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Frankreich erobert zu werden begann. Und zugleich sahen jene Hochschullehrer, daß die großen Schlag­worte bej französischen Revolution ausgelaufen waren in die Formen schärfster sozialer Bedrückung, wie sie sich in dem Textilarbeiterelend, in der Boden­zersplitterung, in der Verschuldung des Bauern aus­sprachen. Sie sahen, daß in einem sonderbaren Ver­ein nebeneinander die französische Freigeisterei und die engste konfessionelle Bindung existierten. Sie sahen, daß überkommene Ideologien das ganze Denken der Menschen aus einem Punkt heraus fixierten und jedes freie Urteil verkümmerten.

Mit einem Wort; die aufgeschlossenen Geister der Straßburger Hochschule sahen die soziale Pro­blematik mag nun Herkner über die skandalösen Textilarbeiterlöhne geschrieben haben, mögen nun praktische Juristen wie Back, Ruland ujü> Schwan- der Schwander wirkte noch 1919 bis 1930 als Oberpräsident in Hessen-Nassau Grundsätze und Formen der Fürsorgetätigkeit entwickelt haben, die nachher in das gesamtdeutsche Fürsorgewesen über­aegangen sind. Die uns heute geistig so fernliegende Bevorzugung der Notabeln, der französisch orien­tiertenBourgeoisie" im Elsaß, durch hohe deutsche Verwaltungsbeamte führte von der Sozialpolitik .in die eigentliche Politik, wozu auch manchen An­laß die heimliche Gegnerschaft des elsässischen Lan­desausschusses gegen bie- Universität gegeben haben mag; denn dieser Landesausschuß französelte.

Und so kam es, daß von der Straßburger Uni­versität Gedanken ausgingen, die heute in ver­staubten Büchern verborgen sind, die ober lebendig waren und blieben und in unserer Zeit von heute mächtig nachwirken. Um jener Zeit gerecht zu wer­den, braucht man sich nur an einen Tatbestand zu erinnern: Daß das Deutschlandlied noch immer ein

Revoluzzerlied war, daß im Grunde die einzelnen deutschen Bundesstaaten ihre Eigenständigkeit vom Reichsgedanken nicht verkümmern lassen wollten. So sah es in der Innenpolitik aus; in der Sozial­politik war es gefährlich, die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Daß sie in Straßburg beim rechten Namen genannt wurden, ist der Ruhm dieser Hochschule des Bismarckreiches. Bismarck selbst hat diese ahnende Hoffnung in den Reichstagsdebat­ten über die Gestaltung der neuen Westmark und in privaten Gesprächen mit visionärer Kraft unter­strichen; diese ahnende Hoffnung hat nicht getrogen und das Beste der Straßburger Hochschule lebt im Dritten Reich weiter. Dr. Ho.

Aus aller Welt

Um die Besiecktasche der Hebamme.

Die Duisburger Strafkammer hatte sich mit einem eigenartigen Fall der fahrlässigen Tötung zu befassen, die einer Duisburger Hebamme zur Last gelegt wurde. Die Hebamme erreichte der Ruf einer werdenden Mutter im Stadt-Theater. Sie machte sich sogleich auf den Weg und zwar, um keine Zeit zu verlieren, ohne ihre Bestecktasche, die sie wegen des Theaterbesuches in ihrer ziemlich ent­fernt gelegenen Wohnung zurückgelassen hatte. Da das Kind eine falsche Lage hatte, wurde es not­wendig, einen Arzt zu Hilfe zu rufen. Die Ge­burt glückte auch, doch dauerte es über eine Stunde, bis es gelang, das Kind zum Leben zu erwecken. Trotzdem aber starb das Kind am anderen Tage. Als Todesursache wurde Erstickung festgestellt. Die Schuld wurde der Hebamme zur Last gelegt, und zwar wurde ihre Fahrlässigkeit in der Hauptsache darin erblickt, daß sie ohne Bestecktasche erschienen

war und daher keine ordnungsmäßige Arbeit ver­richten konnte. Zur Klärung des Sachverhalts waren drei Sachverständige und ein sachverständi­ger Zeuge geladen, die in ihren Gutachten verschie­dene Ansichten entwickelten. Den Ansichten, daß das Fehlen der Tasche ein sicheres Arbeiten unmöglich gemacht habe und die Erstickung des Kindes da­durch eingetreten sei, daß der Kopf des Kindes sich zu lange in einer gefährlichen Lage befunden habe, trat Prof. Dr. Martin entgegen, der als Gynä­kologe 40 Jahre als Geburtshelfer und 15 Jahre in einer Hebammen-Lehranftalt in Wuppertal-Bar­men tätig war. Nach feiner Ansicht war die Ver­unreinigung der Lunge schon viel früher ein­getreten. Bei derartig schweren Fällen sei häufig mit dem Tode zu rechnen. Die fehlende Tasche spiele dabei keine Rolle. Er selbst habe seine Schülerinnen stets gelehrt:Geht, wie ihr steht! Was der Arzt notwendig habe, feine Hände und feine fünf Sinne, genüge auch für die Hebamme". Man könne der Angeklagten im vorliegenden Falle keinen Vorwurf machen, daß sie sofort auch ohne Tasche zur Hilfe eilte. Auch der Arzt, der zufällig zu einem Auto­unglück eile, würde nicht sagen, er müsse erst seine Bestecktasche holen. Die Hebamme wurde daher freigesprochen.

Um eine Million...

Ein Fall, der lange Zeit großes Aussehen er­regte, kam dieser Tage vor dem Kreiszivilgericht in Brünn in Mähren zur Entscheidung. Ein Landwirt Sp. aus Beisterschitz hatte bei der Filiale des Bankhauses K. ein halbes Los der Nummer 59 153 gekauft und auch vier Klassen hin­durch bezahlt. Die Ziehung der fünften Klasse fiel in eine Zeit, in der politische Veränderungen im

Gange waren. Aus diesem Grunde wurde bec Ziehungstag zum 1. Oktober 1938 auf den 24. Ok­tober verschoben. Am zweiten Ziehungstage wurde das Los 59 153 mit einer Million gezogen. Sp., der davon keine Kenntnis hatte, schickte erst Ende Oktober seine Tochter, damit diese die Prämie für das Los bezahlen sollte. Das Geld wurde ihr aber nicht mehr abgenommen. Der Landwirt war nun der Meinung, daß die be­sonderen politischen Verhältnisse es verständlich machten, daß er nicht pünktlich das Los bezahlt h-atte, und er klagte gegen das Bankhaus K. auf Auszahlung des Millionengewinnes. Seinen Rechts­anspruch trat er später an das Bankhaus R. ad, das die Klage weiterführte. Das Gericht wies die Behauptung des Klägers, daß er durch die Be­zahlung der ersten vier Klassen bereits das ganze Los erworben habe, als unrichtig ab, da aus­drücklich auch die Bezahlung der letzten Rate für die gültige Spielbeteiligung in der fünf­ten Klaffe festgesetzt ist. Auch den Hinweis des Klägers auf die verworrenen Verhältnisse hielt das Gericht nicht für stichhaltig. Die Klage wurde des­halb abgewiesen.

Gewaltverbrecher wegen Widerstandes erschossen.

Der Reichsführer ff und Ches der deutschen- Polizei teilt mit: Am 20. Februar wurde der Ge­waltverbrecher Adolf M ichael Ebener roegeit Widerstandes erschossen.

paupiidjRfUetter: Dr. Friedrich Wirbel m Lange Stellvertreter bM youptschrMietlerS Ernst Blumschetn. Berantworllich rüt Polin unb Bilder Dr. Ar. W. Lange für daS Feuilleton: Tr. HanS Thvriot; ür Stad' Gießen, Proviw, Wirhchan u. Sport: Ern» Blumiche i.

Druck uno Verlag Brühhche Univerntalsvruckerei R. Lange v G. Verlagsleiter Dr.-Ing. Erich Hamann SlnzeigenleUer Hane Vech 'Ppr'-mtninr * Ü7 den 5tnbal* der9ln-eioen: TbeodnrKümmel

Kaufmann Karl Schott

In tiefer Trauer: Lisa Schott, geb. Lein, und

Grünberg, den 23. Februar 1941

Die Beerdigung findet Dienstag, den 25. Februar, nachm. 2 y2 Uhr statt

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Mein inniggeliebter Mann, mein treusorgender Vater, mein treuer Sohn, unser guter Bruder und Schwager

Christa Schott

Frau Katharine Schott Witwe.

Friedel Hofmann und

Frau Marie, geb. Schott

ist gestern nachmittag 6 Uhr infolge eines Herzschlages nach schwerem Leiden aus einem Leben voller Arbeit und Schaffensfreude im Alter von 41 Jahren von uns gegangen.

Heute nacht ist meine liebe Mutter und Schwiegermutter

Frau Marie Philippi, geb. Stühler

hi ihrem 64. Lebensjahre sanft entschlafen.

Die trauernden Hinterbliebenen; Heinrich Sieglinger und Frau Konrad Becker.

Gießen (Kreuzplatz 11). den 23. Februar 1941.

Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 26. Februar, nach­mittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt

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