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Nr.l Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefjen)Samstag, ?.Zanuar 1957

ImVerrrauen auf die ergeneKrast tritt das deutfcheVolk über die Schwelle des neuen Jahres.

Oie Silvesteransprache des Reichspropagandaministers Or. Goebbels

Berlin, 31. Dez. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels sprach am Silvesterabend, 19 Uhr, über alle deutschen Sendep zum Jahres­wechsel. Seine Rede hat folgenden Wortlaut: Meine deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen!

Es ist ein schöner Brauch im neuen Reich, daß in den letzten Stunden des Jahres die Reichsregierung sich noch einmal an die gesamte Nation wendet, um durch den Mund eines ihrer Mitglieder vor ihr und vor der Welt Rechenschaft abzulegen über die Ar­beit der vergangenen zwölf Monate und einen Aus­blick zu gewähren auf die nähere und weitere Zu­kunft. Es ist das eine Art letzte Jahres Zwie­sprache zwischen Führung und Volk, fußend auf dem festen und unbeirrbaren Vertrauen, das heute bei uns alle Kreise und Stände im gan­zen Lande umschließt. Es ist mir auch am heutigen Abend wiederum eine stolze Pflicht, diesem Brauch nachzukommen, und ehe nun der laute Festesjubel und -trudel beginnt, sollen noch einmal m dieser stillen Vorfeierstunde die Ereignisse und Vorgänge des vergangenen Jahres in großem Reigen an un­serem geistigen Auge vorüberziehen. Man mühte lügen, wenn man behaupten wollte, daß dieses Jahr irgendeinen von uns mit Sorgen verschont hätte. Sie pochten an die Türen der Armen und Reichen, der Hohen und Niedrigen und niemand wurde davon ausgenommen.

Aber in diesem Jahr ist auch nach Zeiten schwerer Enttäuschung und furchtbarer Ver­bitterung, die unser Volk von 1918 bis 1933 be­lasteten, das Glück wieder in Deutsch­land eingekehrt. Die Früchte aus der Saat der ersten Jahre unserer Revolution haben nun allmählich zu reifen begon­nen, und mit Freude können wir beobachten, wie die ganze Ration nach und nach in ihren Genuß kommt. Sorgen und Mühen, Arbeit und Schweiß fangen sich an zu lohnen. Wir Deutschen sind keine Pharisäer, die, wenn sie in die Welt schauen, nur den Splitter im Auge des Nachbars sehen, den Dalken aber im eige- r>£n Auge nicht bemerken wollen. Wie alle an- dAen Völker haben wir im vergangenen Jahre UNS mühen und sorgen müssen; aber wir haben nicht u m s o n st gekämpft.

Es liegt uns nicht, uns in die inneren Verhält­nisse anderer Länder hineinzumischen. Trotzdem aber können wir mit tiefer Beglückung feststellen, daß, während anderswo die Völker vielfach von Bürgerkrieg und Wirtschaftsverfall, von Finanz­krisen und Inflation heimgesucht wurden, der Kampf aller gegen alle die Gemein­schaft der Nationen zerstörte, blutige Auseinandersetzungen das nationale Gefüge der Staaten erschütterten, Deutschland von all die­sen Geißeln der Menschheit verschont geblie­ben ist. Was man uns prophezeite, als der Füh­rer am 30. Januar 1933 die Macht antrat, davon sind wir verschont geblieben; aber bei den lauten Propheten von damals ist es manchmal leider Wirk­lichkeit geworden. Während bei uns Frieden, Ord­nung, Arbeit und Disziplin herrschen, werden an­derswo vielfach die Völker durch Aufruhr, Streik, Fabrikbesetzunqen, wahnwitzige Geldmanöver, Haß und blutige Zwietracht auf das tiefste beunruhigt.

Auch mancher gute Deutsche, der im Anfang unserer Revolution noch mit gewissen Vorbehal­ten uns aegenüberstand und vielleicht meinte, daß das Glück der Völker nur in dem längst als Scheindemokratie entlarvten Parteitreiben gefunden werden könnte, hat gerade im vergan­

genen Jahr Gelegenheit genug gehabt, an den Verfallserscheinungen unserer demokratischen Umwelt die Richtigkeit des vom Führer eingeschlagenen Regierungs- und Führungskur­ses zu erkennen und festzustellen, daß es in den modernen Staaten weniger auf die Formen als auf Wesen und Inhalt einer demokrati­schen Uebereinstimmung zwischen Volk und Re­gierung ankommt. Er hat dabei begreifen ge­lernt, daß eine st arte Autorität zur Führung der Völker berufen ist und nur der Verzicht des einzelnen auf egoistische Eigen­rechte die Freiheit aller auf die Dauer gewähr­leisten kann.

Wir betonen das nicht noch einmal, um etwa unsere Auffassungen anderen Völkern aufzudrängen; aber wir bleiben ihnen treu und bauen auf der Festigkeit und Härte unserer nationalsozialistischen Prinzipien die Existenz und das Glück des neuen Reiches auf.

Wie wenig bedeutet ein Jahr im ewigen, unauf­haltsamen Strom der Zeit! Wieviel aber schließt es doch manchmal in sich ein, wenn man es rück­schauend zusammenfaßt! Manches, was das Jahr 1936 uns brachte, ist selbst uns schon fast aus der Erinnerung entschwunden. Die Zeit geht so schnell, daß wir die Ereignisse dieses Jahres beinahe so empfinden, als hätten sie sich vor zehn Jahren ab­gespielt. Es war ein Jahr so reich an Segen und Erfolgen für Deutschland, daß der Führer in seiner Rede am 8. November vor seinen alten Mitkämp­fern in ergreifenden Worten zum Ausdruck bringen konnte, daß er nun zum ersten Mal in seinem Leben ohne ganz schwere Sorgen in die Zukunft des Reiches blicke. Wenn ich nun noch einmal ein­zelne Vorgänge dieses Jahres ins Gedächtnis zu­rückrufe, so hauptsächlich, um darzutun, wie viel wir ihm zu verdanken haben und wie glücklich und zufrieden wir darauf zurückblicken können.

Am 15. Februar proklamierte der Führer in seiner großen Rede bei der Eröffnung der Inter­nationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung den Plan der deutschen Selbstversorgung mit B-rennstoff und Gummi. Am 9. Sep­tember erging auf dem Parteitag der Ehre in Nürnberg seine Botschaft an die Nation zum Beginn des zweiten V i e r j a h r e s p l a- n e 5 zur Sicherung des deutschen Lebens; in vier Jahren soll Deutschland in all den Stoffen gänzlich unabhängig fein, die irgendwie durch die deutsche Fähigkeit, durch die Chemie- und Maschinenindu- ftrie," sowie durch unseren Bergbau selbst beschafft werden können. Ein kühner Wurf in der Projektie­rung und Zielsetzung, dessen Ernst und Bedeutung vor allem daraus erhellte, daß der Führer dem Ministerpräsident Generaloberst Göring in einem Erlaß vorn 18. Oktober die Durchführung dieses Vierjahresplanes übertrug.

Der erste Vierjahresplan, der bei Beginn der Machtübernahme vom Führer proklamiert wurde, konnte mittlerweile als erfüllt und da­mit erledigt gelten. Während es am 1. Januar 1936 im Reich noch 2Vi Millionen Arbeitlose gab, waren Ende Oktober 1936 nur mehr etwas über eine Million Arbeits­lose vorhanden. Es war also nationalsozia­listischer Initiative und Tatkraft gelungen, mit der Beseitigung der Arbeitslosigkeit das wich­tig st e und einschneidend st e Problem der Gegenwart, an dem sich alle unsere Dor­gänger vergebens abgemüht hakten, zu lösen.

Der Nationalsozialismus vertritt den Standpunkt, daß der Politik der Primat der Dolksführung zukomme, und die Wirtschaft nur eine, wenn auch eine der wichtigsten Funktionen des Volkslebens ist. Politische Erfolge also find die Voraussetzung für wirtschaftliche Besserung, und es war deshalb auch notwendig, im Jahre 1936 eine Reihe von Aktionen politischen Charakters durchzuführen und Maßnah­men zu treffen, die zur Sicherung unseres nationa­len Lebens erforderlich waren. Am 7. März pro­klamierte der Führer in feiner großen Rede vor dem Reichstag die volle Reichssouveräni- t ä t imRheinland, nachdem der franco-sowjet- ruffifche Vertrag den Locarno-Pakt praktisch annul­liert hatte. Diese Aktion schloß in sich die Elemente einer wahrhaften Friedenshandlung. Der am selben Tage einsetzende W a h l k a m p f endete am 29. März mit dem überwältigendsten Stimmensieg, der jemals in einem Volke errungen wurde.

Bei den Olympischen Spielen in Gar­misch-Partenkirchen und in Berlin hatten Hundert­tausende von Ausländern Gelegenheit, das neue Reich mit ihren eigenen Augen zu sehen und das Gesehene in Vergleich zu setzen mit all den Lügen und Verleumdungen, die von einer feigen und nie­derträchtigen Emigrantenpresse immer noch in der Welt über Deutschland verbreitet werden.

Es ist ein Reich der Kraft und der Ehre, das wir aufgerichkel haben. Deutschland will den Frieden, ist aber von der Aeberzeugung durch­drungen, daß ein wehrloser Staat in einer be­waffneten Umwelt dauernd die Gefahr eines Krieges heraufbeschwört. Durch die Einfüh­rung der zweijährigen Dienst- pflicht am 24. August wurde unserem Willen zur Selbstbehauptung, aber auch zu einem ehrenhaften Weltfrieden demonstrativ und wirk­sam Ausdruck gegeben.

Arn 17. September erfolgte die feierliche Indienst­stellung des SegelschulschiftesHorst Wessel", am 1. Oktober die Indienststellung der U-Bootsflottille Saltzwedel". Am 3. Oktober lief in Wilhelmshaven das SchlachtschiffScharnhorst" und am 8. Dezem­ber in Kiel das SchlachtschiffGneifenau" vom Sta­pel. Die Parole, die der Führer in seiner Neujahrs­botschaft 1936 ausgab, erfuhr so ihre fortlaufende Verwirklichung. Das Reich steht in Ehre, es genießt feine Freiheit und kämpft für den Frieden.

Ein Ausdruck des deutschen Friedenswillens ist der Abschluß des deutsch-österreichischen Abkommens vom 11. Juli. Damit wurde einer der gefährlichsten Gefahrenpunkte der mitteleuro­päischen Lage überwunden und zwischen den beiden Bruderstaaten Oesterreich und Deutschland ein er­trägliches Verhältnis geschaffen. Am 14. Novem­ber fiel durch die Wiederherstellung der deutschen Hoheit über d i e Ströme im Reichsgebiet eine weitere Entehrung durch den Ver­sailler Vertrag. Unser unermüdlicher und konse­quenter Kampf gegen den Versuch einer bolsche­wistischen Revolutionierung der Welt gipfelte in dem am 25. November abgeschlossenen Abkom­men zwischen Deutschland und Japan zum gemeinsamen Widerstand gegen die Moskauer Komintern.

Es ist uns heute noch nicht möglich, im einzel­nen die welthistorische Bedeutung all dieser Vor­gänge, die hier nur mit nüchternen Daten wieder­gegeben werden können, auszumessen. Aber es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in diesem Jahre nicht nur Deutschland, sondern d i e ganze Welt ihr Gesicht verändert haben. Welch eine Bilanz schließen diese Tatsachen ein, aber wie viel Sorgen auch für Führung und Volk brachten sie im ein­

zelnen mit sich! Es ist sehr leicht, die Vorgänge eines Jahres, wenn es hinter uns liegt, aufzuzählen. Schwer aber ist es, sie für ein anbrechendes Jahr zu planen, festzulegen und durchzuführen. Das er­fordert ein Höchstmaß an Arbeitsernst, Mut, Ent­schlossenheit, Initiative und Verantwortungsfreudig­keit. Denn die Gelegenheiten $u handeln sind selten; man mutz sie schnell und kühn ergreifen, ehe fit wieder entschwinden.

Was wird das nun anbrechende Jahr 1 9 3 7 uns bringen? Seine Aufgaben liegen klar und unverkennbar zutage: Wir müssen das Reich weiter ausbauen. Die Durchführung der ersten Etappe des Vierjahresplanes zur Sicherung unseres nationalen Lebens erfordert den restlosen Einsatz der ganzen Ration. Reben diese Arbeit hat die bewußte Gestaltung und weitere Vervollkommnung unserer sozialen Ordnung zu treten. Diese ist die Grundlage unserer Volksgemeinschaft, die wiederum den sichersten Ausgangspunkt bietet für die Stär­kung unserer nationalen Macht, für die Meh­rung unseres Ansehens in der Welt und für die Entschlossenheit, mit der Deutschland an­tritt zum unentwegten und unerbittlichen Wi­derstand gegen die unterirdischen Volschewisie- rungsversuche der Komintern in der ganzen Welt.

Zu diesen Aufgaben ist die ganze Nation aufge- rufen. Sie vereint sich in dieser letzten Stunde des abgelaufenen Jahres in einem festen und unver­brüchlichen Dank- und Treuebekenntnis zum Führer, der uns auch in den vergangenen zwölf schweren Monaten wieder wie der Herzog seines Volkes voranschritt im Kampf um die Frei­heit, das Leben und die Ehre der Nation. Wir alle wünschen ihm aus tiefstem Herzen Glück, Ge­sundheit und eine gesegnete Hand in all seinem Tun und Lassen, Kraft im Werk und wie bisher Größe, Mut und Kühnheit im Entschluß. So wie in der Vergangenheit, so kann er auch in kommenden freudigen und schweren Stunden der Liebe und des Vertrauens seines Vol­kes immer gewiß sein. Deutschland ist stolz und glücklich, ihn zu besitzen und seiner starken Hand die Führung der Nation anvertraut zu wissen.

Diesem Volke aber auch gebührt der Dank seiner Führung. Es hat sich seiner großen Ausgaben würdig erwiesen. Es ist nicht mutlos und schwach vor ihnen zurückgewichen, sondern hat sie ins Auge gefaßt und mit ihnen gerungen, bis sie gebändigt waren. Gemeinsam aber wollen wir alle dem Allmächtigen danken, daß er uns auch in diesem Jahre seinen Segen nicht vorenthielt, und ihn bitten, auch weiterhin seine schützende Hand über Volk und Reich zu halten.

So grüße ist denn zum letzten Mal in diesem Jahre alle Deutsche in Stadt und Land. Ich grüße die Deutschen, die das Glück haben, im Reich zu leben und die Segnungen des neuen Staates zu genießen. Ich grüße aber auch und vor allem aus tiefstem Herzen die Deutschen, die jenseits unserer Grenzen leben, und die nur mit sehnsuchtsvollen Augen das Land ihrer Väter aus der Ferne sehen. Mit ihnen fühlen wir uns alle verbunden und ver­brüdert.

In wenigen Stunden wird das Jahr 1936 zu Ende fein. Mit lautem Jubel wird nach altem Brauch das neue begrüßt werden; bei Frohsinn und Scherz aber wird uns auch alle gewiß ein Ge­fühl ernster Zuversicht erfüllen, wenn vor uns groß und rätselhaft die Frage auftaucht, was das neue Jahr uns bringen wird. Einiges davon ist Schicksal, das meiste aber ist der Gestaltung unserer eigenen Hände, unseres eige­nen Willens und unserer eigenenKraft anvertraut. Schreiten wir also mutig und erhobenen Hauptes in dieses neue Jahr hinein mit dem festen Entschluß, treue Diener des Volkes zu sein und für eine freie deutsche Nation zu kämpfen und zu arbeiten. In diesem Sinne grüße ich den Führer und sein Werk, unser Volk und unser Reich.

Andreas Hofer.

Ein deutschesAeldenbiid von Wilhelm Schäfer.

Der Sandwirt war er geheißen, Händler und Wirt, im Tal von Passeyr, aber er kannte den Krieg als Hauptmann der Schützen und galt in Tirol mehr als ein Landmann sonst unter Landmännern gilt.

Als die Hofburg den Aufruhr der Bauernschaft brauchte, rief sie den Sandwirt nach Wien; der Erzherzog selber hörte dem mutigen Mann herab­lassend zu.

Napoleon hatte Tirol dem König von Bayern ge­schenkt; aber so ging die Rechnung der Hofburg ein Aufstand der Bauernschaft sollte dem neuen Krieg gegen den Korsen Urgewalt geben, das Volk selber sollte das Land von Tirol für Habsburg be­freien.

Andreas Hofer, der Sandwirt geheißen, glaubte den Herren in Wien, weil er ein Mann aus Tirol war; als er wieder daheim faß im herbstlichen Tal von Paffeyr, sah seine Wirtschaft seltene Gäste, und als im Frühjahr die Laufzettel das Aufgebot riefen, war er mehr als ein Hauptmann der Schützen.

Am Sterzinger Moos fing er fein Tagwerk an, und als er die Schlachten am Jfelberg schlug, machte der Sandwirt sein Wort wahr: Tirol war befreit, und die Herren in Wien konnten den Treueid der Landschaft empfangen.

Sie sparten nicht in der Habsburger Hofburg, die Gesandten der Bauernschaft zu beehren; der Kaiser selber gab ihnen gnädig sein Wort mit, niemals Frieden mit Frankreich zu machen, es fei denn, daß auch Tirol wieder zu Oesterreich gehöre.

Als aber den Herren in Wien bei Wagram ihr kurzes Kriegsglück fehl ging, als sie von dem Kor­sen Waffenstillstand begehrten, dachten sie nicht an ihr Wort: die Bauernschaft war von Habsburg verlassen, Bayern, Franzosen und Sachsen rückten mit Uebermacht an, den Trotz der Tiroler zu brechen.

Doch hatte der stolze General Lefebre die Rech­nung ohne den Sandwirt gemacht: wieder am Jselberg wurde sein Heer von den herzhaften Bauern geschlagen, und nun war Tirol zum an- bernmal frei für sich selber.

Der Kaiser saß im Käfig der Hofburg, und auf den Straßen nach Wien ritten die flinken Husaren von Frankreich: so mußte der Sandwirt auf eigene Faust Herzog und Fürst der Bauernschaft sein.

In der Hofburg zu Innsbruck hielt er mit seinen Getreuen dem Land die Regierung; ein Bauern­wirt aus dem Passeyr trotzte dem Sohn der Hölle

und war die Hoffnung der deutschen Herzen im Reich.

Aber es buntete nur ein Herbst vor dem Winter: als im Frieden zu Schönbrunn das Kaiserwort log, als Habsburg Tirol an Bayern abtrat, als die Uebermacht kam von Norden und Süden, war das Glück der Bauernschaft aus.

Sie sperrten die Täler mit Ketten, sie rollten die Steine von den Bergen, sie riefen das Land zur letzten Wehr auf und mußten in Brand und Blut zuletzt doch ersticken.

In einer Alphütte hoch im Passeyr saß Hofer der Sandwirt lange verborgen, aber ein Judas verriet ihn um Geld, und die Häscher fingen den Starken.

Er blieb auch im Unglück der mutige Mann; als er in Mantua fiel unter den Kugeln der Feinde, aufrecht und stolz, weil er ein gläubiger Mann aus Tirol war, wurde er groß im deutschen Ge­dächtnis.

Das aber geschah zu der Zeit, da der Habsbur­ger Kaiser in Wien seine Tochter dem Korsen verlobte.

(fr und Sie.

Drei Augenblicksbilder von Hedwig Forstreuter.

Sie stehen im Laden, ein junges Menschenpaar, vom allmorgendlichen Sehen in der Untergrund­bahn mit dem Aeußeren und der Zeitungswahl des anderen vertraut. Jetzt führt sie ein Zufall vor den gleichen Ladentisch eines Konditors. Beide sind eilig und verregnet, doch durch den frühen Sams­tagsschluß ihrer Büros guter Laune, wollen Kuchen für den Sonntag kaufen. Sie sucht aus: Streusel­kuchen, zwei runde, lockend und knusprig, gefüllt. Noch ehe die Verkäuferin das Paket in weißes Papier schlagen kann, fordert auch der Mann Streuselkuchen, aber es sind nur noch Stücke mit Zuckerguß da.

Die junge Dame sieht kühl und eilig auf:Lassen Sie uns teilen. Nehmen Sie die Hälfte von mei­nem Kuchen. Mir macht es nichts aus". Sie sagt es sehr schnell, wehrt Dank ab und verläßt mit ihrem Päckchen den Laden. Dies darf auf keinen Fall nach Anknüpfenwollen aussehen. Sie betritt einen andern Laden, kauft und zahlt. Als sie wieder auf der Straße steht, geht der Mann vorüber, mit dem sie den Kuchen teilte. Er zieht den Hut sehr tief, aber versucht keine Anrede. Die kleine Flamme der Sympathie, die zwischen ihnen aufwehte, kann die Belastungsprobe eines Gesprächs noch nicht er­tragen. Er versteht das Mädchen so gut in der sachlichen, fast feindseligen Art, in der es die Tei­

lung vorschlug. Sie ist eine von den schwesterlichen Frauen, die gern helfen. Doch sie scheut das Miß­verständnis, ihr klares Gesicht ist eine einzige Ab­wehr. Sv grüßt er nur mit dem stummen Gruß des Verstehenden und geht vorüber.

*

Anscheinend haben sie sich entzweit. Er überquert die Straße mit eiligen Schritten, erzürnt. Sie sucht sich an seiner Seite zu halten, läuft aber fast hinter ihm, auf ihn einredend, bittend mit einer gepreßten leisen Stimme. Er scheint nichts zu hören, strebt nur eilig vorwärts, das Gesicht unbewegt, Hände in den Manteltaschen. Als er stehen bleibt, um auf die Bahn zu warten, stellt sie sich vor ihn. Sie sprichts nichts mehr, sucht nur seine Augen. Er vermeidet den Blick, der groß und beschwörend zu ihm aufgeschlagen ist. Er mag wohl wissen, welche Macht ihm innewohnt. Starr, mit erhobenem Kopf, sieht er über sie hinweg. Als die Bahn sich nähert, erreicht er sie mit zwei Schritten, springt auf und erlebt den Triumph, daß sie, von einer Menschen­gruppe aufgehalten, zurückbleibt. Jetzt gönnt er ihr feinen Blick, von der Plattform herab sieht er sie an, schadenfroh, mit einem letzten schmelzenden Nest von Strenge. Um seine Mundwinkel keimt schon etwas wie ein Lächeln. Mit dunklem Blick sieht die siegte dem Wagen nach. Oder ist sie die Siegerin?

Im Frühstückszimmer einer Münchener Pension. Die kleine Familie ist als letzte am Tisch zurück­geblieben. Er kramt in Papieren, macht sich No­tizen, knurrt eine Frage, alles gereizt, wie jemand, der seine Fassung nicht mehr lange behaupten kann. Die Frau versorgt ihn und das Kind, streicht die Brötchen, schenkt Kaffee ein. Mit gehaltenen Be­wegungen. Sie hört seinen knappen Worten zu, tut eine Frage, sehr sanft und behutsam. Sie achtet es nicht, daß er den ganzen Tisch in Unordnung bringt, das Kind verschüchtert und kaum die Liv- pen zu einem Dank auseinanderbringt, wenn sie ihm die neu gefüllte Taffe zuschiebt. Sie weiß, er hat Aerger gehabt, und hilft ihm, die Aussprache zu finden. Vorsichtig, mit halben Sätzen, immer gleich sanft und freundlich, wie man zu einem Kranken spricht. Und es gelingt ihr, seinen verhal­tenen Aerger zu lösen, in Fluß zu bringen und mit dem Ablauf der Worte Erleichterung zu verschaffen.

Als der Mann das letzte Stück Semmel nimmt und darangeht, die Papiere zusammenzuraffen, ist feine Miene entwölkt, seine Stimme klingt freier. Und er sieht die kleine Frau, die unscheinbar vor ihm sitzt, mit einem Blick an, in dem Grübeln und Zärtlichkeit sich mischen. Als er sie heiratete, geschah

es aus Vernunft, jetzt bestätigt ihm jeder Tag, daß er recht tat. Wenn das Wort nicht überschwenglich und nach Büchern klänge, würde er sagen, daß er sie liebe.

Er nickt ihr flüchtig zu. Seine Arbeit wartet, er muß zur Ausstellung, muß Kunden besuchen.

Einträchtig verlassen die drei das Frühstücks­zimmer.

Oberspielleiter Theodor Harrten geht nach Berlin.

Der Oberspielleiter des Schauspiels Theodor Haerten vom Stadttheater Gießen wurde, wie das Dramaturgische Büro mitteilt, auf Wunsch des Propagandaministeriums Berlin zum künstlerischen Leiter für die deutsche Gesamtproduktton der ame­rikanischen Metro-Goldwyn-Meyer Filmgesellschaft ernannt. Er scheidet daher aus seiner Stellung als Oberspielleiter des Schauspiels des Stadtthea- ters Gießen aus. Theodor Haerten hat sich aber bereit erklärt, noch im Laufe dieser Spielzeit einige wesentliche Inszenierungen vorzubereiten. Die für den 22. Januar angesetzte Inszenierung Theo­dor Haertens von DillingersStille Gäste" wird vorläufig auf einen späteren Termin verschoben.

Zeitschriften.

In der ZeitschriftDie Kun st", Monatsheft für Malerei, Plastik und Wohnkultur (38. Jahr- aang, Nr. 4/Januar 1937), Verlag F. Bruckmann A.-G., München, sind die vielen reichbebilderten Darbietungen mit feinem Empfinden ausgewählt und zusammengestellt. So umfassen die einleitenden Aufsätze des Januarheftes überLenbach eineReihe kost­barer Bildreproduktionen. Es folgt ein Artikel über den Münchener Maler Franz Doll, über den italie­nischen Bildhauer Antonio Maraini, über ein neu­entdecktes Werk von Veit Stoß und über das Kunstwerk des Monats Engelkonzert von Tilman Riemenschneider. Der zweite Teil des Hef­tes über moderne Wohnkultur und Kunsthandwerk bringt ein Landhaus in Mittenwald von Architekt Strobl, München, einen Stuttgarter Garten von Adolf Haag, einen Artikel von M. H. Schilling über die Jnnen'-aumgestalter Architekt Adolf C. Rü­denauer und Architekt Max Dürr, Stuttgart, Neues aus der Zinngießerei Eugen Wiedamann, Regens­burg u. a. m. Ein großer Nachrichtenteil unterrichtet über Ausstellungen, Auktionen und andere künst­lerische Zeitereignisse.