überreichte der Braut mit ein paar passen­den Worten die Blumen.

Also nun erst mal: wie sieht er denn aus?" fragte Greta.

Ich möchte erst wissen, wie alt er ist?" mel­dete sich ßiffie.

Achtunddreißig."

Worte mol. Ist das dein Essensschwärmer, von bem bu uns ganz im Anfang erzählt hattest?" Greta hatte für so etwas ein sehr gutes Ge- bächtnis.

Äse sagte zögernd:Er ißt wirklich sehr gern. Er sagt, es schmeckt ihm bei uns 4o gut wie bei Muttern. Er hat nämlich keine Mutter mehr. Des­halb freut er sich so auf unsere Häuslichkeit. Aber ich werde es ihm auch sehr schön machen."

Was ist er?" fragte die nüchterne Hebwig.

Blanbine reichte ihr bie Verlobungsanzeige.Zur gefälligen Einsichtnahme."

Ja, Beamter", bestätigte bie kleine Braut. Meine Mutter ist barüber sehr glücklich. Offizier ober Beamter wollte sie immer. Sie sagt, Pensions­berechtigung wäre bas einzige Richtige."

Entschuldige", sagte ßiffie,aber ist das nicht ein bißchen prosaisch?"

Zch wuß Mutter recht geben. Wo wären wir denn alle ohne bie Majorspension?" Dann fügte sie lieb hinzu:Unb sieh mal, schließlich will ein Mann sich auch mal ausruhen"

Ist er häuslich?" wollte Hebwig noch wissen.

Besonbers. Denkt mal, zur Verlobung hat er mir ein wunbervolles Kochbuch geschenkt, wo die auserlesensten Gerichte brin sinb."

Gin schönes Schmuckstück wäre mir lieber ge­wesen", flüsterte Greta ßiffie Arnbt zu.

Laß boch. Ich finbe bie Kleine rührend", ant­wortete sie.Unb wie hübsch sie in ihrem Glück aussieht."

Na, hoffentlich wirb es ein Glück. Ich bin skeptisch", sagte Greta.

Blanbine hatte die gleiche Beobachtung gemacht wie ßiffie. (Fortsetzung folgt)