sie von den Wirtschaftsbüchern aufblickte, sah sie auf die Baumkronen alter Grunewaldgärten.
Es klopfte, und Lucienne Molny trat ein.
„Störe ich, Fräulein Hertel? Was treiben Sie Schönes?"
„Ich mache die Monatsabrechnungen."
„Heute, am Sonntag? Sie sollten sich ausruhen."
Lucienne beugte sich über die Wirtschaftsbücher, die offen auf dem Schreibtisch lagen. Ihre Augen wanderten über seltsame Zahlenreihen.
„Das ist hier alles unten aufaddiert wie bei andern Leuten auch", sagte sie. „Aber was bedeuten die Zahlen, die Sie hier am Rand haben?"
„Das sind die Tagesausgaben zusammengerechnet."
„Das ist ja interessant — unsere Tagesausgaben? Können Sie mir das mal erklären?"
„Gern."
Blandine schob einen Sessel heran. Lucienne ließ sich nieder.
„Die senkrechten Kolonnen bedeuten die Ausgaben, wie sie täglich weiterlaufen. Hier zum Beispiel die Spalte Bedienung'. Da sind zuerst Gehälter der Leute, ihre Krankenkassen usw. Dann kommt jeden Montag die Waschfrau dazu, in jeder Woche einmal das Plätten, die Ausbesserin, der Fensterputzer und kleine Dienste, die der Portierfrau bezahlt werden.
Hier die Kolonne .Kleine Anschaffungen'."
„Schreiben Sie das wirklich alles auf?" fragte Lucienne.
„Ganz genau."
„Das ist hübsch. Denn wissen Sie, damit verplempere ich am meisten Geld. Und nachher weiß ich nie, wo es hingekommen ist. Fabelhaft, wie ordentlich das alles bei Ihnen ist", sagte Lucienne. „Was hat das hier zu bedeuten?"
„Das sind Zeitungen und Zeitschriften.
Das hier ist alles, was mit der Heizung zusammenhängt.
Und hier die Verpflegung. Die einzelnen Posten dafür sind in meinem kleinen Wirtschaftsbuch verzeichnet. Da ist es."
„Das interessiert mich wirklich", sagte Lucienne Molny. „Haben Sie vielleicht eine Zigarette?"
„Leider nein." Blandine ging zur Tür und läutete. „Welche Sorte soll Else bringen?"
„Bitte auch Streichhölzer und einen Aschenbecher", sagte sie zu dem Mädchen.
„Gar keinen Aschenbecher im Zimmer? Rauchen Sie nie9"
„Ich bin noch nicht auf den Gedanken gekommen." „Dann müssen Sie sehr glücklich sein." Blandine sah sie fragend an.
Lucienne fuhr sich mit ihrer berühmt schönen Hand über Stirn und Schläfe. „Schon gut", lächelte sie dann. „Aber erklären Sie mir bitte weiter. Das ist mir alles ganz neu."
„Hier unten sehen Sie, wieviel ich im ganzen Monat für die einzelnen Nahrungsmittel, für Kochgas, Strom üsw. ausgegeben habe."
„Sie geben nicht viel aus, das wollte ich Ihnen schon immer sagen."
„Vielleicht kommt das, weil ich mir Rechenschaft über jede Ausgabe ablege."
„Dielleicht", sagte Lucienne. „Aber ich glaube, da sprechen auch noch einige andere Ihrer Eigenschaften mit. Sie machen mir das Haus sehr behaglich, Fräulein Hertel."
„Ich danke Ihnen, gnädige Frau. Aber Ihr Haus i st behaglich."
,Zch habe es mir einmal so eingerichtet", sagte Lucienne nachdenklich. „Aber ich habe ja viel zuwenig Zeit, mich darum zu kümmern. Und das ist auch der Grund, weshalb ich heute, am Sonntag, bei Ihnen eindringe. Ich habe in der, Woche keine Zeit, in Ruhe mit Ihnen zu sprechen. Es liegt mir etwas auf: wir müssen eine Gesellschaft geben, ein richtiges Festessen, wissen Sie. Klein und intim, aber erstklassige Speisen und Getränke, Tischdekorationen, Blumen, alles muß stimmen.
Haben Sie schon einmal so etwas hergerichtet?"
Blandine errötete vor Freude und Verlegenheit. „Im Institut haben wir dergleichen eingehend geübt. Aber natürlich nicht ganz in dem Stil, der hier im Hause nötig ist. Aber da ich die Grundbegriffe kenne —"
„Sie können jede Hilfe haben. Es hängt viel für mich davon ab, daß der Abend gelingt. Sie sagen mir, was der Traiteur Ihnen liefern soll."
„Was dachten gnädige Frau zu geben?"
„Ich habe mir das bisher so überlegt: Austern und Kaviar im Eisblock. Dann geben wir eine richtige hausgemachte Ochsenschwanzsuppe. Das ist etwas Kräftiges nach den Vorspeisen, und das essen Herren immer gern.
Wir müssen Rücksicht darauf nehmen, daß das, was wir selber kochen, nicht so allerweltsmäßig ist. Die Herren sind Deutschamerikaner, die sind' im । Esien die besten Patrioten. Es muß heimatlich schmecken." 1
„Deutschamerikaner, die so empfangen werden sollten — interessant", dachte Blandine Hertel.
,Lch bin einmal, als ich nach Hollywood fuhr, bei einem Neuyorker Bankier eingeladen gewesen. Da gab es nichts wie Kieler Sprotten, Holsteiner Schinken, Beelitzer Spargel, Harzer Käse und baye- rischen Rettich. Ich wunderte mich über das frugale Essen, bis man mir sagte, daß das alles, zusammen mit dem Kulmbacher Bier, zu meinen Ehren mit dem Zeppelin herübergekommen wäre.
Also, Kindchen, da müssen Sie sich gute, deutsche Futteralien ausdenken, die die Herren lange nicht gegessen haben. '
Generaldirektor Stone kommt gerade von einer Weltreise zurück. Da will er nichts haben, was er in London, in Singapore oder bei Shepherds neben den Pyramiden ebensogut hätte essen können."
„Pommerscher Gänsebraten mit Kartoffelklößen und Rotkohl. Geht das?"
„Na, sehen Sie, Blandinchen, da kommen wir der Sache schon näher."
„Ich habe eine sehr gute Adresse. Ich lasse die Gänse direkt aus Pommern kommen. Wie viele werden wir brauchen?"
„Rechnen.Sie für neun bis zehn Personen.
In bezug auf die Tischdetoration Überlegen Sie sich in Ruhe etwas Besonderes, ebenfalls gediegen und kräftig. Kein Spitzentifchtuch, kein zu zartes Milieu. Wissen Sie, mehr Erntefest als Brautdiner."
„Vielleicht ein grobes Leinentischtuch und das weiße, derbe Geschirr?"
„Ganz richtig."
Else kam und meldete, daß Herr Doktor die gnädige Frau suche. Sein Wagen stehe unten zur Abfahrt bereit.
„Ich muß gehen. Wegen der Weine roerb, ich mit meinem Mann sprechen. Also überlegen Sie sich alles noch schön." Sie drückte Blandine die Hand. „Cyril Benkoff kommt übrigens auch. Tas interessiert doch jedes junge Mädchen, nicht?" Sie lächelte und ging.
Einaehüllt in den Duft, den Lucienne im Zimmer zurückließ, träumte Blandine in ihrem weichen, seidenen Sessel. „Cyril, der schönste und leidenschaftlichste Filmheld —- ein Fest, das man für ihn rüstete Amerikaner, die von einer Weltreise kamen.
„Das Leben!" dachte Blandine. „Jetzt kommt das Leben'"
Fortsetzung folgt.
für Tierheilkunde (Maatschappij voor Dieraenees- kunde) wegen seiner bedeutenden wissenschaftlichen Arbeiten zum korrespondierenden Mitglied ernannt worden.
Die Jlefruten komme«.
Guter Jahresabschluß der Verbrauchergenossenschaft Gießen.
Arn heutigen Mittwoch und am morgigen Donnerstag treffen die Rekruten für unser Infanterie- Regiment 116 und unsere 111. Abteilung Artillerie- Regiment 9 ein. Ein kleiner Teil der Rekruten ist im Laufe des heutigen Vormittags schon angekom men. Im Laufe des heutigen und des morgigen Nachmittags werden mit mehreren Zügen nuyr oder minder große Trupps Rekruten eintreffen, die in geschlossenen Marschkolonnen vom Bahnhof zu den Kasernen geführt werden.
Am 13. November, 11 Uhr, werden die jungen Soldaten auf dem Trieb in feierlicher Weise vereidigt werden. Die Rekruten - Vereidigung wird wiederum, wie auch im Vorjahre, mit großer militärischer Feierlichkeit erfolgen.
Vo ksbildungsstätte Gießen.
Die Volksbildungsstätte Gießen in der NSG. „Kraft durch Freude" hat mit dem Vortrag von Prof. Grühl am 21. Oktober ihre Winterarbeit erfolgreich begonnen. Sie weist noch einmal besonders auf die in diesem Winter ftattfinöetiöen Vortragsreihen hin, die im November ihren Anfang nehmen. Besonders aktuell ist die Vortragsreihe „Die deutschen Kolonien".
lieber die Bedeutung dieser Vorträge heute noch Worte zu verlieren, erübrigt sich wohl, hat doch jetzt erst der italienische Staatschef Mussolini in seiner Rede am 15. Jahrestag des Marsches auf Rom gesagt: „Es ist notwendig, daß ein großes Volk wie Das deutsche Volk den Platz wieder erhält, der ihm gebührt und den es an der Sonne Afrikas inne hatte". „Wir fordern Land und Boden (Kolonien) zur Ernährung unseres Volkes und zur Ansiedlung unseres Bevölkerungsüberschusies", heißt die Forderung, die im Punkt 3 des Programms der NSDAP, erhoben wird. Schon aus Gründen der nationalen Ehre erwartet Deutschland von der Welt die Rückgabe seiner Kolonien, die mit reiner Hand erworben und mit deutscher Arbeit und mit deutschem Fleiß und Blut erschlossen wurden. Deutschland braucht seine Kolonien als Rohstoffgebiete, zur Selbstversorgung seiner Wirtschaft, als Absatzgebiete für die Erzeugnisse seiner Industrie und als Arbeitsfeld für den Arbeiter der Stirn und der Faust.
Es werden nur beste Sachkenner zu Wort kommen, die unsere Kolonien z. T. aus eigener, langjähriger Erfahrung kennen. Zunächst beschäftigen sich drei Vorträge mit der wirtschaftlichen und geopolitischen Bedeutung unserer Kolonien, eine Führung durch die Kolonialabteilung des Völkerkundemuseums wird sich anschliehen. Es folgen Bilder und Erlebnisschilderungen aus sämtlichen ehemaligen deutschen Besitzungen; an drei Abenden wird die volkswirtschaftliche Bedeutung der Kulturpflanzen in den Kolonien behandelt, eine Kolonialausstellung wird die Vortraasreihe schließen, die im ganzen zehn Abende in Ansvruch nimmt. Nähere Einzelheiten sind aus dem Arbeitsplan ersichtlich, der auf der Geschäftsstelle Schanzenstraße 18 kostenlos erhältlich ist. Dort werden auch die Anmeldungen entgegengenommen.
Gleichzeitig macht die Dolksbildungsstätte Gießen auf die anderen Vortragsreihen aufmerksam, die ebenfalls interessante Gebiete behandeln: „Die Vorgeschichte der hessischen Heimat" mit Führungen durch das Oberhessische Museum, „Volksdeutsche Arbeit" mit Vorträgen über das Deutschtum im Ausland und „Lebendiges Theater", Vorträge, die in die Arbeit der Bühnenkünstler einführen.
Die Vortragsreihe „Die deutschen Kolonien" beginnt Donnerstag, 4. November, 20 Uhr, im Geographischen Institut (Hörsaal), Brandplatz 4. Zeit und Ort der anderen Vortragsreihen werden in der Tagespresse noch bekanntgegeben. H. O.
Verlängerung der Konzessionssperre in Hessen.
Lpd. Auf Grund des § 21 Absatz 2 des Gaststättengesetzes hat der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — mit sofortiger Wirkung angeordnet, daß bis zum 31.'Oktober 1940 im Lande Hessen Erlaubnisse für neu zu errichtende Gast- und Schankwirtschaften grundsätzlich nicht erteilt und bestehende Schankerlaubnisse auf nicht zugelassene Ar-
die Bekämpfuung der Schlafkrankheit verdient machte, fah man bei feiner Arbeit in den Tropen. Mit großem Interesse folgte man ferner den Bildern von der ältesten Form der Eifengewinnung durch die Eingeborenen, wie sie heute nicht mehr anzutreffen ist. Mit leisem Schauer sah man die Bilder, die die kultischen Tanzfeste der Eingeborenen zeigten und die die ungeheure Kluft wissen ließen, die zwischen den Menschen des afrikanischen und des europäischen Kulturkreises gähnt.
Der zweite Teil des Filmes zeigte Afrika aus jenen Perspektiven, die das Auto und das Flugzeug dem Forscher erschließen. Auch in diesem Teile begegnete man immer wieder den Eingeborenen, ihren Sitten und Gebräuchen, erlebte immer wieder in Bildern die Landschaft und die Tierwelt, der der Afrikaforfcher nut der Kamera nachgegangen war. Man folgte im Geiste den Wildpfaden der Antilopen, der Strauße, der Nashörner und der Giraffen, geriet in die Dorados der Vögel an Flüssen und Seen und folgte den Beutezügen des Löwen. Die Filmbilder führten auch heran an den Lebensraum der Elefanten in Steppe und undurchdringlichen Busch. Den Abschluß des Filmes bildeten Aufnahmen, die vom Flugzeug aus erkennen ließen, wie Afrikas riesiger Raum für die Mittel der modernen Technik kleiner und kleiner wird und europäische Zivilisation dem dunklen Erdteil immer mehr ihren Stempel aufzudrücken versucht.
Hauptversammlung
der Herrenschneider-Innung.
Die Herrenschneider-Innung für den Kreis Gießen hielt im „Burghof" eine Hauptversammlung ab. Obermeister Ernst Hartmann (Gießen) wies in seinen Eröffnungsworten auf die Bedeutung
Die Verbrauchergenossenschaft Gießen hatte für den vorigen Sonntag in das Katholische Vereinshaus zur 3 6. Vertreter - Versammlung eingeladen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Heinrich Schneider, gedachte zunächst der verstorbenen 68 Genossenschafter, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde.
Sodann erstattete der Vorsitzende des Vorstandes, Paul Schenk, den Jahresbericht. Die Gießener Verbrauchergenossenschaft sei in der glücklichen Lage, wieder einen guten Abschluß vorlegen zu können. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Entwicklung der Genossenschaft auch weiterhin eine gute sein möchte.
Der Gesamtumsatz, der im Vorjahre 1 683 526,34 R211. betrug, stieg um 75 509,65 Reichsmark auf 1 759 035,99 R2N.» das ist um 4,5 v. h.
Die Bäckerei brachte einen Umsatz von Reichsmark 175 052,99, gegen RM. 153 763,39 im Vorjahre; das bedeutet eine Steigerung um RM. 21 289,60. Der Umsatz der Brenn st offabtei- lung war zufriedenstellend. Die Kaffeerösterei setzte im Geschäftsjahr 51028 RM. um. Im Grundbesitz ist eine Veränderung nicht eingetreten; die Genossenschaft hat 14 bebaute und ein unbebautes Grundstück. Der Einlagebestand der Sparabteilung betrug am 30. Juni d. I. noch 121 055,25 RM., 34 570,19 RM. wurden aus eigener Kraft zurückbezahlt. An Steuern zahlte die Genossenschaft 6u426 RM. Die Zahl der Berate i I u n g s ft e 11 e n ist mit 37 die gleiche des Vorjahres geblieben. Der Personalbestand beläuft sich auf 94 Personen, gegenüber 83 im Vorjahre; es sind 48 männliche und 46 weibliche Ge- folgschaftsmitglieder beschäftigt. Die Zahl der Mitglieder belief sich am 1. Juli 1936 auf 8900, ' der Zugang betrug im Geschäftsjahr 1936/37 gleich 335, der Abgang insgesamt 1590 Mitglieder. Eine Anzahl Mitglieder mußte ausgeschlossen wer-' den, weil sie die Einrichtungen der Genossenschaft zu wenig, oder nicht in Anspruch nahmen. Die normale Mitgliederbewegung war günstig.
In der Erläuterung der G e w i n n- u n b Uer- lustrechnung wies der Vortragende be
sonders daraus hin, daß es im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmalig wieder gelungen sei, die volle Rückvergütung aus eigener Kraft zu erwirtschaften und darüber hinaus den Verlustvortrag in Höhe von 39 761,59 R2N. bis auf einen Rest von 3 959,34 KHL zu beseitigen.
Der Jahresbericht wurde von der Vertreter-Versammlung mit großer Genugtuung ausgenommen.
Vorstandsmitglied Storck erläuterte dann die Bilanz und gab an Hand des umfangreichen Zahlenmaterials ein aufschlußreiches Bild von der günstigen Lage der Genossenschaft. Vor allem wurde hervorgehoben, daß alle gesetzlichen Rücklagen, die Rückvergütungen, wie auch die gesetzlichen Abschreibungen und die Ausgleichung des Verlustvortrages aus eigener Kraft und ohne Zuschuß der Zentrale möglich wurde.
Aufsichtsratsmitglied Brückmann erstattete den Revisionsbericht des Südwestdeutfchen Verbandes der Verbrauchergenossenschaften, in dem darauf hingewiefen wurde, daß zu keinerlei Beschwerden Anlaß gegeben sei, daß die Führung der Genossenschaft ausgezeichnet gearbeitet und gewirtschaftet t)abe und die Lage der Genossenschaft sehr günstig sei.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich Schneider gab die Stellungnahme des Auffichtsrates zum Revifionsbericht bekannt, außerdem einen lieber» blick über die reibungslose Zusammenarbeit von Vorstand und Aufsichtsrat.
Dem Vorstand und dem Aufsichtsrat wurde von der Vertreter-Versammlung einmütig Entlastung erteilt.
Vorstandsmitglied Storck erläuterte im weiteren Verlaufe der Versammlung einige Satzungsänderungen, die von der Versammlung gutgeheißen wurden. Die satzungsgemäß aus- scheidenden Mitglieder des Aufsichtsrates Heinrich Schneider, Brückmann und Kuhl wurden in ihren Aemtern erneut bestätigt.
Mit richtungweisenden Worten und hoffnungsvollem Ausblick in die Zukunft schloß Aufsichtsratsvorsitzender Schneider die Versammlung.
ten von Getränken nicht ausgedehnt werden dürfen. Ausnahmen dürfen nur in ganz' besonders gelagerten Fällen von den Kreisämtern zugelaffen werden.
„Die Wildnis flirfct."
Afrikaforscher Hans Schomburgk spricht.
Das Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, wartete gestern mit einer nicht alltäglichen Filmvorführung und Filmvortragsveranstaltung auf. Unter dem Titel „Die Wildnis stirbt" sah man interessante Bilder und hörte dazu den Afrikaforfcher Hans Schorn- bürgt, der durch seine Afrika-Forschungsreisen bekannt ist. In wirksamer Gegenüberstellung erlebte man Afrika „Einst" und „Jetzt", d. h. vor und nach dem Weltkriege.
Eingangs schilderte der Forscher, der von der Bühne zu den Besuchern sprach, das Zustandekommen seines Filmes und wies auf die Einmaligkeit einer Reihe von Bildern hin, die heute aufzunehmen unmöglich fei. Der Film fei auch nicht der Film einer Expedition, sondern eine Zusammenfassung der Ergebnisse vieler Reisen. Insbesondere dürfe der erste Teil des Films als ein Kulturdokument erscheinen, da er Bilder zeige, die in die früheste Zeit deutscher Kolonisationsbestrebungen führten. Der zweite Teil bringe die Entwicklung nach dem Weltkriege und die weitere Erforschung Afrikas mit modernen Verkehrsmitteln.
Mit großem Interesse folgte man dann dem Film, der von Schomburgk in vielen Einzelheiten erläutert wurde. Man fah im Bilde die ersten deutschen Pioniere der Kolonisation in Afrika, wje Lüderitz, Peters, Barth, Wißmann, Großherzog von Mecklenburg, Lettow-Vorbeck usw., und ah gleichzeitig Bilder von dem Aufbau der beut» chen Schutztruppe. Auch den bekannten Wissen- chaftler Robert Koch, der sich in hohem Maße um
der Herrenschneiderarbeit innerhalb des Vierjahresplanes hin, die in erster Linie in der Verarbeitung der neuen Werkstoffe bestehe. Durch neue Zu- schneideformen und Verarbeitung müsse jeder einzelne den an den Maßschneider gestellten Anforderungen gerecht werden. Die führenden Stellen haben durch die Erlaubnis des „Gütezeichens" dem Schneiderhandwerk eine große Auszeichnung verliehen.
Bezirksinnungsmeister A l l g e i e r (Frankfurt am Main) hielt sodann einen längeren Vortrag. Für den Herrenschneider heiße es, so führte er u. a. aus, sich von übernommenen Anschauungen freizumachen und seine Arbeit einheitlich so auszurichten, wie sie der Volkswirtschaft diene und sich in den Vierjahresplan einfüge. Der Schneider könne bei der Befreiung von ausländischer Einfuhr mit- wirken. Durch Fachabende und Schulungen werde auch dem Schneider in praktischer Weise zur Hand gegangen. Die' bedeutendste Frage hierbei sei die Einführung des „Gütezeichens". Im Schneiderhandwerk lasse sich nicht ein Mindestpreis einführen, weil die Arbeit des Schneiders dem Objekt Mensch gelte, der ganz verschieden sei. Nur der Kunde, der diese Grundbedingungen erkenne, werde die Arbeit des Schneiders zu würdigen wissen und roerbe der Maßarbeit treu bleiben. Die Bedingungen für die Führung des „Gütezeichens" feien streng, aber sie müßten die Arbeit in ein richtiges Verhältnis zum Preis bringen. Zu den fachlichen Voraussetzungen zähle u. a. die Fähigkeit der Kalkulation, Kenntnis der Werkstoffe und die einwandfreie Arbeit. An Hand der fachlichen Voraussetzungen für die Erringung des „Gütezeichens" zeigte der Bezirksinnungsmerster auch viele Kleinaufgaben, die jeder Schneidermeister in Zukunft zu meistern hat. In erster Linie empfahl er die Beachtung der Mode und die Befolgung der Anregungen des Reichsmodeamtes. Ein großer Teil der Schneider müsse durch Ergänzungskurse den Zuschnitt lernen, der jetzt von allen gefordert werde. In einem großangelegten Lichtbildervortrag über die Modetagung in München zeigte der Bezirksinnungsmeister bann noch viele Musterfchnitte und gab Anregungen für die künftige Arbeit.
Obermeister Hartmann gab einige Richtlinien für die zukünftige Winterarbeit in der Innung und machte auf den nächsten Zuschneiderkursus aufmerksam. Als nächstes Ziel sei die Durchführung von Derarbeitungskursen vorgesehen.
** Strom- und Gasgelber fällig. Die Direktion der städtischen Betriebe macht darauf aufmerksam, daß die Strom- und Gasgelder grundsätzlich bei der Ablesung durch den Erheber zu bezahlen sind. Bei Zahlungsverzögerungen über 8 bzw. 10 Tage hinaus entstehen den Strom- und Gasabnehmern Beitreibungskosten.
** Gefolgschaftsfeier der Bahnmeisterei I Gießen. Man berichtet uns: Die Gefolgschaft der Bahnmeisterei I Gießen veranstaltete am Samstag im „Schipkapaß" einen gut besuchten Kameradschaftsabend. Außer den durch Dienst und Krankheit verhinderten waren alle Kameraden erschienen. Gefolgschaftsführer, Reichsbahn-Oberinspektor Kaiser begrüßte die Arbeits- kameraden und ermahnte in seiner kurzen Ansprache zu steter treuer Kameradschaft, wie sie die schwere Arbeit der Bahnunterhaltung und -erneuerung immer wieder fordere. Eine vorzügliche Hauskavelle wartete mit guter Musik auf. Humoristische Vorträge und gemeinsame Gesänge trugen außerdem zur Verschönerung des Abends bei. Besonderer Dank gebührte dem Kameraden O p p e r, der durch seine Vorträge viel Freude auslöste.
** Unfälle. Ein 23jähriger Pferdepfleger aus der Licher Straße erlitt durch den Hufschlag eines Pferdes erhebliche Verletzungen am Unterleib. — 3n der Nähe des Güterbahnhofes stürzte ein junges Mädchen vom Fahrrad und erlitt eine Gehirnerschütterung. — Ein 23jähriger junger Mann zog ftch beim Sport einen Bruch des linken Unterschenkels zu. — Ein 56jähriger Schreinermeister aus Kassel erlitt bei einem Verkehrsunfall in der Frankfurter Straße einige Rippenbrüche. — Der in einem hiesigen Betrieb beschäftigte Gießereiarbeiter Wilhelm Pfeiffer erlitt einen Unfall. Durch flüs- figes Eisen erlitt er erhebliche Brandwunden am Unken Fuß und mußte von der Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht werden.
Aandine setz' sich durch
JRomon von
Hans «Joachim Freiherr» von Reitzenstein
Copyright by Carl Ouncker
15 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
„Sie meinen Blandine? Sie ist ja wirklich sehr nett. Aber man kann doch nichts Vernünftiges mit ihr unternehmen. Sie ist zu spießig erzoHen." Greta zog versonnen an ihrer Zigarette und stieß den Rauch mit einem leisen Seufzer wieder aus. „Ach, wissen Sie, das ist ein hoffnungsloser Fall. Sie hat so eine altmodische Mutter, die immer mit gezücktem Segen dasteht."
Schrader lächelte und reichte Greta die gewünschte Adresse.
„Danke", sagte sie und steckte sie in ihr Strau- ßenledertäschchen. „Dafür werde ich Ihnen auch meine Telephonnummer geben." Wahrend sie eine Besuchskarte beschrieb, fügte sie hinzu: „Wir brauchen doch nicht auf Kapps Rückkehr zu warten. Rufen Sie mich einmal an. Dann trinken wir eine Tasse Tee zusammen." Es schien ihr noch ein Gedanke zu kommen: „Vielleicht hole ich Fräulein Hertel auch dazu."
„Weiß Fräulein Hertel, daß Sie hier sind?" fragte Schrader in einem Zwiespalt der Empfindungen.
Greta stand auf. „Ach, immer Fräulein Hertel!" sagte sie unwillig. „Natürlich weiß sie nichts davon."
„Also verlegen Sie meine Adresse nicht und besuchen Sie mich einmal zum Tee. Es m".ß ja wohl nicht zu vieren sein?"
Sie lachte ihn kokett an und stand sehr hübsch und sehr elegant nor ihm.
Treibern dachte er noch einmal an Blandine und fragte:
„Aber zu dreien?"
„Das werden wir dann sehen. Wie sagen die Engländer? Two is Company, three is nonsense.“
Schrader sah ihr kopfschüttelnd nach, als sie gegangen war. „Ein hübsches, aber ganz verdrehtes Frauenzimmer", dachte er.
*
Blandine Hertel saß in dem kleinen, runden Erkervorbau ihres Zimmers am Schreibtisch. Wenn


