dorn RM. 7,25. Anmeldungen müssen umgehend auf der Kreisdienststelle erfolgen.
Rheinfahrt am 15. August 1937.
Die Teilnehmergebühren für diese Fahrt müssen bis zum 6. August 1937 auf der Kreisdienststelle bezahlt werden, andernfalls wir anderweitig über die bestellten Karten verfügen. 5136D
BOM -Umergau 116.
Zur Theaterprobe „Bardowiek" treten die von -den Gruppenführerinnen ausgesuchten Mädel am Donnerstag, 5.8., um 19.45 Uhr am Stadttheater in Kluft an.
Professor Dr. Kuhn t-
Am gestrigen Mittwoch verstarb nach langem, schwerem Leiden in Bad Tölz der langjährige Direktor des Hygienischen Instituts unserer Universität, Professor Dr. med. und jur. h. c., Generaloberarzt a. D. Philalethes Kuhn im 67. Lebensjahre.
Prof. Dr. Kuhn war u. a. mit dem Ehrenzeichen von 1923 des Gaues Sachsen der NSDAP, ausgezeichnet, 'da er einer der wenigen Hochschullehrer war, die sich schon viele Jahre vor der Machtübernahme in die Gefolgschaft des Führers einreihten und mit unermüdlicher Tatkraft und zähem Willen für die Ziele Adolf Hitlers einsetzten.
Seit 1926 war Professor Kuhn Inhaber des Lehrstuhls für Hngiene an der Universität Gießen. Bei seinem Ausscheiden aus dem Amt wegen schwerer Erkrankung im Juni 1935 wurde Professor Kuhn von dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler mit einem persönlichen Brief geehrt, in dem der Führer u. a. sagte: „Ich benutze diesen Anlaß, Ihnen für Ihre erfolgreiche akademische Wirksamkeit, die leider viel zu früh das Ende erreicht, meine Anerkennung auszusprechen. Ich verbinde damit meinen besonderen Dank für die Verdienste, die Sie sich in Ihrem Wirken um das Lebendigwerden des Nationalsozialismus insbesondere an Ihrer Lehrstätte und damit auch für unser Volk erworben haben."
Nach seinem Uebertritt in den Ruhestand verblieb Professor Kuhn weiter in Gießen, bis er sich mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand nach Bad Tölz begeben mußte.
Wir werden auf das Leben und Wirken des nunmehr Verewigten morgen noch zurückkommen.
Meldung zum Arbeitsdienst für die weibliche Lugend.
NSG. Zum 1. Oktober können in erhöhtem Maße Einstellungen in den Reichsarbeitsdienst, Arbeitsdienst für die weibliche Jugend, vorgenommen werden. Damit die Einstellung erfolgen kann, müssen die Meldungen bis spätestens 15. August 1937 vollständig hei der Bezirksleitung XI/Hessen, Wiesbaden, Nheinstraße 78, vorliegen. Antragsformulare und Merkblätter sind bei den Ortspolizeibehörden und der Bezirksleitung XI/Hessen, Wiesbaden, Rheinstraße 78, erhältlich.
Die GießenerManne-HZ. im Zeltlager.
Von der Gießener Marine-HJ.-Gefolgschaft 116 im Zeltlager Miltenberg wird uns geschrieben:
Wir können ruhig bekennen, daß wir alle mit gemischten Gefühlen in das Zeltlager gegangen sind; nicht allein unser Lagerführer. Aestere Kameraden verstehen es blendend, mit uns umzugehen, so daß eine richtige Volksgemeinschaft und gute Kameradschaft entstanden ist.
Um 6 Uhr weckt unser Spielmannszug mit dem Liede „Freut euch des Lebens", und fünf Minuten später sind wir schon beim Frühsport, der 20 Minuten dauert. Dann ist Waschen und Zeltebauen. Nach der Zeltaufklarung ist um 8 Uhr Flaggenparade. Dann beginnt der Dienst, abwechselnd zwei Stunden Schwimmen und politische Schulung, hierauf Rudern, Winkern, Seemannschaft und Sport. Allmählich stellt sich eine gewisse „Raumleere" ein. Um 12 Uhr wird nach der Postausteilung gemeinsam das Mittagessen eingenommen, das immer sehr gut und reichlich ist. Bis 14.30 Uhr ist Mittagsruhe, dann gibt es Kaffee mit Marmeladebrot. Um 15 Uhr beginnt wieder der Dienst. Jetzt wird wieder geübt, um das Leistungsabzeichen erwerben zu können. Wir Gießener haben durch unseren Gefolgschaftsführer schon soviel gelernt, daß wir alle das HJ.- Leistungsabzeichen hier im Lager bestehen können. Diesmal dauert der Dienst bis 18.30 Uhr. Zwischendurch ist noch Gelegenheit zum Segeln und Wellenreiten, das uns Gießener besonders Spaß macht, weil uns dies in Gießen noch fehlt. Um 19 Uhr
Susannes Tochter.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin W 35
16 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sabine schlägt die Augen auf und sieht Michailow beinah strahlend an: „Es wird auch mit der Liebe nicht allzu viel wert sein. Im Gegenteil, dann kommen die großen Konflikte und die bitteren Enttäuschungen, und da-nn ist alles nur noch schwerer."
„So? Wer hat Ihnen denn diese Weisheit beigebracht?"
Sabine zögert einen Augenblick. „Von meiner Mutter", sagt sie dann leise.
Michailow verzieht den Mund: „Mütter sagen so etwas allerdings manchmal, aber nur, um ihre kleinen Mädchen zu schützen."
„Und abgesehen davon, daß es meine Mutter gesagt hat", trotzt Sabine, „abgesehen davon, ist es auch meine eigene Ueberzeugung."
„Wie Sie sich selbst belügen, Fräulein Lorenz! Alles das reden Sie sich doch nur ein, weil Sie Anast haben."
„Angst? Wovor denn?"
Michailows Augen glänzen noch intensiver in die ihren hinein: „Vor sich selber. Weil Sie die Sehnsucht nach Liebe, die in Ihnen schläft, nicht aufkommen lassen wollen."
„Und woher wissen Sie das?"
Michailow legt sacht seine Hand auf Sabines Arm: „Man fühlt es Und man kann es, wenn man ein Mann ist, in Ihren Augen lesen", sagt er weich.
Sabines Arm liegt unter seiner Hand wie erstarrt. Wenn er sie doch wieder wegnähme! Voll Geringschätzigkeit antwortet sie: „Alles nicht wahr! Alles falsch! Was ist das überhaupt für ein dummes Wort: Sehnsucht ..."
Aber sie wagt doch nicht, Michailow länger anzusehen, und über ihr Gesicht zieht vom Hals her eine helle Röte.
Michailow lächelt und sieht sie unentwegt an.
„Ich wünschte, ich wäre Herr Lyk ..." nimmt er das Gespräch wieder auf.
wird wieder die Post ausgeteilt, dann das Abendbrot eingenommen, und um 20 Uhr ertönt schon die Stimme unseres Lagerführers: „Seid ihr noch nicht auf dem Thingplatz." Hier ist bis 21 Uhr Heimabend. Entweder wird gesungen, oder die älteren Kameraden erzählen etwas von ihren Kriegserlebnissen, das uns Jungens ganz besondere Freude macht; auch steigt einmal ein bunter Abend mit Lagerzirkus, bei dem allerlei „Getier", Vorträge, Rezitationen usw. steigen.
Viele Gießener haben uns im Lager besucht, auch waren IM., BDM. und viele HI.-Gliederungen da. In Landurlaub waren wir, und morgen fahren wir mit den Ruderbooten, die von dem Motorboot geschleppt werden, zum Besuch eines HJ.-Zeltlagers nacht Stadtprozelten.
Donnerstag und Freitag werden die letzten Lei- stungsabzeichen abgenommen. Am Samstag um 18.45 Uhr werden wir alle gesund und munter wieder in Gießen eintreffen.
Zum Schluß haben wir alle den einen Wunsch, daß dieses Zeltlager im nächsten Jahre unter derselben Leitung vom Gebietsführer wieder eingerichtet wird, denn wir als Sonderformation haben hier das gelernt, wozu wir in unserem Standort nicht viel Zeit und wenig Gelegenheit haben. Wir sprechen an dieser Stelle der Gebietsführung Hessen- Nassau und allen Führern unseren Dank aus für den interessanten Dienst, das gute Essen und das schöne Lager. Wir versprechen, im nächsten Jahre wieder hundertprozentig im Marine-HJ.-Zeltlager zu erscheinen.
polizeiliche Verkehrserziehung.
Die Gießener Polizei schritt in der Zeit vom 23. bis einschl. 29. Juli gegen folgende Verkehrssünder ein:
gegen Radfahrer: Verwarnungen und Belehrungen 26, Anzeigen 50;
gegen Führer von Kraftfahrzeugen: Verwarnungen und Belehrungen 8, Anzeigen 63;
gegen Fußgänge r^: Verwarnungen und Belehrungen 32, Anzeigen 7.
Falsche Ein-Reichemarlstücke aus Reinnickel.
DNB. Seit einiger Zeit sind, und zwar hauptsächlich in Schlesien, Fälschungen von Ein-Reichs- martftüden aus Reinnickel aufgetaucht, die gut gelungen sind. Sie tragen die Jahreszahl 1933 und das Münzzeichen E, ferner 1934'A. 1934/J, 1935/A, 1935/E, sowie 1936 A. Im Gegensatz zu den echten blanken Stücken sind die Falschstücke matt und fettig. Die Striche der Buchstaben und Zahlen Haven keine Schärfe, sondern abgerundete unscharfe Kanten. Besonders unscharf ist die Wertziffer „1" und der Adler. Die an den Eichenzweigen hängenden Blätter und Eicheln und die Perlen des Perlenkreises sind vielfach unvollkommen. Nähere Einzelheiten und die photographische Wiedergabe der Fälschungsmerkmale können bei allen Reichsbankanstalten eingesehen werden. Für die Aufdeckung der Falschmünzerwerkstatt und dahinführende Angaben hat der Reichsfinanzminister eine Belohnung bis zu 500 Reichsmark ausgesetzt. Mitteilungen, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, nimmt die Reichszentrale für Bekämpfung von Geldfälschungen in Berlin W. 8, Französische Straße 33, und jede örtliche Polizeibehörde entgegen.
Monatsversammlung der Gießener Werbefachteute in der NGAOW.
Nach zweimonatiger Pause hielt am gestrigen Abend die Ortsfachschaft Gießen-Wetzlar der Werbefachleute in der NSNDW. im Restaurant „Zum Andres" wieder ihre Monatsversammlung ab. Der Leiter der Ortsfachschaft B r i v l a begrüßte die Erschienenen und überbrachte die Grüße der Reichsfachschaft, die er kürzlich in Berlin besucht hatte. Nach einigen mehr organisatorischen Bekanntmachungen wurde über das im Herbst in Berlin statt- findende Reichstreffen der Reichsfachschaft gesprochen und die Teilnahme daran sehr empfohlen. Dann gab der Ortsfachschaftsleiter bekannt, daß im nächsten Manat die Ortsfachschaft Gießen-Wetzlar einen Film zeigen werde, den ein Werbefachmann, der an einer Studienreise der Reichsfachschaft nach Amerika teilgenommen hat, selbst drehte. An dem geplanten Filmabend soll ferner der Film der letzten Olympiade laufen.
Im Verlauf des Abends wurden noch die Beitragsregelung, Lehrlingsprüfung und Lehrverträge eingehend besprochen. Besonders hervorgehoben wurde, daß in Frankfurt eine Schule für Ge-
Sabine richtet sich auf: „Herr Lyk?"
„Ja, weil er in jeder Stunde des Tages mit Ihnen zusammen sein kann, wenn er es will."
„Daraus wird Herr Lyk sich verflixt wenig machen! Da keinen Sie ihn aber sehr schlecht!"
„Wissen Sie so genau, daß er sich nichts daraus macht?"
Sabine legt die Hände um die Knie und wiegt sich dabei leise mit dem Oberkörper: „Ja, sehr genau. Es gibt keinen kälteren Menschen als Herrn Lyk, und dann--sie winkt belustigt ab und lacht
leise auf.
Auch Michailow hat sich aufgesetzt: „Nun, bann ist es ja gut, und bann habe ich auch ben Mut, Ihnen etwas zu gestehen: ich habe im Anfang gebucht, baß Sie Lyks Freundin sind."
Sabine zuckt hochmütig die Schultern und sieht an Michailow vorbei.
Er wartet auf eine Antwort, aber da sie weiter schweigt, neigt er sich zu ihr hin, und seine Stimme hat einen dunklen Klang, als er jetzt sagt: „Ich bin sehr glücklich, daß ^s nicht so ist. Mit ansehen zu müssen, wie so ein alter kaltschnäuziger Mann solch süßes junges Glück genießt, das hätte ich nicht ertragen ..."
Sabine fühlt sich teils unangenehm berührt, teils von Michailows Stimme und seiner Nähe angezogen. Wenn er sie nur nicht so sonderbar ansehen wollte. Wenn nicht dieses beunruhigende Glänzen in seinen Augen wäre!
Ganz plötzlich wird ihr bewußt, wie allein sie hier auf der stillen Almwiese mit diesem Mann ist. Kein Haus weit und breit, kein Mensch, kaum ein Laut. Vor ihr ragt die gigantische Kette der Berge auf, hinter ihr steht dunkel und verschlossen der Wald.
„Was denken Sie denn jetzt?" fragt Michailow schließlich halblaut und beugte sich noch näher zu ihr.
Sabine springt hastig auf: „Was ich denke", sagt sie mit erzwungener Ruhe, „ach, etwas ganz Naheliegendes: daß wir weitergehen wollen. Ich möchte so gern noch zu dem berühmten Bildstöckl, von dem Sie mir erzählt haben."
Bei diesen Worten verlöscht das Glänzen in Michailows Augen, er spürt instinktiv, daß Sabine
brauchswerberlehrlinge eröffnet worden ist. Die Lehrlinge der Ortsfachschaft Gießen-Wetzlar können nun von diesem Winter ab die wöchentlich einmal stattfindenden Kurse dort kostenlos besuchen. Im Interesse eines gegenseitigen Erfahrungsaustausches und der Weiterbildung wird die Ortsfachschaft während der Wintermonate einige Unterrichsabende abhalten.
Der letzte Punkt der Besprechung betraf die Reinerhaltung des Berufsstandes, die Frage des Nachwuchses und die wirksame Bekämpfung der Schwarzarbeit. Nach einer angeregt verlaufenen Aussprache, schloß der Ortsfachschaftsleiter die Monatsversammlung mit dem Gruß an den Führer.
Am ersten Sonntag im September werden sich die Gießener und die Wetzlarer Werbefachleute in Wetzlar bei einer Zusammenkunft treffen.
Gießener Wochenmarftpreife.
* Gießen, 5. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,69, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, kg 9 bis 12, Weißkraut 8, Rotkraut 9 bis 12, gelbe Rüben 9 bis 12, rote Rüben 8 bis 15, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 12 bis 22, gelb 15 bis 22, Erbsen 20 bis 30, Tomaten 12 bis 22, Zwiebeln 10 bis 12, Pilze 45 bis 50, Kartoffeln, neue, Vi kg 5 Pf., 5 kg 50 Pf., 50 kg 4,50 bis 5 Mark, Frühäpfel, XA kg 25 bis 38 Pf., Falläpfel 5 bis 6, Pfirsiche 35 bis 45, Brombeeren 30 bis 35, Preiselbeeren 35 bis 38, Dörrobst 20 bis 38, Heidelbeeren 34, Pflaumen 17 bis 35, Zwetschen 28 bis 30, Mirabellen 35 bis 41, Renekloden 30 bis 35 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Blumenkohl, das Stück 10 bis 47, Salat 8 bis 9, Salatgurken 4 bis 20, Einmachgurken 1%
bis 2, Endivien 8 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
*
** Justizpersonalien. Der Oberlandes- gerichtsrat Dr. Karl Lang beim Oberlandesgericht Darmstadt wurde mit Wirkung vorn 1. August als Landgerichtsdirektor an das Landgericht Mainz versetzt. — Der Gerichtsassessor Dr. Ernst G u y o t in Vilbel wurde mit Wirkung vom 1. August zum Amtgerichtsrat beim Amtsgericht Vilbel ernannt.
** D i e n st j u b i l ä u m. Am heutigen Donnerstag, 5. August kann der Generalagent Kaspar Henkel, Kaiserallee 14, auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Viktoria-Versicherung zurückblicken.
** Arbeitsjubiläum. Am heutigen Tage feiert der Arbeiter Ludwig Rock aus Haufen bei Gießen bei den Gail'schen Tonwerken sein silbernes Arbeitsjubiläum. Herr Rock ist in diesem Betriebe seit 25 Jahren als Sortierer beschäftigt. Er hat sich Ivährend dieser Zeit die Zufriedenheit und Achtung der Betriebsführung erworben, und mit allen Mitarbeitern pflegt er gute Kameradschaft. Durch die Firma und seine Arbeitskameraden wurde der Jubilar an seinem Ehrentage entsprechend gefeiert.
** Mieterjubiläum. Die Familie Steuersekretär a. D. Willi Stork wohnt seit einem Vierteljahrhundert in dem Hause des Justizoberwachtmeisters i. R. Franz Andres, Bruchstraße 26, in bestem Einvernehmen mit dem Hausbesitzer. In dem seit 35 Jahren stehenden Hause haben bisher nur zwei Mieterwechsel stattgefunden, und zwar einer infolge Versetzung eines Eisenbahnb'mmten nach auswärts und einer wegen Ankaufs eines Hauses. Ein schönes Zeichen gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung.
Der „Tag der Wehrmacht" für die Hitler-Urlauber-Kameradschast „Deutschland" in Gießen.
Zu einem erlebnisreichen Tag der Hitler-Urlauber- Kameradschaft „Deutschland" in Gießen wurde der gestrige Tag der Wehrmacht. Neben den außerordentlich vielseitigen und abwechslungsreichen Einblicken in ben Dienstbetrieb der Soldaten war es besonders auch das kameradschaftliche Entgegenkommen der Offiziere und Mannschaften, das die Gäste aus dem Reiche in hohem Maße begeisterte. Wiederholt wurde das freundschaftliche Zusammenarbeiten der Garnison mit der politischen Leitung und der NSV. in Gießen als vorbildlich bezeichnet und dankbar anerkannt.
Schon der Beginn des Tages war ein verheißungsvoller Auftakt. Kameradschaftsführer H e l l- w i g erstattete zunächst Meldung an den zum Empfang und zur Begrüßung der Gäste erschienenen Standortoffizier, Major Lange, der anknüpfend an den Begrüßungsabend im Studentenheim die Gäste der Garnison Gießen herzlich begrüßte. Er gab der Freude Ausdruck, daß die Gießener Wehrmacht den Kameraden im Braunhemd einmal einen Einblick in ihren soldatischen Dienstbetrieb zu bieten Gelegenheit bekomme und sprach die Hoffnung aus, daß dieser Ausschnitt aus dem Soldatenleben das gegenseitige Verständnis fördern und die politischen Soldaten des Führers in ihrem Dienst ermuntern möge, den Gteift der Wehrfreudigkeit und der Wehrhaftigkeit im Volke zu fördern und damit der gemeinsamen Aufgabe, die Sicherheit des Reiches zu garantieren, zu dienen.
Für den ebenfalls dienstlich abwesenden Regimentskommandeur überbrachte Major Ehrig die Grüße des Infanterie-Regiments 116. Major Lange und Major Ehrig ließen sich dann Heimatgau und Namen jedes einzelnen sagen und begrüßten die Gäste durch Handschlag.
Bei der Infanterie.
Während auf dem Kasernenhof des Infanterie- Regiments 116 schon reges und buntes Leben herrschte, wurde unter Führung von Leutnant Bachus der Rundgang durch die Gebäude der 13. Kompanie und durch die Ställe angetreten, die wegen ihrer modernen Einrichtungen große Beachtung fanden. Daran nahmen als Vertreter des BDB.-Hauptstellenleiter Lorenz Eifert und Bannführer 116 Rohrbach mit seinem Stab teil. Auf dem Uebunasplatz der Kompanie wurde ein bespanntes IG. in Gefechtsstellung vorgeführt, das anschließend besichtigt wurde. Leutnant Brecht ließ bann ein Pz.-Ab.-Geschütz in gefechtsmäßige
Bereitschaft bringen unb gab bie Erläuterungen dazu. Nach einem Gang burch bie Garagen ließ Leutnant Brecht einen außerorbentlich spannen- ben Lehrfilm vorführen, ber bei ben alten Sol- baten bie Erinnerungen an bie Kriegszeiten aufleben ließ unb burch seine neuzeitlichen Ergänzun- gen starken Einbruck machte. Aus bem Trieb setzte ber gefechtsmäßige Aufmarsch eines bespannten 8-Zuges burch die Sicherheit und Schnelligkeit seines Auftretens die Männer im Braunhemd in Erstaunen. Neben ben Hinweisen auf bie reizvolle Aussicht vom Trieb aus machte Leutnant Brecht die ihm anoertraute Kameradschaft auch auf die Eigenarten des Triebs für die Ausbildung aufmerksam und erntete dafür reichen Beifall. Zum Dank für seine lebhafte, von kameradschaftlichem Geiste erfüllte Einführung in das Soldatenleben mutzte er neben Kamerabschastsführer Hellwig an ber Spitze bes Kameradschaftszuges in die Bergkaserne zurückmarschieren.
Hier fand auf Einladung bes JR. 116 eine überaus reichliche Verpflegung ber Besucher statt, bie aus einer schmackhaften Gemüseeintopfsuppe mit Einlage' bestand unb vortrefflich munbete. Zum Abschluß würbe Leutnant Brecht auch ber Dank an seine Mannschaften ausaesprochen, benen es sichtlich Freube machte, ben Kameraden ihre Waffen unb ihr soldatisches Können zu zeigen, unb bie mit großer Hingabe bei ber Sache waren.
Bei den Artilleristen.
Pünktlich um 13 Uhr rückte die Urlauber-Kame- radschaft zum Besuch in unsere Artillerie- k a s e r n e ein. Der Kommandeur der III. Abt. Art.- Ngt. 9, Oberstleutnant Döring, hieß die Gäste im Auftrage des dienstlich auswärts weilenden Standortältesten, Generalleutnant O ß w a l d und zugleich in seiner Artilleriekaserne herzlich willkommen unb begrüßte noch jeden einzelnen Gast mit kräftigem Händedruck. Seiner Begrüßung fügte er die Einladung von den Offizieren zu einer Kaffeestunde hinzu. Dann nahm sich Leutnant Dippel
aus seinem Bannkreis herausdrängt. Nach einem flüchtigen Blick auf die Uhr erklärt er, daß der Weg zu weit fei, daß sie dann zu spät heimkämen.
Sabine errötet, als hätte sie etwas Ungehöriges verlangt. „O bitte", sagt sie bescheiden, „ich wollte Sie gewiß nicht aufhalten."
Michailow sieht sie lächelnd an: wie reizend sie ist in ihrer Unsicherheit, wie kindlich...
„Sie halten mich doch nicht auf", sagt er beinah zärtlich, „ich würde für mein Leben gern noch stundenlang mit Ihnen wandern. Aber — ich habe um fünf noch eine Besprechung, ich —Er verstummt. Sollte er diese Verabredung mit Irina nicht einfach übergehen? Aber dann siegt seine Gutmütigkeit und auch eine gewisse Scheu vor Irinas temperamentvollen Vorwürfen, mit denen sie ihn überhäufen wirb, wenn er nicht käme. So entschließt er sich, lieber boch rechtzeitig zur Stelle zu sein. Aber seine gute Laune ist dahin; fast mürrisch packt er die Sachen zusammen: Sabines Photoapparat, ihr kurzes Wolljäckchen, ihren Schal und seinen Rucksack. Sabine fühlt sich bebrückt durch bie veränderte Stimmung ihres Begleiters. Ob sie ihm langweilig ober gar lästig ist? Brno wie ein gescholtenes Schulmädchen trottet sie neben ihm her.
Nach einer knappen Stunde sind sie schon so weit, daß sie das Dach bes Lykschen Gutes ganz nah zwischen den Baumwipfeln auftauchen sehen. Michailow bleibt aufatmend stehen, und zum ersten Male liegt wieder ein freundlicher Schimmer auf seinem schönen Gesicht. „Fein", sagt er zufrieden, „daß wir es geschafft haben. Ich hoffe, Sie sind nicht böse, daß ich Sie zuletzt so im Geschwindmarsch bergabwärts führte, aber es ließ sich nicht ändern, ich komme auch so noch ein bißchen zu spät."
Sabine schüttelt den Kopf: Nein, sie ist nicht böse.
„Und nun muß ich Sie bitten, bas letzte Stück allein zu gehen. Und ich darf ein andermal wieder Ihr Führer sein?"
„Ja, natürlich, gern."
Sabine reicht ihm zum Abschied die Hand. Er drückt sie kameradschaftlich und zieht sie dann langsam und zärtlich an seine Lippen. Im nächsten Augenblick schon ist er davongestürmt. Er dreht sich noch zweimal nach Sabine um, aber sie spürt seine heißen Blicke nicht ...
Er stellt fest, daß er eigentlich schon 'verliebt ist. Die Kleine ist zu bezaubernd. Em ganz unbeschriebenes Blatt. Zu denken, man müsse dieses Mädchen erst wecken, müsse behutsam ihre aufgestaute, zum Aufbrechen reife Leidenschaft in Schwingung versetzen ...
Leichte Schritte wecken ihn aus feinen Gedanken — Irina ist es, die ihm entgegeneilt.
Er verlangsamt den Schritt, dunkle Rote steigt an ben Schläfen auf.
Irina lächelt verloren, ganz in den Anblick der Krokusblüte an Michailows Joppe versunken.
„Du hast eine Tour gemacht, Igor?" fragt sie, ohne ihn anzusehen.
„Ja. Und du — woher kommst du denn?"
„Ich hatte es mir so hübsch gedacht, dir entgegenzugehen."
„Woher wußtest du von dem Ausflug?"
„Irina Kontschakowna weiß alles."
Michailows Augen glitzern unbehaglich.
„So, du weißt alles. Na, dann ist es ja gut Aber warum stehen wir hier denn wie angewurzelt? Komm, laß uns weitergehen." Und im selben Ateiy- zuge fährt er fort: „Wie geht es sonst?"
„Oh, danke. Exzellenz hat sich erkältet und muß das Bett hüten. Uebrigens — — — deine kleine Freundin ist ein reizendes Geschöpf. Willst du sie mir nicht gelegentlich vorstellen?
„Warum nicht? Nur rate ich dir, deine anzüglichen Bemerkungen zu unterlassen, die Kleine ist nicht meine Freundin."
„Oh, bann wird sie's noch werden", sagt Irina gelassen in singendem Ton.
Michailow beißt sich auf die Lippen.
Sie gehen nun nebeneinanber her auf dem schmalen Walbweg. Irina biegt spielerisch bie Zweige beiseite, bie ihr Gesicht streifen, unb summt ein rus- sisches Liebchen.
Da treffen sie Michailows Worte: Er verbitte sich diese Spitzelei; wenn er eine Tour mache, so mache er eben eine Tour, es sei gar nichts dabei, und überhaupt — er sei doch pünktlich zurückgekommen, ihretwegen, unb wen sie ausgefragt habe' sie müsse boch jemanden ausgefragt haben!
Fortsetzung folat.


