Neues für den Büchertisch.
— Paul Wiegler: Verräter und Verschwörer. Große und kleine Dramen der Weltgeschichte. Preis geb. 5,80 Mark. Verlag Ullstein, Berlin. — (38) — In dreißig, nach Form und Inhalt bis zum letzten zusammengepreßten Berichten stellt Wiegler gleichsam die unterirdischen Gegenspieler jeder legitimen Herrschaft vor, wie sie durch zwei Jahrtausende die Weltgeschichte begleitet haben, in die sie häufig fortbewegende Kraft einströmten, so manches Mal aber auch als retardierendes Moment eingriffen. Von den Ideen des März Anno 44, an denen republikanische Verschwörer mit der Ermordung Cäsars Rom vor der Alleinherrschaft bewahren wollten, ohne doch damit den Uebergang vom Altertum zur Moderne aufhalten zu können, bis zu jenem 28. Juni 1914, der mit der Ermordung Franz Ferdinands durch serbische Verschwörer das Signal zum Aufbruch in den Weltkrieg und damit zu einer gründlichen Umgestaltung der alten Welt gab, zieht eine lange Kette denkwürdiger Ereignisse an unseren Augen vorbei, die, mag auch keines so folgenschwer eingegrisefn haben wie die beiden, die am Anfang und Ende dieser Reihe stehen, doch alle ihre Spuren im Gesicht der Menschheit zurückgelassen haben. Wieglers Berichte sind von einer ungeheuren Prägnanz. Die Knappheit des Stils, der Verzicht auf jedes Werturteil, die fast kriminalistische Genauigkeit der Angaben, die streng chronologische Abwicklung der Geschehnisse, das alles erzeugt eine Spannung, der man sich auch dort nicht entziehen kann, wo über allbekannte Dinge berichtet wird. Jeder Bericht ist Stoff zu einem Drama, und es ist gewiß nicht von ungefähr, daß wir so vielen Gestalten begegnen, die uns aus den Tragödien Schillers vertrauter sind, als aus der Geschichte selbst. Hier und da werden manche weniger geschichtskundige Leser eine kurze Andeutung der politischen Situation, der sozialen und psychologischen Voraussetzungen vermissen, aus der man schneller Verrat und Verschwörung in den großen geschichtlichen Rahmen einordnen könnte. Greifen wir als Beispiel nur die Ermordung des Königs Gustaf III. aon Schweden heraus, aus Verdis Oper „Ein Maskenball" zwar dem Stoff nach bekannt, aber doch fo abseits der allgemeinen Geschichte, daß ein paar erläuternde Sätze das Verständnis erleichtert hätten. In unsere Tage reicht die seltsame Geschichte des Verräters Asew, dessen wechselvolles Spiel zwischen zaristischer Geheimpolizei und nihilistischen Verschwörern ein bezeichnendes Licht auf die innere Morschheit des russischen Staatsgebäudes der Vorkriegszeit wirft, aber auch wichtige Aspekte auf die Methoden der GPU., der Nachfolgerin und Schülerin der kaiserlichen Ochrana, wirft. Auch die furchtbare Attentatsseuche, die Rußland zu Anfang der 80er Jahre heimsuchte, verdient in den gleichen Zusammenhang gerückt zu werden. Besonderes Interesse werden wohl die Berichte finden, die, wie der Fall
Arnim, der Prozeß Bazaine, das Schicksal Boulangers, Alexander von Battenbergs bulgarische Mission und ihr Ende, der Jameson-raid u. a., die Aelteren von uns als miterlebte Geschichte empfinden werden. So gibt das Buch eine Fülle von Unterhaltung, Anregung, Belehrung. Vom reinen Nervenkitzel bis zum psychologischen Studium fin- det in ihm jeder das Seine.
Friedrich W. Lange.
— Das deutsche Lichtbild. Jahresschau 1937 mit 130 ganzseitigen Bildtafeln, in grauem Seidenleinen gebunden, Preis 15.— RM. Verlag Bruno Schultz, Berlin-Grunewald. — (365.) — Auch diese zehnte Jahresschau der bekanntesten Sammlung deutscher Lichtbildnerei zeigt die große Vielseitigkeit ihrer Vorgänger. Bilder deutscher Arbeit, von Sport und Spiel, von Volkstum und Wehrmacht, Naturaufnahmen, Schnappschüsse aus dem Alltagsleben sind hier geschmackvoll und anregend zusammengestellt worden. Dabei darf man im Rückblick feststellen, daß immer mehr das gute Landschaftsbild, das eindrucksvolle Porträt, das geschmackvoll komponierte Stilleben, die früher beliebteren Scherzaufnahmen, so gut wie ganz verdrängt haben. Ueberall spürt man hinter den Aufnahmen den ernsten Willen, technisch und künstlerisch gleich Hervorragendes zu leisten, ohne dabei in das Extravagante zu verfallen. Einzelnes herauszugreifen ist unmöglich, ohne ungerecht zu werden. Hervorheben möchten wir nur eine Reihe von eindrucksvollen künstlerisch gesehenen Jndustrieaufnahmen und die Folge von acht Bildern Heinz von Perck- Hammers von der Rettung Schiffbrüchiger als ein würdiges Denkmal deutschen Seemannsgeistes. Der Textteil enthält wiederum eine Reihe aufschlußreicher Beiträge zur Lichtbildnerei. Wir heben hervor den Aufsatz von Heinrich Kühn über die künstlerischen und technischen Fortschritte der Photographie und ihren heutigen Stand als eine Angelegenheit der Volksbildung. Ferner den Aufsatz von Rechtsanwalt R o n g e über das Plagiat in der Photographie, in dem ausgeführt wird, daß ein Rechtsschutz der gewerblichen Leistung zwar vorhanden ist, aber erweitert werden könnte, ein solcher für die künstlerische Leistung jedoch kaum erforderlich ist. Heinz Hajek-Halke schreibt über das kleintier-biologische Bilddokument, das Einblicke in die Geheimnisse der Natur gibt, die vor der Erschließung durch die Kamera nicht zu erlangen waren, Fritz H a n n s e n berichtet über photographische Ausstellungen von den ersten dieser Art, die im Jahre 1864 in London, Paris und Wien stattfanden, bis zur letzten großen Ausstellung in Berlin „Die Kamera" im Jahre 1933. Eine internationale Photoschau des VDAV. zeigte im vergangenen Jahre in Frankfurt a. M. interessante Vergleiche zwischen den Leistungen der deutschen Amateurphotographie mit denen des Auslandes. Professor Kihn (Erlangen) berichtet über das Jmagon, den einzig brauchbaren Weichzeichner in
Iber Kleinbildkamera. Ausführliche Angaben über die technischen Bedingungen der veröffentlichten Bilder beschließen den schönen Jubiläumsband.
Fr. W. Lange.
Zeitschriften.
— Die Berliner Monatshefte erscheinen seit Januar 1937 unter der Leitung von Prof. Dr. Paul H e r r e, herausgegeben von August Bach (Quader-Verlag, Berlin W 15). Der Untertitel „Zeitschrift für neueste Geschichte" deutet den erweiterten Aufgabenkreis an. Er wird künftig das gesamte Gebiet der neuesten Geschichte vom Frankfurter Frieden bis in die Nachkriegsjahre hinein umfassen. Das Januarheft enthält ungemein interessante Erinnerungen Dr. Richard Ullrichs, der von 1904 bis 1914 als Petersburger Korrespondent der Kölnischen Zeitung einer Reihe führender Persönlichkeiten des politischen Rußlands der Vorkriegszeit nahetreten konnte. Die Aufzeichnungen geben ein aufschlußreiches Porträt Stolypins, des Staatsmannes, der vielleicht die Kraft gehabt hätte, die innere Politik des Zarenreiches in neue Bahnen zu lenken und damit der Revolution das Wasser abzugraben. Auch von dem schwankenden Charakter des Außenministers Sasonow erhalten wir eindrucksvolle Zeugnisse. Die ganze durchaus deutschfeindliche Stimmung in den maßgeblichen Kreisen des Vorkriegsrußlands hat Ullrich eindrucksvoll geschildert. — Ein weiterer Aufsatz des Danziger Historikers Friedrich Luckwaldt beschäftigt sich an Hand der neuen großen englischen Biographie mit dem verstorbenen englischen Außenminister Arthur Balfour, dessen Charakter vielleicht typisch genannt werden darf für die politische Einstellung der englischen Oberschicht überhaupt. Der Herausgeber selbst berichtet an Hand der neuesten Bände des französischen Dokumentenwerkes über die letzten ereignisreichen Julitage des Jahres 1914, in denen Frankreich durch seine Blankovollmacht in Petersburg die letzten Hemmungen für den Entschluß der Russen zum Kriege ausräumte. Ein wertvoller Beitrag zur Geschichte Bismarcks ist die Veröffentlichung von fünf Briefen des Reichskanzlers aus den letzten Jahren an Kaiser Wilhelm II. Monatsberichte und ausführliche Buchbesprechungen schließen wie bisher auch dieses erste Heft unter der neuen Leitung. L.
— Englands modernste Kampf- und Bombenflugzeuge zeigt ein interessanter Bildbericht im neuesten Heft der „S i r e n e", der illustrierten Zeitschrift des Reichsluftschutzbundes. Das gleiche Heft zeigt eine schwere Brandkatastrophe und ihre Lehren für die Zukunft. Außerdem bringt es einen großen Bildbericht über neues Land, das an Deutschlands Küsten dem Meere abgerungen wurde.
— „©er Bergsteiger". (Verlag Bruckmann, München). Vom Wetterstein bis zum König Triglav, vom Gesäuse bis zum Wallis, vom Engadin bis zum Riesengebirge, vom Kärntner Bergland bis nach Spitzbergen fuhrt uns mit ausgezeichneten Beiträgen von Kletterern, Schibergfteigern und Dichtern das Februar-Heft. Die vielen Bildtafeln find ein besonderer Reiz der Zeitschrift. Der Nachrichtenteil
hält den Bergsteiger und Schiläufer über alles auf dem Laufenden, was er wissen sollte, so über die derzeitig bestehenden Reisevorschriften, über Lichtbildnerei, über das einschlägige Schrifttum usw. Be* zugspreis für Alpenvereinsmitglieder 10 RM. jähr« lich, das Einzelheft 1,20 RM.
— Die Vierteljahreszeitschrift „Die Wirt- schaftskurve" (Sozietäts-Verlag Frankfurt am Main. Preis je Heft 2,70 Mark) bringt im ersten Heft des neuen Jahrganges einen interessanten »von N. Benkiser über Mussolinis Rohstosf- . Lautenbach untersucht das Verhältnis von Preisbildung und Produktionselastizität. In den „Skizzen" wird u. a. über Kunstharz berichtet. (46) — Englische und französische Lektüre, unterhaltend und belehrend, durch viele Abbildungen belebt, bieten die neuen Langenscheidt-Sprachzeitschristen „Langenscheidt' s English Monthly Magazine" und „Le Journal fran^ais Langenscheid t", von denen die Märznummern wieder überaus reichhaltig sind. Erleichtert wird das Verständnis der fremden Texte durch Ueberfetzung aller weniger häufig vorkommenden Vokabeln. Wer feine Sprachkenntnisse nicht einrosten lassen will, der greife zu diesen Zeitschriften.
Weiterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
lieber Südwesteuropa hat sich ein kräftiger Tiefdruckwirbel entwickelt, dem ein mächtiges Hochdruckgebiet im Nordosten gegenübersteht. Demgemäß hat sich über Deutschland eine Zufuhr kalter Festlandsluft aus Jnnerrußland eingestellt, doch werden gleichzeitig durch den südwesteuropäischen Wirbel auch milde Luftmassen auf das Festland verfrachtet. Das Zusammentreffen der beiden verschieden temperierten Luftmassen wird auch unserem Gebiet wieder zunehmende Unbeständigkeit bringen.
Aussichten für Freitag: Nach recht kalter Nacht zunehmende Unbeständigkeit und Niederschlagsneigung, Tagestemperaturen bei 0 Grad, lebhafte Winde um Ost und Süd.
Lufttemperaturen am 3. März: mittags 6,7 Grad Celsius, abends 3,6 Grad; am 4. März: morgens —1,5 Grad. Maximum 6,8 Grad, Minimum heute nacht —2,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. März: abends 3,1 Grad; am 4. Märzt morgens 1,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 3,1 Stunden.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bildert Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2). 21. II 37: 10 933. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags
15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.
Eine allgemeinverständliche Darstellung der Forschungsergebnisse
Heute verschied nach kurzem, schwerem Leiden
Herr Peter Thome
Fabrikdirektor i. R.
H. Schaffstaedt G.m.b.H.
Gießen, den 2. März 1937.
1460 D
Erdbeer-Marmelade verbilligt
6oo g 45
erteilt
01098
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Für den Abendtisch
Albach, Ehringshausen, den 3. März 1937.
Plockwurst, schnittfest
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Zervelatwurst, schnittfest. .500 g 2
125 g 50
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Mietgesuche
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Pflaumen-Mus verbilligt,
Rüben-Sirup verbilligt ..,
Die Beerdigung findet Freitag, den 5. März, nachmittags 3 Uhr in Albach statt.
Dem Verstorbenen, der viele Jahrzehnte hindurch an verantwortungsvollem Posten unseres Unternehmens stand, werden wir stets ein ehrendes Andenken bewahren.
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