übernommen werden. Es sind aus dem Gau Heffen- Nassau insgesamt 900 ausgewählte Hitlerjungen.
Der zweite Sonderzug bringt die übrigen Teilnehmer, insgesamt 840 j)i Her jungen, am 10. Sep- tember nach Nürnberg, die Abfahrt erfolgt um 2.20 Uhr vom Hauptbahnhof in Frankfurt a. M. Außerdem fahren am Sonntag bereits 79 Hitler- jungen nach Nürnberg, die nach ihren guten Leistungen beim Gebietssportfest zur Teilnahme an den NS.-Kampfspielen bestimmt wurden. Die Fahnen des Gebietes Hessen-Nassau befinden sich bereits seit Tagen auf dem Marsch nach Nürnberg. Die Sonderzüge kehren am Sonntag, 12. September, wieder von Nürnberg zurück.
Beim Schein der Kerze...
„Was ist mit mir los?" dachte Herr Lenz und wälzte sich zum wievielten Male von einer Seite auf die andere. Aber es half nicht, der Schlaf ließ sich nicht zwingen. Wozu aber hatte man einen spannenden Kriminalroman auf dem Nachttisch liegen und die Kerze dazu? Schon tastete Herr Lenz nach den Streichhölzern.
Seite 26 — da stak das Lesezeichen. Blutt um Blatt wandte sich beim Schein der Kerze. Die Sache schien ja nochmals gut auszugehen — siehe da: happy end, Herr Lenz sah nach dem Schluß. Langsamer und langsamer blätterte er die Seiten um, die Zeilen schwammen schon ineinander ...
Herr Lenz war eingeschlafen. — — Die Kerze war inzwischen kurz und kürzer gebrannt. Wie die Flamme nun eben am Erlöschen war, flackerte sie noch einmal hoch auf — hoch genug, uni die Gardine in Brand zu stecken, mit chr den Bettpfosten, dann die Bettumrandung.
Im letzten Augenblick wachte Herr ßena von der Hitze und Helligkeit auf und flüchtete auf Den Treppenflur. Ehe die Feuerwehr eintreffen konnte, brannte das Zimmer vollständig aus. Sachschaden von zwei Monatsgehältern und Brandblasen an Händen und Armen — eine böse Lehre, daß Lesen im Bett bei offenem Licht ein frevelhafter Leichtsinn ist, der nicht selten sogar mit dem Leben bezahlt werden muß. Raschneid.
Fortbildung von Lehrkräften für den Segelflugmodellbau.
Lpd. Zur planmäßigen Weiterentwicklung des Segelflugmodellbaues in den Schulen sind in den Kreisen Alzey, Oppenheim, Mainz, Offenbach, Büdingen, Schotten, Lauterdach, Alsfeld, Gießen und Friedberg für Lehrkräfte aus den Volks- und höheren Schulen dreitägige Lehrgänge festgelegt. Aus dem jeweiligen Kreisgebiet werden 15 geeignete Lehrkräfte (einschließlich höhere Schulen) zu- sammengefaßt. Als Lehrgangsleiter ist Lehrer M u s s e I, Worms, beauftragt, dem auch sämtliche technischen Vorbereitungen übertragen sind.
Gießener wochenmarktpreiie
* Gießen, 2. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 12, Wirsing, H kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 6 bis 9 Mark, Weißkraut, % kg 8 Pf., 50 kg 5 bis 6,50 Mark, Rotkraut, N kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 8 bis 9 Mark, gelbe Rüben, % kg 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 15 bis 25, gelb 15 bis 25, Erbsen 20 bis 35, Tomaten 12 bis 18, Zwiebeln 8 bis 10, Kürbis 5 bis 7, Pilze 45 bis 50, Kartoffeln, 5 kg 42 Pf., 50 kg 3,50 bis 4 Mark, Frühäpfel, XA kg 10 bis 30 Pf., Falläpfel 5 bis 6, Pfirsiche 25, Brombeeren 30 bis 33, Preiselbeeren 35, Birnen 5 bis 25, Zwetschen 15 bis 17 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Enten 1 Mark, Tauben, das Stück 50 Pf., Blumenkohl 10 bis 40, Salat 9 bis 10, Salatgurken 5 bis 20, Einmachgurken 1% bis 3, Endivien 9, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauck 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10, Suppenhühner 80 bis 90 Pf.
** Sterbefälle in Gießen. Es verstarben in Gießen in der Zeit vom 17. bis 31. August: 17. Johannes Theiß, ohne Beruf, 80 Jahre, Licher Straße 74. 18. Minna Schneider, geb. Benner, o. B., 59 I., Marburger Straße 195. 19. Friedrich Karl Emil Ludwig Klotz, 53 I., Ebelstraße 15, Lokomotivführer; Martha Wagner, geb. Conert, o. B., 52 I., Johannesstraße 11; Rosine Alker, geborene Schmidt, 64 I., Weserstraße 23. 23. Konrad Hausrath, Stellwerksmeister i. R., 78 I., Schillerstr. 32. 24. Heinrich Fischer, Buchdruckermeister, 60 I., Aster
weg 72; Anna Nanthes, geb. Meyrer, o. B., 62 I., Weserstraße 9. 25. Maria Theresia Stein, geb. Faust, o. B., 60 I., Ebelstraße 39. Johanna Vogel, geb. Lang, o. B., 83 I., Goethestraße 35. 27. Meta Leib, geb. Stein, o. B., 54 I., Kirchstraße 2. 30. Hans Peter Petersen, Kaufmann, 55 I., Schützenstraße 2. 31. Emilie Karoline Hoß, geb. Gaß, o. B., 56 I., Buddestraße 11.
** Schöner Schmuck für d i e Straßenbahn-Wartehalle Licher Straße. Im Laufe der vergangenen beiden Tage hat die neue Straßenbahn-Unterstandshalle an der Licher Straße einen schönen Schmuck erhalten. Der Darmstädter Maler K i e n z l e hat die Wandfläche über der Sitzbank mit einfachen Zeichnungen geschmückt, die die markantesten und sehenswertesten Ausflugsorte in der Umgebung unserer Stadt zeigen. So sieht man, dargestellt in leichten Grautönen, den Gleiberg, den Vetzberg, den Schiffenberg, die Burg Münzenberg, den Turm der Burg Friedberg, das Schloß Braunfels usw. Die Zeichnungen stellen eine reizvolle Belebung der Wandfläche dar.
Amtsgericht Gießen.
Der H. B. aus Beuern hatte gegen einen Strafbefehl über 80 RM. wegen Beleidigung Einspruch eingelegt, der gestern vor dem hiesigen Amtsgericht verhandelt wurde.
Der Angeklagte hatte im März d. I. ein Schwein geschlachtet, ohne im Besitz des vorgeschriebenen Scheines des Reichsnährstandes und der Metzger
innung zu fein. Der Fleischbeschauer weigerte sich daher. Das bereits geschlachtete Schwein freizugeben, so daß der Metzger seine Arbeit einstellen mußte. Der Angeklagte, der bei diesem Vorfall nicht zu Hause war, suchte, als er hiervon erfuhr, sofort den Fleischbeschauer auf und veranlaßte diesen, nunmehr Den Stempel aufzudrücken, obwohl auch jetzt noch nicht alle Unterlagen beigebracht waren. Es kam im Anschluß daran zu erregten Auseinandersetzungen zwischen Den beiden, in deren Verlauf Der Angeklagte Den Fleischbeschauer mit" beleiDigenden Ausdrücken belegte.
In der gestrigen Hauptoerhandlung war der Angeklagte im wesentlichen geständig, er gab jedoch zu seiner Entschuldigung an, daß der Fleischbeschauer bei seiner ersten Schlachtung im November v. I. diesen Schein nicht verlangt habe, sonst hätte er sich ihn schon vorher ohne weiteres besorgt. Dadurch sei er in außerordentliche Erregung geraten und etwas ausfällig geworden. Die Vernehmung Des Fleischbeschauers ergab Demgegenüber, Daß dem Angeklagten bei seiner ersten Schlachtung der Schein ebenfalls angefordert worden war. Damals hatte der Angeklagte versprochen, den Schein nachzubringen, worauf der Zeuge dieses Schwein freigegeben hatte. Da der Angeklagte seinem Versprechen nicht nachgekommen war, sah sich Der Zeuge veranlaßt, bei Der zweiten Schlachtung auf Vorlage Des Scheines zu bestehen. Das Gericht hielt Dem Angeklagten seine große Erregung über Den Vorfall und auch seine bisherige Undestraftheit zugute und ermäßigte die Strafe auf 70 RM.
Ein ©fern flammt auf.
©er Sternenhimmel im September.
Don Dr. Erwin Kossinna.
Wenn wir an einem klaren Septemberabend den südöstlichen Himmel gegen 23 Uhr mustern, so sehen wir in mäßiger Höhe über Dem Horizont das große Sternbild Des Walfisches, Das freilich mehr Durch feine eigenartige Form als Durch befonDeren Glanz seiner Lichtpunkte sich auszeichnet. Dafür enthält es aber einen der merkwürdigsten veränderlichen Sterne, Die wir kennen, nämlich Mira oder Den Wunderstern. Dieser Stern ist für das freie Auge meist unsichtbar. Aber in ziemlich regelmäßigen Zwischenräumen von rund elf Monaten steigert sich seine Helligkeit rasch auf Das 200- bis 600fache und Dann ist Mira als Stern zweiter bis Dritter Größe auch Dem unbewaffneten Auge sichtbar. Nach Der Lehre Des Aristoteles sollten Die Fixsterne in ewiger Vollkommenheit und Unroanbelbarfeit ihre Kreise am Himmel ziehen. Man war daher in astronomischen Kreisen nicht wenig erstaunt, als Fabricius im Jahre 1596 Die große VeränDerlichkeit Des Sterns im Walfisch entdeckte, so daß der deutsche Astronom und Danziger Ratsherr Johann Hevel ihn Mira Ceti oder den „Wunderstern im Walfisch" nannte.
Im September dieses Jahres haben wir nun wieder Gelegenheit, das Aufflamemn von Mira Ceti zu beobachten. Voraussichtlich wird Mira Ende September die größte Helligkeit erreichen. Genau läßt sich das Datum nickt Vorhersagen, da meist geringere ober größere Abweichungen von der mittleren Periode, die 333 Tage beträgt, vorkommen. Der Stern kann erheblich heller als Der Polarstern roerDen, aber gelegentlich auch nur schwach sichtbar jein; er gehört zu Den unregelmäßigen Rotveränderlichen. Gegenwärtig kennt man über 800 VeränDerliche vom Miratypus.
Ueber Die Ursache Der enormen Strahlungsschwankungen haben wir nur Vermutungen. Es ist nicht unwahrscheinlich. Daß Mira ähnlich Den sogenannten Cepheiden Pulsationen ausführt, sich abwechselnd aufbläht und wieder zusammenzieht. Der Durchmesser würde im Lichtmaximum etwa ein Drittel größer sein als im Lichtminimum. Wie die Cepheiden gehört Mira nämlich zu Den Riesensternen, ja sie ist eine Der größten Sonnen, Die wir überhaupt kennen; ihr Durchmesser übertrifft Den unserer Sonne um Das 300fache. Mira ist also ungefähr so groß wie die Marsbahn. Bei einem Abstand von 170 Lichtjahren strahlt Mira im Maximum etwa 500mal so hell wie unsere Sonne. Wenn wir jetzt Den WunDerstern im Walfisch aufleuchten sehen, so hat sich dieser Vorgang in Wirklichkeit vor 170 Jahren, zur Zett Friedrichs des Großen, vollzogen.
Richten wir nunmehr Den Blick zum Südhimmel, so steht geraDe vor uns die große Sternfigur Des Pegasus, ein Sechseck, an welches sich links Das Pegasusquadrat oder der „große Tisch" anschließt.
Der linke obere Stern des Quadrats gehört schon zur Andromeda, einer aus viel Hellen Lichtpunkten bestehenden Sternreihe. Ueber dem zweiten Stern von links finden wir leicht Den berühmten mit freiem Auge sichtbaren Andromedanebel, ein flaches, linsenförmiges Sternsystem, auf das wir schräg hinaufsehen und Das als ein länglicher, milchiger Lichtfleck erscheint. Schon ein gutes Fernglas zeigt Die Verdichtung Der Materie nach Der Mitte zu. Der 900 000 Lichtjahre entfernte Andromedanebel umfaßt rund 3000 Millionen Sonnen und ist nach den neuesten Untersuchungen mit einem Durchmesser von 100 000 Lichtjahren nur wenig kleiner als unser Milchstraßensystem.
Unter der Andromeda bemerken wir das kleine Dreieck, den Widder und die Fische, die gegenwärtig die Lage des Frühlingsvunktes bezeichnen, wo die Sone zur Zeit des Frühlingsanfanges steht. Am Osthimmel sind Die ersten Wintersternbilder heraufgekommen, Perseus und Fuhrmann mit dem sehr Hellen Dopvelstern Kapella, sowie Der Stier mit Den Plejaden. Als silbernes Lichtband steiat die Milchstraße steil auf im Nordosten und zieht über Perseus, Kassiopeia, Kepheus zum Schwan im Zenit, wo sie sich in zwei Arme teilt. Die Sternbilder Delpyin, Adler, Schild des Sobieski und Schütze liegen auf dem östlichen Arm der Milchstraße. Die Herbstmonate sind die günstigste Jahreszeit zur Beobachtung der Milchstraße. An ihrem Westrand finden wir die Helle bläulich weiße Wega in der Leier, welche mit Dened im Schwan und Atair im Adler Das bekannte Sommerdreieck bildet. Westlich Der Milchstraße bemerken wir foDann Die Sommer- fternbilDer Herkules, Nördliche Krone und Bootes mit dem Hellen, gelben Riesenstern Arkturus, der sich Dem westlichen Horizont nähert. Wenden wir uns von hier nach rechts, so trifft unser Blick die sieben Hellen Sterne des Himmelswagens im Großen Bären. Ueber Dem mittleren Deichselstern Mi- zar schwebt ein winziges Sternchen, Alkor ober Das Reiterbein, Das als Sehprobe für ein gutes Auge gilt Die gewundene Sternreihe des Drachen umschließt den Kleinen Bären, Der vom Polarstern nach links herabhängt. Der veränderliche Stern Algol im Perseus hat günstig zu beobachtende Licht- minima am 10. September um 23 Uhr und am 13. um 19.45 Uhr.
Von den Planeten beherrscht Jupiter durch seine große Helligkeit den Südhimmel während der ersten Nachthälfte. Saturn leuchtet als Stern erster Größe an der Grenze der Sternbilder Fische und Walfisch, geht um 19 Uhr auf und ist während der ganzen Nacht sichtbar. Mars ist nur noch kurze Zett nach Eintritt der Dunkelheit am Südwesthimmel sichtbar. Venus ist Morgenstern und geht drei Stunden vor der Sonne auf. Ende des
Monats wird auch Merkur etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang am Osthorizont erscheinen, aber schwierig zu beobachten sein.
Am 23. September um 12.13 Uhr überschreitet Die Sonne auf ihrer südwärts gerichteten scheinbaren Bahn Den Himmelsäquator, womit astronomisch Der Herbst beginnt. Die Lichtgestalten des Mondes fallen auf folgende Tage: Neumond am 4., erstes Viertel am 12., Vollmond am 20., letztes Viertel am 27. September.
FrischesBrotdarf nichtverkauftwerden.
Lpd. Frankfurt a. M., 1. Sept. Ende Juli wurde im Stadtteil Niederrad ein Bäckerbursche angehalten, Der in seinem Wagen zwei frische Brote hatte. Da frisches Brot nicht abgegeben . werden darf, wurden er und sein Meister wegen Vergehens gegen Das Brotgesetz angeklagt. Dem Meister rourDe zum Vorwurf gemacht, geduldet zu haben, daß frisches Brot ausgefahren wurde. In Der Verhandlung vor Dem Einzelrichter gab Der Meister an, daß er nichts Davon gewußt unD streng angeorönet habe, Daß frisches Brot nicht aus Dem Betrieb käme. Der Bäckerbursche hatte Dem Polizeibeamten angegeben, Daß er Das frische Brot für Kunden mitgenommen habe, vor Gericht aber behauptete er, Daß er Das Brot an Wieder» oertäufer liefern wollte. Dieser Einlassung folgte Das Gericht nicht, Denn wenn Der Angeklagte Das Brot an Wiederverkäufe!: hätte liefern wollen, Dann hätte er Dies Dem Beamten gleich gesagt. Das Gericht nahm an, Daß das Brot für irgendwelche Kunden bestimmt war, Die gern frisches Brot haben wollten und verurteilte Den Bäckerburschen zu einer GelDstrafe. Der Meister wurde freigesprochen.
Bibelforscher vor Gericht.
Frankfurt a. M., 1. Sept. (LpD.) Vor Dem SonDergericht hatte sich ein Ehepaar zu verantworten, Das Die verbotene Tätigkeit Der Bibelforscher fortsetzte. Der 57jährige Ehemann, Der sich 1919 in Mannheim als Bibelforscher taufen ließ, war bis zum Verbot Der Sekte als ReDner für sie tätig unD warb auch noch nach Dem Verbot, was ihm vor Dem Sondergericht in Darmstadt eine viermonatige Gefängnisstrafe eintrug. Neuerdings beteiligte er sich an Versammlungen in Frankfurt und Offenbach und leistete auch geldliche Unterstützung. Seinen Kraftwagen stellte er zur Beförderung illegaler Schriften zur Verfügung. Seine Ehestau, Die früher für Die Bibelforscherorganisation missionierte, holte Die Schriften in Dem Auto ab. Das Gericht verurteilte Den Ehemann wegen Vergehens gegen Die §§ 1 unD 4 Des Gesetzes zum Schutze von Äolk unD Staat und ZuwiDerhanDlung gegen Das Verbot Der Bibelforscherorganisation zu a ch t Monaten, die Ehefrau zu zwei Monaten Gefängnis. Der benutzte Kraftwagen rourDe eingezogen.
Zwillingsbrüder
erleben den 80. Geburtstag.
Gelnhausen, 1. Sept. (LpD.) Der Bauer KonraD Schwab in Spielberg (Kreis Gelnhausen) unD fein in Windecken wohnender Bruder Jakob Schwab konnten am Dienstag, beide in bester Rüstigkeit, ihren 8 0. Geburtstag begehen.
Jiunbfunfprogramm.
Freitag, 3. September.
6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Nachrichten. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 10.45: Mutter turnt unD spielt mit Dem KinD. 11.40: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, auch aus Dem SenDeoezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: KlingenDes Mosaik. 15: Volk unD Wirtschaft. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Unterhaltungskonzert. 20: Nachrichten. 20.20: Unsere Wehrmacht musiziert. 21.15: Deutsche in aller Welt. 22: Nachrichten, auch aus Dem SenDebezirk. 22.30: Tanz unD Unterhaltung. 24 bis 1: Nachtmusik.
SCHWARZKOPF
0 MPfMWf:
WWWWMU!
Roman von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz:
Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.
5 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Nun —?" forschte Stefan ruhig.
„Na ja... Wenn Sie es für zweckmäßig halten, daß wir hier unten gewissermaßen unter uns sind, dann Darf man Doch einigermaßen gespannt sein ..
„Ach so ...!" versetzte Stefan gleichmütig. „Etwas Besonderes... Da haben Sie mich anscheinend falsch verstanden. Im Gegenteil — ich wollte etwaigen Besonderheiten sogar aus dem Wege gehen."
„Ah ...!"
Ein Glitzern stand in ihren Augen.
„Und Darf man wissen...?" fuhr sie fort.
„Aber natürlich. Ich Dachte allerDings, Daß Ihnen Die stillen Wünsche meines Großvaters bekannt seien."
„Dachten Sie ...?"
„Ja. Sv haben Sie anscheinenD wirklich keine Ahnung, Daß er mich gern verheiraten möchte?"
„So ...! Das ist ja interessant...!"
„Nicht wahr? Stellen Sie sich nur mal vor: ich — und heiraten! AnscheinenD hat mein Großvater auch schon ganz bestimmte Pläne in Dieser Hinsicht, unD Die Auserwählte befindet sich zweifellos mit unter den Gästen, ich entnehme das gewissen Andeutungen. Natürlich habe ich bereits abgewinkt. Um es aber ganz deutlich zu machen, daß seine Pläne aussichtslos sind, und um peinlichen Situationen aus dem Wege zu gehen, habe ich mich absichtlich hier unten her verbannt. Meine Kusine und ihr Mann sind gewissermaßen mit im Komplott. Ja, und Sie, Senta — wie gesagt, ick habe angenommen, daß Sie im Bilde sind, daß Sie vielleicht sogar mehr wissen als ich. Und da hatte ich gedacht, daß Sie mir — aus alter Freundschaft und Kameradschaft — behilflich sein würden, diese ganz unmöglichen Heiratspläne zu durchkreuzen. Indem Sie mich armes, schutzloses Mannsbild sozusagen ein bißchen unter Die schützenden Fittiche nehmen.. "
Senta war blaß geworden. Ein schwelendes Licht verdunkette ihre graublauen Augen.
„So...! Da wäre ich ja wenigstens zu etwas nütze!" erwiderte sie mit merkwürdig flackernder Stimme.
Stefan wurde der Antwort enthoben. Einer der Gäste schlug an sein Glas. Die erste Rede stieg.
Als sie verklungen war, wandte Stefan sich wieder Senta zu:
„Sind Sie mir böse, Senta?"
Ihr Blick grub sich tief in den feinen.
„Finden Sie, daß ich Ursache habe, Ihnen böse zu sein ...?"
„Ich fürchte, ja. Es war ja auch nicht recht van mir, nur an mich zu denken. Ich hätte mir überlegen müssen, daß ich Sie dadurch Ihrem Vergnügen entziehe. Und daß ich Sie einem anderen ent» tielje...! $er arme ßingner da vorn! Er schaut sich ja förmlich die Augen nach Ihnen aus! Und Dabei nimmt ihm sogar Der mächtige Gladiolen- strauß noch Die Sicht. Nein, ich muß mir wirklich Vorwurfe machen..."
Ein leises, hartes Lachen kam von Sentas Lippen. Aber sie schwieg.
Stefan beugte sich ein wenig vor.
"Eine Frage unter KameraDen, Senta: Ist Ling- ner Derjenige, welcher...?"
Ihr Blick schien plötzlich tief zurückzusinken. Sie hob Die schön gerundeten Schultern.
„Vielleicht...!"
„Ich Dachte es mir. Da kann man Sie nur be- glückwünschen, ßingner ist wirklich ein guter Junge. Er wird Sie auf Händen tragen."
Wieder schwieg Senta. Aber in ihr tobte es. Also verschmäht! Glatt verschmäht! ©ie. Senta Schönburg, Die zehn Männer an jedem Finger haben konnte, wenn sie wollte! Denn Das ganze Gerede war doch nur blduer Dunst! Oder mar Stefan wirklich so harmlos — nein, so einfältig, daß er nicht wußte, wie Die Dinge in Wirklichkeit lagen?
Es war aus mit Dem Traum, als Herrin auf Schloß Achenbach einziehen zu können. Ein Fehlschlag, zugegeben! Aber Daß man etwa an gebrochenem Herzen sterben würde, das brauchte Dieser hölzerne Stefan v. Achenbach — jawohl, hölzern war und blieb er! — also, Das brauchte er sich wirklich nicht einzubilden! Und Daß man ihm Das
nicht sagen konnte! Daß man es ihm nicht mit aller Deutlichkeit sagen konnte! Das fraß! Das wühlte und quälte!
Nun, vielleicht würde sich noch Gelegenheit dazu finden!
Man hörte Dann noch einige weitere TischreDen, wohlgesetzte und launige. Zur allgemeinen Der- rounDerung hatte Sentas Vater sich bisher Damit zurückgehalten. Er pflegte sonst immer zwischen Dem zweiten unD Dritten Gang zu sprechen. UnD zwar immer mit offentunDigem Behagen; Denn er hörte sich gern reden. AnscheinenD verursachte Die auffällige TischorDnung ihm einiges Kopfzerbrechen. Ober er hob Das Beste, allgemein Erwartete eben bis zuletzt auf...
Man war bereits bei Den feinen Dessertweinen angelangt. Die in kleinen Gläsern gereicht rourDen, als er sich enDlich erhob.
Gespannte Erwartung lag auf allen Gesichtern. Aber in Schönburgs ganzer Haltung unD in seiner Art, zu sprechen, war Doch etwas eigenartig Be- flemmenbes unD Unsicheres, wie man es gar nicht an ihm kannte. Es schien, als ob er sich heute nur schwer zum Sprechen entschließen könnte, als ob er nur einem gewissen inneren Zwang folgte.
„Es finö heute schon viel schöne und gute Worte gesagt roorben, baß es sich eigentlich erübrigt, ihnen noch etwas hinzuzusügen", begann er. „Wenn ich es trotzbem tue, so folge ich bamit einem inneren Bebürsnis. Es Drängt mich, einem Wunsche Aus- Druck zu geben, Dessen Erfüllung eine fühlbare ßücke in Dem Kreise um unser verehrtes GeburtstagskinD schließen roürDe. Es ist Der herzliche unD aufrichtige Wunsch, Daß es ihm vergönnt sein möge, an seinem nächsten Geburtstage enDlich roieDer eine Familie um sich versammelt zu seyen. Das ist wohl Das Schönste unb Beste, was wir ihm wünschen können. Und barauf wollen wir unsere zwar kleinen, aber um so gehaltvolleren Gläser erheben!"
Man erhob sich geräuschvoll unb anscheinenD begeistert. Die kleinen Gläser klangen flirrenD zusammen. Die Musik spielte einen rauschenben Tusch, -sprechende Blicke suchten bas untere Enbe Der Tastl.
Stefan hatte ein seltsam leeres ßächeln um Die ßippen. Sentas Gesicht ftanD wie eine starre Maske im Hellen ßampenlicht.
„Armer Kerl Du!" roanbte Suse Vollrath sich an Stefan, als sich Der Sturm roieDer gelegt hatte. „Das war Deutlich genug! Da wirst Du nun wohl oDer übel Doch in Den sauren Apfel beißen müssen. SchaDe um Deine vernünftigen Grundsätze!"
„Grundsätze...?" fing Senta Das letzte Wort mit giftigem Ton auf, bevor Stefan noch antworten konnte.
„Ja", erwiberte Suse. „Er hat nämlich GrunDsätze. Eine überraschende Tatsache, nicht wahr? Wir haben es auch erst heute entdeckt. Er steht nämlich auf Dem Staubpuntt, Daß es Unfug ist, sozusagen auf Kommando sich zu verlieben unD zu heiraten. Vielleicht sogar, Daß Das Sichverlieben unD Heiraten überhaupt Unfug ist."
„So...?" glitzerten Sentas Augen Stefan an. „Stimmt Das, Stefan v. Achenbach...?"
Er hob gelassen Die Schultern.
„Meine Kusine hat Das ein bißchen stark aus- gebrückt, aber als höflicher, wohlerzogener Mensch kann ich ihr natürlich nicht widersprechen."
„Unb Sie wollen es auch gar nicht, wenn ich nicht irre!"
„Wenn ich ehrlich sein Darf oDer soll, möchte ich auch Ihnen nicht wibersprechen."
Ein Funkeln brach plötzlich in Sentas Augen auf. Jetzt war ihr Augenblick gekommen! Jetzt war Gelegenheit, ihm die Demütigung bes Derschmäht- roerbens heimzuzahlen!
Mit einem ßächeln, Das sich aus Grausamkeit unD satter Genugtuung zusammensetzte, sah sie Stefan ins Gesicht. Ihre Stimme klirrte.
„Immer haben Sie Diesen StanDpunft wohl nicht eingenommen...! Ich glaube mich wenigstens zu erinnern, baß Sie ben sogenannten Unfug des Sich- verliebens bereits einmal begangen haben. Und zwar sogar sehr stark! Namen braucht man wohl nicht zu nennen, nicht wahr? Unb Daß Sie nicht aud) noch den Unfug Des Heiratens begangen haben — nun, Das war ja wohl nicht Ihr Verdienst — daran war ja wohl der Gegenstand Ihrer ßiebe schuld, der es vorzog, zur rechten Zeit auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden! War es niest so?"
Ihre Nasenflügel bebten.
Fortsetzung folgt


