verzog von
Japan und -er Dreimächtepakt
ich offen stehe, .Deshalb emp-
Oie halbe Million bereits überschritten.
Immer noch wachsende Gefangenenzahlen in der Llmfaffungsschlacht von Kiew.
Dor einigen Jahren machte unsere A. D.° Berichterstatterin eine Orientreise an Bord des italienischen Ueberseedampsers „Roma", wobei auch der größten russischen Hafen- und Handelsstadt am Schwarzen Meer, Odessa, ein kurzer Besuch abgestattet wurde. Der nachstehende Artikel spiegelt die Eindrücke dieses Besuches wider.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Rom, im September 1941.
An einem sonnigen Herbstnachmittag fuhr die mächtige, weißleuchtende „Roma" langsam durch den engen Bosporus stromaufwärts, passierte die letzten türkischen Befestigungen und ließ die klein- asiatische Küste im rosigen Abendlicht hinter sich zurück. Das Schwarze Meer mit seiner tiefblauen Färbung machte seinem Namen alle Ehre. Schon in Konstantinopel waren drei Sowjetbeamte, zwei Männer und eine Frau in russischen Hemden, an Bord gekommen, um d i e P ä s s e der Touristen aus aller Herren Länder und besonders aus Amerika — einer strengen Kontrolle zu unterziehen. Jeder, der im „Sowjetparadies" an Land gehen wollte, mußte 16 Dollar zahlen und
DRV. Aus dem Führerhauptquartier, 26. Sept. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die Vernichtung der letzten ostwärts Kiew noch eingeschlossenen Kräfte des Gegners sieht unmittelbar bevor. Die Zahl der Gefängenen ist inzwischen auf 574 000 angestiegen und befindet sich noch ständig im Wachsen. Das erbeutete Kriegsmaterial ist unübersehbar.
Der Wehrmachiberichi.
DRV. AusdemFührerhauptquartier, 26. Sept. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Wie bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, schreitet die Vernichtung der o st w ä r t s K i e w noch eingeschlossenen Reste des Gegners unerbittlich fort. Die Zahl der Gefangenen hat sich auf 492000 2Hann erhöht. Sie ist noch ständig im Wachsen. Die Luftwaffe zerstörte Eisenbahnlinien und Rii- stungsbetciebe im Raum um Charkow, Tula und W o s k a u.
Im Seegebiet um England warfen Kampf- flugzeuge in der letzten Nacht ein großes Handels-
Im roten Odessa
Von unserer A. D.-BerichterstaLterin.
für die Mittagsnummer biS8V,Uhr desVormittags
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Jn 3 Monaten über eine Million BRT
Ein schwarzes Vierteljahr für Englands Handelsschiffahrt.
französische Emigranten waren, der Herzog von Richelieu (1803—1814) und A. de Langeron. Unter Len Architekten der öffentlichen Gebäude waren viele Italiener. Aus der Zeit Richelieus stammt auch die imposante Marmortreppe mit ihren 200 Stufen, die zur Küste hinabführt und den Namen „Poternkm- Treppe" trug zur Verherrlichung der auf diesem Kreuzer ausgebrochenen Meuterei von 1905. 2lber die mit russischer Großzügigkeit angelegten Straßenzüge machten einen ebenso verödeten Eindruck wie der Hasen. Zwischen den Pflastersteinen sproß Gras, die Fensterscheiben waren zerbrochen und notdürftig verklebt, der Anstrich und Bewurf der Hauser bröckelten langsam ab. Besonders auffallend war das völlige Fehlen von Automobilen. Nur vernachlässigte und überfüllte Trambahnen vermittelten den Verkehr. Unsere Autobuskarawane erregte daher das größte Aufsehen.
Zuerst rumpelte unser Gefährt durch eine Straße mit verstaatlichten Kaufhäusern, die aussahen wie ländliche Kramläden, in denen man alle lebensnotwendigen Gegenstände, von Petroleum, Salz und Wolle angefangen bis zu Streichhölzern, billigen Bonbons und bunten Krawatten emhandeln konnte. Für uns ausländische „Kapitalisten" hatte die staatliche Organisation „Torgsin" (Handel mit dem Aus- land) besondere Jahrmarktstände aufgebaut, m denen wir nur gegen ausländische Valuta eintaufen durften, die augenscheinlich sehr begehrt war. Die Ein- und Ausfuhr russischen Geldes war verboten. Ueberall, wo uns vom „Intourist em kurzer 2hi,= enthalt vergönnt war, erwartete uns ein solcher Kaufladen, wo man typische Erzeugnisse der ru s scheu Heimarbeit, wie gestickte Hemden, bunte Puppen und holzgeschnitztes Geschirr aber auch Kaviar und Pelze, erstehen konnte. Diese Gegenstände waren wiederum den Einheimischen nicht zugänglich
scheck 11686 Franks ^M. vruylfche AmverfitatrdnlSereiv. Lange
Der Jahrestag beherrschte auch das Gesicht Der japanischen Presse. „Asahi Shimbun" erklärt, daß der Dreierpakt die Welt in zwei Lager teilte, indem er eine klare Trennung schuf zwischen den Ländern, die ein- Interesse an der Erhaltung des Status quo haben und jenen, die sich für eine Neuordnung ein« setzen. — „Es ist klar", so schreibt die Zeitung „Nichi Nicht", „daß Japan einen englisch-nopdamerika- nischen Gegendruck mit allen Mitteln — notfalls mit Gewalt — zurückweisen wird." — Hauptsächlich dem Bündnis mit Deutschland und Italien habe Japan es zu verdanken, daß es bei seinen Plänen im Fernen Osten von einer Intervention dritter Mächte verschont geblieben sei. Der frühere Flottenchef und Kriegsrat Admiral Sankichi T a k a h a s ch i erklärt in „Hotschi Schimbun": Es sei richtig, daß England und die USA. Japan von der Achse lösen möchten, aber Japan werde es niemals ruhig hinnehmen, wenn die USA. ihm etwa den Rat geben sollten, sich in die alten Grenzen der Feudalzeit zurückzuziehen. Falls Japan immer nur auf materielle Versorgung bedacht sei, würden die USA. um so stärkere Anstrengungen machen, Japan an die Wand zu drücken. Deutschland und Italien sollten wissen, daß Japan nicht ein so armes Land sei, um seinen Verpflichtungen nicht nachzukommen. Die Stim- mung des Volkes gegenüber seinen Verbündeten schwanke nicht.
Italiens Kriegswirtschaft.
Rom, 26. Sept. (DNB.) Vor dem Direktorium der faschistischen Partei beschäftigte sich Parteisekretär Serena besonders mit kriegswirtschaftlichen Maßnahmen Italiens. Die Aufgabe der Partei in der inneren Front bestehe auch in der Kontrolle der Preise der vordringlichen Lebensmittel. Die Lösung dieser Aufgabe erfolge in Uebereinstimmung mit den staatlichen Organen, denen die Verantwortung für die Produktion und die Warenverteilung übertragen ist. Während viele Italiener auf den Schlachtfeldern für den Sieg der faschistischen Waffen kämpfen, könne keinem die Möglichkeit, sich den Pflichten der Stunde zu entziehen, zugebilligt werden. Die Verordnungen über die Disziplinierung des Verkaufs seien durch wirtschaftliche Erfordernisse gerechtfertigt und hätten vor allem eine moralisch uni) politische Bedeutung. Die Notwendia- feit eines absolut herben Lebensstils müffe zur vollkommenen Ausschüttung jeder Form von Uebertteibuna, insbesondere auch auf dem Gebiet der Mode, fuhren. Niemand habe das Recht, den Platz der Arbeit und des Opfers zu verlassen, der ihm an der inneren Front zugewiesen ist.
Englands Blockade gegen die Schweiz.
In harten Kämpfen weiter Boden gewonnen.
Berlin, 26. Sept. (DNB.) Gegen heftigen Widerstand eroberte im Nordabschnitt der Ostfront am 25. 9. ein deutsches Infanterie-Regiment zwei Ortschaften. Eine Aufklärungsabteilung stieß an das Ufer eines Sees vor. Vorn Ufer aus vernichtete sie zwei mit Sowjetsoldaten vollbesetzte Boote.
In heftigen Kämpfen um eine von den Sowjets zäh verteidigte Feldstellung gewannen die deutschen Truppen im Sudabschnitt weiter Boden. Die Bolschewisten versuchten, durch mehrere Gegenangriffe, die durch Panzerkampfwagen unterstützt wurden, den deutschen Truppen das eroberte Gelände wieder zu entreißen. Bei allen diesen Versuchen wurden die Sowjets mit schweren blutigen Verlusten zurückgeschlagen. Panzerjäger vernichteten von 40 angreifenden sowjetischen Panzerkampfwagen 17, zahlreiche Gefangene wurden eingebracht, sowjetische Geschütze und 283 Kraftfahrzeuge erbeutet. An einer Stelle ritten 400 Sowjetkavalleristen eine Attacke
gegen die deutschen Stellungen. Den Reitern folgte Sowjetinfanterie, deren Vorgehen von Panzerzügen unterstützt wurde. Die Masse der sowjetischen Angreifer wurde im Feuer der deutschen Infanterie
und für sie auch viel zu teuer. ..
Von d-m einzigen Reichtum Od-!!asz°ugt°nd>- SiUenoororte, durch die wir fuhren. Große Vor kriegsvillen in schonen Parks rechten sich.dort aneinander, die fast ausnahmslos in staatliche Oana torien und Erholungshiiufer umgewandelt Eden waren. Da dos gewaltige Rußland ^u Kurzw nur über die verhältnismäßig kurze Schwarzmeer käste verfällt so war diese em einziges Sanatorium, Än blaffen, abgezehrten Gesta ten wimmelte. Von neueren, zu diesem Zweck «nieten Kuranstalten war aber keine Spur zu entdecken.
Endlich langten wir in einem Seebadsan, wo es — welche Errungenschaft! — gestattet , ohne Badeanzüge zu baden. Die der Erh 9 liegende Bevölkerung umbrangte uns m dichten bcharen, aber in ängstlicher Entfernung.
schiff in Brand. . „ ., ’________
Kampfhandlungen des Feindes über dem Reichs- vernichtet.
gebiet fanden weder bei Tage noch bei Rächt statt.
britischen Geleitzug westlich Afrika, so daß in drei Monaten über eine Million britischer Handelstonnage verloren ging. Eine Million BRT. Schiffsraum transportierten die Ladung von 1 460 000 Tonnen kriegswichtiger Güter. In einem Eisenbahnzug transportiert, würde der Zug die Gesamtlänge der britischen Insel aus- macyTN. 73 000 Wagen würden die Strecke von 730 Kilometer einneymen. Der Verlust dieser gewaltigen Gütermenge wird für die Briten gewiß nicht die „Erleichterung" bedeuten, die sie sich vom Ostfeldzug erhofft haben.
Tokio, 26. September. (DNB.-Funkspruch.) Der Präsident des Jnformationsamtes Noburni Ito erklärte in einer Radio-Ansprache anläßlich des 1. Jahrestages des Dreimächte-Paktes/ es bedarf keiner Erwähnung, daß die Aufrechterhaltung des Weltfriedens und die Stabilisierung Ostasiens mit dem Geist, der zur Gründung unseres Reiches führte und der unsere unveränderliche Politik darstellt unzertrennlich sind. Die Bedeutung des Dreierpaktes liege auch in der Tatsache, daß durch ihn Japan als führende Nation bei der Schaffung einer Neuordnung im größeren Oftasien endgültig anerkannt wurde. „Manche denken, imgermeife, daß Das Festhalten an der alten Ordnung den Frieden bedeute und andere, die zwar die Notwendigkeit der Aenderung erkennen, hangen sich immer noch an den Status quo und stellen sich damit dem Aufbau der Neuordnung in Oftasien durch Japan entgegen, -zto betonte daher, es sei „vollkommen natürlich, wenn Japan mit Deutschland und Italien zusammenarbeite, die mit uns dieselben JDecue umb Be» jtrebungen gemein haben". Italien und Deutschland
nug von diesem „Paradies" und kehrten an Bord der „Roma" zurück. Wir anderen ließen uns noch einmal von den ratternden Autobussen herumfahrcn. lieber ausgefahrene Landstraßen ging es nach der Schlammbadeanstalt von Liman an der Dnjestr-Mündung. Auch dieses ehemals berühmte Bad war in vollem Verfall. Wir fragten uns, was man damit bezwecken wolle, uns diese verschmierten Korridore und verrosteten Badewannen zu zeigen. Nur eine völlige Ahnungslosigkeit dessen, wie westliche Kuranstalten aussehen, konnten diesen Regiefehler erklären. Hier war offensichtlich, ebenso wie in der Stadt, seit 1914 nichts erneuert worden.
Die Industrieanlagen, in denen Maschinen, Munition, Flugzeuge u. a. hergestellt wurden, bekamen wir natürlich nicht zu sehen. Nur einen Blick warfen wir auf die weite südrussische Ebene, die ja im Frühling, wenn die Steppe blüht, so bezaubernd ist. Hier ist eines der reichsten Landgebiete der Welt: die fruchtbare Schwarzerde bringt Weizen, Zucker, Oel, Melonen, Tabak, Wein, im Ueberfluß hervor, das Vieh gedeiht, Eisenerz und Kohlenlager schlummern im Boden. Und doch konnte man gerade damals folgende Bemerkungen in der „New Port Times" lesen: „Im Winter 1932/33 starben in Sowjetrußland mindestens sechs Millionen Menschen durch Hunger, Typhus und andere Epidemien. Die Hungersnot ist einzig und allein durch Stalins Kollektivierung hervorgerufen worden. Die Bauern sind mit Gewalt in die Kollektive getrieben worden. Man hört in der letzten Zeit oft die Ansicht, der Kommunismus käme nie für Amerika in Betracht, „obgleich er sich in Rußland gut bewährt habe". Wir finden es nicht möglich, von einem System zu erklären, daß es „sich gut bewährt habe", welches im Lauf von bloß 15 Jahren nicht weniger als dreimal in der elementaren Pflicht, fein Volk mit Brot zu versorgen, kläglich versagt und dadurch viele Millionen unschuldiger Menschenleben hingeopfert hat ..." Nichtsdestoweniger scheut sich die kriegslüsterne Rooosevelt-Klique heute nicht, mit dem Untermenschentum der Sowjets zu paktieren!
ffl. Jahrgang Nr. 230
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags
Beilagen:
Gießener Familienblätter Heimat nnBild DieSchoÜe
Bezngsvreis:
Monatlich.......RM1L0
LustellgMibr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen 9ttnnmern infolge höherer Gewalt
hätten das Signal zur Inangriffnahme der Ausrichtung einer neuen Ordnung in Europa gegeben, die Anerkennung der Nattonalregierung Wangt- schingweis in China, die Vermittlung bei den thai- ländisch-französischen Grenzstreitigkeiten und der gemeinsame Derteidigungspakt in Jndochina seien Beweise dafür, daß die Schaffung der Neuordnung auch in Oftasien ständig fortschreite, einem Oftasien, in dem Japan die Verantwortung auf seine Schultern genommen habe. Abschließend sagte Ito: „Angesichts der gegenwärtigen internationalen Lage möchte ich besonders betonen, daß, welche Veränderungen sich auch in Zukunft in der internationalen Situation ergeben mögen und welchen Schwierigkeiten wir auch zu begegnen haben werden, so wird es doch keinerlei Veränderung in der Tatsache geben, daß der Geist des Dreirnächte-Pak- te s die Grundlage unserer Diplorna- t i e bildet. Dieser Geist kann nicht im geringsten durch die Bestrebungen dritter Mächte geändert werden, die die drei Länder voneinander zu entfernen trachtet
General-Anzeiger für Oberhessen $d>ti»it6tn,9Sd>eI1tra6eä?9
ein seltsames Völkergemisch aus Groß- und Kleinrussen, Juden, Griechen, Armeniern, Tataren, Türken usw. Die Kleidung war mehr als ärmlich. Man sah sich einer kompakten, gleichförmigen sturen Masse gegenüber, die auf einem sehr bescheidenen Lebensniveau standardisiert war. Sehr befremdlich war es, daß auch der Gesichtsausdruck dieser Menschen keine Aehnlichkeit mit dem eines gebildeten Westeuropäers auswies. Man fühlte die durchdringenden Blicke dieser „Proletarier" auf sich ruhen, aber es war schwer, ihren Sinn zu ergründen. Die wenigsten von ihnen waren frei und unbefangen, alle hatten etwas Lauerndes und Mißtrauisches an sich. Sie sahen uns an, wie über einen Abgrund herüber. Es schien, als ob unser Anblick hinter diesen Stirnen eine intensive Gedankenarbeit wachrief. Man hatte ihnen gesagt, daß sie als Angehörige des bolschewistischen Jbealstaates uns zurückgebliebenen Vertretern einer verächtlichen bürgerlichen Wett turmhoch überlegen seien. Wandausschriften dieses Inhalts konnte man an verschiedenen Stellen lesen. Und nun sahen sie uns sorglos, fröhlich und feingefteidet, die Taschen voll klingender Valuta, von den eigenen Behörden wie rohe Eier behandelt, herumgefahren und geführt, mit einem üppigen Frühstück bewirtet und durch künstlerische Darbietungen zerstreut. Und dies alles gegen klingende Münze, gegen bare und — ach — so ganz kapitalistische Dollar und Pfunde? Wäre es einem aus dieser namenlosen Menge gestattet gewesen, einen Besuch auf dem italienischen Luxusdampfer zu machen —, eine Wett des Trugs wäre in ihm zusammengebrochen.
Nach dem Frühstück, das uns von grauhaarigen Kellnern zaristischer Schule serviert wurde, denn dieser Beruf war im bolschewistischen Rußland aus- gestorben, hatten die meisten Amerikanerinnen ge-
Berlin, 26. Sept. (DNB.) Aus allen Teilen des Atlantik errangen deutsche Unterseeboote vom 22. Juni bis 22. September in zum Teil harten Kämpfen bedeutende Erfolge. Es nutzte den Briten nichts, ihre Geleitzüge mit stärkstem Geleitschutz zu umgeben, die deutschen Unterseeboote durchbrachen diesen Ring Der Bewachungsfahrzeuge und schossen aus den Geleitzügen heraus, was sie erreichen konnten. Dom 22. Juni bis 22. September versenkten sie 931 730 BRT. britischen Handelsschiffsraums. Dazu kommt die Versenkung von 78 000 BRT., bei dem letzten Angriff auf einen
Basel, 26. Sept. (Europapreß.) Zu der Verschärfung der britischen Blockade, die in der Schweiz unliebsames Aussehen erregt hat, schreibt der „Zürcher Tagesanzeiger", jedes Türchen, das der Schweiz für ihren Handel mit der Welt noch offen stehe, habe vielfache Bedeutung erlangt. „Deshalb empfinden wir die neuen Handelsabkommen mit Deutschland und Italien, die uns die für unsere Wirtschaft unentbehrlichen Rohstoffe wenigstens in minimalen Mengen sichern, als einen Lichtblick. Aber auch Lissabon unb Genua sind für uns hochgeschätzte, lebenswichtige Pforten geworben. Um so schwerer mußte uns nun die Nachricht treffen, daß die britische Regierung beschlossen hat, die Blockade gegen die Schweiz zu verschärfen im Hinblick auf den neuen deutsch-schweizerischen Handelsvertrag. Dieser Schlag gegen ein kleines, sich wie kein anderes unabhängig fühlendes Volk muß als. befremdend bezeichnet WerdeM*
Der Erpresser.
In Buenos Aires und Santiago de Chile ist es am vergangenen Wochenende vor den Gebäuden der diplomatischen Missionen des Deutschen Reiches zu Demonstrationen gekommen, deren Ursprung und Charakter als Machwerk bezahlter Subjekte der nordamerikanischen Propagandazentralen offenkundig ist. Radaulustige Elemente sind in den Groß- tädten Jberoamerikas, deren Bevölkerung mit zunehmenden Absatzschwierigkeiten unter wachsender Arbeitslosigkeit leidet, gewiß für wenig Geld zu jedem Zweck und jederzeit zu haben. Erstaunlicher ist schon, daß die Regierungen Argentiniens und Chiles sich offenbar nicht bemüßigt fühlten, rechtzeitig Vorkehrungen zur Vermeidung von Dor- ällen zu treffen, die angesichts der von einer gewissen mit U8A.-Dollars gespeisten Presse feit vielen Monaten getriebenen Hetze gegen die europäischen Ordnungsmächte immerhin oorauszusehen waren, aber von Regierungen, die auf korrekte diplomatische Beziehungen zum Ausland Wert legen, im allgemeinen peinlich empfunden werden. Wenn schon die Großen so wenig Rückgrat und Haltung zeigen, ist es weiter nicht verwunderlich, daß in einem kleinen und ganz in den Netzen des Dollarimperialismus zappelnden Lande wie Costarica der Nationalfeiertag der Unabhängig- keitserklärung zu lärmenden „Anti-Nazi-Demon- ftrationen" eindeutig bolschewistischen Charakters ausgenutzt wurde, denen die Regierung Schutz und Unterstützung angedeihen ließ, der schlagendste Beweis dafür, daß es mit der Unabhängigkeit dieser kleinen iberoamerikanischen Republiken bei Licht besehen nicht mehr weit her ist. Für die spanische Kolonialherrschaft, die sie 1821 abschüttelten, haben sie längst die Finanzherrschaft der USA. eingetauscht, die erheblich weniger mit sich spaßen lassen, als einst das milde Zepter der spanischen Vizekönige.
Dem iberoamerikanischen Kontinent hat Roosevelt in seiner imperialistischen Politik aus naheliegenden Gründen eine besondere Rolle zugedacht. Auf dem Weg in den europäischen Krieg, den Roosevelt beharrlich verfolgt, ist Jberoamerika als Anrainer des südlichen Atlantik sowohl wie als die Gegenküste zu Westafrika eine wichtige Etappe. Einst ganz eindeutig umrissene, aber im täglichen Gebrauch Roosevelts so völlig verwaschene Begriffe wie „Panamerikanische Solidarität", „Monroedoktrin" und „Westliche Hemisphäre" müssen dazu her-
; versprechen, sich nicht von den übrigen Touristen zu trennen, die sämtlich der Leitung und Kontrolle 1 ies „Intouri st" (staatliche Organisation für internationalen Tourismus) überantwortet wurden. Ein Betreten sowjetrussischen Bodens auf eigene Faust war streng verboten. In keinem anderen Land, das wir bisher berührt hatten, weder in der Türkei noch in Palästina oder Aegypten waren wir auf ähnliche Bestimmungen gestoßen. Ueberall hatten wir volle Bewegungsfreiheit gehabt. Nur im Lande der „proletarischen Freiheit" wurde jeder unserer Schritte überwacht.
Als wir am nächsten Morgen an Deck erschienen, i lag unser Schiff schon auf der Reede d o n Odessa vor Anker. Die weite, dünnbesiedelte Küste -vor uns hauchte die ganze Melancholie der russischen Landschaft aus. Dieser Eindruck wurde noch dadurch verstärkt, daß der Hgfen mit seinen fünf ausgedehnten Bassins fast beröbet dalag. Und doch herrschte in Odessa, der fünsgrößten Stadt Rußlands, ehemals regstes Leben; Handel und Wandel blühten..
In eleganten Tendern mit bunten italienischen Wimpeln wyrden wir an Land gebracht, um dort den Sowjetgewalten überantwortet zu werden, nicht ohne daß uns ein leises Gruseln überlief. «Eine Reihe von Autobussen, die extra aus Mos- | tau geschickt worden waren, stand für uns bereit. F Der Besuch eines „kapitalistischen" Luxusdampfers f mit Hunderten buntgescheckter Touristen war nämlich | in Odessa eine Seltenheit. Es hieß, man hätte seit [I Wochen Vorkehrungen getroffen, um den Straßen und Häuserfronten ein möglichst vorteilhaftes Aus- ■: fehen zu verleihen. Aber was wir sahen, war trotz- iem niederdrückend genug. In jedem Autobus gab es einen Führer, der uns Insassen überwachen und Ibie „Sehenswürdigkeiten" erläutern sollte.
Odessa ist eine noch jüngere Gründung als Lenin- ägrab. Erst 1795 kam die Schwarzmeerküste nach wechselvollen Schicksalen unter russische Herrschaft, und wenige Jahre Darauf, noch zur Zeit Der großen Katharina, wurde die Stadt Odessa begründet. Es ist sehr bezeichnend, daß Die ersten beiden Gouverneure, denen sie ihren raschen Aufstieg verdankte,
® Samstag, 27. / Sonntag, 28. September 1941
Eichener Anzeiger


