Skandal
um Or.Vandergruen
Vornan von Hans Hirthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i.S.
9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Oh, wenn man an diese Möglichkeit glauben könnte! Uebrigens — falls meine Nachforschungen erfolglos bleiben sollten, werde ich gegen Mittag nach einmal bei Ihnen anfragen."
„Schön, schön!" meint Frau Bürklein und drängt den Jüngling sanft zur Tür. Sie will endlich ihren Kaffee trinken und die. Zeitung lesen.
Knackchen ist schon draußen und bis zum Treppenabsatz gelangt, da fällt ihm die Hauptsache erst ein.
„Hallo, Frau Bürklein!"
Die Gute wollte eben die Flurtür schließen und unterdrückt eine sanfte Verwünschung. „Nun, Herr Knack?"
„Ja, weshalb ich eigentlich zu so ungewohnter Stunde kam! Wenn meine Braut sich inzwischen finden sollte, dann bestellen Sie ihr doch bitte, sie möchte sich sofort reisefertig machen. Ich muß noch heute geschäftlich nach Bayern und habe die Absicht, sie mitzunehmen."
„Oh!" macht Mutter Bürklein, es kann Bewunderung, es kann auch Mißfallen fein. „Ja, schön, ich werde es Fräulein Amelung bestellen."
Drunten auf der Straße tauschen indessen ein paar Jungs ihre Meinung über Knacks Wagen aus.
„Knorke Kiste!" meint der eine.
„Mensch, wat denn? Knorke Kiste nennste bet? So 'ne verbeulte Heringsdose? Kiek dir doch mal det Jestelle an, da is ja unsa olla Kinderwagen eene Luxuslimasine jejen."
So geht es eine Weile, bis Knacks Ankunft dem Meinungsstreit ein Ende macht. Die Bengels wollen ihn über technische Einzelheiten ausfragen, aber Herr Knack verweigert mit eisig unnahbarer Miene jede Auskunft.
„So 'n Fatzke!" sagen die Jungs und trollen sich.
Emil Knack entspricht genau dem Bilde, -das sich Tante Liess von ihm entworfen hat. Klein von Gestalt, dabei an allen Orten angenehm gerundet. Das Haar hat einen Stich ins Rote, es läßt sich nicht leugnen. Die Augen sind klein und bon quiet- schiger Lebendigkeit. Die Wangen, frisch und rosig, sind wohl unterpolstert. Nehmt noch den perlgrauen Anzug, auf Taille gearbeitet (soweit von „Taille" bei Herrn Knack die Rede sein kann), nehmt die ahorngrüne Krawatte, das beigefarbene Busentüchlein, die Lackschuhe mit den weißen Gamaschen — und ihr habt alles in allem einen Mann — nicht von schlechten Eltern, wie man zu sagen pflegt.
Emil ist entschlossen, das Geheimnis dieser Nacht um jeden Preis zu lösen, und sein erster Weg führt nach Friedenau.
Er hat sich mit dem Pförtner von Schröder & Co. ein wenig angefreundet, mit gelegentlichen Trinkgeldern und Zigarrenspenden. Er pflegt Gisch manchmal, nicht allzu oft, von der Fabrik abzuholen, und da ist ein gutes Einvernehmen mit dem Zerberus nicht ohne Vorteil.
Herr Krause II (Krause I ist Buchhalter in der Revisionsabteilung) greift auch sogleich respektvoll an den Mützenrand, als Knack in vollem Glanz sich nähert.
„Morsen, lieber Krause! So früh schon wieder munter bei der Arbeit?"
„Dienst ist Dienst!" sagt Krause II und zieht stramm den Bauch ein.
„Tja ja, Morgenstunde hat Haare auf den Zähnen, sagt der Berliner, is es nid) so?"
Krause II bejaht pflichtschuldigst.
„Tscha, was ich sagen wollte, ist Fräulein Amelung schon eingetrudelt? Habe gerade geschäftlich hier in der Gegend zu tun, na, dacht' ich bei mir, willst doch mal sehen, ob die Kleine nicht verschlafen hat. Sie pflegt sich nämlich damit groß zu tun, daß so etwas bei ihr überhaupt nicht in Frage kommt. Sagen Sie, Herr Krause, stimmt das denn? Kommt es gar nie vor, daß sie mal verschläft?"
„Nee, Herr Knack, wees der Deiwel, da is nifcht zu melden. Immer zwei vor sieben, ich könnte meine Uhr nach ihr stellen. Aber — sonderbar, grab heute ist sie nicht gekommen. Ob sie krank geworden ist?"
Emil Knack ist auf eine derartige Nachricht zwar gefaßt, aber nun fährt ihm doch ein Schreck in die
Lungvolk-MitarbeitbeimVierjahresplan
Eine Anregung zu einer neuen Aufgabe
Von $r. Mach
Manch Gießener Pimpf wird lächeln und vielleicht zu sich selbst sagen: „Was für eine neue Aufgabe könnte das fein, die uns da innerhalb des zweiten Dierjahresplanes gestellt wird? Ist unsere Aufgabe nicht mit dem Sammeln von alten Metallen und Altpapier erschöpft? Ja, unsere Kameraden auf dem Lande, die können sich schon recht in der Erzeugungsschlacht einsetzen, indem sie ihren Eltern tüchtig in der Landwirtschaft helfen, aber wir —? Unsere Eltern haben kein Land, bestenfalls ein Stück Gartenland." Und doch, Gießener Jungvolk, liegt eine neue Aufgabe auch für dich auf landwirtschaftlichem Gebiet! Höret her!
Im Busecker Tal an der Wieseck, im Schiffen- berger Tal am Klingelbach dehnen sich Wiesen aus, die eben ihr Frühlingskleid anlegen. Ihr alle habt euch auf ihnen schon getummelt, und beim Spaziergang mit euren Eltern habt ihr euch über das frische Grün des Wiesenteppichs, der sich weithin vor euch erstreckte, gefreut. Tausend, Millionen Gräslein sprießen in ihm auf, die dem Landmann im Juni das duftende Heu liefern, das er als Dieh- futter im Winter notwendig braucht.
Einen Fehler hat dieses Heu aber: es enthält eine Pflanze, die in allen Teilen ein scharfes Gift enthält, das Menschen und Tieren schadet, hier also besonders den Haustieren. Wenn auch die Pflanze getrocknet, also in Heu verwandelt ist, bleibt das Gift wirksam. Der Bauer sucht darum diese Pflanze auszurotten. Das Jungvolk soll ihm in diesem Kampfe helfen!
Die Pflanze kennt ihr Pimpfe alle. Zu Tausenden und aber Tausenden wächst sie auf den Mesen des Busecker- und des Schiftenberger Tales: es ist die Herbstzeitlose. Freilich werdet ihr sie nur in einer ihrer Erscheinungsformen kennen, nämlich bann, wenn sie im Oktober blüht. Die Blüten, die der Tulpe ähnlich sehen, sind von blaßvioletter Farbe. Kein Laubblatt schmückt die sonst prächtige Blüte, die, wenn sie nicht giftig märe, zu den Lieblingen des Menschen gezählt werden würde, zumal sie spät im Jahre erscheint. Nur ein paar Tage währt das Blühen, bann stirbt die Blüte bis auf den Fruchtknoten ab, ber währenb bes Winters tief im Erdboden verbleibt. Die zarte Samenanlage entwickelt sich also, vor Frost geschützt, im warmen Schoße der Erde.
Im Frühjahr ^eigt sich die zweite Erscheinungsform der Pflanze. Der unterirdische Stamm, wächst au einem Stengel aus, der drei Laubblätter trägt, Die ein ähnliches Aussehen wie die ber Tulpe haben unb auch ben Fruchtknoten aus ber Erde heraushebt, damit die Samenanlage sich nun in ber günstigen Jahreszeit gut entwickeln kann. Diesen Stengel gilt es zu zerstören! Warum? Seine Laubblätter bereiten bie Baustoffe, bie einesteils gebraucht werden, um bie Samenanlage völlig Hu entwickeln, unb bie anbernteils in ben untersten Abschnitt bes Stengels hinabsteigen, um hier eine neue Pflastzenknolle für bas nächste Jahr heranzu- bilben. Gleichzeitig geht aus einer Knospe bes untersten Laubblattes eine junge Pflanze hervor. Wer ben Stengel zerstört, vernichtet die Samenanlage, verhinbertdie Entwicklung ber nächstjährigen Knolle unb bas Entstehen junger Pflanzen in ben Blattachseln; er schlägt also sozusagen brei Fliegen mit einer Klappe.
Wie ist nun ber Kampf bes Jungvolkes gegen diese gefährliche Pflanze zu denken?
In etwa brei bis vier Wochen werben bie Stengel ber Herbstzeitlose herangewachsen sein. Da sie in ber Knolle genügend Baustoffe zur Verfügung haben, sind sie viel schnellwüchsiger, als das Gras, über bas sie balb hinausragen. Jetzt ist bie Zeit gekommen, bie Giftpflanze zu bekämpfen. Die Pimpfe schwärmen auf bem Wiesenwege mit zwei Meter Zwischenraum aus, gehen über bie Wiesen unb stechen mit einem Stecheisen ben Stengel Möglichst tief im Boden ab. Da bas eine leichte Arbeit ist, läßt sich an einem Nachmittag von etwa 50 Jungen schon ein großer Wiesenplan von ber gefährlichen Pflanze säubern. Wird die Arbeit im nächsten Frühjahr wiederholt, so wird bie Pflanze restlos vernichtet sein, und ber Bauer wirb auf seinen Wiesen bann ein Heu ernten, bas er ohne jebes Bedenken an seine Haustiere verfüttern kann.
Die Stecheisen mit einer 2,5—3 Zentimeter breiten Schneide unb einem etwa 1,5 Meter langen Stiel läßt vielleicht bie Stabt als Eigentümerin ber Wiesen in genügender Zahl bereitstellen. Die Unkosten könnten, da sich die Qualität bes Heues verbessert hat burch einen etwas erhöhten Pachtpreis gedeckt werden.
Wenn beim Kampf gegen bie Herbstz ei t- l o s e an euch, ihr Jungen des JV., gebucht wird, bann aus ben Gründen, weil bie Giftpflanze, bie in Tausenben von Exemplaren auf unseren Wiesen wächst, nur burch eine Mehrheit bekämpft werben kann. Ein einzelner ist fast machtlos gegen sie, außerbem würbe sein Kampf zu lange bauern. Ende April, Anfang Mai muß er durchgeführt sein; späterhin würde man durch bas Niedertreten bes Grases Schaben a n r i ch t e n. Eure vielen Hände würden ben Kampf schnell beenden. Euer leichter Schritt
würde auch ber Grasdecke beim Gehen burch bie Mesen am wenigsten schaben. Der wichtigste Grund ist aber der, daß ihr eure Kraft unb Zeit einsetzt für eures Volkes Sache!
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 6. April. Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, )4 kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, ßanbbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 10, Eier, beutsche, Klasse S 14, Klasse A 13, Klasse B 12, Klasse C 11)4, Klasse D 10)4, ungezeichnete 10, Wirsing, )4 kg (gelb) 12, (grün) 20 bis 25, Weißkraut 10, Rotkraut 12, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat, 50 g 10 bis 12, )4 kg 90 Pf. bis 1,10 Mk., Tomaten 70 bis 75 Pf., Zwiebeln 10 bis 14, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Rhabarber 25 bis 30, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,65 bis 3,80 Mark, Aepfel, % kg 20 bis 45 Pf., Zwetfchenhonig 50, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Blumenkohl, bas Stück 30 bis 45 Pf., Salat 15 bis 30, Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, bas Bünbel 15 bis 20 Pf.
Helfer im Kampf gegen -en Verderb!
Neben der Erzeugungsschlacht ist ber Kampf um die Erhaltung unserer wertvollen Lebens- und Genußmittel ganz besonders wichtig. Jeber soll und muß mithelfen, die jetzigen Verluste, welche mit 1,5 Milliarden im Jahr beziffert werden, zu mindern. Das ist nach den heutigen Erkenntnissen ber Wissenschaft ohne Schwierigkeit auch im kleinsten Haushalt möglich. -
Ein großer Teil dieser wertvollen Güter, wie Milch, Butter, Fleisch, Fische, Obst, Gemüse usw., also alle wasserhaltigen, gehen im Sommer sehr schnell in Zersetzung über, wenn sie nicht vor Warme geschützt werden. Werden sie dagegen kühl gehalten, so kann man sie unbedenklich längere Zeit aufbewahren, ohne baß sie Schaden erleiden, oder an Frische und Aroma einbüßen. Alle diese Waren sollten vom Erzeuger bis zum letzten Verbraucher ständig und möglichst gleichmäßig gekühlt werden. Diese sogenannte „Kühlkette" darf nicht unterbrochen werden oder vorzeitig abreißen.
Leider haben noch viele Lebensmittelgeschäfte und prozentual noch viel mehr Haushaltungen keine geeigneten Kühleinrichtungen. Man ruft jetzt immer nach bem „Volkskühlschrank" unb wartet auf irgend etwas „Neues". Warum? Den wirklichen Volkskühlschrank gibt es doch schon lange, unb zwar für alle vorkommenben Bedürfnisse. Es ist ber millionenfach bewährte Eiskühlschrank. Dieser hat den besonberen Vorzug, billig in der Anschaffung unb billig in ber Benutzung zu fein. Er wird in allen gangbaren Größen serienmäßig gebaut unb entspricht in Ausstattung unb Konstruktion allen Erfordernissen eines guten unb zweckmäßigen Kühl- gerätes.
Aus der engeren Heimat.
Dezitzksliedertag in Heuchelheim.
f Heuchelheim, 5. April. Die Gesangvereine des Hüttenbergs sowie ber Orte um ben Gleib erg unb bem Biebertal, bie zum Sängerkreis Solms-Wetzlar gehören, hielten am Sonntag in Heuchelheim ihren diesjährigen Kreisliedertag ab, ber sehr zahlreich besucht war.
Bereits um 8 Uhr begann in ber Turnhalle bas Wertungssingen, an bem sich 20 Vereine beteiligten, die je einen Pflichtchor unb ein freiwilliges Lied zum Vortrag brachten. Als Vertreter ber Gemeinde widmete Beigeordneter S«a ck ben Sängern bie besten Willkommensgrüße Heuchelheims, dessen Einwohner über diesen Besuch sehr erfreut seien. Unter ber Leitung des Kreisführers des Sängerbundes, Lehrer Majewski (Oberndorf), unb bes Kreischormeifters Lotz (Ehringshausen) würbe bann das Wertungssingen durchgeführt. Als Wertungsrichter war Prof. Dr. Gambke (Frankfurt) erschienen. Der größte Teil ber Vereine brachte als Pflichtchor Armin Knabs Lied: '„Ich habe Lust im weiten Feld zu streiten", ber andere Teil ein Soldatenlied von Wilh. Weismann
Die Eiskühlung ist auch heute im Zeitalter unserer hochentwickelten Technik noch weitverbreitet. Sie ist absolut zuverlässig, bequem unb auch für ben kleinen Haushalt erschwinglich. Eis hat ben großen Vorteil, im Kühlschrank eine stets gleichmäßige tiefe Temperatur zu halten unb baneben noch bie fabelhafte Eigenschaft, Fremdgerüche unb übermäßige Feuchtigkeit zu absorbieren, vorausgesetzt, daß es in einem neuzeitlichen Eiskühlschrank verwendet wird. Das Wachstum ber Bakterien wirb praktisch so gut wie verhindert, unb bie aufbewahrten frischen Lebensmittel behalten längere Zeit ihr gutes Aussehen und ihre volle Qualität. Vermieden werden Schäden an Leib und Gut. Darum sollte jeder Haushalt sich einen Eisschrank, seinen besonderen Zwecken entsprechend, anschaffen. Man hat damit immer einen „treuen Helfer im Kampf gegen ben Verberb!"
Metzgereien unb Buttergeschäfte sind aber auch auf diese Verkaufshelfer angewiesen. Es hibt für jeden Ladenumfang ben geeigneten Schrank. Ohne weiteres kann er im Verkaufsraum selbst untergebracht werben. Die Betriebskosten finb niedrig unb entsprechen in keiner Weise bem sonst üblichen Ausfall an Ware, an Abfall. Also — mit bem Labenkühlschrank wird gespart! Darüber hinaus ist er ein Kundschaftsfänger, weil bie kaufende Hausfrau im Sommer gekühlte Ware als hochwertiger empfindet unb entsprechend lieber kauft als ungekühlte Lebensrnittel, bie ursprünglich gleich-, wenn nicht höherwertig waren, aber durch die Hitze an Aussehen unb Geschmack verloren haben.
unb der Rest bas „Deutsche Morgenlieb" von Hans Lang zu Gehör. Es wurden sehr ansprechende Leistungen geboten, bie bewiesen, daß ber beutsche Männergesang auch auf dem flachen Lanbe eine gute Pflegestätte besitzt.
Nicht nur in ber Turnhalle, sondern auch im Orte entwickelte sich ein frohes Leben. Aus den vielen Standorten ber Gesangvereine klangen in den frühen Morgen die frischen Weisen der Sänger. Um 12 Uhr fand auf dem geräumigen Platz des „Kreuzes" mitten im Dorf eine öffentliche Kundgebung f ü r ben deutschen Männergesang statt, an der auch die Einwohner Heuchelheims starken Anteil nahmen. Mit wehenden Fahnen unb frischen Marschweisen zogen die Sänger von der Turnhalle zur Kundgebung. Unter Leitung des Kreischormeisters Lotz (Ehringshausen) wurden von ben Massenchören der Deutsche Sängergruß unb das Deutsche Morgenlieb gesungen. Hierauf sprach der Kreisbundesführer Majewski (Oberndorf). Er betonte, daß die Sänger mit ihrem Gesang mitten im Volke stehen. Heuchelheim mit seiner für solche Wertungssingen wundervollen Turnhalle sei den Sängern bes Sängerkreises nie abseits gelegen gewesen, unb sie fühlten sich stets
heimisch hier. Diese Verbundenheit mit Heuchelheim komme auch durch das Erscheinen von Ortsgruppenleiter W o b k e r , Bürgermeister Rinn unb Beigeordneten Sack zum Ausdruck, die der Redner besonders begrüßte. Er sprach bann noch über bie Aufgabe der deutschen Sänger, bie ihre Lieder aus dem Herzen in die Herzen des Volkes erklingen lassen wollen und als ersten Grundsatz bas Be- Kenntnis zu Heimat unb Vaterland hervorheben. Mit dem Gruß an ben Führer und bem gemeinsamen Gesang ber Nationallieber klang bie Ansprache aus.
Nach einem weiteren Massenchor unb einem burch Trompetensolo ansprechend unterstützten Volkslied von H. Heinrichs „des Morgens zwischen dreien und vieren' überbrachte Ortsgruppenleiter Wob - Per die Grüße der Bewegung. Er gab seinem Wunsche Ausdruck, daß auch die deutschen Sänger ihre Aufgabe innerhalb des Volkes erfüllen und durch die Pflege von Kulturgut zur Schaffung der Volksgemeinschaft beitragen mögen. Mit zwei weiteren Massenchören wurde bie Kundgebung beendet.
Nach der Mittagspause sand in ber Turnhalle bie kritische Besprechung des Wertungssingens statt. Anschließend vereinigten sich die Vereine noch zu einem gemütlichen Stündchen.
Kreisverbandstreffen
der Evangelischen Frauenhilfen.
0 Rödgen, 5. April. Wohl 500 Mitglieder der Evangelischen Frauenhilfen trafen sich am Sonntag in unserer Gemeinde zur diesjährigen Kreisverbandstagung. Es waren erschienen die Evangelischen Frauenhilfen von Alten- Buseck, Annerod, Steinbach, Lindenstruth, Wieseck, Saasen, Rödgen und aus Gießen die Lukas- und die Markusgemeinde.
Im F est g o tte sd i e nft in der Kirche, an dem auch viele Gemeindemitglieder teilnahmen, predigte Pfarrer D ö l l (Steinbach) über das Bibelwort aus dem Evangelium Johannes 6, Vers 66 bis 71.
In einer kurzen Kaffeepause bewirtete bie hiesige Frauenhilfe bie auswärtigen Teilnehmer im festlich geschmückten Saal von Gastwirt Balser.
Um 15.30 Uhr begann bie Nachversammlung in der Kirche. Unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Bönning, begrüßte die Teilnehmer, besonders die Rednerin des Tages, Vikarin Frl. S i e b e r t h vom Hessischen Hauptverband. Diese hielt einen Vortrag über bas Thema „Frauen unter ber Bibel." Den Jahresbericht erstattete die stellv. Kreis- vorsitzende, Frau Rau (Klein-Linden). Der Bericht zeigte ein erfreuliches Bild ber Arbeit bes Kreis- oerbanbes Gießen. Frau Rau bankte auch ber hiesigen Frauenhilfe bafür, baß bie Tagung so schön vorbereitet worden war. Die Grüße des Dekanats Gießen überbrachte Dekan Sattler (Wieseck). In feinem Schlußwort dankte Pfarrer Bönning allen Teilnehmern unb Rebnern. Mit Gemeinde- gefang, Gebet unb Segen schloß bie Tagung.
Landkreis Gießen.
<£ Leihgestern, 6. April. Ihre silberne Hochzeit können am Donnerstag, 8. April, ber Eisenbahnschaffner Heinrich Seel unb Ehefrau Susanne, geb. Ott, Rathausstraße dahier, und ber Eisenbahnschaffner Karl Seipp und Ehefrau Marie, geb. Arnold, Klausegasse dahier wohnhaft, begehen.
I Leihgestern, 5. April. Der hiesige Spar« unb Vorschußverein hielt am Samstagabend seine 46. ordentliche Hauptversammlung im Lokal „Zur Krone" ab. Der Vorsitzende Haas gab zunächst den Geschäftsbericht für 1936 bekannt. Der gegenwärtige Stand der Dorfkaffe ist als recht günstig zu bezeichnen; zehn Mitglieder sind neu eingetreten, denen zwei Austritte gegenüberstehen. Die Bilanz wurde vom Rechner Hauser vorgetragen. Der Umsatz betrug 124 000 Mark, der Reingewinn 1645 Mark, dessen Verteilung in der vorgeschlagenen Weise zugestimmt wurde. Die Einlagen der Schul- parkasse, die sich erfreulicherweise in jedem Jahre steigerten, betrugen letzthin 1885 Mark. Der Zins- atz wurde von 5)4 auf 5 v. H. gesenkt. An Dividende wurden 4 v. H. verteilt. Allen an sie gestellten Kreditansprüchen konnte die Kasse im abgelaufenen Jahre aus eigenen Mitteln gerecht werden. Der Jahresabschluß fand die Genehmigung ber Versammlung, dem Vorstand und Aufsichtsrat konnte Entlastung erteilt werden. Die ausscheidenden Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder wurden wiedergewählt. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles wurde die Versammlung in der üblichen Weise geschlossen.
Glieder. Verflucht und zugenäht, wo steckt bloß das Mädel? Es kann ihr doch nichts passiert sein, bas gibt es doch nicht!
„Was Sie sagen! Da will ich doch mal auf dem Rückweg, bei ihr vorbeikommen." Das wird so obenhin gesagt, im Tone leichter Besorgnis, Krause II braucht Näheres nicht zu wissen. Jedoch muß versucht werben, ob man nicht irgendeinen Anhaltspunkt in Erfahrung bringt.
„Aber gestern hat sie gearbeitet, nicht wahr? Ist sie vielleicht früher nach Hause gegangen?"
Krause II steckt schnuppernd die Nase in bie Luft. Wahrscheinlich kommen ihm solcherart die Erleuchtungen.
„Nee, nee, sie ' le genau wie die anderen auf. Da war doch dies ngsba, ihre Freundin, die holte sie ab. Sie fragte mich noch, ob Fräulein Amelung schon 'raus sei."
Herr Knack schnaubt wütend durch die Nase. Ah, die Mary also hat die Hand im Spiel! Das erklärt alles. Gisch hat sich verleiten lassen, mit Mary auszugehen, und wenn Mary bummeln geht — na, er hat bas ja einmal mit gemacht. Den Kater am anderen Tag vergißt er im Leben nicht. — Natürlich sitzt Gisch jetzt in Marys Bude, hat nasse Tücher um ben Kopf und labt sich an Rollmöpsen.
„Na, wirb wohl weiter nichts Schlimmes fein, is ja ein stabiles Mädchen, nicht?"
„Det kann man wohl sagen, Herr Knack!" schmunzelt Krause II und nimmt mit Würde die dicke schwarze Zigarre in Empfang, eine echte Brasil. Knack läßt sich in solchen Dingen nicht lumpen.
Es ist bem jungen Mann nicht recht behaglich zumute, wie er nun seinen Wagen dem Berliner Narben zulenkt, benn diese Mary Hauck ist ein Teufel, um es geradeheraus zu sagen. Was hat er schon in Gisch hineingeredet, daß diese junge Dame kein Umgang für ein anständiges Mädchen sei, aber in der Beziehung ist Gisch von einer Dickköpfigkeit, bie eigen zum Platzen bringen kann.
„Ich finde Mary fabelhaft!" sagt Gisch, da kann man nichts machen, so was scheint ihr eben zu imponieren.
Ein rassiger Kerl ist sie ja, diese Mary, töricht, es leugnen zu wollen. Sprühend vor Lebenslust, unberechenbar in ihren Einfällen, eine richtige Zigeunerin, eine „tolle Nummer".
Sie ist Vorführdame in einem Modesalon am Kurfürstendamm, erstes Haus, prima Kundschaft, unb da sie von dort auch ihre eigene Garderobe bezieht, zu herabgesetzten Preisen allerdings, ist es nicht verwunderlich, daß sie sich mit Erfolg den Anschein einer Dame von Welt zu geben vermag. Die Modephotographen bevorzugen sie als Modell, wenn es sich darum handelt, ein aufsehenerregendes Abendkleid ober ein Gedicht von einem Badeanzug in bie illustrierten Zeitungen zu bringen.
Von Gisch Amelung wirb Mary vorbehaltlos bewundert. „Ihr kennt sie ja nicht, ihr wißt ja nicht, was für ein feiner Kerl sie ist!" Das ist ihre Antwort, wenn die Arbeitskameradinnen die Nase rümpfen.
Mary und Gisch entstammen der gleichen Erde, das Frankenland ist ihre Heimat. Beide spielten in ben gleichen Straßen und Häuserwinkeln, badeten gemeinsam im Bach hinter der Mühle und stahlen gemeinsam die Aepfel aus bem Pfarrhausgarten.
Aber eines Tages geschah etwas, das die beiden Mädchen für immer zusammenführte, und das war, als das Elternhaus von Gisch in Flammen aufging. Man hatte sie spielend irgendwo im Freien vermutet, aber gerade an diesem Nachmittag war sie heimlich auf den Speicher geschlichen, um in Mutters Trödelkiste zu stöbern.
. Das Feuer schnitt ihr den Rückweg ab, und als sie schreiend an der Dachluke erschien, war bas Entsetzen so groß, daß zu einer besonnenen und raschen Rettungstat niemand imstande war.
Nur Mary, die damals noch Mariele hieß, hatte den Mut, ihr eigenes Leben zu wagen, fauste auf bie anstoßenbe Scheune zu, und da sie eine gewandte Kletterin war, kam sie aufs Dach, eh fich's jemand versah. Sie tastete sich, des sprühenden Funkenregens nicht achtend, bis zur Dachrinne bes Wohnhauses vor, schwang sich über die Giebelwand und erreichte bie Dachluke.
Das hat den gaffenden Mannsleuten die Scham ins Gesicht gejagt, so daß sie nun wacker das ihre taten, Leitern aufstellten und die Kinder aus ihrem Elend befreiten.
Die Amelungs zogen bald darauf von ber Heimat weg, ein entfernter Verwandter, der von ihrem Unglück erfahren hatte, vermittelte dem Mann eine Stellung in Berlin.
(Fortsetzung folgt!)


