Ur. 27 Erstes Blatt
187. Jahrgang
Dienstag. 2.Zebruar 1957
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Das europäische Gespräch.
Von Or. Hans von Malottki.
Das außerordentliche Echo der Führerrede in der ganzen Welt bedeutet, wie stark man draußen den Zwang zur Auseinandersetzung mit den deutschen Gedankengängen spürt. Wird die europäische Diplomatie nunmehr die notwendigen Anknüpfungspunkte finden, um in gemeinsamer Arbeit eine Klärung und Lösung der großen schwebenden Probleme anzubahnen?
Unter dem Leitstern freimütiger Offenheit aber auch ehrlicher Bereitschaft hat der Führer und Reichskanzler die Wege aufgezeigt, die zu diesem Ziel führen. Wenn französische und englische Blätter Unterschiede und Gegensätze gegenüber den in Paris und London bereitgehaltenen Lösungen feststellen, so ist das weder überraschend noch Anlaß zu allzu pessimistischer Beurteilung der Zukunft. Wie schon so oft, so befindet sich die europäische Politik auch gegenwärtig in einem Streit um die Methoden. Daß in solchen Situationen die Konturen der einzelnen Positionen sich schärfer herausheben und Auffassungsunterschiede deutlicher zu Tage treten, ist unvermeidlich. Bei allseitigem guten Willen kann sich aber daraus am Ende sehr wohl ein Klärungsprozeß entwickeln, der eine gemeinsame Plattform für nützliche Verhandlungen finden läßt. Freilich, nur bei allseitigem guten Willen; liefert doch die Nachkriegspolitik genug Beispiele, daß man bei fehlender Bereitschaft jeden möglichen Fortschritt in einem uferlosen Methodenstreit ersticken kann.
Nun hat am letzten Sonntag zum erstenmal ein französischer Außenminister der Einsicht Raum gegeben, daß man zu einer Einigung kommen könne, auch wenn die Ansichten und Ausgangspunkte zunächst verschieden sind. Dies ist ein neuer Ton von jenseits des Rheins, und es ist gewiß ein erfreulicher Fortschritt, daß Herr Delbos nicht nur das Trennende sucht, sondern das Verbindende zur Grundlage des von Frankreich angestrebten europäischen Gesprächs machen will. Bei einer solchen Einstellung wird es vielleicht möglich sein, das Mißverständnis zu klären, als wolle Deutschland mit Frankreich eine „Sonderregelung" treffen, die auf Kosten des europäischen Friedens gehen müßte. Es handelt sich, nach all den Erfahrungen mit großen Konferenzen, vielmehr darum, durch ein deutsch-französisches Einvernehmen dem europäischen Frieden eine tragfähige Basis zu schaffen. Kaum jemand — außer Moskau — wird ernsthafte Einwendungen geltend machen wollen, wenn Frankreich und Deutschland sich auf ihre nachbarliche Pflicht besinnen. Auf diesem Wege wird man eher zum Ziel kommen als dadurch, daß man zwischen Frankreich und Deutschland die ganze sonstige europäische Problematik gewaltsam zwischenschaltet, wie Herr Delbos es vorschlägt.
Diel hängt zunächst davon ab, den Absichten der deutschen Politik Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die Führerrede hat mit ernstem Nachdruck die Legende zerstört, als sei die europäische Befriedung lediglich eine Frage des deutschen guten Willens. In der Klarstellung der Tatsache, daß die Belastungen und Erschwerungen der gegenwärtigen Lage nicht von Deutschland herrühren und nicht der deutschen Außenpolitik angekreidet werden können, waren deutliche Worte notwendig. Man sollte im Ausland in dieser entschiedenen Zurückweisung gefährlicher Zweckparolen aber keinen Ausdruck unverträglicher Gesinnung, sondern vielmehr den Willen zu einer Verständigung und Zusammenarbeit sehen, die ja nur möglich ist, wenn mit falschen Vorstellungen und Verdächtigungen endlich einmal Schluß gemacht wird.
Die Behauptung z. B., daß Deutschland die Wahl habe zwischen einer von den Westmächten angebotenen Zusammenarbeit und selbstverschuldeter Isolierung war, gelinde gesagt, ein entscheidender Irrtum. Schon die Fülle freundschaftlicher Beziehungen, die die deutsche Außenpolitik zu anderen Staaten geschaffen hat, straft diese Behauptung Lügen. Dor allem aber sollte man nicht von Jsolie- rungswillen sprechen, wenn es sich um ganz etwas anderes handelt: um die Abneigung gegen einen mißverstandenen und mißbrauchten Kollektivismus und um das Mißtrauen gegen Pakte, an denen gefährliche Partner beteiligt sind. Diese Abneigung hat mit mangelndem europäischen Gemeinschaftssinn nicht das geringste zu tun; im Gegenteil: das, was Deutschland außerhalb dieses „Köllektiv-Systems" an Freundschaftsbeziehunqen aufzubauen verstand, hat im Gegensatz zu manchen Pakten das europäische Gefahrenrisiko an entscheidenden Stellen verringert.
Daß andererseits das französisch - sowjet- russische Paktsystem den wahren Gefahrenquell bildet, kann ernsthaft nicht bestritten werden. Heute ist auch die „Times" soweit, daß sie diese Pakte als „unvereinbar mit einer freien politischen Regelung" bezeichnet. Man weiß noch nicht, ob ihre Feststellung, jede europäische Neuregelung müsse diese Pakte hinfällig machen, den Standpunkt der amtlichen englischen Politik widerspiegelt. Hier liegt jedenfalls der Schlüssel zur Entwirrung der Lage; denn sowohl die Frage der Neuregelung der Sicherheitsverhältnisse in Westeuropa wie auch das Rüstungsproblem können aussichtsreich erst dann behandelt werden, wenn die Russenpakte aus der Welt geschafft sind.
Es liegt nahe, im Anschluß an den Times-Artikel die englische Politik zu fragen, warum sie sich erst jetzt zu einer richtigeren Beurteilung der Dinge durchzuringen bemüht. Bei rechtzeitiger entsprechender Einflußnahme auf Paris hätte sehr viel Schaden verhütet werden können. Statt dessen hat man seinerzeit in London die Hönde in Unschuld ge-
Frankreich zwischen Berlin und Moskau.
Orahiberichi unseres Noe-Korrespondenten.
Nachdruck verboten!
P a r i s , 1. Febr. 1937.
Zwei Tage lang hat die große Rede Adolf Hitlers das Bild der französischen Presse beherrscht. Noch nie hat man so viele Teile einer Führer-Rede wörtlich in der französischen Presse lesen können. Seine Worte üben daher auf weite Kreise eine unmittelbare Wirkung aus, und das ist gut so. Denn die Pariser Presse hat sich bemüht, in den Feststellungen des Reichskanzlers nichts Neues oder gar nur Negatives zu sehen. Wenn man von dem Störungsfeuer einiger sattsam bekannter Brunnenvergifter absieht, so hat die Rede in Frankreich entschieden zu einer Entspannung der Atmosphäre beigetragen.
Die hiesige Presse ist in letzter Zeit so oft Richtlinien gefolgt, die, wie sich spater herausstellte, nicht von denen ausgingen, die die Verantwortung tragen. Insofern nimmt es nicht wunder, daß zwischen der Aufnahme, die die Rede des Führers in den Organen der öffentlichen Meinung gefunden hat, und der Antwort des Außenministers Avon Delbos ein stimmungsmäßiger Unterschied liegt. Es ist bezeichnend, daß ein Pariser Blatt, das in den letzten Tagen zahlreiche Bilder von Adolf Hitler und der Reichstagssitzung veröffentlicht hat, heute auf der ersten Seite eine Aufnahme des französischen Außenministers bringt, wie er Blumen am Fuße des Ehrenmals für die in französischer Kriegsgefangenschaft gestorbenen Deutschen in Chateauroux niederlegt.
Die radikalsozialistische „Ere Nouvelle", die Delbos nahesteht, freut sich darüber, daß er d e n Franzosen aus dem Herzen gesprochen habe. Wir Deutsche wollen daran die Hoffnung knüpfen, daß Delbos recht behält, wenn er sagt: Man brauche zu Beginn von Verhandlungen nicht unbedingt gleicher Ansicht zu sein und könne schließlich doch zu einer Einigung gelangen. Wenn man die Steuerungen der verantwortlichen französischen Minister allen rednerischen Beiwerks entkleidet, dann bleibt allerdings nicht viel auf dem Wege einer deutsch-französischen Verständigung übrig, was sofort in Verträge oder Taten umgewandelt werden könnte. Aber es darf nicht unterschätzt werden, daß nach Tagen und Wochen künstlich gesteigerter Spannung nun d i e normale Sprache wiedergefunden worden ist. Unendlich viele Franzosen sind sich dessen bewußt, daß die Unterschiede zwischen der lateinischen und der germanischen Auffassung, zwischen französischem und deutschem Wesen, erheblich geringer sind, als der Abstand, der die zersetzende bolschewistische Weltrevolutionslehre von dem europäischen aufbauenden Kulturbewußtsein trennt. Die Vorgänge in Spanien und nicht zuletzt die lächerliche Komödie des jüngsten Moskauer Blutprozesses haben den unvoreingenommenen Franzosen die Augen geöffnet. Aber es entspricht den politischen Leitsätzen, mit denen sie seit Jahren ständig gefüttert worden sind, daß sie keine Entscheidung treffen wollen, die aus ihrem Dilemma Moskau oder Berlin hinausführen würde.
An dem Widerhall, den die Führerrede in Frankreich gefunden hat und an dem deutsch-französischen Verhältnis überhaupt zeigt sich die Gefahr bestimmter Schlagworte von dem unteilbaren Frieden und dergleichen. Wie soll die Vielseitigkeit der europäischen Interessen oder derer, die man als europäische bezeichnet, auf einen-Nenner gebracht werden können, wenn alle Interessenten diesen Nenner gleichmäßig mitbestimmen wollen und wenn einige sogar lediglich darauf hinarbeiten, eine Einigung zu hintertreiben. Die deutsch-französische Verständigung kann nur Zustandekommen, wenn Mißtrauen und Befürchtungen der gegenseitigen Achtung und dem eigenen Selbstbewußtsein weichen. Hierzu aber ist es erforderlich, daß man auf praktischem Gebiet einander näher betrachtet.
Außenminister Delbos hat erklärt, er habe noch nicht die nötige Muße gefunden, um der Rede des Führers die aufmerksame Prüfung zuteil werden
zu lassen, die sie verdiene, und in diesem Zusammenhänge hat er sich deutlich gegen jede I m - proDifation in der Außenpolitik ausgesprochen. Der Führer erklärte, daß nun die Zeit der lieber» raschungen abgeschlossen sei, und der französische Außenminister scheint entschlossen zu sein, keine Improvisation in seinem Bereich mehr zuzulassen, wie sie leider in der unmittelbaren Vergangenheit fest- gestellt werden konnte. Hoffnungsvoll kann man daher in die Zukunft sehen, vorausgesetzt, daß kühle Ueberlegung an die Stelle der Leidenschaft tritt.
„Geben wir ihnen, ihre Kolonien wieder!"
Herve fordert eine Initiative Frankreichs.
Paris, 2. Febr. (DNB. Funkspruch.) Unter der Ueberschrift „Geben wir ihnen ihre Kolonien wieder!" schreibt Herve in der „Victoire", das einzige, womit Frankreich gegenwärtig gegenüber der großen deutschen Nation seinen Wunsch nach gut nachbarlichen Beziehungen zum Ausdruck bringen könne, sei, Deutschland seine Kolonien wieder z u geben, die wir Deutschland unter dem Vorwand weggenommen haben, es sei nicht würdig, Kolonien zu besitzen. Herve meint, falls England in absehbarer Zeit Kolonialgebiete an
Deutschland zurückgeben wollte, würde Frankreich es wiederum versäumt haben, eine Initiative zu ergreifen, die zu einer weiteren Entspannung beitragen würde. Frankreich solle das erste Land sein, das eine ritterliche Geste der Entspannung macht. Frankreich werde bann auch das Verdienst und der Ruhm hierfür zufallen.
Glückwunsch des spanischen Staatschefs zum 30 Januar.
Berlin, 1. Febr. (DNB.) Zum 30. Januar hat der Chef des spanischen Staates General Franco an den Führer und Reichskanzler ein Telegramm geschickt, das in Übersetzung wie folgt lautet: „Am vierten Jahrestage der Berufung Euerer Exzellenz zur höchsten Staatsführung, während welcher Zeit Deutschland Größe, Macht und Ansehen wiedererlangt hat, sende ich Ihnen im Namen des gegen die marxistische Barbarei kämpfenden nationalen Spaniens meinen begeisterten Glückwunsch und herzlichen Gruß mit dem innigen Wunsch, daß das große Deutsche Reich unter dem ruhmvollen Zeichen des Hakenkreuzes und Ihrer genialen Führung das Ziel seiner unsterblichen Bestimmung erreichen möge. Heil Hitler. — Der Führer hat dem General Franco telegraphisch mit herzlichen Worten gedankt.
Die englische presse zur Führerrede.
London, 1. Febr. (DNB.) Die Rede des Füh- res wird von der Presse höflich kommentiert. Es macht sich aber, wie schon so häufig, die Neigung geltend, das, was geboten wird, mit einer Handbewegung abzutun und sich dafür mit großer Ausführlichkeit über das zu verbreiten, was man in der Rede gerne noch gehört hätte. Die Blätter gefallen sich, wie auf ein Stichwort hin, in dem nur zu wohl bekannten Ruf nach „P r ä z i f i o - n e n", der in London und Paris immer bann wieder ertönt, wenn ein Schritt nach vorwärts getan werden sollte.
„Daily Telegraph" (konserv.) gibt sein Mißfallen u. a. darüber zu erkennen, daß der deutsche Vierjahresplan keine Abänderung gestatte. In England werde diese Mitteilung bedauert, weil der Plan wenig mit gesunder Wirtschaft zu tun habe, vielmehr wie eine „militaristische" Unternehmung aussehe. Wenn es in der Führerrebe heißt, jede Nation müsse für sich selbst entscheiden, welches Maß von Rü st ungen ihre Sicherheit erfordere, so müsse dies, so behauptet das Blatt, dazu führen, daß jeder Staat auf den höchstmöglichen Stand aufrüste.
„M o r n i n g P o st" (konserv.) muß zwar feststellen, daß die besondere Höflichkeit gegenüber England auch in London begrüßt wird, fügt aber hinzu, keines von den gegebenen Stichworten sei aufgegriffen worden, und es sei auch kein anderer Vorschlag zur Herbeiführung einer allgemeinen europäischen Regelung gemacht worden. Vielmehr zeige die Ablehnung irgendeiner Abmachung mit Sowjetrußland, daß Hitler eine solche allgemeine Regelung nicht wünsche. Wenn in der Rede erklärt werde, daß jedes Land seine eigenen Bedürfnisse für s i ch beurteilen müsse, so schließe das jede Möglichkeit einer Vereinbarung über eine Rü- ftungsbegrenzung oder eine Herabsetzung im voraus aus. In Bezug auf die Kolonien habe die Kanzlerrede keine greifbaren Forderungen gebracht. Ehe eine solche Forderung nicht gestellt werde, fühle sich die englische Regierung nicht veranlaßt, sich ihrerseits zu äußern. Als positiver Beitrag wird das Angebot, die Neutralität Belgiens und Hollands zu garantieren, gewürdigt, aber die Frage aufgeworfen, ob es bedingungslos fei oder von Zugeständnissen der betreffenden Länder abhängig gemacht werde.
„Daily Expreß" besaßt sich ausführlich mit dem Kolon in lthema. Die britische Regierung werde von sich aus nichts unternehmen, um diese Frage zur (Erörterung zu stellen. Sie halte daran fest, daß die Kolonialmandate vom Völkerbund erteilt worden seien und daher auch n u r von diesem zurückgegeben werden könnten. — „Times" sagt, die Erklärung, daß die Zeit der Überraschungen vorbei und Deutschland nunmehr als gleichberechtigter Staat seiner Aufgabe einer europäischen Mitarbeit bewußt fei, sei der Kernpunkt der Rede. Ohne diese Zusicherung hätten die Baumeister des Friedens kein Fundament. Daher verdiene die Rede den Willkomm, den sie bereits erhalten habe. Bemerkenswert ist das Zugeständnis, daß Hitlers Angebot schon vor zehn Monaten, anläßlich der Wiederherstellung der deutschen Rechte im Rheinland, nicht sehr klug ausgenommen wurde, wenn es auch nicht abgelehnt worden fei. Mit seinen weiteren Ausführungen biegt „Times" in das Fahrwasser der Nörgelei an Einzelheiten der Rede ein, wobei ungefähr das vorgebracht wird, was bereits als Kommentar verschiedener Blätter gekennzeichnet worden ist.
Wirkliches Verständnis zeigt „Daily Mai l". Das Rothermere-Blatt schreibt u. a.: „Nach vier Jahren liegt es klar zutage, daß fein Mann jemals so viel in so kurzer Zeit für sein Land getan hat wie Hitler für die deutsche Nation. Von einer erniedrigten Macht ist Deutschland wieder zu feiner vollen, beherrschenden Hohe aufgestiegen. Früher lediglich ein Spielball des Völkerbundes, ist Deutschland unter Hitler der am mächtigsten gerüstete moderne Staat geworden, und die Erklärungen des Führers werden in jeder Hauptstadt mit größter Spannung gehört. Die britischen Staatsmänner, so fährt „Daily Mail" fort, würden gut daran tun, wenn sie die Forderung des Führers auf Rückgabe der früheren deutschen Kolonien erwägen würden. Es fei fein Zweifel darüber, an wen dieser Abschnitt der Reichstagsrede gerichtet gewesen sei. Die britische Regierung und das Volk müßten ernstlich die Zukunft dieser früheren deutschen Gebiete, die jetzt unter britischem Mandat stünden, erwägen. Hitler habe betont, daß Deutschland die Kolonien nicht für militärische, sondern für wirtschaftliche Zwecke benötige. Es sei daher klarer als je, daß dies nicht
waschen und das Pilatus-Wort gesprochen: „Ich finde keine Schuld an ihm". Wir erinnern daran nicht aus Streitlust, sondern lediglich, um an einem Beispiel darzutun, wie ungerechtfertigt schulmeisterliche Belehrungen gerade aus englischem Munde sind. Unabhängig davon bildet die Parole der „Times": Hinfälligmachen der Rusfenpakte durch eine europäische Neuregelung, einen fruchtbaren Ansatzpunkt. Denn bisher lief sich jedes europäische Gespräch an dem Umstand fest, daß man die Rus- fenpafte in jede Sicherheitsregelung einbeziehen wollte.
In diesem Zusammenhang ist an ein ähnliches Wort des französischen Ministerpräsidenten zu erinnern, daß nämlich der Pakt mit Moskau in Fortfall kommen könne, wenn eine bessere und umfassendere europäische Sicherheitsorganisation geschaffen werden könne. Hier liegt allerdings der Einwand nahe, daß eben diese neue Regelung schon psychologisch erschwert wird, solange Paris mit der Bindung an Moskau belastet ist. Aber sicherlich wird niemand von Herrn Blum verlangen, daß er öffentlich verbrennt, was die französische Politik bisher angebetet hat. Der deutschen Politik geht es nicht darum, Frankreich eine diplomatische Niederlage und einen Prestigeverlust zu bereiten; entscheidend ist für Deutschland, daß die größte Bedrohung des europäischen Lebens beseitigt wird, lieber das Wie läßt sich dabei sicherlich reden.
Aber bei all dem spielt leider immer noch der
Irrtum eine verhängnisvolle Rolle, als sei jede europäische Neuregelung unvollständig oder gar eine „Blockbildung", die d i e Sowjetunion nicht einbeziehe. „Die bolschewistische Lehre der Weltzerstörung als einen gleichberechtigten Faktor in (Europa aufzunehmen, heißt ihm (Europa ausliefern", — dieses Wort des Führers hat nicht nur den unerschütterlichen deutschen Standpunkt Umrissen, sondern auch den Weg gekennzeichnet, den Instinkt und Vernunft der gesamten europäischen Kulturwelt vorschreiben. Ist es nicht erschütternd, wenn die „Times" von „Weltanschauungskämpfen" spricht, wo es sich in Wahrheit um die Bewahrung der Höch st en Kulturgüter handelt? Wie lange will man eigentlich noch die unfaßbare These vertreten, daß Bolschewismus und Faschismus zwei gleichwertige Erscheinungen, eben „Extreme von links und rechts" seien, die von der „demokratischen" Welt zusammengeführt werden müssen?
Daß England für die sogenannten faschistischen Systeme keine Sympathie empfindet, ist seine Sache und im übrigen ein Umstand, den Deutschland und Italien zu ertragen wissen. Was verlangt wird, ist auch nicht irgendeine besondere Sympathie oder gar „Kreuzzugsgeist", sondern die Fähigkeit primitivsten Unterscheidungsvermögens zwischen Ordnung und chaotischer Barbarei. Eine Macht, die die Nation leugnet, alle europäischen Kulturwerte verneint und diese Verneinung überall zur Geltung
zu bringen versucht, — eine solche^ Macht steht außerhalb der Staatengemeinschaft, öie hat weder mit den sogenannten Demokratien, noch mit den „Diktaturen" etwas gemein, und die Sammlung aller Ordnungsmächte gegenüber dieser gemeinsamen Gefahr bedeutet nicht die Zerreißung Europas, sondern die notwendige Voraussetzung feiner gesicherten Existenz.
Der Führer hat in feiner Reichstagsrede in diesem Zusammenhang nicht umsonst von einem nahezu unüberbrückbaren Gegensatz der Anschauungen gesprochen. Hier geht es in der Tat nicht um einen Methodenstreit, um Unterschiede in der Wahl der Mittel, sondern um letzte Grund- Positionen, die ihrer Natur nach ein Kompromiß ausschließen. Wenn sich die Westmächte hier, trotz aller erschütternden Lehren der spanischen Tragödie, nicht zu einer besseren Einsicht durchringen, dann bleibt die sogenannte europäische Regelung ein ferner Traum. Nicht als ob dann die Gefahr kriegerischer Verwicklungen in die Nähe rücken würde. Aber es kann dann nicht ausbleiben, daß (Europa das einigende Band eines gemeinsamen Ordnungsprinzips entbehren muß. Die Verantwortung für die Aufspaltung, die in diesem Falle durch die europäische Staatenwelt gehen wird, würde mit all ihren Folgen dann allerdings eindeutig auf jene Mächte zurückfallen, die aus taktischen Gründen sich der Moskauer Karte in ihrem Spiel bedienen zu müssen glauben.


