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Donnerstag, l.April 1937

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr.75 Zweites Blatt

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schlecht gepflegt, die

ganze Landschaft mehr, grau als grün. Größere Industrien fehlten. Jetzt reißt die Kette der Sied-

ab. Hübsche Bunga-

lungen überhaupt nicht mehr

Soweit der Farmer.

erreichen; aber Taxis doppelt so teuer wie weiträumige, luftige

Turnier-Reiterin Friedel Schumann sammette^2S000RM.sürsWHW.

not. Mit einem Taxi gelang Stellen gerade eben noch zu sind ein teurer Spaß, etwa bei uns.

Stauungen entstehen.

Deutsche, haben in der Entwicklung Adelaides und ganz Australiens überhaupt eine große Rolle gespielt. Man vergleicht hier die ersten deutschen Einwanderer mit den Pilgervätern, der Aristokra­tie Nordamerikas. Es waren Schlesier, die 1838 als erste Deutsche landeten, Lutheraner, die die alte Heimat verließen, als der König von Preußen die lutherische und die reformierte Kirche zwangsweise zu vereinigen strebte. Diese Schlesier brachten den Weinbau nach Australien, der heute in Blüte steht. Ich habe Proben von australischem Wrin gekostet; einen Sherry, der besser war als der meiste spanische und portugiesische, einen vorzüglichen Burgunder und guten Schaumwein Nur die Preise sind zu hoch, 'um (ohne Exportzuschuß der Regierung) in Europa zu konkurrieren.

Die Schlesier gründeten mehrere Siedlungen, die heute noch ihre deutschen Namen haben wieLobe­tal", und auch die Muttersprache haben sie sich er­halten. Ein andrer großer Auswandererschub aus Deutschland kam als'Folge der Bismarckschen Sv-

bezahlt der Staat."

Sie müssen viel Flugverkehr hier haben."

Ja, aber die Entwicklung geht schneller als das Heranzüchten von tüchtigen Piloten. Augenblicklich wird eine Menge noch recht unerfahrener Leute auf die Maschinen losgelassen. Englische Flugzeuge kön­nen wir im Augenblick überhaupt nicht kaufen die Fabriken sind voll belegt mit Heeresaufträgen

Zwischen den Dörfern dehnte Gärten waren armselig und

Die bekannte Turnier- und Langstreckenreiterin Frau Friedel Schu­mann, die seit dem 14. November v. I. durch

Deutschland einen e r b e r i 11 für da s Winterhilfswerk »urchführte, wurde in Berlin feierlich empfan­den. Die hervorragende Reiterin hat in den vier- ünhalb Monaten zahl- eiche deutsche Gaue auf hrem ScheckenBubi" nit der Sammelbüchse in )er Handabgeklappert". Dieser Ritt gestaltete sich ;u einem großartigen Er­folg für das WHW. Auf Her 4000 Kilometer zu

Pferde zurückgelegten Strecke hat Frau Schu­mann 125 000 Mark ge­sammelt. Der erfolgreiche Ritt fand mit einem feier­lichen Empfang vor dem Berliner Rathaus in Ge­genwart des Beauftrag­ten des WHW., Haupt­amtsleiter Hilgen- f e l d t seinen Abschluß. Stadtpräsident Dr. Lip­pert überreichte Frau Schumann als Ab­schlußspende der Berliner Stadtverwaltung für das WHW. einen Betrag von

1000 Mark, während Hauptamtsleiter Hilgen- feldt im Namen des WHW. feinen Dank aus­sprach. _______

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Das Lektorat der spanischen Sprache an der Universität Frankfurt ist für das Sommer­semester 1937 vertretungsweise dem Professor Joa­quin Gomez de L l a r e n o übertragen worden.

Der Herr Reichs- und preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat den Dozenten Dr. Wolfgang Metzger von der Uni­versität Frankfurt beauftragt, im Sommer­semester 1937 in der Philosophischen Fakultät der Universität H a l l e - W i t t e n b e r g die Vertretung des freien Lehrstuhls für Psychologie wahrzunehmen.

Professor Dr. Gerhard Hoffmann, Ordina­rius für Physik an der Universität Halle, ist in gleicher Diensteigenschaft an die Universität L e i p - z i g berufen worden.

Dem Dozenten Dr. Karl Bragard ist unter Ernennung zum ordentlichen Professor der Lehr­stuhl für Orthopädie an der Universität München übertragen worden.

Professor Dr. Wilhelm Rohrschneider, Extraordinarius für Augenheilkunde an der Uni­versität Köln, ist zum Ordinarius in Königs­berg ernannt worden.

Professor Dr. Hellmuth von Weber, Ordina­rius für Straf- und Prozeßrecht an der Universität Jena, wurde in gleicher Eigenschaft an die Uni­versität Bonn versetzt.

Professor Dr. Ludwig G r ä p e r, Prosektor des anatomischen Instituts der Universität Jena, ist im Alter von 55 Jahren g c ft o r b c n. Gräper habilierte sich 1913 in Breslau und wurde dort 1918 zum ao. Professor ernannt; in gleicher Eigen­schaft ging er 1923 nach Jena, wo er noch im glei­chen Jahre zum persönlichen Ordinarius ernannt wurde.

Sprechen Sie deutsch?

In der Hotelhalle hörte ich eine Stimme hinter 1 mir:Sprechen Sie deutsch?"

Ja"

Der Mann war ein Farmer,Milchfarmer", wie er sich nannte, und da es Samstag abend war, hatte er ziemlich schwer geladen, wie übrigens auch andere Gäste. Er war zweifellos deutsch, Herr Kotz, er behauptete sogar, er habe deutschen Unterricht erteilt. Aber ob das nun sehr längerer war, ober ob der Alkohol das seine tat: als ich deutsch mit ihm sprechen wollte, funktionierte es bei ihm nicht. Unter großem Gelächter führten wir die wunder­lichste Unterhaltung in zwei Sprachen und tranken viel Bier dazu.

Ich hatte hier, wie überhaupt in Australien, niemals bas Gefühl, als Deutscher irgenbroie schlecht angesehen zu sein. Im Gegenteil; man war inter­essiert, ohne übertriebene Neugier, man mißtraute der eigenen Presse, und es ist nicht schwer, einige recht lächerliche Vorurteile aufzuklären, die in dieser Presse gegen Deutschland bestehen. Aber auch die unfreundliche Berichterstattung über deutsche Dinge in australischen Zeitungen gab mir mehr den Ein­druck von Mißverständnis und falscher Information, als jenen peinlichen Eindruck van Boshaftigkeit und bewußter Lüge, die in der Presse mancher andrer Länder so häufig sind.

Leben in australischen Hotels.

Das Leben in Hotels erscheint mir ausgesprochen billig. Man kann in den kleineren Städten überall mit dem Standardpreis von zehn Schilling rechnen für Zimmer mit voller Pension; nach deutschem Geld sind das fünf Mark (das australische Pfund steht fast fünf Schilling niedriger als das englische). Dafür bekommt man ein meist sehr ordentliches Zimmer mit fließendem Wasser -unb gutem Bett unb eine überaus reichliche Kost. Ein typisch eng­lisches Frühstück mit Rumsteak, Kotelettes, gebrate­nen Nieren, Setzeiern auf Speck, als äußerst folibe Grundlage. Ein Mittagessen, das im Gegensatz zum englischen Lunch hier das eigentlichevinner" ist, mit Suppe und vier bis sechs Fleischspeisen, Ge­flügel usw. zur Wahl, und Nachtisch. Obst steht in großen Körben stets auf dem Tisch und wird'nicht berechnet. Es geht genau so zu wie an Bord eines Schiffes: Hat man die nötige Luft und den Hun­ger dazu, kann man sich durch die ganze Speise­karte essen. Einige australische Hotelsitten sind aus­gezeichnet, andere weniger schön: Begeisternd finde ich z. B. das Wecken: ein blitzsauberes unb obenbrein meist hübsches Mäbchen huscht still ins Zimmer unb

. setzt eine Tasse Tee ans Bett.

; Weniger schön ist bie Gewohnheit, Tische im Speisesaal nach Möglschkeit voll zu besetzen, auch

1 wenn noch viele Tische frei sind. Man fitzt also bei : jeber Mahlzeit mit neuen Menschen zusammen. Für : den Touristen, der Land und Leute kennenlernen . will, ist das allerdings ein Vorteil, denn man lernt - automatisch viele Menschen kennen. Was früher

als Anknüpfungspunkt das Wetter war, ist heute das Auto.

Gespräch mit einem Schaf-Farmer.

Einer der nettesten Menschen, die ich so kennen­lernte, war ein Schaf-Farmer. Er war fo wohl­gestimmt und gepflegt, obwohl er feit drei Wochen mit seinem Motorrad das ganze Land durchjagte, daß ich ihn eher für einen Bankbeamten auf Urlaub gehalten hätte. Als wir uns über die Autos ge­einigt hatten, bot ich ihm zum Nachtisch eine Zi­garette an.

Nein, er drehe die seinen lieber selbst.

Ja, man bekommt dann meist besseren Tabak", meinte ich.

Nein, es ist wegen der Feuersgefahr."

Wegen Feuersgefahr?"

Ja, sehen Sie, wir fürchen die Grasbrände im Sommer. Sie zerstören unsere kostbaren Zäune. Eine selbstgedrehte Zigarette geht sofort aus, wenn man sie megroirft. Eine fertig gekaufte schwelt und verursacht Brand, wenn man vergißt, sie auszu- treten. Die Marke, die Sie rauchen, ist nicht so

schlimm, aber dieT"-Zigarette (er nannte eine sehr populäre englische Marke) ist ein wahres Feuer­werk!"

Das ist also ein Gesichtspunkt für Zigaretten­fabrikanten, die nach Australien liefern wollen!

Der Arzt im Flugzeug.

Ich ließ mir etwas von dem Leben auf der Farm erzählen.

Seine Farm ist klein, nur 300 Aecker, also etwa soviel wie ein deutscher Bauernhof. Aber er lebt gut davon mit feiner Familie. Die nächste Klein­stadt ist hundert Meilen entfernt.

Wie ertragen denn die Frauen das Leben in der

lows, von größter Mannigfaltigkeit im Bau, von Gärten umgeben, von lebenden Hecken umsäumt, füllen die Landschaft zu beiden Seiten der Straße. UeberaU blitzten und funkelten die Fontänen der Oartenfprenger in der Sonne; grün und frisch war der Rasen, die Obstbäume hingen voll Frucht, Sportplätze, Kricket- und Tennisplätze vor allem sind häufig; auch Kirchen der verschiedensten Sekten. Heute hat Adelaide mehr als 300 000 Einwohner, hat Universität, große Industrien, Zweigfabriken amerikanischer Autokonzerne; soeben wird eine neue Flugzeugfabrik erbaut, und sogar Wolken­kratzer hat Adelaide, obwohl bei der wundervollen Weite, die der Stadt zur Verfügung steht, dazu wirklich keine Notwendigkeit ist. (Wolkenkratzer sind aus einer Neuyorker Notwendigkeit zu einer Mode- und Prestige-Angelegenheit in aller Welt geworden.)

AustraliensPilgerväter".

Prachtvolle Läden, kühle, v .

Büros; alle Ladenstraßen von Arkaden überspannt, so daß man angenehm im Schatten steht. Der Auto­verkehr ist etwa dem von Berlin vergleichbar, die Straßen sind aber durchweg so breit, daß nur wenig Verkehrsampeln nötig sind und keinerlei

Speelmans als Jimmy Ward, der sich zu guter Lötzt als Sherlock Holmes entpuppt, ist herrlich in seinem Element, ein Mann mit Muskeln und Ge­müt, mit einem ausgeruhten Köpfchen und einem goldenen Humor; wenn er mit drei Kerlen auf einmal boxt oder den Schanktisch imBraunen Bären" demoliert, ist er unbezahlbar. Auf der Gegenseite, lebhaft charakterisiert, Elisabeth Wendt und Edwin Jürgensen. Karchow als Inspek­tor Brown, Werner Finck in einer komischen Charge, Trude Marlen und Henry Lorenzen seien noch genannt. (Terra.)

*

Im Beiprogramm: ein Kulturfilm aus dem Harz und die Fox-Wochenschau.

Hans Thyriot.

Es war Samstag; mittags schließen alle Büros und die meisten Läden fürs Wochenende; jetzt war es zehn, ich hatte viel zu erledigen und Eile tat ' ' ~ es, alle notwendigen

Schilling ausgezahlt bekam.

Damals lagen an der Straße Dörfer, vorwie­gend Wellblechbauten oder häßliche, winzige Haus­kästen, wie man sie in Londoner Vorstädten sieht. ~ 1 sich Weideland. Die

gaben der Bäuerin bei uns, die Milchwirtschaft, den Hühnerhof, den Garten. Aber fie geht auch aufs Feld, lost den Mann auf dem geliehenen Traktor ab, während er fein Mittagbrot verzehrt, denn der Leihtraktor muß natürlich voll ausgenutzt werden. Außerdem hat sie die ganze Schulung der Kinder zu tragen, wenigstens dis zum zehnten Jahr.

Die Kinder ja, wie werden sie unterrichtet, fo fern von jeder Schule?"

Schriftliche Unterrichtskurfe. Die Regierung gibt fie heraus. Es ist erstaunlich, wie gut die Kinder auch ohne Schule lernen; wahrscheinlich macht das die mehr individuelle Behandlung. Mit zehn Jahren schickt man sie meist zur Stadt; sie leben dann in Pension und gehen zur Schule." _

In Krankheitsfällen wie hilft man sich da auf der Farm?"

Wir haben alle Telephon, es kostet etwa acht Pfund im Jahr (80 Mark). Wenn wirklich eine schwere Krankheit oder ein Unfall vorkommt, rufen wir die nächste Großstadt an. Dann haben wir in wenigen Stunden das Hospitalflugzeug bet uns." Wunderbar aber wie findet der Flieger eine so entlegene Farm?"

Wir nennen ihm die nächste Kleinstadt und geben Richtung und Entfernung von dort aus an. Außerdem machen wir dann ein großes, Landungs­feuer auf einem geeigneten Landeplatz."

Fein, aber sicher toftfpielig: Wer tragt die Ko­sten?"

Der Farmer, wenn er Geld hat. Ist er arm, so

Gtreisziige durch den fünften Kontinent

Don Heinrich Hauser

bis ins bayerische Gebirge überall vorhanden, so recht die deutsche Blume ist.

Mit Hirtentäschel, Hungerblümchen und dem Iteb- blauen Ehrenpreis zusammen ist es der erste Früh­lingsbote deutscher Ackererde. Es hat ein reizend blaugelbweißes Gesicht undträgt rote alle Vetlchen- arten rückwärts einen Honigsporn. Es ist ja ein echter und rechter Detter des Edelveilchens, mit dem es alle Lebensgewohnheiten teilt, bis auf den Duft, den auch die veredelten Stiefmütterchen nicht be- ^Daß die Blumen nicht dem Menschen zuliebe duften, sondern um Insekten anzulocken, weiß heute jedermann. Denn diese besorgen den Pflanzen die Fruchtbildung, und der Dust ist für sie nichts an­deres, als was für uns eine Adressentafel oder ein Aushängeschild bedeutet: Hier ist etwas zu holen. Blumen, die nun so bescheiden und verbor­gen blühen wie die Veilchen bedürfen dieser reizen­den Visitenkarte erst recht, und es ist ganz ver­ständlich, daß die versteckt lebenden Veilchen auf das Angenehmste und weithin duften, die leicht sicht­baren bunten Stiefmütterchen aber nicht. Und den­noch genügt der Duft der Veilchen nicht immer Es ist vielmehr fo, daß bei uns die zwischen Decken und Moos versteckten Schönen fast ganz aus Frucht und Verbreitung verzichten müßten, wurden sie sich nur auf ihren Duft verlassen. Und ist das Früh­jahr rauh und kalt, so daß die Bienen, die m die- em Falle die erwünschten Gaste sind, ihren Stock nicht verlassen können, so bleiben auch die Veilchen unbeftäubt. . . .

So hat sich das arme Veilchen und das Acker­veilchen, das ja noch früher blüht - zu einem ganz besonderen Verfahren bequemen müssen. Es muß nur die Befruchtung sichern; besitzt es erst einmal Samenkörner, dann braucht es um seine Verbrei­tung nicht mehr bange zu sein, denn die Samen besitzen eßbare fleischige Anhängsel und die wer­den von den Ameisen fleißig gesucht. Damit ver­schleppen sie die Samen, und so wachsen überall Veilchen längs der Ameisenstraßen.

Aber wie stellt man die Samenkörner her, wenn niemand da ist, der die Blüte befruchtet? Für ein fo hilfloses Wesen, wie es eine Blume ist, bedeutet das eine ungemein schwierige Frage, und daß die Veilchen die Lösung des Problems gefunden haben, gehört zu den ganz großen Rätseln der Natur

Wie machen sie es? Nun, sie ziehen ihre kost­baren, lilaseidigen Kleider an, füllen ihren Homg- fporn mit süßem Met, verstromen ihre süßen Düfte um ihre fo erwünschten Gäste anzulocken. So warten sie einen Tag, eine !Poche, fast zwei Wochen, wenn es fein muß. Alle schwer ober nicht

Unser Mitarbeiter Heinrich Hauser befindet sich auf einer Fahrt durch Australien.

Adelaide Aufschwung einet Stadt.

Frühmorgens erlebte ich die Einfahrt nach Port Adelaide. Mit dem ersten deutschen Schiff nach dem Weltkrieg war ich 1922 hier gewesen. Ich erkannte Hafen und Stadt kaum wieder. Auf dem Dach eines Autobus fuhr ich den gleichen Weg, den ich vor mehr als vierzehn Jahren in einer Gluthitze zu Fuß gegangen bin. Damals war ich Matrose auf jenem ersten deutschen Schiff; daheim hatten wir die Inflation, im Ausland bekamen wir kein Geld, und als ich nach sechs Monaten in Deutschland meine Heuer ausgezahlt bekam, da war die Mark inzwischen so gefallen, daß ich für fünf Monate harter Arbeit den Gegenwert von einem englischen

^ialistengesetze. Einigen Veteranen dieser Zeit bin ich vor vierzehn Jahren noch begegnet, und ich erinnere mich genau, wie damals der deutsche Klub in Adelaide aussah: leere Fensterhöhlen; Kriegs­haß hatte die Scheiben eingeworfen und fast heim­lich, auf Umwegen kam man in dem Haus zusam­men. Diesmal hatte ich leider nicht die Zeit, hinzu­gehen, aber ich bin überzeugt, daß die deutsche Kolonie heute ganz anders dasteht.

Müde und abgekämpft landete ich abends früh­zeitig auf dem Bahnhof. Der Schnellzug, meist Schlafwagen, die Waggons nach englischem, die Lokomotive nach amerikanischem Modell, brachte mich in zwei Stunden durch ein bergiges Land nach der kleinen Landstadt Murray-Bridge, wo zwei Brücken den Murray überspannen, den größ­ten Fluß Australiens.

befruchteten Blumen blühen länger als die ande­ren, die sofort welken, sobald sie befruchtet sind. Kommen aber die Insekten nicht angeflogen, um den zarten Blüten den zur Fruchtbildung fo not­wendigen Blütenftaub herbeizuschaffen, fo legen die Veilchen schließlich doch ihre Festkleider ab.

Nach einigen Wochen sieht man an Stelle der Veilchenblüten unscheinbare grüne Kapseln, die ge­schlossen sind. Sollten das doch Früchte sein? Nein, es sind neue Blüten, armselige kleine Blüten, die aber Fruchtknoten und Staubfäden enthalten. Und die Staubfäden lassen innerhalb der geschützten Hülle ihre seinen gelben Körnchen auf den Frucht­knoten nieöerftäuben. Nach wenigen Wochen wächst das unscheinbare Blütchen zum Samenkorb heran, aus dem eines Tages dann die schönen, glatten, bannen. Körner herausfallen. Jedes hat einen zuckersüßen, cremefarbenen Anhang, dem keine Ameise widerstehen kann. Eifrig vertragen sie Korn um Korn bis sie unterwegs die bargebotene Mahlzeit verzehrt haben und sind so die besten Veilchengärtner.

Ader den veredelten Stiefmütterchen ist auch die­ser Weg der Fortpflanzung genommen. Sie blühen, blühen und setzen niemals Früchte an. Durch Tei­lung und Ableger vermehrt sie der Gärtner. Sie sind ein Symbol leerer, unnützlicher Schönheit, und so beginnt schon die ganze Frühlingsschönheit mit einem fleinep Tragikum.

Lichtspielhaus:Die graue Damc."

Von Zeit zu Zeit sehen wir das alle sehr gern: einen Film ohne tiefgründige Probleme, ohne den Ehrgeiz, mehr zu fein, als herzhafte, gediegene und äußerst spannende Unterhaltung. Natürlich gibt es auch Probleme dabei, wenn man Wert darauf legt; es find z. B. sehr wichtige und sehr wertvolle Papiere verschrvunden, deren Wiederherbeischaffung mit Aufregung, Ueberraschung und Lebensgefahr verbunden ist. Aber das braucht uns gar nicht zu beunruhigen, wir sind gewiß, daß die Papiere am Ende wieder auftauchen und die ganze Verbrecher- bande (einschließlich der geheimnisvollen grauen Dame) entlarvt und unschädlich gemacht ist. Aber bis es soweit ist, wie das vor sich geht, das gefällt uns. Hier ist Handlung, hier geschieht etwas, und zwar Schlag auf Schlag, und kein Wort zu viel. Die Tatbestände überstürzen sich und beschäftigen uns anderthalb Stunden lang vollauf. Erich Engels führt Regie; man sieht, er weiß Bescheid, wie dergleichen inszeniert werden muß: die Schau­plätze wechseln zwischen elegantem Hotel, übler Kellerkneipe und Scotland Yard. Und Hermann

Ein Veilchen erzählt.

Von Dr. X France.

Da man um die Zeit, da die ersten Primeln ihr schwefelgelbes Köpfchen so tapfer und fröhlich über Das erste, neufproffenbe Gras heben, so ganz auf Blumen im freien Feld eingestellt ist, vergißt man um diese Zeit so ganz die ersten Gartenblumen, und erst wenn die Fremdlinge, die Narzissen und bald nach ihnen die Hyazinthen sich bunt und breit machen, beachtet man den Garten. Aber da waren schon längst in ihm einheimische Blumen da, von einer zarten und innerlichen Schönheit, wie sie eigentlich noch lange im Sommer nicht wiederkom­men, wenn nicht gerade sie vom ersten Frühjahr an bis zu den Herbstfrvsten immer wieder blühen würden. Sie, denen der Dolksmund eigentlich, un­dankbar für fo viele Schönheit, einen nicht zu hüb­schen Namen gegeben hat, wenn er sie Stiefmütter­chen nennt. Netter sagen es die Schweizer, die das wilde Stiefmütterchen Ackerdenkeli nennen. Da steckt das italienische Viola del pensiero darinnen, das Veilchen, das zum Denken anregt (woraus dann das französische pensee geworden ist). Stief­mütterchen aber soll die kleine Samtblume deshalb heißen, weil das größte und schönste der Blumen- trdnenblätter bequem auf zwei Kelchblättern sitzt, während von den anderen vier, zwei je ein Kelch­blatt, die letzten zwei aber nur zusammen eines haben. Das soll eine Stiefmutter bedeuten, welche zwei ihrer Töchter den anderen vorzieht. Eine ge­künsteltere Deutung läßt sich kaum denken, fie ist papieren und stammt nicht aus dem Volksmunde, denn das Volk denkt urkräftig klar und treffsicher.

Oft schon vom März an blühen die wilden und diegezähmten" Stiefmütterchen, die einen am Acker 'und Wegrain, die anderen am liebsten im Bauerngarten, wo man ihnen gern em Beet berei­tet das' sie mit einem wahren Farbenrausch erfül­len Gelb, lila, blau, samtschwarz, goldbraun, selbst gestreift gefleckt, geflammt stehen die schonen, aus­dauernden Blüten, die sich als die - nebst dem Gänseblümchen am längsten blühende deutsche Blume in unzähligen Blumen verschwenden, denen selbst die frühen, noch die Frühlingsnachtfrvste etwas schaden und deren ungebänbigter Lebens­wille für mich immer etwas Herzruhrendes hat.

Und kann man es glauben, daß all diese vielfar­bigen Spielarten eigentlich von einer einzigen ab­stammen, von dem bescheidenen, dreifarbigen Acker­veilchen, das jedem bekannt ist, weil es vom außer sten Ostpreuhett bis zum Rhein, von der Waterkant

Einsamkeit?"

Unsere Frauen ertragen es erstaunlich gut, sie v--------- .

sind wunderbar darin, meist besser als die Männer, wir müssen amerikanische Maschinen kaufen.' die oft zur Trägheit neigen. Die Frau hat alle Aus- Soweit der Farmer.