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Nürnberg ^937.

Don Gurt Dohel

Wer die Stadt der Reichsparteitage im Früh­sommer erlebte, wer von dem Burgsöller herab­schaute auf ihr braunes Dächergewirnmel, auf ihren bunten Markt, auf ihre prächtigen Häuser und Brücken der atmete die Luft der Jahr­hunderte, der sah die Stadt, wie sie uns die größte deutsche Kunst sehen gelehrt hat. Die Reichsstadt, die wahrhaft kaiserliche Stadt, deren Baustil sich von allen anderen altdeutschen Städten abhebt durch seine innere Größe und Würde: dies ist in einem ganz bestimmten Sinne so empfindet der Besucher d i e alteH a u p t st a d t" des Reiches, ihr repräsentativer Mittelpunkt im gol­denen Franken, ganz auf die Kraft ihrer Bürger gestellt, eine kleine Welt innerhalb der großen Welt eines mächtigen Reiches. Das ist das E i n st. Und nun das Heute: Da draußen an dem Dutzend­teichufer wächst das Reichsparteitag-Gelände, wächst eine neue Welt, repräsentativ für das neue Reich, eine ganz andere Architektur, weit, großräumia, ganz in der Horizontale entwickelt. Sie ist gefchaf- fen, um große Massen festlich ernst $u umfassen, ihnen Raum zur Aufstellung zu bieten, ihnen Stimme und Wort zuzuleiten des einen Mannes, aus dessen Geist dieses neue Nürnberg, dieses neue Reich geboren wurde, Adolf Hitlers.

Zwei Welten treffen sich so alljährlich in dieser alten erhabenen Stadt, die in einem besonderen Sinne Heimat der neuen deutschen Idee wurde. Man spürt es fast körperlich, wie die Kraft der Anfchauung des Alten, der alten deutschen Herrlich­keit zeugerisch eindringt in das Neue wie der Führer gerade hier mit seinen Getreuen Stärkung finden konnte für die immer gewaltiger ausreifende Konzeption des Neuen. Und so wird es einem hier besonders deutlich, wie dieses neue Reich des Na­tionalsozialismus eine künstlerische Konzeption wurde, wie es aus der alten Kunst unseres deut­schen Südens reifte und die neuen soldatischen Tu­genden mit dieser Welt der Kunst Altdeutschlands zusammenschmolz so daß etwas ganz Neues ent­stand, das nun seinen Ausdruck in den Parteibauten fand.

Künstlerisch gesehen sind auch die großen Reichs­parteitage. Sie sind festliche Entfaltung einer Idee und Erfüllung einer Form im erhabenen Rahmen. In ihm entfaltet sich das neue Leben sinnvoll zu künstlerischer Gestalt. Das ist das wesentliche an dem neuen Reich, daß es wieder den Willen zur künst­lerischen Gestalt aufbrachte, daß es einen Stil formte, der über die Daseinsform des modernen Bürgertums hinausgeht. Der Zerfahrenheit in individualistische Anarchie wird der Wille zur Ein­heit schöpferisch entgegengestellt. Und da ist das alte Nürnberg wieder eine glänzende Schule: in seinen Bauten erscheint uns die ganze Fülle und Vielfalt der deutschen Schöpferkraft vielseitig und herrlich und dennoch gebannt in eine Form, die eben künstlerische Gestalt heißt. Diese Gestalt ist in sich immer einheitlich, weil sie Leben ist, orga­nisches Leben aus der Seele des deutschen Men­schen geboren. Und das ist ja der tiefste Sinn des Nationalsozialismus, wie ihn uns der Führer schaf­fend vorlebt.

Wir haben in diesem Jahre, das nun seit dem vorigen Reichsparteitage verflossen ist, wiederum erlebt, wie dieses Wachstum sich vollzieht. Mit der zwingenden Notwendigkeit der Natur setzt sich eins ans andere und erfüllt den groß gesteckten Rahmen immer dichter mit neuen Formen. Da ist die unge­heure Arbeit am Vierjahresplan, die wirt­schaftlich das große Kunstwerk bereichert, da ist die immer umfassendere Arbeit der Deutschen Arbeits­front und ihres eigenenKunst-Werkes",Kraft durch Freude", das auf allen Gebieten unseres Arbeitslebens gestaltend eingreift und die Volks- genossen dem großen Kunstwerk, der großen Ganz­heit des erfüllten Lebens näherführt. Da ist der Tag der deutschen Kun st" in München sel­ber, der uns gezeigt hat, wie die engere Wesens­bestimmung der bildenden Kunst im nationalsozia­listischen Reiche sich nun entwickelt hat. Und gerade bei so einer sammelnden Kunstschau ebenso wie bei der großartigen Berliner ReichsschauGebt mir vier Jayre Zeit" tritt dann deutlich die o r -

ganifche Einheit des Deutschtums wie­der hervor, wie es sich nach Stämmen und Gauen gliedert. Das wurde ja erst wieder durch den Na­tionalsozialismus zum allgemeinen Bewußtsein ge­bracht.

Aber die künstlerische Gestaltungsabsicht geht ja noch tiefer: von der Gemeinschaft in den ein­zelnen Menschen hinein. Wir erleben die große innere Verwandlung des deutschen Menschen. Aus dem ichsüchtigen Individualisten mit seinen mangels einer wirklichen Volksordnung unbeschnit­tenen, ungeordneten Trieben, seinen unzähligen Sonder-Weltanschauungen, wird allmählich der an seinem Volksganzen und seiner natürlichen Gliede­rung sich selber ordnende und sich selber bezwin­gende und beherrschende deutsche Mensch der Zu­kunft. Daß diese Neuordnung nicht leicht ist, daß einSich-Bezwingen" überhaupt eine der schwer- sten Dinge für den Menschen ist, darüber braucht nun kein Wort mehr verloren zu werden.

Wieder ist das künstlerische Schaffen das gegebene Gleichnis: der Künstler muß es sich um mit Goethe zu redensauer werden lassen", ehe er das Werk auch nur annähernd vollkommen her- vorbringt. Das künstlerische Werk verlangt Opfer über Opfer. Es verlangt Den Einsatz eines ganzen Lebens und erzieht den echten Künstler zu einem tiefen Ernst allen Erscheinungen des Lebens gegen­über. Wenn nun der deutsche Mensch aus sich seiber eine Art Kunstwerk im Rahmen des großen Ganzen machen soll, so wird er sichs eben auchsauer wer­den lassen" müssen. Um ihn darin zu stärken schuf der Führer unsere Feiern, schuf er den Reichs­parteitag, wo die am härtesten an dieser Wand­lung mitschaffenden Nationalsozialisten durch ihn selber gestärkt werden sollen und wo andererseits der Führer sich wieder Kraft und Vertrauen 311 seiner übermenschlich schweren Aufgabe holt.

Aus dem glänzenden Aufmarsch einer politischen

Geist, Führung und Organisation der NSDAP, waren vom ersten Tage des Bestehens der Partei an, ebenso wie ihre Kundgebungen und Parteitage von allen übrigen Parteien grundverschieden. Nach dem Willen des Führers war die Partei von Anfang an auf dem Führerprinzip aufgebaut, ihre Versammlungen trugen den Charakter eindrucks­voller Kundgebungen und die Parteitage mit ihren Aufmärschen waren weithin sichtbare Gipfel­punkte der Bewegung. Während sich die Anhänger aller anderen Parteien auf ihren Partei- fongreffen in endlosen Debatten zerzankten, stand hier eine von einem Willen geführte und erfüllte Bewegung als entschlossene Einheit. Das war der sinnfälligste Unterschied zwischen den alten Par­teien und der NSDAP.: Die Systemparteien gli­chen Vereinen. Die NSDAP, aber war Kampffor­mation, Bewegung. Eine Bewegung aber mar­schiert.

Schon der erste Parteitag der NSDAP., der im Januar 1923 in München stattfand, trug das Gepräge der Bewegung. Die Kolonnen der Kampf­formationen marschierten durch München; sie mar­schierten trotz aller behördlichen Verbote durch die Straßen mit den neuen Hakenkreuzfahnen des Füh­rers, umbraust von den Kampfliedern der auf­brechenden revolutionären Bewegung zum Marsfeld. Das Schwergewicht der Bewegung lag nicht mehr in den Saalkundgebungen. Auf freiem Feld sprach in Sturm und Schnee der Führer und weihte die erste Standarte. Eine Bewegung setzte sich in Marsch. Der Frontsoldat und der politische Kämpfer fanden sich, allen Anfeindungen der Ggner zum Trotz, im Kampf um ein neues Deutschland. Und selbst der 9. November konnte die Bewegung nicht vernichten. Schon im Jahre 1926 sammelte der Führer in Weimar seine kampferprobten Scharen aufs neue, und zu Nürnberg 1927 begann jene Reihe glanzvoller politischer Kundgebungen, die aller Welt den Aufstieg der Bewegung zeigten und von da ab für immer mit der Stadt der Reichspartei-

Heerschau wird der innerliche Appell einer Be­kenntnisgemeinschaft, einer Erziehungsgemeinfchaft. Erzieher im ganz großen Sinne, Erzieher einer Na­tion an Der Wende der Zeiten sind Die Versammel­ten, voll bewußt Der großen Aufgabe, Die Zeit unD Schicksal ihnen Durch Die Person Des Führers stell­ten. Das gibt Diesem Parteitug, Diesem Treffen Der gesamten Führung Der Nation seine Weihe. Hier wird sich ein Volk seiner schweren Ausgabe unb seiner schicksalbestimmenben Senbung in einer Zei- tenwenbe bewußt, hier erkämpft sich jeder einzelne Beauftragte seine Kraft und seine Härte. Hier weiht der Führer immer wieder neu all die vielen Tau­sende von Fahnen, unter Denen sich Das Schicksal eines Volkes wanDelte wie nie zuvor.

Die Welt steht noch immer zögernD, mißtrauisch unD vielfach böswillig Der wunDerbaren Erscheinung Der Deutschen Auferstehung gegenüber. Das ist an sich nicht besonders verwunderlich, Denn solche Wandlungen erlebt Die Weltgeschichte nicht oft, unD sie müssen Die Unbeteiligten mindestensbefrem­den". Anders steht es mit Denen, Die nicht guten Willens sind. Aber auf alle Fälle muß sich Die Welt immer intensiver mit Diesem Wunder Der Wanb- lung im deutschen Volke beschäftigen. Mit jener un­wägbaren Macht Des Kunstwerkes wirkt Diese neue Gestalt nämlich auch auf Die Welt. Der Deutsche von heute ist eben nicht mehr Der Deutsche von früher. Damit muß sich Die Welt auseinanDersetzen. Und dazu bietet ihr Der Reichsparteitag die beste Gelegenheit. Was hier gesprochen wird, was hier geschieht, Das ist Der gesammelte Wesensausdruck Der deutschen Nation. Nach diesem Treffen ber Par­tei richtet sich das deutsche Leben mit organischer Notwendigkeit aus. -Das weiß die Welt. Deshalb schaut sie erwartungsvoll im guten oder im bösen Sinne auf Die alte ehrwürDige, weltbe­rühmte Reichsstadt, wo in diesen goldenen Septem­bertagen die deutsche Nation spricht.

tage verbunden blieben. Nürnberg wurde zum Sym­bol der Bewegung, die Reichsparteitage zum glanz­vollsten Höhepunkt der Partei. Nach der Machtergrei­fung ist Nürnberg erst recht die Stadt geworden, in Der Die Parteitage Den mächtigsten AusDruck Der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung bilden.

Die StaDt Der Reichsparteitage, in Der im Mittel- alter mehr als einmal Die Reichstage Der Deutschen Kaiserzeit abgehalten mürben, ist roteber in ben Mittelpunkt ber Nation getreten. Der Führer hat sie zur Douernben Stätte ber größten nationalsozialisti­schen Kunbgebungen bes Jahres erwählt, unb in seinem Geiste entstehen neben ber altehrwürbigen Stabt, neben Nürnberg, bas Das Schatzkästlein Des alten Reiches genannt rourDe, Die neuen unvergleich­lichen Großbauten bes Reichsparteitagsgelänbes. An­lagen von einem Umfang, einer Schönheit unb Größe sinb bereits geschaffen unb im Werben, wie sie an keiner anderen Stelle bes Reiches wieber- zufinben sinb. Hier ragt in Stein unb Stahl b i e lebenbig geworbene Ibee des Führers in die Jahrhunderte und wird zurPilgerstätte D e r N a t i 0 n. Hier trifft das Dichterwort wie kaum irgendwo zu: Es ist der Geist, ber sich ben Körper baut.

Aus Kampf unb Bewegung warb Aufbau unb Dollenbung. Umfassend, wie nie im Leben der Na­tion, erschütterte ber Kampf um bie Neugestaltung Des Reiches bas ganze beutsche Volk. In seiner gigantischen Dynamik, hervorgerufen unb gelenkt vom Führer, löste er alle Kräfte ber Revolution und des Wiederaufbaues aus. Es gibt kein Lebensgebiet des deutschen Volkes, bas von ber nationalsozialisti­schen Jbee nicht ergriffen unb völlig umgestaltet wor­den wäre. Die Reichsparteitage mit ben Proklama­tionen des Führers, ben Aufmärschen unb Kunb­gebungen, die bereits ihre Tradition erlangt haben, sind die äußeren Höhepunkte bes politischen Lebens unserer Nation geworben. Der Führer gibt ihnen Richtung unb Gestalt unb weist ben Weg in bie Zu­kunft.

Aus Kampf und Bewegung ward Aufbau und Vollendung. Don Michsleiier Or. Wilhelm Frick, Reichs- und preußischem Minister des Innern

Der Weg in die deutsche Freiheit.

Don Re chsleiter Alfted JRofenber

Weltanschauung ist nicht nur eine Frage tiefen Denkens, fonbern auch Das Schauen aus Dem Charakter heraus; Denn Die tiefe Ueberzeuguna vom Wert Des Charakters ist Der Mittelpunkt unseres Glaubens unD Fühlens. Erft wenn Diese Ueberzeugung überall Platz gegriffen hat, werben mutigen Entschlüssen auch mutige Taten folgen. Aus biefer Weltanschauung heraus werten wir auch bas Bestehen früherer Zeiten. Es ist nicht so wich­tig, ob bie eine Konfession gesiegt hat ober bie anbere. Wichtig ist uns nur, ob bas gesamt- beutsche Wesen gestärkt aus bem Kampfe her- oorging. Wenn wir bas Braunhemb tragen, bann hören wir alle auf, Katholiken unb Protestanten zu fein, bann sinb wir nur Deutsche!

Die nationalsozialistische Bewegung hat an bie Spitze ihres Denkens bie Tapferkeit gestellt. Sie roenbet sich gegen jebe Weltanschauung, bie auf bie Angst bes Menschen begrünbet ist. Die Pro- paganba ber Entente im Weltkrieg war z. B. be­wußt auf Großzüchtung aller Minderwertigkeits­komplexe des deutschen Volkes aufgebaut. Dem deut­schen Volk aber fehlte die große Parallele. Man verteidigt aber nur das, was man für wertvoll hält. Halten wir Deutschland für wertvoll, dann müssen wir auch für Deutschland kämpfen. Wenn man aber einem Volk den Glauben an ben Wert seiner Gegenwart nimmt, so ist es basselbe, als wenn man ihm ben Glauben an bie Größe seiner Vergangenheit zerstört. Deshalb lehnen wir bie Versuche ab, bie uns täglich unsere Minberwertig- keit unb unsere Sünbe vorhalten. Wieviel größer ist es, an Den eigenen Wert zu glauben. Hätten wir, als wir Den Kampf begannen, uns täglich unsere Sünben vorgehalten, wir wären nie Sieger geworben, ja wir hätten biesen Kampf erst gar nicht beginnen bürfen. Unser Stolz aber ist, baß wir biesen Kampf ausgenommen haben, baß Deutschlanb heute zu einer größeren Einheit zu- sammengeschmiebet würbe, als sie je war.

Ein Zeitalter geht zu Enbe, eine neue Epoche beginnt. Denn ber Nationalsozialismus ist nicht eine Angelegenheit weniger Jahre, fonbern er trägt in sich ben Glauben an eine große, lange währenbe Sendung in ber beutfchen Geschichte. Wir sinb ber festen Ueberzeugung, baß vieles, was in ber deutschen Vergangenheit gegen fremdes Wesen unb fremde Formen auf ben verschiebensten Ge­bieten bes Lebens kämpfte, oft vereinzelt scheinbar umsonst gekämpft hat, heute seine Wieber­ae b u r t im großen Erwachen ber beutfchen Nation feiert. Unb aus biefem Grunbe steht Die national­sozialistische Bewegung nicht ben heranwachsenben Kräften verschlossen gegenüber, fonbern ganz im Gegenteil; im Gefühl, etwas zu erfüüen, was viele, viele Jahrzehnte beansprucht, schauen bie national­sozialistischen Führer gerabe hoffenb auf bas heranwachsenbe Geschlecht, um aus ihm jene herauszulesen, bie willens unb fähig sein kön­nen, ben fommenben Staat zu stützen unb Dann zu führen, Die deutsche Wissenschaft neu zu gestalten unD Die Deutsche Kunst mit stark pulsie- renbem Leben zu erfüllen.

Der Kampf ber Generationen, ber immer fein wirb, hat in unserer Zeit eine anbere Form ange­nommen. Er ist nicht mehr ein Kampf gegenein- anber, sondern ein gemeinsames Kämpfen mitein* anber unb umeinander. Die Jugend unserer Zeit hat aber damit ebenfalls eine Pflicht übernomni n, so groß, wie sie einem jungen Geschlecht erst im Zeitraum vieler Jahrhunderte zufallen kann. Die Jugend hat die Pflicht, mit der neuen Bewegung zu marschieren, schon früh Anteil zu nehmen am Geschehen des politischen Lebens, und zugleich hat sie die Pflicht, in Schulen und Hochschulen, in. der

Urquell

Nürnberg, wie Dürer es sah.

Zum Beginn des Reicheparieiiages

Das Verhältnis Albrecht Dürers zu Nürnberg kennzeichnet wohl am schönsten bas Wort Herman Grimms:Er war nicht bloß Maler, er war ein Nürnberger Maler". Es greift über bas Inhalt­liche feiner Kunst hinaus unb deutet auf bie Art, wie er schuf unb lebte. Darin sprach sich nürnber- gisches Wesen aus. Unb mochte er im Jahre 1506 aus Italien geschrieben haben:O wie wirb mich nach ber Sonne frieren, hier bin ich ein Herr, da­heim ein Schmarotzer!" ... mochte er noch vier Jahre vor seinem Tode an ben Bürgermeister unb Rat Nürnbergs geschrieben haben, baß er ber Stabt mehr umsonst benn um Geld gebient" und während Der dreißig Jahre feines Hierseins in Nürnberg selbstnicht um fünfhundert Gulden Arbeit ge­macht", sondern allen seinen Gewinn von den Fremden habe, bie Antwort auf bie Frage, wie Dürer Nürnberg sah, muß zuerst boch bamit be­antwortet werben, baß er bie Stabt mit großer Liebe betrachtet hat!

Aus vielen Darstellungen ber nürndergischen Landschaft, aus vielen Bildnissen, bie er von Män­nern und Frauen Nürnbergs geschaffen hat, spricht diese Liebe heute noch zu uns. Mit welcher Hingabe hat er auf dem StichHieronymus im Gehaus" (1514) fein eigenes Zimmer in feinem Nürnberger Haus miebergegeben! Welche Wärme, welches Häuslichkeits- unb Geborgenheitsgefühl kommt uns daraus entgegen! Man möchte sagen: Dies war ihm Nürnberg, bie Heimat, bas Vaterland Er war Der Nürnberger Bürger, Der sich hier wie in seiner Burg" geborgen wußte, bie Butzenscheiben an ben Fenstern sorgten bafür, baß von draußen nichts anberes als bas Licht einbringen konnte. Unb man wirb biesen Sinn Dürers für bie Häuslichkeit um so höher einzuschätzen haben, als er im Alter von fünfundzwanzig Jahren bereits ben Ausbruch aus Der Stabt und ihren Mauern vollzogen unb bie Landschaft entdeckt hatte.

Erst das Jahr 1928 brachte uns die Entdeckung einiger Darstellungen ber Nürnberger Burg auf Dürerfchen Kupferstichen. So hat er im Jahre 1500 auf bem StichDas Meerwunder" in der Stadt­ansicht des Mittelgrundes die Burg in ihrer da­maligen Gestalt im Spiegelbild festgehalten. Sie ist van Norden gesehen, ohne den heutigen Basteien- Vorbau, mit allen damals vorhandenen Holz- unb Erkeraufbauten. Van ber entgegengesetzten (süb- lichen) Seite hat er auf bem StichDie Mabanna

an ber Mauer" (1514) bie Burg, unb roieberum im Spiegelbilb, bargestellt; er sah sie so vom Dachfen­ster feines Hauses am Tiergärtnertor. Nach biefem Stich ist sie auch heute noch leicht zu erkennen, wäh- renb sie uns auf bem Meerwunder-Stich fremd er­scheint. Die manigfaltigsten Veränderungen haben hier inzwischen dazu beigetragen, das architektonische Bild zu klären.

Ungefähr um das Jahr 1496 entstand das Aqua­rellNürnberg von Westen". Dürer hat sich damit aus der Stadt begeben, er hat auch seinen Blick zur Hälfte auf die vor der Stadt gelagerte Landschaft geworfen. Da ist die Stadtmauer mit ihren Türm­chen unb Türmen, in ber Ferne erscheint bie Burg, seitlich von ihr einer ber vierrunben Türme" Nürnbergs, die damals noch eckig gewesen sind. Aber wo Dürer nochLandschaft" sah, wo er zwi­schen spärlichen bäuerlichen Häusern hindurch in Öen Pegnitzgrund und auf die Sandberge der Vorstadt St. Johannis blickte, ist heute die Sicht verbaut von der hinausdrängenden Stadt.

Daß Dürer auch in seinen zahlreichen Landschafts­aquarellen eine gewisse nürnbergische Nüchternheit gegenüber dem Tatsächlichen an den Tag gelegt hat, kommt uns heute sehr zustatten. Liebevoll ging er dem objektiven Befund einer Landschaft im einzel­nen nach und bog nichts ins Romantische ab. So können wir die aus ber Umgebung Nürnbergs ftammenben Darstellungen tm allgemeinen leicht in ihrer Oertlichkeit bestimmen. Bei ber Ansicht bes Johannisfriebhofs, bes Dorfes Kalchreuth, ber Wei­denmühle u. a. hat Dürer selbst bie Bezeichnung angegeben, und es kann über ihre Lage kein Zwei­fel sein. Anders verhält es sich mit der sog.Draht- ziehmühle", demWeiherhäuschen" und einer Land­schaft, die neuerdings alsFränkische Landschaft" reproduziert wird.

Das Aquarell derWeidenmühle" hat Dürer von ber Hallerwiese aus gemalt, einer alten Anlage an der Pegnitz; eben diese Weidenmühle aber stellt auch DürersDrahtziehmühle" dar, freilich von einem anderen Standort gesehen, nämlich von einem der zahlreichen Gartenhäuser der Johannis- Vorstadt, wo damals noch der Blick frei nach den Vorstädten Gostenhof unb St. Leonhard hinüber- ging.

Jie Landschaft, die er zum Vorwurf feines Aqua­rellsWeiherhäuschen" nahm, hat Dürer auch auf dem KupferstichDie Madonna mit ber Meerkatze" (1497) zum Hintergrund genommen. Damit ist uns zugleich die Möglichkeit einer Datierung jenes Aqua­rells gegeben. Um die in Frage kommende Oertlich­keit festzustellen, wird man sich vermutlich in die weitere Umgebung ber Stabt begeben müssen. Das

DorfKalchreuth" malte Dürer von einem Fenster bes bärtigen alten Hallerschlößchens aus unb gab uns bamit ein ausgezeichnetes Beispiel eines Dor­fes ber Nürnberger Landschaft. (Kalchreuth liegt etwa zwei Stunden nördlich ber Stabt am Eingang ber Fränkischen Schweiz). Am anderen Morgen mag Dürer benn an ben norbroärts gelegenen Ab­hang bes Kalchreuther Berges gegangen sein unb bort bieFränkische Landschaft" gemalt haben, bie einroanbfrei als bie Schau von Kalchreuth nach Norben, zur Fränkischen Schweiz hin, zu erkennen ist. Man sieht auch barin bie bei Forchheim ge­legeneEyrenburg", einen Berg, ben Dürer auf einem StichDie Felbschlange" (1518) in feiner ganzen Ausbehnung zum Hintergrunb genommen hat; in ber Bilbmitte bas biefem vorgelagerte Dorf Kirchehrenbach. Schließlich bliebe noch bie aus bem Jahre 1510 ftammenbe Feberzeichnung zu erwäh­nen, bie bas unweit Kalchreuth gelegene Dorf He- rolbberg mit Kirche unb Schloß, bem Schloßweiher unb einigen in Bäumen sich versteckenben Häusern barstellt. Damit schließt sich ber Kreis von Dürers nürnbergischen Lanbschaften, bie in ihrer frischen Art eine besondere Bedeutung für die damalige Zeit beanspruchen können.

Leuchtende Farbigkeit, verbunden mit sachlicher Auffassung, kennzeichnet diese Aquarellmalerei, der wir noch Stücke wie ben Jungen Hasen ober bas Große Rasenstück zuzählen möchten. Es ist bie na­turalistische Wiebergabe eines Künstlers, ber bie Natur unb bie Landschaft eben erst entdeckt hat. Es ist die Ursprünglichkeit unb Unmittelbarfeit bes un­verletzten, lebendigen Auges, dem diese Dinge noch nicht zur Gewöhnung wurden. Und es ist der glück­liche Realitäts-Sinn des Nürnbergers, dem auch das Kleine bedeutsam und liebenswert sein muß; Albrecht Dürers Kunst, bie in biefem Sinne gewiß eine Nürnberger Kunst gewesen ist.

Wilhelm Kunze.

German sche Kunst aus der Völkerwanberungszeit.

Eine überraschenbe Schau über germanische Kunst in ber Völkerwanberungszeit vermittelt bas Sep­temberheft von Velhagen & Älafings M o - natsheften. Dr. Fremersborf, Direktor am Wallraf-Richartz-Museum in Köln, veröffent­licht in 29 farbigen Abbildungen eine sehr ein­drucksvolle Auswahl von Proben germanischen Kunstgewerbes aus einer nach Tausenden zählen­den Sammlung, die der 1934 verstorbene Freiherr Johannes von Diergarbt auf Burg Bornheim bei

Bonn in einem langen Leben zusammengebracht hatte. Es ist ber größte Bestanb an Funden ber Völkerwanberungszeit, ben es überhaupt gibt, und zugleich ein burchaus einzigartiger Besitz, hoppelt wertvoll in unseren Tagen, ba mir bemüht sind, unsere bisher recht lückenhaften Anschauungen über bie sog. bunflen Jahrhunberte zwischen bem Enbe bes weströmischen Reiches und ben Tagen Karls bes Großen zu vervollkommnen. Wohl alle abge- bitbeten Stücke stammen aus Gräbern. Gab man boch bamals noch ben Toten all bas mit ins Jen­seits, was ihnen im Leben lieb unb teuer war: bem Mann feine Waffen, ber Frau ihren Schmuck. Was man hier in einer selten gesehenen Fülle unb Schön­heit betrachten kann, ist allerlei Schmuck, Schuh- schnallen, Schwerter, Gürtelschnallen, Fibeln, auch Flaschen und Becher mit kunstvollen Emailbändern.

Zeitschriften.

Die Weitwinkelkamera photo­graphiert Staatsakte, sie hält kilometer- lange Festzüge unb Aufmarschgelände von riesigen Ausmaßen auf einer Platte fest unb gibt auf biefe Weise einen Ueberblirf über bie Festgestaltung bes Dritten Reiches, wie man sie bisher nur im Film erleben konnte. Die Aufnahmen werben im Sep- tember-Heft berneuen l i n i e (Verlag Otto Beyer, Leipzig) veröffentlicht, bie anläßlich des Reichsparteitages bie künstlerische Form ber großen Gemeinschaftsfeier umreißen will. Eine zweite große Veröffentlichung ist der modernen Innen­architektur gewidmet. Aus schönen farbigen Seiten machen drei Architekten interessante Vorschläge für bie Einrichtung einer mobernen Wohnung. Als vsr- lockenbes Reiselanb wirb Dalmatien in vielen prachtvollen Photos gezeigt. Novellen unb Er­zählungen, luftige Verse unb Zeichnungen berei­chern bas schöne Heft, in bem auch bie Bedingun­gen für ben Erzähler-Preis berneuen linie", ber bieses Jahr zum 8. Male ausgeschrieben wirb, ver­öffentlicht werben. Der Modeteil bringt bie ersten herbstlichen Straßenkleiber, zeigt Sportkleibung, neue Hüte, Stoffe unb Schmuckformen.

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Am 3. September beging ber Tübinger Kir­chenhistoriker Professor D. Dr. Karl Müller sei­nen 8 5. Geburtstag. Sein Hauptwerk ist die dreibändige Kirchengeschichte; der Erforschung des Zeitalters der Reformation hat er mehrere Unter­suchungen gewidmet.