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Nr.52 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Mittwoch. 3. Marz 1957

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Hochschule, Wissenschaft und Welianschauung.

Von Professor Dr. h. c. Ernst Krieck, Rektor der Universität Heidelberg.

Der Schwerpunkt des nationalsozialistischen Kampfes und Wollens lag bisher noch nicht auf dem Gebiete Hochschule und Wissenschaft. Wohl stellt der zweite Vierjahresplan erhebliche Neuforderungen an beide, aber noch handelt es sich mehr um gesteigerte Dienst- be reit schäft zur Ermöglichung praktisch-techni­scher Höchstleistungen als um den Angriff auf das Problem selbst. Er wird erfolgen, wenn unsere Le­bensordnungen gesichert und unsere Existenzbedin­gungen im Sinne des deutschen Sozialismus neu geformt find. Dann, im dritten Abschnitt des gro­ßen Aufbauplanes, wird es um die erziehe­rische Vollendung des deutschen Menschen selbst gehen; dann werden Feinde und Gegner schweigen und abziehen auch hier, wo sie zur Zeit noch mit dem letzten Aufgebot ihrer verbrauchten Wissenschaftsideologie die abschwim­menden Trümmer des liberalistischen Erbes zu ret­ten suchen und dabei denen in den Rücken fallen, die unter der Parole des Reichserziehungsministers Rust das Neue vorbereiten.

Dieses Neue ist keine Form und keine Organisa­tion, es ist die Erneuerung der Wissen­schaft und ihrer Männer, die bereit und fähig sein müssen, die Grundforderung der Reform zu erfüllen: Wiedergewinnung einer Sinneinheit, einet gemeinsamen tragenden Grundlage und eines gemeinsamen Zieles aller Fa­kultäten, aller- Fächer und Zweige der Wissenschaft. Die Sinneinheit ist gegeben mit der national- sozialistischen Weltanschauung. Auch die frechere Wissenschaft war auf Weltanschauungs­grundlage erbaut, auf der Idee der Humanität. Mit dem Versinken dieses Fundaments hat jene Wisien- schafthauffassung Recht und Volksgemeinschaft in seiner Spannung zwischen Naturgrundlagen und geschichtlich-politischen Aufgaben: groß und mächtig, viel realer, greifbarer, gestaltbarer als derreine Geist" der blassen Humanität. Von diesem gemein­samen Sinnmittelpunkt folgt für jede Einzelwissen­schaft die neue Stellung der Grundfrage und Auf­gabe und damit die neue Weise der Antwortfindung. Für eine ganze Reihe von Wissenschaftsgebieten sind hier die Vorarbeiten schon geleistet; der Grund ist also gelegt für einen radikalen Neubau der deutschen Hochschule (nähere Ausfüh­rungen in meinen BüchernWissenschaft, Weltan­schauung, Hochschulreform", 1935;Völkisch-politische Anthropologie" I, 1936; II, 1937).

Die weltanschauliche Sinnmitte aller neuen Wissen­schaft muß in der Hochschule selb st als wirkendes Zentralorgan, als sichtbare Wirklichkeit in Erscheinung treten. Die alte philosophische Fakultät, die in der liberal-humanistischen Uni­versität als verbindendes Medium zwischen die Fachfakultäten gelagert war, kann diese Zentral­aufgabe nicht mehr erfüllen. Vielmehr muß jede Wissenschaft/ jede Fakultät zum weltanschaulichen, völkisch-politischen Sinnmittelpunkt vorstoßen und damit ihr eigentümliches und eigen­ständiges Maß an Philosophie oder Anthropologie entwickeln bis zu dem zentralen Punkt, wo sie sich mit allen anderen Fakultäten und Wissenschaften trifft. Hier finden alle Einzelwissen- schaften ihre gemeinsam weltanschauliche Verpflich­tung und hier wird die wahre Universitas sichtbar in der eigentlichen Bedeutung des Wortes: als die in eins gekehrte" innere Front der Fächer und der den Wissenschaften zugeordneten völkisch-politi­schen Berufe.

Das wirkende Organ dieser Sinnmitte kann eine Arbeitsgemeinschaft oder eine örtliche Dozentenakademie sein, in der sich minde­stens einmal in der Woche die im nationalsoziali­stischen Sinne führenden Wissenschafter mit dem Nachwuchs treffen. Hier bildet und nährt sich immer neu die Gemeinschaft derer, die willens und fähig sind, die Grundfragen ihres Faches aus dem Sinn des völkischen Lebens neu zu stellen und zu be­antworten. Und der immer wiederholte Weg zu dieser Sinnmitte alles wissenschaftlichen Denkens und Handelns führt die Genossen zu immer neuem Bewußtwerden der gemeinsamen Aufgabe und Ver­antwortung. In gegenseitiger 'Befragung, Beleh­rung und Förderung werden hier die Schranken der Fächer niedergelegt, wird die Autonomie und Autarkie der Fachwissenschaften durchbrochen und alle vereinigen sich in ihren Grundproblemen dort, wo Wissenschaft und Weltanschauung eins sind.

Die alte Nebeneinanderordnung und die historische Rangfolge der autonomen Fakultäten verliert damit ihren Sinn. An ihre Stelle treten die Gruppen der näher verwandten Wissenschaften als Sektoren des Kreises, in dessen Mittelpunkt alle münden müssen, wenn sie in der nationalsozialisti­schen Hochschule Lebensrecht haben sollen, und an dessen Peripherie ihre berufsbildenden und berufs­praktischen Institute gelagert sind. Von der Mitte aus wird jetzt erst eine geistige Gesamtfüh­rung der Hochschule und eine einheitliche Ge­staltung an ihrem Nachwuchs möglich. Die alte Ge­lehrtenrepublik mit ihrer von einer Zufallsmehrheit gewählten repräsentativen Spitze wird abgelöst durch die in Sinn und Aufgabe geeinte Gemein­schaft der Wissenschaften. Ihr geistiger Führer wird, wer mit der Gestaltung des Zentralorgans in den Mittelpunkt treten kann, wer die Weite der Ueberficht mit Tiefe der Einsicht und schöpferischer Wegweisung verbindet, er sei Arzt oder Jurist, Philosoph oder Volkswirt. Recht und Verpflichtung seines Amtes bezieht der Rektor ebenso wie seine Dekane nicht allein aus der Autorisierung von oben her, schon gar nicht aus der Übertragung des

Führerprinzips" auf eine überkommene Funktion, sondern aus dem Willen der Gefolg- schäft, aus der er hervorgewachsen ist. Seine Er­nennung ist nur die Bestätigung der Fähigkeit und des Rechtes, der gewachsenen und von ihm mitge­schaffenen Führungsgemeinschaft vorzustehen mit letzter Verantwortung vor Volk und Führer. Weil jedoch die Führungslage sich persönlich und sachlich verändern kann, ist ihre periodische lleberprüfung notwendig. Eine amtsmäßige Ersitzung der Füh­rung wird dadurch ausgeschlossen.

Aus seinen nächsten Mitarbeitern bildet der Rek­tor den engeren Führungsrat, der außer dem Senat (Prorektor, Kurator, Dekane, Dozen­ten- oder Studentenführer) auch die Ver­trauensmänner des Rechtswahrer-, Aerzte- und Lehrerbundes umfaßt, soweit sie an der Hoch­schule tätig sind. Die notwendige Führungseinheit darf nicht beeinträchtigt werden durch die besondere Amtsautorität, mit der einzelne Mitglieder des Führungsrates von ihren Organisationen her aus­gestattet sind. Denn immer bleiben Sinn und Auf­gabe der Universität d. h. die von der national­sozialistischen Weltanschauung durchdrungene und erneuerte Wissenschaft der alleinige Boden, von dem eine Führung der Universität ausgehen kann.

Sv wird das Bild des Neuaufbaus der deutschen Hochschule darstellbar an zwei Kreisen: den der wissenschaftlich-weltanschaulichen Führung und den der politisch-organi­satorischen Gliederung. Der erste zeigt an der Peripherie die den völkisch-politischen Berufen unmittelbar dienenden Institute, .Forschung- und

Lehreinrichtungen im Raume des Sektors der ver­wandten Wissenschaften (Fakultäten). In der Mitte wirkt, vereinigend und die Richtung bestim­mend, die örtliche Dozentenakademie als die wissen­schaftlich-weltanschauliche Führungsgemeinschaft. Der zweite Kreis umschließt die Gesamtheit der Lehren­den und Lernenden (Dozentenschaft und Dozentenbund, Studentenschaft und Studentenbund) mit dem Mittelpunkt des Führungsrates. In beiden Mitten steht der Rektor als Bildner und Vollstrecker des gemein­samen Willens, nicht mit Amtsautorität, sondern mit Führerautorität regierend.

Durch die äußere Veranschaulichung des Univer­sitätsaufbaues in der Gestalt zweier Kreise darf aber nicht der Eindruck entstehen, als würde nun ein Dualismus von wissenschaftlicher und politischer Führung erwachsen. Wie der Rektor beider Füh­rungskreise Mitte ist, so haben in der Dozenten­akademie und im Führungsrat die Führer der Ein­zelwissenschaften bzw. Fakultäten und die Führer der politischen Organisationen (Dozentenbund und Studentenbund) ihre Gemeinschaft. Von allen Organen der Universität führen daher stets die Verbindungslinien zugleich zum Reichserzie­hungsministerium und zur Parteilei­tung. Und so wiederholt sich im Problem der Führung an der Universität genau und ganz von selbst das Grundproblem der nationalsozialistischen Revolution, nämlich das Auseinandertreten und neuartige Zusammenfügen von Staat und Be­wegung, vom statischen und motorischen Faktor in einem neuen Werden.

Oie HZ. zeigt ihre Arbeit.

Eine Frankfurter Ausstellung des Gebiets Hessen-Nassau.

NSG. Am Sonntag, den 7. März 1937, eröffnet der Gauleiter im Bachsaal in Frankfurt a. M. d i e Ausstellung der Hitler-Jugend des Gebietes Heffen-Nasfau, die vom 7. bis 21. März dauert. Ein riesiger HJ.-Adler erhebt sich über dem Ein­gang, der mit einem überlebensgroßen Bild der HI. als Vorstufe des Arbeitsdienstes und der Wehrmacht geschmückt ist. Beim Betreten der Aus­stellung kommt man in einer Son d erschau, in der den jungen Künstlern unseres Gaues Gelegen­heit gegeben wurde, unsere Haltung in der Druck- unb Schriftgestaltung, der Malerei und Plastik dar­zustellen. Daran schließt sich die Ehrenhalle an, deren Mittelpunkt die Ehrentafel der ermorde­ten Hitlerjungen und die Plastik eines Jünglings von Prof. Scheibe bilden. Die nächsten Kojen zeigen die Organisation und die sportliche Er­tüchtigung der Hitler-Jugend. Hier sind vor allem die sportlichen Hilfsgeräte ausgestellt, die die HI. überall da benutzt, wo ihr keine Turnhalle und keine Turngeräte zur Verfügung stehen. Die Son­dereinheiten sind mit Flugzeugmodellen, Funk­wagen und Schiffsmodellen oertreten. Ein großer Teil der Ausstellung ist der HI. im Beruf ge­widmet. Dabei werden die besten Arbeiten aus dem diesjährigen Reichsberufswettkampf ausgestellt, gleichzeitig arbeiten während der Dauer der Aus­stellung Jungarbeiter an der Handpresse; Elfen­beinschnitzer aus dem Odenwald, Töpfer aus dem Westerwald und Feinmechaniker führen praktisch ihre Arbeit vor. Berufslenkung, Berufsberatung und die Betreuung des Jungarbeiters im Betrieb, der Landdienst der HI. sind weitere Arbeits­gebiete, die eingehend und übersichtlich behandelt werden. Die S o z i a I a r b e i t der H I. ist von den Begriffen Zeltlager, Reihenuntersuchungen, Kinderlandverschickung usw., die in engster Zusam­menarbeit mit der NSV. durchgeführt werden, nicht zu trennen. Durch Musterräume, wie sie in den neuen Jugendherbergen eingerichtet werden, kommt man in einen vorbildlichen Heim- raum. Der Schulung der Führerschaft ist ein weiter Raum gewidmet. Ein Organisationsplan der Kulturarbeit, zeigt, daß die Kulturarbeit nicht nur ihren Ausdruck in Spiel und Feier findet, son­dern vor allem in der volks- und heimatverbunde­nen Arbeit der Vvlksgemeinschafts- und Werkabende. Die Werkarbeit wird durch reiches Anschauungsmaterial erläutert. Im Heim- bau werden die bisherigen Ergebnisse in unserem Gau mit Modellen von Heimen, die zunächst ge­baut werden, gezeigt. Einen großen Raum nimmt auch die Grenz- und Auslandsarbeit und auch die Presse - und Propagandaarbeit ein. Die Ausstellung errreicht schon durch vieles praktisches Anschauungs- und Bildmaterial, ver­bunden mit sorgfältiger künstlerischer Schrift- und Raumgestaltung eine lebendige Darstellung, die noch durch tägliche Vorführungen der HI.-, Jungvolk- "nd BDM.-Einheiten und Schmalfilmstunden ver­stärkt wird. E. K.

Das Deutsche Mendherberoswerk.

Berlin, 2. März. (DNB.) Der Leiter des Reichsverbandes der deutschen Jugendherbergen und des entsprechenden Amtes in der Reichsjugendfüh­rung, Obergebietsführer R o d a tz , macht Mitteilun­gen über den Ausbau des deutschen Jugendherbergs­werks. Nach der Entschuldung des Jugendherbergs­werks im Jahre 1933 wurden insgesamt 3 3 9 neue Jugendherbergen mit rund 19 600 Betten und Massenlagern und einer Bausumme von über 16 Millionen Mark geschaffen. Die Uebernach- tungsgebühren wurden auf 20 bzw. 30 Pf.

herabgesetzt. Vor allem wurde auch dafür Sorge getragen, daß die deutschen Jugendhöfe nach Möglichkeit ihren Ledens mittelbedarf aus eigenem Grund und Boden decken. Die Zahl der Uedernachtungen ist auf 7,5 Millio­nen gegen 4,3 im Jahre 1933 gestiegen. Insbeson­dere wuchs die Zahl der Ausländerübernachtungen oon 106 000 auf rund 194 000. Den größten Pro­zentsatz stellten die Engländer. Die größte Ju­gendherberge der Welt ist derHein Godenwind" in Hamburg, der 1936 über 71000 Uebernachtun- gen zählte. Die Heime des deutschen Jugendher­bergswerks bieten außer der Hitler-Jugend auch anderen Organisationen ^der Partei die besten Er­ziehungsmöglichkeiten. Trotz der Größe des Werkes, das heute 2000 Häuser mit 250 000 Betten umfaßt, ist der Bedarf an Herbergen noch außerordentlich groß. Die nationalsozialistische Jugend benötigt zur Durchführung ihrer Erziehungsaufgaben noch mindestens weitere 2 0 0 0 Jugendher­bergen.

Ritt der Jugend.

Baldur von Schirach

fordert zum Eintritt in das Jungvolk auf.

Berlin, 3. März (DNB. Funkspruch.) Der Jugendführer des Deutschen Reiches Baldur von Schirach hat folgenden Aufruf zur Jung­volk-Werbung 19 3 7 erlassen:

Deutsche Eltern, deutsche Jugend!

Wieder tritt der Tag heran, an dem ein neuer Jahrgang deutscher Jugend in den Dienst des Führers treten soll. Wie alljährlich rufe ich die Jugend auf, zumGeburtstag Adolf Hit­ler s in die große Gemeinschaft des jungen Deutsch­lands einzurücken und in selbstlosem Dienst am Werk des Führers ihre Pflicht zu tun. Im vorigen Jahr hat dieser Aufruf zur Folge gehabt, daß f a st 100 v. H. aller Jungen und Mädels, die das 10. Lebensjahr vollendet hatten, frei­willig in unsere Reihen eintraten. Ich weiß, daß der nun aufgerufene Jahrgang 1927 ebenso selbstverständlich dem Ruf der Jugend folgen wird.

Die Millionenzahl unserer Jugend ist die Kraft und das Glück des Deutschen Reiches. Keiner darf abseits stehen, wenn es darum geht, Deutschland stärker und glücklicher zu machen. Es gibt keine größere Ehre, als diesem Reich dienen zu dürfen. Deutsche Eltern, deutsche Jugend, er­kennt die Bedeutung der Forderung, die an euch gerichtet wird! Alle dienen dem Führer!

Verkürzte Gchulausbildung für begabte Kin-er.

Berlin, 2. 2Närz. (DRB.) Reichserziehungs- Minister Rust hat Maßnahmen angeordnet, die mit dazu dienen sollen, unserer Jugend die volks­politisch wünschenswerte verkürzte Schul­ausbildung zu ermöglichen. So können nun­mehr körperlich und geistig gut entwickelte Schüler und Schülerinnen bei guten Leistungen be­reits nach Besuch der drei ersten Klas­se n der Bolksschule aus die grundständige höhere Schule übergehen. Der Aufnahme geht eine Prüfung voraus, die von den Lehrern der aus­nehmenden Schule im Beisein eines Grundschulleh­rers abgehallen wird. Heber die Aufnahme entschei­det der Direktor. Die normale Grundschul-

; eit von vier Jahren bleibt grundsätzlich be­fielen. Es wird jedoch überdurchschnittlich begabten Kindern die Möglichkeit gegeben, ihre Schulausbil­dung rascher zu vollenden. Weiter wird ange­ordnet, daß von Ostern 1937 ab in die Auf­bauschule solche Schüler und Schülerinnen aus­genommen werden können, die die lehteVolks- schulklasse mit Erfolg durchlaufen haben. Damit werden die Aufbauschüler ebenfalls eine Gesamtschulzeit von zwölf Jahren haben, wie die übrigen höheren Schüler.

Das gepanzerte Italien.

In der Dienstagnacht hat der Faschistische G r o ß r a t in Rom unter Vorsitz Mussolinis die Verstärkung der italienischen Wehrkraft beschlossen, kurz bevor der Duce Afrika besuchen wird. Der Faschistische Großrat ist der Meinung, daßirgend­welche Möglichkeit einer Rüstungsbeschränkung end­gültig auszuschließen ist". Er zieht die Folge­rungen aus dem englischen Aufrü­stungsprogramm, das das größte Wehr­programm ist, das jemals eine Nation angenommen hat, und er beantwortet die Aufrüstung der Natio­nen damit, daß Italien sich in Verfolg der bisher eingeschlagenen Taktik auf seine eigene Kr a ft verläßt. Unter dem Faschismus ist Italien eine straff durchmilitarisierte Nation geworden. Die Militarisierung der aktiven Kräfte zwischen 18 und 55 Jahren wird jetzt fortgesetzt, die militärischen Bedürfnisse sollen nach Möglichkeit im Lande selbst befriedigt werden, die hochentwickelte italienische Wissenschaft und Technik wird dafür eingesetzt, und da Italien unter dem Faschismus organisch seine militärischen Kräfte zugleich mit seinen völkischen entwickelte, ist der Beschluß des Faschistischen Grvß- rates lediglich als Weiterentwicklung der Polittk der Verselbständigung zu betrachten.

Demgemäß werden ganz besonders auch die Er­folge der italienischen Außenpolitik hervorgehoben. Das nationale Spanien wird in warmen Wor­ten begrüßt,mit Freude" wird die Entwicklung des deutsch-italienischen Verhältnis- s e 5 betrachtet und das Mittelmeerabkom­men mit England vom 2.Januar 1937 sowie das neue Verhältnis Italiens zur Tür­kei mit zustimmenden Worten begleitet. Auffällig, aber nicht zufällig ist die Nichterwähnung Frankreichs. Der Gegensatz der französischen Dolksfronttegierung Blum mit ihrem bolschewisti­schen Anhängsel zur Staatsauffassung und Friedens- polittk Italiens ist nicht nur im Spanienfall bren­nend geworden. Wiederholt hat der Duce in den letzten Monaten in seinen öffentlichen Reden Frank­reich mit Gleichgültigkeit behandelt, und die Phan­tasien der französischen Presse über angebliche deutsch-römische Zwistigkeiten in der Donauraum­politik oder über angebliche Absichten Italiens im Mittelmeer können den Verlust des ftanzösischen Prestiges in Europa nicht ersetzen. Etwa bis zum Abessinienkrieg war -unzweifelhaft Frankreich die militärische Vormacht des Festlandes. Seitdem aber hat sich ein Strukturwandel vollzogen. Das Rückgrat der festländischen Politik ist nach Mussolinis Wor­ten tatsächlich die Achse R o mB e r I i n , und Frankreichs Prestigepolitik ist brüchig geworden mit dem Aufkommen zweier friedliebender und stolzer Nationen wie Deutschland und Italien. So wurde die mit gewaltigen Opfern Frankreichs erkaufte Tyrannei von Versailles erledigt.

Um die Lage Italiens in militärischer Beziehung und seine neue Stärke zu verstehen, ist es notwen­dig, einen Blick auf die Entwicklung der italieni­schen Waffen unter dem Faschismus zu werfen. Sein afrikanisches Imperium erkämpfte Italien mit überraschender Schnelligkeit zu einer Zeit, als die anderen Mächte militärisch noch nicht geeint waren. Die Völkerbundspolitik gegen Italien ist haupt­sächlich deshalb zusammengebrochen, weil niemand wagte, dem schwergerüsteten Italien gegenüber militärische Sanktionen zu verhängen, d. h. den Krieg zu erklären. Nach dem Siege hat Italien seine Kräfte weiter entwickelt, die Manöver­rede Mussolinis in Aoellino wurde ergänzt durch die Aufstellung eines Kolonialheeres in Öftafrifa am 12. September 1936. Der Ministerrat vom 10. Oktober 1936 beschloß, das Kriegsministerium einem neuen und energischen Mann, dem Unter­generalstabschef P a r i a n i anzuvertrauen und Mussolini hat wiederholt ausgesprochen, daß Ita­lienfür alle Eventualitäten gerüstet" ist. Die^ Rüstung erstreckt sich auf das' Landheer, auf die Luftflotte und den Ausbau einer modernen See­macht.

Das italienische Landheer wird durch den jährlichen Rekrutennachschub von etwa 350 000 Mann gespeist, es ist weitgehend mechanisiert und hat Sondertruppen wie die Alpinis usw. Während Italien 1914 nach dem französischen Militärblatt Frayce militaire" nur 250 000 Mann unter den Waffen hatte und im Weltkriege mit 550 000 Mann in die Jsonzoschlachten ging, umfaßt es jetzt einen Bestand von 325 000 weißen und 150 000 farbigen Soldaten. Innerhalb eines Tages ist Italien in öer Lage, 1,25 Millionen Soldaten zu mobilisieren, ohne auf die farbigen Truppen zurückgreifen zu müssen. Italiens gesamte Wehrmacht beträgt 7,8 Millionen Mann. Das Heer ist in dreizehn Armee­korps gegliedert, darunter ist eins in Sizilien. Der Italiener dient ein Jahr im stehenden Heer. Er wird aber häufig zu militärischen Hebungen ein­berufen. Die Gründe dafür liegen in der finanziel­len Lage Italiens.

Ergänzt wird diese Riesenarmee durch den Aus- b a u d e r Luftwaffe. Während Italien in be> Vorkriegszeit keinen Flugzeugbau kannte, ist durch die Tatkraft Mussolinis in Verbindung mit der het-