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27. Januar 1901 starb in Mailand der
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und Kinn noch ungefähr auf dem richtigen Fleck sahen.
Nein, der Kopf taugte nicht mehr viel, aber die Beine hielten noch stand Den ganzen Tag hinkte er auf dem Hof umher und beklopfte alles mit seinem Stock, das Mauerwerk und das schwarze Gebälk. Oft liefen wir Kinder hinter ihm her und fragten ihn aus: was tust du da, Vater, suchst du einen Schatz?
Vielleicht auch das. Aber vor allem wollte er sich überzeugen, ob das Ganze noch verläßlich stand. Der Krieg bricht bald wieder aus, sagte er, die Äro* aten kommen.
Der Röckhof war ein festes burgähnliches Gebäude. Im Kellergewölbe, gegen das Tal hin lagen noch die alten Kugelbüchsen auf den Schießscharten, und an diesen urzeitlichen Prügeln hatte der Vater Röck seine Freude. Er rieb die Läufe blank und ölte die Schlösser und prüfte den Anschlag, und wo immer in der Gegend eine ahnungslose Kuh auf der Weide stand, er konnte sie jederzeit haarscharf aufs Korn nehmen. Denn der Vater Röck verstand mehr vom Kriegshandwerk als die jungen Dachse, er hatte unterm Kaiser gedient und einen Feldzug rnitge- macht.
Das beschrieb er großartig, wie also die Jäger über ein ebenes Feld hin in die große Schlacht rückten, nach der Schnur ausgerichtet und Horn und Trommel dabei, und" gegenüber lag der Feind in einem verdammten Gemäuer und schoß heraus wie nach der Scheibe, aber da wich keiner. Wo einer fiel, trat der Hintermann in die Lücke.
Einen Bäckergesellen neben dem Vater, feinen besten Kameraden, den warf es auch um, aber im Todeskampf rollte er ihm unter die Beine und verbiß sich in seiner Wade. Kein Wunder, daß die Fi^nt ein wenig aus der Ordnung kam, als der Tod den Flügelmann am Stiefel festhielt! Was aber tat der Hauptmann? Er sprang zornrot heraus im Pulverrauch und schwang den Säbel, — der linke Flügel, schrie er, der linke Flügel hängt!
Darauf tat der Bäckergesell auch gleich seine Schuldigkeit und starb auf dem Fleck.
Manchmal führte uns der Vater Röck diese wunderbare Begebenheit leibhaftig vor. Er ließ die ganze Kinderschar ins Gefecht rücken, und dann sprang er als Hauptmann heraus und beschwor das Verhängnis am Flügel mit seinem Stock Aber nicht immer glückte es ihm, die Schlacht zu retten.. Zuweilen endete alles vorzeitig mit einer Balgerei, wenn mich der Nachbar gar zu arg ins Bein gebissen hatte.
Der neue britische BotsclMer in den Vereinigten Staaten, Lord Halifax, ist am Freitag in einem amerikanischen Hafen eingetroffen, von wo aus er sich nach Washington begeben wird. Der Botschafter hatte die Reise nach Nordamerika an Bord des 35 000 Tonnen großen Schlachtschiffes „King ©e« orge V" unternommen.
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Präsident Roosevelt ernannte Dean A ch e s o n zum Unterstaatssekretär im Außenamt als Nachfolger des zurückgetretenen Unterstaatssekretärs Grady. Ache so n war 1933 stellvertretender Finanzminister.
Die Brieftasche abhanden gekommen.
Sofia, 24. Jan. (Europapreß.) Der nordamerikanische Oberst William >D o n o o a n hat, wie jetzt erst bekannt wird, während seines Aufenthaltes in Sofia Brieftasche und Paß verloren, die u. a einen größeren Geldbetrag enthielt. Wahrscheinlich ist beides i n einem Sofioter Nachtlokal
italienische Tonschöpfer Giuseppe Verdi. Würdigung seiner Persönlichkeit finden unsere im heute erscheinenden Familienblatt.
(Scherl-Archiv-M.)
64.J
Vater Röck.
Von Mrl Heinrich Waqqerl.
In meiner Jugend, da gab es noch prächtige Leute in den weltfernen Tälern meiner Heimat Da lebte noch der Vater Röck, so uralt, daß ihm seine eigene Jugend nur vom Hörensagen bekannt roar. An drei Frauen erinnerte er sich, jede war einsichtig gewesen und hatte sich zum Sterben gelegt, als ihre Zeit um war, sie lösten sich der Reihe nach gleichsam in lauter Kinder auf. Und darum hieß der alte Röck für jedermann in der ganzen Gegend einfach der Vater.
Zu meiner Zeit freilich war sein hitziges Blut schon lange ausgekühlt. Das Alter hatte die riesige Gestalt zusammengekrümmt, und vollends sein Gesicht war nur noch ein wunderliches Gebilde aus Falten und Furchen und Auswüchsen, da und dort mit weißen Haarbüscheln bestanden, es schien ein reiner Glücksfall zu sein, daß ihm wenigstens Nase
Erfolgreiche deutsche Kriegsfinanzierung
Ein Vortrag des Reichsbankvizepräsidenten Lange.
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Der Erfolg der Kriegsfinanzierung wird noch dadurch unterstrichen, daß gleichzeitig die bisherige Zinssenkungspolitik fortgesetzt und der Kreditbedarf des Reiches unter immer besseren Bedingungen gedeckt werden konnte. Heute hat das Zinsniveau in Deutschland einen seit dem Welt- kriege nicht mehr gekannten Tiefstand erreicht. Die Reichsbank als Hüterin der Währung leiste bei der Kriegsfinanzierung wichtige Dienste. Sie sei nationalsozialistisch ausgerichtet und werde in diesem Geiste geführt. Wer davon ausgehe, daß eine Wahrung der Golddeckung bedürfe und daß im Kampf aller gegen alle das wirtschaftliche Ideal liege, werde unsere Wirtschaftspolitik nicht verstehen. Für uns hat die Vergangenheit bewiesen, daß unsere Währung durch die deutsche Arbeit stabil gehalten wird. Die großen Pläne der Altersversorgung, des sozialen Wohnungsbaues und der gerechten Löhne werden die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erhöhen. Das Wohl des Arbeitenden wird sich immer auswirken in «einer Stärkung der Gesamtheit, in wachsender Produktivität und damit auch die Fundamente der Währung festigen, die auf der deutschen Arbeit ruhen.
LennS geschaffen hat. Und wir Berliner sind immer wieder dankbar, daß man seine Schöpfung dadurch ehrte, daß man alle Versuche, aus dem Tiergarten einen englischen Park mit leeren und langweiligen Rasenflächen zu machen, stets rechtzeitig abgewehrt hat.
Heute führt nun mitten durch den Tiergarten jene breit ausladende Autobahnstrecke, die als Ost- West a ch | e bereits Weltruf hat. Als diese Autobahn auf Geheiß des Führers angelegt wurde, gab es janunernbe Stimmen, die das Ende des Tiergar- ten-Jdi)lls voraussagten. Nichts von diesen trüben Prophezeiungen ist eingetreten. Im Gegenteil: diese Autobahn gehört zu den schönsten Deutschlands, denn man hat das Werk Lennös wohl zu wahren gewußt. Den östlichen Ausgangspunkt dieser „Tier- garten-Autobahn" bildet das Brandenburger T o r. In diesem Jahr sind es genau 150 Sabre her, seit es von der Hand des Meisters C. G. L a n g - Hanns in den Jahren von 1788 bis 1791 geschaffen wurde. Das Tor ist eine freie Nachbildung der Propyläen der Athener Akropolis. Dennoch aber hat es bedeutenden eigenkünstlerischen Wert Und so wurde es zum Wahrzeichen Berlins. Durch die Säulen des Brandenburger Tores ist oftmals die Geschichte marschiert. Siegreiche deutsche Soldaten durchschritten es 1814, 1815, 1864 und 1866, 1871 und zuletzt 1940, als die nach dem stolzen Siege im Westen heimkehrende Berliner Division auf dem Pariser Platz von Stadt und Staat feierlich empfangen wurde. Durch das Brandenburger Tor zog auch der Fackelzug am Abend des denkwürdigen 30. Januar 1933. Gerade in diesen Tagen finden unsere Gedanken zu diesem geschichtlichen Ereignis zuruck. Acht Jahre sind vergangen, als der Helle Schein der lodernden Fackeln und das leuchtende Rot der Hakenkreuzbanner die Zeitwende ankundigten. Und nun wartet und harrt das Brandenburger Tor des Tages, an dem die Säulen widerhallen werden von dem Marschtritt glorreicher deutscher Kämpfer und Sieger über eine Zeit und eine Welt, deren Grundfesten heute schon erschüttert sind. B.
Brief aus der Reichshauptstadt
Von unserer Berliner Schristleitung.
Düsseldorf, 24. Jan. (DNB.) Auf, Einladung der Rheinisch-Westfälischen Börse sprach der Vizepräsident der Deutschen Reichsbank Kurt Lange über das Thema: „Erfolgreiche Kriegsfinanzierung".
Für Deutschland ist der Krieg im Gegensatz zu England kein Geschäft, vielmehr muß hier die ge- famte Wirtschaft alle Kräfte hergeben und weitgehende Opfer bringen, damit die Mittel für die Kriegführung ausreichend zur Verfügung ftehen und wir den Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit im nationalsozialistischen Sinne siegreich zu Ende führen. Wir haben den Liberalismus überwunden und werden in der Wirtschaft jedem Rückfall in li- beralistische Methoden entgegentreten. So ist der Krieg die große Bewährungsprobe auf den nativ- nalsozialistischen Grundsatz, daß die Wirtschaft den Au gaben des Staates zu dienen hat. Anders als im Weltkrieg kann dieses Mal ein erheblicher Teil der Staatsausgaben durch Steuern gedeckt wer- den. Es ist aber weder möglich noch angängig, die überschüssige Kaufkraft allein auf diesem Wege ab- zuschöpfen. Deshalb hat man dem Markt eine nach Laufzeit und Verzinsung wohlabgestimmte Auswahl von Kreditpapieren zur Verfügung gestellt. In die- fern Zusammenhang ist das Sparen nicht nur m der öffentlichen Verwaltung, sondern auch m der Wirtschaft und im besonderen für jeden einzelnen ein wichtiges Gebot. Gerade das Sparen der Volks- genossen ergibt erhebliche, Beträge, bei deren richtigem Einsatz Banken und Börsen unter Ausschaltung liberalistischer Spekulationsideen im Interesse der Kriegsfinagzierung herangezogen werden. Die Spareinlagen seien besonders seit Kriegsausbruch ständig gewachsen und haben allein bei den Sparkassen seit dieser Zeit einen Zuwachs von acht Milliarden Reichsmark erfahren.
Die Leute, die in Washington die Politik machen, fühlen sich offenbar etwas isoliert und schlecht unterrichtet. Anders ist es kaum zu erklären, daß Roosevelt seine Sonderbeobachter in die Welt schickt, um seiner waghalsigen Außenpolitik vielleicht noch nachträglich eine festere Grundlage geben zu können. Nach China muß Herr Currie reifen, nach Europa eine ganze Reihe von Spähern, unter ihnen Herr Hopkins, der bereits in England nach dein Rechten sieht, und der Präsidentschaftskandidat W i 11 k i e, der noch auf dem Wege zur britischen Insel ist und dort wohl als Sonderanwalt der nordamerikanischen Finanzaristokratie auftreten soll. Ob allerdings die Beobachter aus dem fernen Dollarika immer die richtige Auffassung von ihrer Mission haben, wollen wir dahingestellt sein lassen. Wenn einer von ihnen jetzt ohne Reisepaß und Brieftasche von Land zu Land reifen muß, weil ihm diese wichtigen Papiere bei einem Bummel durch die Nachtlokale einer südosteuropäischen Hauptstadt abhanden gekommen sind, so zeugt dies jeden- jalls nicht von der unbedingten Blicksicherheit der Rooseveltschen Späher. Ueberbies scheinen uns Nachtlokale nicht der geeignete Ort zu sein, um Kulturfragen und ßebensraumprobleme in Europa zu studieren.
nungsfroh fein Heim in der Gewißheit aufsuchen, daß er zur rechten Zeit seine — Flasche bekommt
In diesen Tagen gedachten die Berliner eines Mannes voll großer Dankbarkeit. Am 23. Januar jährte sich der Todestag des früheren Berliner Gar. tendirektors Peter Joseph Lennö zum 75. Male. Ja, er hat sich ein dauerndes lebendiges Denkmal gesetzt in der Schöpfung des Tiergartens. Aus der Geschichte Berlins wissen wir, daß der weite Raum des heutigen Tiergartens einstmals eine Wildnis war, in der Friedrich der Große noch seine Jagden abhielt. Es war wirklich eine Wildnis mit Moorlöchern und Dickicht. Und es war keine ungefährliche Fahrt, um zu jener Zeit vom Berliner Schloß zum Charlottenburger Schloß zu gelangen. Wenn damals die schweren Torflügel des Brandenburger Tores hinter der Hofkutsche zuschlugen, dann gab es weder eine glatte und bequeme Chaussee noch einen Knüppelweg, sondern eben nur Tümpel und Sümpfe. Aus dieser Einöde nun hat Lenn6 den Tiergarten gestaltet und aus ihm — nach seinen eigenen, zuerst ausgesprochenen Worten — eine „Lunge" der Großstadt Berlin gemacht. Was Lennö geleistet hat, das empfindet jeder, der einmal den Berliner Tiergarten wirklich durchstreift und auch die Köstlichkeit der abseits gelegenen Wege und Pfade aufgesucht hat. Ist es im Sommer das dichte Laubdach, das Grünen und Blühen der Büsche, das den Spaziergänger erholsam umfängt, so ist es im Winter der Schnee und der Rauhreis, der den Tiergarten in eine Märchenlandschaft verzaubert. Das schönste aber sind wohl die Seen, deren baumbestandene Inseln und Inselchen romantische Winkel und Windungen erstehen ließen, auf denen im Sommer lustige Boote schaukeln und im Minter Schlittschuh gelaufen wird. Kurzum: es ist ein wundervolles, verträumtes Paradies, das
Eine Veränderung gegenüber der Friedenszeit frat der Krieg im Berliner Verkehrswesen übrigens ^och hervorgerufen: Es wird abends nicht mehr so lief „zum Bie r" in d i e Stadt gefahren. Das bedeutet nun nicht, daß die großen Bierlokale ter Innenstadt verödet und vereinsamt liegen. Aber Kn den regelmäßigen Stammtischen findet man sich ! nicht mehr so oft und zahlreich zusammen. Berlin «ar nämlich trotz seiner rastlosen Tätigkeit auch
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Nun fragen sie einander weiter: nach dem Alter der Söhne — sie sind am gleichen Tage, am 13. August 1914, geboren; nach dem bürgerlichen Berus: sie sind beide Bäcker gewesen, nach dem Truppenteil: sie standen im gleichen Regiment, und es war ein und derselbe Unfall, bei dem beide tarben. Die Beziehung geht noch weiter: beide haben am gleichen Tage, wenn auch einstweilen weit voneinander und ohne sich begegnet zu fein, die Gesellenprüfung bestanden und sind dann, nach dem Eintritt ins gleiche Regiment, derselben Kompanie, derselben Stube zugeteilt, am gleichen Tage Unteroffizier und, nach ihrem Kennenlernen, Freunde geworden. Dann haben sie bei dem Unfall am 22. August 1939 einen gemeinsamen Tod gesunden.
Da sie nie über ihre Beziehungen zueinander ausdrücklich nach Hause schrieben, wäre die seltsame Parallelität ihrer Leben und ihres Schicksals nie bekannt geworden, hätte der Zufall die beiden fremden Väter nicht auf einem Wege zusammengeführt, nicht in ein Gespräch gebracht und darin den einen nicht auf die Erzählung vom Unfalltod seines Sohnes.
Das Erlebnisgewebe, das man hier in der Hand hält, das sich so allmählich, gewissermaßen fadenweise, enthüllte, wie es sich erst wob, ist seltsam und ergreifend wie das einer kunstvollen Novelle, die hier das fieben selbst dichtete.
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und nun, wie der Leutnant gleich feststellt, von dem nahen Posten, der angibt: jetzt sei der Rus die Postenkette entlang gekommen und er habe ihn nur weitergegeben. G. eilt zum Kompanieführer und meldet sich bei dem höchst erstaunten Hauptmann, der sagt, er habe keinerlei Befehl gegeben, Leutnant G. zu rufen. Dessen Unterstand aber wird, während er beim Kompanieführer ist, durch einen Volltreffer zerstört. Sofortige Nachforschung ergibt, daß der Ruf mitten in der noch unverändert stehenden Postenreihe sozusagen von selbst entstand: der dritte Posten, von dem zerstörten Unterstand an gerechnet, ist überzeugt, ihn gehört zu haben, der vierte gibt an, weder etwas gehört noch weiter- gegeben zu haben.
Ein sehr viel harmloserer aber netter Zufall ist es, daß ein Soldat, der ganz jung den Weltkrieg mit- gemauit hatte und jetzt wieder durch Flandern und Frankreich marschierte, eines Tages in dasselbe Quartier kam, in dem er 1917 untergebracht war, und darin den vor mehr als zwei Jahrzehnten verlorenen Brotbeutel beim zufälligen Abrucken eines Futterkastens im Stall überrascht wiederfmdet.
Weit verflochten und ein in seinem ganzen Geschehen höchst merkwürdiger Zufall, bei dem man durchaus das Schiffchen im Schicksalsgewebe hm und her schnellen zu sehen glaubt, wird von zwei Vätern und deren zwei jungen, beide durch Unfall ums Leben gekommenen Söhnen in der Presie mitgeteilt. Der Fall ist in mancherlei Beziehung lehrreich' besonders deshalb, weil man in ihm (wie überhaupt gelegentlich) zu erkennen glauben kann — ich habe mir die vorsichtigste Ausdrucksweise zum Gesetz gemacht! — daß eine besondere Schicksals- vemküpsung auch Wert darauf legt, gesehen und befann; zu werden.
«wei alte Soldaten, der eine ein Wachmann aus der Eifel, der andere ein Flak-Unteroffizier aus Schlesien, kommen, ohne sich zu kennen, in ein Gespräch, da sie gerade desselben Weges gehen; irgendwo an der Mosel. Der Wachmann erzählt dem anderen im Laufe des Gesprächs, daß er einen Sohn gehabt habe, der auch Unteroffizier war, aber bei einem Autounfall umgekommen sei. Der Flak-Unteroffizier berichtet nun seinerseits, daß er bas gleiche Schicksal erlitten habe, auch sein Sohn sei Unteroffizier gewesen und habe bei einem Auto- unfall fein Leben eingebüßt. Das Datum dieser Unfälle, die sich in der Zeit der Kriegsbereitschaft ereigneten, hat sich den beiden Vätern tief ins Gedächtnis geprägt. Sie erschrecken fast, als sie fest- stellen, daß beide am gleichen Tage geschahen: am t 22. August 1939.
abhanden gekommen, das der Oberst besucht hatte, um das Nachtleben der bulgarischen Hauptstadt zu studieren. Trotz der unverzüglich aufgenommenen Nachforschungen der Polizei ist die Brieftasche noch nicht wiedergefunden worden.
Berlin, Januar 1941.
Wer den Beweis dafür sucht, daß in Berlin die j Arbeit und das Leben ihren alten, gewohnten Gang | zehen und der Krieg dieser regsamen und oor- j imirtsftürmenben Stadt nichts anhaben konnte, der j braucht nur eins der vielen Berliner Ver- I | ehrs mittel zu benutzen, um in der Tat einen 1 erdrückenden" Beweis zu erhalten. Dieser goethi- che Zustand („in drangvoll fürchterlicher Enge") liiert daher, daß im Jahr 1940, das ja ganz im ^Zeichen des Krieges stand, die Beförderungsziffern / i u f 1,2 5 Milliarden gc fliegen sind! Diese 13a 1)1 stammt aus amtlichem Munde, Der jüngst \ wch außerdem verkündete, daß nunmehr in Berlin u ch die Autobusse mit einem Anhän - ,er fahren werden. Natürlich können diese An- Ibänger nicht auf allen Linien zugleich eingesetzt । werden. Aber, daß überhaupt schon Autobusanhän- ker fahren, ist ein Zeichen dafür, daß die Berliner Krkehrsgesellschaft rastlos eine Verbesserung des i ILerkehrs erstrebt und auch durchführen kann. Da- iir soll sich aber der Berliner nun auch bedanken, «dem er sich recht — höflich im Verkehr benimmt. : ' Lßer es noch nicht kann, der soll es in der Zeit ; >om kommenden Sonntag bis zum 8. März lernen, n der ein Wettbewerb „Höflichkeit und Hilfsbereit- ! . chast im Verkehr" stattfindet Diese Berliner „Höf- i ichkeitswochen" haben stets guten Erfolg gehabt, mb so kann man für die Zeit ab 8. März wohl ; Voraussagen, daß es eine Freude sein wird, mit jl-er U- oder Straßenbahn oder mit dem Autobus : u fahren. Es wird ein Zustand eintreten, „als ob | ioir alle Engel wären", worüber sich der Dezernent I iir das Berliner Verkehrswesen, Stadtrat Engel, | zanz besonders freuen wird. Und noch eine Neu- ■ irung wird es bald im Berliner Verkehr geben: i Studenten werden als Schaffner tätig I ein! Wer dann noch nicht höflich ist, dem wird bom „akademischen Schaffner" ein „prioatiffimum" ;l fiesen werden, daß feine Wirkung sicher nicht Der» i Ijehlen wird.
Oie Hand des Schicksals i im Kriege.
Von Wilhelm von Lcholz.
Es ist nicht verwunderlich, daß die ungeheure Summe entscheidungsreicher Lebensschicksaie im Kriege, die Vermehrung und Steigerung der Gefahren, die der Krieg für sehr viele Menschen im Vergleich zu ihrem friedlichen Alltagsdasem — mit sich bringt, den sich als seltsam, merkwürdig, ge- jeimnisDoU, schicksalhaft ankügdigenden Zufall noch häufiger eintreten und bemerkt werden laßt, als dies in der geordneten Friedensruhe geschieht. Die geheimnisvollen Schicksalskräfte sind in dem gewissen Stillstand unkriegerischer Zeiten mehr ge- bunben, es bebarf Deftiger Anstöße, um fie in Be. aiequng zu bringen. In bem stch ergebenben Un. rnaB oon Geschehen, fobalb Krieg ift, baberi es bie verborgenen Mächte leichter, sich zu betätigen weil es bann nirgenbs Trägheit unb Beharren gibt, bas "ie sonst manchmal sesthalten mag. hl
Unter ben zahllosen Knegs-Zusallen bdbeten Die aus bem Weltkriege schon eine befonbers zahlreiche Kruppe, in benen ein Krieger burch zufällige Um- ftänbe, Vorkommnisse, auch Traume unb Ahnungen oom Tobe errettet wirb Da >st. o'wa em ganz einfacher, häufig so ober ähnlich erzählter Fall. Ein Ramerab, oielleicht auch ein Vorgefetzter, bittet sei nen Nachbarn im Schützengraben ober an einer Lagerstelle, etwas zu rucken, ba er nicht genug IBlaft habe. Dies wenige Nucken ist eine ^chickfals- entidjeibung: ba, wo ber Nachbar Platz geworht unb ber um bas Rucken Vittenbe bequemer hin. singeldjoben hat, schlägt —. nach den B ch - meist kurz barauf schon — ein ländliches @ I ) > B
I ein; ber, ber in ben sretgemachten Platz nachge j rückt ist, wirb getötet, ber, ber zur Seite gewm>en ist, eben baburch gerettet, (o botz es den Anschein gewinnt, bas Schicksal habe diesem letzteren den Tob zugebacht - bozu beburfte es KbeniaUs m Weltkriege mit seiner unenblichen Zahl von Ver Hüften nicht einer besonderen Sch'cksalshand die für -ine Rettung schon niet eher gebraucht wurde.
Sehr weit ab oom Gewohnllchen aber liegt Dtes Heine Geschehnis: Zu einem Leutnant G., der m Unterstand sitzt, kommt ber gerufene Befehl, „teut nant K zum Kompanieführeri" be«'bt stch b ' nus, fragt ben bort stehenben Posten, ob er ge rufen habe? — Nein, er habe Überhaupt keinen «Ruf gehört. — Leutnant G. ift nun überzeugt, btz es eine Täuschung war, und tritt in ben Un jtanb zurück, als sofort wieder derselbe Rus ertönt
Nie Stadt der Stammtische. In allen Kreisen und ii Schichten der Berliner Bevölkerung ging man zum k! Stammtisch, um sich einige Stunden der Erholung ind Erheiterung ztt gönnen. Damit aber ist es nun ,, t mehr so gut bestellt. Auch die großen Ber- IBliner Bierbrauereien, die jetzt ihre Jahresbilanzen »ziehen, haben diese Veränderung wohl bemerkt. Der _ t! Ausstoß von Faßbier ist zurückgegangen, worunter LjP „ ber der Bierkonsum im Gesamten nicht gelitten hat. Das Flaschenbiergeschäft nämlich hat ÄS |lrf) dafür im gleichen Umfang gehoben. Das heißt »en.i<w lUber nichts anderes, als: man geht zum Stamm-
äsch — bei Muttern, worüber Muttern keineswegs ---»etriibt ist. Aber da hat sich ein neues Hindernis rgeben Die Bierflaschen reichen nur noch knapp ms, um den häuslichen Durst zu löschen. Und so vat eine Jagd nach Flaschen eingesetzt, von der sich We Brauereien einst nichts träumen ließen. Kluge Organisation hat aber auch hier Rat gewußt und io kann jeder Berliner nach der Tagesarbeit hosf-
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