2—3 Steine, während der erste nur einen Stein in der Frucht besitzt. An Hecken, Eisenbahndämmen, Waldrändern und in Gebüschen sehen wir beide Weißdornarten ziemlich häufig. Alle Teile werden arzneilich gebraucht, sowohl die Blüten als auch die Blätter und Früchte. Weißdornhecken sind oe- liebte Nistplätze von Singvögeln. Man muß daher bei der Ernte darauf achten, daß das Brutgeschäft dieser Vögel nicht gestört wird. Um eine richtige Droge zu erhalten, erntet man die ganzen Dolden- rispen dieser weißblühenden Sträucher, indem man sie vorsichtig abpflückt, damit die Blumenblätter nicht ausfallen. Um den Blütenstand stehende Laubblätter können mitgeerntet werden. Man kann die letzteren jedoch auslesen, so daß dann die reine begehrtere Blütendroge erhalten wird. Don Sträuchern, die bereits am Abblühen sind, soll nicht geerntet werden, weil die Blumenblätter dann beim Trocknen leicht bräunlich werden, was sie fast schon wertlos werden läßt. Die Blüten müssen in sehr dünner Lage auf schattigem Dachboden vollständig getrocknet werden, damit sie am Ende weiß bzw. elfenbeinfarbig, nicht etwa braun aussehen. Der Weißdorn ist arzneilich so geschätzt, daß von ihm ausgehend heute viele Präparate, Extrakte, Tinkturen usw. hergestellt werden, die ärztlich bei der Behandlung von bestimmten Erkrankungen des Kreislaufs und des Herzens Anwendung finden. Auch in zahlreichen Herzmitteln, die die Industrie in den Handel bringt, ist Weißdorn aus diesem Grunde in irgendeiner Form enthalten. Es sei nickst versäumt, auf die Sammlung dieser wichtigen Droge besonders hinzuweisen. Genaue Anweisung erteilen auch hier die Kreissachbearbeiter RfH., deren Anschriften bei den Kreisleitern der NSDAP, zu erfahren sind.
Fernsprecher als Telegrammzusteller.
Jeder Zeitverlust in der Uebermittlung von Telegrammen läßt sich ohne weiteres adst'ellen, wenn bei Telegrammen an Empfänger, die einen Fern- f^rechanschluß besitzen, in die Anschrift statt der Straße und Hausnummer lediglich die Fernsprech- nmnmer aufgenommen wird. Telegramme mit Fern- sprechanschluß spricht das Telegraphenamt dem Empfänger sofort nach Eingang kostenlos zu. Die Niederschrift des Telegramms wird anschließend ohne Kosten durch die Post zugesandt. Beispielsweise muß die Anschrift eines solchen Telegramms lauten: „— 2044 — Müller, Elmshorn" oder „— 7111 76 — Krüger, Berlin". Die Fernsprechanschlußbezeichnung zählt nur als ein Gebührenwort. Inhaber von Fernsprechanschlüssen können auch bei ihrem Postamt schriftlich beantragen, daß ihnen Telegramme zugesprochen werden.
Gießener Dochenmarktpreise.
Nachstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sich für ä-Ware. Für 8-Ware oder abfallende Ware sowie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger.
* Gießen, 27. Mai. Auf dem heutigen Wochen- martt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,80 NM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln 5 kg 46, neue, XA kg 25, gelbe Rüben, Ä kg 12 bis 15, rote Rüben 8 bis 12, Spinat 15 bis 17, Spargel 70 bis 92, Erbsen 35, Zwiebeln 17 bis 18, Meerrettich 40 bis 60, Rhabarber 16, Lauch 24, Sellerie 21, Salat, das Stück 18 bis 25, Salataurken 70 bis 85, Rettich 25, Radieschen, Bund 12 Rpf.
*
** Schont unfern Wald! Es wurde in der letzten Zeit mehrfach beobachtet, daß Kinder auf Spaziergängen und Ausflügen in unfern Wäldern beim Spielen die dort aufgeschichteten Holzstöße mutwillig auseinandergerisfen und das Holz um- heraestreut haben. Trotz manchen Warnungen muß auch immer wieder festgestellt werden, daß Kinder ohne genügende Aufsicht im Walde grüne Zweige obreißen und fortwerfen oder mit nach Hause nehmen. Es wird von zuständiger Seite wiederholt auf die Bestimmungen des Naturschutzgesetzes hinge- wiesen, die den Wald in Obhut nehmen und Zerstörungen der 'geschilderten Art mit empfindlichen Strafen bedrohen. Die Eltern sollten es sich daher zur Pflicht machen, ihre Kinder auf ein angemessenes Verhalten bei Spaziergängen und beim Spielen >m Walde hinzuweisen und dafür zu fargen, daß unsinnige Zerstörungen der geschilderten Art Der« .Mieden werden.
)** Zum Kreis lei st ungssingen in Watzenborn-Steinberg. Zu unserem gestrigen Bericht über das Kreislest tung ssinge n in Watzenborn-Steinberg stt ergänzend nachzutragen, daß der für 50jährige Sangestätigkeit ausgezeichnete Sänger-Jubilar Weigel der Sängerabteilung des Turnvereins W i e s e ck angehört.
Aus der engeren Heimat.
Deutscher Wald entsteht durch Kinderhand.
LPD. Schotten, 26. Mai. Ein vorbildliches Beispiel des Dienstes für die Volksgemeinschaft gaben die Schulkinder in Schotten. Im vorigen Jahre haben sie unter Anleitung' eines Försters im Schot lener Stadtwald zur Sicherstellung des Waldbestandes rund 10 0 0 0 junge Fich- ten anaepflanzt. Diese Aufsorstungsarbeit, von der spätere Geschlechter unseres Volkes den Nutzen haben metben, soll in diesem Jahre mit der Anpflanzung vgn weiteren 7 000 jungen Fichten fortgesetzt werden, während für das nächste Jahr das Setzen von rund 15 000 jungen Fichtenpflanzen vorgesehen ist. Durch diesen lobenswerten Dienst für die Volksgemeinschaft erwirbt sich die an den Waldkulturarveiten beteiligte Jugend gerade jetzt in der Kriegszeit einen Ehrentitel, auf den sie noch in späteren Jahren stolz sein kann.
Erstickungstod eines ^jährigen Kindes.
LPD. Schlitz, 26. Mai. Im Dorfe Berns- Hausen bei Schlitz hatte, eine junge Frau ihr sechs Monate altes Kind allein gelassen, um in Schlitz Einkäufe zu besorgen. Als sie nach Hause kam, fand sie das Kleine, einen Jungen, erstickt in seinem Bettchen vor. Es war im Schlaf mit dem Gesicht auf das Kissen zu liegen gekommen und hierbei den Erstickungstod gestorben.
Landkreis Gießen.
* Großen-Linden, 27. Mai. Die älteste Einwohnerin von Großen-Linden, Frau Sophie Menges Wwe., geb. Leun, Bahnhofstraße 23, feiert am morgigen 28. Mai ihren 8 9. Geburtstag. Sie ist für ihr hohes Aller geistig und körperlich nach ziemlich rüstig und kann auch im Haus
halt noch manches mitt)elfen. Der Jubilarin unseren herzlichen Glückwunsch.
s. Lang-Gons, 27. Mai. Am heutigen Dienstag, 27. Mai, kann unsere Mitbürgerin Frau Anna Elisabeth Wagner, Wwe., geb. Velten, Pinggasse, bei guter körperlicher und geistiger Frische ihren 8 2. Geburtstag begehen. Wir wünschen der Jubilarin viel Glück für ihren Lebensabend.
fireis Wetzlar.
(D Dutenhofen, 26. Mai. Die Krieg er - kameradschast hielt bei Kamerad Weber ihren Jahresschluhappell ab. Kameradschaftsführer Weber begrüßte die Kameraden herzlich. Darauf wurde der im vergangenen Jahre verstorbenen Kameraden und der Gefallenen gedacht. Anschließend gab der Kameradschaftsführer einen Rückblick auf das Kriegsjahr 1940 und erstattete den Jahresbericht. Opferschießen und Opfersammlungen für das WHW. erzielten schöne Ergebnisse. Am Bundeswettkampfschießen und an der Kreisführertagung in Wetzlar war die Kameradschaft zahlreich beteiligt Sammlungen für das Deutsche Rote Kreuz und für die Kriegsgräberfürsorge erbrachten namhafte Be- träge. Kassenführer Loh erstattete den Kassenbericht, der von den Kameraden Müller und Hahn geprüft wurde. Dem Kassen führ er wurde Entlastung erteilt. Auch der Schießdienst hatte erfreuliche Ergebnisse. Kamerad Loh VI. wurde für 40jährige Mitgliedschaft im Reichskriegerbund geehrt, Kamerad Weller (Münchholzhausen) zum Ehrenmitglied ernannt Die neueingetretenen Kameraden wurden durch Handschlag verpflichtet. Die Karnerad- schaftsstärke beträgt zur Zeit 149. Propagandawart Walter sprach allen Kameraden seinen Dank für die im abgelaufenen Geschäftsjahre geleistete Unterstützung aus. Kameradschaftsführer Weber schloß nach weiteren Dankesworten den Hauptappell in der üblichen Weise.
dereichsmeisterschasten der Schwerathleten.
Arn Sonntag fanden die Meisterschaften der Schwerathleten in Alsfeld statt Es wurden ausgezeichnete Leistungen geboten. Der deutsche Rekordmann im Hammerwerfen, Karl Storch (Fulda) zeigte im Dreikampf (Rasenkraftsport) mit 332 Punkten eine Leistung, die bisher noch nicht erreicht worden ist. Auch die Leistungen im Gewichtheben und Ringen waren zum Teil sehr gut. Von den beteiligten Vereinen schnitt der VfB.-Reichs- bahn Gießen mit fünf 1., neun 2. und sechs 3. Plätzen am besten ab. Dabei waren einige Gießener Sportler noch sichtlich vom Pech verfolgt, denn Fritz Funk mußte beim Gewichtheben mit 1 Pfund Uebergewicht ins Leichtgewicht, ebenso erging es beim Ringen Klotz. Grabowski, (Hanau 1860) konnte für seine kürzlich in Gießen erlittene Niederlage Revanche nehmen, indem er den bedeutend leichteren Klotz, als dieser Ueberstürzer von vorn ausführen wollte, abfing. — Die Ergebnisse:
Gewichkwerfeu (12,5 Kilo):
Federgewicht: 1. Hermann, Marburg, 16,55 m; 2. Fritz Funk, DsB.-R. 12,25 m; 3. Götz, DfB.-R. 11,45 m.
Leichtgewicht: 1. Adolf Klotz, VfB.-R. 14,33 m; 2. Melzer, Fulda 12,35 m.
Mittelgewicht: 1. Noeller, VfB.-R. 13,33 m; 2. Hobein, Hanau 1860 12,85 m.
Schwergewicht: 1. Karl Storch, Fulda 20,83 m; 2. Anton Gary, Marburg 15,55 m; 3. Jos. Binder, Alsfeld 14,30 m.
Rasenkraftsport, Dreikampf.
Federgewicht: Stein Gewicht Hammer
1. Herrmann, Marburg 7,52 16,55 44,60 211 Pkt.
2. Fritz Funk, VfB.-R. 6,80 12,25 32,12 116 Pkt.
3. A. Götz, VfB.-R. 4,82 11,45 30 88 Pkt.
Leichtgewicht:
1. A. Klotz, DfB.-R. 6,50 14,33 33,18 136 Pkt.
2. Melzer, Fulda 102 Pkt.
Mittelgewicht:
1. Hobein, Hanau 1860 7,40 12,85 30,60 124 Pkt. 2. Noeller, VfB.-R. 7 13,30 25,85 108 Pkt.
Schwergewicht:
1. Karl Storch, Fulda 10,60 20,83 57,60 332 Pkt. 2. Gary, Marburg 180 Pkt.
3. Binder, Alsfeld 137 Pkt.
Gewichtheben:
Bantamgewicht:
Drücken, Reißen, Stoßen
1. Mootz, Marburg, 475 Pfd.
2. Lorenz, VfB.-R. 325 Pfd.
3. Rabow, DfB.-R. 300 Pfd.
Federgewicht:
1. Götz, VfB.-R. 375 Pfd.
Leichtgewicht:
1. Herrmann, Marbg. 540 Pfd.
2. Fritz Funk, VfB.-R. 405 Psd.
3. Müller, DfB.-R. 360 Pfd.
Mittelgewicht:
1. A. Döbelt, VfB.-R. 495 Pfd.
V Uffz. Beirodt, VfB.- 465 Pfd.
Reichsb. (Luftwaffe)
3. Clement, Marburg 405 Pfd.
Halbschwergewicht:
1. Hobein,Hanau 1860 530 Pfd.
2. Grabowski, „ 480 Pfd.
3. P. Fischer, VfB.-R. 455 Pfd.
Schwergewicht:
1. Gary, Marburg 620 Pfd.
2. Haas, Rb. Hanau 370 Pfd.
160 135 180
95 100 130
90 90 120
120 115 140
170 160 210
115 120 170
110 110 140
160 145 190
150 135 180
125 120 160
150 160 220
150 1-50 180
130 135 190
200 180 240
Ringen, klassischer Stil:
Bantamgewicht: 1. Allmeroth, Rb. Kastel; 2. Lorenz, VfB.-R. Gießen; 3. Rabow, VfB.-R. Gießen.
Federgewicht: L Wissel, Rb. Hanau; 2. Lecke, Rb. Kassel.
Leichtgewicht: 1. Schwalm, Alsfeld; 2. Herrmann, Marburg.
Weltergewicht: 1. Neumeier, Rb. Hanau; 2. Reifing, Nb. Hanau; 3. Braun, Alsfeld.
Mittelgewicht: 1. Feldw. Grabowski, Hanau 1860;
2. Klotz, DsB.-R. Gießen.
Halbschwer: 1. Georgi, Rb. Hanau; 2. Fischer, VfV,-R. Gießen.
Schwergewicht: 1. Haas, Rb. Hanau; 2. Hobein, Hanau 1860.
Ringen, Freistil:
Weltergewicht: 1. Neumeier, Rb. Hanau; 2. Braun, Alsfeld.
Mittelgewicht: 1. Grabowski, Hanau 1860.
Halbfchwer: 1. Georgi, Rb. Hanau.
Fußball in Klein-Linden.
Klein-Linden Igd. — Mendorf (Lahn) Jgd. 10:0.
Beide Ingendmannschäften trafen sich am Sonntag in Klein-Linden zu einem Wettspiel, bei dem die Mannschaft van Allendorf gegen die technisch und körperlich überlege nere Mannichast eine hohe Niederlage hin nehmen mußte. Oefteres Handspielen der Gäste wurde mit Elfmeter-, bzw. Strafstößen ge^ rügt, die fast immer zu Torerfolgen für Klein-Linden führten. Wie in der ersten Spielt)alste, so spielte sich auch nach der Pause das Spiel fast nur in der Torhälfte von Allendorf ab. Nur selten gelang den Gästen ein Durchbruch, der aber an der Hintermannschaft von Klein-Linden zerschellte.
Kurze Sportnotizen.
Die deutsche Keglermeisterschaft auf der I-Bahn wurde in Karlsruhe entschieden. Sieger und Meister wurde der Karlsruher Käser vor Muck (Dresden) und Maier (Stuttgart). Karlsruhe sicherte sich auch die Sechser-Mannschaftsmeisterschaft, während die Dreier-Klubmeisterschaft an Klub Schwabenkugel Stuttgart siel.
Das Lang streckenrudern „Quer durch Frankfurt a. M." sah 53 Mannschaften in verschiedenen Bootsgattungen im Wettbewerb. Auf der 7,5 Kilometer langen Strecke erzielten die Jung- mannön der RG. Oberraü die beste Zeit.
Schwedens Geher gewannen in Berlin den Länderkanwf gegen Deutschland mit 25:19 Punkten, lieber 10 Kilometer stellte Schmidt (Hamburg) mit 45:08,6 einen neuen deutschen Rekord auf.
Deutschlands Hockeyspieler gewannen in Kopenhagen den 7. Länderkamps gegen Dänemark sicher mit 5:1 (3:0) Toren. Ruck (3), Schmid und Baum waren die deutschen Torschützen.
Zeitschriften.
— „Freude am Leben", bebilderte Monatsschrift des Reichsbundes für Biologie, Herausgeber Dr. Walter ©reite, Hugo Bermühler Verlag, Ber, lin-Lichterfelde, bringt in ihrem neuen Heft (2/3, Mai/Juni) an erster Stelle einen grundsätzlich wichtigen Aufsatz von Profestor Dr. Karl Hinsberg über biochemische Fragen in der Krebsforschung. Vom Pflanzenwuchs der Dünen berichtet an Hand von Bildern Studienrat Baur, über die Orchideenpracht im mittelamerikanischen Urwall» Regie, runas-Rat Dr. F. I. Morton, Ein interessantes Kapitel beschäftigt sich mit „Winterschlaf und Frühlingserwachen bei Schmetterlingen", worüber Dr. E. von Frankenberg Betrachtungen an- stellt. Der Assistent am Zoologischen Institut der Universität Gießen, Dr. F. Kessel, scblldert an Hand von Zeichnungen sehr anschaulich oen Geschlechtsapparat, den Nestbau und die Eiablage der Weinbergschnecke. Einen hübschen Beitrag liefert, illustriert mit eigenen Naturaufnahmen, Kurt Knaak über den heimischen Dacks. Pros. Dr. Ernst Schultze untersucht die Beziehungen zwischen Vogelzug und Menschenwanderung, em Thema, das der Verfasser bereits in einem schnell bekannt gewordenen Buche behandelt hat. In einem gewissen Zusammenhangs mit diesem Problem steht der bebilderte Aufsatz über die Rassengruppen Afrikas von K. G. von Levetzow, der außer Rassentypen-Aufnahmen auch zwei lehrreiche Uebersichtskarlen beifügt. Unter den .Meinen Beiträgen" erscheinen die von Prof. Heinitz in Ham. bürg angestellten Beobachtungen über Körperbewegungen beim Hören und Sehen, die Feststellun- gen über den Rückgang des Rebhuhns nach dem strengen Winter 1939/40 und eine Uebersicht über neuerdings bevorzugte Dissertationsthemen besonders bemerkenswert. Buchbesprechungen, die Lists der Neuerscheinungen und die stets geschätzte Preisfrage vervollständigen den Inhalt des reichhaltigen, wie immer vorzüglich ausgestatteten Heftes.
— Das Maiheft der Zeitschrift „Neues Volk" (Blätter des Rastenpolttifchen Amtes der NSDAP, Verlag Berlin SW 68) bringt u. a. einen grundsätzlich bemerkenswerten Beitrag „Zur Lösung der Ju- denfrage" von Dberbienftleiter Professor Dr. Groß, ferner einen zeitgemäßen, hübsch bebilderten kleinen Aufsatz „Acht Madel suchen einen Beruf", und einen vielfach anregenden, mit Bildbeispielen geschmückten Hinweis auf deutsche Familienwappen. Eine Menge interessanten Materials enthält auch diesmal die Spalte „Völkische Lebensfragen", in der das Rassenpolitische Amt Auskunft erteilt. Rassenpolitisch bedeutsam ist weiterhin eine mit ungeschminkten Aufnahmen illustrierte Abhandlung „Balkanzigeuner, ohne Romantik gesehen". Mit dem rumänischen Volkstum befaßt sich — an Hand guter Aufnahmen—ein Aufsatz von Georg Gunesch.
ZieName imPch.
Roman von Elisabeth ^olf.
28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Wieviel Sie hier gelernt haben!" Kemps lächelte schwach.
„Nicht wahr'? Lauter Dinge, die mir nichts nützen." „Kindchen", sagte Clemens, „überlassen Sie die nützlichen Wissenschaften ruhig häßlichen Frauen!" Er stand jetzt hinter ihr, eine Welle von lieber* legenheit ging von ihm aus und ein solcher Wille, daß Gerda ihren Rücken straff werden fühlte. Wie stark sie auf ihn reagierte! —
Das Abendessen näherte sich seinem Ende. Drinnen redete der Manager noch immer, nach dem sich häufenden Gelächter dazwischen zu schließen, steuerte er auf einen geschickt vorbereiteten launigen Schluß zu. In fünf oder zehn Minuten werden alle Türen offen fein, und die Luckner wird mit den gewissen halbgeschlossenen Augen,--eine Miene,
die Gerda fürchtet wie Prügel, — anfragen, weshalb sich Dr. Kemps nicht am epeifefaal gezeigt habe. — „Wollen Sie sich nicht das Musikzimmer anschauen?" fragte Gerda, „dort hängt die Leinwand für den Film."
Er begriff gleich. „Wie kommt man da hinein?" „Durch den kleinen Salon — da hinten gibt’s auch eine Tapetentür."
ßeiermann beendete seine Rede, es hatte alles in allem acht Minuten gedauert. Schütz und der Kellner gbssen die ausgetrunkenen Champagnergläser wieder voll. Man servierte das Eis und den Nachtisch, niemand schwang sich zu einer zweiten Tischrede auf, niemand wollte sich anstrengen. Als Gerda nachher den Kopf wendete, schlenderte Dr. Kemps gerade in den kleinen Salon.
Nach zehn kam noch ein Schub Leute an, die nur zum Film geladen waren, sie erfreuten sich keiner besonderen Wichtigkeit, sie erhielten einen Händedruck und ein Lächeln und wurden mit einer unbestimmten Geste zum Büfett gewiesen.
Während der knappen halben Stunde zwischen Essen und Film stellte man einstimmig fest, USA. sei zur Zeit miserabel, — hoffnungsloses Gebiet wie die Klippen von Grönland. Die Kreim hatte in
Neuyork leere Häuser gesehen, in Chikago leere Häuser, der Tenor Schwerthof desgleichen, sogar der junge Glanz der Pattini zog nicht. Sie sagten „sogar die Pattini" und schielten dabei nach der Luckner hin, die wie eine Dompteuse im Zirkus inmitten ihrer Löwen stand. Sie war sehr schön heute abend, sehr wach und um eine Spur zu lebendig. Diel später begann die Filrnoorführunb, । d. h. sie sollte beginnen. Weil die große Flügeltür wegen des Kabels nicht geöffnet werden durfte, drängten alle Leute durch die enge Seitentür ins Musikzimmer, und bann quetschten sie sich in den Hintergrund des langen Raumes höchst beengt zusammen — niemand wollte vorn sitzen, die Leinwand wäre zu nahe, sagten sie. So schleppte man die Goldstühlchen ein paar Meter weiter nach hinten und gruppierte sich, die schöne Reihenordnung auflösend, in nächster Nähe der Projektionsapparate.
Es war ungenügend geheizt, kühl wehte es durch । den großen Raum mit den tiefreichenden Fenstern, । und die Damen, fröstelnd in ihren ausgeschnittenen Abendkleidern, verlangten nach Umhängen. Wieder eine Verzögerung. Schließlich kamen die Umhänge aus der Garderobe herauf, die Stühle wurden auseinander und wieder zusammengeschoben, sie bildeten einen ungeordneten Haufen, in dem keiner mehr neben dem andern saß. Die Brokatfalten der zugezogenen Vorhänge bewegten sich unter den Windstößen, die gegen das Haus anftürmfcen.
Dann wurde es finster, vollkommen finster. Eine luftlose zusammengeballte Dunkelheit, die sich über den Raum stülpte wie ein schwarzer Sack und übergangslos tiefe Stille auslöste. Jemand lachte kurz auf, jemand sagte erschreckt „oho!", jemand ließ ein mitgebrachtes Likörglas zu Boden fallen, dann sck)oß ein dicker weißer Strahl Licht wie eine Stahlstange durch die Schwärze, und die Leinwand wurde hell. Gleichzeitig begann die Ouvertüre.
\ Als Gerda durch das Eßzimmer ging, wo der Tisch schon ab geräumt inmitten ordentlich aufge» ; rechter Stühle stand, zeigte sich Milli unter der Tür und forderte kategorisch die Erlaubnis, den Film ansehen zu dürfen. „Wenn jemand läutet, wird der Kellner aufmachen."
Gerda sagte weder ja noch nein, sie nahm Milli i mit sich, als sie im schwach erhellten Rauchzimmer vorsichtig die kleine Tapetentür zum Musiksaal off- l nete. Anfangs sah sie gar nichts, sie geriet in die
Finsternis wie in ein Netz, schräg oberhalb chres Gesichts war eine Helle, wie mit Phosphor bestrichene Fläche, auf der sich grotesk vergrößerte Gestalten bewegten. Unmöglich, etwas zu erkennen. Eine Zeitlang penbelte Millis weiße Servierfchürze zwischen unsichtbaren Hindernissen umher und oer- schwand. Aber als Gerda folgen wollte, stieß sie schon beim zweiten Schritt an einen leeren Stuyl, der polternd umfiel. Gleich zischte jemand ein ungehaltenes Pst, und erschrocken tastete sich Gerda zurück zu der schmalen Polsterbank, neben der Tapetentür. — Oben auf der Leinwand nahm das Spiel seinen Lauf. Vanroy, hutlos, den zerbrochenen Hirtenstab in der Hand, eine Frau lachte perlend, und die Stimme der Luckner sagte: „Geh Er, Tölpel, suche Er sich eine Bauernmagd für sein Herz!" Kurz darauf, als Pola-Marion noch an ihrem Putztisch umhertrödelte, begann sie mit einer Stimme wie gehämmertes Metall zu fingen. „Meine Seele gehört der Nacht und den Sternen---."
Es war die große, immer wiederkehrende Arie, die sich in mannigfachen Variationen wie ein roter Foden durch das ganze Filmstück hinzog. Die Luckner fang herrlich und sah wunderbar jung dabei aus.
„Pola vor zehn Jahren", äußerte jemand ungeniert und viel zu laut Ein Stuhl stieß hart an die Wand.
Das Surren der Eiskristalle draußen gegen die Fensterscheiben wurde immer stärker, der Wind schien zum Orkan anzuwachsen, die zugezogenen, in starren Fallen niederhängenden Vorhänge blähten sich langsam zu großen schwarzen Halbkugeln auf und stießen kalte Lustwellen in den Raum. Eine Männerstimme fluchte unterdrückt, und es gab ein bißchen Geschiebe und Stolpern — die Herren an der Fensterwand verließen ihre zugigen Standplätze.
Gerda saß noch immer auf der schmalen Polsterbank schräg unterhalb der Leinwand, sie wußte nichts von der Bildwirkung des Films, die grotesk । bewegten Riesenschatten sahen von ihrem Platz aus wie Zerrbilder eines Vexierspiegels---von
der hellen Fläche kamen nur Stimmen herunter, Vanroys verführerischer Bariton und die in sich widerhallende Sängerinnenstimme Polas. Den Dialog fand Gerda miserabel, die Liedertexte sentimental, die Handlung zusammenhanglos. Sie lang- wellte sich, und irgendetwas an Saal zog plötzlich
ihre Aufmerksamkeit an. Sie schaute angestrengt m die Finsternis hinein. Jemand kam da aus dem Sinfergrunb des Saales heran — es war eine rau und hinter ihr ein Mann. Außerhalb der ichtbahn der Projektionsapparate bewegten sie sich lautlos und erstaunlich geschickt zwischen stehenge-- bliebenen leeren Stühlen, sie wichen der niederen Blumenbarriere aus, und erst dann, erst als die Frau unsicher nach der Türklinke tastete und dabei, ihr lose umgeworfenes Cape lüftend, cm Gerda anftreifte, spürte sie mehr als sie sah — es ist ja die Luckner. Natürlich war es Pola! Es war das starke Hyazinchenparfüm des Zobels, es war ihre brillantgeschiente weiße Hand — und dann flüsterte Pola sogar ein paar ungeduldige Worte----
„Ich versteh dich nicht! Gerade jetzt muß es sein?"
Der Mann antwortete nicht — er war es, der schließlich die Klinke erwischte und die kleine Tapetentür öffnete. Dahinter war es ebenso finster wie im Saal, wahrscheinlich hatte die dumme Milli zuletzt noch das Licht ausgedreht. Gerda blieb unbeweglich und unbemerkt in ihrer Nische, und weil fit. sich nicht vorbeugen mochte, sah sie mir den Rücken des Mannes, der vor Dola schattenhaft zur Tür binausglitt. Gleich darauf wurde es draußen hell. Aber alles was Gerda erblicken konnte, war ein Streifen stumpfschwarzes Tuch über einer Männerhand, die vor der Luckner die Tür aufhielt ---und dann ging die Tür wieder zu.
Gerda stand entschlossen auf. Wenn die zwei den Weg finden konnten, sollte sie selber doch imstande fein, einen besseren Platz zu ergattern. Eine Sttecke weit tappte sie sich längs der Wand hin, dann stieß ihre ausgestreckte Hand an eine weihe Hemdbrust, und ein grundgewalliger Baß sagte „hoppla". Sie wurde auf einen Stuhl gesetzt, und endlich gliederte sich auch für sie das Chaos auf der Leinwand in wirkliche Gestalten. Es lief gerade eines der schönsten Bilder — vierzig junge Frauen, eine immer hübscher als die andere, tanzten eine Sarabande.
Dann riß das Bild entzwei, die süße Sarabande riß entzwei, und verzweifelte Weiber, wütend erregte Männer hetzten über die Dorfstraße, wo sie eine verspätete Kutsche aufhielten, die mit zwei Kavalieren im Fond dem Schloß zusttebte. Wustes Geheul — der Wagen stand, und herausspringend zogen die beiden Hofmänner ihre Galanteriedegen, um sofort im Getümmel unterzutauchen. Ihr Schicksal schien besiegelt. (Fortsetzung folgt)


