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Zreltag.Z. September <*>3Z

Ur. 205 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Die Fahrt der oberhessischen SA. nach Amnberg

23.32

15. 9.:

den

Die Marschteilnehmer von Oberhessen sind in

22.38

1.31

dem

cmfal-

Gießen zum jeweiligen Ta­us dem Berkaus benutzt das

Gloria-Palast (Seltersweg):Madame Bovary

sorgsame Planung und umsichtige Leitung INästereibetriebs ermöglicht es dem EHW., der gegenwärtigen Futtergrundlage durch-

2.50

3.09

3.27

3.53

3.02

3.11

3.30

ernte.

Die des auf

Friedberg Bad-Nauheim Butzbach Gießen

ab 17.57 18.25 18.50 19.12

ab 21.06 23.42

Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): der Herr Minister".

auf ge-

Die Marschteilnehmer der S A.- B r i g a d e 14 7 Oberhessen treten am 10. September die Fahrt nach Nürnberg zum Reichsparteitag an. Für den Zug ist folgender Fahrplan vorgesehen.

18.21

18.37

18.56

durch

22.23 J

Gießen Butzbach Bad-Nauheim Friedberg Aschaffenburg Würzburg

Stadt und den Häusern an der Hardt, die Aus­schachtungsarbeiten für den großen Stall im Gang. Nach der Straßenseite zu wird derjenige Teil des Baues zu stehen kommen, der im Erdgeschoß die Dämpfküche, die Futterküche und im ersten Ober­geschoß die Wohnung des Schweinemeisters ent­halten wird. Unmittelbar daran schließt sich dann das eigentliche langgestreckte Stallgebäude für etwa 200 Schweine an.

Nach der Inbetriebnahme dieses INästerel-

Täglich hören wir in den Straßen von Gießen das bekannte Klingeln der Sammler von Küchen­abfällen für die S ch w e i n e m äst e r e i des Er­nährungshilfswerks (EHW.) in Gie­ßen, das im Rahmen der Aufgaben der NSV. betrieben wird. Die Männer in dem grauen Arbeits­anzug mit dem grauen Sammelwagen sind allen Volksgenossen zu einer vertrauten Erscheinung des täglichen Lebens geworden.

Dank der verständnisvollen, einsatzfreudigen Mit­arbeit unserer Gießener Hausfrauen, denen bei die­ser Gelegenheit Anerkennung für ihre breitwillige Förderung des guten Werkes des EHW. ausge­sprochen sei, können diese Sammler auf ihren Fahr­zeugen täglich große Mengen von Futterstoffen für die Schweinemästerei des EHW. zusammenbringen.

Waren es vor einigen Monaten, als das EHW. feine Arbeit in Gießen aufnahm, täglich etwa 20 Zentner Küchenabfälle (Kartoffelschalen, Gemüsereste ufro.), so ist diese Abfallmenge aus unfern Gießener Haushaltungen mittlerweile auf rund 40 Zentner täglich gestiegen.

Dabei wird bei dieser Abfallsammlung nicht das mit erfaßt, was in den Gaststätten an Küchenab­fällen im Spülicht zusammenkommt, denn diese Gasthausabfälle werden vielmehr nach wie vor der von früher her dafür gegebenen Bestimmung zu-

fchniltlich in vier Monaten rund 200 Schweine schlachtreif auszumästen. Dieser Vorgang wie­derholt sich im Verlaufe eines Jahres dreimal, fo daß also das EHW. in Gießen alljährlich rund 600 ausgemästete Schweine für die Ver­sorgung unserer Volksgemeinschaft zur Ver­fügung stellen kann.

Wenn man bedenkt, daß dieses großartige Ar­beitsergebnis fast ausschließlich aus der Verwer­tung der Küchenabfälle erzielt wird, die früher in allen Haushaltungen in den Mülleimer wanderten, so wird jedermann in überzeugender Weise die große Bedeutung dieses gemeinnützigen Betriebes klar werden, man wird aber auch erkennen, welche ungeheuren Werte in früheren Jahren ungenutzt in den Abfall kamen und dadurch im wahrsten Sinne des Wortes zum Schaden der Volksgemein­schaft verschwendet wurden. Daß damit jetzt Schluß gemacht ist, haben wir alle dem großen Aufbau durch den Vierjahresplan und vor allem dem Füh­rer und seiner Bewegung als Bahnbrecher und Wegweiser zu einer neuen, besseren Zeit zu ver­danken. An diesem Werke auch weiterhin mit aller Tatkraft mitzuarbeiten, ist nicht nur Pflicht aller

Gebäudes soll der Betrieb des EHW. eine noch breitere Grundlage als bisher stellt werden.

Zelten 1016 der Gruppe Hessen an der Hechen- bergerstraße neben der Gruppe Hochland unter­gebracht. Der Abmarsch zur Luitpoldarena erfolgt am 12. 9. um 4 Uhr von Lager Langwasser. Hessen marschiert beim Vorbeimarsch vor dem Führer als letzte Gruppe vor der Standarte Feldherrnhalle und der SS.

geführt.

Die Schweinemästerei, die provisorisch in den Stallungen auf dem Hofgut Heibertshausen bei Daubringen eingerichtet wurde und gegenwär­tig dort noch betrieben wird, konnte in den letzten Tagen die er st en ausgemästeten Schweine, annähernd 40,zu Schlacht- z w e ck o n verkaufen. Der Absatz der ausge­mästeten Schweine erfolgt durch die Diehoerwer- tungsgenossenschaft in Gießen zum jeweiligen Ta­gespreis. Den Erlös aus dem Verkauf benutzt das EHW. zum Ankauf neuer Schweine, bei dem stets Läuferschweine erworben werden, da von dieser Grundlage aus die Mästung der Tiere natürlich schneller vonstatten geht. Der Verkauferlös findet weiterhin Verwendung zur Beschaffung von Kraft- futtermitteln, die als Ergänzungsfutter neben den Küchenabfällen an die Schweine gegeben werden, außerdem zur Bestreitung der verhältnismäßig ge­ringen Betriebs- und Derwaltungskoften.

Der bisherige provisorische Betrieb der Schweinemästerei soll nunmehr wie ur­sprünglich bereits vorgesehen war in einem eigenen Gebäude des EHW. seinen Platz finden.

Nürnberg-Rang.-Bhf. Würzburg

Von Nürnberg-Einfahrbahnhof Marsch nach Lager Langwasser.

Die durch die Sammlung der Küchenabfälle lende Futtermenge von gegenwärtig 40 Zentnern täglich, wird auch bei dieser Intensivierung des Mastereibetriebes die Hauptfuttergrundlage bilden. Trotzdem wird es, wie bisher schon, auch künftig so sein, daß ein erheblicher Teil der Futtermenge nicht sofort verwendet werden kann, sondern da auch die überaus freßlustiaen Schweine nicht das ganze Tagesquantum an Futter vertilgen können ein erheblicher Teil in Silos eingesäuert und als Futter-Reserve bereitgehalten, insbesondere auch zur Verwendung in der etwas abfallärmeren lieber» gangszeit zwischen der alten und der neuen Kartoffel-

Volksgenossen, sondern wird ihnen auch im Hin» blick auf derart erfreuliche Ergebnisse, wie sie jetzt bereits im Ernährungs-Hi.lfswerk Gießen zutage treten, ein Anlaß zu besonderer Freude und zu berechtigtem Stolze sein.

Neue Ortsbausatzung.

Der Oberbürgermeister brinat heute die vom Reichsstatthalter in Hessen'Landesregierung genehmigte Ortsbausatzung für das Stadtgebiet zwischen der Eisenbahn GießenFulda, dem Alten Steinbacher Weg und dem Alten Friedhof zur öffentlichen Kenntnis. Diese Ortsbausatzung ist mit der Veröffentlichung in Kraft getreten.

Rückfahrt am 14.9.: an

600 Mastschweine durch Küchenabfälle

Erfreuliche Entwicklung des Ernährungs-Hilfswerks in Gießen.

11.9.: Nürnberg-Einfahrbhf.

Hinfahrt am 10.9.: an

Aus der Stadl Gießen.

Das Lied der Dreschmaschinen.

Wieder singen die Dreschmaschinen. Wer kennt nicht ihr Lied, wenn es über der weiten Landschaft liegt! Tief und voll und gleichmäßig tönt es, voller Ruhe und Harmonie ist dieser Maschinengesang. Nichts haftet ihm an von der Unrast und Dis­harmonie des Lärmes, die wir in unseren Städten so oft empfinden. Scheint es uns nicht so, als wenn das Brummen der Dreschmaschinen genau so zur Natur gehöre wie alle die Laute ihres Lebens, wie das Schreien der Krähen im Spätherbst oder das Geplärr der Frösche im Frühling? Wir denken an das Korn der Erde, das nun vom Felde geborgen ist und seinen Weg zum Brot des Menschen geht.

Des Menschen Wege sind oft in die Irre ge­gangen. Es gab einst eine Zeit unsere Erinne­rung an sie ist noch ganz wach, da sagte man: Unsere Kühe weiden am La Plata, unser Korn wächst in Manitoba. Und das Korn war eine Handelsware wie Kaffee, wie Parfüms und Photo­apparate. Ja, mehr noch: es war ein Spielball der Spekulanten, die sich auf dem Wege vom Acker zum Brotkorb herumtrieben und die Frucht der Erde verschacherten und verschoben. Die Börsen notierten bald hohe, bald niedrige Preise nicht etwa, um Angebot und Nachfrage zu regulieren, sondern um beim Steigen und Fallen der Preise ihren Gewinn ober Verlust einzustreichen. Es sind nicht einmal viele dabei reich geworden, aber das Volk wurde arm, und der Bauer arbeitete von früh bis spät und hatte für seine Arbeit keinen Lohn. In dieser Zeit war auch das Brot, gering geachtet. Sein Vorhandensein schien eine Selbst­verständlichkeit; man warf es fort, wenn man glaubte, zuviel davon zu haben. Sein Wert wurde lediglich vom Verkaufspreis bestimmt, den die Spekulanten in ihren Händen hatten. Sein ideeller Wert war gleich Null.

Aber als dann in Deutschland der Bauer eines Tages wieder im Mittelpunkt, im Kernpunkt des Volkes stand, weil ein Mann dieses Volkes ihn aus der Mißachtung ins Licht emporgehoben fjatie, da hörte auch das Korn und damit das Brot auf, eine Ware zu sein, mit der sich spekulieren ließ. Da war es das wichtigste aller volkswirtschaftlichen Güter geworden, und einzig bas Volk unb ber Staat hatten nun über seinen Preis zu bestim­men. Damit stieg ber ideelle Wert des Brotes und es würbe roieber bas, was es früher gewesen war: die köstliche, unersetzbare Frucht ber Erbe, ohne bie wir Menschen nicht wären. Eisen unb Holz finb wichtig, Maschinen finb wichtig, Häuser, Brücken unb Eisenbahnen finb wichtig, aber was wären sie, wenn ber Mensch nicht wäre, ber sie nutzt unb ber ohne bas Brot ber Erbe nicht leben kann.

Wir Deutschen sinb heute ein Volk, bas sich aus Schmach unb Not roieber zur Höhe emporgearbeitet hat. Aber wir sind auf uns selbst angewiesen, wenn wir bas halten wollen, was wir haben, unb unse­ren Weg nach oben weitergehen wollen. Wir müssen unsere Kräfte und die Kräfte unserer Erbe kennen, um sie nutzen zu können. Wir müssen bas, was die Natur unb unsere Erbe uns schenkt, auch wie ein Geschenk ansehen, bas man nicht achtlos fort- roirft, säubern mit dankbarem Herzen annimmt unb nutzt. Wir müssen im Brot wieder mehr sehen als ein bloßes Nahrungsmittel, das man ohne weiteres durch andere ersetzen kann, ober als eine Ware, an der möglichst viele mühelos verdienen wollen.

Schon immer hat uns das Lied ber Dresch­maschinen seltsam angerührt. Schon immer war es so, baß uns ihr Brummen, bas über bem weiten Laube liegt, lange noch in den Ohren nach- flang wie ein Lieb aus urewiger Zeit. Heute aber finb wir uns vielleicht seiner tiefen Bebeutung be­wußter geworben. v. d. R.

Dornotizen.

Tageskalenber für Freitag.

* Unfälle. Eine 24jährige Hausangestellte aus ber Licher Straße zog sich durch einen Unglück- lichen Sturz eine schwere Knieoerletzung zu. Ein 23jähriger junger Mann, ebenfalls aus der Licher Straße, erlitt bei ber Sportausübung eine schwere Verletzung an btr linken Hanb. Am gestrigen Donnerstag gegen mittag geriet ein vierjähriger Junge in ber Frankfurter Straße gegen ein Mo­torrad und mußte, ba er babei verschobene Ver­letzungen erlitt, sofort in bie Chirurgische Klinik gebracht werben.

* Zusammen st. Gestern gegen 11 Uhr ereignete sich an ber Alten Bürgermeisterei (an ber Gartenstraße) ein Zusammenstoß zwischen einem Lastkraftzug ber Reichsbahn (ber von ber Frank­furter Straße her gefahren kam) unb einem Per­sonenkraftwagen, ber vom Lubwigsplatz her bie Kreuzung passieren wollte. Glücklicherweise entstand nur Sachschaden. Die beiden Kraftwagen bildeten gerume Zeit ein Verkehrshindernis.

Schöffengericht Gießen.

Gestern hatte sich der M. F. aus Bad-Nauheim wegen Beleidigung und Körperverletzung vor dem Schöffengericht zu verantworten. Der Angeklagte ist Besitzer eines Gartens, in dem er sich ein Beet mit Blumen angelegt hatte. Eines Tages bemerkte er, daß ein Nachbarssohn sich im Garten zu schaffen machte und das Beet zerstörte. Der Angeklagte mochte aus diesem Grunde der Mutter des Kindes Vorhaltungen und bat sie, dafür Sorge zu tragen, daß dies in Zukunft nicht mehr passiere. Trotzdem wiederholte sich der Vorfall einige Tage später noch einmal. Als der Angeklagte daraufhin erneut bei der Mutter des Kindes vorstellig wurde, kam es zu erregten Auseinandersetzungen, in deren Verlauf er der Frau mit der Hand ins Gesicht schlug. Der An­geklagte gab diesen Vorfall zu, bestritt aber, im Gegensatz zu den Darstellungen der Frau, auf das entschiedenste, sie getreten oder sonst noch beleidigt zu haben. Vielmehr behauptete d?r Angeklagte, die blutunterlaufenen Stellen am Körper der Frau rührten von Mißhandlungen ihres geschiedenen Mannes her. Die Feststellungen ergaben, daß die Zeugin tatsächlich aus diesem Grunde von ihrem Manne geschieden worden ist. Auf Grund dieses Sachverhalts regte der Vorsitzende eine vergleichs­weise Erledigung der Sache an. Er gab dem An­geklagten anheim, sich bei der Zeugin zu entschul­digen und eine Buße von fünf RM. an die NSV. zu zahlen. Der Angeklagte erklärte sich mit dieser Regelung einverstanden, worauf die verletzte Ehe­frau den Strafantrag zurücknahm.

Weiterhin stand der W. Sch. aus Trohe wegen Verstoßes gegen das Branntweinmonopolgesetz vor dem Schöffengericht. Der Angeklagte betreibt in Trohe eine kleine Brennerei, in der ihm gestattet ist, jährlich bis zu drei Hektoliter Weingeist zu bren­nen. Bei gelegentlichen Kontrollen wurde festgestellt, daß er erheblich mehr Rohmaterialien eingemaischt, ober jedenfalls hochprozentigere Stoffe verarbeitet hatte, als ihm an sich zustanden. Der Angeklagte bestritt entschieben, sich in irgendeiner Weise straf­fällig gemacht zu haben, gab jeboch die Möglichkeit zu, daß sein geistesschwacher Knecht größere Mengen, als zulässig, verarbeitet habe. Die Unrichtigkeit die­ser Behauptung ergab sich schon daraus, daß der Angeklagte, der durch diese Manipulationen die doppelte'Menge Alkohol erzielte, in seinen Büchern nur die normale Menge eintrug. Auf Grund eines

nie tiuuuti) . Seit vorigen Montag sind unmittelbar am Glei- ,Mein Sohn, berger Weg an der rechten Straßenseite, etwa aus halber Strecke zwischen den letzten Hausern der

Madame Bovary."

Gloria-Palast.

Während im Lichtspielhaus Birabeaus politische Komödie vom Herrn Minister über die Leinwand rollt, erscheint im Gloria-Palast ein neuer Film, der ebenfalls auf eine französische Fabel zurückgeht, auf eine sehr andere freilich, unpolitische und unzeitge­mäße, nicht witzig, sondern tragisch im Kern der Handlung, aus einer längst historisch gewordenen Welt des vergangenen Jahrhunderts: bie Ver­filmung von Flauberts berühmtem Roman Mabame Bovary". Es ist bie traurige Geschichte vom verfehlten Leben, vom ungestillten Glücks- hunger unb bem schmerzlichen Enbe einer kleinen französischen Provinzlerin. Wir kennen sie aus Flauberts meisterlicher Schilberung, wir finben sie roieber in ben schnell vorüberziehenben Bildern, aber indem wir bekannten Dingen und Gestalten begegnen, stoßen mir auch wieder auf die alte, oft erörterte Problematik der Verfilmung literarischer Vorlagen, im besonderen des Verhältnisses zwischen Roman und Film als zweier grundsätzlich anders­artigen Kunstsormen, der Verwandlung und Auf­lösung eines epischen Vorganges in eine von Natur aus wesentlich auf optische Mittel angewiesene Dar­stellung. Hans Neumann schrieb das Manuskript, Erich Ebermayer das Drehbuch; wer allein den äußeren Umfang des Originals von Flau- b e r t betrachtet, wird sich klarmachen, welche Ar­beit hier in der Verwandlung für die Kamera zu bewältigen war: der Film mußte sich notwendig auf eine Reihe von Hauptszenen beschränken, er mußte, um den Zusammenhang der Handlung und der inneren Entwicklung zu wahren, verdichten, zu­sammenziehen, umstellen, verändern, vereinfachen unb zugleich auch ben epischen Ablauf beschleu­nigen; bas blieb nicht ohne Einfluß auf bie Wir­kung einzelner Szenen wie mancher Gestalten, unb es wirb für ben Beschauer nicht ohne Reiz sein, an Hanb bes Buches zu verfolgen, wie das hier nur angedeutete Verhältnis bes Films zum Roman im einzelnen beschaffen ist; abgesehen von solchem, an sich reizvollen Vergleich, würben wir es als eine ber bankbarsten Wirkungen bieses (wie jebes ähn­lichen, alsg literarischen) Films betrachten, wenn er ben Beschauer vom Bilb zum Wort, zum Buch, zu Flauberts Roman hin ober zurück führte: eben weil ber Film mit bem Wort roieberum naturgemäß sparsam umgehen muß, kann er nur anbeuten ober ahnen lassen, was ber Erzähler, auf seinem eigensten Felbe, sehr eingehend, ganz ungestört unb

3n der Versuchsanstalt für Luftfahrt.

Der Besucher der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Ablershof bei Berlin empfängt von den phantastischen Konstruktionen des gewaltigen Werkes einen Eindruck, als ob ein Regisseur die Kulissen zu einem Film aufgebaut hätte, der auf einem anderen Planeten spielt. Riesige bizarre Formen stehen vor ihm. und er hört ein Heulen und Rauschen des Luftstrvmes und beobachtet tobende Massen, die an Modellen vorbeifegen, knatternde Umdrehungen von Propellern, kurz, alles verseht ihn in eine nicht alltägliche Welt. Und doch ist alles im einzelnen llar durchdacht und in seiner Anordnung auf die einfachste Formel gebracht; unvorstellbar scheinende Borgänge liegen, wenn man in den Mehstand steigt, in gedruckten Protokollen da. eine komplizierte Waage hat treulich die Versuche ausgezeichnet.

Im Beiprogramm: bie neue Ufa-Wochenschau; Oasen-Bilder aus Libyen; ein Vorspann zuPat unb Patachon im Parabies." Hans Thyriot.

Beschauer ben ßeibensroeg ber kleinen Doktorsfrau in 9)omülle miterleben, ihren Ehrgeiz unb ihre Scheu, ihre Sehnsucht nach Schönheit, Glanz unb großer Welt, ihre Liebe unb ihre bittere Enttäu­schung, ihre Angst unb ihre Verzweiflung. Den Doktor Bovary gibt, was man vielleicht nicht er­wartet hätte, Aribert Wäscher: eine vorzügliche Leistung, bie alle Züge bes Urbilbes aufweist, bie ben Mann freilich fast rührenb erscheinen läßt in seiner Hilflosigkeit unb ihm gewisse Sympathien zuwenbet, auf bie jener Charles bei Flaubert kaum Anspruch erheben kann. Ferbinanb Marian spielt ben Robolphe, in glaubwürdig bestechenber Maske unb Erscheinung, wenn auch Nicht ganz ber primitive, brutale unb kühl berechnenbe Gutsherr, ben per Roman schildert. Gut unb, wie uns scheint, allenthalben im Sinne Flauberts wirken Werner Scharf als Löon, Alexanber Engel als Homais unb ganz besonders Paul Bildt als ber gerissene unb skrupellose Geschäftsmann L'heureux. Sehr treffenb ferner in episodischen Rollen Katha­rina B r a u r e n , Olga Limburg, Karl Hell­mer, Franz Stein unb Ebuarb v. Winter- ft e i n , an besten (bei Flaubert überflüssiger) Rolle man beispielhaft beobachten kann, welcher Mittel sich bie Transfiguration vom Roman zum Film be= bient. Dr. Giuseppe Becce schrieb bie Musik; an ber Kamera stand Karl Hasse Im ann, bem bie technisch unb künstlerisch untabelige Photographie zu verbackten ist. (Terra.)

unabgelenkt tun kann unb muß: Voraussetzungen schaffen, eine Vorgeschichte berichten, eine seelische Entwicklung schildern, innere Beziehungen her­ausarbeiten.

*

Man wird schon aus dieser kurzen Gegenüber­stellung die Grenzen erkennen, die beide Kunst­formen trennen, unb bie Schwierigkeiten roürbigen, bie einer Umformung ober Neugestaltung entgegen» stehen. Der Film löst also einzelne, im Gesamtab­lauf enkscheibenbe Stationen aus bem stetigen Fluß ber Erzählung heraus unb reiht sie als (vielfach nur kurze, meist langsam abgeblendete) Bilder anein­ander. Der Regisseur Gerhard Lamprecht hat sich in bie Zeit ber Erzählung zurückversetzt, Kostüm unb Umwelt getreu, mit manchen reizvollen Einzel­heiten, nachgebilbet, bie eigentümlich lastenbe, enge unb bumpfe Atmosphäre ber kleinen Provmzstabt aufgespürt unb eingefangen mit ihren bichten, sich vielfältig berührenben unb kreuzenben menschlichen Beziehungen unb Leibenschaften, bieses trübe Ge­misch aus muffiger Spießigkeit, Neugier, Klatsch, Geschäftsneib unb Sensationslust, aus Morastchnuf- felei unb erpresserischem Wuchertum er hat Haupt- unb Nebengestalten im Umriß bem Ori­ginal nachgebilbet, auch ber kleinen bie große unb glänzenbe Welt, nach ber bie Sehnsucht, ber Ehr­geiz, bie Eitelkeit unb Sinnenfreube ber Frau Emma Bovary verlangen, gegenubergefteUt: m ber von Flaubert ähnlich vorgebilbeden feubalen Ge- ,ellfchasts,z-ne im Hause des Marquis von Ander- villier. Lamprecht hat endlich, was dem Raman (in solcher Sinnsälligkeit) versagt bleiben mußte, mit Geschick durch Symbol- angebeutet was der Er­zähler an äußerer und innerer Entwicklung au seine Weile gestaltete; man beachte, welche Rolle die leblosen Dinge, die unpersönlichen Elemente im Filmbild spielen, wie sie die Ereignisse begleiten und akzentuieren: etwa die von der Postkutsche gefallene und in Scherben aus der Straße liegende Amorfigur aus dem Hausrat der Bovarys die Schachpartie, der loten,chadel. der herbstliche Garten im Wind, die Schatten eines Gelanders wie Gitterstäbe vor einem Gefängnis, aus bem es feine Flucht gibt... *

Dola Negri spielt die unglückliche Bovary, unb man kann sich gut vorstellen, baß eine solche Erscheinung bem Dichter als Helbin seines Romans vorqeschwebt hat: von einer so zarten unb muben, immer ein wenig schmerzlichen unb melancholisch beschatteten Anmut; bie Negn hat sich empfindsam unb oerftänbnisDoU in bie Figur hineingelebt, sie spielt verhalten unb doch ausdrucksvoll, sie laßt Den

Am eindruckvollsten ist. wie eine Schilderung der Anstalt inReclams Universum- zeigt, der mächtige Windkanal, der von den Besuchern viel­fach als Lindwurm bezeichnet wird, der seinen mächtigen grauschimmernden MetaUeib durch das Gelände windet. Er hat in seinem Inneren zyklo­pische Ausmaße, so daß Modelle bis zu einer Spann­weite von 4,5 Metern untersucht werden können. Solche Untersuchungen sind notwendig, wenn es sich um Klärung der aerodynamischen Verhältnisse an einem Flugzeugrumpf oder in seiner nächsten Bähe handelt, während für die Tragflächen und Tragwerke im allgemeinen das Ausprobieren an kleineren Modellen genügt. Die Luft im Windkanal strömt frei durch den Mehraum und wird in einem einzigen Kanal zurückgeführt. Der reihende Luft- strom wird durch ein gewaltiges Gebläse erzeugt, das aus einem Drehstrommotor mit einer Acht- flügelfchraube besteht, dessen Höchstleistung etwa 2750 PS beträgt und damit die höchste Luftge- schwindigkeit an der Düse Hervorrufen kann. Zur beliebigen Einstellung der Luftgeschwindigkeiten sind die Schraubenblätter des Geblütes verstellbar: die Regelung des Luftstroms ist bis in das kleinste gewünschte Mah möglich. So sind in den Düsen- tammern Schlitze angebracht, durch die die Luft austreten kann; dabei wird die hier dem Strahl entzogene Luftmenge so geregelt, dah die Luftge- fchwindigkeit innerhalb der Mehstrecke die gleiche bleibt.

Die Modelle, die untersucht werden sollen, werden an Drähten aufgehängt, und es sind außerordentlich feine Einrichtungen für die Prüfung geschaffen, vor allem eine Sechskomponentenwaage, zu der sechs Drähte laufen und die das Ergebnis von Wider­stand. Auftrieb, undMomenten" bekannt gibt. Der Fluggast von heute hat kein Wagnis mehr vor sich, sondern das Wagnis hatte das Flugzeug vor sich, als es die Prüfung in Adlershof bestehen muhte. Durch die moderne Technik ist die Luft bis ins Kleinste erforfcht, aber es werden immer wieder Reuerungen geschaffen, die neue Fortschritte der Flugkunst bedeuten, und so gibt es immer wieder Aufgaben für dieses Forschungsinstitut zu lösen.

vochschulnacbrichten.

Lic. Dr. Ernst Benz, außerordentlicher Pro­fessor an der Universität Marburg, ist zum Or­dinarius daselbst ernannt worden; er hatte schon vorher die freigewordene Professur für Kirchen­geschichte in Marburg vertreten.