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Nr. 257 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch. Z. November (957

Für den Büchertifch

Aus dem Zeiialier der Reformation

Gestalten und Bilder im Schritt derZahrhnnderte

:enn man außer dem

inneren staltung was sie

sie den Scheitel in der Neufassung des Verhältnisses Zwischen England und den im Weltkrieg tatsächlich mündig und unabhängig gewordenen Dominions. So steht Georg V. an einer bedeutsamen Zeiten­wende britischer Geschichte. Seine lautere Persön­lichkeit hat die monarchische Institution in England gestärkt zu einer Zeit des Wandels von der Aristo­kratie zur Demokratie, in der die Society unter den die großen Vermögen vernichtenden wirtschaftlichen Umwälzungen und dem wachsenden Druck der breiten Schichten des arbeitenden Volkes ihre poli­tische Bedeutung zu einem guten Teil einer neuen Führerschicht hat abtreten müssen. Diese Grund­linien der Rolle Georgs V. in der Geschichte des modernen Englands klar herausgearbeitet zu haben, ist das Hauptverdienst dieses Buches.

von Molo gewählten, bereits genannten Hölderlin- Wort dem Buche noch ein anderes Motto mitgeben wollte, zur Beherzigung für den Leser, so müßte es wohl bei Lessing zu finden sein, in derHam­burgischen Dramaturgie", wo verschiedentlich über das Verhältnis des Dichters zur Geschichte in einer

Vater und Sohn",Königit Szenen aus demVolk". W>

noch heute gültigen und verpflichtenden Weise ge- c\ Hans Thyriot

tungsbeilage dargeboten, soIns Heilige Land" .Königin Luise stirbt" und

des Ausdrucks ermöglicht es zugleich, daß die dar­gestellten Menschen häufig und im Stile ihrer Zeit denken und reden können, ohne uns Heutigen fremd und fern zu erscheinen. Wie die bewegenden Gei­stesmächte, repräsentiert in ihren großen Persön­lichkeiten und kleineren Mitläufern, aus dem Dun­kel der Vergangenheit lebendig und elastisch her­vortreten, wie sie das Schicksal vor unseren schärfer sehenden Augen noch einmal zum Kamps um das Reich führt, das haben wir bereits imKaiser und Herzog" bewundernd miterlebt, wo Hohenstaufen und Welfen, Römlinge und Deutsche aufeinander­trafen, das erfahren wir nun auch in diesem Buch Über das beginnende Reformationszeitalter, wo wiederum auf Kosten einer erneuerten Reichsein­heit innerdeutscher Zank und außerdeutsche Macht- polltik ihre Triumphe feiern. Alle Hoffnungen, die sich stützen auf religiöse Glaubenskämpfer wie Lu­ther, auf gelehrte Zauderer wie Erasmus und Me- lanchthon, auf politische Geister wie Hutten und Sickingen, auf revolutionäre Bauern führe r wie Berlichingen, Florian Geyer, Thomas Münzer, oder gar auf Kaiser und Fürsten als Vertreter der alten Reichsordnung, alle diese Hoffnungen müssen begraben werden. Sie scheitern an der völligen Plan- und Zusammenharrglosigkeit der getrennt handelnden Erneuerer, die jeder für sich nicht stark genug sind, in diesem glückverheißenden Augenblick, da das Mittelalter zerfällt und das Volk zur to­talen Revolution drängt, das Steuer der Welt­geschichte auf deutschen Kurs zu drehen. Auf der Schwelle der Neuzeit stehen als Sieger über die Reichsidee die Geldmacht Fuggers, die Hausmacht Habsburgs und die Kirchenmacht Roms.

Heinrich Evers.

ohne Deutschland" ... und neben diesen bekannten und erlauchten erscheinen immer wieder namenlose und unberühmte Gestalten, aus alter und neuer Zeit, von denen nicht mehr zu sagen wäre, als daß auch in ihnen ein Teil unseres Volkes sichtbar wird, ein Stück ewigen deutschen Wesens sich spiegelt. Die Gestalten Friedrichs des Großen und der 'Kö­nigin Luise sind in diesem Buche wohl am ein­dringlichsten und einläßlichsten beschworen. Die SzenenDer.große Fritz im Kriege",Luise im Osten" undFriedrich Staps" gehören zu den lange unvergeßlichen: sie werden auch für den, der etwa gelegentlich stilistische Einwendungen vorzubringen hätte, zu den Meisterleistungen dichterischer Ge­schichtsschreibung zählen. Das Buch ist übrigens auch deswegen, sehr bemerkenswert, weil es lehrreiche Einblicke gewährt in Molos Arbeitsweise und künst­lerische Entwicklung, indem es zum Teil Vorarbei­ten und erste Niederschriften zu selbständigen Wer­ken enthält, die inzwischen, manche seit langem, in endgültiger Form vorliegen, wie die Fridericus- Trilogie, die Romane um Schiller, Luther, List und Eugenio von Savoy. Gerade wer diese Bücher kennt und liebt, wird mit Genuß und Gewinn in dem neuen Bande lesen und ihn neben jenen andern in seiner Bücherei nicht missen wollen. Wer aber noch gar nichts oder nur weniges von Molo kennen sollte, dem könnte man kaum ein Buch nennen, das unmittelbarer und vielfältiger in seine dichterische Welt einzuführen geeignet wäre. Einige der im Endlosen Zuge" zusammengefaßten Erzählungen haben wir unseren Lesern bereits in der Unterhal-

Walter von Molo: Der endlose Zug. Gestalten und Bilder im Schritt der Jahr­hunderte. 392 Seiten. Holle & Co., Verlag, Berlin. (387) lieber dieses Buch, in welchem Walter von Molo Teile aus den seit langem vergriffenen BändenIm Schritt der Jahrhunderte" undIm Zwielicht der Zeit" in endgültiger Fassung mit neuen und noch ungedruckten Arbeiten vereinigt hat, ist als Motto gesetzt der berühmte Hölderlin- VersLebe droben, o Vaterland, und zähle nicht die Toten! Dir ist, Liebes, nicht einer zu viel gefal­len." Kaum ein Wort könnte schöner und sinn­voller stehen über einer langen Reihe von Bildern und Gestalten, die den endlosen Zug des deutschen Volkes und des deutsches Geistes durch die Welt­geschichte beschwört: hier ist ein vielfarbiges, groß­artiges, oft erschütterndes, ein an Stimmen und Figuren reiches Panorama alter und neuer Ge­schichte unseres Volkes, aus unumstößlichen histori­schen Gegebenheiten und dichterischer Phantasie zu einem Gesamtbilde von visionärer Eindringlich­keit geformt. Derendlose Zug" beginnt in ger­manischer Frühzeit und reicht bis in unsere Gegen­wart hinein. Die einzelnen, oft nur kleinen Ab­schnitte wirken auf den Leser wie Kapitel aus dem Roman meines Volkes", wie Molo früher den Schlußband der Fridericus-Trilogie begrenzend ge­nannt hatte: inzwischen hat sich der Blick geweitet und auf das Ganze gerichtet, und dasVolk" der Befreiungskriege erscheint in diesem größeren Zu­sammenhänge nur als eine, freilich mit ungeheurer Verpflichtung beladene Generation. Zwischen den äußersten Polen, mit denen der Zug der Gestalten und Bilder sich begrenzt, entfaltet sich eine Fülle lebendigen, gelebten Lebens im geschichtlichen Raume der Nation: da sind die Szenen vom Kreuz­ritterzuge und vor der Sendlinger Bauernschlacht, das Augsburger Religionsgespräch und der Toten­tanz der Helfensteiner 1526, Friedrich im Sieben­jährigen Kriege, Schiller in Jena, Nostitzens Erzäh­lung vom Tode Louis Ferdinands, Friedrich Wil­helm HL, Königin Luise, Stein, Blücher, Scharn-

Werner Beumelburg: Reich und Rom. Aus dem Zeitalter der Reformation. Ger­hard Stalling Verlag, Oldenburg i. O. (Berlin), Ganzleinen 7,60 RM. (368) Aus der Reihe derBücher vom Reich" legt uns Beumelburg ein neues großes Werk in die Hand. Es ist ja keine fortlaufende Nacherzählung der deutschen Reichs­geschichte, die hier in zahllosen lehrhaften und dick­leibigen Bänden versucht wird solcher Aufgabe würde irgendein Handbuch oder Nachschlagewerk genügen sondern es scheint die Absicht Beumel- burgs zu sein, mit dichterischen Mitteln und doch mit historischer Treue nur jene Episoden unserer Nationalgeschichte zu beschreiben, in denen die ge­schichtsbildenden Kräfte, miteinander oder gegen­einander wirkend, aufs Positive ober aufs Negative gerichtet, um die Reichsidee mit besonderer Stärke kreisen. Es sind die entscheidenden Wendepunkte, die tiefsten Gefahrenzonen und höchsten Hoffnungs­gipfel der deutschen Reichsgeschichte, an denen sich die Erzählkunst Beumelburgs erprobt. Und wir wissen, daß dies Nationalepos notwendigerweise tragischer Natur sein muß. Was aber solches Wis­sen, das auch der Verstand als Ergebnis einer historischen Untersuchung liefern könnte, uns zum Resultat heißen Gefühlserlebens werden läßt und damit doppelt und dreifach in unserem Gedächtnis befestigt, das ist die unnachahmliche Art, in der Beumelburg die Zeiten zum Sprechen bringt, statt über sie zu sprechen. Schlicht und einfach, ohne stel­zendes Pathos und ohne gesuchten Effekt, aber voll verborgener, glühender Kraft in den zuchtvoll ge­formten Sätzen schreitet die Erzählung in diesen Büchern fort und entwickelt die Dinge nach den ihnen innewohnenden Gesetzen. Die Verhaltenheit

horst, Napoleon und Zar Alexander von Rußland, I handelt wird, der unglücklich-geniale Friedrich List,ein Deutscher'

Walter Görlitz: Georg V., 25 Jahre englische Politik. Mit 15 Bildtafeln. Preis in feinen geb. 7 Mark. Verlag Quelle & Meyer, Leipzig. (282) Es ist kein geringes Unter­fangen, kaum zwei Jahre nach dem Tode König Georgs V. eine Darstellung seines Lebens und seiner Zeit zu versuchen. Der Versuch wird für einen deutschen Geschichtsschreiber dadurch noch delikater, daß es nötig wird, kaum vergessene Zeiten in allen Details heraufzubeschwören, an die man in Deutschland und England nur mit Erbitterung zu denken vermag und in denen auch König Georg, der sich trotz seiner Abstammung von rem deutschen Großeltern ganz und ausschließlich als Engländer fühlte und für deutsches We,en niemals Verständ­nis aufgebracht hatte, den auch mit feinem Vetter, Kaiser Wilhelm H niemals em wärmeres Ver­hältnis verbunden hat, eine pointiert deutschsemü- liche Stellung einzunehmen sich veranlaßt suhlte, die lediglich durch seinen guten Geschmack und seine durch und durch vornehme Gesinnung gedampft wurde. König Georg hat vor dem Weltkrieg sich auch stets als Vollstrecker des außenpolitischen Testaments seines Vaters betrachtet, er hat wie sein Vater alles getan, was an ihm lag um d e Bindungen zu Frankreich und Rußland so eng wie möglich zu gestalten, und er hat den Zusammens mit Deutschland kommen sehen, wenn er ihn auch nicht gewünscht haben mag. Aber Georg war nicht wie sein Vater die treibende Kraft beiber ® - ftaltung der außenpolitischen Dinge Seme Starke sag in seinem zum Ausgleich neigenden Charakter, der ihm vorwiegend in . der inneren Politik die große Aufgabe mustergültig losen ließ, seinem Volk in Zeiten schwerster sozialer Spannum gen die Anpassung seiner Regierungssormen an bie neränberten Z-it->erhi>ltnisse ->hn- w-sentl.ch- äeiTberung ihrer ®runbtenben.;en zu erleichtern. So lient d-r Schwerpunkt bet Wirkung b.eser nach nffpn Seiten hin vermittelnden, aber doch ftnmer bt? SM0Mt. bi« Irnbitinn, bas englische Wesen : .o inbcn Persönlichkeit bes Königs WtUch und hier erreichte

chung dieses Planes beginnt nun dieses gewalt­tätige Spiel, das die ehedem unberührte Schönheit dieser Landschaft zerstört, ihre Menschen vernichtet oder der Heimat beraubt und alles in den Abgrund reißt, nur das ,Werk' nicht, das mit Blut, Not und Tränen erkaust wird und um dessentwillen die grau­same Verwüstung geschieht. Es ist ein Spiel um den höchsten Einsatz, hüben wie drüben: denn der es spielt, nimmt die Gefahr auf sich, inmitten der italienischen Irredentisten Unruhe und Verwirrung zu stiften, um ihre drohenden Anschläge zu ver­eiteln. Ein Getriebener ist er, von niemandem ge­liebt, aber von allen gehaßt. Er wächst, von feiner Tat besessen, über sich selbst hinaus, entfremdet sich seinem alten Geschlecht und wird sich zuletzt selber fremd, er verrät alles, was ihn an die Menschen- weit bindet und gibt, weil er der Kraft des Opfers vertraut, sein Leben, seine Vergangenheit und seine Zukunft preis für den Gewinn dieses einen Werkes. Wie er diese Tat vollbringt, wie sie ihn allmählich umklammert und wie sie immer erschreckender von ihm Besitz ergreift, bis sein Inneres in völliger Umnachtung erlischt, diese erregenden seelischen Dor- gänge liegen vor aller Augen hier offen, von einem Dichter geschaut.

Otto Wirz, Rebellion der Liebe. Roman. Leinen 3,20 RM. Eugen Rentsch Verlag, Leipzig. (401) Eine Liebeserzählung, in der Zwei Menschen, ein Artillerieoberst und ein ganz junges Mädchen nach einem einzigen langen, ge­meinsamen Sommertag, verbracht an den Ufern eines Schweizersees, an dem sie miteinander über alle Dinge zwischen Himmel und Erde reden kön­nen, sich endgültig zusammenfinden. Der Reiz des Buches liegt in der zarten Gestalt des Mädchens, einer jungen Seele, voller Begeisterung für die Welt des Geistigen, tiefsinnig, 'spottlustig, voller Leidenschaft für Logik und Philosophie und doch jung und lebendig, altklug und rührend zugleich, wie sie der reife Mann mit dem Blick der Liebe erfaßt, versteht und mit einem kleinen Spott über sich selber anbetet

der Sonderstellungen ihrer Völker geschaffen hatte, zerbrach der liebereifer und die Hast ihres reform- wütigen Sohnes Joseph II., der durch die Ueber- fpannung des zentralistischen Prinzips in wenigen Jahren verdarb, was die große Mutter schrittweise aufgebaut hatte. Die eigentlichschicksalsbildende Zeit" in der Geschichte Oesterreichs ist die Aera des Kaisers Franz I. und Metternichs. Kampf gegen den Zeitgeist drinnen und draußen, Zauderpolitik und Finanzmisere schufen eine Situation, in der sich alles gegen das System stellte, das den Staat während eines halben Jahrhunderts verkörperte und ihn zu völligem Stagnieren verurteilte, wäh­rend draußen in der Welt die folgenschwersten Wandlungen auf allen Lebensgebieten vor sich gingen. Ist dies gleichsam bas Vorspiel des Buches, so liegt sein Hauptakzent auf der sehr eingehenden und aufschlußreichen Darstellung des Zeitalters Franz Josephs, in dem sich Oesterreichs. Tragödie vollendete. Pessimismus aus Grundsatz, Leicht­fertigkeit und Willkür wurden charakteristische Züge einer Regierung, die sich aus dem Dilemma, führen zu sollen, ohne den Entschluß dazu zu finden, nicht anders zu retten wußte, als daß sie die Nationen gegeneinander ausspielte, wobei die Deutschen, das einzige Volk mit ausgeprägter Staatsgesinnung, den brutal vorgebrachten Forderungen der Tsche­chen und Polen, Ungarn und Serben meist ge­opfert wurden, ohne indessen deren Wünsche jemals ganz befriedigen und sie dadurch zu festen Säulen der Monarchie machen zu können. Schwäche und Halbheit, das ewigeZu spät" begleiteten Oester­reichs innere und auswärtige Politik auf dem Wege zu Zusammenbruch und Weltkrieg. So ist Bibls Buch, das in ungewöhnlich reichem Maße zeitge­nössische Quellen anführt, um zu zeigen, wie sehr in allen Epochen dieses verhängnisvollen Schicksals­ablaufes die Kritik der Gutgesinnten versucht hat, sich Geltung zu verschaffen, ein düsteres Bild vom Versagen der zur Führung berufenen Männer vor einer gewaltigen Aufgabe, der sie bei manchen An­sätzen und manchen großen Leistungen im einzelnen doch aufs Ganze gesehen nicht anders beizukommen verstanden hatten, als mit dem Rezept desFort­wurstelns", das den Grafen Taaffe zum berüchtig-! ten Symbol eines ganzen Systems gemacht hat.

Fr. w. Lange.

Fr. W. Lange.

Viktor Bibl: Die Tragödie Oester- r e i ch s. Verlag Johannes Günther in Leipzig und Wien. (243) Dies Buch behandelt nach dem Vorwort des Verfassers, des auch im Reich be­kannten und hoch geschätzten Historikers der Wiener Universität, die Leidensgeschichte des Ostmarkdeut­schen, der vor tausend Jahren aus seinem Vater­land gezogen, jahrhundertelang der Träger des habsburgischen Völkerreiches gewesen ist, um nach dessen Zerschlagung durch die Feindmächte des Welt­krieges für die dem alten Oesterreich angelasteten Sünden büßen zu müssen. Das Buch spürt den tiefen Ursachen der Auflösung des Habsburgerreiches nach, dessen tragische Funktion es war, die Völker zu zer­reißen, denn seine Grenzen schnitten überall mitten durch lebendige Nationalgebiete hindurch. Das Fehlen einer Staatsidee, der Mangel an innerer Einheit wurde die Krankheit der Donaumonarchie. Mit dem Tode Maximilians begann die Tragödie Oesterreichs, es wuchs aus Deutschland hinaus, ohne als österreichischer Staat eine innere Ferti­gung zu gelangen. Der Ratschlag des Prinzen Eugen, der durch die Verheiratung der letzten Habs­burgerin Maria Theresia mit dem bayrischen Thron­folger Oesterreich für alle Zeiten in Deutschland verankern wollte, wurde von Karl VI. verworfen. Maria Theresias große Tat wurde die Hebung der ' Kraftquellen der Monarchie, ihre Umge- zu einem modernen Staatswesen. Aber in weiser Mäßigung und kluger Schonung

Neue Gedichte.

Anton Schnack: Die Flaschenpost. Ein Gedichtbuch. 97 Seiten. Geb. 2,80 RM. Paul List Verlag, Leipzig. (309^ Anton Schnack ist den Lesern des Feuilletons und der Unterhaltungs­beilage aus vielen Beiträgen seit Jahren befannt Einige seiner Bücher haben wir früher schon be­sprochen; dieses neue,Die Flaschenpost" über­schrieben, ist eine Sammlung von Gedichten, in denen sich Schnacks lyrische Grundhaltung noch deut­licher, ungebundener, freier in der schweifenden Phantasie abzeichnet als in den meisten seiner Prosa­stücke, von denen dasKleine Lesebuch" eine feine Probe gibt. Die Gedichte, die man hier lieft, sind zum großen Teil nicht das, was man musikalisch nennen könnte, sie leben nicht aus dem Wohllaut einer schönen, klingenden Form, und der Leser wird bald bemerken, wie sorglos und unbekümmert Reim und Rhythmus oft behandelt sind. Dennoch kann niemand leugnen, hier einer reinen und unverfälsch­ten Lyrik zu begegnen. Die Sammlung gliedert sich in vier Abschnitte: Jugendlegende Buch der Fa­milienbilder Weltfahrt Heimkehr: der Aufbau ist folgerichtig und innerlich begründet: das Ganze rundet sich so, die vier Gedichtkreise gehen gleichsam ineinander über, und der Ausklang weist ganz selbst­verständlich auf den Anfang zurück. Sehr klar sind die beiden großen Lebens- und Erlebnisräume um­schrieben, aus denen jedes dieser Gedichte ohne Aus­nahme gespeist wird: die mainfränkische Heimat und die weite, große, abenteuerliche Welt; zwischen diesen beiden Polen, die sich wechselseitig bedingen, entfaltet sich der ganze lyrische Reichtum'des Buches. Kaum anderswo ist der Glanz und Zauber der fränkischen Landschaft so stark beschworen. Man begreift die un« löslichen Bindungen, die den Mann dieser geliebten Heimat zugehörig machen, und merkwürdigerweise auch die romantische Unruhe des Blutes, das von der Ferne und Weite der Welt immer aufs neue in goldene Abenteuer verlockt und verstrickt wird. Es find in diesem Gedichtbuch Kostbarkeiten zu fin­den, die man lange nicht vergißt; einige feien ge­nannt:Der Flur- und Weinschütz",Der ein Reiter war",Die Flaschenpost des Kolumbus", Der mit Konradin geritten ist",Dem Main ge­widmet" undVerteidigung der Gedichte".

Hans Thyriot

Deutsche Erzähler.

GeorgBritting: Derbetränzte Wei- her. Erzählungen. 107 Seiten. Biegsam gebunden 2,20 Mark. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München 1937. (347) Den Lesern der Unter- baltungsbeilage und des Feuilletons wird Georg Britting als Novellist und als Lyriker nicht unbe­kannt sein; von den Erzählungen dieses Bandes sind beispielsweiseDer bekränzte Weiher" undDer Sturz in die Wolfsschlucht" bei uns erschienen. Aus den sechs Geschichten, die das schnkale, schmucke Buch vereinigt, formt sich das Bild des Erzählers Brit­ting in ausgeprägter Eigenart. Besonders charak- teristisch erscheint uns das bodenständig-bayerische Element, das sich weder im Sprachlich-Stilistischen, noch im Stofflich-Gegenständlichen und in den Schauplätzen verleugnen kann und will. Sehr eigen­tümlich und kaum verwechselbar ist Brittings Er­zählweise, die sich oft durch eine barock anmutende Sprach- und Bildfülle auszeichnet, die ausmalend und dennoch zugleich vortreibend wirkt. Im Thema sind die sechs Erzählungen ganz verschieden und wirken auch verschieden auf den Leser ein: teils mehr beschreibend, schildernd, rückerinnernd, teils mit jenem Besondern, dem Einmaligen einer Begebenheit ober eines Erlebnisses, das zur echten Novelle gehört; dabei kann der äußere Anlaß, daserregende Ele- ment" gering und unscheinbar sein: man spürt, dies scheint wesentlich, hinter dem Alltäglichen immer bas Ungewöhnliche, die Seelenkräfte, das Schicksal- hafte und Metaphysische, bas eine Begebenheit erst des Erzählens wert macht unb im Dichterischen be­glaubigt. Hans Thyriot.

Franz Turnier,Der Ausfüh­re n b e". Roman. Preis in Leinen gebunden RM. 5,50. Albert Langen/Georg Müller, Verlag, Mün- chen. (347)Der Äusführende" ist der be­waffnete Mensch', ber einen gegebenen Auftrag ausführt, ohne um Sein oder Nichtsein zu fragen. Er erhält zwei Jahre vor Ausbruch des Weltkrie­ges den Befehl, an der italienischen Grenze ein Festungswerk zu bauen. Unb mit ber Verwirk»-

DerdeutscheSoldatimWelttneg. hn"7i»"S erdeutsche Soldat." Briefe aus dem Weltkrieg. Vermächtnis. Herausgegeben von Rudolf Hoffmann. Mit einem Geleitwort des Reichs­kriegsministers Generalfeldmarschall von Blom­berg. In Leinen gebunden 4,80 Mark. Verlag Albert Langen-Georg Müller, München. (275)_

Was aus diesem Buche mit mahnender Kraft zu uns spricht, ist die Stimme aller deutschen Front­soldaten aus allen Schichten, Ständen unb Stäm­men, die Stimme aller berer, bie ihr Hoffen unb Glauben unb ihre Bereitschaft zur Tat so schlicht vor uns ausbreiten, baß wir vermeinen, bas Leben selber komme zu Wort unb uns vor diesem Ver­mächtnis in tiefer Ehrfurcht beugen. Die Tugenden des deutschen Soldaten, deren die ganze Welt mit Achtung und Bewunderung, aber auch heimlicher Furcht gedenkt, hier erstrahlen sie aufs neue im hellsten Glanze: die Liebe und Treue zum Vater­land, die selbstlose ufrb freiwillige Hingabe zum Opfer, ber Adel des Dienens und die Zucht der Kameradschaft, verwegene Tapferkeit und uner­schrockener Mut bas ist bas Bilb echten deutschen Soldatentums, wie es sich im Weltkrieg an allen Fronten gezeigt hat. Schweigend erfüllten die Frontkämpfer ihre Pflicht unb wuchsen dabei über sich selbst hinaus in ihrem Kämpfen und Glauben Welche Erschütterung geht nicht von den Briesen jener aus, die sich über bas Schicksal unseres Volkes Rechenschaft geben und fest darauf vertrauen, baß ihr Tod den Weg bahnt zu einem Wiedererstarken der kommenden Geschlechter, zu einem neuen, kampf­bereiten Leben und zu einer neuen deutschen Welt Sie haben ihr Leben dem Vaterlande geopfert, aber ihr Geist lebt und wird als Vermächtnis in uns weiterwirken für eine größere Zukunft. Die Briefe, die sie uns hinterlassen haben, seien be­wahrt als ein Werk, bas Vergangenheit, Gegen­wart und Zukunft verbindet und darum seinen Platz hat unter den unsterblichen Büchern des deut­schen Volkes.

Alexander Langsdorfs: Flucht aus Frankreich. Kriegserlebnisse eines jungen Soldaten. Mit 27 Zeichnungen von Heinz R a e b i - ger und einem Vorwort von Reichsführer Hein- rich Himmler. 168 Seiten. Seinen 3,50 RM. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München, 1937. (286.) Dieser Bericht ist in seiner männ­lichen Haltung ein echtes Zeugnis deutschen Solda­tentums; aus ihm spricht der Geist der deutschen Jugend, die sich auch in feindlicher Gewalt zu ihrem Vaterland bekannte und nur von dem einen Willen beseelt war, die Freiheit wiederzugewinnen zur! Rückkehr an die deutsche Front. Als junger Kriegs­freiwilliger geriet Langsdorff 1916 in französische Gefangenschaft. Kaum ins Lager eingeliefert, schmiedete er alle erdenklichen Pläne zur Flucht, die er Zug um Zug in die £at umsetzte. Die ersten vier Fluchtversuche scheiterten zwor, ja, der erste lieferte ihn dem französischen Kriegsgericht aus und hätte beinahe zu seinem Tode geführt. Erst als er das fünfte Mal ausbrach, konnte er sich, vom Glück begünstigt, in die Heimat durchschlagen. Was er in diesen zwei Jahren erlebt hat, ist in seinem wirk­lichen Verlaus gefährlicher und abenteuerlicher als es die beste Abenteurergeschichte auch nur entfernt erfinden kann. Das Buch wird mit seinen frischen, den Geist dieser Taten widerspiegelnden Zeichnun­gen, bie Heinz Raebiger beigesteuert hat, vor allem ber deutschen Jugend ein Vorbild geben.

W i r jagen deutsche U-Boote. Von Admiral Campbell. Uebersetzt und bearbeitet von E. Freiherrn v. Spiegel. 233 Seiten und 31 dokumentarische Photos. Leinen 2,85 Mark. C. Bertelsmann, Verlag, Gütersloh. (292) Don der Tätigkeit der berüchtigten U-Bootfallen während des Weltkrieges erzählt dieses Buch des englischen Admirals. Als der deutsche U-Bootkrieg England fast auf die Knie zwang, hat Campbell die Abwehr­waffe der U-Bootfalle vervollkommnet und selbst wirksam angewandt. Aber Campbell ist stets ein ritterlicher Gegner gewesen, ber endlich doch seinen Meister gefunden hat. Des Krieges Haß und Leiden­schaften zwischen zwei großen Völkern sind ausge­löscht; Frhr. v. Spiegel, der einst selbst zu den Reingefallenen" gehörte, hat diesen Erlebnisbe­richt eines schneidigen Gegners auch uns Deutschen in flotter Uebersetzung zugänglich gemacht.

poM und Geschichte.