Nr. 256 Zweites Blatt
Kleßener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 2. November ,95Z
OberhessischeIagdimZagdjahr1936/37
-öon Stabsjägermeister Ernst Hölzel.
Aus der Stabt Gießen
Wetteraussichten für November.
Dienstbefehl.
Joachim Lindt, Leitung
Es ist kaum zu hoffen, daß der jetzt beginnende November diese „vornehme Haltung" des Oktobers fortsetzt. Einmal steht der November von jeher in dem Ruf, der unfreundlichste Monat des Jahres zu sein, ferner macht man immer wieder die Erfahrung, daß Schönwetterperioden, wie sie der Oktober in so auffallend starkem Maße brachte, sehr gern das andere Extrem herausfordern. Im Zuge
i An jedem Morgen kommt der Eismann ein i paar Minuten früher, weil sein Eselchen, das in I zwei Säcken links und rechts die Eisblöcke trägt, : nicht mehr an jeder Gartenpforte halt machen muß, : denn Sommerhaus auf Sommerhaus leert sich all- : mählich. „Yaa-ach!" hallt der Ruf des Eisverkäufers, der Ende September schon zu so früher Morgenstunde kommt, daß man noch fröstelnd im schattigen Garten den tropfenden Eisblock in Empfang nimmt. In den von den Stadtleuten verlassenen Häuschen richten sich die Besitzer wieder ein. Mit ihnen kehrt das Gegacker der Hühner und das Gemecker der Ziegen zurück. Staubwolken zeigen an, daß der aus Ermangelung einer Müllabfuhr zurückgelassene Kehricht mit belaubten Zweigen in eine entfernte Gartenecke gefegt wird, wo ihn die vierbeinige oder geflügelte Reinigungspolizei, die Hunde, Katzen und Krähen bald abgetragen haben, von Teppichen werden die Spuren der Mut- ter Erde geklopft, ehe sie zur winterlichen Behaglichkeit in die weiß getünchten Wohnräume gelegt werden. Die dem städtischen Haushalt unentbehrlichen Primuskocher fauchen nicht mehr. Gegen die Abendbrotzelt, bevor die Sonne hinter der'Staub- wand der Steppe verschwindet, knacken trockene Zweige, die fleißige Hände für das Kochen sammeln, weiß und beizend qualmen bäuerliche Dunq- seuer auf. Ein Mörser klingelt, in dem Zucker oder 'Korner gestoßen werden. Hier und da tönt ein Melodiefetzen, unfern Jodlern ähnelnd, aus der Dämmerung. Der leise Abendwind weht den Duft :n Butter gedämpften Reises über die hohen Lehmmauern.Schnell dunkelt es und ebenso schnell wird es kalt. Das Leben im Garten hat gänzlich aufge- hort. Keine Grammophonplatte mit heimatlich anmutendem deutschen Refrainqesang erschallt mehr wie vor wenigen Tagen. Die Haustüren werden früh geschlossen. Um acht Uhr herrscht schon tiefste Nachtruhe. Nur Hunde bellen den Mond oder die umhersträunenden Schakale an, die mit kläglichem Geschrei flüchtig durch die dunklen Büsche huschen.
Meist sind es die Ausländer, die ihre Umsiedlung von Woche zu Woche verschieben, denn nun vergoldet die klaren Herbsttage eine erträglich warme Sonne, nun hemmt keine Hitze mehr den Pferde- und Tennissport, nun ist die Zeit gekommen, in der man Feiertags wandernd durch die reizvolle Landschaft streifen kann. Aber auch für die Gäste nus dem kühlen Europa kommt der Tag, an dem das bequemere Stadtleben begehrenswert erscheint. Für die einen sind die Tage zu kurz und die Nächte zu kalt geworden, den andern ist auf einmal die tägliche Fahrt in die Stadt zu mühselig. Die Landstraße wird nicht mehr gesprengt, nachdem der Schah die Sommerresidenz verließ. Grau verstaubt
der großen Wetterübersichten haben wir seit Septemberanfang weit überwiegend gutes Wetter gehabt, das zum Teil ausgesprochen sommerlich wirkte, während der eigentliche Sommer, insbesondere Juli und August, ein erheblich größeres Maß an Schlechtwetter brachte. Doch abgesehen von dieser periodischen Abwechslung Gut- und Schlechtwetter hat der November als der „Nebelmonat" den besonderen Nachteil, meteorologisch und klimatisch Mitteleuropa in ein Uebergangsgebiet zu bringen, wo die Vermischung verschiedener Luftarten die stärkste Neigung zu Trübung, Niederschlägen oder Stürmen erzeugt. Daher rührt im November die unbeständige Wetterform, oder die Veranlagung zu oft tagelang währenden Nebeln und Niederschlägen.
hängen die früher grünen Bäume ihre Zweige zu Boden. Auch für die Gärten spendet das wohlaus- geklugelte altpersische Bewässerungssystem, das in offenen Gräben bisher alle sieben, nun aber nur alle Tage Wasser heranbringt, nicht mehr genügend Feuchtigkeit. Traurig neigen die vertrock- nenden Blumen ihre Köpfe. Erst die frühwinter- *Icv^n Regen werden die lechzende Natur wieder erfrischen, dann aber werden auch die lehmigen Wege ungangbar. Die Diener werden mürrisch, ihre meisten Freunde sind schon in der Stadt, sie haben keine Ansprache mehr. Auf dem Markt sucht man vergeblich gutes Obst und Gemüse, das Geflügel ist selten, nur noch Hammelfleisch wird angeboten, aus dem auch die fähigen iranischen Köche trotz guten Willens auf die Dauer keine abwechslungsreichen Mahlzeiten bereiten können. Die langsam abreißende Verbindung zur Stadt, immer ein Pro- blem, weil der Omnibus nur fährt, wenn er bis auf den letzten Platz besetzt ist und die Hauptstadt Teheran bis heute keine A u t o t a x e n mit Zähl- uhren besitzt, so daß die Fahrer beliebige und trotz des billigen einheimischen Betriebsstoffes sehr hohe Preise verlangen, wird für den, der kein Privat- auto hat, zum letzten Zwang, die idyllische Berg- und Oasenlandschaft zu verlassen.
Noch rattern auf der Landstraße die kleinen Fuhrkolonnen, noch laufen die Lastträger mit den großen Tabletts aus Holz zu Tal, aber'schon stören seltener die Autos ihren gleichmäßigen Trott. Ende Oktober wird auch dieses letzte Leben und Treiben der Schimraner Sommerfrische versiegt sein. 23er- hungert summen die Wespen um späte' Blüten, hellblaue kleine Herbstastern wie auf den Blumenbeeten in der Heimat. Raubvögel kreisen in blauen Höhen. Das Laub wird gelb. Verträumt bleiben die Gärten im Glanze des Spätherbstes zurück, der bereits den Winterschlaf ahnen läßt, auf den eine neue Saison frühjahrsfroher Sommerfrische folgen wird, nach deren Erleben die Teheraner im Grau des Stadtwinters sich ebenso sehnen wie die Vermieter der Gartenhäuschen, die in drei bis fünf Monaten den Unterhalt für ein Jahr finden wollen.
Professor Dr. Julius Mayr an der Universität Münster wurde als Ordinarius für Haut- und Geschlechtskrankheiten an die Universität München berufen.
Teppichen und Decken, Gartenstühlen und einfachem Hausrat, dem bet Transport auf holprigen Wegen keinen Schaden zufügen kann. Noch bis Anfang Juli zockeln die Pferdchen Tag für Tag die Landstraße bergwärts. Neben ihnen schreiten in königlich aufrechter Haltung Lastträger mit großen runden Tabletts aus Holz auf dem Kopf. Auf diese Art werden die zerbrechlichen Gegenstände wie Geschirr, Gläser und Petroleumlampen befördert. Die Zahl der auf der sonst stillen Straße verkehrenden Autos nimmt zu, einem Korso gleich reiht sich Wagen an Wagen. In den Bazargassen des Hauptdorfes Tedschrisch wird es lebendig, die eisernen Rollverschlüsse rasseln in die Höhe, Bretterverschalungen werden abgejchraubt, ein Laden nach dem andern öffnet sich, meist sind es Filialey von Teheraner Geschäften, so daß der städtische Marktbesucher fast alle seine gewohnten Bedürfnisse zu befriedigen vermag.
Der Himmel in Schimran unterscheidet sich durch seine tiefe Bläue von dem über der Stadt. Keine Staubschicht macht ihn grau. Blinkend spiegelt sich das Sonnengold im Grün der dicht verwachsenen Gärten, in den Obstbäumen, auf dem breiten Laub- dache der Maulbeerbäume oder Platanen und im gelblich getönten Blattwerk der schlanken Pappeln, den künftigen Trägern der aus Stampflehm gebauten Häuser, wie sie hier üblich sind. Die zahlreichen Vögel nehmen nicht viel Notiz von den eindringenden Sommerfrischlern. Hühnergroße Nebelkrähen lassen sich mit lautem Plumps auf den Blechdächern nieder und spähen gierig nach unbewachter Butter oder übriggebliebenem Frühstücksbrot. Weiß leuchten die Bäuche der ausaeregten Elstern und farblrob die der ewig krakehlenden blaugoldenen Mandelkrähen. Unbefangen pickt die Baumpolizei der Spechte an den Stämmen herum. Je stiller Haus und Garten liegen, um so lauter werden sie von den gefiederten Wesen umflattert. Nur Amseln und Nachtigallen lassen den Wohllaut chrer überall in der Welt gleichen Lieder vernehmen. Die Menschen treffen sich nach schwerer Arbeit in den brutheißen Büros der Stadt bei abendlicher Geselligkeit in den kühlen Gärten, bei ein wenig Sportbetrieb, Schwimmen, Reiten oder Tennis. Ihr Dasein in Schimran, dessen Sinn es ist, in frischem Grün den Ablauf des Hochsommers abzuwarten, plätschert sanft dahin, bis aanz plötz- . lich gegen Ende August oder Anfang September das erste Berggewitter eine so starke Abküh- i lunq der Nächte bringt, daß die in den Gärten aufgestellten Feldbetten eilig zusammengeklappt und mit den anderen Sachen wieder auf eines der Wägelchen geladen werden, deren Prozession zu Tal nun beginnt.
e,a§eute 2)len5ta9/ treten um 19.45 Uhr alle M.- und JM.-Gruppenführerinnen des Standortes Gießen mit je einer Scharführerin an der Aula der Univer- sitat zur Kundgebung mit Heinrich Zillich an.
,30 RM. für Eintrittsgeld sind mitzubringen.
?^okwild kommt nur am Taunusrande, im westlichen Vogelsberg und im Oberwald als Standwild vor. Infolge zielbewußter Bejagung war die Geweihbildung im westlichen Vogelsberg bei weitem am besten, während es erst des Eingreifens des Reichsjagdgesetzes bedurfte, um auch 'im Taunus eine ganz wesentliche Verbesserung eintreten zu lassen. Wenn außerhalb der genannten Gebiete Rotwild auftritt, was meist nur in einzelnen Stücken geschieht, so handelt es sich um Wechselwild, das nicht Standwild werden soll.
Schwarzwild kommt nirgends häufig vor, am meisten in den Kreisen Alsfeld und Büdingen. Da es sich aber um ein Land mit hoher Bodenkultur handelt, macht sich der Schaden auch eines geringeren Bestandes unangenehmer bemerkbar, als der wesentlich höherer Bestände an Schwarzwild anderwärts empfunden wird. Daraus ergibt sich auch die Anweisung des Landesjägermeisters, nach der Schwarzwild nirgends geduldet werden soll.
Das Rehwild, das wichtigste Wild der „Provinz" Oberhessen, ist zahlenmäßig recht gut vertreten, während es in seiner Gehörnbildung noch zu wünschen übrig läßt. Das Verhältnis von Bock zu Ricke, das früher in vielen Revieren durch zu starken Bockabschuß ungünstig war, hat einen Stand von 1:1, 5—2 erreicht.
Die schweren Regen des Vorsommers und die Dauerregen im Herbst und Winter haben die Niederwildstrecke recht ungünstig beeinflußt. Vieles Jungwild siel den wolkenbruchähnlichen Regen zum Opfer, Wild jeden Alters war Krankheiten ausgesetzt, die durch die Nässe gefördert wurden. Darum ließ die Strecke an Rebhühnern, Fasanen und Hasen viel zu wünschen übrig.
Sehr gering und kaum bekannt ist der Bestand an Waldhühnern, von denen nur das Auerwild im Nordosten in Frage kommt, da das früher verbreiteter vorkommende Haselhuhn wohl ganz verschwunden ist.
Spielt die Jagd auf die Ente auch lange nicht die Rolle, wie etwa am Rhein, so ist doch zum Teil ein wieder besser werdender Besatz zu bemerken.
Die Zahl der Füchse dürfte etwas zugenommen haben, dafür ist auch die Abschußzahl gewachsen. Wenn auch hier und da einmal eine hungrige Fähe nach altem Brauch „die Gans gestohlen" hat, so war dies auch früher schon so. Der Jäger hat nach dem Verbot des Tellereisens schon wieder die Jagd mit dem Erdhund gelernt, das Fuchsdrücken und andere Jagdarten als besonders reizvoll empfunden und dam'it die Möglichkeit erhalten, auch den roten Schelm in seinen Grenzen zu halten.
Sehr stark ist der Bestand an Dächsen, vermutlich stärker, als für die Niederjagd gut ist.
Der festgesetzte Abschuß an Schalenwild murde mit über 90 v. H. erfüllt, wobei besonders bas starke männliche Wild eine freiwillige Schonung erfuhr. Daß an seiner Stelle mehr geringe Döcke abgeschossen wurden, kann als gutes Zeichen für das Verständnis der Jägerschaft gewertet werden.
Es wurden nur wenige Jagden öffentlich verpachtet. Die meisten freiwerdenden Jagden gingen 3U seitherigen Preisen freihändig an die bisherigen Pächter über. Bei Neuverpachtungen wurden, wo I
6orf)fd)utnacbnd)fen.
Professor Dr. Ludwig Mohler an der Univer- ntät Würzburg wurde als Ordinarius für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit an die Universität München berufen.
71S0. „Kraft durch Freude".
Theatervorstellung.
Am Sonnabend, dem 6. November 1937, 20 Uhr. '-Große KdF.-Miete", Gruppe I (3. Vorst.) 7152V
»Uta von Naumburg."
Schauspirl in 3 Akten von Felix Dhünen.
Eintrittspreise 0,90 RM.
Karten sind noch im Vorverkauf auf der Kreis- dienststelle, Schanzenstraße 18, und durch die Betriebswarte erhältlich.
BOM.- u.ZM.-llniergau 116,(5iefmL
Vornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadtheater: 20 bis 23 Uhr „Eine Nacht in Venedig". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Seine Tochter ist der Peter". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Wildnis stirbt". Hans Schornburgk spricht persönlich. — Kundgebung aus Anlaß der „Woche des Deutschen Buches 1937", Goetbe-Bund und Kaufmännischer Verein: Heinrich Zillich liest aus eigenen Werken. — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brandplatz.
Sladllheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die erste Wiederholung von „Eine Nacht in Venedig", Operette von Johann Strauß, statt. Musikalische Leitung Kapellmeister löhne putzen ist Diel, löhne pflegen alles.
Nicht darauf kommt es an, mit welcher Kraft Sie die Zähne putzen, sondern darauf, daß auch der äußerste Winkel der Zahnreihen erfaßt wird. — Nivea« Zahnpasta dringt überall hin und wirkt auch dort, wo die mechanische Reinigung nicht hinreicht Das ist dann Zahnpflege!
des Weltkrieges hatten wir zweimal einen November, der die Temperaturen auf 10 bis 20 Grad Kälte absinken ließ. In anderen Jahren, wir erinnern an den November 1935, kam es noch zu ausgesprochen warmen Perioden, waren doch seinerzeit in der ersten Novemberdekade 15 bis 20 Grad Mittagstemperatur an der Tagesordnung.
TI.
Afrika-Forscher Hans Schornburgk spricht.
Wie wir bereits berichteten, wird am heutigen Dienstagabend der Afrika-Forscher Hans Schorn- b u r g k, der in vielen Expeditionen Afrika bereist hat, über feine Erlebnisse und Eindrücke sprechen. Zugleich wird sein Film unter dem Titel „Die Wildnis stirbt" zur Ausführung gelangen.
P o p e l k a , Spielleitung Karl-Ludwig Einstudierung der Tänze und choreogr. „ Irmgard Zenner. 6. Vorstellung der Dienstag-Miete, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr.
Detr.: Arbeitsgemeinschaft der HI.
Am 5. November, 20 Uhr, kommen alle Mädel- und Jungmadelgruppensührerinnen an das Marine- HJ.-Heim in der Roonftraße zum Arbeitsgemein- fchaftsabend. Alle Mädelgruppenführerinnen find
Mit besonders guter Laune hat sich der Oktober in der vergangenen Woche verabschiedet. Wenn wir keine Kalender gehabt hätten, und nicht den Anblick der fast entlaubten Bäume, könnte man mit Fug und Recht an schöne Hochsommertage glauben, denn in der vergangenen Woche erreichten die
Temperaturen in ganz Deutschland bei strahlend blauem Himmel 20 bis 22 Grad im Schatten, und in den klimatisch begünstigten Teilen des Rheinlandes wurden sogar 25 Grad Wärme verzeichnet. Die Ursache dieser unzeitgemäßen und zum Teil rekordmäßigen Spätherbstwärme war namentlich eine föhnartige Luftbewegung, durch die an und für sich sehr warme Luftmassen aus großen Höhen ZU Boden sanken. Eine derartige zu Boden verlaufende Luftmassenbewegung ist in Gebirgsgegenden, besonders in der Alpenzone, sehr häufig und mit einer sog. dynamischen Erwärmung der 'Luftmassen verbunden. Im Rheinland war diese Föhnwirkung so stark, daß bereits vor Sonnenaufgang die abnorme Wärme von 18 Grad gemessen wurde, eine Temperatur, die sich für gewöhnlich nur mit den heißesten Sommertagen verbindet.
es angemessen erschien, auch noch Abrundungen im Sinne des Reichsjagdgesetzes vorgenommen.
Die Jägerschaft faßte ihre Mitglieder in Hegeringoersammlungen, Kreisjägerappellen mit Trophäenschauen und schließlich zu einem großen Gau- appell mit Gautrophäenschau in der Volkshalle in Gießen zusammen. Ein Besuch von rund 3500 Personen in 2V2 Tagen beweist das lebhafte Interesse, das auch die Nichtjäger an der Arbeit der Weidmänner nehmen.
Erhebliche Geldmittel wurden aufgewendet, um einwandfreie Schießstandsanlagen zu schaffen. Denn nur der kann weidgerecht jagen, der auch die Waffe wirklich zu führen weiß.
Die Reichsautobahn, auf die wir alle mit Recht stolz sind, hat sich — jagdlich gesehen — leider bis jetzt zu einem Schmerzenskind entwickelt. Mag sein, daß dies aus besonderen Gründen in erhöh- tem Maße für das Stück gilt, das am Taunusrande entlangführt. Das aus den Wäldern zur Aesung ziehende Wild muß die Bahn kreuzen. Soweit überhaupt bekannt wurde, sind von Ende September bis Ende März 17 Stück Rotwild und über 20 Stück Rehwild dort überfahren worden. Glücklicherweise ging es bei den Wagen bis jetzt noch mit Sachschaden ab. Daß es genau so gut einmal anders kommen kann, beweisen Fälle aus anderen Gegenden. Darum hat sich die Jägerschaft im Interesse von Mensch und Wild bemüht, die gefährlichsten Stellen festzustellen und durch Warnzeichen kenntlich zu machen. Diese Bemühungen verdienen die Beachtung und Mitarbeit aller Benutzer der Autobahn und werden auch höheren Ortes so gewertet.
Weber die Beteiligung der oberhessischen Jägerwelt am Winterhilfswerk ist früher schon berichtet worden. Wenn die Eigenjagdbesitzer und Jagdpächter gern in ihrer Weise durch Wildspenden an diesem größten Sozialwerk mitarbeiteten, so brachten sie damit ihren Dank zum Ausdruck für bas, was das Reichsjagdgesetz ihnen gegeben hat und das sie von Jahr zu Jahr mehr in seinem Wollen verstehen und würdigen lernen. Darum fann es auch am morgigen Hubertustage nur heißen: Im gleichen Geiste auch in Zukunft Heger und Jäger fein!
Eine Siadi zieht zu Tal.
Von unserem H H.A.-Berichterstaiier.
f Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Teheran, im Oktober 1937.
Teheran, die Hauptstadt Irans, liegt in einer etwa 1300 Meter hohen Bergsteppe, die nur dort drüne Flecken in der Landschaft aufweist, wo künstliche Bewässerung den an und für sich fruchtbaren Boden zu blühendem Leben erweckt. Heiße Sommer und kurze kalte Winter kennzeichnen das Klima: Im Juli und August steigt das Thermometer im Schatten mitunter über vierzig Grad. Dann brütet über den neu angelegten schönen breiten Asphaltstraßen eine fast alles Leben erstickende Hitze und aus den noch ungepflasterten Gassen fegt der glühende Steppenwind dichte Staubwolken über die Häuser hinweg. In den Kontoren laufen Ventilatoren, das Speiseeis wird zum begehrtesten Genuß, die Räume der oberen Stockwerke unter den Blechdächern werden geräumt und die Kellergeschosse, Sirsamin genannt, für die heißesten Wochen wohnlich gemacht. Wer in Teheran eine neue Wohnung bezieht und die Sommerzeit in der Stadt zu verbringen gedenkt, wird unbedingt ein Haus mit Sirsamin wählen, obwohl auch Bort Temperaturen bis 36 Grad nicht selten sind.
Die Bewohner Teherans haben aber noch eine andere Zufluchtsmöglichkeit vor der Hundstagshitze, nämlich den Umzug in die kühle grüne Oase Schimran am Fuße der hohen Elburskette, deren Schneegipfel bis spät in den Sommer hinein kühle Winde und Wasser zu Tal senden. Der Distrikt von Schimran mit seinen als Sommeraufenthalt bevorzugten Dörfern Golhek, Tedschrisch und Derbend liegt etwa 300 Meter höher als die Stadt, von der sie zehn bis zwölf Kilometer trennen. Hier hat der Herrscher sein Sommerschloß, das er Anfang Juni mit feinem Gefolge und den Hofbeamten bezieht, hier sind auch die ständigen Sommersttze der ausländischen Missionen und vieler wohlhabender Teheraner Bürger. Außerdem stehen Hunderte von größeren und kleineren Gartenhäuschen zum -vermieten bereit, deren bäuerliche Besitzer den Sommer dann selbst in Zelten verbringen. Mitte Mm beginnt gewöhnlich die Uebersiedlung. Dann zieht eine endlose Schlange kleiner Pferdewagen über die Landstraße zwischen Teheran und Schimran. Sie sind bepackt mit den wenigen Habseligkeiten, Die die Großstadtmenschen aurf) in dem naturnahen Sommerleben nicht missen mögen: Feldbetten und zu Wasserbehältern verarbeiteten Benzinkanistern,
Am Hubertustage 1937, am morgigen 3 9>n= »Aber, .sind die Augen aller Weidmänner der Oander, m denen man ein „Weidwerk" kennt nach S" gerichtet, wo der Reichsjägermeister des Deutschen Reiches, Generaloberst Hermann G ö - ring, die gewaltigste Jagdschau eröffnen wird die bis letzt geschaffen wurde und an deren Zustandekommen durch Ueberlassung von Beutestücken u. a. 25 Kulturnationen teilnehmen, ein Olvmvia der Jäger", wie Reichsjägermeister G ö r'i n g vor Jahresfrist m Braunschweig die Ausstellung an- kundlgte. Sie wird vor allem von der , Deutschen Jagerschaft" getragen und ist berufen, Zeugnis abzulegen vom Wollen und Wirken deutschen Weid- werks das in feiner Eigenart nur noch in wenigen uns stammverwandten Landern in seiner ganzen Wesensart verstanden wird. 3 n
Stellt die „Internationale Jagdausstelluna 1937" elnen ^ Rechenschaftsbericht der Deutschen Jagerschaft überhaupt dar, so wird in dem soeben erschienenen Jahrbuch der Deutschen Jäger chaft" die „Strecke eines einzelnen Jagdjahres des Jahres 1936/37 (1. April 1936 bis 31. Mär,' 19371 »gelegt Es gibt keine bessere Unterlage für ein Sennenlernen der weiten Aufgabengebiete der deutschen Jagerei und der Wildstands- und Jagd^ Verhältnisse in den Landern und Gauen unseres Vaterlandes So enthält das Buch auch einen Be "Hk d°- G°ujiigerm-ist°r- des 3agb = Sauess Oberhefjen, dessen (Bau zwar >m Verlaus- des Jahres 1937 aus organisatorischen "" dem übrigen Hessen vereinigt wurde Aber Wild und Jagd in einer Landschaft sind das Ergebnis, des Bodens, der Bodenkultur des Klimas
m-sUNd da diese Grund,agen in den einzelnen Seilen Hessens z. T ganz wesentlich verschieden smd wird auch die oberhessische Jagd stets ihre besondere Eigenart behalten. Nicht nur den Jager bet vielfach nur fein eigenes, eng begrenztes Revier überblatt, sondern auch viele Nichtjäger, bei denen man großes Interesse für alles Jagdliche findet (das steckt wohl von altersher noch im Blute), wird es interessieren, darüber einmal etwas zu lesen
Schon in Ob-rh-sfen haben wir durch'Ne ?k5?^E»ldung verschiedener Landschaften, des da- laltischen, laubwaldtrageirden Vogelsberges, der fruchtbaren, waldarmen Wetterau. des Ta'unus- randes und des Gießener Beckens keineswegs einheitliche Verhältnisse, zumal noch Meereshöhe und Klima eine Rolle spielen. Vor allem erklärt sich daraus die verschiedenartige Verbreitung der einzelnen Wildarten.
Im übrigen bringt der November unweigerlich die ersten Vorstöße der Winterkälte. Die sog. Kälteherde, die sich bereits im Oktober über Grönland und Nordrußland bilden, werden im November aktiv und dehnen sich namentlich nach Süden aus. Wenn auch die von diesen Kälteherden ausgehen-! B e t r.: B u ch w 0 ch e den Frostwellen nur in den extremen Fällen Deutschland erreichen und dort eine beständige Kältewetterlage mit bleibendem Schnee erzeugen, so muß doch mit einzelnen stärkeren Nachtfrösten und Tagestemperaturen um Null auf alle Fälle gerechnet werden. Temperaturmäßig verläuft der November, der eine Durchschnittswärme von vier Grad Celsius in der norddeutschen Ebene und von zwei Grad Celsius in Ostdeutschland bzw. in den niittel- und süddeutschen Landzonen aufweist, in den einzelnen Jahren sehr verschieden. Während


