ltt.257 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)Mittwoch, 3. November (937
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Schwurgericht in Gießen.
Am gestrigen zweiten Tage der saufenden Schwurgerichtsperiode hatte sich der 26jährige Ernst Karl aus Nieder-Gemünden wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu verantworten. Der Anklage lag folgender Tatbestand zugrunde:
Am 31. Juli d. I. fand in Niedergemünden ein Dorfgemeinschaftsabend statt, an dem auch der Angeklagte Karl, sowie der verletzte gleichalterige Krug teilnahmen. Nach Schluß des offiziellen Teiles blieb eine Gruppe von Ortseinwohnern, darunter auch die beiden, eine Weile am Büfett stehen. Während der verletzte Krug und ein Zeuge sich um einen Kameraden bemühten, der etwas über den Durst getrunken hatten, und diesen nach Hause brachten, begab sich der Angeklagte mit noch zwei weiteren Zeugen in die Küche der Wirtschaft, wo sie sich mit der Tochter des Inhabers eine Weile unterhielten. Da dieses Mädchen offensichtlich dem einen Zeugen zugetan war, während sich der Angeklagte ebenfalls um sie bemühte, suchte er schon hier einen Streit vom Zaune zu brechen. Es entspann sich ein längerer Disput, der auch nach dem Verlassen des Lokals fortgesetzt, jedoch schließlich beigelegt wurde.
Zn diesem Augenblick kam der verletzte Krug mit den anderen Zeugen, die inzwischen den Betrunkenen nach Hause gebracht hatten, zurück und gesellten sich zu den auf der Straße Stehenden. Der Angeklagte suchte nun ein anderes Objekt, um sein Mütchen zu kühlen, und glaubte, in dem Verletzten die geeignete Person gefunden zu haben. Mit der Behauptung, Krug habe ihn bei dem Zeugen schlecht gemacht, -packte er diesen und stieß ihn mehrmals mit den Händen am Oberkörper. Obwohl an der Behauptung des Angeklagten kein wahres Wort war, verhielt sich der Krug zunächst passiv und verbat sich lediglich die Handlungsweise des Angeklagten. Er wies insbesondere darauf hin, daß es zu einer Auseinandersetzung nicht der geeignete Zeitpunkt sei, und erbot sich, dem Angeklagten am nächsten Tage, wenn beide nüchtern seien, Rede und Antwort zu stehen. Dabei betonte er noch, er habe auch nichts dagegen, daß diese Auseinandersetzung mit Messern vor sich gehen solle. Hierauf erwiderte der Angeklagte, er habe es nicht nötig, ein Messer zu Hilfe zu nehmen, da er sich ganz allein auf die Kraft seiner Fäuste verlassen könne. Trotzdem ließ er von seinen tätlichen Belästigungen nicht ab, so daß Krug sich genötigt sah, ihm einen Schlag ins Gesicht zu versetzen, der den Angeklagten zu Boden streckte. Dieser sprang nun wutschnaubend auf, zog sein Messer und brachte Krug einen Stich in der Schlüsselbeingegend bei. Trotz seiner Verletzung wehrte sich Krug heftig, und es kam zu einer Rauferei, die sich noch ein Stück Weges in Richtung der Wohnung des verletzten Krug hinzog. Schließlich ließen die beiden voneinander ab, und der Verletzte begab sich in seine Wohnung, wo er noch in derselben Nacht verstarb.
Der Stich hatte einen Nebenast der Hauptschlagader getroffen, so daß der Tod infolge Verblutens eintrat. Der Angeklagte lief nunmehr ebenfalls in seine Wohnung. Er traf dabei noch einen der Zeugen, dem er zurief, er solle abhauen. Zu Hause angekommen, ließ ihm sein Gewissen keine Ruhe, und er weckte seinen Bruder, dem er den Vorfall erzählte. Die beiden gingen nun gemeinschaftlich nochmals zu der Wohnung des Krug. Als sie hier laute Schreie vernahmen, kehrten sie wieder um und legten sich zu Bett. Am anderen Morgen wurde der Angeklagte aus dem Bett heraus von der Polizei verhaftet. Er zeigte hierbei ein recht renitentes Wesen. Auch als man ihn der Leiche gegenüberstellte, machte dies augenscheinlich keinen großen Eindruck auf den Angeklagten.
Dieser Sachverhalt wurde durch die sehr umfangreiche Beweisaufnahme festgestellt. Der Vertreter der Anklagebehörde bezeichnete den Angeklagten als restlos überführt. Er ging davon aus, daß Krug, als er dem Angeklagten den Schlag versetzte, in Notwehr gegenüber den Angriffen des Angeklagten gehandelt habe. Es stehe somit fest, daß der von Krug geführte Schlag nicht rechtswidrig sei, so daß der Angeklagte seinerseits nicht Notwehr für sich in Anspruch nehmen könne. Im übrigen deutete er die Möglichkeit an, daß der Angeklagte sich unter Umständen sogar eines Totschlags schuldig gemacht hätte, da dieser nach der Tat dritten Personen gegenüber Ausdrücke wie „Kaltmachen" und „Abschlachten" gebraucht habe. Da er von den Zeugen als rücksichtsloser Mensch geschildert wurde, der unter Einfluß von Alkohol lehr leicht zu Exzessen neigt, und auch nach der Tat keine Reue, sondern im Gegenteil große Gefühlsroheit zeigte, hielt der Staatsanwalt mildernde Umstände für nicht am Platze und beantragte eine Gefängnisstrafe von 4 Jahren.
Der Verteidiger vertrat den Standpunkt, daß der erste Vorfall abgeschlossen gewesen sei, so daß sich der von Krug geführte Schlag als neue Angriffshandlung darstelle. Gegen diesen Angriff habe sich der Angeklagte in Notwehr befunden, zum mindesten habe er der Meinung sein können, daß er hier in Notwehr handele. Wenn das Gericht jedoch zu dem Ergebnis käme, daß der Angeklagte schuldig im Sinne der Anklage sei, so bat er, dem Angeklagten seine begreifliche Erregung, in die er infolge des schmerzhaften Niederschlages geraten sei, zugutezuhalten und ihm im weitesten Maße mildernde Umstände zuzubilligen.
Auf Grund des Sachverhaltes schloß sich das Gericht im wesentlichen dem Standpunkt der Anklagebehörde an und erkannte wegen Körperverletzung mit Todeserfolg auf eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und 6 Monaten, wovon drei Monate durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten.
Aus der Stadl Giehen.
Astronomie im Handumdrehen.
Nicht jeder von uns weiß mit der Astronomie so Bescheid, wie er es gern möchte. Zwar hat wohl jeder von uns in feinem Bekanntenkreis irgend jemanden, der einer wandelnden Sternwarte gleicht, aber — wer mag dauernd Fragen stellen? Also muß man zusehen, auf eigene Faust klug zu werden. Doch wie? Da ist zum Beispiel der Tierkreis, von dem man oft etwas gehört hat, von dem man aber nicht recht weiß, wo er sich befindet, und was es mit feinen geheimnisvollen Zeichen auf sich hat.
Schneller als gedacht — gewissermaßen im Handumdrehen — werden wir alle 12 Zeichen des Tierkreises kennenlernen, als da sind: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau: Waage, Skorpion, schütze; Steinbock, Wassermann und Fische. Die ersten drei Zeichen sind die Frühlingszeichen (April, Mai, Juni), die folgenden drei sind die Sommerzeichen (Juli, August, September); die nächsten drei sind die Herbstzeichen (Oktober, November, Dezember); und endlich die letzten drei Zeichen sind die Winterzeichen (Januar, Februar, März). Auch wie diese Zeichen aussehen, werden wir erfahren, denn ihre Bilder schmücken die Monatsabzeichen der zweiten Reichsstraßensammlung, die am 6. und 7. November für das Deutsche Winterhilfswerk stattsind et.
Kennen wir so Namen und Bilder des Tierkreises, so wissen wir aber noch nicht, wo er liegt. Nun, der Tierkreis ist nichts anderes als ein gedachter Gürtel um den Himmel beiderseits der scheinbaren jährlichen Sonnenbahn (Ekliptik). In diesem gedachten Gürtel bewegen sich Sonne, Mond und die großen Planeten, und in ihm stehen auch in gleich weitem Abstand die auf- und absteigenden Zeichen des Tierkreises.
Indessen nicht nur die Sinnbilder des Tierkreises befinden sich auf den Novembet-Abzeichen des Winterhilfswerks, sondern jedes einzelne Abzeichen ist auch noch mit einem bunten, glitzernden Edelstein geschmückt. Es sind jene schönen Edelsteine, von denen wir nur die Namen Achat, Topas, Amethyst nennen, wie sie in Jdar-Oberstein schon seit Jahrhunderten geschliffen und bearbeitet werden.
Welch ein sinnvolles Beieinander stellen diese November-Abzeichen dar! Kann es ein geheimnisvolleres Bündnis geben, als dieses zwischen Edelstein und Tierkreis, in dem Himmel und Erde zu einem seltsamen Einklang verschmelzen?
Ein kurzes Wort noch über das Metall, aus dem diese November-Abzeichen geformt sind. Es trägt den Namen „Elektron". Was ist nun wieder Elektron? Nichts anderes als eine Legierung von Magnesium und Aluminium. Da in dieser auf elek- trolythischem Wege hergestellten Legierung mehr als 80 v. H. Magnesium enthalten ist, so ist dieses Metall noch leichter als Aluminium. Dank eines besonderen Spritzoerfahrens mit Nickellack erhält das kreisrunde Elektron-Abzeichen einen zarten matten Schimmer, der es zu einem begehrenswerten Schmuckstück macht.
So haben wir also, fast ohne es zu merken, weit mehr als Astronomie im Handumdrehen erfahren. Bleibt nur noch übrig, daß wir uns nicht lange besinnen, wenn uns am kommenden Samstag und Sonntag die Männer der SA., ff und des NSKK. diese schmucken Abzeichen anbieten, uns dieser „Tierkreise" zu bemächtigen, die, weil sie eben lehrreich, schmuck und wohlfahrtsfördernd sind, ganz bestimmt — im Handumdrehen Millionen Abnehmer finden werden.
Dornoiizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr: „Eine Nacht in Venedig". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Husaren heraus". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Wildnis stirbt", Hans Schomburgk spricht persönlich. — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr letzter
Tag der Ausstellung im Turmhaus am Brandplatz. — Institut für Leibesübungen und Skiklub Gießen: 20 Uhr Neue Aula der Universität Filmvortrag „Das Hohelied der weißen Kunst".
Sladtthealer Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend Wiederholung der Operette „Eine Nacht in Venedig", von Johann Strauß. Musikalische Leitung Joachim Popelka, Spielleitung Karl-Ludwig Lindt. Einstudierung der Tänze und choreographische Leitg. Irmgard Zenner. 6. Vorstellung der Mittwoch-Miete. Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.30 Uhr.
Hitler-Jugend.
Marinegef. 1/116.
Mittwoch, 3. November, Antreten im Dienstanzug um 20 Uhr in der Schanzenstraße zum Besuche des Afrikafilmes. Geld mitbringen.
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NSG. „Kraft durch Freude".
Volksbildungssiätte Gießen.
Im Laufe dieser und der nächsten Woche beginnen die folgenden Vortragsreihen: 7167D
1. D i e deutschen Kolonien.
Professor Dr. Klute: Die deutschen Kolonien besonders in ihrer wirtschaftlichen und geopolitischen Bedeutung".
Beginn: Donnerstag, 4. November 1937, 20 Uhr, Geographisches Institut, Brandplatz 4.
2. Die Vorgeschichte der hessischen Heimat.
Dr. Jorns: Einführung in die Vorgeschichte.
Beginn: Freitag, 5. November 1937, 20 Uhr, im
Oberhessischen Museum, Brandplatz 2.
3. Volksdeutsche Arbeit.
Beginn: Mittwoch, 10. November, in einem Hörsaal der Universität.
Nähere Mitteilungen erfolgen in der Presse.
Theatervorstellung.
Am Sonnabenb, dem 6. November 1937, 20 Uhr, „Große KdF.-Miete", Gruppe I (3. Vorst.):
„Ufa von Naumburg."
Schauspiel in 3 Akten von Felix Dhünen.
Eintrittspreis —,90 RM.,
Karten sind noch im Vorverkauf auf der Kreisdienststelle, Schanzenstrahe 18, und durch die Betriebswarte erhältlich. 7181V
Winlerurlaubsfahrlen 1937/38.
Die „Kraft-durch-Freude"-Fahrten im Winterhalbjahr 1937/38 sind in dem soeben erschienenen Monatsheft der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" bekanntgegeben. Das Heft ist bei den Kreisdienststellen Gießen und Wetzlar und durch alle Warte der NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude" für nur 10 Pfennig erhältlich. 7180V
WHW. Ortsgruppe Süd.
Kohlenabrechnung.
Die Kohlenhändler werden aufgeforbert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine der Serie „A" am Donnerstag, 4. November, von 19.30 Uhr bis 20.30 Uhr auf der Geschäftsstelle, Crednerstraße Nr. 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine werden nicht mehr angenommen. \
Bund Deutscher Mädel.
rNäbelgruppe 3/116.
Diensfbefehlk
Der heutige Guppenappell fällt aus. Er findet Freitag, 5. November, statt. Am Donnerstag tritt um 19.30 Uhr die Singschar im Heim an. Der Heimabend für Schar 4 fällt aus. Der Volkstanz am Freitag wird 8 Tage veschoben.
Schärfere Maßnahmen
der Preisüberwachungsstelle Hessen.
Lpd. Nachdem das Gesetz zur Durchführung des Vierjahresplanes, Bestellung eines Reichskommissars für die Preisbildung unb die auf der Grundlage dieses Gesetzes erlassenen Verordnungen fast ein Jahr in Geltung sind, kann erwartet werden, daß die Bestimmungen auf dem Gebiet der Preis-
RU H L Seliersweg Nr. 67
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bildung und Preisüberwachung genügend bekannt sind und beachtet werden. Die Stelle für die Preisbildung bei der Hessischen Landesregierung sah sich deshalb veranlaßt, die Kreisämter und Pvlizei- birettionen anzuweisen, die Preisüberwachung in schärferem Maße als seither zu handhaben. Verkäufer und Käufer, die bei ihren Geschäften den zulässigen Preis überschreiten, haben für die Folge hohe Strafen zu erwarten. Es ist Pflicht jedes einzelnen Volksgenossen, sich vor Abschluß von Kaufverträgen aller Art über den zulässigen Preis zu vergewissern. Soweit besondere Preise nicht festgesetzt, oder Ausnahmen nicht zugelassen sind, dürfen nach der Verordnung über das Verbot von Preiserhöhungen vom 26. November 1936 (Reichsgesetzblatt I, Seite 955) die am 17. Oktober 1936 gültigen Preise nicht überschritten werden.
Von der Universität.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:
Der vrdentl. Professor für innere und gerichtliche Veterinärmedizin an unserer Universität Dr. Hein- reich Jakob ist von der holländischen Gesellschaft
Kundgebung zur Woche des deutschen VucheS.
Heinrich Zillich liest im Goethe-Bund.
Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen, Goethe- Bund und Kaufmännischer Verein, und der örtliche Arbeitsausschuß zur Buchwoche hatten für gestern abend zu einer Kundgebung aus Anlaß der Woche des deutschen Buches 1937 in die Neue Aula eingeladen. Der festlich geschmückte Raum war stark besucht. Oberbürgermeister N119 ter ergriff zu Beginn das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der u. a. etwa folgendes ausführte:
Von der Reichsregierung sei wieder wie im vorigen Jahre zur Woche des deutschen Buches aufgerufen worden, die heute auch in unserer Stadt eröffnet werden solle. Die Reichsregierung lege mit dieser Veranstaltung, die sich über das gesamte Reichsgebiet erstreckt, besonderen Wert darauf, das ganze Volk daran zu erinnern, sich mit dem Buche als dem Mittler deutschen Geistesgutes zu beschäftigen Und wir können uns heute auch wieder mit gutem Gewissen damit beschäftigen, denn heute herrsche wieder Ordnung und Sauberkeit auf Dem deutschen Büchermärkte — ich Gegensatz zu Nachbarländern, in denen, wie früher bei uns, Schmutz unb Kitsch feilgeboten werde. Heute könne man m"eber mit SBertrauen in jebe deutsche Buchhandlung binein-eden Di- Z-nlur, di- au-, Anweisung der Reichs? g erung ausgeübt werde, frage, nur danach, ob ein Buch der Volksgemeinschaft diene und ge- eigne" sei den deutschen Menschen zu bilden und /u heben So finden wir heute unendlich vieles auf dem Büchermarkt, was uns für unf-r ganzes
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der sich ,-Ibst kein Buch kau,en kann, - ns Am Geschenk erhält - zumal tn der b-W b-giNN-rwen Weihnachtszeit. Auch diese Krel - d-- Volkes mu^ ten mit den schöpferischen Kräften der Na Berührung gebracht werden. Dies sei eine ber
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Q.trifh der früher schon einmal im Goethe- Bm,d gelten hat und in diesem Jahre für feinen
Roman „Zwischen Grenzen und Zeiten" mit dem Literaturpreise der Stadt Berlin ausgezeichnet wurde, las — mit einer dunkel gefärbten, männlich festen Stimme, die den großen Raum mühelos füllte — zunächst eine Novelle „Die gefangene Eiche". Die Erzählung beginnt mit einer ruhigen, ganz epischen Schilderung des mächtigen Baumes, der Achse und Mittelpunkt der bäuerlich-heimatlichen Landschaft bildet; allmählich gewinnt dieses Stück Natur lebendige und schicksalhafte Beziehung zur menschlichen Umwelt: es erhebt sich innerhalb einer kleinen Dorfgemeinschaft ein mit wachsender Erbitterung geführter Streit nicht sowohl um den Baum selbst, als vielmehr um den Boden, auf den er seinen Schattenkreis wirst, zwölf Meter im Geviert. Um diesen Boden geht der Kampf, der Baum wird zum Streitobjekt, an dem die Geister sich scheiden. Der junge Bauer, dem der Grund nach dem Gesetz gehört, verteidigt seinen Besitz mit verbissener Zähigkeit gegen die Eingesessenen, die wiederum den Zugewanderten bekämpfen und mit Haß verfolgen als einen Fremden, der sich ihrem ungeschriebenen Gesetz nicht fügen will. Die Erzählung, die so gelassen begann, steigert sich dramatisch in der Schilderung des nächtlichen Kampfes um den Baum, der von seinem Besitzer zur befestigten Stellung ausgebaut und zuletzt mit dem Gewehr, aus der Krone heraus, verteidigt wird. Der Tod des greifen Führers der Bauern und der Tod des Besitzers enden den Streit; nun ist der Baum endlich aus feiner unnatürlichen Gefangenschaft erlöst. —
Nach einer kleinen Pause las Zillich zwei Gedichte, von denen das erste sich innerlich sinnvoll an'die Novelle anschloß, in schwerblütigen Versen den Jahreskreis bäuerlichen Lebens beschwörend. Das zweite, „Komme, was da will", hat einer Lyriksammlung Zillichs den Namen gegeben, ein stilles, befriedetes, männliches Gedicht, ruhend in einem tiefen, unerschütterlichen Heimatgefühl.
Den Ausklang der Vorlesung bildeten zwei Abschnitte aus dem Roman „Zwischen Grenzen und Zeiten", in dem sich, über einen weiten Zeitraum verteilt und mancherlei Schauplätze umgreifend, der Untergang Oesterreichs im Erlebnis junger Menschen Siebenbürgens spiegelt. (Eine Probe daraus hatten wir unfern Lesern bereits im Feuilleton mitgeteilt.)
Der erste der beiden Ausschnitte spielt vor dem Kriege in Siebenbürgen, führt in die Kinderzeit des Dichters zurück, beschreibt Landschaft und Menschen einer andern Heimat im fremden Lande und gipfelt in der halb rührenden, halb heiteren Schilderung eines Weihnachtsfestes in Siebenbürgen, zu dem der Vater feinem kleinen Sohn einen Esel
beschert und einen rumänischen Hirten als Nikolaus an den deutschen Christbaum führt.
Der zweite Ausschnitt war eine Episode aus dem Kriegsjahre 1916 in (Siebenbürgen, beim Einzug deutscher Truppen in die Stadt Schäßburg. Dies war ein unerhörtes Erlebnis, und es sammelt sich im Roman in der Gestalt eines alten mannhaften Siebenbürgers, der beim Einzug der Deutschen eine Leitung legt von seinen Weinfässern im Keller auf die Straße hinaus und die Vorüberziehenden Mann für Mann, soweit sein Schlauch reicht, so primitiv wie köstlich bewirtet und tränkt. Die wiederum zugleich komische und rührende Szene mit dem Leopoldsorden schloß die Episode ab.
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Reicher Beifall der aufmerksamen Hörerschaft galt dem Dichter. Im Namen des Goethe-Bundes sprach Dr. Irautmann ein Schlußwort, in dem er den Dank an den Dichter, den Herrn Oberbürgermeister, die zahlreich erschienenen Besucher und an die Veranstalter des Abends abstattete. Der erste Dichterabend und der Beginn der Buchwoche seien nicht zufällig miteinander verbunden; jedermann müsse sich bewußt sein, daß auch das von Dr. Goebbels verkündete kulturfördernde Unternehmen der Buchwoche in Deutschland vom Führer inspiriert sei. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer wurde die Kundgebung geschlossen.
Hans Thyriot.
Oer kleinste Kalender.
Bald kommt wieder die Zeit, in der der deutsche Verlagsbuchhandel mit Hunderten von neuen Kalendern für das Jahr 1938 auf dem Markt erscheint. An alles ist dabei gedacht, jeder Bedarf ist berücksichtigt, nur in einem haben die Urgroßväter ihre heutigen Nachfahren übertroffen: sie brachten Kalender heraus, die zu den kleinsten Büchern überhaupt gehören. Eine solche winzige Spielerei wird in einer Anzeige vom Jahre 1817 angekündigt, die im „Grundgescheuten Antiquarius" erschien. Die Leipziger Buchhandlung von Th. Seeger kündigte zum Preise von 36 Kreuzern einen „Almanach für das Jahr 1818" mit sechs Vignetten an. Von dem Büchlein heißt es: „Dieser außerordentlich kleine Almanach ist mit einer Stahlfeder auf Kreide gezeichnet und enthält außer den Namenstagen das Alter der größten und der bedeutenderen Regenten." Dann folgt die Angabe, daß der Almanach 14X11 Millimeter groß ist, in das heutige Maß umgerechnet, und „ungeachtet auf jeder Seite 16 Zeilen stehen, fo ist die Schrift deutlich zu lesen. Ein alle
gorischer Umschlag und goldener Schnitt zieren das kleine Buch, welches als Bijou häufig in Gold gefaßt ist und bei Damen einer freundlichen Aufnahme sich zu erfreuen hat."
Zeitschristen.
— „Ser Naturforscher", vereint mit „Natur und Technik", Hugo Bermühler Verlag, Berlin- Lichterfelde. Das November-Heft bringt wieder eine Anzahl Aufsätze aus den verschiedensten naturwissenschaftlichen Gebieten von ersten Sachverständigen und ist mit herrlichen Naturaufnahmen bebildert. Professor Dr. Bischof schrieb zu ausgezeichneten Aufnahmen von Ernst Krause einen Aussatz über Schneckengehäuse als Bienenwohnungen. Dr. habil. Steiniger veröffentlicht seine Forschungen über tierische Hypnose, Sichdrücken und Abwehrhandlungen von Vögeln und führt mit treffenden Aufnahmen in das Gebiet der Tierseelenkunde ein. Dr. Günther Becker berichtet von Beobachtungen über die Brutpflege der Kamptozoen, unterstützt von guten mikroskopischen Aufnahmen. In das Gebiet der Chemie führt ein leichtverständlicher Aufsatz von Professor Winderlich über Fluor und feine Verbindungen, der gute Aufschlüsse über das noch wenig bekannte Element gibt. Zwei Aufsätze, die auch hinsichtlich des Bierjahresplanes Beachtung verdienen: Dr.-Jng. Conrad Herrmann berichtet von der Herstellung der Kunstseide und der Zellwolle. Professor Dr. Boas behandelt „Dürre und Hochleistungselemente". Dr. Dietrich schreibt über: „Bewegung und Herkunft des Golfstromwassers". Kleine Beiträge aus allen Gebieten, Forschungsergebnisse, Anregungen zur Naturbeobachtung (Sternschau im November), die Bücherschau, die Uebersicht über die Neuerscheinungen und die beliebte Preisfrage schließen das Heft ab.
— Das zweite Heft der Kulturschrift des Westmarkgaues, „Der Grenzgau Koblenz- Trier", herausgegeben von der Gauleitung, Propagandaamt, Nationaloerlag G. m. b. H., Gauverlag der NSDAP. Koblenz-Trier, ist erschienen: ein stattlicher, gut aufgemachter Band, ist mit zahlreichen, vorzüglich wiedergegebenen Bildern. „Vertiefung des Heimatgefühls und Stärkung des Stolzes, der Nation Adolf Hitlers anzugehören", sind, nach dem Vorwort des (Bauleiters Gustav Simon, die Ziele der Kulturschrift im (Baugebiet. Aus dem reichen Inhalt seien genannt die Beiträge über Schloß Bürresheim in der Eifel, über Heinrich Lersch, über das Bauernhaus in der Eifel und das Volk an der Mosel, über die Dichtertagung in Oberwesel und über das Siedlungswerk im Westmarkgau.
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