nr. 250 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Samstag, 2. Mober (937
Aus der Stadt Gießen.
Dankbarkeit!
Dor etlichen Jahren starb ein Mann, ein her- zensguter und leutseliger Junggeselle, aber ein Sonderling, der in seiner Lebenshaltung und -füh- rung mit den Durchschnittsmenschen seiner Umwelt nicht übereinstimmte. Sein geistiges Erbgut war nicht groß, dafür war ihm von seinen wohlhabenden Eltern Hab und Gut von großem Wert zuge- fallen. Don dem abergläubischen Gedanken beherrscht, er dürfe ein Testament nicht errichten, weil er sonst bald sterben müsse, lebte er seine Tage dahin, bis ihn eines Tages der Tod überraschte, ehe er ans Sterben dachte. Er besaß nur entfernte Verwandte, z. T. Menschen, die gar nicht wußten, daß sie mit dem Manne überhaupt oder in einem Grade verwandt waren, der sie zur Erbfolge berechtigte. Das Gericht hatte mit der Feststellung dieser fröhlich Hinterbliebenen ein gut Stück Arbeit, und gerne steckten diese die guten Erbportionen in ihre zum Teil schon wohlgefüllten Taschen.
Einige Jahre nach seinem Ableben kam ich auf den Friedhof, da er begraben lag, und ließ mir vom Aufseher seine Ruhestätte zeigen. Ach, wohl stand da auf dem Grabe ein sehr bescheidenes Denkmal. Besser hätte aber auch das nicht dort gestanden; denn die Grabstätte war vollkommen ungepflegt und von Unkraut aller Art überwuchert. Kein „Erbe" hatte sich bewogen gesunden, auch nur einen Efeustock oder einen Rosenstrauch auf das Grab zu pflanzen. Der da unten schlief, empfand nicht diese Vernachlässigung seines Andenkens. Aber manche, die ihn als wahrhaften Biedermann gekannt hatten und feinen Namen nun auf dem Grabsteine lasen, wird es — mit Ausnahme der „Erben" — gerade so gegangen sein wie mir: es kam ihnen wohl ein bitterer Geschmack auf die Zunge ob der Undankbarkeit, die sich in solcher Nichtpflege des Grabes als grobe Unterlassungssünde offenbarte.
Der wahrhaft vornehme Mensch gibt und schenkt zwar gern und läßt die Linke nicht wissen, was die Rechte tut. Echte Vornehmheit ist eine innere Gesinnung und hat mit hoher Geburt, mit Rang, Stand und irgendwelchen Ehrenstellungen nichts zu tun. Es kann jemand ein großer Herr sein oder sich als solcher gebärden. Denkt er aber nur an sich, in Gegenwart und Zukunft, wie arm ist er doch! Hat jedoch ein Armer die Gabe, sein Weniges mit anderen zu teilen und den Eigennutz für feine Person hintanzustellen, wie reich ist doch eine solche.
an Gutem dieser Erde gering begnadete Seele! Es
sage keiner, solche kleinen Wohltäter gebe es nicht. Sie sind viel zahlreicher, als man glaubt.
Menschen, die echte Freude am Schenken haben, sind niemals arm. Ihnen ist die Gottesgabe verliehen, andere glücklich zu machen. Es gab in unserer Heimat ein mit Kindern gesegnetes Pfarrhaus. Wer dort einkehrte, erhielt Kaffee und Kuchen
in Fülle. Die Pfarrersleute mußten sich aber deshalb heimlich bitter einschränken, und sie taten es auch. Ihre Freude und ihr langes Glück bestand in der Beherzigung des Spruchs: „Wohlzutun und mitzuteilen vergesset nicht!" Aus den Kindern dieser Familie wurden bedeutende Menschen.
Das Gegenstück zum Schenken sollte das Danken sein. In der Regel ist das wohl auch der Fall. Aber es sollte nicht ein bloßer Lippendank sein. Süße, schmalzige, vielleicht sogar heuchlerische Dankes- worte sind billiger als Brombeeren, die an einer Dornenhecke stehen. Wo der Geber den Dank von vornherein begehrt, würdigt er nicht nur die Gabe, ionbern auch sich selbst herab. Dort aber, wo sich das Sprichwort bewahrheitete „einen fröhlichen Geber hat Gott lieb", wird er euch einen dankbaren Nehmer finden.
Als einfache Weisheit sollte der Satz gelten: Wer nicht echt zu danken vermag, sollte sich niemals be= Ichenken lassen, sollte sogar eher eine Erbschaft aus- chlagen, als das Grab eines Erblassers verunkrau- en lassen. Dann sähe es auf mancher Friedhofstätte und — bei den Lebenden gewiß oft besser ms. O.
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Gießener Giadiiheater.
Ludwig Thoma: „Moral."
Die Abstände, die uns heute von dem 1909 erschienenen Stück trennen, werden schon bald nach iem Aufgehen des Vorhanges offenkundig. Dazu gerügt ein Blick auf die Kostüme, ein Blick auf die geräuschvoll sich entfaltende Gesellschaftsszene: wir befinden uns in jener andern Welt vor dem Kriege, lind der größere Teil der handelnden Personen repräsentiert gewisse, ziemlich scharf umrissene Typen, die mittlerweile ausgestorben sind. Dieser Rentier, dieser Kommerzienrat, dieser Oberlehrer, dieser Polizeiassessor — das sind menschliche und soziale Erscheinungen, die es heute, jedenfalls als typische Vertreter ihres Standes, ihrer „Schicht" oder ihrer Weltanschauung, einfach nicht mehr gibt.
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Deshalb erlebt der Beschauer von 1937 das doch gar nicht einmal so alte und erst vor nicht langer Frist sogar verfilmte Stück als einen historischen Vorgang. Das ist nicht etwa chronologisch zu begründen, denn es gibt sehr viel ältere und auch in viel älteren Zeiten spielende Stücke, die wir zwar äußerlich, im Kostüm, als geschichtlich empfinden, die uns aber menschlich durchaus nah und gegenwärtig sind, deren Probleme und Konflikte wir als die unseren oder wie unsere •eigenen empfinden und zu behandeln bereit sind. Den heftigen und stellenweise grundsätzlichen Streitgesprächen, die in Thomas „Moral" geführt werden, folgen wir dagegen afs erheiterte, aber im Grunde unbeteiligte Zuhörer. Wenn die drei Akte trotzdem noch heute ihre Wirkung nicht verfehlen, so liegt das, wie uns scheint, daran, daß sie nicht im Sinne eines Problem- oder Diskutierstückes auf uns wirken, sondern durch die einmalige Situation, die zur Zeit der Entstehung der Komödie (so nennt es Thoma) eine lotirische Feder herausfordern konnte.
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Die Satire als solche stößt heute ins Leere, weil ihr die Angriffsflächen entzogen find; die Situation ist in ihrer Zuspitzung von unwiderstehlicher Komik, einer Komik freilich, die schon ans Groteske streift und manchmal eines peinlichen Untertones nicht entbehrt. Was Thoma hier treffen wollte und auch getroffen hat, war die falsche und angemaßte moralische Entrüstung, die elende Heuchelei, die Wölfe im Schafspelz. Er hat sich dazu eines ungewöhnlich drastischen Beispiels bedient, indem er sich und uns ousmalt, wie drei würdige und hochangesehene Vorstandsmitglieder eines Vereins zur Heb: 'g der Attlichtell auf die fatalste Welse dem von ihnen
Hitler-Jugend und Schule.
Zungbannführer Taesler spricht vor der Fachschaft „Höhere Schule".
Die Fachschaft „Höhere Schule" tm NSLB. oer- einigte gestern im Singsaal des Realgymnasiums ihre Mitglieder zu einer Vortragsveranstaltung. Pof. Dr. Adolph begrüßte die Teilnehmer. Jung- bannführer Taesler sprach dann sofort über das Thema „Ziele und Aufgaben der Hitler-Jugend und Schule". Bisher seien, so führte er u. a. aus, das Elternhaus und die Schule als Erziehungsfaktoren für ausreichend angesehen worden. Allerdings habe der Staat einer vergangenen Zeit auch keine beherrschende Idee gehabt. Diese Staatsidee sei aber nun durch den Nationalsozialismus gegeben. Der Bestand des deutschen Volkes sei für eine Ewigkeit gedacht und der Jugend, als der Trägerin der Zukunft, müsse eine dementsprechend ausgerichtete Erziehung zuteil werden. Der Jugend seien die Gehalte der neuen Weltanschauung am besten nahezubringen. Die Jugend müsse deshalb über Elternhaus und Schule hinaus erfaßt werden.
Der Führer habe die Staatsjugend, so wie sie sich selbst gestaltete, bestätigt. Die HI. sei aus sich selbst heraus das geworden, was sie heute sei. Sie habe den nationalsozialistischen Staat mit erkämpfen helfen. Aber auch nach der Machtergreifung sei ihr aber auch nichts in den Schoß gefallen. Vielmehr habe es nun gegolten, die Massenbewegung der deutschen Jugend aufzubauen. Hier habe die Jugend auf keinerlei Tradition lernen und Erfahrung zurückgreifen können. Die Aufbauarbeit sei also sehr schwierig gewesen. In seinen weiteren Ausführungen schilderte der Redner den organisatorischen Aufbau der HI. bzw. des Jungvolks. Er wies ferner darauf hin, wie im Jungvolk der 10- bis 14jährige erst einmal zu einem „Kerl" erzogen und er lernen solle, sich einer Gemeinschaft einzusügen, er erfahre die Grundschule der Leibesübung, werden in die Bastelarbeit eingeführt, arbeite in der Werkstunde und gehe auf Fahrt. Die Hitler-Jugend habe die
Aufgabe, weltanschauliche Gedankengänge zu vertiefen.
Für diese Arbeit, die die Führung der Staatsjugend zu leisten habe, bedürfe sie des Verständnisses der Lehrerschaft. Die Arbeit von Schule, Elternhaus und HI. habe das gemeinsame Ziel, ein Volk zu formen. Bei dieser Arbeit dürfe man nicht an Kleinigkeiten hängen bleiben. Die HI. werde auch die Erfordernisse der Schule berücksichtigen und die Jugend anhalten, nicht nur im Dienst, sondern auch in der Schule ihren Mann zu stehen. Von einem jungen Führer werde füglich erwartet, daß er nicht nur vor seiner Einheit etwas tauge, sondern auch in der Schule nicht zu den schlechten Schülern gehöre. In seinen weiteren Darlegungen beschäftigte sich der Redner noch kurz mit der kulturellen Arbeit der HI. und gab. so ein geschlossenes Bild der Bemühungen um die deutsche Jugend. Er schloß mit den Worten, daß es in der gemeinsamen Zusammenarbeit von Schule, Hitler-Jugend und Elternhaus gelingen werde, eine Jugend heranzubilden, die unserem deutschen Volke den Platz an der Sonne zu erringen vermöge, der ihm gebühre. In einer regen Aussprache wurden noch einige Einzelheiten zur Sprache gebracht. Mit Worten des Dankes an den Redner schloß der Fachschaftsleiter die Zusammenkunft.
Hitler-Jugend Bann 146 Gießen.
Belr.: Führeriagung aller Unlerbannfuhrer sowie des gesamten Bannstabes 116.
Am kommenden Montag, 4. Oktober, findet eine Führertagung aller Unterbannführer sowie des gesamten Bannstabes 116 auf der Banndienststelle statt. Die Führertagung beginnt um 20.30 Uhr.
Gießener SS vor Führer und Duce.
Einer Anzahl SS.-Kameraden der Gießener Einheiten war in den Tagen des Besuches des Duce bei unserm Führer Adolf Hitler das große Erleben befchieden, durch ihren Dienst Augenzeugen jenes unvergeßlichen Ereignisses zu sein und dabei nicht nur in altbewährter Weise Dienst für den Führer zu leisten, sondern auch eine bis an das Lebensende währende Erinnerung zu gewinnen. Voll Stolz auf diesen Dienst und mit großer Freude über das starke Erlebnis kehrten die SS.-Kameraden von Gießen am Donnerstag früh hierher zurück.
Es war für die Männer der SS. allerlei Anstrengung, die sie in der letzten Zeit auf sich zu nehmen hatten. Aber in bekannter rückhaltloser Einsatzbereitschaft stellten sie auch hier wiederum voll und ganz ihren Mann. Sie waren eben erst aus Nürnberg vom „Parteitag der Arbeit" heimgekehrt. Da rief sie ein neuer Dienstbefehl zu der neuen großen Leistung auf, die ihrer in München und in Berlin harrte. Ungesäumt wurde wieder der Tornister gepackt, und dann ging es am späten Abend des 22. September mit Begeisterung angesichts der großen Aufgabe und mit frohem Herzen zum Gießener Bahnhof. Der Sonderzug des SS.- Abschnitts XXX, der unter dem Kommando des Führers der 83. SS.-Standarte, SS.-Sturmbann- führers Müller in Gießen, stand, war in Kassel gegen 23 Uhr abgefahren. Gegen 1 Uhr am 23. September traf dieser Zug in Gießen ein, von wo er nun die SS.-Kameraden aus der Gießener Einheit mitführte. In den späten Morgenstunden des 23. September kam der Zug in München an. Voll froher Erwartung unserer SS.-Männer verging der erste Tag in München, der mit den Vorbereitungen für den Empfang des hohen Gastes ausgefüllt war. Zur größten Freude unserer Gie
ßener SS.-Männer hatten sie bei dem Absperrdienst das Glück, in der Ludwigstraße, dep Pracht- strahe Münchens, beim festlichen Einzug des Führers mit dem Duce in vorderster Linie zu stehen und dadurch die beiden großen Staatsmänner aus nächster Nähe zu sehen. Dieser große Gewinn des Tages beschwingte unsere SS.-Männer in hohem Maße.
Am Samstag spät abends ging es dann mit der Bahn im Sonderzug wieder von München fort durch die herrlichen deutschen Gaue nach Berlin. Hier hatten unsere oberhessischen SS.-Männer, ebenso wie ihre Kameraden aus anderen Gegenden Deutschlands, anstrengenden Dienst zu leisten, denn der begeisterte Jubel der Hunderttausende von Volksgenossen beim Einzug des Führers und des Duce in die Reichshauptstadt machte den Absperrungsdienst zu einer schweren Arbeit, da die Volksgenossen in ihrer gewaltigen Begeisterung immer wieder stark nach vorne drängten, die lebendige Absperrkette der SS. aber diesem Andrang standhalten mußte. Unsere Gießener SS.-Männer hatten ferner das Glück, am Dienstag in der Nähe des Maifeldes Zeuge der weltgeschichtlichen Kundgebung zu sein und am Mittwoch der Ehrung der Gefallenen durch den Duce am Ehrenmal beizuwohnen. Stramm wie immer und frohgemut im Dienst erfüllten die Gießener SS.-Kameraden auch in Berlin voll und ganz ihre Ausgabe.
Nunmehr sind sie nach treuerfüllter Pflicht still wieder in ihre Heimat zur alltäglichen Arbeit zurückgekehrt. Wie immer für den Führer, haben sie auch hier gern ihre Pflicht getan. Das große Erlebnis ist ihnen für alle Zeit schönster Dank und beste Anerkennung.
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Stadttheater, große „KdF."-Miete: 20 bis 23 Uhr „Maß für Maß". — Gloria-Palast (Seltersweg): „7 Ohrfeigen". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Liebe im ^-Takt". — VfB.-Reichsbahn: 20 Uhr Waldsportplatz, Familienabend. — DHE.: Monatsversammlung bei Boller (nicht Hopseld).
Tageskalender für Sonntag.
Kreisleitung Wetterau: 12.30 Uhr Cafe Leid, Erntedankfestfeier für sämtliche Ortsgruppen, evtl. Parallel-Versammlung im Frankfurter Hof. — Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr Morgenveranstaltung Erntedankfest, „Die Windsbraut". — Stadttheater: 19 bis 21.30 Uhr Erstaufführung „Im Rebeloch rumort's". — Gloria-Palast (Seltersweg): „7 Ohrfeigen". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Liebe im Vi-Takt". — Cläre Schlesier-Altmann: 10.30 Uhr Goethestraße 63 Schüler-Konzert.
Stadttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet eine Wiederholung von „Maß für Maß" von Shakespeare statt. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim. Diese Vorstellung findet als 1. Vorstellung der „Großen KdF.- Miete" statt. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen an der Abendkasse. Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.
Spielplan des Stadttheaters vom 3. bis 10. Oktober.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Sonntag, 3. Oktober (Erntedankfest), findet dis 1. Morgenveranstaltung dieser Spielzeit statt. Es gelangt „Die Windsbraut", eine Ballade von Richard Dillinger, zur alleinigen Uraufführung. In der vergangenen Spielzeit brachten wir Richard Dillingers „Stille Gäste" als westdeutsche Erstaufführung. Die Spielleitung der „Windsbraut" hat Dr. Erich Schumacher, musikalische Leitung: Heinz Markwardt unter Mitwirkung der HJ.- Spielschar. Beginn 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr. Für Platzmieter auf allen Plätzen 25 Pf. — Am Abend des Erntedankfestes findet die Erstaufführung des Lustspiels „Im Rebeloch rumorts" von Vomhof statt. Spieleitung: Dr. Erich Schumacher. Die einmalige Aufführung findet zu ganz kleinen Preisen außer Miete statt. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr.
Dienstag, 5. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr, zum letztenmal „Maß für Maß", Tragikomödie von Shakespeare, Spielleitung: Hermann Schultze-Griesheim. Dienstag-Miete, 2. Vorstellung.
Mittwoch, 6. Oktober, Anfang 19.30 Uhr, Ende 21.45 Uhr, „Moral", Komödie von Ludwig Thoma, Spielleitung: Hans Geißler. Mittwoch-Miete, 2. Vorstellung.
Freitag, 8. Oktober, Anfang 20 Uhr. Ende 22.30 Uhr, „Mein Sohn, der Herr Minister", Lustspiel von Birabeau. Spielleitung: Dr. Erich Schumacher. Freitag-Miete, 3. Vorstellung
Samstag, 9. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Erste Sondervorstellung für die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", „Mein Sohn, der Herr Minister", Lustspiel von Andre Birabeau. Spielleitung Dr. Erich Schumacher. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen nur an der Abendkasse.
Sonntag, 10. Oktober, Anfang 19 Uhr, Ende 22 Uhr, Erstaufführung „Das kleine Hofkonzert", Operette von Derhoeven und Impekoven, Musik von Ed. Nick. Musikalische Leitung: Joachim Popelka. Spielleitung': Karl Ludwig Lindt. Außer Miete.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschlossen.
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angeblich mit Ingrimm bekämpften Laster zum Opfer fallen.
Die Frau von Hauteville, in deren Hause sich der Skandal zuträgt, hat ein Tagebuch mit ganz genauen Eintragungen über ihre Gäste geführt; das Tagebuch wird von der Polizei beschlagnahmt, und zahlreiche Honoratioren der Stadt, an der Spitze die Sittlichkeitsapostel, sehen mit Zittern und Beben unauslöschlicher Schande und schrecklichen Familiendramen entgegen. Zu ihrem nicht vermuteten Glück wird aber der drohende Prozeß niedergeschlagen, als sich herausstellt, daß ein Mitglied des regierenden Hauses, der Erbprinz Emil nebst seinem Kammerherrn, sich der Entdeckung bei einer plötzlichen Haussuchung nur durch die Flucht in den Kleiderschrank der Hauteville entziehen konnte. Jetzt wird der Fall diskret erledigt, die Hauteville Landes verwiesen, und da sie sich weigert, das Feld zu räumen, kommen die Moraltrompeter mit einer Geldbuße davon: sie dürfen die Entschädigungssumme aufbringen, bei deren Aushändigung die Hauteville keine Schwierigkeiten mehr machen und unauffällig verschwinden wird. Damit ist die Moral, soweit sie „öffentlich" genannt werden muß, gerettet. —
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Herr Geißler hatte die Spielleitung; er betonte die Distanz, indem er das Stück von den historischen Aspekten aus inszenierte, die wir andeuteten. Es war ein Lustspiel im Kostüm, stellenweise schon ganz schwankhaft in der Wirkung; die satirisch gedachten Clemente wuchsen folgerichtig ins Groteske, besonders in den Szenen auf der Polizei: Herr Löffler hatte deren amtlich-korrekte Räumlichkeiten so liebevoll ausgestattet wie die weitläufige Eleganz des bürgerlichen Salons.
Die Darstellung durchlief die verschiedensten Schichten schauspielerischer Ausdrucks- und Wirkungsmöglichkeit. In einer ganz menschlichen Sphäre hielten sich etwa der unpathetisch-nüchterne Justizrat des Herrn Lindt, die von Frau Schubert- Jüngling sehr hübsch und überlegen gegebene Frau Lund und die Lina Beermann (Frau S t i r l), obwohl mit dieser Rolle ein ernsthafter Konflikt nur eben an gedeutet werden konnte.
Unter den unmoralischen Moralisten taten sich Herr Neuhaus und Herr Vo I ck durch die krasse Gegenwirkung von donnerndem Pathos und blasser Verzweiflung hervor. Wohlhabende Bürgerlichkeit repräsentierten Ruth-Ines E ck e r m a n n und Hans Paschen als Kommerzienratsehepaar Bolland. Else Monnard war die Dame Hauteville, „eine Private", wie Thoma sie mit diskreter Un
mißverständlichkeit bezeichnet hat: zwar phantastisch aufgedonnert, wie es dieser Figur entspricht, aber im übrigen mit angemessener Zurückhaltung in erfreulichen Grenzen. (Man kann dergleichen auch anders servieren.)
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Herr Frickhoeffer spielte, ihr gegenüber, den Polizeiassessor ganz auf Karikatur: mit scharfem Scheitel, hohem Kragen, hackenknallend und schnarrend. Im gleichen Stil wirkte Herr v. G s ch m e id - l e r als prinzlicher Kammerherr, wie eine gespenstig auferstandene Witzblattfigur von damals. Erich Weiland als Polizeipräsident: korrekt und loyal, auf die Vermeidung von Skandalen taktvoll bedacht; Herr Geiger machte einen gemütlich bayerischen Subalternbeamten, Anneliese Garbe einen wohlerzogenen Backfisch, Ernst Dittmar, bescheiden und sympathisch, den jungen Poeten. —
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Es gab schon bei offener Szene und vor allem zuletzt, lebhaften Beifall. Hans Thyriot.
Die Wissenschaft vom Rasieren.
Vier Jahre haben amerikanische Mediziner mit umfassenden Untersuchungen zugebracht, um zu ermitteln, wie man sich auf die beste Weise rasieren kann. Im Jahre 1931 wurde im Mellon-JnstitÄ eine Rasierklinik eingerichtet, in der 31 „Patienten" dauernd beobachtet wurden. Genaue Messungen zeigten, daß der Bart am schnellsten unmittelbar nach dem Rasieren wächst; man kann rechnen, daß das Wachstum etwa 12 Millimeter beträgt. Dagegen wird die Stärke des Haares durch die Häufigkeit des Rasierens nicht beeinflußt. Das Haar wächst auch nicht senkrecht aus dem Gesicht heraus, sondern in einem Winkel zwischen 30 und 60 Grad. Nach dem „Journal of the American Medical Association“, das über diese Untersuchungen eingehend berichtet, sind auch die wünschenswerten Eigenschaften der Rasierseife festgestellt worden. Die Ergebnisse sind für den, der sich seit längerer Zeit selbst rasieren muß, nicht überraschend; denn von der guten Rasierseife wird verlangt, daß sie ergiebig schäumt, nicht schnell auf der Haut trocknet und die Haut nicht reizt. Ferner soll sie das Haar weicher machen. Daß man keine stumpfe Klinge benutzen soll und besser warmes Wasser nimmt, hat die Wissenschaft auch bestätigt. Die Rasierklinge soll in einem Winkel von 20 bis 25 Grad zu der Hautfläche gehalten werden, und man soll es vermeiden, Toilettenseifen zu benutzen, die nicht besonders für das Rasieren gemacht find, well sie eine Reizung der Haut Hervorrufen.
dod)fd)ulnad)nd)ten.
Professor Dr. Albert von Hofmann, em. Honorarprofessor für Geschichte an der Universität Marburg, vollendete am 30. September das 7 0. Lebensjahr. Sein Spezialgebiet ist Geschichte auf geographisch-topographischer Grundlage; von seinen Arbeiten seien genannt „Das deutsche Land und die deutsche Geschichte" und „Das Land Italien und seine Geschichte".
Dem Dozenten Dr. Adolf Wendel an der Universität Marburg ist unter Ernennung zum ao. Professor der Lehrstuhl für Altes Testament in der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Breslau übertragen worden.
Dem Dr. phil. Walter Kuhn in Breslau ist unter Ernennung zum ao. Professor der Lehrstuhl für Deutsche Volkskunde an der Universität Bres - l a u übertragen worden.
Der Dozent Dr. Hermann Groß ist unter Ernennung zum ordentlichen Professor beauftragt worden, den Lehrstuhl der Zahnheilkunde an der Universität Köln als Nachfolger von Prof. Dr. Sittens zunächst vertretungsweise zu übernehmen.
Dem Dozenten Dr. phil. habil. Hugo Friedrich von der Universität Köln ist unter Ernennung zum ordentlichen Professor der Lehrstuhl für romanische Philologie an der Universität Freiburg übertragen worden.
Dr. Wolfgang Siebert, Extraordinarius für deutsche Rechtsgeschichte an der Universität Kiel, ist zum ordentlichen Professor ernannt worden.
Ernannt wurden: Professor Dr. Rudolf Heinz zum Ordinarius für Geologie und Paläontologie an der Universität Leipzig; Professor Dr. Curt R ü h l a n d zum Ordinarius für öffentliches Recht an der Universität Greifswald; Professor Dr. Walter Schwiel zum Ordinarius für Geologie an der Universität Göttingen; Dozent Dr. phil. habil. Herbert Seifert zum Ordinarius für Mathematik an der Universität Heidelberg; Dozent Dr. Ferdinand W a s m u t h zum Ordinarius für Zahnheilkunde an der Universität Tübingen.
Von den amtlichen Verpflichtungen wurden entbunden die ordentlichen Professoren Dr. Heinrich H e r tz o g (Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde) an der Universität M ü n st e r und Dr. Georg S t e r tz (Psychiatrie und Neurologie) an der Universität Kiel.
Prosessor Dr. Otto Westphal, Ordinarius für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Hamburg, ist auf seinen Antrag aus dem Staatsdienst entlaßen worden.


