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Hl 229 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Zreitag.l. Oktober 1957

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Der Verkehr verbindet die Völker.

Englische Straßenfachleute bewundern die Veichsautobahnen.

Ihr wahres Gesicht.

4 Mussolini hat in seinem Abschiedstelegramm an den Führer noch einmal mit wenigen Worten das Ergebnis seiner Deutschlandreise zusammengefaßt. Er hat dabei die geistige Solidarität des national­sozialistischen Deutschlands und des faschistischen Italiens sowie die Festigkeit und Eintracht der Vor­sätze beider Staaten unterstrichen. Alle Welt weiß, daß sich Deutschland und Italien in ihrem Kamps für ihre Lebensrechte, aber auch für den Frieden Europas einig sind, alle Welt weiß, daß der Block der 115 Millionen ein unerschütterliches Bollwerk gegen alle Machenschaften etwa im Sinne der bol­schewistischen Zerstörungs- und Vernichtungswut darstellt. Wenn hier und dort Kläffer, Nörgler und Quertreiber den Versuch machen, die große Ber­liner Friedensdemonstration um chre Wirkung zu

Der Führer erwidert den Besuch des Duce.

Berlin, 1.Off. (ODtB.) Während feiner An­wesenheit in Deutschland hat der Duce den Führer in außerordentlich liebenswürdiger Weise eingeladen, seinen Besuch zu erwidern. Wie die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz hierzu erfährt, hat der Führer freudig Zu­ge f a g t.

bringen, so kann man darüber getrost zur Tages­ordnung übergehen, genügt doch ein Blick in die ernst zu nehmende Auslandspresse, daß man dort die Achse BerlinRom doch etwas anders als bis­her bewertet.

Aber einen unserer ausländischen Kritiker möch­ten wir uns doch aufs Korn nehmen. Denn seine Aeußerungen rücken gerade das in das grellste Licht, wogegen sich Deutschland und Italien glei­chermaßen zur Wehr setzen: die Polittk brutal­ster Gewaltanwendung mit dem Ziele der Vernichtung von Völkern, die nichts an­deres geltend machen als das Recht auf ihr Leben. Dieser Krittker, Herr de Keryllis von der Zei­tungE p o q u e", bekannt geworden durch den Karlsruher Kindermord, den er während des Krie­ges mit dem Maschinengewehr vom Flugzeug aus vollzog, ist äußerst betrübt darüber, daß Frankreich und England es verabsäumt hatten, während des Abessinienkrieges das italienische Volk zu ersticken". Das also sind die Grundsätze der vielgerühmten Demokratie. Sucht ein Volk nach neuem Lebensraum, sucht es sich seinen Anteil an dem Reichtum von den Kolonien zu beschaffen, den andere in hellstem Ueberfluß besitzen, dann muß es vernichtet, dann muß es, wie Keryllis sich crus- zudrücken beliebt,e r st i ck t" werden.

Hier demaskiert sich die parlamentarische Demo­kratie, hinter der anonyme, aber doch nur zu be­kannte Gestalten stecken, die vorgeben, nach dem Willen ihrer Völker zu regieren, die aber nur ihre eigenen Ziele zu erreichen suchen. Daß diese Dunkel­männer versagt haben, kann Keryllis heute noch nicht fassen. Denn wie schön wäre es gewesen, das geht aus seinen weiteren Gedankengängen hervor, gleichzeitig auch das deutsche Volk dem glei­chen Erstickungstod auszuliefern. Einen großen Friedhof möchte man aus Europa machen. Darin sind sich die sogenannten Demokratien mit den Bol­schewisten einig, mögen sie auch verschiedene Metho­den anwenden. Die Wirkung bleibt die gleiche. Darum auch der Haß auf das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien, die sich beide auf ihre Kräfte besannen und ihr Lebensrecht etwas nachdrücklich zur Geltung zu bringen wußten. An diesem Selbstbehauptungswillen werden aber alleErstickungsversuche" scheitern. Darüber möge man sich im klaren sein. D. S.

Der Geist von Versailles.

Die BerlinerPresse zur Hetze derEPoque".

Berlin, 1. Okt. (DNB.) Die Berliner Mor- aenblätter beschäftigen sich mit der schamlosen Aeußerung von de Keryllis in der E p o q u e, der, wie bereits gemeldet, geschrieben hatte, es sei bedauerlich, daß Frankreich während des abessini­schen Feldzuges Italiens nicht die Gelegenheit er­griffen hätte, das italienische Volk im Einverneh­men mit England zu ersticken. Der Völkische Beobachter schreibt u. a.: Zynischer ist wohl noch niemals die Denkrichtung jener verbrecherischen Kreise ausgesprochen worden, denen die Bemühun­gen zur Erhaltung des Friedens in Europa im­mer wieder auf Schritt und Tritt als Wider­sacher und Störenfriede begegnet. Man muß den Mut bewundern, mit dem jener Franzose ein Programm ausspricht, das unmißverständlich die Abschlachtung oder Aushungerung eines 40-Millionenvolkes bedeutet. Es ist der Mut jener niedrigen Gesinnung, die in ihrem wahnsinnigen chauvinistischen Haß überhaupt keine Maßstäbe der Menschlichkeit mehr kennt. Wir be­neiden die französische Politik um einen derartigen Agenten wahrhaftig nicht und verzichten darauf, uns mit jener Kreatur noch näher über die europäische Zivilisatton auseinanderzusetzen. Es genügt, den Ausspruch des Herren de Keryllis festgehalten zu haben, um ein für alle Mal d i e wahre Ge­sinnung der internationalen Kriegs­hetzer ohne Schminke erkennen zu lassen.

Die Deutsche Allgemeine Zeitung ur­teilt: Aus diesen Worten spricht eine Brutalität und enthüllt sich eine bisher unter den Phrasen der

Gin Segen für das Land.

Der Reichsverkehrsminister

aus einem Empfang in Baden-Baden.

Baden-Baden, 1. Okt. (DNB.) Am Don­nerstag kamen die englischen Verkehrs­und Straßenbaufachleute auf ihrer Fahrt durch Deutschland von München im Sonderzug i n Baden-Baden ein, wo ein großer Empfang durch den Reicbsverkehrsminister Dr. Dorp- müller stattfano, bei dem auch Generalinspektor Dr. Todt, eine große Anzahl leitender Beamter der Reichsbahn und Mitglieder der Deutsch-Eng­lischen Gesellschaft zugegen waren. In dem mit den Fahnen Englands und Deutschlands und den Hoheitszeichen des Dritten Reiches geschmückten Festsaal des Kurhauses entwickelte sich bald ein angeregter Gedankenaustausch. Zu Beginn des Empfanges gedachte der Gastgeber Reichsverkehrs­minister Dr. Dorpmüller des englischen Königs. Es erklang die englische Nationalhymne. Der Präsident der englischen Industriellen P. F. Bennet trank auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, wor­auf die deutschen Nationallieder gesungen wurden.

Dr. Dorpmüller legte dann dar, wie Eisen­bahn und Aut ost raßen zusammengekommen seien. Der Führer habe den Gedanken, Straßen zu bauen, die dem modernen Verkehr in jeder Hinsicht entsprechen, möglichst schnell in die Tat umgesetzt. Die Reichsbahn habe ihre Männer bei dem gewal­tigen Werk zur Verfügung gestellt und Dr. Todt habe die auftauchenden Hindernisse beseitigt. Auch die Frage der Finanzierung sei überwunden

Rom, 30. Sept. (DNB.) Mussolini ist am Don­nerstag um 18.20 Uhr wieder in der Hauptstadt des Faschismus eingetroffen, die ihm den groß­artigsten Empfang bereitet hat. Schon in der über und über mit italienischen und deutschen Fahnen festlich geschmückten Bahnhofshalle erschallten Bei­fallsstürme und Duce-Rufe. Als Mussolini nach Ab­schreiten der Front der Ehrenformationen aus dem Bahnhof hinaustrat, fetzten auch dort mit orkan­artiger Gewalt Beifallsstürme und Duce-Rufe ein. Im Augenblick, in dem Mussolini auf dem Bahn­hofsplatz erschienen war, flammten Tausende und aber Tausende von Neon-Lampen auf, die den Bahnhofsplatz taghell erleuchteten.

Auf Wunsch des Duce nahmen die Mitglie­der der deutschen Botschaft, die mit Ge­schäftsträger Baron von Plessen und dem stellvertretenden Landesgruppenleiter H e tz i n g e r erschienen waren, an der Triumphfahrt Musso­linis bis zum Palazzo Venezia teil. Den Höhepunkt der Empfangsfeier bildete die Massenkund­gebung auf der Piazza Venezia. Auf die temperamentvollen RufeDuce, Duce, Duce!" er­schien Mussolini auf dem Balkon und faßte in einer kurzen Ansprache das Ergebnis seiner Deutschland­reise in folgenden Worten zusammen:

Ich bringe von Deutschland und meinen Unterredungen mit dem Führer einen tiefen Eindruck und unaustöschbare Erin­nerungen zurück. Die italienisch-deutsche Freundschaft, besiegelt in der Politik der Achse

Gleichberechtigung aller Völker und des Verständ­nisses für fremde Interessen versteckte Dernichtungs- politik, die einen tiefen Einblick in die Geistesver­fassung gewisser Kreise in Frankreich gewinnen läßt. Bei einem solchen unerhörten Vorgang muß man den Glauben an feierliche Versicherungen, die von dort kommen, verlieren, wenn man auch nicht annehmen kann, daß derartige Aeußerungen von der französischen Regierung gebilligt werden. Wäre das doch der Fall, so würde die offizielle stan- zösische Politik bei ihren Verhandlungen in den letzten Monaten in einem höchst merkwürdigen Licht erscheinen.

DerBerliner L o k a l a n z e i g e r" schreibt: Wir kennen de Kiryllis nur zu gut als wüsten Deut­schenhasser, jetzt wendet sich sein Haß auch gegen die italienische Nation. Im Weltkrieg war es sein Bombengeschwader, das am Fronleichnams­tag die offene Stadt Karlsruhe mit Bomben belegte. Das, was de Keryllis pre­digt, ist kalter Imperialismus, dessen Ziel die Ver­nichtung des Gegners ist. Es ist ein Imperialismus, aus dem der unselige Gei st von Dersail- l e s geboren ist und der Frankreich in den Jahren nach dem Weltkrieg beherrscht hat, dem Europa alles Unglück feit diesen Jahren verdankt. Diesem Imperialismus in all feiner Unfruchtbarkeit haben Deutschland und Italien mit ihrem berechtigten An­spruch auf das primittvste Lebensrecht ebenso den Kampf angesagt wie dem Bolschewismus.

DasB e r l i n e r T a g e b l a 11" sagt: Niemals ist unser Argwohn gegen gewisse Verteidiger eines Europa westlich-demokratischer und Genfer Prägung in erstaunlicher Weise bestätigt, niemals das Ge­sicht der Demokratien demaski er t wor­den Wir wissen nicht, was de Keryllis zu dieser un­flätigen politischen Selbstentblödung veranlaßte Selbst wenn ihm Haß und Neid gegen Italien und Deutschland die Seele nach so tief zerfraßen, so leistet er gerade der Sache, der er jetzt und schon früher mit feiner Agitation gegen das

worden, und zwar das müsse gegen Preffe- angrifse ausländischer Blätter betont werden auf durchaus solider Grundlage. Heute seien in der kurzen Zeit von vier Jahren rund 1600 Kilometer dieser Autobahnen für den öffent­lichen Verkehr fertiggestellt und weitere 1800 Kilo­meter seien im Bau. Hunderttausende seien direkt und indirekt mit dem Bau der Autobahnen beschäf­tigt. Die Autobahnen seien damit ein großer Segen für das ganze Land geworden und hätten mitgewirkt, die Arbeitslosigkeit von Millio­nen auf ein Minimum herabzudrücken. Im Jahre 1941 werden die Autobahnen fertig fein.

In seiner Erwiderung auf die Ansprache sagte der Sprecher der englischen Gäste, der Präsident der englischen Industrie Bennet, er müsse herz­lichen Dank sagen für die freundliche Einladung und besonders Dr. Todt in diesen Dank einschließen, der sich trotz überreicher Arbeit den englischen Ver­kehrsfachleuten in so ausgedehntem Maße gewidmet habe. Das deutsche Volk könne man von Her­zen beglückwünschen, daß es das große Werk der Autobahnen vollbracht habe. Diese Reise bringe ein Näh erkommen der beiden Völker, ein Wachsen des Verständnisses und der freundschaftlichen Gefühle zwischen Deutschland und England. Wir werden einen guten Geist der Zu­sammenarbeit Deutschlands und Englands mitneh­men, und wir können Sie versichern, daß wir drü­ben nicht im Flüsterton über das Gesagte und Ge­hörte sprechen werden. Wir werden eintreten für öie Zusammenarbeit Englands und Deutsch­lands und den anderen Freunden Englands zum Segen des europäischen Friedens.

RomBerlin, ist in diesen Tagen in die herzen der beiden Rationen ein­gezogen und wird darin bleiben. (Stürmische nicht endenwollende Huldigungen.) Die Ziele dieser Freundschaft sind die enge Solidarität der beiden Revolutio­nen, die Wiedergeburt Europas und ein Friede zwischen den Völkern, der dieses Namens würdig ist."

Minutenlange Beifallskundgebungen, Heilrufe auf Adolf Hitler und auf Deutschland bekräftigten diese Worte des Duce des Faschismus.

Ein Vild Mussolinis für den Führer.

Berlin, 30. Sept. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler empfing in Anwesenheit von Reichsminister Dr. G o e d b e l s den Vizepräsidenten der italienischen Kammer, Exzellenz Caradonna, und acht Abgeordnete. Die Herren wurden von dem italienischen Botschafter eingeführt. Anschließend an diesen Empfang überreichte der Königlich italienische Botschaftsrat Graf Magistrati in persönlichem Auftrag des Duce dem Führer ein silberge- rahmtes Bild Mussolinis, das die Wid­mung trägt:Dem Führer und Kanzler des Drit­ten Reiches Adolf Hitler in herzlicher Freundschaft. Mussolini. Berlin, den 29. September des Jahres XV."

Versöhnungswerk der Frontkämpfer zu dienen meint, der Verhinderung jeglicher Ver­ständigung den denkbar schlechtesten Dienst. Er hat mit feinem Haßausdruch all die schönen Grundsätze und Schlagworte erledigt und Lügen gestraft, mit denen die Gegner des deutsch-italienischen Kurses <fu operieren pflegen, Friedenswille, Gleichberechtigung für alle, Verständnis für die Lebensnotwendigkeiten anderer Völker alles versinkt in dem brutalen Ausspruch, daß man versäumt hat, ein Volk zu er­sticken, als es noch Zett gewesen wäre. Man darf mit einiger Spannung erwarten, wie die übrigen publizistischen Hüter'der Demokratie sich zu diesem wild gewordenen Elefanten im Porzellanladen stel­len werden.

General derZliegerMilch besuchtparis.

Paris, 30. Sept. Staatssekretär General der Flieger Milch wird am Montag zu einem Besuch in Paris starten. Er wird auf dem Pariser Flug­hafen Le Bourget von dem französischen Luftfahrt­minister empfangen. Er wird begleitet von General- Major U d e t, Oberstleutnant Hanesse und dem Luftattache der französischen Botschaft in Berlin d e Gr e f fi er. In Le Bourget wird eine Ehren­kompanie mit Musikzug der französischen Luftarmee antreten. Auf dem Flughafen wird General Milch Gast der Luftgarde sein, die unter Befehl des Obersten de Turenne aus dem 34. und 54. Geschwader besteht. General Milch bleibt bis zum Samstag und wird den Flugzeugstützpunkt Reims sowie mehrere Flugzeug- und Flugmoto­renfabriken besichtigen. Wahrscheinlich wird auch Präsident Lebrun den General emp­fangen. Es ist auch vorgesehen, daß General Milch Hebungen von Einheiten des französischen Luft­heeres beiwohnt.

TemGedöchlnisHmdenbWS

Äon Ministerialdirektor Or. Heinrich Ooehle.

Der 90. Geburtstag des unvergeßlichen Feldmar­schalls am 2. Oktober läßt die ehrwürdige Erschei­nung des vornehmen alten Herrn wieder lebendig vor unsere Augen treten. Die hohe Gestalt, die ruhigen, gelassenen Bewegungen, die ritterliche Höflichkeit, die väterliche Güte und der stets bereite Humor, mit dem er über kleine Unzulänglichkeiten hinweggehen konnte, sie waren bei ihm nicht äußere Form, sondern ein treues Spiegelbild seines pracht­vollen Charakters. Das merkte bald ein jeder, der das Glück hatte, nur wenige Minuten mit ihm zu­sammen zu sein.

Hindenburg war ein echter Sohn seiner oftpreu- ßischen Vorfahren, von denen manch einer schon als Ritter des Deutschen Ordens mit dem Schwert den Heimatboden verteidigt hatte. An dem alten, ihm als Reichspräsident wieder geschenkten Familiengut N e u d e ck, wo er die schönsten Tage seiner Jugend verlebt hatte und wo er als 80jähriger nach beweg­ter Lebensfahrt endgültig die Anker fallen ließ, hing fein ganzes Herz. Gern zeigte er auf den Spazierfahrten in der Pferdekutsche durch die hei­matlichen Wälder seinen Gästen die Plätze und die einzelnen Bäume, wo er als Junge gespielt hatte.

Dennoch war Hindenburg auch sonst in allen Winkeln des deutschen Vaterlandes wie selten einer zu Hause. Seine Soldatenlaufbahn hatte ihn in alle Teile des Reiches geführt, die Manöver auch in ungezählte kleine Orte, und von den Qaurtie- ren, in denen er gelegen hatte, hat er kaum eines vergessen. Eine verhältnismäßig lange Zeit seines Lebens hat Hindenburg in Berlin verbracht und in behaglichen Stunden holte er aus seinem stau­nenswerten Gedächnis gern frühere Erinnerungen hervor. Seine Kadetten- und die Leutnantszeit beim dritten Garderegiment zu Fuß tauchten auf; als Hauptmann im Generalstab hatte er 1878 den Berliner Kongreß erlebt und erzählte von den einzelnen Typen, von Lord Beaconsfteld, der durch gelbe Westen und andere Attribute damaliger Eleganz auffiel und ständig von einem Rudel hüb­scher junger Attaches umgeben war, von dem alten Fürsten Gortschakoff, der mit Vorliebe am Par­terrefenster der Russischen Botschaft saß und sich den Bummel Unter den Linden ansah, von Bis­marck, von den Hofbällen und vom alten Menzel, der ihn gelegentlichangegrobft" hatte. Mit der größten. Verehrung sprach er stets von Kaiser Wilhelm I. Es war, als habe er sich dessen ruhige, schlichte, alles beherrschende Würde, die er auch in seinem BuchAus meinem Leben" hervor- hebt, selbst zum Vorbild genommen.

Hindenburg war in erster Linie Soldat und hatte hauptsächlich auf militärischem Gebiet Gele­genheit, seine überragenden Fähigkeiten zu bewei­sen. Jeder Frontsoldat weiß, daß militärisches Wis­sen Stückwerk ist, solange es nicht im Kriege er­probt ist. Hindenburg hatte zwei Kriege, den zweiten als Bataillons- und Regimentsadjutant, mttgemacht, als er 1873 für drei Jahre auf die Kriegsakademie kam und später während acht Jah­ren, von 1885 bis 1893, Major im Generalstab, Lehrer an der Kriegsakademie und schließlich Ab­teilungschef im Kriegsministerium war. Ueberreiche Erfahrungen in Praxis und Theorie gaben ihm die festen Grundlagen feines Feldherrntums und, ne­ben feinem Charakter und feinem Gottvertrauen, die unerschütterliche Ruhe, die ihn auch in schwie­rigsten Gefechtsmomenten, so bei Tannenberg und in der Winterschlacht in Masuren, nie verließ.

Dieselbe Unerschütterlichkeit bewies Hindenburg aber auch in politischen Dingen. Seine reiche Lebenserfahrung und die Kenntnis vom stän­digen Wechsel der Dinge halfen ihm hier dazu, das Vertrauen in die Zukunft feiner Nation in schwerster Stunde zu bewahren. Dunkel lag über Deutschland, als Hindenburg ge­boren wurde; auch Preußen wurde damals von revolutionären Zuckungen erschüttert. Aber das Dreigestirn Bismarck-Moltke-Roon führte das Vater­land wieder zu neuer glänzender Höhe. In Paris erlebt der Leutnant 1871 die Kommune mit allen bolschewistischen Krankheitserscheinungen, Brand­stiftungen, Plünderungen, Geiselmorden und ande­ren Gewalttaten, und doch kehrten auch in Frank­reich Gleichgewicht und Weltmachtstellung wieder. Und das sollte Deutschland mit seinen unerschöpf­lichen Fähigkeiten und kulturellen Werten und seiner Energie nicht aefingen9 Hindenburg ver­traute nach dem deutschen Zusammenbruch felsen­fest auf die Zukunft der Nation und auf den guten Kern des deutschen Volkes. In seinem Buch schreibt er selbst:Ich habe das Heldenringen meines Vol­kes gesehen und glaube nie und nimmermehr, daß es sein Todesringen gewesen ist." In seiner wunder­vollen Totenrede im Reichstag am 6. August 1934 nennt der Führer Hindenburg den symbolischen Ausdruck der unzerstörbaren, sich stets erneuernden Lebenskraft des deutschen Volkes.

Am 90. Geburtstag Hindenburgs erfüllt wohl unzählige Deutsche der' Gedanke, mit welcher Freude und Genugtuung der verehrunaswürdige Feld­marschall den Wiederaufstieg Deutschlands zur wehr­haften Großmacht in den letzten drei Jahren mit­erlebt haben würde. Den Beginn des Aufstiegs hat Hindenburg noch gesehen und selbst gefördert, indem er dem Nationalsozialismus den Weg frei machte. Die feste Ueberzeugung, daß das heilige Erbe der großen Dexgangenbeit seines Vaterlandes gerettet und den besten Händen anvertraut sei. nahm er mit sich in die Gruft des Tannenberg-Denkmals.

BegeisterterCmpfangMussolmisinVom