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Kunst und Wissenschaft.
Professor Emge Slellvertrelender Präsident der ' Akademie für Deutsches Recht.
Der Präsident der Akademie für Deutsches Recht, Reichsminister Dr. Frank, hat den Professor Dr. Carl August Emge von der Universität Berlin, zum Stellvertretenden Präsidenten der Akademie für Deutsches Recht berufen. Professor Emge tritt an die Stelle von Geheimrat Professor Dr. Kisch, der aus gesundheitlichen Rücksichten seine Entlassung aus seiner arbeitsreichen Tätigkeit erbitten mußte. Prof. Emge, am 21. April 1886 in Hanau a. M. geboren, habilitierte sich 1916 als Privatdozent an der Universität Gießen, wo er 1922 zum Extraordinarius in der juristischen Fakultät ernannt wurde und gleichzeitig die venia legendi für Philosophie an der Universität Jena erhielt. 1931 übernahm Professor Emge die wissenschaftliche Leitung des Nietzsche-Archivs in Weimar, seit einigen Jahren lehrt er als Nachfolger Rud. Stamm- le r 3 Philosophie des Rechts in Berlin. Emges zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten befassen sich mit rechtsphilosophischen, juristischen und soziologischen Problemen.
Wetterbericht
des Reichswetlerdienstes, Ausgabeork Frankfurt.
Die hohe Nebeldecke, die schon seit Tagen über Mitteldeutschland lag, hat sich west- und südwärts ausgedehnt, so daß heute früh, abgesehen von den Berggipfeln, nur noch der äußere Norden und Süden des Reiches heiteres Wetter zeigt. Die Luftdruckverteilung über Europa und die Entwicklung der Wetterlage läßt jedoch wieder Besserung und Aufreihen der hohen Nebeldecke erwarten.
Aussichten für Sonntag: Morgens vielfach nebelig, tagsüber im wesentlichen freundliches Wetter, östliche und südliche Winde.
Aussichten für Montag: Abgesehen von nördlichen Winden im wesentlichen freundliches Wetter.
Lufttemperaturen am 1. Oktober: mittags 18,3 Grad Celsius, abends 8,9 Grad; am 2. Oktober: morgens 7,5 Grad. Maximum 18,3 Grad, Minimum heute nacht 5,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. Oktober: abends 11,7 Grad; am 2. Oktober: morgens 9,7 Grad. — Sonnenscheindauer 7,9 Stunden.
Macdonald, sichert sich diesen Adlatus, und als Macdonald als Führer der Opposition die Hauptstädte Europas besucht, da findet man die Mosleys immer an feiner Seite. 1929 wird Macdonald Premier, und der jüngste Minister dieses ersten sozialistischen Kabinetts ist Mosley. Die Genossen der Labour Party wissen, was sie an diesem fähigen Mann haben, und alle glauben, daß der Nachfolger Macdonalds einmal nur Mosley fein kann. Welche Aussichten für den jungen Minister! Welche Aussichten aber auch für die Arbeiterpartei! Doch die Genossen haben sich in diesem Aristokraten verrechnet. Er beugt sich nicht ohne weiteres der Parteidoktrin und will seinen Plan zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit verwirklicht scheu. Darüber kommt es zum Krach, zum Rücktritt des Sozialministers Mosley und dem Austritt des Mitgliedes der Arbeiterpartei.
Das war im Jahre 1930. Mosley hat wieder einmal einer großen Karriere selbst den Boden entzogen. Was nun? Die Neugründung einer „Neuen Partei" ist ohne Erfolg. Um Mosley wird es still. Die Brücken zum öffentlichen Leben scheinen vollends abgebrochen. Aber die Zeit dient der Besinnung. Denn diese Zeit ist auch für England erfüllt von dem Geschehen auf dem Festland, wo ein Mann wie Adolf Hitler aus echtem sozialistischem Geist um das deutsche Volk ringt, wo ein Mann wie Mussolini dem Risorgimento die Bestandswerte der Carta di Lavoro gibt. Das steht vor dem Blickfeld Mosleys, der durch Festlandsreisen seine Kenntnisse dieser Entwicklungen zu vertiefen sucht. Das Jahr 1932 neigt sich dem Ende zu, als in den Straßen Londons die ersten „Blackshirts" erscheinen und die Oeffentlichkeit durch die Gründung der British Union o f Fascists überrascht wird. Das ist der „neue Streich" Mosleys, und selbst diejenigen, die den „jungen Mann" bis jetzt noch aus überkommenem Gefühl der Verbundenheit oder gar des Mitleids vieles nachsahen, wenden sich von ihm ab. Aber verwest eilen Tausende aus allen Volksschichten zu den Versammlungen, und von Tag zu Tag wächst die Zahl der Anhänger der Schwarzhemden. Hun- üerttausende stehen bereits in ihren Reihen, doch auch heute noch schweigt die englische Presse die Bewegung tot, und die Politiker bezeichnen Mosley als einen „ehrgeizigen politischen Wirrkopf". Doch diejenigen Ausländer, die ihn kennengelernt haben, berichten von ihm als einem Mann, der sehr klar und politisch konsequent zu denken vermag, vor allem aber einen reinen Glauben an sein Werk in sich trägt.
London, Oktober 1937.
Durch die Londoner Albert-Hall brausen Wellen der Begeisterung. Da steht ein Redner auf der Tribüne, der hinreißend zu sprechen vermag. Vielleicht hat nur der alte Walliser in seinen besten Jahren eine solche Kraft der Sprache besessen. Aber was diesen Redner des Tages von Lloyd George unterscheidet, sieht man auf den ersten Blick. Das ist ein faszinierendes Aeußere Noch jung ist das Gesicht, aber beherrscht sind die Züge. Sie verraten den englischen Aristokraten. Auch dann, wenn die Stimme leidenschaftlich durch die Halle schwingt, bleibt die Haltung die gleiche. Eine Persönlichkeit steht da oben, das ist der Gesamteindruck. Das ist es auch, was ihn heraushebt unter den Tausenden, die gleich ihm das schwarze Hemd, die schwarze lange Hose und darum den breiten schwarzen Ledergürtel tragen. Und doch ist er nur einer von den Hunderttausenden, die sich in Old-England als Schrittmacher einer neuen Epoche fühlen.
Jetzt hebt sich die Stimme des Redners, und mit eindrucksvoller Geste zeichnet er ein Bild des echten, zähen Briten, dessen Unternehmergeist und Forscherdrang ihn über die ganze Welt zur Herrschaft rief. Und vulkanisch empörend ist der Ausbruch, in dem die Anklage über die Schwäche der gegenwärtigen politischen Generation im Raume steht. Ob der Redner dann wieder seine Stimme bis zum Plaudertön sinken läßt, ob er sie wieder steigert, er spielt mit seinem Organ, als sei es eine technische Klaviatur. Ein Redner von größtem Format, der die Demagogie haßt und den Willen zur Ehrlichkeit vor sich selbst und seinem Volk in jeder Phase gestaltet. Was Wunder, daß seine Anhänger darob in Begeisterung geraten und auch diejenigen im Jubel mitreißen, die nur aus Neu gier gekommen sind, den Mann zu sehen, der es wagt, wider ein System scheinbar für ewige Zeiten festgefügter Anschauungen und Vorstellungen Front zu machen. Und als der Jubel verklungen ist, erheben sich die Tausende und stimmen in ein Lied ein, dessen wuchtigschwere Marschrhythmen aufhorchen lassen. Englands Schwarzhemden haben die Melodie unseres Horst-Wessel-Liedes übernommen und singen auf diese Weise ihr Kampflied, das auch inhaltlich dem Lied der deutschen Revolution vieles entnommen hat und dessen Refrain lautet: „Seht, über
Mosley und der britische Faschismus
Don unserem tbg.-Korrespondenien.
alle Straßen weben faschistische Banner, Triumphfahnen eines mieoergeborenen Volkes."
Während sich die Halle leert, stauen sich draußen schon wieder die Anhänger, die den Mann noch einmal sehen wollen, den sie als ihren „Leader", ihren Führer bezeichnen: Sir Oswald Mos- l e y. Wenig später sitzt dieser bereits wieder in der Sloane Square. Hier ist die Zentrale der englischen faschistischen Bewegung. Es ist ein Haus, das auf den ersten Blick nicht sehr einladend aussieht. Es hat den Namen „Schwarzes Haus" auch äußerlich verdient, so sehr lastet auf seiner Front der Staub der Weltstadt London. Im Innern herrscht betonte Einfachheit bis zur Dürftigkeit, und über die breiten Korridore des ehemaligen Pensionats hallen die Marschschritte der faschistischen Bereitschaften, der Geschäftsträger dieser noch jungen Bewegung, für die Mosley eine glänzende Karriere aufgab, ja selbst seinen in sechs Generationen zu höchsten Ehren gelangten Namen der Verachtung eines großen Teiles der Gesellschaft preisgab.
Es sind schon über anderthalb Jahrzehnte her, das Mosley in die Oeffentlichkeit trat. Der junge Aristokrat, eben als Flieger aus dem großen Kriege heimgekehrt und noch leidend an dem Absturz, der die Verkürzung eines Beines zur Folge hatte, sitzt bereits mit 23 Jahren im Unterhaus, natürlich da, wo Leute seines Herkommens ihren Platz fürs Leben behalten, in der Konservativen Partei. Doch er trägt die Spuren des großen Krieges nicht nur äußerlich, er fühlt dieses Erlebnis des Dölkerringens als Verpflichtung in sich. Was Wunder, daß er schon bald in der Enge des volitischen Horizontes seiner Partei au ersticken droht. Er wendet kurzerhand seinen Melsgenossen den Rücken und tritt nach einem Studium der sozialen Fragen der Labour-Party bei. Die Arbeiterpartei ist natürlich stzhr stolz auf solche „Konvertiten". Sie sind ein Aushängeschild, das man gut gebrauchen kann, weil sie vor allem in der Londoner Gesellschaft eine Rolle spielen, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß Mosleys Frau eine Tochter des berühmten Außenministers und Vizekönigs von Indien, Lord Curzon, ist und als solche über weitreichende Beziehungen verfügt. Der Füyrer der englischen Arbeiterpartei, Ramsay
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