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Samstag, b.Marz 1957
Nr. 55 Erstes Blatt
187. Jahrgang
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Frankfurt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStZ-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel 8
Der künstlerische Mensch formt den deutschen Film
* R- St. Backer: Wodrow Wilson. Memoiren und Dokumente über den Vertrag non Versailles anno 1919 Band I, Seite 305 der deutschen Ausgabe.
Zwischensemester an den technischen Hochschulen.
Berlin, 5. März. (DNB.) Reichserziehungs- minister Rust hat die Vorpraxis für die Zulassung zum Ingenieur st udium an den technischen Hochschulen und Bergakademien auf sechs Monate reichseinheitlich festgesetzt. Dies hat zur Folge, daß der Studienbeginn auf das Frühjahr verlegt werden muß. Hieraus würde sich die Notwendigkeit ergeben, mehrere Jahre hindurch Vorlesungen und Hebungen doppelt abzuhalten. Deshalb hat Reichsminister Rust angeordnet, daß der Studienbeginn ausnahmsweise auf ein Zwischenseme st'e r fällt. Bis dahin haben die Studenten die Vorpraxis zu erledigen. Das Zwischensemester beginnt am 2. August 1937 und schließt am 16. Oktober 1937. Mit Rücksicht hierauf schließt das Sommersemester bereits am 21. Juni anstatt am 30. Juni und beginnt das Wintersemester 1937/38 am 11. November anstatt am 1. November. Das Zwischensemester wird als erstes, drittes, fünftes und siebentes Semester durchgeführt. Dadurch wird insgesamt drei Jahrgängen die Möglichkeit gegeben, ein halbes I a h r früher als bisher ihr Studium abzuschließen. Durch das Zwischensemester, eine einmalige Hebergangsmaßnahme, wird eine Verkürzung der Ausbildungszeit erreicht, die sowohl dem Bedarf der Wirtschaft als auch bevölkerungspolitischen Gesichtspunkten entgegenkommt.
mal Geschäftsmann und fühlt sich auf dem Gebiet der Kunst unsicher. Er sieht auch selbst den Bruch zwischen Geschäft und Kunst und er kann nicht abstreiten, daß dieser Bruch zu einer allmählichen Verarmung des filmschöpferischen Schaffens führt. Er wagt keine Vorstöße, weil sie ihm zu riskant sind." Der Filmunternehmer gehe am liebsten ausgetretene Wege und glaube, wenn ein anderer einmal einen großen Erfolg gehabt habe, er dessen Methoden nur nachzuahmen brauche, um den gleichen (Erfolg zu erzielen.
dienende Rolle spielen. „Ich räume dem Filmindustriellen durchaus die Befugnis zu", erklärte Dr. Goebbels, „im Filmschaffen auf feine Kosten zu kommen. Ich rede ihm nicht deshalb ins Gewissen, weil er Geschäftsmann ist, sondern weil er ein schlechter Geschäftsmann ist und weil er bei der Befolgung der richtigen Grundsätze viel besser zum geschäftlichen Vorteil gelangen könne, als das heute der Fall ist. Er würde sehr Flug beraten sein, wenn er sich des Künstlers als des Freundes und Ratgebers bediente, denn er ist ja nun ein-
Aus Anlaß der Jahrestagung der Reichsfilmkammer findet auch eine kinotechnische Ausstellung statt, in der man interessante Vergleiche Über die erstaunliche Entwicklung der Kinotechnik machen kann. Hier sieht man das modernste Tonfilmwiedergabegerät und davor einen Filmprojektor aus dem Jahre 1906. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
„Freiheit der Meere."
Vor kaum zwanzig Jahren sind die Vereinigten Staaten auf Seiten der Feinde Deutschlands in den Weltkrieg eingetreten mit dem Vorgeben, für die „Freiheit der Meere" zu kämpfen, die ihnen durch den deutschen Versuch, mittels H-Booten und Minen die englische Blockade zu brechen, bedroht schien. Das Schlagwort von der „Freiheit der Meere" war für die Amerikaner länger als ein Jahrhundert hindurch die Parole, mit der man wie auch mit der Monroe-Doktrin sich gegen die englische Hebermacht zur See wie gegen Eingriffe europäischer Mächte in die Angelegenheiten der beiden amerikanischen Kontinente zu wehren suchte. Die Amerikaner hatten diese Parole übernommen von den seefahrenden Völkern, die sich vor ihnen gegen die Alleinherrschaft einer einzigen Seemacht hatten durchsetzen müssen. So ist das Schlagwort von der „Freiheit der Meere" aus der politischen und völkerrechtlichen Debatte nicht mehr verschwunden, seit der Holländer Hugo Grotius im Kampf gegen die spanisch-portugiesischen Ansprüche auf den alleinigen Handel mit Indien den Ausdruck „mare liberum“ 1609 geprägt hat. England, das nach der Ueberflügelung der älteren See- ; Mächte Spanien, Holland und Frankreich den Grundsatz der Freiheit der Meere mit dem Recht des Stärkeren ablehnte, hat ihn dann später im Weltkriege als Waffe der deutschen Propaganda gegen seine Alleinherrschaft zur See, mit deren Hilfe es die Blockade der Mittelmächte durchführte und so die Aushungerung Deutschlands einleitete, fürchten gelernt und auch nicht geruht, bis Präsident Wilson die Forderung der Freiheit der Meere noch während des Note'nkrieges über die Grundlagen eines Waffenstillstandes von feinem Programm strich. Damit hatte Amerika die Hauptforderung fallen gelassen, die es am 6. April 1917 zum Eintritt in den Krieg gegen Deutschland veranlaßt hatte.
In der berühmten Botschaft an den Kongreß vom 8. Januar 1918, in der Präsident Wilson sein Friedensprogramm entwickelt hatte, hatte der zweite Punkt gelautet: „Absolute Freiheit der Schiffahrt auf See außerhalb der territorialen Gewässer sowohl im Frieden wie im Kriege, außer, wenn die See ganz oder teilweise auf Grund internationalen Vorgehens zur Erzwingung internationaler Verträge gesperrt wird". Der deutsche Reichskanzler Graf Hertling hatte darauf in feiner Reichstagsrede vom 24. Januar geantwortet: „Die vollkommene Freiheit der Meere in Krieg und Frieden wird auch von Deutschland als eine der ersten und wichtigsten Zukunftsforderungen aufgestellt." Aber bei den Friedensverhandlungen in Versailles zerrann diese Forderung, auf die sich Amerika und Deutschland gleicherweise feierlich festgelegt hatten, vor der alles überragenden Tatsache, daß die Briten damals noch im Bündnis mit Japan nach dem Ausscheiden der deutschen Kriegsflotte ein beispielloses Hebergewicht zur See hatten, vor dem auch Amerika vorerst die Segel strich. Wilson tröstete sich, wie sein engster Mitarbeiter R. St. Backer* schildert, mit seiner Ideologie von der künftigen Sicherung des Friedens durch den Völkerbund. Der Präsident meinte in Paris, daß es in zukünftigen Kriegen gar kein neutrales Eigentum zu schützen gebe, „denn unter dem Völkerbund würden alle Nattonen sich zusammenschließen, um die Bundesbeschlüsse den widerspenstigen Staatenmitgliedern aufzuzwingen, das Meer aber würde von der Bundesflotte beherrscht werden." Daß diese optimisttsche und wirklichkeitsferne Auffassung Wilsons Illusion geblieben ist, hat seitdem die Geschichte des Völkerbundes an zahlreichen eklatanten Beispielen bewiesen. Die Amerikaner erkannten rechtzeitig den Bluff, den sich Engländer und Franzosen in Paris mit ihrem Präsidenten erlaubt hatten, und schon Wilsons Nachfolger, der Präsident Har ding, suchte die Freiheit der Meere wenigstens für sein Land auf dem alten machtpolitischen Wege. Die Abrüstungskonferenz der großen Seemächte in Washington 1921 löste das englisch-japanische Bündnis und stellte die Gleichberechtigung der Vereinigten Staaten und Englands zur See her. Damit war für Amerika die Scharte von Versailles ausgewetzt. Die Freiheit der Meere war wenigstens nach dieser machtpolitischen Seite hin für die Amerikaner seitdem kein Problem mehr.
Erheblich länger hat es gedauert, Amerikas Stellung zur Frage des Seehandels im Kriege neu festzulegen. Hinter dem vom Präsidenten Wilson unter dem Vorwand der Menschlichkeit und Gerechtigkeit verkündeten Grundsatz der Freiheit der Meere verbarg sich in Wahrheit das private Händlerinteresse, das auch dort Hnantastbarkeit für sich beanspruchte, wo es ohne Rücksicht auf die politische Neutralität des eigenen Landes als Kriegslieferant feine Geschäfte mit dem Tode machte. Dis Enthüllungen des parlamentarischen Hntersuchungs- ausschusses, dem unter Leitung des Senators Nye die Prüfung der Gründe für Amerikas Eintritt in den Weltkrieg oblag, haben endlich auch den Amerikanern die Augen darüber geöffnet, wie frupellos einige wenige große Industrielle und Bankiers ihren Einfluß auf die amerikanische Presse, aber auch auf Staatsdepartement und Präsidentur ausgenutzt haben, um zu erreichen, daß zur Sicherung ihrer Kriegsgewinne die Vereinigten Staaten in die Waagschale der Empfänger amerikanischen Soldes und amerikanischer Waffen warfen. End-
Unter einstimmigem Beifall der Zuhörer gab Dr. Goebbels der Meinung Ausdruck, daß in die entscheidenden Gremien und in die Aufsichtsräte unserer großen Filmfirmen die K ü n ft l e r mit hineingehörten, und zwar nicht nur zu dekorativen Zwecken. Er erinnerte an die Erfahrungen der Berliner Theater. Auch hier habe man anfangs den Künstlern die Fähigkeit abgesprochen, Theater leiten zu können. Der Erfolg habe das Gegenteil bewiesen. Dr. Goebbels erinnerte an das Wort des preußischen Ministerpräsidenten Göring bei der Jubiläumsfeier der Berliner Staatstheater: „Unser Theater ist nicht dem Gelde nachgelaufen; deshalb ist das Geld uns nachgelaufen". Dieser Satz lasse sich auch auf die deutsche Filmkunst anwenden.
Anschließend berührte der Minister das Problem Kun st und Nationalsozialismus. Der Künstler habe das Recht, historische Vorgänge souverän zu gestalten, wenn zu diesen historischen Vorgängen ein geschichtlicher Abstand bestehe. Dies sei beim Nationalsozialismus noch nicht der Fall. Die historischen Vorgänge des Nationalsozialismus seien für die Bühnengestaltung noch nicht reif. Ganz anders aber verhalte es sich mit dem geistigen Inhalt seiner Weltanschauung, Tendenz, Haltung, Gesinnung und Charakter. Er wünsche nicht eine Kunst, die ihren nationalsozialistischen Charakter nur zur Schau stelle, sondern die in ihrer Haltung tatsächlich nationalsozialistisch ist. Es fei selbstverständlich, daß der Filmstoff aus dem Leben genommen werden müsse und daß er ein Problem zu behandeln habe, das die Herzen ergreife. So könne dieses Problem auch aus der Literatur entnommen werden. Zunächst dürfe kein großer literarischer Stoff aus geschäftlichen Gründen mißbraucht werden. Der Mythos, einen künstlerischen Stoff umzugestalten, liege meistens bei den Künstlern, selten bei den Filmunternehmern.
Zur Frage der Filmbesehung erklärte der Minister, es fei notwendig, die Menschen, die etwas können, pfleglich und rationell einzusehen. Man habe eine Menge von neuen Talenten herausgestellt und damit erreicht, daß der Film schon in den Menschen ein neues Gesicht gewinne. Ls sei möglich geworden, die Filmtheater wieder zu füllen und die Filmwirtschaft gesund zu machen. Der deutsche Film sei anregend geworden, er begeistere das Publikum. Es müßten Schäden abgestellt werden, die die Folge falscher Organisationsformen waren. Dazu sei ein starker, konsequenter, nicht zu dekorativen, sondern zu entscheidenden Zwecken vorzunehmender Einbau künstlerischer Kräfte auch in den Werdeprozeß des Films notwendig, ein Weg, wie ihn eine deutsche große Filmfirma bereits beschritten habe. Diesem Beispiele sollten möglichst alle anderen Firmen nachkommen. Dann werde der deutsche Film sein künstlerisches Gesicht wahren und verbessern.
Unter Hinweis auf die Tatsache, daß das deutsche Volk im 19. Jahrhundert allein der Welt fast so viele Musiker geschenkt hat wie andere Völker in allen Jahrhunderten zusammen, gab der Minister feiner festen Heberzeugung Ausdruck, daß unser Volk ein tiefkünstlerisches Volk ist, das auch auf dem Gebiet der Filmkunst dazu berufen fei, eine Vormachtstellung in der Welt zu erringen. „Wir haben uns im Jahre 1933 zum Ziel gefetzt,
lichen Werten: „Man muß sich der Kunst mit Leib und Seele verschreiben — oder gar nicht! Die Kunst ist nicht leicht, sie ist unerbittlich, hart, ja manchmal grausam und fordert den ganzen Menschen. Aber niemand, der der Kunst die sorgenvollen und quälenden Jahre feines Lebens hindurch gedient hat, möchte sie aus seinem Leben wieder missen, denn sie ist d a s einzige, die ihm das Leben lebenswert gemacht hat. So können wir auch diese zum ersten Mal in der ganzen Welt stattfindende Zusammenkunft aller am Film schaffenden Menschen eines Volkes nicht würdiger abschließen, als wenn wir uns wiederum mit ganzem Herzen und aus voller Seele der K u n ft als der großen Mu11er unserer Freude, der gütigen Trösterin in unseren Schmerzen hingeben, daß wir ihr in Demut danken, wenn sie in den grgßen Stunden unseres Lebens unsere schaffende Hände segnet.
Drei Jahrzehnte Kinotechnik nebeneinander.
lagen innerhalb der deutschen Filmwirtschaft beziffert werden! Etwa 50 Millionen Mark müssen jährlich für die Produktton zur Verfügung gestellt werden. Heber 5 0 0 0 0 Menschen finden hier Arbeit und Brot. Der Nationalsozialismus habe die Beziehung zwischen Filmkunst und Volk wieder hergestellt. Es sei unverkennbar, daß der nationale Film auch auf dem Weltmarkt im Vordringen begriffen sei. Eine erfreuliche Entwicklung habe der deutsche Kulturfilm genommen.
Reichsmimster Dr. Goebbels:
Den Höhepunkt des Jahrestages der Reichsfilmkammer bildete die große Rede von Reichsminister Dr. G 0 e b b e 1 s, der als Schirmherr des deutschen Films am Freitagabend in der Kroll-Oper vor den Filmschaffenden sprach. Der Minister leitete feine Rede mit der Feststellung ein, daß man nicht von einer deutschen Filmkunst sprechen könne, ohne auch auf diesem Gebiete die seither gültigen Gesetze für die Kunst im allgemeinen anzuwenden. Kunst käme vom Gefühl her und nicht vom Verstände. Der Künstler sei nichts anderes als der Sinngeber und Gestalter dieses Gefühls. Er unterscheide sich vom gewöhnlichen Menschen dadurch, daß er die Kraft besitze, Gefühle zu formen. Die Kunst will die Menschen in ihren Gefühlen befriedigen und beglücken. Darum dürfe von der Kunst auch niemals verlangt werden, daß ihr materieller Einsatz sich unmittelbar und sofort lohne. Auf weite Sicht gesehen, ergebe sich aus ihrem ideellen Erfolg auch die notwendige m a - terieHe Rentabilität, deren Grundsätze für die Kunst erst in zweiter Linie maßgebend fein dürfen. Der Filmunternehmer betrachte den Film selbstverständlich als Geschäftsmann, während der Künstler das Bestteben habe, das Leben ein- gufangen, es zu gestalten, zu verdichten und dar- AufteUen. Die Entscheidung darüber, ob der Dichter Das Recht zu einer kühnen Umformung hatte, treffe der Erfolg. Schuf er einen Wert nicht für die Zeit, sondern für die Ewigkeit, dann ist dieses Recht ein souveränes, war das nicht der Fall, hat er sich dieses Recht angemaßt und erhalte den schlimmsten Tadel, den die Zeit überhaupt aussprechen kann: er werde vergessen.
Der Film stehe heute ungefähr da, wo das deutsche Theater stand, als Lessing seine „Hamburgische Dramaturgie" schrieb. Ebenso wie Lessing damals für das deutsche Theater die Grundgesetze ableitete, die die Grundlage des künstlerischen Theaterschaffens in der Zukunft abgeben mußten, so sei es auch heute an der Zeit, Grundsätze für das filmkünstlerische Schaffen aufzustellen und durch tiefes, ernsthaftes Nachdenken die Prinzipien der Filmkunst zu finden, die angewandt werden müssen, um dem Filmschaffenden einen stabilen Entwicklungsgang zu gewährleisten. „Es ist nicht nur notwendig", so erklärte Dr. Goebbels unter lebhafter I Zustimmung, „zu erkennen, daß ein Film schlecht ist, sondern wir müssen allmählich auch erkennen, warum ein Film schlecht ist. Es müsse immer wieder festgestellt werden, daß der Erfolg eines Filmes, der Geld hereinbringe, dem Unternehmer oft gänzlich unerwartet kommt, während die Filme, von denen er sich die günstigsten Kassenrapporte versprach, sich ebenso oft als große Mißerfolge erwiesen.
Die Befruchtung des künstlerischen Elementes des Films hat von der Persönlichkeit auszugehen, und da wir da von der Filmkunst sprechen, muß diese Persönlichkeit eine k ü n st- lerische und keine kaufmännische fein. Der Geschäftsmann müsse, wie auf allen anderen Gebieten des öffentlichen Lebens, eine beratende, zuweilen zögernde, im übrigen aber eine
Gesetz und Gesicht -er neuen deutschen Filmkunst
Reichsminister Nr. Goebbels auf -er Fahrestagung der Reichsfilmkammer.
DNB. Berlin, 5.März.
In der Krolloper in Berlin wurde die erste Jahrestagung der Reichsfilmkammer, der ständischen Interessenvertretung des deutschen Filmwesens, durch den Präsidenten der Reichsfilmkammer, Staatsminister a. D. Professor Dr. L e h n i ch, eröffnet. Das erste Referat hielt der Präsident selbst über „Die Eigengesetzlichkett des Films." Einen durchschlagenden Erfolg erzielten nur solche Filme, die einen klaren nationalen Charakter trügen und das Spiegelbild des Wesens eines Volkes seien. Hier stehe man an einem entscheidenden Wendepunkt des Filmschaffens. Alle am deutschen Film arbeitenden Künstler und Wirtschaftler könnten ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn sie in engster Verbindung mit der Seele des deutschen Volkes stehen.
Leonhard Fürst behandelte den deutschen Filmstil. Solange die Filmkunst noch nicht als eine Kunstgattung mit eigenen Gesetzen angesehen werde, fei eine Aenderung des bestehenden Zustandes, den man als eine Anarchie der Stile bezeichnen könne, nicht zu erwarten. In deutschen Filmen vermisse man den deutschen Menschen. An seine Stelle habe man die Einheitstype gesetzt, die es nirgendwo gebe. Die jetzige Anarchie der Stile zu beseitigen, seien immerhin Ansätze vorhanden. Ein deutscher Filmstil liege durchaus im Bereich des Möglichen, es bedürfe nur guten Willens. Staatsschauspieler Matthias Wiemann forderte zum Thema „Der Mensch im Film", daß die Besetzung der Filmrollen mehr nach dem Idealbild des Dichters und weniger nach „Typ" und „Namen" erfolge. — Direktor Pflughaupt sprach über „Filmwirtschaft im Dritten Reich." Es handele sich in der Filmwirtschaft um ungeheuere Werte: auf über 500 Millionen Mark könnten die besten An-
die ganz locker und lose gewordenen Beziehungen zwischen Künstler und Volk selbst wieder fest und unzerreißbar zu gestalten. Damit haben wir eine Krankheit, die die Kunst in ihrem Lebensnerv traf, allmählich geheilt; denn wäre die Isolierung der deutschen Kunst vom Volke weiter fortgeschritten und hätten die Künstler sich weiter eingesponnen in einen blutleeren und lebensarmen l‘art-pour-l‘arh©tanb- punkt, dann gebe es heute kein Volk mehr, das etwas von der Kunst wissen wollte, und es gebe keine Kunst mehr, die einen Weg zum Volk zu finden Dermöd)te. Uns ist in Lessing einmal das große theaterkritische Genie erstanden. Ich habe die feste Heberzeugung, daß irgendwo und irgendwann in Deutschland einmal der Mann auftreten wird, der nun auch dem Film seine ehernen und unabänderlichen Gesetze verleiht, die wieder das Vorbild für eine jahrhundertelange Entwicklung in der ganzen Welt bedeuten."
Der Minister schloß mit einem leidenschaftlichen Bekenntnis zur deutschen Kunst und ihren unsterb-


