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Rr.152 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhellen)

Samstag, Z. Juli 1957

Aus der Stadt Gießen.

Die tägliche Frage.

Von Reinhold Braun.

Die Frage, die sich jeder am Schlüsse eines Tages vorlegen sollte, lautet:Wozu trug ich heute bei? Trug ich bei zur Lebensverneinung ober zu seiner Bejahung?" Von dem Ernst dieser Frage gegenüber hangen Glück und Wert des Lebens ab. Je mehr Glieder einer Gemeinschaft diesen Ernst hegen, je mehr steigern sich Glück und Wert dieses Ganzen.

Der Abwandlungen jener Frage gibt es viele: Trug ich heute zur Ichsucht bei? Oder konnte ich einem Menschen helfen, daß er mehr und mehr davon frei komme? War mein Verhalten für andere fo, daß es ihren Glauben und ihre Hoffnung stärkte?

Wie auch die Fragen lauten mögen, immer läuft's darauf hinaus: Leben zu verbreiten durch Wesen, Haltung und Tun! Gipfel alles Beitrags bleibt die liebreiche Tat, das Handeln aus dem Nicht-anders- können! Der Herzgrund ist das Entscheidende. Die Unechtheit stirbt an sich selber. Jeder wahre, gute Vorsatz aber wächst wie ein Baum aus trächtiger Erde still und stark durch allen Wechsel hindurch.

Die Menschen dünken mich die gefährlichsten, die mit einem Bein im Positiven stehen und mit dem andern im Verneinenden. Sie wechseln die Stellung je nach Bedarf und Vorteil. Auch wissen sie, eine ihrer Taten rühmend heraus zu stellen, während sie unter diesem Deckmantel auf der anderen Seite dies und jenes tun, das dem Sinn des Lebens und dem Adel einer hohen Lebensauffassung zuwiderläuft.

Wer Leben verbreiten will, muß zu den hoch­gemuten, den von aller Weltangst freien Menschen zählen. Die Feindschaft allem Halben gegenüber muß er zu seinem Gesetze erheben.

Wohl dem, dessen Leben sich ausweist als ein einziger, schöner Beitrag zum Leben überhaupt und damit auch zu dem seines Volkes. Wo fröhliche, gläubige Berührung mit Gott und Ewigkeit vor­handen ist, tritt von selbst die edelste Verknüpfung mit der Zeit und ihren Aufgaben ein, mit dem, was not tut.

Ein zeitgenössischer Schriftsteller schildert, wie er einmal nach Jahren in einer sehr frühen Morgen­stunde, ohne daß er Nachricht gab, zu seinem Eltern­hause zurückkehrt. Wie er vor dem Hause steht, flammt in der Küche Licht auf. Die treue Mutter will Feuer im Herd machen. Und wie sie damit fer­tig ist, sieht er, wie sie die Hände faltet und betet, vielleicht für ihn, den ferngeglaubten Sohn. Dies Bild der betenden Mutter zwischen Nacht und Mor­gen trägt er als etwas Unverlierbares, Heiliges in feinem Herzen durch fein ganzes Leben hindurch.

Bleibt das nicht das Höchste, unbewußt das Herz eines anderen zu heiligen, es stark und gut zu machen, daß es ein echtes, rechtes Menschenherz werde! Wohl dem, der also tut! Wohl dem, an dem also getan wird!

Wer viel hupt, fährt schlecht

Lärmbekämpfung««- und Verkehrserziehungswoche

Die ganze nächste Woche wird unsere Stadt im Zeichen der Lärmbekämpfung und der Ver­kehrserziehung stehen. Die Polizei plant einen Großangriff auf das Publikum, das die Straße benutzt. Sie plant diesen Angriff in bestem und wohlmeinendsten Sinne! Die Arbeit der Polizei im Laufe der nächsten Woche will den Verkehr in unserer Stadt ruhiger gestalten helfen und was ebenso wichtig ist gefahrloser.

Traurige Statistik zuvor.. .

Wie sehr notwendig es ist, jedermann erneut zur äußersten Disziplin auf der Straße anzuhalten, geht aus einer Zusammenstellung hervor, die die Gieße­ner Polizei geschaffen hat und in der sie im Einzel­nen Über die Derkehrsunfälle in der Zeit vom 1. Ok­tober 1936 bis 31. März 1937 Bericht erstattet. Diese Zusammenstellung verzeichnet die Unfälle in einzel­nen Straßen, die gleichzeitig die Hauptverkehrs­straßen unserer Stadt und zugleich auch sogenannte Verkehrs- oder Todesfällen darstellen. In der L u d- w i g ft r a ß e wurden im erwähnten Zeitabschnitt allein elf Derkehrsunfälle, davon sieben mit Ver­letzten, gezählt. Die Frankfurter Straße rangiert mit zehn Unfällen (davon drei mit Ver­letzten) an zweiter Stelle. Im Seltersweg wur­den zehn Derkehrsunfälle gezählt, bei denen aller­dings Verletzte nicht zu verzeichnen waren. Das dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, daß im Seltersweg wegen des gesteigerten Verkehrs sehr vorsichtig gefahren wird. In der L i ch e r Straße ereigneten sich neun Unfälle. Bei vier Fällen waren Verletzte zu zählen. Die Bahnhofstraße folgt mit acht Verkehrsunfällen an fünfter Stelle. In fünf Fällen waren dabei Verletzte zu behandeln. In der Marburger Straße ereigneten sich sechs Zusammenstöße (drei mit Verletzten). In der R o d- heimer Straße ereigneten sich fünf Unfälle (drei mit Verletzten). Hindenburgwall,Son- nenftrafje und Kais erallee hatten je mer Verkehrsunfälle zu verzeichnen, bei denen es glück­licherweise nur in zwei Fällen zu Personenschäden kam. Kreuzplatz und-L i e b i g st r a ß e waren in je drei Fällen Schauplatz von Derkehrsunfallen.

Aus dieser Aufstellung geht hervor, daß es nach wie vor die L u d w i g ft r a ß e ist, die die meisten Opfer an Personen und Material fordert. Für jeden Kraftfahrer und für jeden Fußgänger mag dies eine besondere Warnung sein.

Noch eindrucksvoller stellt eine andere Statistik der Polizei die Gefahren des Verkehrs in unserer Stadt dar. Diese zweite Aufstellung gibt eine Jah- resübersicht für 1936. Im ersten Vierteljahr 1936 waren bei 32 Zusammenstößen und 7 anderen Un­fällen 20 verletzte Personen zu verzeichnen. Steil

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in Gießen.

stieg die Kurve für das zweite Vierteljahr an. In

der Zeit vom 1. April bis 30. Juni ereigneten sich 77 Zusammenstöße von Fahrzeugen und 20 an­dere Unfälle. Ergebnis: 3 Tote und 65 verletzte Personen. Im dritten Vierteljahr mußte sich die Po­lizei mit 41 Zusammenstößen von Fahrzeugen und 19 anderen Unfällen beschäftigen. Hierbei gab es 6 Tote und 48 verletzte Personen. Im vierten Vier­teljahr waren 1 Toter und 32 verletzte Personen aus 56 Fahrzeugzusammenstößen und 16 anderen Unfällen zu verzeichnen. Die traurige Statistik schließt für das Jahr 1936 mit folgenden Zahlen ab: 268 Derkehrsunfälle, 10 Tote, 165 verletzte Personen. Leider lautet die neueste Zusammenstellung unserer Polizei für das e r ft e halbe Jahr 1 937 nicht anders, wie die des Vorjahres. Dom 1. Januar bis zum 31. März 1937 waren bei 23 Zusammenstößen von Fahrzeugen und 12 anderen Unfällen 20 verletzte Personen zum Arzt zu bringen und im zweiten Vierteljahr, also vom 1. April bis zum 24 Ium, gab es vier Tote zu beklagen und 42 verletzte Per­sonen zu behandeln. Die Zahl der Unfälle des Ver­kehrs mit Fahrzeugen betrug 53, andere Unfälle waren 16 zu verzeichnen. Diese Zahlen reden eine deutliche Sprache, eine Sprache, die nicht überhört werden darf. Die Statistik der Polizei ist eine ernste Mahnung! Die Polizei ergreift deshalb die Ini­tiative und ruft erneut zur Derkehrsdisziplm auf.

Polizei als Verkehrserzieher.

Die Polizei in unserer Stadt wird während der nächsten Woche einen erhöhten Streifen­dienst durchführen und dabei Verkehrssünder (be­wußte oder unbewußte) auf ihr verkehrswidriges Verhalten aufmerksam machen und ihnen die not­wendigen Belehrungen erteilen, lieber den erhöhten Streifendienst hinaus wird auch der Lautspre­cherwagen an verschiedenen stark belebten Plät­zen und Straßenkreuzungen zur Verkehrserziehung eingesetzt. Im Laufe der nächsten Woche werden außerdem Belehrungen der Kinder vor­geführt, die an praktischen Beispielen erkennen sol­len, wie man sich auf her Straße, beim Überschrei­ten von Straßen und Plätzen zu verhalten hat. Darüber hinaus sollen auch durch die Lehrerschaft im Laufe des Unterrichts den Fragen und Notwen­digkeiten des Verkehrs einige Stunden gewidmet werden.

3n Gießen wird nicht gehupt!"

Die Verkehrserziehungswoche wird gleichzeitig auch eine L ä r m b e k ä m p f u n g s w o ch e fein. Schon jetzt hat die Polizei in den Außenbezirken der Stadt, in den Hauptausfallstraßen Spruch-

Willkommgruß

des Oberbürgermeisters.

Den Teilnehmern an der 100-Jahrfeier der Gießener Realanstalten.

Am 3. und 4. Juli können die Giehener Real­anstatten auf ein hundertjähriges Wirken in unserer Stadt zurückblicken. Die Stadt Gießen heißt alle Gäste, die aus Anlaß dieser Jubelfeier in ihrer allen Pennälerstadt Gießen weilen, recht herzlich willkommen. Viele schöne Erinnerungen werden bei den ehemaligen Schülern der Oberrealschule und des Realgymnasiums in diesen Tagen wieder wach wer­den, und manch einer wird seit feiner Schulzeit zum ersten Male wieder Gießen sehen. Möge die Hundertjahrfeier mit dazu beitragen, neue Freunde für Gießen zu gewinnen. Die alte Universitätsstadt grüßt die Gäste und hofft, daß sie sich in Gießens Mauern wohl fühlen werden.

heil Hitler!

Gez.: Ritter, Oberbürgermeister.

bänder spannen lassen, die in klarer Schrift die Worte tragen:In Gießen wird nicht gehupt". Diese Aufforderung an die Kraftfahrer stellt eine Aufforderung nach zwei Seiten dar! Der Kraft­fahrer soll, wenn es sich vermeiden läßt, nicht hupen, d. h. er soll so fahren, daß er nicht in die Zwangslage g-rät, hupen zu müssen. Anderer­seits richtet sich diese Aufforderung an die Fußgän­ger, an die Radfahrer und an die Fuhrwerkslenker, die sich so verhalten sollen, daß sie den Kraftfahrer nicht zum Hupen herausfordern.

Der Fußgänger muß also die Augen offen hal­ten, wenn er die Straßen überqueren will, er darf sich nicht darauf verlassen, daß der Kraftfah­rer schon hupen werde!

Die Lärmbekämpfungs- und Verkehrserziehungs- Woche unserer Polizei wird der Erfolg nicht versagt sein, wenn jedermann den selbstverständlichen For­derungen nicht nur in dieser Woche, sondern in aller Zukunft gerecht wird. Die Verkehrserziehunqswoche soll ausschließlich dem Publikum in ihrer Auswir­kung zugute kommen, denn es geht nicht an, daß eine Stadt wie Gießen mit seinen 40 000 Einwoh­nern jährlich zehn ober gar mehr Tote unb Hun- berte von Verletzten aus Verkehrsunfällen zu ver­zeichnen hat. Unabsehbar ist bas Leib unb bie Not, ber von ben Verkehrsunfällen unmittelbar Betrof­fenen unb beren Angehörigen. Unb wie häufig las­sen sich boch bei einer nur um einiges gesteigerten Aufmerksamkeit Verkehrsunfälle vermeiben!

Die Verkehrswoche bient bem großen Ziel, wert­volle Menschenleben in voller Schaffenskraft zu erhalten!

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Arbeitstagung ber Reichsbienststelle zur Förde­rung des Deutschen Schrifttums: 20 Uhr, Studenten- haus Feierstunde. Gloria-Palast, Seltersweg: Der' Fall Brenken". 100-Jahrfeier der Real­anstalten: 20 Uhr, Gefellfchaftshaus, Sonnenstraße, Realgymnasium; Caf6 Leib, Walltorstraße, Ober­realschule, Begrüßungsabend.

Tageskalender für Sonntag.

NSG.Kraft durch Freude": 8 Uhr Volkshalle, Radwanderung. Gloria-Palast, Seltersweg:Der Fall Brenken". 100-Jahrfeier der Realanstalten: 8.45 Uhr Oberrealschule, 9 Uhr Realgymnasium, Totengedenkfei.ern; 11.15 Uhr Volkshalle, Festakt; 20 Uhr Volkshalle, Familienfeier. Lutherge­meinde: 14.30 Gleiberg, Missionsfest.

Missionsfest der Luthergemeinde.

Die Luthergemeinde feiert ihr alljährliches Mis­sionsfest diesmal auf dem Gleiberg. Frl. Unruh von der Evangelischen Mohammedaner-Mission in Wiesbaden wird einen Vortrag halten über das Thema:Auf dem Missionsfeld zwischen Was er und Wüste". Außer dem bewährten Lang-Gonser

Posaunenchor, dessen Leiter kürzlich das goldene Dirigentenjubiläum feierte, wird sich der Lutherkir- chenchor an der Ausgestaltung des Festes beteili­gen. Auch die Jugend wird das ihre durch einen Sprechchor, einen Chor der Konfirmanden und ein Laienspiel der konfirmierten Jugend (Das Spiel vom Sankt Georg") beitragen. Alle Glieder und Freunde der Luthergemeinde sind herzlich einge­laden.

NSSAV. - Amt für Dottswohlfahrt.

Ortsgruppe Giehen Rord.

Am Montag, 5., Dienstag, 6. und Mittwoch, 7. Juli, wirb im Bereich ber Ortsgruppe Gießen- Norb bie Pfunbsammlung durchgeführt. Die Haus­frauen werben gebeten, bie Pfunbpäckchen bereit zu legen.

cebensmittel-Opserring der Ortsgruppe Giehen-Ost.

Die Sammlung wirb am Dienstag, 6. unb Mitt­woch, 7. Juli, von ber NS.-Frauenfchaft burchge- führt. Die Mitglieber wollen bie Pfunbpäckchen be­reit halten unb bie Mitgliebskarten zur Eintragung oorlegen. Der Inhalt ber Päckchen ist außen sicht­bar anzugeben. _______

Hausmusikabend des Sin^kreiseee Gießen. Jedermann herzlich willkommen!

Der Singkreis Gießen im Arbeitskreis für Haus­musik veranstaltet im Rahmen des Deutschen Volks- bilbungswerkes am Dienstag, 6. Juli, in der Schillerschule einen Musizierabend, der jedermann kostenlos zugänglich ist. Die Folge sieht neben Chor­sätzen des 16. Jahrhunderts wertvolle Instrumental­musik vor, unter anderem ein Deutsches Konzert von Heinrich Schütz für Tenor, zwei ©eigen und Generalbaß unb das prachtvolle Quartett e-moll von G. Ph. Telemann für Flöte, Geiye, Cello und Cembalo. Der ungezwungene hausmusikalische Cha­rakter der Veranstaltung wird besonders dadurch betont, daß ein schlichter, alter Kanon von allen gemeinsam gesungen werben soll. Besonders inter­essieren dürfte bas stilgerechte alte Instrumentarium, Cembalo, Gamben und Laute.

Der Sinn des Hausmusikabends ist ber, für den Augenblick unb darüber hinaus Freube am Hören unb Tun zu vermitteln und sich andererseits dienend in bie große musikalische Tradition unseres deutschen

Volkes einzuordnen zugleich als Bekenntnis zu einer Kultur, die für unsere Zeit ber Neuwerdung besonbers bedeutungsvoll und zukunftsweisend ist.

Radwanderung: Sonntag, 4. Juli, nach Grün­berg Homberg (Ohm) Ebsdorfer Grund Gießen. Abfahrt 8 Uhr, Volkshalle Gießen. 4451D

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Deutsches Volksbildungswerk Gießen.

Am Dienstag, dem 6. Juli, findet im Zeichensaal der Schillerschule ein Hausmusikabend unseres Sing- kreises statt. Zur Aufführung gelangen Meister des

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Fabrik noch nicht decken können, und so hatte die Fabrik die Erlaubnis, sich die nötigen Blätter kom­men zu lassen, woher sie wollte. Die Herstellung bezog sich freilich ausschließlich auf Rauch- (auf Pfeifen-) Tabak, denn Zigarre und Zigarette sowie Kau- und Schnupftabak kamen erst sehr viel später. Aber trotzdem wurde schon wenige Jahre nach Er­richtung der ersten Tabakfabrik eine Erweiterung des Unternehmens notwendig, und bald wußte der mär­kische Tabakbau den Bedarf immer reichlicher zu­friedenzustellen.

Hochschulnackncdten

Von ben amtlichen Verpflichtungen wurden ent­bunden wegen Erreichung ber Altersgrenze: Prä­ses or Dr. Erich Blunck, Ordinarius für Bau­kunst an der Technischen Hochschule Berlin; Geh. Regierungsrat Professor Dr. Otto Simroth, Ordinarius für Chemie an der Universität Wurz­burg.

Uckermärker blauer Dunst.

Heute haben wir in Deutschland einen Tabakbau, dessen Erzeugnisse sich von dem etwa noch vor einem Menschenalter vielfach verachtetenUckermärker" Tabak wesentlich unterscheiden. Nachdem durch die Verwendung der Handelsdüngemittel der für die Tabakpflanze verhängnisvolle Stalldünger aus dem Tabakbau beseitigt werden konnte, erzielen wir auch immer bessere Qualitäten aus deutscher Erzeugung. Denn die Tabakpflanze liebt nicht nur die Sonne, sondern auch leichten Boden, und davon haben wir in Deutschland genug. So hat der deutsche Tabakbau auf sonnigen Hügeln der Mark Brandenburg unb bestimmter mit Sanbböben ausgestatteter kleiner Ge­biete Sübwestbeutschlanbs wieber feine vollberechtigte Bebeutung erlangt.

Die oft 300 Jahre, bie vergangen sind, feit ber Große Kurfürst burch holländische Bauern und Hand­werker den Tabakbau in die Mark brachte, umspan­nen eine recht verschiedenartige Entwicklung. Und manches Stück ist durch diese erstenTabaksgarten aus bis dahin wüstem und ungenutztem Gelände ge­wonnen worden. Man hat es vielfach als eine der unglücklichen Folgen des Dreißigjährigen Krieges an­gesehen, daß durch die holländischen und anderen fremden Söldner der angeblich gesundheitsschabliche Tabak nach Jnnerdeutschland gebracht worden ist. Aber selbst, wenn der Tabak wirklich so schädlich wäre, wie seine Gegner es behaupten, so wäre doch die Urbarmachung der einstmalsrauften Ländereien bei Spandau, Brandenburg, Rathenow und Werben ein großer Gewinn für die Gesamtheit. In diesen Gebieten nämlich erlaubte im Jahre 1685 der Große Kurfürst den in die Mark gekommenen Franzosen Briden, Pierre Noble und Pierre Allart, den Tabak­bau zu betreiben. Nachdem anfänglich zwei Juden sich vom Kurfürsten im Jahre 1676 die Konzession 3ur Anlage einer Tabakfabrik hatten geben las en, ihren Auftrag dann aber nicht ausgefuhrt hatten, war 1681 Christian Martin Boeckel vom Großen Kurfürsten mit der Errichtung einer ''Tabakspinnerei in Berlin beauftragt worden. Er sollte die Kurmark und Hinterpommern mit Tabak versorgen. Bald war die Tabakspinnerei, wie es damals hieß, m der Klosterstraße in Berlin, so gut gut beschäftigt, daß allein für die Arbeitslöhne jährlich 18 000 Taler, eine für die damalige Zeit recht hohe Summe aus- gegeben wurden. Freilich hat in der ersten Ze der märkische Tabakbau den Bedarf der Boeckelschen

Zeitschristen.

DieJllustrirte Zeitung Leipzig" hat ihre neue Ausgabe dem Hause der Deutschen Kunst gewidmet. Seine kulturelle Bedeutung wür­digt A. Heilmeyer in reichbebilderten Ausführungen, fein bauliches Werden schildert Architekt Willy Heß, ebenfalls an Hand umfangreichen Bildmate­rials. Dem Architekten, Professor Paul Ludwig Troost, dem Schöpfer des Hauses der Deutschen Kunst, der dessen Vollendung leider nicht mehr er­lebte, gilt ein weiterer Beitrag, in bem Dr. Hans Kiener ein lebendiges Bild des Künstlers erstehen

Im Sommerurlaub an der See, in ben Ber­gen oder in der Zurückgezogenheit des eigenen Heims interessante und unterhaltende Berichte, Plaudereien, Erzählungen zu lesen und, ohne daß man es merkt, dabei sein Englisch und Französisch zu verbessern, dazu bieten die Julinummern von Langenscheids English Monthly Magazine und Le Journal fran^ais Langenscheidt.

Beide Nummern sind kurzweilig und fesselnd. Selbst an den heißesten Tagen wird man sie mit Ge­nuß und auch ohne größere Schwierigkeiten lesen, denn alle weniger bekannten Wörter find neben bem Text in Randnoten übersetzt und erläutert.

wäre? Aber ich nicke einige Male, und das soll be­deuten, daß ich kühn und froh bin. Vielleicht sind s die Felsen auch nur ausgeftopft.

Mehr Blitz unb Donner unb mehr Sturzregen, es ist als bekäme ich Hiebe von bem nahen Echo, es sagt Hunbert! in mir. Gut ich habe schon von vielen Schlachten gelesen und schon früher einmal im Kugelregen gestanden. Als mich ein Augenblick der Traurigkeit und das Bewußtsein meiner eigenen Nichtigkeit gegenüber all der Gewalt ringsuml über­fällt, klage ich und denke: Welch ein Mensch dm ich jetzt, ober bin ich vielleicht abhanben gekommen, bin ich vielleicht überhaupt nicht mehr! Und ich spreche laut und rufe meinen Namen, um zu Horen, ob er noch da ist.

Da ein goldenes Rad schießt vor mir in die Höhe, und der Donner kracht dicht über meinem Haupte, in meinen eigenen Berg. Im gleichen Augenblick fahre ich aus bem Schlafsack unb hinaus aus meinem Versteck. Der Donner rollt weiter, es blitzt wieber und donnert noch wehr, Welten wer­den mit der Wurzel ausgerissen ... Was habe ich mit all diesem Getöse zu schaffen? Ich mache einen leifen Versuch, ihm entgegenzutreten, halte aber inne, ich bin mitten in dem Großen und sehe ein, wie töricht es ist, sich in ein Handgemenge mit dem Gewitter einzulassen.

Ich lehne mich an die Felswand und stehe nicht da und fordere meinen Widersacher herans und schreie ihm nicht entgegen, im Gegenteil, ich mache ihm milchblaue Augen. Unb wenn ich mich letzt er­geben habe, so kann nur em Fels so hart fein. Bitte. Aber ich bestehe burchaus nicht aus Versen unb Rhythmen; glaubst du vielleicht ich will meinen guten Kopf mit solchen Regenbogen aufs Spiel sitzen? Das lügst du. Und ich stehe hier und lehne msih an die Welt, jawohl, und du hältst vielleicht das Blau in meinen Augen für echt ...

Da wurde ich selbst vom Blitz getroffen Es war ein Wunder, und es widerfuhr nur. Er lief an mei­nem linken Ellbogen entlang und versengte den Jackenärmel, der Blitz war sicherlich wie aus Wolle, ein rollendes Knäuel. Ich fühlte eine Hitze, 'ch sah, wie der Boden weiter unten einen lauten Schlag erhielt und aufgeriffen wurde, em Druck preßte mich nieder eine geballte Dunkelheit umfing mich, Dann . donnert es ungeheuerlich, nicht lang unb drohnenb, : fonbern fest unb klar, fchmetternb.

i Das Gewitter zog vorüber.

Gewitter.

Von Knut Hamsun.

Es war beschwerlich, vorwärts zu kommen, gut! Etliche Stunden später befinde ich mich hoch oben, zwischen den Bergen oben, ich muß irre ge­gangen sein. Was ist das Dunkle dort? Eine u^ls® spitze. Das Dunkle hier? Eine neue Felsspitze. Wir wollen uns hier lagern, wo wir gehen und stehen! Dennoch war eine tiefe Güte und Weichheit über ber milden Nacht. Ich faß im Dunkeln und grub ver­gessene Erinnerungen aus der Kindheit aus und viele Erlebnisse aus verflossenen Zeiten. Welche Be­friedigung ist es boch auch, Gelb in ber Tasche zu haben, selbst wenn man irgenbroo braufeen liegt.

In der Nacht wache ich auf, weil es mir unter meinem Felsvorsprung zu warm wird, ich mutz den Schlafsack öffnen, außerdem ist es, als läge mir nod) ein Ton im Ohr, vielleicht habe ich im Schlaf ge­rufen ober gesungen. Ich bin auf einmal ausgeruht unb lege mich zurecht, um hinauszufehen. Dunkel unb mild, eine fteinftiüe Welt. Ich sehe zu bem etwas helleren Himmel empor unb erblicke rings um mich einen Ring von Bergen, ich bin in einer Stabt von Zinnen, ich liege zu Füßen eines großen Gip­fels, der bis zur Unförmigfeit gewaltig ist. Em Wind erhebt sich, und plötzlich dröhnt es weit drau­ßen. Solch ein Wetter! Dann blitzt es, unb gleich darauf rollt der Donner wie eine ungeheure Lawine weit draußen zwischen den Bergen herab. Es ist unvergleichlich, dazuliegen und zuzuhören, unnatür­lich herrlich, ein Schauer des Wohlbehagens durch­strömt mich, ich werde wie trunken, auf eme seltsame und verrückte Art, wie ich sie noch nie erlebt habe, es äußert sich darin, daß ich lache, ausgelassen und luftig werde. Diele Einfälle kamen mir, Tollheiten fallen mir ein, untermischt mit Augenblicken großer Trauer, so daß ich daliege und schwer atme. Wieder blitzt es, und es donnert näher, es sängt auch zu regnen an, ein Sturzregen, das Echo ist sehr stark, die ganze Natur ist in Aufruhr, ein Tohuwabohu. Ich will die Nacht abschwächen, indem ich ihr ent- geaenfchreie, sonst nimmt sie mir mystisch alle meine Kräfte unb macht mich willenlos. Du wirst sehen, alle diese Felsen sind reine Verschwörungen gegen meine Wanderung, denke ich, riesenhafte gepflanzte Flüche, die mir den Weg versperren. Oder wie, wenn ich einfach in bie Gewerkschaft ber Felsen geraten