Ht 204 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 2. September (937
Aus der Stadt Gießen.
«.September ist des Herbstes Mai/'
Wie der Mai dem Menschen alle Lieblichkeiten des Frühlings und Sommers zu bieten vermag, so ist der September derjenige Monat, der uns sommerliche Wärme und herbstlich klare Luft, leichte Frühnebel und strahlende Mittagssonne beschert; und was der Mai an Blüten gab, gibt der Monat, der zu zwei Dritteln noch dem Sommer, zu einem Drittel aber schon dem Herbst gehört, an reifen Früchten. Daraus erklärt sich auch das bäuerliche Sprichwort: „Der September mästet die Faulen". Warmen Sonnenschein wünscht sich der Landmann, der Rebbauer sagt: „Wenn der September sie nicht kocht und brät, des Winzers Traube nicht gerät". Und der Bauer meint: „Warmer und trockner Septembermond, mit reifen Früchten reichlich lohnt".
Aus der Witterung des 1. September, der St. Aegidius geweiht ist, zieht der Bauer manche Schlüsse auf den Verlauf der Folgezeit. So heißt es im Dolksmunde: „Lacht auf Aegidi Sonnenschein, tritt ein schöner Herbst uns ein". Und im Mosellande sagt man: „Aegiditag, gud und städ (beständig), e gude Hörbsd vorsäd". Nicht übel ist auch diese Wetterregel: Hat Aegidius Sonnenschein, dann gibt es viel und guten Wein!"
Erste Herbstahnung erweckt in uns neben manchem Welken in Flur, Garten und Wald das Verhalten der Tiere. Man will — was wohl allzu frühzeitig erscheint — beobachtet haben, daß die Zugvögel, vor allem Storch und Schwalbe, bereits am 8. September, also an Mariä Geburt, die jährliche Südlandreise antreten. „Mariä Geburt trecken de Svalkes furt", sagt man in Niederdeutschland. Nun, mag das auch für seltenere, rauhe Septembermonate ungünstiger Jahre zutreffen, so kann man doch tatsächlich zu Beginn der zweiten Septemberwoche ab und zu beobachten, daß die ersten Vorversammlungen der Schwalben — gewissermaßen zur Reiseplanberatung — stattfinden. In diesen Tagen hat auch der Tabakpflanzen anbauende Landwirt alle Hände voll zu tun: „Um Mariä Geburt mo de Toback furt" heißt es plattdeutsch.
Beachtet wird sodann der St. Lambertustaa, der 17. September, mit Hinblick auf die Knollenfruchternte:
„Lamberti nimm die Kartoffeln heraus; doch breite ihr Kraut auf dem Felde aus!
Der Boden will für feine Gaben doch ihr Gerippe wieder haben."
Schnurrigerweise rief man mit Bezugnahme auf eine Aehnlichkeit des Wortklanges den heiligen „Lambert" als Schutzpatron der „Lahmen" an. Für den Matthäustag, 21. September, wünscht man Sonnenschein und sagt: „Wenn Mattäus weint statt lacht, er nicht Wein, sondern Essig macht" Für den 22. September, dessen Kalenderheiliger St. Mauritius ist, Hal man folgende Wetterprophezeiung in Bereitschaft: „Wenn an Mauritius klares Wetter ist, so sollen im kommenden Winter viele Winde tosen".
Schließlich ist ein wichtiger Lostag der 29. September, der den Namen St Michaels trägt: „Reg- net's sanft am Michaelstag so folgt ein milder Winter nach". Und in alemannischen Gauen meint man: „Wenn's zur Nacht vorm Michelstag warm ifch, so bedütet's 'ne chalte Winter" Bemerkenswert ist ein altes Naturorakel, das sich in diesem Satz eines alten bäuerlichen Hauskalenders widerspiegelt: „Nimb an St. Michelstag der Eychöpffel war (wahr)! Haben sie Spinnen, so kömmt ein bös Jahr. Haben sie Fliegen — ein milds, Maden — ein gute, nichts darinn — ein Tod". W. L.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Madame Bovary". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Mein Sohn, der Herr Minister".
Allgemeiner Verein für Armen- und Krankenpflege.
Am Freitag, 10. September, findet im Saal der Krippe die Hauptversammlung statt.
Heimstättensiedlung Lich im Ausbau.
* Lich, 2. Sept. Gegenwärtig entstehen hier längsderGießenerStraße zehn Siedlungshäuser, die durch die GemeinnützigeEigenheim- Spar- u. Wohnungsbau- Aktiengesellschaft inFrank- furt a. M. gebaut werden. Die Häuser sind im Rohbau fertiggestellt. Die heimischen Handwerker sind nunmehr mit dem Innenausbau beschäftigt. Zu den Häusern gehört auch je ein Garten von 500 qm Größe. Den Siedlern ist, da den Häusern unmittelbar ein Stall angegliedert ist, die Möglich
keit gegeben, Kleintierzucht zu betreiben. Durch! letzten arbeitslosen Volksgenossen in Arbeit und den Bau dieser Siedlung, wie auch durch andere Brot zu bringen. — (Aufnahme: Neuner, Gießener Bauvorhaben ist es möglich geworden, auch den j Anzeiger.)
U
ss < Y*
* I
Eine halbe Million Zentner Kelteräpsel werden gebraucht.
Oie Versorgung mit Kelteräpfeln. — Nur noch geringe Aepfelweinvorräte.
Lpd. Die Vorräte an Aepfelwein und Apfelsüßmost, die noch in den Kellern liegen, sind recht knapp. Im vergangenen Herbst war die Aepfelernte schlecht, so daß viele Wirte und teilweise auch die Süßmostereien nicht die übliche Menge Aepfelwein und Most keltern konnten. In den letzten Wochen mußten einzelne Wirte ihren Aepfelwein schon sehr einteilen, um den geringen Vorrat zu strecken. Manche verkauften nicht mehr über die Straße, andere behalfen sich mit „äpfelweinlosen" Tagen.
Kelterobst bewirtschaftet!
Um eine gerechte Verteilung der im Gebiet Hessen-Nassau anfallenden Kelterobstmengen zu gewährleisten, mußten sämtliche in Frage kommenden Verarbeiter-Betriebe (Aepfelweinkeltereien, Süßmostkeltereien, selbstkelternde Gastwirte usw.) ihren Bedarf beim Gartenbauwirtschaftsverband Hessen- Nassau melden. Unter Berücksichtigung der voraussichtlich zu erwartenden Ernte an Kelterobst wird die anteilmäßige Belieferung der Verarbeiter-Betriebe durchgeführt.
Eine grundsätzliche Aenderung ist gegenüber dem Vorjahre insofern eingetreten, als von diesem Herbst ab das gesagte Einzugsgebiet des Gartenbauwirtschaftsverbandes Hessen-Nassau als geschlossenes Anbaugebiet gilt. Kelterobst kann also durch Verteiler, oder Verarbeiter nicht unmittelbar beim Erzeuger gekauft werden. Sämtliches anfallende Kelterobst wird, ebenso wie alle anderen Gartenbauerzeugnisse, durch die Ortssammelstellen der vom Gartenbauwirtschaftsverband eingerichteten Bezirksabgabestellen erfaßt.
In den Bedarfsmeldungen der Verarbeiker- Betriebe an den Gartenbauwirtschaftsverband mußten die Mengen Kelterobst angegeben werden, die benötigt werden. Außerdem hatten die Verarbeiter den Verteiler zu nennen, über den sie das Kelterobst beziehen wollten, denn die Verteiler mußten eingeschaltet werden, da bei dem erheblichen Geldaufwand, den der Ankauf von Kelterobst erfordert, die Möglichkeit von längeren Zahlungsfristen gegeben werden mußte. Nur etwa 10 o. H. der Verarbeiter kann das Kelterobst sofort bar bezahlen. Schließlich sollten aber auch die Wünsche nach der Herkunft des Kelterobstes berücksichtigt werden. Es gibt Wirte, die ihr Kelterobst aus der Wetterau haben wollen, andere bevorzugen Aepfel aus dem Ried, wieder andere nehmen eine Mischung des
Obstes aus den verschiedensten Gegenden vor und glauben so einen besonders guten Aepfelwein Herstellen zu können. Alle diese Lieferwünsche kann nur der Verteiler (Großhändler) berücksichtigen.
Auf Grund der bisher eingegangenen Bedarfsmeldungen beim Gartenbauwirtschaftsverband beträgt der Gesamtbedarf der Verteiler-Betriebe in Hessen-Nassau voraussichtlich rund eine halbe Million Zentner Kelterobst.
Festpreise für Jnduslrieobsl.
Die Hauptoereinigung der deutschen Gartenbauwirtschaft hat für Kelterobst einheitliche Festpreise bestimmt, die nicht überschritten werden dürfen. Falläpfel kosten 3,30 Mark je 50 Kilo, Schütteläpfel 5,50 Mark je 50 Kilo. Diese Preise verstehen sich am Ort des Erzeugers, ohne Zuschläge für Fracht und Transport. Ein großer Teil des Bedarfs an Kelterobst kann aus hessen-nassauischen Erzeugergebieten gedeckt werden, denn die Ernte ist in diesem Jahre weit besser, als im vergangenen Herbst.
Nur wirklich baumreifes Obst ernten!
Lpd. Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: Auf verschiedenen Märkten werden jetzt schon ausgesprochene Apfel-Spätsorten angeboten. Es besteht daher Veranlassung, gegen diese Unsitte Stellung zu nehmen. Wer unreifes Obst erntet und zum Verkauf bringt, schädigt nicht nur sich selbst, sondern vergeht sich an wertvollem Dolksnahrungsgut. Durch das frühzeitige Abernten noch nicht baumreifen Obstes wird der Ernteertrag sowohl gütemäßig, als auch nach dem Gewicht ungünstig beeinflußt. Erstklassige Tafeläpfel, die vorzeitig gepflückt werden, werden auf diese Weise preislich mitunter geringer bewertet als gewöhnliches Wirtschaftsobst, da die Verdauungsmöglichkeiten für nicht baumreifes Obst sehr beschränkt sind: mitunter ist vorzeitig geerntetes Obst völlig wertlos. Es ist heute auf keinen Fall mehr zu verantworten, daß durch vorzeitiges Pflücken der Ertrag des deutschen Obstbaues mengen- und gütemäßig beeinträchtigt wird. Jeder einzelne Obstbauer hat die Pflicht, höchste Leistungen aus seinen Anlagen herauszuholen: dabei muß in Zukunft der Einhaltung der durch die einzelnen Sorten bedingten Pflücktermine unbedingt erhöhte Beachtung beigemessen werden. Wer unreifes Obst erntet, zeigt damit, daß er weder gewillt, noch in der Lage ist, wertvolles Volksgut zu verwalten.
Tagesbefehl für die HZ.
Am Mittwochmittag ist Bannführer Hermann Seele, Darmstadt, im Dienst tödlich verunglückt. Er starb am Steuer seines Flugzeuges. Einer der Stillen und Treuen ist von uns gegangen. Sein stolzes Fliegerleben und sein Fliegertod rufen uns zu neuen Opfern und zu neuem Einsatz.
Alle Dienststellen und Heime der HI. des Gebietes Hessen-Nassau flaggen bis einschließlich Sonntag, 5. September, halbmast.
Heil Hitler!
Der Führer des Gebietes Hessen-Nassau.
Brandt, Gebietsführer. I
Beförderungen in der NSKK.-Motorgruppe Hessen.
NSG. Zum Reichsparteitag 1937 wurden mit Wirkung vom 6. September 1937 laut Führerbefehl innerhalb der Motorgruppe Hessen befördert: Zum Oberführer, Standartenführer Römer, der Führer der Motorstandarte M 49 Frankfurt a. M.; zu Standartenführern Oberstaffelführer Peter H e n ß, der Adjutant der Motorgruppe: Oberstaffelführer H e i d t k e, der Führer der Motorstandarte 47 Kassel; Oberstaffelführer Ernst Nagel, Führer dec Standarte 147 Gießen.
KMMWMWM
An die INitglieder der Deutschen Arbeitsfront.
Alte Unterlagen und alte Bücher ehemaliger Verbände müssen bis spätestens 30.9. 37 zur Buchumschreibung bei der Verwaltungsstelle 19 in Gießen, Schanzenstraße 18, eingereicht sein. Sämtliche nach diesem Termin im Besitz der Mitglieder befindlichen alten Bücher, und Unterlagen außer A. O. V. werden ungültig. 56490
NSV. Ortsgruppe Gießen-Nord.
Am Mittwoch, 1., Donnerstag, 2., und Freitag, 3 d M., wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen- Nord die Pfundsammlung durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzulegen.
NSV. Ortsgruppe Gießen-Süd.
Am Mittwoch, 1., Donnerstag, 2., und Freitag, 3. September dieses Jahres, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd die Lebensmittel-Opfer- ringfammlung durch die NS.-Frauenschaft statt. Die Einwohnerschaft wird gebeten, die Spenden bereitzuhalten.
1900 Hitlerjungen unseres Gebietes fahren nach Nürnberg.
NSG. Aus dem Gebiet Hessen-Nassau nehmen am Reichsparteitag in Nürnberg 1900 Hitlerjungen und -Führer teil, die in zwei Sonderzügen nach Nürnberg fahren. Der erste Sonderzug verläßt am 8. September um 10.48 Uhr den Hauptbahnhof Frankfurt. In diesem Zug fahren auch die Hitlerjungen mit, die während der Jugendkundgebung von dem Stellvertreter des Führers in die Partei
Und dabei überaus gründliche Reinigungskraft, Schonung des Zahnschmelzes, angenehm milderu.erfrischender Geschmack.
50 Pf. die große Tube, 25 pf. Die kleine Tube
„Rem Sohn, der Herr Minister/
Wiedereröffnung des Lichtspielhauses.
Das Lichtspielhaus, das während der Sommermonate geschlossen war und, wie wir hören, in der Zwischenzeit seine Vorführungsapparatur vervollkommnet und modernisiert hat, begann gestern seine neue Spielzeit mit der politischen Komödie „Mein Sohn, der Herr Minister", die nach dem Theaterstück „Fiston" des Franzosen Andre B i r a - b e a u gedreht wurde. Birabeau ist als Lustspieldichter bei uns nicht unbekannt; das Urbild des Films steht auch auf dem neuen Programm des Stadttheaters, und es wird interessant sein, die Übersetzung (die unter dem gleichen Titel erscheint wie der Film) mit diesem zu vergleichen. Das Grundmotiv ist nicht neu; wir sahen früher bereits die traurig-komische Figur des ahnungslosen und unfähigen Zeitgenossen, der sich, zu seiner eignen Verblüffung, durch blöde Zufälle aus dem Nichts ins feierliche Rampenlicht breitester Oeffentlichkeit und über Nacht auf einen Ministersessel gehoben sieht: das geschieht auch hier, und es wird eine böse und scharfe Satire auf ein abgewirtschaftetes System der Demokratie und des mit der Politik und dem Wohle des Volkes schamlos Geschäfte machenden Parlamentarismus daraus. Die Situationen, die sich da ergeben, find so grotesk, die Komik und Drastik der Erscheinungen so überstürzt, so offenkundig und treffend, daß der Beschauer nicht aus dem Lachen herauskommt. Birabeau hat das ursprünglich rein politische Thema durch einen nicht minder drastischen menschlichen Konflikt zugleich gesteigert und gemildert: der von einer ehrgeizigen Mama auf den Sessel des Kultusministers wahrhaft geschobene junge Mann findet an der neuen Stätte seines Wirkens seinen leiblichen Vater als Amtsdiener wieder. (Der Film nimmt sich kaum Zeit, dies ein wenig zu exponieren; die Vorgeschichte wird nur eben gestreift, aber das genügt wie man sich überzeugen kann, für die situationskomische Wirkung vollkommen.) Es ist großartig, wie der private Konflikt sich zu einem politischen Skandal beträchtlichen Umfangs auswächst; wie der neue Herr eilig demissioniert, wie der Vater an die Stelle des Sohnes rückt — nur um für ein paar Minuten einer furchtbar aufgestauten Wut über jahrelang vom Vorzimmer aus miterlebte Mißwirtschaft Luft zu machen und alsbald ebenfalls von der zermalmenden Dampfwalze des demokratischen Systems überrannt zu werden. Zum Schluß — dies ist der Gipfel der politischen Satire — sitzt die ganze wieder vereinte Familie, schmun
zelnd im Genuß zweier stattlichen Ruhegehälter, am Ufer der Seine und angelt beschaulich und selbstzufrieden.
*
Der Regisseur Veit Harlan, der uns u. a. den „Herrscher" bescherte, war der rechte Mann dazu, uns auch diese politische Komödie mit all ihren Pikanterien zu servieren: er hat eine gelegentlich äußerst scharfe Sauce darübergegossen, aber der Witz und das beschwingte Tempo der Ereignisse sind unwiderstehlich, und man spürt allenthalben den scharfen Blick und die sehr sichere Hand des erfahrenen, begabten, einfallreichen Spielleiters. — Man kann sich auch vorstellen, was die Rolle des Amtsdieners Gabriel einem Komiker wie Moser für Möglichkeiten bietet: er legt die ganze mürrische Verdrossenheit, sein atemringend-aufbrausendes Temperament, das wir aus manchen früheren Filmen kennen, in diese sehr französisch empfundene Figur — in der subalternen Vorzimmersphäre wie nach dem jähen Avancement zu hohen Staatswürden; hier gibt es eine Szene, wo man flüchtig an Hauptmanns unvergeßliche Komödie „Schluck und Jau" erinnert wird: aber Moser, der Amtsdiener, und Moser, der „Kultusminister", werden im schönsten Sinne überspielt von Moser, dem Privatmann, dem einstigen Ehegatten, dem schmerzlich-erstaunten und liebevoll besorgten Vater; da sind ein paar Augenblicke voll stiller Menschlichkeit, welche die aggressive Schärfe des politischen Stückes fast vergessen lassen, und die dem Schauspieler Moser sehr gedankt sein sollen. — Ueberhaupt ist der Film m allen Teilen brillant besetzt: B r a u s e w e 11 e r s junger, leicht genierter Minister ist nicht minder köstlich als Fran^oise Rosay — wir kennen sie aus den „Klugen Frauen" —, die ehrgeizig-betneb- sam politisierende Mama; sie macht es mit der gepflegten Eleganz, dem Scharm und der ursprünglichen Spielfreude ihres Volkstums. Hilde Körber, deren Vielseitigkeit immer wieder überrascht, gibt, blendend aufgemacht, pikant und kokett, die Kabarettistin Joinoille, die den Skandal heraufbeschwört. Heli Finkenzeller, reizend anzusehen, sanft und weiblich, ganz ohne politische Ambitionen und menschlichen Regungen herzlich aufgeschlossen, ist die Nannette. Höchst amüsant als politische Gegentypen: Aribert Wäscher, der abgedankte Minister, und Paul Dahlke als wild agitierender roter Volksredner. — (Ufa.)
*
Im Vorprogramm sieht man neben der Fox- Wochenschau u. a. einen lehrreichen Kulturfilm: Tiere als Jagdgehilfen des Menschen".
Hans ThyrioL
Joachim Popelka, Kapellmeister der Operette.
Joachim P o p e l k a, der als Kapellmeister der Operette an das Gießener Stadttheater verpflichtet wurde, schreibt über seinen Werdegang:
Geboren wurde ich 1910 als Sohn eines Lehrers und bin aufgewachsen in Leipzig, wo ich die Tho-
masschule besuchte. Schon während meiner Schulzeit trat ich häufig in Konzerten auf, meist piani« stisch, gelegentlich auch als Komponist. Daneben war ich eifriger Chorsänger, dirigierte auch als Präfekt sonntags häufig Motetten. Nachdem ich die Reifeprüfung an der Thomasschule abgelegt hatte, bezog ich die Universität und das Landeskonseroato- rium zu Leipzig und studierte Musik, Musikwissenschaft und klassische Philologie. 1933 legte ich meine
Kapellmeisterprüfung und das musikwissenschaftliche Staatsexamen ab und ging im Anschluß daran als Assistent zu den Festspielen nach Salzburg. Im Herbst 1933 trat ich als Solorepetitor und stellvertretender Chordirigent in den Verband der Leipziger Städtischen Bühnen ein, dem ich bis jetzt an- gehörte. Neben meiner Bühnentätigkeit wirkte ich in vielen Konzerten als Pianist, Kammermusikspieler und Begleiter mit und konnte mir auch als Komponist manche Anerkennung erwerben. — (Aufnahme: Stadttheater-Archiv.)
Alte Wahrzeichen an deutschen Brücken.
Der berühmte „Brückenaff", der als Heidelberger Stadtwahrzeichen hoch oben vom Affenturm der alten Neckarbrücke die Vorübergehenden mit der Inschrift begrüßte: Was thustu mich hie angaffen? Hastu nicht gesehen den alten Affen Zu Heidelberg, sieh hin und her, Findestu wohl meines gleichen mehr, und der seit der Zerstörung der Brücke durch Melac 1689 verschwunden war, ist kürzlich durch einen aufmerksamen Heidelberger im Mauerwerk eines früheren kurfürstlichen Gebäudes, bei dessen Errichtung die alten Brückentrümmer einst verwendet wurden, wieder entdeckt worden, wenigstens der Kopf des alten Wahrzeichens, der im Kur- pfälzischen Museum Aufnahme finden wird.
Ein ähnliches Schicksal fand auch das Brückenmännchen der ersten steinernen Elbebrücke, deren Erbauer sich vor 650 Jahren zwischen zwei Brückenpfeilern im Gemäuer als Steinbild verewigen ließ und zum Wahrzeichen Dresdens wurde. Als Napoleon 1813 die Elbbrücke sprengte, ging auch das Brückenmännchen mit in die Luft. Die betrübten Dresdener hatten bereits ein neues Brückenmänn- chen an der Brücke angebracht, als das Original im Bauschutt wiedergefunden wurde. Es ist heute noch auf dem Neubau der Augustusbrücke, letzter Pfeiler am Altstädter Ufer, zu sehen.
Die in den Jahren 1135 bis 1146 erbaute Regensburger Donaubrücke besitzt ebenfalls ein Brückenmännchen als Stadtwahrzeichen. Seine seltsame Inschrift: „Schuck, wie heiß", wird als Hinweis auf die Dürre des Jahres 1135 gedeutet.
Ein recht seltsamer Kauz ist das nackte, mißgestaltete, von wildem Bart umkrauste und mit einer Deckelmütze behütete Wichtelchen auf der Schloßbrücke von Großfachfenhain. Dieses Brückenmännchen führt den Namen „Klopferle". Es galt als guter Hausgeist des Schlosses, verließ es aber der Sage nach unter Blitz und Donner, als es vom Schloßherrn aufgefordert würbe, sich einmal zu zeigen.


