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Nr.Zl viertes Pfaff

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)

Samstag. 6. Zebruar 1937

Besuch in der Flachsröste Stockheim

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Berge von Flachs harren in Stockheim der Aufbereitung.

In solchen Ballen verpackt kommt die Flachsfaser in die Spinnereien.

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Ein Blick in das Leinsamen-Lager der Flachsröste Stockheim^

Aus der Saatgutreinigungsmaschine gleitet der Leinsamen in Säcka,

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Unser Glaube ist unsere Kraft, unser Wille gibt uns den Sieg. Am 6. und 7. Februar steht Deutschland wieder im Zeichen des WHW.-Abzeichens. Wir wollen abermals eine Schlacht gewinnens

Ein Wort zur Landarbeit.

Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsver­mittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. Syrup, hat in diesen Tagen in einem Vortrag über den Arbeitseinsatz ausgeführt, die größte Sorge bereite die Befriedigung des Kräftebedarfs in der Landwirtschaft. Dr. Syrup hat damit auf eine Frage hingewiesen, die um der Sicherung unserer Volksernährung willen unbedingt gelöst werden muß. Die Erzeugungsschlacht stellt an den deutschen Bauern höchste Anforderungen. Es ist Vorsorge ge-

tresfen sind, in keiner Weise durch die Tatsachen begründet, sondern nur der Rest eines traurigen Erbteils aus der liberalistischen Zeit sind, da der Bauer unterschätzt und das Stadtleben maßlos überschätzt wurden. Daß es sich teils um falsche Vorstellungen handelt, die nur ausgerottet werden müssen, um die Schwierigkeiten beim länd­lichen Arbeitseinsatz zu beheben, geht auch aus dem Bericht der Reichsanstalt selbst hervor. Denn in ihm wird dann gesagt, daß die jungen Mädels nach etwa acht Wochen landwirtschaftlichem Um­schulungslager zur Vorbereitung auf den neuen Arbeitsplatz mit gutem Erfolg in freie bäuer­liche Arbeitsstellen vermittelt werden konnten und

dann auch in der Stelle

Das aber ist doch der Beweis dafür, daß das Land«

Zwischen Brecher- und Schwingturbine werden Holz und Faser getrennt. (Aufnahmen [6]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

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troffen, daß auch im Falle des Erbhofbesitzes vom Reichsnährstand eingegriffen werden kann, wenn ein Bauer leistungrmäßig versagt. Jeder wird das der gegenwärtigen Lage

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Die himmelblau blühenden Felder des Flachses waren in den vergangenen beiden Jahrzehnten in unserer heimischen Landschaft kaum mehr anzu- «effen. Die leuchtende Farbe des blühenden Flach­ses wurde von den Alten vermißt, und so manches Lind aus der Stadt hat noch nie die Pracht eines Mühenden Flachsfeldes gesehen. Erst unsere jüngste Iergangenheit hat wieder zu dieser wertvollen und gegenwärtig für uns doppelt wichtigen Faserpflanze wrüdgefunoen. In der Zukunft unseres Volkes wer- iien wir sicherlich der sonst so unscheinbaren und :ur während der Zeit der Blüte so prächtigen Aflanze öfter begegnen. Im vergangenen Jahre wurden im Gebiet unserer Landesbauernschaft Hessen-Nassau etwa 1000 Hektar Land mit Flachs !»ebaut; für das Jahr 1937 sollen 1200 Hektar Land !omit bestellt werden. 1936 wurden etwa 90 000 Rentner Flachs geerntet und im Jahre 1937 sollte !fie Ernte entsprechend höher sein. Der Flachs aus !»em Jahre 1936 war zwar nur unter großen Schwierigkeiten einzubringen, da der anhaltende Stegen die Erntearbeiten erheblich verzögerte und !iis zu einem gewissen Grade auch die Qualität be° ilinträchtigt hatte.

In einer besonderen Entriffelmaschine werden die Samenkapseln ausgedroschen.

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werden, daß sich Holz und Faser trennen, die durch eine Leimschicht, durch eine Pektinschicht, verbun­den sind. Es muß sich beim Rösten ein Fäulnispro­zeß entwickeln, der diese verbindende Schicht zersetzt und damit, zunächst vom Organischen her. Die Faser frei wird.

Man unterscheidet die natürliche und die künst­liche Röstung. Bei dem natürlichen Prozeß, der T a u r ö st e , bei der der Flachs auf Wiesen aus­gebreitet und dem Tau, wie auch der Sonnenbe­strahlung ausgesetzt wird, entwickelt sich der ge­wünschte Fäulnisvorgang. Das dauert aber etwa drei Wochen lang! Sehr viel rascher ist die Zer­setzung der Pektinschicht durch die künstliche Röste, durch dieW a r m w a s s e r - R ö st e" zu erreichen, bei der sich der erwünschte Vorgang bereits inner­halb von drei Tagen vollendet. Diese Warmwasser- Röste vollzieht sich in Stockheim in einer riesigen Halle, in der 20 große Bottiche stehen, deren jeder etwa 60 Zentner Flachsstroh aufzunehmen vermag. Das Flachsstroh liegt dabei völlig im Wasser, das auf einer gleichmäßigen Temperatur von etwa 35 Grad gehalten wird. Nach dieser Behandlung wird der Flachs zu kurzem Trocknen im Freien

Die ganze Flachsernte des vergangenen Jahres, i bmeit sie im Gebiet der Landesbauernschaft erfaßt Durbe, kam nach Stockheim. Wenn man mit der bisenbahn von Gießen über Lich und Nidda nach Bübingen fährt, werben ben Reisenden vielleicht He riesigen Stapel auffallen, die unweit des Be­triebes stehen. Ursprünglich diente diese Fabrikanlage L her Zuckerindustrie, während des Weltkrieges wurde | ! ort Munition hergestellt, nach dem Kriege ent- t Landen in den großen Hallen allerlei Maschinen and nun wurde vor kaum einem Jahre die Flachs- \ '.oste in den ausgedehnten Gebäuden eingerichtet.

Bn der Zeit von wenigen Monaten war die Ein- ichtung der Flachsröste soweit gefördert worden, | )> bald mit der Aufbereitung des inzwischen an- ;ieüeferten Flachses begonnen werden konnte. Der Betrieb ist im Gange. 120 Volksgenossen haben 'jiurd) dieses neue Werk Arbeit und Brot gefunden. Zs ist damit zu rechnen, daß die Belegschaft in absehbarer Zeit sogar noch erhöht werden kann. Eigentümer des Werkes ist die Bäuerliche Hauptgenossenschaft, die die Flachsröste auf Anregung der Landesbauernschaft Hessen-Nassau | erstellt hat.

Der Flachs, der in Stockheim im Laufe der Spät­sommer- und der Herbstmonate angeliefert wurde, roar gemeindeweise zusammengetragen, dann in Bezirkslagern erfaßt und meist auf dem Schienen­wege an den Aufbereitungsort gebracht worden. Durch riesige Leinendecken und Zeltplane wird »er aufgestapelte Flachs vor den unmittelbarsten Witterungseinflüssen geschützt, bis er schließlich »er Verarbeitung zugeführt werden kann. Für die nächste Zeit ist die Errichtung einiger großer Scheunen vorgesehen, wenngleich aus verschiedenen Gründen die Stapelung im Freien kaum ganz auf- neqeben werden kann. Der weitaus meiste Flachs wurde in Stockheim im übrigen mitsamt dem Samen, nlfo nicht entriffelt, angeliefert.

Der Derarbeitungsgang, die Aufbereitung, wie der Fachmann sagt, dem der Flachs allein idion in der Röste Stockheim unterworfen wird, Ift (ganz abgesehen von der Bearbeitung der Fa- »r mm spinnfähigen Material in der Spinnerei) ehr vielfältig. Es sei hier versucht, den Arbeits- wong einmal ganz kurz zu schildern.

Zunächst wird das Flachsstroh (das ausHolz" unh Faser besteht) entriffelt, d. h. von den Sa­menkapseln befreit. Dies geschieht in Maschinen, die nud) sofort die Samenkapseln aufbrechen. Der aus- Mlenbe Leinsamen wird anschließend einer gründ­lichen maschinellen Reinigung unterzogen, während leas Flachsstroh nach Farbe und Stengelstärke sor­tiert und dann für den eigentlichen Rösteprozeß ge- vündelt wird. Durch das sog. Rösten muß erreicht

(frage.

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leben und die Landarbeit mit anderen Augen an­geschaut und anders beurteilt werden, sobald nur erst durch eigene Erfahrung die falsche Vorstellungs­welt ausgeräumt ist.

Früher galt Landarbeit in erster Linie als Saisonarbeit. Diese Meinung ist auch Ipute noch sehr weitgehend verbreitet. Gewiß wird in ben Monaten ber Bestellung unb Ernte die Land­wirtschaft immer einen Spitzenbebarf an Arbeits­kräften haben, wie er übrigens in fast allen Zwei­gen der gewerblichen Wirtschaft ebenfalls zu be­stimmten Jahreszeiten aufzutreten pflegt. Aber ganz zielklar hat der Reichsnährstand Maßnahmen er­griffen und durchgeführt, die den Anteil der ft ä n big, das ganze Jahr hindurch beschäfttgten und mit dem Boden verwurzelten Land­arbeiter an der Gesamtzahl der Landarbeiter­schaft immer größer werden lassen. Durch die Aus- bildungsordnuna für den männlichen Landarbeiter­nachwuchs wird die Landarbeiterschaft auf die soziale Stufe eines gelernten Arbeiter­standes gehoben. Durch die Förderung des Heuer- lingswefens wird die Zahl der Beschäfttgten auf dem Lande immer größer, die nicht nur Arbeiter bei ihrem Bauern oder Landwirt, sondern auch selbständiger Pächter ihres Heuerlings- landes sind. An den Ziffern der Arbeitslosigkeit unter ben Landarbeitern in den Wintermonaten läßt sich ablesen, daß mindestens 25 000 noch 1935 nur saisonmäßig beschäftigte Landarbeiter inzwi­schen in eine bobenftänbige Dauerbeschäftigung ge­kommen sind. Dadurch aber gerade der Landarbeiter zu den Arbeitern zählt, deren Existenz gesichert ist und die nicht befürchten müssen, bei Konjunkturrück­schlägen durch Arbeitslosigkeit alles wieder zu ver­lieren, was sie für sich und ihre Familie durch jahrelange harte Arbeit aufgebaut haben.

Landarbeit von heute ift nicht mehr die kurz- frifHge, saisonmäßige Landarbeit von gestern. Erst vor wenigen Wochen hat die HI. deutsche Jugend zum Landdienst gerufen. Es ist deshalb schon so, daß durch den Einsatz zum Landdienft unserer Jugend eine neue Möglichkeit der Berufswahl ge­geben wurde. Wer von unseren deutschen Jungen und Mädel sie ergreift, dient der Nation, aber auch sich selbst. Dr. E. S.

Deutschlands ist die volle Nutzung des deut­schen Bodens für die Nahrungsgewinnung ein unbedingtes Erfordernis. Aber auch der tüchtigste Bauer kann nicht das Höchstmögliche herausholen, wenn es an den erforderlichen Arbeitskräften fehlt.

Worauf sind die Schwierigkeiten beim Arbeits­einsatz in der Landwirtschaft zurückzuführen? Fehlt es an der notwendigen Organisation des Arbeits­einsatzes? Nein, sie ist vorhanden. Der Hauptgrund der Schwierigkeiten muß deshalb in den fal­schen Anschauungen gesehen werden, die über Landleben und Landarbeit selbst unter der jungen Generation teilweise anzutreffen sind. Der letzte Jahresbericht der Reichsanstalt mußte in längeren Ausführungen auf diese be­stehenden Vorurteile Hinweisen. Bei den Versuchen, vom Lande ursprünglich stammende Arbeitslose in die Landarbeit zurückzuführen, seien große Hemm­nisse aufgetreten. Solche Arbeitslosen suchten oft, wie es in dem Bericht wörtlich heißt,unter Vor- bringung aller möglichen Gründe die Ausnahme von Landarbeit zu umgehen; sie wollten lieber ar­beitslos bleiben oder als Notstandsarbeiter unter- gebracht werden" An anderer Stelle wird dann in Dem Bericht gesagt:Es bereitete oft nicht geringe Schwierigkeiten, die durch den Arbeitsdienst oder die Wehrmacht gegangenen ehemaligen Landarbei­ter ober Bauernsöhne davon zu überzeugen, daß es ihre Pflicht fei, bei der Durchführung der Erzeu­gungsschlacht mitzuhelfen ..." lieber die Land- Hilfe heißt es an einer Stelle:Die Abneigung der weiblichen Jugend gegenüber der Aufnahme von Landarbeit prägte sich noch stärker als bei der männlichen Jugend aus"

Wir haben diese Zitate aus dem Bericht der Reichsanstalt mit Absicht so ausführlich gebracht. Denn nichts wäre verkehrter, als hier einen Tat­bestand beschönigen zu wollen. Das aber trifft ge­rade deshalb zu, weil die Vorurteile gegen Land­arbeit und Landleben, die heute noch immer anzu-

die nächste Ernte kommt, fo wird man in Stockheim gerüstet fein. Es erübrigt sich, auf die Bedeutung dieses Betriebes für unsere Heimat, wie auch für unser Vaterland besonders hinzuweisen. Immer wieder aber ist es begeisternd, zu sehen, wie deutsche Techniker, Ingenieure und Fachleute in einer ver­hältnismäßig kurzen Zeit Werke schaffen, die wesent­liche Bestandteile unseres deutschen Aufbauwerkes darstellen. N.

edelungsmaschinen und wird damit ebenfalls zu einer spinnfähigen Faser hergerichtet.

Das gewonnene Rohmaterial, die Lang- wie auch die Kurzfaser, wird zu festen Ballen gepreßt (selbst­verständlich getrennt) und tritt dann in Waggon- ladungen den Weg in die Spinnereien an. Mit dieser Versendung des Rohmaterials ist die Auf­gabe der Röste Stockheim erfüllt.

Allerdings: So einfach der Arbeitsgang aus dieser gedrängten Schilderung erscheinen mag, so sehr hat doch der verantwortliche Fachmann sein ganzes Wissen, seine praktische Erfahrung und vor allem sein Fingerspitzengefühl einzufetzen, da ja das aus vielen Hunderten von bäuerlichen Betrieben an­gelieferte Material nach Farbe, Feuchtigkeitsgehalt und nach Stengelstärke sehr verschieden ist. Die notwendige künstliche Trocknung des Flachses nach der Warmwasser-Röste war innerhalb des Aufbereitungs­ganges ein besonders schwieriges Problem, das aber kurz vor seiner endgültigen Lösung steht. Noch harren in Stockheim große Berge des Flachses der Ver­arbeitung. Die vorbildlichen Einrichtungen der Flachsröste Stockheim werden aber die Aufbereitung der großen Mengen des Flachses gestatten, und wenn

nicht ausreichend wäre.

Mit einem ganz bestimmten Feuchtigkeitsgehalt geht der Flachs in die Brecher- und Schwinaturbine, in jene Maschinen, in denen nun die Fasern auf mechanischem Wege vom Holz getrennt werden. Zu diesem Zweck wird nun zwischen festen Stahl­walzen der Stengel vielfach geknickt, so daß das Holz des Stengels in viele kleine Teile bricht, wäh­rend die elastische Faser völlig unbeschädigt bleibt. Unter der anschließend zu passierenden Schwing­turbine werden die Hvlzteilchen von der Langfaser abgestreift und durch eine Exhaustor-Anlage sofort entführt. Diese Holzteile gelangen durch den Ex- haustor in das Kesselhaus und werden dort in einer speziellen Feuerungsanlage restlos verbrannt. Mit diesem Material wird der Heißwasserbedarf für die Warmwasser-Röste erzeugt. Die naturgemäß an­fallende K u r z f a s e r fällt unter der Maschine aus, und zwar sofort auf ein Transportband, das diese kurze Faser einer anderen Maschine zuführt, in der die noch anhaftenden Holzteile abgeschüttelt wer­den. Die Kurzfaser geht noch über sogenannte Ver-

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