Nr.53 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Donnerstag, 4.Mrz 1957
Handwerk ha» goldenen Boden.
Unsere Bemühungen, für die besonderen Probleme und Aufgaben, Hoffnungen und Sorgen des Handwerks Verständnis zu wecken, haben, wie wir feststellen dürfen, bei vielen Lesern Interesse und in weiten Kreisen des Handwerks Anerkennung gefunden. So würdigt „Der deutsche Schuh- machermeiste r", das amtliche Organ des Reichsinnungsverbandes des Schuhmacherhandwerkes, unsere Artikelreihe in einem über die ganze erste Seite laufenden Aufsatz, in dem es einleitend u. a. heißt: ,Es ist für uns Schuhmacher immer erfreulich, wenn wir feststellen können, daß sich die eine oder andere Tageszeitung mit unserem Handwerk beschäftigt. Kenntnisse über unser Gewerbe sind nämlich bei Nichtfachleuten herzlich gering ... Da ist es denn verdienstvoll, wenn die eine oder andere Tageszeitung einmal einen Aufsatz bringt, wie das in diesen Tagen der „Gießener Anzeiger" (Generalanzeiger für Oberhessen) im Rahmen einer Artikelreihe über das gesamte Handwerk getan hat. Der Aufsatz bietet einen guten Ueberblick über die Verhältnisse im Schuhmacherhandwerk, er verdient daher auch eine ausführliche Würdigung ... Diese Aufklärungs- und Werbearbeit für das Schuhmacherhandwerk wäre auch anderen Innungen in ihrem Bereich durch die Tagespresse sehr zu empfehlen "
X.
Der puHmache'meiffer.
V. A. Letzthin sind an vielen Hutgeschäften kleine weißgelbe Schilder aufgetaucht — das von dem Reichsinnungsverband oes Putzmacherhandwerks geschaffene Ursprungszeichen für den handgearbeiteten Hut. Das wird so mancher Frau wohl zum erstenmal einen Hinweis gegeben haben, daß es neben dem ausgedehnten Handel mit fertigen Hüten auch ein Putzmacher-Handwerk gibt. Bezeichnend aber für die Lage dieses Handwerkszweiges ist es, daß man zunächst einmal ein Ursprungszeichen, jedoch noch kein Gütezeichen schaffen konnte, denn die Putzmacherinnen müssen sich die verlorenen Gebiete erst Schritt für Schritt wieder zurückerobern.
Die Herrenhüte sind sehr schnell Gegenstand industrieller Fertigung geworden, während sich die handwerkliche Anfertigung von Damenhüten verhältnismäßig lange halten konnte. Noch in den Vorkriegsjahren gehörte es zum guten Ton, Maßarbeit zu tragen, und hierzu gehörte auch der handgearbeitete Hut. Wenn wir uns die Frisuren jener Zeit in die Erinnerung zurückrufen und uns die dazu gehörigen Hüte vorstellen, dann verstehen wir auch, daß damals der Hut noch einzeln angefertigt werden mußte, wenn er seiner Trägerin passen sollte. Aber schon in dieser Zeit fing die entstehende Hutindustrie an, Formen zu liefern, die von der Putzmacherin dann zu fertigen Hüten weiterverarbeitet wurden.
In den Nachkriegsjahren vollends ging die Entwicklung immer schneller weiter, und namentlich der Jude bemächtigte sich dieses Arbeitsgebietes in immer größerem Umfange. Von den Hutformen ging man zur Anfertigung von vollständigen Hüten über, die als Serienerzeugnisse natürlich entsprechend billig waren. Außerdem machte man sich die „modische Entwicklung" insofern zunutze, als man immer weitere „Neuheiten" herausbrachte, die sich von Saison zu Saison an Geschmacklosigkeit Überboten.
Das Putzmacherhandwerk stand dieser Entwicklung ziemlich machtlos gegenüber und versuchte sich dadurch zu helfen, daß es die handwerkliche Anfertigung, die mit den Preisen der Fertigwaren kaum noch konkurrieren konnte, aufgab und s e l b st fertige Hüte verkaufte. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß in einer Zeit, in der die Zahl der Handwerksbetriebe überhaupt ständig zunahm, das Putzmacherhandwerk eine Rückwärtsentwicklung durchmachen mußte: die Zahl der Handwerksbetriebe dieses Wirtschaftszweiges ging von 1926 bis
1931 von knapp 13 000 auf rund 11200 zurück, d. h. um etwa 10 v. H. Wie wenig Bedeutung man innerhalb des Putzmacherhandwerks, das zu etwa 90 bis 95 v. H. von Frauen betrieben wird, unter diesen Umständen auch der handwerklichen Meisterprüfung beimaß, ersieht man daraus, daß 1931 von allen Handwerkern etwa 30 bis 40 v. H. die Meisterprüfung abgelegt hätten, im Putzmacherhandwerk jedoch nur etwa 20 v. H. Und daß es sich hier um einen echten Handwerkszweig handelt, geht daraus hervor, daß nur 0,5 v. H. aller Betriebe überhaupt Maschinen verwenden, daß also
reine Handarbeit geleistet wird. Bei dieser Situation ist es nicht überraschend, daß auch die Zahl der Lehrlinge in den handwerklichen Betrieben um 4600 zurückging. Noch im Jahre 1926 kamen aus 100 Betriebe 94 Lehrlinge, 1931 aber nur noch 64.
Als nach der Machtergreifung sich das Handwerk allgemein wieder auf seine ihm eigene Art besann, als zudem eine Werbung für die Handwerksarbeit einsetzte, fonnt-'i auch - die Putzmacher allmählich wieder steigende Auftragsziffern melden. Da aber einerseits ja nur ein geringer Teil aller Betriebsinhaberinnen die Meisterprüfung abgelegt hatte und anderseits in den Jahren der Krise die Lehrlingsausbildung stark vernachlässigt worden war, entstand sofort ein großer Facharbeitermangel. Außerdem wirkten die von der Reichsregierung getroffenen Maßnahmen zur Erleichterung der Eheschließung sich für das Putzmacherhandwerk dahin aus, daß zahlreiche junge Putzmacherinnen heirateten und damit dem Handwerk als Fachkräfte entzogen wurden.
Aus diesen Gründen konnte natürlich der Reichsinnungsverband des Putzmacherhandwerks nicht sofort wie in anderen Handwerkszweigen ein Gütezeichen schaffen, sondern mußte zunächst einmal für eine große Leistungssteigerung sorgen. Auf der einen Seite dient hierzu die in Gemeinschaft mit der Deutschen Arbeitsfront durchgeführte enge Zusammenarbeit in allen Fragen der beruflichen Schulung und Weiterbildung und die jetzt auch für dieses Handwerk neugeschaffene Meisterprü- fungsordnung. Dann wurde das U r - sprungszeichen fertiggestellt, das in jeden Hut eingenäht werden darf, der handwerklich angefertigt ist.'Wenn die allgemeine Leistungssteigerung sich durchgesetzt hat, dann will'man auch hier das Ursprungszeichen in ein Gütezeichen umwandeln.
Willy Znlsch-Dinah Grace heiraten.
Der deutsche Filmdarsteller Willy Fritsch und die Tänzerin Dinah Grace werden in Kürze in Berlin heiraten. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
M dem Skiklub Gießen im Hochgebirge.
Erinnerungen an das Walsertal.
Nun sind wir von unserer Skifahrt in Beruf und Alltag zurückgekehrt. Immer aber schweifen die Gedanken zurück zu den sonnendurchfluteten Tagen in den weißen Tälern und Bergen des Vorarlberger Landes.
Wenn der jüngste Brief etwas mehr von dem Leben und Treiben auf der Osterberghütte erzählte, so sei diesmal über die Bergfahrten geplaudert. Nachdem wir einige Tage unter Leitung unseres Skilehrers Karl A l t h a u s an den Uebungshän- gen hinter unserer Hütte tüchtig geübt hatten, konnte es los gehen. Und so packten denn eines Nachmittags sieben Mann ihre Rucksäcke. Nach einem län-
Blick vom Gerachsattel zum Steinmandl. (Aufnahme: Althaus, Gießen.)
geren Aufstieg kamen wir zu der Frankfurter Hütte am Heuberg, dem Ziel des Tages. Hier trafen wir alte Bekannte: die Skiläufer der SA.-Patrouillen der Gruppe Hessen aus der Rhön und unseren Klubkameraden, den mitteldeutschen Abfahrtsmeister B u r g st e i n e r, die für die SA.-Meisterschaften trainierten. Auf der Frankfurter Hütte verbrachten wir die Nacht. Am nächsten Morgen ging es früh heraus. Bald waren wieder die Rucksäcke umgehängt und die Bretter angeschnallt. Die aufgehende Sonne sah uns schon hoch auf dem Wege zur „Schwarzwasserhütte". Dort wurde nur kurz Rast gemacht, denn das herrliche Wetter lockte wieder ins Freie. Felle wurden angeschnallt oder auf- geklebt und bei strahlender Sonne ging es Über den „Gerachsattel" im steilen Aufstieg hinauf zum „Hählekopf" (2100 Meter). Eine herrliche Aussicht belohnte den mühsamen Weg. Vor uns lagen die Berge Vorarlbergs, des Allgäus, Tirols und die Schweizer Berge. In der Ferne grüßten die schneebedeckten Hänge des Schwarzwalds und tief unten erkannte man die silberne Fläche des Bodensees.
Noch schöner war die Schußfahrt am Steilhang hinunter zur Jfersgundalm und weiter zur Schwarzwasserhütte, unvergeßlich die nun folgende Abfahrt über die Melköde und Auenhütte nach Riezlern. lieber eine Stunde andauernde Abfahrt! Zwei Stunden später waren wir wieder auf unterer Skihütte auf der Osterbergalm.
Die bei unserer Hochtour aüssteigenden Föhnwolken ließen einen Witterungsumschwung erkennen. Als wir am nächsten Morgen erwachten, schneite es unaufhörlich, so daß ein Ruhetag eingelegt wurde.
Aber schon am anderen Morgen schien wieder die Sonne. Zur Mittagszeit brachen wir auf zur „Schwarzwasseralm". Es dunkelte bereits, als wir ankamen. Die Hütte war bis zum Dach eingeschneit. Durch einen 15 Meter langen Stollen im Schnee gelangen wir in das Innere der Hütte.
Leider wurden unsere Hoffnungen auf gutes Wetter am nächsten Morgen enttäuscht. Es schneite! Die vorgesehene Hochtour auf den Didamskovf mußte aufgegeben werden. Dafür begann aber bald auf einem nahen Uebungshang ein lebhafter Skikursbetrieb. Gegen Mittag klarte sich der Himmel auf. Schleunigst machten wir uns fertig und bei strahlender Sonne bestiegen wir den 2000 Meter hohen „Steinmandl". Kaum waren wir oben angelangt, da zog sich der Himmel wieder zu und als
„Premiere."
ihm schließlich die Lösung: wir wollen sie nicht oor- wegnehmen.
Lichtspielhaus.
Dieser Film trägt seinen Namen aus einem doppelten Grunde zu Recht: persönlich, weil er die Hauptrolle des für Deutschland neu entdeckten und hier zum ersten Male herausgestellten schwedischen Filmstars Zarah Leander enthält: sachlich, weil der Titel auf ein von jeher beliebtes, feiner Anziehungskraft allemal sicheres Thema hinweist: die Welt des Theaters, und zwar sowohl vor als auch ganz hinter den Kulissen. Dr. Max. W a l l n e r schrieb, unter Mitwirkung von F. W. A n d a m, das Drehbuch. Dieses Drehbuch ist geschickt gemacht; es liefert dem Schaubedürfnis des Theaterbesuchers (diesmal im Kino) zunächst eine regelrechte Aus- ftattungsreoue großen Stils, bei der weder an Menschen noch an Material noch an sonst irgend etwas gespart worden ist: wir erleben sie in ihren letzten Vorbereitungen — vom Direktionszimmer, von den Garderoben vom Inspizienten aus, wir bekommen sie vom ersten bis zum letzten Bilde zu sehen, und das ist an und für sich schon ein immer-1 hin unterhaltsames Schauspiel. Aber dieses Schauspiel wird, im Film, nicht nur durch die große Pause unterbrochen, sondern überhaupt fortwährend von einer zweiten, realeren und ernsteren Handlung, die sich im wesentlichen hinter der Szene abspielt:'es gibt nämlich in dieser Revue eine spielerisch effektvolle Schußszene, bei der natürlich mit Platzpatronen geschossen wird. Kurz nach diesem Bilde stellt sich indessen heraus, daß dabei auch ein scharfer Schuß abgefeuert wurde, was im Parkett und auf der Bühne niemand bemerkt hat. Ein Mann, allein in der Proszeniumsloge, ist durch den Schuß getötet worben Wer war der Täter? Der Mann der erschossen wurde, war kurz vor Beginn hPr Vorstellung noch hinter der Buhne, er hatte schwerwiegende persönliche und wirtschaftliche Bezie- bunqen zu diesem Theater Verdächtig sit nach dem Vorspiel mehr als einer Das Pobzewerbor wech- stlt iebr spannend, mit den Bildern der Neou-, die nicht adnebrochen. sondern aus bestimmten Gründen m Ende aespielt wird Der Verdacht perdicht t sich iviti, sich zu wird wieder „egenstandslosi die Unterlilchiina erhält neue Nahrung der Schuß muß. wie Fingerabdrücke an der Mordwaffe ergeben von einem Linkshänder abgegeben fern - beliebtes M"tm in Kriminalstücken' —, die entscheidende wird mnhmnb der Reuse rekonstruiert, miede iv Eraebnis. der Kommissar der das Verhör leitet, .st am toten Punkt..angelangt: teils durch Zufall, teils durch eilten glücklichen Einfall gelingt
Der Regisseur Geza von Bolvary stand hier vor einer ansehnlichen und verlockenden Aufgabe. Er hat erhebliche Mittel zur Verfügung gehabt, für die Revue allein vierhundert Tänzerinnen und Tänzer, die auf spiegelnder Tanzfläche mustergültig exakte Figuren bilden und der Kamera eine Menge dankbarer Motive liefern. Bolvary versteht die Atmosphäre einzufangen, die von einer großen Premiere ausgeht, er nutzt den Szenenwechsel, hier in doppeltem Sinne, geschickt aus und entwickelt den Kriminalfall mit wachsender Spannung, die wiederum durch ein paar komische Episoden an der richtigen Stelle leicht gelockert wird.
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Zarah Leander ist der Revuestar Carmen Daviot: gute, bühnenmäßige, gepflegte Erscheinung, geschmackvoll, sehr ruhig und sicher im Auftreten und in der Darstellung, übrigens mit einer erstaunlich tiefen, tadellos akzentuierenden Singstimme begabt. Wie man auf den Vergleich mit der Garbo verfallen konnte, von dem wir sagen hörten, ist nicht recht einzusehen: abgesehen von der gemeinsamen schwedischen Heimat vermochten wir bisher keine nennenswerten äußeren oder inneren Ähnlichkeiten zu entdecken. Uebrigens hat man die Leander in einer Partie herausgestellt, die zwar repräsentativ wirkt, aber darstellerisch ziemlich begrenzt ist: man wird sie einmal in einer richtigen Rolle, vor einer großen und wirklich lohnenden Aufgabe sehen müssen, um Reichweite und Möglichkeiten ihrer Begabung abschätzen zu können.
Eine wirkliche Rolle, die mehr als äußere oder stimmliche Anforderungen stellt, hat, wie man sich durch den Vergleich überzeugen kann, Maria Bard (Frau Werner Krauß) als Gegenspielerin der Diva, und man sieht auch daß sie ihre Chance erkannt und auszunutzen verstanden hat. Attila Hörbiger als Kommissar führt die Untersuchung: er macht das beherrscht und mit ruhigen, gepflegten Formen. Sehr hübsch und witzig Theo Singen in einer feiner komischen Kulissenchargen Karl Martell, Karl Günther, Karl S k r a u p und Walter Steinbeck beleben das kleine Vordergrund-Ensemble mit charakteristisch gefaßten Gestalten. An der Kamera stand Franz Planer, dessen ausgeprägte Bildbegabung hier schon öfters gerühmt wurde. — (Syndikat-Film.)
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Im Beiprogramm gibt es einen anregenden Mu- i sikfilm und die Fox-Tonwoche.
| Hans Thyriot.
Der nette junge Mann.
Eine Bismarck-Anekdote.
Der Enkel des Fürsten Bismarck, der nach ihm seinen Vornamen führt, hat vor kurzem seine Tätigkeit im Auswärtigen Amt, in dem sein Großvater viele Jahre ruhmvoll gewirkt, begonnen. Der junge Fürst ist mit einer anmutigen Tochter Schwedens vermählt. Da taucht eine Erinnerung auf, daß auch im Leben des ersten deutschen Reichskanzlers eine junge Schwedin einmal eine Rolle gespielt.
Sie hat das einst selbst sehr hübsch geschildert.
„Als ich noch ein blutjunges Mädchen war, sollte ich einige Monate in Rom verbringen. Von einer älteren Gesellschafterin und zwei Kammerjungfern begleitet, reifte ich ab. Es war bestimmt, daß ich in Berlin einen kürzeren Aufenthalt nehmen sollte. Eine Schwester meines Vaters hatte einen Deutschen geheiratet, und der Sohn aus dieser Ehe, „her deutsche Vetter", wie wir ihn bei uns nannten, studierte damals in Berlin, ich hatte ihn nie gesehen. Mein Vater schickte ihm einige Tage vor meiner Abreise einen Brief, in dem er ihn ersuchte, sich meiner freundlichst anzunehmen.
Ich kam glücklich in Berlin an und wurde bei meiner Ankunft vom deutschen Vetter herzlichst empfangen. Er war ein hochgewachsener Jüngling mit großem Schnurrbart und eigentümlich blitzenden Augen. Drei Tage hindurch war er mein treuer Begleiter. Freilich konnte er kein Wort Schwedisch sprechen, wohl aber ein elegantes Französisch. Nie habe ich einen so angenehmen Cavalier gehabt; ich war auf meinen deutschen Vetter ganz stolz.
Gar zu schnell kam die Stunde, wo ich weiter reifen mußte. „Cousine", sagte er beim Abschied, „ich habe Ihnen ein Wort zu sagen. Sehen Sie, Cousine, ich — ich möchte Ihnen nur mitteilen, daß ich — ich nicht Ihr Vetter bin. Mein Freund, Ihr .deutscher Vetters der richttge, ist nämlich von den Vorbereitungen zu seinem Examen so stark in Anspruch genommen, daß er mich bat, an seiner Stelle den von Ihrem Herrn Vater ausgesprochenen Wunsch zu erfüllen — mein Name ist Otto von Bismarck."
Ich sah ihn erstaunt an, der Wagen setzte sich in Bewegung, und das Abenteuer war aus. Jahrzehnte vergingen. Der unbekannte Bismarck war Reichskanzler und Fürst geworden. Da kam ich, eine alte, seit 40 Jahren verheiratete Frau, wieder einmal nach Berlin. Ich schrieb einige Worte auf meine Karte und schickte sie an den Fürsten. Eine Stunde später erhielt ich eine Einladung, begab mich ins Reichskanzlerpalais, und bald waren wir in lebhaftestem Gespräch. Bismarck war bei bester Laune.
„Ihnen habe ich es zu danken", sagte er unter anderem, „daß ich dazu gekommen bin, die Berliner Museen zu besuchen; seitdem ist es mir nicht wieder gelungen!" P. L—g.
NeueKrcisteam G etzenerStadttheater.
Das Dramaturgische Büro des Stadttheaters teilt mit:
Für die Spielzeit 1937/38 wurden bis jetzt an das Stadttheater Gießen verpflichtet: Else M o n n a r d aus Brünn als erste Salondame und Liebhaberin; Ruth Ines Eckermann, Köln, als jugendliche Heldin; Helga Retschy aus Heilbronn als Sentimentale und jugendliche Salondame; Anneliese Garbe aus Frankfurt a M. als Naive; Margarete (Torrell aus Frankfurt a. M. als jugendliche dramatische Sängerin; Erich 2ß e i I a r . Heidelberg, als erster junger Held.
Sochscbulnachnchten.
Durch Erlaß des Reichs- und preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung ist für den verstorbenen Professor Dr. med. Max Baur der Professor Dr. jur. Leopold Zimmer! mit Wirkung vom 1. April 1937 zum Rektor der Universität Marburg ernannt worden.
Der Reichs- und preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat den Professor Dr Egmont Zechlin in Marburg beauftragt, auch im Sommer-Semester 1937 an der Universität Hamburg in Vertretung des Professors W e st p h a l die Neuere Geschichte in Vorlesungen und Hebungen wahrzunehmen.
Ferner hat der Minister den n. b. a. o. Professor Dr. Augustin Foerster in München beauftragt, die durch das Ausscheiden des Professors. Dr. Schrader an der Universität Marburg freigewordene Professur für gerichtliche und soziale Medizin vertretungsweise zu übernehmen.
Professor Dr. Hans Geiger, Ordinarius für Physik an der Universität Tübingen, wurde in gleicher Diensteigenschaft an die Technische Hochschule Berlin berufen
Professor Dr. Freiherr Rausch von Traubenberg, Ordinarius für Experimentalphysik an der Universität Kiel, ist in den Ruhestand versetzt worden.
Professor Dr. E. F e t) e r, Extraordinarius für angewandte Mathematik an der T?chnisch"n Hoch- schule Breslau, ist zum ordentlichen Professor ernannt worden.


