0*257 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch. 29. Oktober («Hl
.Laichte Mule".
^-Palast, Seltersmeg:
-Z-rtsetzung.
(Nachdruck verboten.)
} J' Sie betonte es mehr als nötig war. Sie fühlte ■’ 9 hr mit einemmal fieber wie hinter einem Wau.
gesehen hatte, war er nicht auf den Gedanken ^pTi-nen. daß irgendeine feste Verbindung zwischen ff Merck bestehen könnte. Er hielt sie vielmehr
e ich nach ynmigei mit morgen nach--
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Verdunkelungszeit
29. Oktober von 17.57 bis 8.10 Uhr.
Thomas Hütte am liebsten sofort angefangen. Aber Karin wollte nach Hause.
Sie bleiben noch und arbeiten?
„Kaum! Das Licht ist nicht mehr so silbrig. Außerdem habe ich keine Lust!"
Heißt das, daß Sie nur malen, wenn Sie Laune haben? Wie gut ist es doch, daß die Natur so schon stillhält und immer für Sie da ist! Mit den Menschen ist es wohl nicht immer so?"
Thomas wurde in diesem Augenblick einer Antwort enthoben, da Dr. Collinari atemlos angerannt kam Eine höhere Kommission warte auf Fraulem Grunelius im Gasthaus. Sie werde gebeten, sofort ^Spricht "denn jemand deutsch?" ließ sie durch Thomas zurückfragen.
Wenn nicht - dann bin ich ja da! Sle müssen also schon noch mit mir vorliebnehmen! klang es w e eine den kleinen Hieb von vorhin parierende
im seine geistige, seelische und körperliche 23er» ig leidet darunter. Es wird nervös, seine Leihen in der Schule lassen nach oder sind nicht so nie sie bei besserem Ausgeruhtsein sein könnten. Lt man solche Mitteilungen aus der Schule, « besser, für eine längere Nachtruhe zu sorgen, )as Kind mit erhöhten Aufgaben — Privaten u. ä. — zu belasten. Ist der Schlaf aus» mb, werden auch die Leistungen von selbst wie» !ess?r.
tägliche gründliche Reinigung wird zweck- [q abends vor dem Zubettgehen vorgenommen, i feite ist mehr Zeit dafür als morgens, zum
werden Staub und Schmutz des Tages nicht ig Bett genommen, was nicht nur aus äftheti- i, sondern auch aus hygienischen Gründen zu
„HröMche Gymnastik und Spiele*
/ für Frauen
donnerstags von 20.00 bis 21.00 Uhr
Turnhalle Schillerschule.
ming im Foyer des Stadttheaters.
Künstler im feldqrauen "Rod * jh(9. Am kommenden Sonntag roirt) in Darm- Ms die Kunstausstellung „Künstler im feldgrauen eröffnet, in der die GaudienWellen H"fflen- Mcu, Baden. Westmark und Moselland der NS- «-.nschaft „Kraft durch Freude" in Verbindung
??m Generalkommando des Xll A K 2lrbeiten M Künstlern zeigen, die in den Reihen der Wehr- ■ty stehen. Die Eröffnung nimmt im Auftrage M Bauleiter Reichsstatthalter Sprenger der Stell» Mrikende Gauleiter vor.
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wachsenden universalen Persönlichkeit. Der „Faust" vor allem diente ihm als schönstes Beispiel, wie ein ursprünglich deutscher Stoff auf Umwegen (über England: Marlowe) zu seiner wettgülligen Gestaltung wieder in deutsche Hände gelangte: das Gedicht der Ewigkeit sei wohl der gültigste Beweis europäischer Sendung deutschen Geistes.
Der Vortrag huldigt ferner dem „Edelmann des Geistes", dem großartig liebenden und glaubenden Schiller, dem Dichter des Soldatischen, den die Größe unserer von Buch und Schwert regierten Gegenwart tief befriedigen würde: dem erst im letzten Weltkriege als ein den Edelsten in Europa verwandter Genius erkannten Hölderlin: George als dem priesterlich starren Formkünstler von prophetischer Größe: dem edlen, zarten und reinen Dichtertume Rilkes, dem Schöpfer einer Sprache, deren Seele zwischen den Zeilen schwebt; und Nietzsche, dem „großen Sprüchemacher" und unbarmherzigen Prüfer, der durch die Dinge hindurchsieht.
Die deutsche Dichtung stehe heute, so führte Bürte fortfahrend u. a. aus, vor einer Entscheidung wie nie zuvor; sie brauche die Augen nicht niederzu- schlagen vor den großen Gestalten der Vergangenheit; ihr sei aufgegeben, ein völkisches Erlebnis ohnegleichen in Harmonie umzusetzen; sie könne, das Herz des eigenen Volk suchend, vor der ganzen Welt bestehen. Shakespeare sei uns heute näher als den Engländern selbst. Eine kämpferische Zeit fordere die neue Haltung vom Dichter; Ruhm der Welt müffle seinem Volke eoenfn gelten wie seinem Werke.
Als eines der lehrreichsten Beispiele zum Thema diente B u r t e dann eine ausführliche Schilderung der Wirkung Goethes auf den Schotten Carlyle, dessen germanisches Grundgefühl („Helden und Heldenverehrung") ihm Einsichten vermittelte, die uns heute in Hitlers Zeit sehr vertraut erscheinen. H. St. Chamberlain tei ein ähnliches Beispiel; in ihm habe die arische Weltanschauung ihre letzten Konsequenzen gezogen; er habe schon 1922 in Hitler den guten Genius der Nation erkannt: von Goethe über Wagner zu Hitler, das war fein Weg, das ist unser aller Weg. Von hier aus gelangte Burtes Darstellung zu einer entflammten Huldigung an Adolf Hitler und fein Werk, das Ur» und Vorbild künftigen deutschen Wesens. Die europäische Sendung der deutschen Dichtung sei eins mit der euro- väischen Sendung des deutschen Volkes und seines Führers überhaupt. (Eine aus dem Kr'ege, nach dem Siege auffteigenbe neue deutsche Dichtung werde bas Volk als Gestalt, als Ganzes sehen können. Bis dieser neue Dichter kommt, der, kein Hamlet.
Die europäische Sendung der deutschen Dichtung
Feierstunde mit Hermann Burte im Gießener Dortragsring.
Deutscher Gpartag 1941
Von Staatsrat Friedrich Reinhart, Berlin. Leiter der Wirtschaftsgruppe Privates Bankgewerbe.
Bem ist Diese gründliche Reinigung — Abseifen bi Kopf bis zu Fuß, Zähneputzen, Säubern der k r» und Fußnagel — bietet weitgehenden Schutz fc Infektionskrankheiten und verhilft zu einem k Schlaf, aus dem bei genügender Dauer das 6 morgens ausgeruht, erfrischt und aufnahrne- llc erwacht.
I^ulleistung und Schlaf — sie stehen in einer p immer genügend erkannten Wechselwirkung. :i Aufregungen und häuslicher Merger blieben fort, wenn ihr mehr Beachtung geschenkt würde.
I Tageskalender für Mittwoch.
khbftheater: 19 bis 21.15 Uhr „Ingeborg". —
liii warum meinen Sie, daß das so blöd ist?
i er sie fragen. „Warum sollte ich Ihnen nicht len, mich zu malen? Vielleicht wird mir die m lang? Ich weiß ja sowieso nicht, was ich ifig anfangen soll. Die Reise allerdings müssen f.atein machen. Ohne Günther ..."
so — entschuldigen Sie, bitte. Daran hatte ich gedacht. Abgesehen davon hätte ich mir so s Aehnliches denken kennen!" Ohne daß er es idern konnte, klang durch feine Worte ein klein ? Resignation. ..
'•mit keine Unklarheit entsteht, Herr Broger, i- ich noch sagen, daß ich sogar mit Gunther tt bin." '
tin machte eine Bewegung mit der Hano.
e Luftreise nach Deutschland sollte dazu die- K ‘ od) einiges zu erledigen. Und dann heiraten ■ Tri. > «. .. _ ..n:. (Z-\o ritnlfp
n, das unterwegs noch an feinem Frühstück kaut, | |alb verschlafen, unlustig und daher unfähig, »Unterricht zu folgen.
nji ist eine leider in vielen Familien anzutreffende tote, daß man die Kinder bis spät abends auf th aßt und noch beteuert, das Kind brauche nicht tot Schlaf und komme mit sieben bis acht Stunden toEs kommt aber in Wirklichkeit damit nicht aus.
tz D Jd) gratuliere, Fräulein Grunelius. Da , ttn ja eine Überraschung nach der anderen. ? I es trotzdem bei Ihrer Zulage?" Thomas J so gut wie möglich sein Erstaunen zu ver- ffi'i. Da er bisher noch keinen Ring an Karins
Entgegnung.
Wie gut es war, daß sie mit Gunther alles schon besprachen hatte, erwies sich in der Unterhaltung mit den drei sehr ernst aus ehenden Herren. Nur tiner - er nannte sich Bontempelli - konnte sich mit fiilfe non ein paar »usamwengesuch^n Brocken m ihr verständigen, so daß Thomas Broger mit einem leisen Lächeln den Vermittler spielte. Sie waren vom Fluahasen Syrakus aus gekommen, um tue Ursache des Unglücks sestzuslellen.
Karin wußte technisch seßt auch nicht mehr als was sie dem Kommissar gesagt hatte, der am Bor- mittag im Krankenhaus mit dabe, gewesen war und wiede? weggeschickt wurde. 3m übrigen hatten sich ^ Herren schon in Kusra erkundig und non dem dortigen Bodenpersonal die Bestätigung erhalten, d°s die Maschine tadellos in Ordnung war^ Es hädiftens sein, daß in Khartum — Herr Bon» tempeM mochte eine abwehrende Bewegung. Nichts behaupten wenn man feine Beweise hat.
Karin berichtete kurz von der sehr reservierten ftnRuna der Engländer. Aber sie verschwieg auch ihr Günther gestanden hatte. Er mar nach dem'anstrengenden Flug so wahnsinnig übermüdet.
Lus der Stadt Gießen.
Schulleistung und Schlaf.
je Gesundheit des Schulkindes wird heute in kiildlicher Weise überwacht. Dennoch wird da- iß dem Elternhaus nicht die Verpflichtung abge» irmen, auch seinerseits für eine gesunde Sehens- ti- Sorge zu tragen, besonders auf genügenden *if der Kinder bedacht zu sein.
»n größter Wichtigkeit ist eine genaue Zeitein- [mg, die Aufstehen und Zubettgehen sowie Ar- iß. und Freizeit regelt. Ein Kind braucht zehn ß zwölf Stunden Schlaf, für dessen pünktlichen gen und ungestörte Dauer gesorgt werden muß. tieinem ausgeschlafenen Kind wird das Aufstehen ni große Schwierigkeiten vor sich gehen. Je nach i Länge des Schulweges wird dieser Zeitpunkt leftimmen sein Auf alle Fälle muß das Kind .ohne Hast anziehen und in Ruhe frühstücken men. Die Viertelstunde mehr Schlaf, die sich viele Ler immer wieder abringen lassen, bringen dem nie nicht den geringsten Nutzen, wohl aber Dieter» Schaden. Das hgftig von Hause weggelaufene
®,e Zunahme der Spareinlagen bei den beut» Geldinstituten seit Kriegsausbruch dürfte in der Wirtschaftsgeschichte ziemlich einzigartig ha» stehen. In den ersten anderthalb Jahren feit Kriegsausbruch haben sich allein bei den öffentlichen Sparkassen die Spareinlagen von knapp 20 auf runö 30 Milliarden Reichsmark, also um reichlich 50 v. H erhöht. Nicht minder befriedigend ist der prozentuale Zuwachs auf. den Sparkonten des privaten Bankgewerbes und der Genossenschaften, so daß sich im ganzen in den ersten anderthalb Kriegsjahren schätzungsweise etwa 14 Milliarden Reichsmark neue Spareinlagen bei den Geldinstituten angesammelt haben. Dagegen waren in den vier Jahren des Weltkrieges 1914/18 die Spareinlagen bei den Sparkassen nur von 20,5 auf 31,8 Milliarden Reichsmark angewachsen, wobei zu berücksichtigen ist, daß es damals weder die besonderen Spareinrichtungen der Banken, noch eine Postsparkasse gab. In den ersten 18 Monaten des Krieges hat das deutsche Volk also mehr gespart als in den vier Jahren des Weltkrieges. Diese Sparleistustg ist ein um so größerer Beweis für dos Vertrauen aller Kreise des Volkes in die politische und wirtschaftspolitische Führung, als diesmal die Zinssätze für Spareinlagen wiederholt eine Ermäßigung erfuhren, während sie sich bei Ausbruch des Weltkrieges 1914 sogar erhöhten.
vielhaus, Bahnhofstraße: ».Glück im Schloß", berhelsiicher JhnVfr,rtr,'?n‘ 17 bis 18 Uhr Aus-
Ein besonderes Kennzeichen dieses großen Beitrages, den die Heimat durch ihre Sparletttung im Kampf unseres Vaterlandes um seine.wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit beisteuert, ist die Freiwilligkeit, mit der er geleistet wird. Die Freiwilligkeit wird auch dadurch nicht beeinträchtigt, daß das Sparen zum Teil durch die Beschränkung der persönlichen Derbrauchsmöalichkeit gefördert wird, denn bei der großen Masse des Volkes ist ange- sichte der allgemeinen Verhältnisse auch im Kriege der Konsumverzicht, der dem Sparen zu Grunde liegt, weitgehend ein durchaus bewußter und freiwilliger. Und diese positive Einstellung zum Sparen muh. bas ist der Sinn bes Deutschen Spartags, zu dem jetzt wieder die Geldinstitute vereint auf-- rufen, immer mehr Gemeingut werden. Wer spart, denkt an die Zukunft. Es ist nicht nur würdiger, sondern auch klüger, in dieser Zeit einer großen weltgeschichtlichen Auseinandersetzung an die Zukunft nach dem Siege zu denken und dafür zu sparen, als hinter Waren herzujagen, die unter den Auswirkungen des Kriegsbedarfs selbstverständlich nicht in beliebigem Ausmaß zur Verfügung stehen können. Das gesparte Geld, über das man dereinst verfügen kann, wenn wieder alle Waren greifbar sind, ist mehr wert als das Geld, das man heute ausgibt. Die einzige Antwort auf die Frage: „Sparen — heute?!" kann also nur lauten: „Lieber heute als morgen!"
baß er die Schrecksekunbe nicht überroinben konnte unb ben Schock, ben ihm bie gebrochene Oelleitung einjagte, sich einfach ohne Widerstand auswirken ließ. Bis er es richtig begriffen hatte, prallte bie Maschine bereits auf bas Wasser auf, unb von ba ab mußte er nichts mehr.
Die drei Herren sahen sich verftänbnisvoll an. Im großen ganzen wäre damit ja die Angelegenheit geklärt. Sie dankten Karin überaus höflich. Zehn Minuten später kreiste ein Wasserflugzeug über Sampieri.
„Sie hätten das nicht so genau sagen sollen, Fräulein Grunelius. Herrn Merck könnte eventuell der Führerschein entzogen merben. Zum mindesten steht es im Protokoll. Ein klein menig habe ich es ja abgeschwächt, unb ich hoffe nur, ber Bontempelli hat nicht alles verstauben!"
Mit einem bantbaren Blick gab sie ihm bie Hand. Warum konnten sie benn nicht märten, bis Günther soweit hergestellt war? War sie jetzt daran schuld? Wie ein Sturz kam es über sie, was es jetzt noch alles zu erledigen gab. Die Benachrichtigung an bie Eltern, an ben Klub in Nairobi! Mit hunbert Fragen hielt sie Thomas in Atem. Zusammen setzten sie den Text auf, korrigierten ihn, verwarfen ihn wieder unb zerklügelten ihn so lange, bis ihn niemand mehr verstand. Dann fingen sie wieder von vorn an.
Eine Stunde später standen sie vor der Post. Thoipas trommelte den ehrenwerten Farinelli heraus und überfiel ihn mit einem Wortschwall. Er machte ihm klar, wo Nairobi, Arusha unb der Merck- Hof unterhalb des Meru lagen, drückte ihm einen Hundertlireschein in bie Hanb unb wartete so lange, bis er sich an ben Morseapparat setzte unb zu buchstabieren anfing.
Bewunbernd und im Innern doch recht dankbar, horte Karin zu, wie Thomas dem Postmeister die deutschen Worte klarmachte, übersetzte und wiederholte. Stundenlang hätte sie dieser Melodie lauschen fpnnen, die in den beiden Stimmen lag. Auch Thomas sprach mit einer fast südländischen Leidenschaftlichkeit, während Farinelli noch ein übriges in weit-
Karin Grunelius
Roman von Guiöo fi.Branö
Die im Gießener Dortragsring zusammenge- »neu Verbände veranstalteten gestern abend nlaß der Kriegsbuchwoche in der Aula eine Feierstunde mit dem Dichter Hermann Burte, dem wir u. a. das schöne Schauspiel ,^atte" und den Roman vom „ewigen Deutschen" Wiltfeber verdanken. Oberbürgermeister Ritter erinnerte zu Beginn an den von Reichsminister Dr. Goebbels erlassenen Appell zur Eröffnung der Buchwoche, der freudigen Widerhall in allen Herzen gefunden habe: wir wollen geloben, in Gießen mit an erster Stelle zu stehen, wenn es gilt, unsere Soldaten mit dem Geistesgut unserer Dichter und Denker zu stärken; Bücher seien die wertvollsten Güter, mit deren Hilfe wir ein politisches und aufgeklärtes Volk geworden feien. Den Dichter Hermann Burte hieß der Oberbürgermeister als einen der Würdigsten herzlich willkommen und übermittelte ihm mit Handschlag den Gruß der Hörerschaft.
Burte sprach, seine im vorigen Jahre beim Weimarer Dichtertreffen gehaltene Rede wiederholend, über die europäische Sendung der deutschen Dichtung, ein Thema, für das eine umfassende Darstellung bisher fehle, dessen' w'ssenschaftliche Durchdringung die Arbeit eines Lebens erfordere und dessen vielfältige Probleme im Zusammenhänge eines Vortrages nur ange» deutet merben können. Für Burte ist Goethe Mitte und Maß aller Dinge; er schilderte, nach einem Blick auf die ungeheueren Urnwalzungen^der Zeit unb den Deutschen der Gegenwart, der nicht mehr tarntet, sondern Forttnbras gleiche, die großen Wechselwirkungen zwischen deutschem und europäischem Geist an einigen überragenden Erscheinungen und Gestalten unserer Dichtung durch die Jahrhunderte bin. Mit mächtig den Raum füllender, tönender Stimme, an den Höhepunkten der Rede fast hymnisch gesteigert, deutete Burte die Umschmelzung fremden ©eiftesgutes im althochdeutschen „Heliand"; er streifte die erste Hochblüte deutschen Geistes in den Gestalten Wolframs Gottfrieds non Straßburg und des namenlosen Nibelungen-D'ch- ters, und pries die schlechterdings nicht zu überschätzende schöpferische Leistung der Bibelübersetzung durch Luther, der übrigens nicht nur wider Rom, sondern auch, überraschend gegenwärtig, gegen bie Juden aufgestanden fei. In Goethe hat mm erltenmal die europäische Sendung der deutschen Dichtung ihre Erfüllung gefunden. Burte ze-gte, wie Goethe sich Oestliches und Westliches ungefährdet angeeignet habe: er erinnerte an die elenden Versuche, seine Deustchheit zu bezweifeln, und formte ein Bild der in steter Auseinandersetzung mit der Welt ruhig
Merck bestehen konnte. Er yieu ]ie p<«h —E'itg reiche Farmerstochter, die großzügig genug $ aus dem Innern Afrikas nach Europa zu P ®l?r. wie andere Sine Eisenbahnfahrt pon Wurz- 'ad) München machen. , .
-Erlich. Warum denn nicht?" fragte sie zuruck, •jr^'irb mir sonst bestimmt entsetzlich langweilig. IJr ^esen habe ich auch nichts. Bleibt mir also nur Gesellschaft . . falls Sie sich mit mir abqeben Einmal am Tage werde ich nach Gunther
IM Müssen. Wie wäre es i " "
ber Welt sein Wesen weisen wird, huldigen wir dem Geiste non Weimar —: so klingt Burtes Rede aus in den sprachgewaltigen Hymnus auf die allumfassende Gestalt Goethes. —
Oberbürgermeister Ritter dankte dem Dichter herzlich für die Feierstunde, die er uns bereitet habe. Burtes Werk werde die Jahrhunderte überdauern, er habe zu den Männern gehört, die auch in Zeiten bes Niederganges ihr deutsches Wesen bekannt unb mitgeholfen haben, das zu bereiten, was der Führer heute so herrlich vollende. Mit dem Gruß an den Führer wurde die Feierstunde geschlossen, deren Besucher dem Dichter mit Blumen und starkem Beifall ihren Dank abftatteten. —y—
Ausgabe der dritten HeididfM&erforfe
Wie einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil zu entnehmen ist, findet von morgen, Donnerstag vormittag, ab, beim W rtschaftsamt der Stadt Gießen abschnittweise die Ausgabe der dritten Reichskleiderkarte an Personen statt, die ihren ständigen Wohnsitz in Gießen haben. Die Lebensmittel- Personalausweise sind vorzulegen. Zur Abholung berechtigt sind nur Erwachsene. Die Ausgabe erfolgt straßenweise in gleicher Reihenfolge wie die Ausgabe der Lebensmittelkarten. Bezugscheinanträge werden während der Ausgabe nicht entgegengenommen. Alles Nähere ist aus der heutigen Bekanntmachung zu ersehen.
E.ne Biandbombe
fällt nachts auf die Straße.
Sie kann dort nichts in Brand stecken. Soll man sie also liegen und ausbrennen lassen? Auf keinen Fall! Sie dient dem Bombenschützen bes feindlichen Flugzeuges als Ziel, und ihr heller Lichtschein erleichtert ihm vielleicht auch die Orientierung. Sie muß also schnellstens mit Sand oder Erde abgedeckt werden.
Sei Bestellung des Aufgebots vorzulegen.
Durch die zweite Verordnung des Ehegesundheits- gesetzes wird angeordnet, daß jeber im Inland wohnende Volksgenosse dem Standesbeamten bei der Bestellung bes Aufgebots, spätestens aber bei ber Eheschließung, eine vom zustänbigen Gesunbheitsamt kostenlos auszustellenbe Bescheinigung vorzulegen hat, baß dem Gesundheitsamt keine Tatsachen bekannt sind, die ein Eheverbot nach dem Ehegesund- heitegesetz unb nach Paragraph 6 ber ersten Aus- führungsverorbnunä zum Blutschutzgesetz begrünben würde. Da biese Bescheiniguna ein halbes Jahr Gültigkeit hat, können die Verlobten sich entgegen den bisherigen Bestimmungen vor unliebsamen Ueberraschungen sichern, indem sie rechtzeitig beim Gesundheitsamt die Ausstellung einer derartigen Bescheinigung beantragen.
Die Beibringung dieser Bescheinigung wird künftig von allen Verlobten verlgngt, sobaß sich für jeben Volksgenossen die Notwendigkeit ergibt, sich vor der Eheschließung über seinen Gesundheitszustand zu vergewissern. Soldaten sind während des Krieges von der Beibringung der Bescheinigung befreit. Die Bescheinigung braucht auch nicht beigebracht zu werden, wenn die Verlobten das amtsärztliche Zeugnis über die (Eignung zur Erlangung
VfcctcauenswüwUy.
Ptäpacale.
sind keine Modeartikel. Sie send nichf aus irgendwelchen Zeitströmungen heraus entstanden.
Langjährige Forscherarbeit bildet die Grundlage für ihre Herstellung Ihre tägliche Anwendung durch Jahrzehnte ist eine Prüfung von einzigartiger Gründlichkeit und zugleich der Beweis für ihre bleibende Anerkennung und Wertschätzung.
SANATOGEN FORMAMINT KALZAN
Sauer & Cie. • Johann A. Wülfing Berlin SW 68
ausladenden Gesten tat und trotz seiner Dicke hinter dem Fenstergitter wie eine Feder herumwirbelte.
„3d) danke Ihnen. Das war ja ein schönes Stück Arbeit!" glaubte sich Karin entschuldigen zu müssen, während sie das kleine Gebäude an dem freien Platz verließen, der sich auf einem Felsen hoch über der Bucht in das Meer hinausschob.
„Ein für allemal, Fr'äulein Grunelius: Was ich für Sie tue, geschieht gern. Zu bedanken brauchen Sie sich nicht. Denn daß Sie es täten, nähme ich als selbstverstätrdlich an." Er streckte ihr die Hand hin: „Besonders im Ausland müssen mir Deutsche uns gegenseitig helfen ..."
„Sehr schön — aber ich kann für Sie doch gar nichts tun!"
„So war es auch nicht gemeint Aber wer weiß, vielleicht später einmal!" sagte er vor sich hin. (Er stützte sich mit beiden Händen auf das eiserne Gitter, das einen kleinen Durchgang gegen die Tiefe, die drohend vor ihnen aufstieg, abschloß. Unendlich weit lag das Meer zwischen den weit vorgeschobenen Inseln. Die Ewigkeit schien sich in diese Einsamkeit niedergelassen zu haben.
Karin war unfähig zu antworten. Ueberwältigt von diesem Blick legte sie die Hände ineinander und lauschte den letzten Worten Brögers nach ... Vielleicht später einmal? Was sollte denn das heißen?
„Verstehen Sie jetzt meine Liebe zu dieser Landschaft?" unterbrach Thomas die weltferne Stille. Ein dunkler Glanz, ein seltfames Aufleuchten in seinen Augen ließ Karin ein wenig zurückschrecken. Sie hatte das Gefühl, als könnten sie alles, was unter dem unendlich blauen Himmel an Schönheit atmete, in sich hineinzieben.
Ganz leise kam ihre Antwort: „Oh ja. Sehr gut sogar verstehe ich es. Aber Sie müßten auch einmal einen Sonnenuntergang am Meer erleben! Dieses Licht hier kann man malen, die tausend Farben am afrikanischen Himmel nicht —"
Langsam gingen sie wieder den Weg zu Luccate zurück. In der Abendstille hallten -ihre Schritte verloren über das Pflaster, und der Wind wehte mit einem leisen Singen vom Meer her.
(Fortsetzung folgt.)


